Nr. 281.- 1915. Unterhaltungsblatt des vorwärts Zouutag, 5. Ieztmbtr. Das vervollkommnete Taplor-Spftem. An Amerika wird daZ Taylor-System„wissenschaftliche Be- triebSführung' genannt. Zur Untersuchung dieser so viel ge- priesenen und bekämpften Art von Bctriebsführung Ivurde vor einigen Monaten ein Ausschuß ausgcsandt. Aus seinen Besuchen in den von diesem System heimgesuchten Fabriken fand er be- merkenswerte Beispiele seiner Vervollkommnung. In einem Betrieb der Lklcidungsindustric war die Arbeit nach allen Regeln der„wissenschaftlichen Betriebsführung" dermaßen geteilt und wieder geteilt, daß eine Gruppe Arbeiter tveitcr nichts zu verrichten hatte als eine einzige Art Saum in die Maschine zu stecken oder einen bestimmten Teil eines Kleidungsstückes in die Bügelmaschine zu schieben oder tagelang, wochenlang, Monate- lang nichts als Knopflöcher zu nähen. Das Knopfaniüihcn ist nun zwar kein Beruf, der eine lang« Lehrzeit erfordert; dessen ungeachtet ist es eingehend studiert und gründlich analysiert worden, und die dabei gemachten Entdeckungen wurden dann auf die Fabriktätigkeit übertragen. In einer großen Fabrik fand der Ausschuß ein Mädchen, da? Zwirnfaden auf eine bestimmte Länge abschnitt, ihn einfädelte und dann mit Wachs einschmierte. Auf Befragen erklärte der Betriebs- fachmann, vor der Einftihrung der„wissenschaftlichen Betriebs- führung" habe jedes Mädchen ihren Zwirn selbst auf die ihr zusagende Länge abgeschnitten und eingefädelt. Allein die Regeln der„wissenschaftlichen Betriebsführung" zeigten, daß dies alles unrichtig sei. Denn wenn ein Mädchen den Faden zu kurz schneide, müsse es zu oft einfädeln, was Zeitvergeudung bedeute; und lvenn es den Faden zu lang nehme, so verlöre es zu viel Zeit durch die langen Armbewegungen, die solange notwendig seien, als der Faden kürzer werde. Ursprünglich habe man den Knvpfnähcrinnen Faden von verschiedener Länge gegeben und sorgfältig eingetragen. wieviel Knöpfe jedes täglich annähe. Als dann die Analysierung der Ergebnisse festgestellt habe, mit welcher Fadenlänge die meisten Knöpfe angenäht werden, sei dieses Matz als bleibende Nonn be- stimmt worden. Und da nach der Theorie der„wissenschaftlichen Betriebsführung" der Mensch, der immer die gleiche Arbeit ver- richte, diese besser tun könne als irgendein anderer, sei ein Mäd- clien besonders angestellt worden, Faden von der normierten Länge einzufädeln. Dies ist die erhöhte Teilung der Arbeit der Knopf- näherin. Aber dies war vom„wissenschaftlichen" Standpunkt aus doch nur ein plumpes und armseliges Ergebnis der Analysierung der Knopfnähcrei, wie in einer anderen Fabrik der KleidungSindustrie überzeugend dargetan wurde. Hier war dieser Beruf, die Knopf- näheret, mit tiefer furchender Wissenschaftlichkeit studiert Ivorden. Wenn die Länge des ZtvirneS die Zahl der Knöpfe, die ein Mädchen an einem Tage annähen kann, bestimmte, dann mußte auch die Länge ihrer Arme bestimmenden Einfluß ausübe», da doch daS Mädchen mit langem Arm eine längere Bewegung machen muß, um die Nadel durch Stoff und Knopf zu ziehen als das kurz- armige. Seitdem einmal diese„wissenschaftliche" Tatsache entdeckt war, machten die Fachleute weitläufige Studien