Br. 282.— i9i5. Llnterhaltungsblatt des Vorwärts 7- Der Geiger am letzten Pult. Von Balthasar Prüfer Er hatte keinen Namen. Geiger am letzten Pult haben nie einen Namen. Es ist ganz einerlei, ob ihnen Sic Eltern einen in allen Pfauentönen schillernden Namen mitgegeben haben: es kümmert sich niemand darum. Auch Balduin Bleichtretcr ging es nicht anders. Es kam auch nicht ein einziges Mal vor, dost der Dirigent gesagt hätte:„Herr Bleich treler, Sie haben den Einsatz versäumt." Nein, es hiest nur„Nummer zwei am letzten Pult noch einmal". Und?!ummer zwei am letzten Pult strich dann bekümmert und trostlos ein zweites Mal die verfehlte Stelle und das ganze Orchester warf wütende Blicke auf Nummer zwei am letzten Geigenpult wegen der Verzögerung. Manchmal machte auch einer seinem Aerger Luft:„Was an diesem letzten Pult zusammengcpatzt wird, das ist doch himmelschreiend I" Aber nie- nials wäre es jemand eingefallen, den Namen Bleichtreter auszu- sprechen. Man machte nicht einmal die billigen Spaße, zu denen das Wort Bleichtreter verlocken konnte, obwohl der Getger Balduin ein richtiger bleicher und ungeschickter Treter war, immer hüstelnd und schüchtern, mit hilflosen, unbeherrschten Bewegungen auf das Podium hinaufkletterte, mit einem blassen und merkwürdig der- zwickten Gesicht vor den Noten saß und niemals recht wußte, wo er seine Gliedmaßen hintun sollte, die ihm und den anderen im Wege waren. Das war's: er war so grenzenlos unwichtig, so unwirklich über- flüssig, daß man nicht einmal Spätze mir ihm trieb. Wenn die anderen über irgend eine Bosheit, über einen handgreiflichen Witz derb drauf loslachten, war Balduin Bleichtreter von dem Gaudium ausgeschlossen. Er konnte immer erst viel zu spät die Pomte ein- sangen, und sein Lachen trippelte hilflos und komisch, wie ein aufgeregter Nachzügler hinter dem lärmenden und geschlossenen Troß lachender Leute drein. Aber man hörte dieses Lachen nicht mehr; es verschwamm in der Lust, wurde von den Tönen prüfender Jnstrumentenstimmen zersetzt, flüchtete irgendwo hin in eine dunkle, leere Ecke, wo es ängstlich verklang. Die wenigsten wußten dann: Balduin Bleich- lreler hat gelacht, sowie die wenigsten wußten, wie er eigentlich hieß. Soweit man von seiner Existenz Notiz nehmen mußte, war er eben „Nummer zwei am letzten Pult." Er hatte keinen Rang, kein An- sehen, keine Aufgabe. Und wenn der Dirigent wirklich einmal ab- klopfte und mit sehr bösen Augen anordnete:„Nummer zwei am letzten Pult noch einmal!", dann empfand Balduin Bleichtteter dies beinah wie eine unverdiente Ehrung. Am letzten eines jeden Monats zahlte der Sekretär des Or- chesters die Gagen aus. Der Geiger Balduin kam stets als der erste. Er stellte sich gleich irgendwo hin in eine verlorene Ecke. Er wußte ja, daß er als der letzte an die Reihe kam. Es wäre vermessen gewesen, auch nur daran zu denken, daß man etwa vor dem Herrn Konzerlmeister die Gage bekäme; aber es ließ sich nur schwer daran gewöhnen, daß selbst die dicken Blech- bläser mit den krebsroten Gesichtern, ja, daß sogar die beiden Fagottisten, von denen der eine so lang war, daß sein Instrument in den Riesenhänden nicht anders als ein Blei- stist aussah, während dem anderen, einem Dicken, Kleinen, der Fagott über den Kopf gewachsen war, daß selbst diese den Vortritt hatten. Schließlich,— man war doch ein Geiger— wenn auch nur Nummer zwei am letzten Pult. Und man halte doch auch seinen Namen; hieß doch unzweifelhaft Balduin Bleichtreter. Aber, man kam als der letzte dran, und es hieß nicht:„Herr Bleichtreter— Ihre Gage—*, sondern es hieß:„Nummer zwei vom letzten Pult, 120 Kronen". An all dies hatte sich der Geiger Balduin mit der Zeit gewöhnt, hatte sich daran gewöhnt, daß er die Saaldiener zuerst grüßte, daß man seinen Gruß nur gedankenlos und gelangweilt erwiderte, daß man mit einem geringschätzenden Lächeln darüber hinwegglitt, wenn er über ein neues Orchesterwerk, das eben geprobt wurde, so wie die anderen ein Urteil abgeben wollte; hatte sich daran gewöhnt, daß die krebsroten Blä'er eineir Rang hatten und daß die beiden Fagottisten eine Instanz bedeuteten. Er war eine Null. Er existierte nickt. So wäre eS vielleicht bis an sein Lebensende geblieben, wenn nicht ein großes Ereignis ihn aus seinem Nichts hervorgeholt, ihn drei glorreiche Tage lang in den Mittelpunkt gestellt hätte. Und das kam so: es wurde das sinfonische Werk eines berühmten Kom- ponlsten geprobt. Der Autor war selbst gekommen, um zu dirigieren. Tage zuvor halte der Krieg die Harmonie dieses viellautigen Körpers gestört: gerade die besten Geiger waren eingezogen worden, und auf den Pulten der ersten Geige sab es reckt einlam aus. Die erste Probe war an- gesetzt, und dünn wie die Stimme eines Kindes sab die Be- seyung der Geige aus. Wie armselige Jnselcken im Meere, so Die Schicksalsmaus. EineErzähIungvonTierenundMenschen. 