über das Problem. Mädchen mit ganz langen und ganz kurzen, als auch solche mit mittellnngen Armen ließ man mit Zwirnfaden von regelrechter Länge Knöpfe annähen. Sie wurden dabei peinlich überwacht, die Menge ihrer Tagcsarbcit sorgfältig eingetragen und analysiert. Das Ergebnis dieser Untersuchung machte cS den Fachleuten möglich, die geeigneteste Armlänge herauszufinden, die ein Mädchen befähigt, die höchste Zahl Knöpfe anzunähen. Die Abteilung für Arbeiterannahme wurde ersucht, der Knopfnäherei Mädchen zu be- schaffen, denen Arme die gewünschte Länge hatten. Aber selbst damit'war die wissenschaftliche Gründlichkeit noch nicht zu Ende. Bald war herausgefunden ,daß auch die Länge der Finger einen unbestreitbaren Einfluß ausübte. Untersuchungen über die allergceigneteste Fingcrlänge wurden angestellt, um in der Knopfab- teilung nur solche Mädchen zu beschäftigen, die Arme und Finger von der Länge hatten, die als die wirksamste gelten konnte. Nach einiger Zeit hatte die Fabrik eine Gruppe Mädchen, die Knöpfe an- nähten init Zwirnfaden, Fingern und Armen, deren Länge durch gründliche Untersuchungen als Norm anerkannt waren. Damit war die Vervollkommnung der„wissenschaftlichen Betriebsführung" er- reicht. Zwar auch nicht ganz. Die menschliche Natur oder Veran- lagung ist geneigt, die starren Regeln der mechanischen Bewegungen über den Haufen zu werfen, lvenn diese auf sie angewendet werden. Es dauerte nicht lange, bis die Fachleute, die lange Tage mit Stcckuhrcn geforscht und über eine Masse von Zeitstudien gegrübelt hatten, entdeckten, daß sie wohl die Länge des Zwirnsfadens, der Finger und der Arme für das Annähen von Knöpfen normiert hatten, aber immer noch ein großer Unterschied in der Leistung der Mädchen zutage trat. Was die Ergriinder der Leistungsfähigkeit zu nonnieren ver- gessen hatten, was sie überhaupt nicht normieren konnten, waren die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Arbeiters, dessen Lebens- kraft, dessen Streben, dessen Nervenbeschaffenheit, das Maß seiner Fähigkeit, der Eintönigkeit der Fabriktätigkcit ohne körperlichen und geistigen Schaden zu widerstehen. Schließlich kamen in der letztgenannten Fabrik die Normallängen von Zivirnfaden. Armen und Fingern wieder außer Ansehen, und jedem Mädchen war es wieder gestattet, den Zwirn so laug abzu- schneiden, als ihr zusagte. Das Ergebnis war, daß sich die nicht normierten Mädchen, wie aller Anschein bezeugte, einer besseren Ge- sundheit erfreuten, weniger abgehetzt waren, so ihrer Gesundheit und ihrem Arbeitgeber mehr nützten als ihre normierten Schwestern. Es mag ein bißchen wissenschaftliche Forschung verbunden mit anderen Beweggründen gewesen sein, die zu den Zeit- und Be- Ivegungsstudien führte und als schliehliches Ergebnis die Normierung der Länge von Zwirnfaden, Armen und Fingern für die Kunst des Knopfamtähcns brachte, aber der Beweggrund, der Mädchen Wohlstand zu fördern oder sie zu leistungsfähigen Kräften auszubilden, tvar nicht dabei. Die Erfahrung hat die Fabrikleitung von der„wissen- schaftlichen Betriebsführung", von den Zeit- und Bewegungsstudien, von der Normierung der Länge des Zwirnsfadens, der Finger und Arme abgebracht und ihre Aufmerksamkeit auf die Ausbildung ihrer Arbeiterinnen gelenkt. Zum Vorteil für beide Seiten. Aber, wie gesagt, daö hat sich in Amerika zugetragen. F. K. kleines Zeuilleton. Die verzinkten Kciegsfünfer. Die ersten Fünfpfennigstücke aus Eisen sind im Umlauf. Noch sind sie Gegenstand der Neugier von Alt und Jung, denn Geld aus Eisen hatte Deutschland bisher noch nicht. Tie gefällige Form dieses Kriegsgeldcs wird allgemein anerkannt, doch wird wohl häufig die Frage laut, ob dieses Eisengeld gegen äußere Einflüsse genügend ge- schützt sei, oder ob Rost es allzu leicht verzehren könnte. Wir erfahren, daß die neuen Fünfer„sherardifiert" sind. WaS heißt das nun? Nach dem amerikanischen Erfinder be- nannt, ist die„Sherardisierung" eine Verzinkung der aus Siemens- Martinstahl geprägten Blün�e», wie sie für kleinere eiserne Massen- artikel schon länger von der«Herard Osborn Corper Coles angewandt ivorden ist. Die ausgeprägten Stücke werden in einer drehbaren Trommel auf etwa 4M Grad Celsius erhitzt und dabei mit einem Zinkpillver vermischt, daS aus 80 bis 90 Teilen Zink und 10 bis L0 Teilen Zinkoxyd besteht. Dabei bildet sich auf der Oberfläche der Geldstücke eine dünne Haut einer Zinkeisenlegierung, die auf 1 Teil Eisen 10 Teile Zink enthält und gegen Rostung sehr Widerstands» fähig ist. DaS Zinkpulver kann solange bei der Sbcrardisierung be- nutzt werden, bis auf 100 Teile weniger als 20 Teile metallisches Zink entfallen. Ist cS soweit verbraucht, so muß es ersetzt werden. Die Sherardisierung von Stahllvaren kann naturgemäß nur in ge- ringer Hitze erfolgen, um den Stahl nicht zu enthärten und ivieder in gewöhnliches Eisen zu verwandeln. Für die neuen Scheidemünzen genügt die Einwirkung während weniger Stunden; die Stärke des LcgicrpngSüberzuges ist abhängig von der Dauer der Sherardisierung, die jederzeit nach Bedarf unterbrochen werden kann. Sie hat zudem gegenüber der bisher gebräuchlichen galvanischen und der Fcuerver- zinkung den großen Vorteil, daß ein Metallverlust der Münze selbst lischt entstehen kann. Außerdem ist die Legierung gegenüber der ein- fachen Verzinkung viel widerstandsfähiger, so daß eine Rostgefahr völlig ausgeschlossen ist, der Uebcrzug müßte denn schon zuvor durch Säuren oder starke mechanische Zerstörung stellenweise oder ganz ent- fcrnt sein. Die neuen Geldstücke stehen den Nickelmünzen in bezug auf ihre Haltbarkeit durchaus nicht»ach. Bedenken dieser Art sind daher völlig ungerechtfertigt._ Sklöer aus Monastir. ES ist ei» überraschendes, schönes Bild, da« sich dem Reisenden bietet, wciiil der von Saloniki lommende Zug die wilde und ein- same Bergeinöde Himer Wodena durcbichnittcii hat und nun sich der Blick auf die fruchtbare pelagonische Ebene öffnet, die die Erna, des Wardars bedeutendster Nebenfluß, durchströmt. Da ist wieder Leben. Anbau, Anmut; cS mchrcii sich die sreulidlichen Lrlschaslcu mit stotilichen Gehöflcn und sorgsam gepflegien Obstgärten, und bald erscheint in einiger Entfernung auch die Hmipistadt dieses Becke us: das jetzt so viel genannte Monasiir. Der Blick auf Monaslir ist von seltener Schönheit. Ucbcr der Siadt erhebr sich die lauge, zackig gefurchte Alpculctie der Ncrctschka Planiua, deren Gipfel der' gewaltige, von Gletschern umpanzerle Parieteri bildet, der bis zu 2300 Meter hoch emporragl. Von diesem Hinlergrunde hebt sich um so wirksamer die Stadt ad, die, umschlosseii von eiuem Kranze blühender Gärten und mit ihren weißen Landhäusern, ein niazedonischcs Damaskus zu sein scheiui. Aber, wie so oft in diese»! Leben, so trügt der Schein auch hier. Betritt man die Siadt, so zerrinnt der Zauber, den der Fernblick aimete, und Monasiir zeigt sich als ein ziemtich aimseliges Nest mir bescheidenen Häusern, deren verlottertes Aussehen miiuntcr durch üvpig wuchernde Schlingpflanzen gemildert wird. Immerhin ver- leihen die vielen Ballone an den Häusern, das enge Gewirr der Güßch-n. die Gärten mit ihren Obstbännien und zahlreichen Pappeln, dazu endlich die mannigfalrige und buntgekleidcte Bevölkerung der Stadt einen malerischen Charakter. Ein besonderes Gepräge erhält sie dadurch, daß hier Osten und Westen, Morgeiiland und Abendland so prall anseinanderstoßen, wie wohl an wenigen Stellen der Balkanhaib- insel. Zuweilen, besonders auf dcr� ziemlich stattlichen Hauptstraße. sieht niau europäische Häuser, die schließlich ebenso gnt in einer unserer Städlc stehen könnten; aber in ihrer imniittclbaren Nach- barschaft erblickt man, wie Lmdenbcrg in einer Schilderung von Monasiir bemerkt hat, die lvackeligsten hölzernen Baracken mir ver- kliimmtcn, winzigen Altanen, mit den vergitterten Fenstern der Francligemächcr, mit windschiefem Dach, das der� nächste heftige Sturm fortreißen kann. Das größte Gebäude� der Stadt ist die noch aus der Türkenzeit stammende Kaserne, sodann folgt die Militärschnle und der alte Konak. Allein reizvoller als die modernen Anlagen bleibt daS malerische Leben und Treiben im allen Monasiir. Da sind nicht eben große Moscheen von ehrwürdigem Alter, träumende, kaum gepflegte Fried- hose. Tie Straßen sind in übler Verfassung; Hirten treiben da ihre Schaf- und Schweincbcrden, auch Esel und Büffel. � In dieser primitiven Umgebuiig Hansen— oder hausten wenigstens in Friedens- zeiten— die Konsuln der verschiedensten curopäischcn Mächte and Großmächte und an glänzenden Waffcnschildcrn war kein Mangel-. gehörte doch Monastir schon vor dem Ausbruch der letzten beiden Ballankriege immer zu den großen Wetterwinteln der Halbinsel. Das Schönste an der Siadt aber bleibt ihr landschaftliches Bild; der Dragorfluß. der sich, von hölzernen Brücken übcrsvamit, brausend durch die Siadt ergießt, und die Schiiccgebirge, die aus die alle Stadt hcrabblicken._ Notizea. — Vorträge. Im Institut für Meereskunde spricht Dienstag, den 7. Dezember, Prof. Dr. Wiedenfeld über: London. Freitag, den 10. Dezember: Prof. Dr. Merz übcr:�Die Nordsee und ihre User st ante n.— Im Z e n t r a l i n st i t u t für Er- ziehung und Unterricht(Potsdamer Str. 120) spricht Mittwoch, den 8. Dezember, Prof. Bürbach über:„Deutsche Re- n a» s s a n c e". Beginn 8 Uhr. Eintritt frei. — Volle Gagen. Die Direktion des Deutschen Theaters hat sich entschlossen, vom 1. Dezember d. I. an ihren Mitgliedern und Mitarbeitern bis auf weiteres wieder die vollcu Gagen auszahlen zu lassen. — Einen Beet Hove n- Zyklus veranstaltet das ver- stärkte B l ü t h n e r- O r ch e st e r unter Leitung Paul Scheinpftugs. Zur Aufführung gelangen sämtliche 9 Sinfonien, ferner an jedem Abend ciii Klavier- oder Violin-Konzert mit Orchester, unter Mit- Wirkung hervorragender Solisten. Erster Abend am Mittwoch, den 8. Dezember, abends 8 Uhr, im Blüthnersaal. Solist: Prof. Ernst v. Tohnanyi(Klavicr-Konzert Nr. 2), 1. und 5. Sinfonie. — Erweiterung des gcruiani scheu National- Muse» in s. Mit der seit Jahren geplanten Erweiterung des Ger- manischen MnscumS in Nürnberg soll cS nun Ernst werden. Die von Geheimrat Bestelmeyer iu Berlin gefertigten Entwürfe fanden die Genehmigung des Bayerischen Ministeriums. Es handelt sich um einen gewaltigen Bau, der neben einer imposanten Eingangs- Halle große Sammlungsräume im Erd- und Obergeschoß sowie»chh- rcre Säle für die Bibliothek, das Archiv und das Kupferstichkabüirtt enthalten wird. Dazu koiiimen noch Räumlichkeiten für die Per- waltung. Die Schicksalsmaus. Eine Erzählung von Tieren und Menschen. 21j Bon Harald Tandrup. „Wie ivär's, wenn wir sie Christensen brächten?" schlug Andersen vor.„Ich möchte heute am liebsten alle Menschen glücklich machen." „Vielleicht Hab' ich auch noch ein Tröpfchen Kaffee— ach ja. da ist ja eine ganze Menge," damit tat Maren Zucker und Milch in ihre Tasse und rührte um.„Er wird sich gewiß freuen, der arme, einsame Mensch." Vorsichtig ging Andersen mit der dampfenden Kaffeetaffe die Treppe hinauf und klopfte bei Christenscn an. Cr hörte schlürfende Schritte; dann schloß der Philosoph auf. Aber er öffnete die Tür nur ein ganz klein wenig und schaute scheu und mißtrauisch durch den Spalt. „Was wollen Sie, Andersen?" fragte er. „Ach bitte, seien Sie nicht böse, wenn ich störe", ant- wartete Andersen.„Ich habe nur ein Täßchen Kaffee und ein bißchen Kuchen für Sie." „Für mich?" fragte Christensen erstaunt. „Ja, wir konnten ihn nicht mehr trinken," erklärte Andersen entschuldigend,„und da dachte ich, cS käme auf eines heraus, ob Sie den Rest verzehren oder ob er in den Schweinctrog geworfen wird, wie wir auf dem Lande sagen." Der Philosoph Wittertc wie ein Hund, und als er den Kaffee roch, öffnete er die Tür vollständig und bat Andersen, einzutreten. „Kaffee geht mir über alles", sagte er—„gerade wie dem großen Voltaire." Nachdem Andersen die Schivellc überschritten hatte, schaute er sich neugierig um und fragte, wo er den Kaffee hinstellen solle. „Auf den Tisch", erwiderte Christensen. Aber Andersen konnte nirgends einen Tisch entdecken. „Wohin fragte er noch einmal. „Dorthin!" befahl Christenscn, indem er auf eine große, umgestülpte Kiste deutete.„DaS ist mein Tisch." Andersen setzte die Tasse nieder, und der Philosoph zog eine kleinere Kiste hervor, die er seinen Stuhl nannte; eine dritte, mit Stroh gefüllt, war sein Bett. Ans dem Fußboden lagen Bücher und alte Papiere. In der Fensternische stand cme Küchenlampe. Vorhänge gab cS nicht; aber dafür hatten die Spinnen in den Fensterecken fleißig ihre Netze gezogen. „Wollen Sie sich nicht setzen?" fragte Christcnsen. „Nein, danke; man sitzt bei meiner Arbeit so viel, daß ich mich gern ein ivcnig im Stehen ausruhe, wenn Sie nichts dagegen haben." „Wie Sie iviinschcn", erwiderte Christensen kurz. Hierauf tunkte er daS Wienerbrot in den Kaffee und schmatzte voll Wohlbehagen. «Sie haben es ziemlich kühl hier", bemerkte Andersen mit einem scheuen Blick auf den Ofen, der kalt und schwarz aussah. „Ich friere nie", entgegnete Christensen. A ndersen freute sich über die Andacht, mit der der Philo soph seinen Kaffee genoß. Es ist doch etwas Herrliches, auch andern eine Freude bereiten zu können, wenn man selbst froh ist, dachte er. Und kaum war er so weit gekommen, mußte er seinem Herzen Luft machen. „Ich bin so glücklich heute. Christensen!" „So, wirklich?" sagte der Philosoph. „Ich habe mich nämlich verlobt, müssen Sic wiffen." „Hm!" knurrte der andere.—„Mit tvem?" „Mit Jungfer Larsen— hier drunten." „Da soll man Ihnen wohl Glück wünschen?" fragt Christenscn trocken. „Gewiß, das können Sic." Ter Philosoph bog den Kopf zurück und trank seine Tasse bis auf den letzten Tropfen auL. „Maren ist ein prächtiges Mädchen," begann er dann. „Nach ihrer Abstammung braucht man nicht zu fragen; sie ist reine Landrasse. DaS ist die Art Weiber, die die Mütter sener Männer werden, die früher oder später daS Land regieren." Andersen fand cS etwas eigentümlich, schon jetzt von Dingen zu reden, die Gott sei Dank noch m weiter Ferne lagen. Aber der Philosoph war ja nicht wie andere Menschen. „Wir hoffen von der Zukunft daS beste," sagte er be- scheiden. „Ich bin überzeugt, daß Sic glücklich werden, Andersen," entgegnete der Philosoph, indem er dem jungen Mann seine magere Hand auf die Schulter legte.„Ihre und Marens Kinder iverdeu nicht nur sür Sie beide, sondern auch für andere ein Segen fein." „Meinen Sie, Christensen?" fragte Andersen erfreut „Wenn Sie das ivirklich glauben, bin ich glücklich— denn ich. habe es mir selbst auch schon gedacht." „Ja, ich glaube cS. Andersen; und ich kann Ihnen auckl sagen, warum Sie glücklich iverdeu. Sie Ivissen doch, wie der Schwede sagt:.Wenn du warten kannst, wirst du vielleicht sogar König von Schweden'." „Aber das ist doch nur ein Scherz." „Nein, Andersen, es ist der bitterste Ernst. Sie sind gerade der Mann, der warten kann, und so werden Sie sicher einmal König von Schweden." „Jetzt haben Sie mich zum besten, Christenscn!" „Gott soll mich bewahren 1" rief der Philosoph.„Einen Menschen wie Sic zum besten haben, das wäre eine Todsünde. Sie müssen mich mir zu verstehen suchen. Wenn ich sage, Sie könnten warten, so meine ich damit, daß Sie achtzig Jahre lang leben, warten und dann sterben können, Andersen. Aber Sic leben dennoch in Ihren Kindern, den neutn Andersen, fort; die iviedcrunr warten, wieder sterben und wieder in den Geschlechter», die nach ihnen kommen, ivcitcrlcbcn. Aus dicscil aber kauu alles Mögliche werden, denn cS ist Schwung in der Raffe." „Sic sind gewiß ein sehr gescheiter Mann, Christenftr:," sagte Andersen,„aber daS kann man von mir nicht behaupten. Ich weiß wohl, ivas ich ivert bin; doch lvaS man so einen klugen Kopf nennt, das war ich nie." „Glauben Sie ja nicht, daß so ein sogenannter kluger Kopf soviel wert ist, Andersen. Es hat eine ganze Menge solcher Grübler gegeben, die für die Welt ein System aus- gesonnen haben, und dann sind� andere scharfe Denker ge- kommen, die bewiesen, daß das System ihrer Vorgänger ver- kehrt war. Hierauf stellten sie ein neues ans, das'hundert Jahre später Ivieder zerpflückt und unmöglich gemacht wurde. und so ging cS fort—. Das gute Herz aber, das einst gesagt hat: Liebe deinen Nächsten! ist nie zu schänden geworden. Es gibt einfach nichts Höheres.— Von Ihnen glaube ich, daß toie ein gutes Herz haben, und deshalb sage ich, daß Sie glücklich sind. „Was halten Sic für erfreulicher, Andersen: Selbst den Gipfel zu erklimmen--- Ritter, Staatsrat, Millionär zu sein-- und dann den Niedergang seiner verweichlichten, geistesschwachen Erben zu beobachten? Oder als armer Schneider Kinder zu bekommen, die sich zu reichen Schneidern, Tuch- großhändlern cmporarbcitern, und dann in seinem höhest Alter die KindeSkinder über jene Nachkommen der staatsrätltcheii Kinder herrschen zu sehen?" „Sollte das wirklich so zugehen?" fragte Andersen hin- gerissen. (Forts, folgt.) ..'D ..''-A- '"A .. f&ii Weihnachten neht, aber unter dem Eindruck der Zeit kommen fast nur nütz! che, praktische Geschenke in Krage. / Kleidungsstücke als Festgaben werden also diesmal eine ganz besonders große iZstolle spielen. Llnd immer wieder wird es sich zeigen, daß ein solches Geschenk seinen Zweck ganz besonders er- füllt. Einerlei, ob es ein warmer Wintermantel, ein eleganter Plüschmantel oder eine hübsche Dlu e ist, immer wird es den Empfänger auf Zeiten hinaus dankbar des Gebers gedenken lassen. Deshalb sollten Sie bei uns Kleidungs- stücke zu Geschenkzwecken besorgen. De gewaltige Auswahl, die wir Ihnen bieten und unsere außerordent- lich niedrigen Pre se werden Ihnen die Wahl ganz bedeutend erleichtern. Königsiraße 33 Chauffeestraße 113 Am Bahnhof Alexanderplah Belm eie.tiner Bahnhof An den beiden letzten Sonntagen vor Weihnachten bleiben unsere Geschäft« ausnahmsweise geöffnet. um mm niBlla'filiniiiS'SKSIIiSM iMlIillinllilllM »«iiiili»«: aaaaaaaaaaaaaaaaaaaa aaaaaaaa aaaBBaaaaaaaMaaaaaa aaBaaaaa_ alvLVa II; m ii Ii :».«>! f; iW: :v.W' »»«: :v.«: »SN: !»'«: :«Ä. -Wi ?0»M? imm', i-A: -UÄ: !».»: | !».»: !»«! Mas kebenke ick zu Meihnachtcn? Sä: UorwärtsKiaffiker Goethes Werke KafSÄ™! Werke des Dichters von Dr. Franz Dicdcrich. föofnoc 15 Lände in drei Bänden it�vlllvd Wvl nv gebunden miteiner biographischen Ginleitung verleben von Franz Mehring. Reuters Werke tS des Dichters, herausgegeben von Gmil Kraule. Jedes Werk(3 Bände) 4 Mark HauNs Sämtliche Werke Die tiefte QBterhaltnngsieltture ist die 'Vorwärts EIMIothck Zand 1: erweckt, Roman aus dem Proletaricrlebcn vdn R.Ger.— Band 2: Derfluswca, Eine erzählung von ernlt Prcczang.— Band 3: Das Land der Zukunft, Reilebetchreibung von L Koiilch, mit einer einleitungvonPaulGöbre.— ßandt; Verlctsrobcnes Volk,€rzäblungen von R. Grötzlch.— Band 5: Der Prinzipienrclter,eincerzähliingaiisdcmjahrcl8't8 von tüilhclm Bios.— Band 6: In den tod getrieben, .Zwei evzählungen von ernlt. Preczang.— Band 7: DerFariierGarienundRnderes von UlinnaKautsky. Band 8:(Futter, Gin Frauenlchicklal von joh.Ferch. Hand 9: Der tForgcn graut, erzählungen aus dem Proletarierleben von M. Rnderten-Hexo.— Band 10: 1000 IFark Belohnung, Kriminalroman v. Rans Ryan. Band H: Die Rcitcrctei,£inc humoristische erzählung von 0. Ludwig.— Band 12: Vom Üailenhaus zur Fabrik, Gefchichte einer Proletaricrjugend von R. 6. Dikreiter.— Band 13: Der Gotteslästerer, Roman aus dem Leben der erzgebirgilchen cüald- arbeiten von fl. Ger.— Band 14: Die IFarhctenderin, erzählung von erckmann-Chatrian.— Band 15: Kricqsfahrlen in Belgien und Fordfrankreich. Von Dr.Koeltcr und 6. Hoeske, M. d. R.— Band 16; Kriegsberichte aus Ostpreußen und Rußland. Von tl.Dihvel!, Kriegsbericbterftatter im Rauptquartier Oftens.— Band 17 und 18: Retzen im Kriege, Schilderungen und Geschichten, eine fluslcle von Dr. Franz Diedericb Jeder gut gebunetene Band kostetl Mk. ZUMsiNisleu.»lheiMet. BiMdiet ddö Spiele | in reicher Ruswabl in allen Preislagen._ 8 MMg oet leliglon sno Des MtesglguDeiis SSsiioS: «toWlnngsäernmie Der fSröe SSiid»|™»PJ.™ Ä Geologische Profile und Grklärungen geologischer Fachausdrücke. 1 Mark. � nttffrfiß /Rofehlififo vom Rusgang des Mittelalters. 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In einem Leinenband 5 Mk., in zwei gut gebundenen Bänden k Mk.— Vom drängenden Leben derZeit will dieses Buch der Dichtung zeugen, vom Leben, das von unten auf treibtund keimt, vom Leben, das schwerste Mühe und heiligste Arbeit austeilt vnd alle beltc Kraft und die höchsten Opfer vom einzelnen zum Segen des Ganzen fordert. rilAithnAAb Briefe aus der Reide an meine UlvIlUlvOn jungen Freunde. Von J.Brand. In diefem vortrefflichen Buch bietet Freund Brand zwölf Briefe, die er den Kindern in zwölf Monaten des Jahres aus(einem Dienbrook schreibt. D-rcb jeden einzelnen dieser Briefe lernen die Leier ein besonderes Kapitel der Natur kennen. Gebunden, mit Buchschmuck versehen, Preis nur 1,50 Mark. eine Reife nach Island"mt'° männer-Inleln. Reisebriefe und Cagebuchblätter von£. Sonnemann(Jörgen Brand). Mit vielen Illustrationen.— Preis gebunden 2,50 Mark. Der durch lein ,, Dienbrook" schon bekannte Verfaller weiß, daß Kinder(ehr gern solche Reisebeschreibungen lesen, darum schrieb er dieleRcisebriefe. rinkör ftiraf/l Von C. Grottewitz, heraus- Uilivl tvdiU gegeben von W. Bölfcbe. Mit zahlr. Abbild. Dieses Buch bat bei den bedeutendsten Pädagogen wie in der Presse begeisterte Aufnahme gefunden. Broich. 2,50 Mk., in Leinenband 3 Mk. Sonntage eines Großstädters in Hö« Tlniun Von C. Grottewitz. Vorwort Iii UtT IldlUr von Wilhelm Böltche. Mit Buchschmuck und einem Porträt des Verfassers. Das kleine Werkeben fand allseitige Anerkennung und hat sich viele Freunde erworben. Geb. 1 Mk- Kreuz u.quer durch den Balkan Reifcbefcbreibung von L. Lessen. In diesem Buche werden Land und Leute der Balkanhalbinsel fesselnd geschildert. Illustriert von J.Schur. Gcb.1,50 Mk. IFit dem Cornifter VSfüU eines Infanteristen aus dem Jahre l870.VonRückert. Gebunden 1,50 Mark. :»«! :»«! M •——■ :=:. Im: IÜ: :»«: IÜ! issc jyi ßMd)baiidluiigTorwärtsPa«löiiigcr6.iii.b.ii., Berlin, t-lndenftr.a D :»«: mvm mm ÜFfCb MMlch. SÄtSSQTu Fub vef SnfetQtenteU beimtlte.; Tb.(Diode,©et Im. DruS u.0ctla6: Öottoäiti Bnckbtllcterei u. löettaaäanüati ißaul Smoet ü äo.. öentin SW. ä'illlllli'illlllli'illllilä'illllllÄ'Alllllli'alllllli'illlllliielllllli'i; --------------------------------------------------------------