22j Bon Harald Tandrup. „Das ist der Lauf der Welt", antwortete Christcnsen, „Die kleinen Nachkonimen großer Männer leben von den Er- innerungen, wir anderen müssen von der Hoffnung auf die großen Taten leben, die unsere Kinder vollbringen werden. Es gibt keine soziale Ungleichheit. Wir kommen alle zu unserem Recht; entweder waren wir gestern an der Reihe, oder wir konimen morgen daran. Man muß bloß zu warten Verslehen.— Nur dem, der keine Kinder hat, ergeht es wie dem Spieler, der sein letztes Goldstück verlor und darum vom Spieltisch fortgewiesen wird. Für ihn gibt es keine Hoffnung." „Sic verstehen wirklich herzergreifend zu reden", sagte Andersen bewegt.„Es tut mir richtig weh. wenn ich daran denke, daß so ein kluger, guter Mann wie Sie hier oben sitzt, leidet und vielleicht nicht einmal ettvas zu essen hat." „Das brauchen Sie sich nicht zu Herzen zu nehmen. Andersen." erwiderte Christenscn.„Ein Pfarrer mutz gemästet werden, damit er freundlich und nachgiebig ist, aber ein Philosoph soll hungern. Es gab wohl vor Jahren eine Zeit in meinem Leben, da wünschte auch ich mir alles das, was die Welt Wohlstand nennt. Ich hatte gedacht, ich müsse ein großer Mann iverden— einer von denen, die die Menschen nicht entbehren können— und statt dessen bin ich ein Mann geworden, der die Menschen entbehren kann. Ist das nicht viel mehr?" „Ich fürchte, das ist mir hoch", gab Andersen zögernd zur Antwort.—„Aber sagen Sie, Christensen, was tun Sie eigentlich den ganzen Tag?" „Ich denke und dichte", erwiderte der Philosoph. „Machen Sie auch Verse?" Christensen nickte. „Wollen Sie einen hören?" „Und ob ich will, lieber Christensen. Ich höre Verse für mein Leben gern." Stum ging der andere zum Ofen, öffnete die Tür zur Feuerung und zog ein kleines Heft heraus. „Ich benütze den Ofen als Bücherschrank", sagte er.„Die Mäuse zernagen mir sonst alle meine Papiere." Er blätterte schwamm da und dort der dunkle Rock eines zurückgebliebenen Geigers zwischen den Wogen der Notenpulte. Die Probe ging schlecht und recht von statten. Als es aber zur zweiten gekommen war, als an allen Anschlagsäulen bereits geschwätzige, schwarze Buch- staben aus lautem, gelbem Papier die nahe Ausführung verkündeten, da zeigte es sich, daß die Einberufung weitere Lücken in die wenigen Geigen gerissen hatte. Der Konzertmeister war eingezogen, die Primgeiger fehlten; nur am zweiten Pult gab's noch etliche Leute, und das waren, weiß Gott, keine Künstler. Der Komponist sah sein Werk bedroht und fürchtete, daß die Sinfonie abgesetzt werden müßte, denn an Ersatz war nicht so rasch zu denken; jedenfalls müßte die heutige Probe ausfallen, und auch mit dem Ausfall dieser Probe war schon das ganze Werk bedroht. Der unglückliche Autor stand wie ein gebrochenes Fragezeichen am Dirigentcnpult, die krebs- roten Bläser stierten tiefsinnig vor sich hin und der fadendünne Schlagwerker lachte aus einer angeborenen Schadenfreude ein meckerndes Lächeln. Da geschah etwas Seltsames. Nummer zwei am letzten Pult machte schüchrerne Zeichen, daß er etwas zu sagen hätte. Der Kom- ponist bemerkte es und ermunrerte Balduin Bleichtreter durch eine fragende Gebärde. Generalpause. Alles sah gespannt auf den Geiger, und der machte sich stotternd zuerst und dann immer zu- versichtlicher erbötig, er wolle die erste Geige übernehmen. Er habe die Partitur mitgelesen, das Werk interessiere ihn und er wolle es schon wagen. Da ein Wispern und Fragen und alle staunten sie ein gedehntes:„Nein, sowas, Nummer zwei am letzten Pull." Einer der krebsroten Bläi'er konstatierte mit einer Anwandlung ins Amarantfarbene:„Das ist ja der Bleichtreter!" „Bravo, Bleichtreter, bravo! Seht den an, was der alles kann I nein---" Der Geiger Balduin hörte seinen Namen zum erstenmal. Er fühlte: wie einer noch gewohnheitsmäßig Nummer zwei vom letzten Pult gesagt halte und wie diesen die anderen mit seinem ehr- ticken Namen gleichsam zurechtwiesen. Und dann spielte er, mit süßem Strich, leicht, sicher. Er berauschte sich an dem zu- stimmenden Summen und Murmeln. Er nahm es für seinen persönlichen Erfolg, als die Suiten in rauschender Klangfülle aus dem Orchester herausblühten; und er saß stolz wie ein von fröhlichen Winden geblähtes Segel an seinem Pult und spielte wie ein Gott die Geige. Nach der Probe begleitete der Herr Konzertmeister den Geiger Balduin und dankte ihm immer wieder für sein Eingreifen:„Situation gerettet... Ehre des Orchesters..." Und tags daraus drückie ihm der Komponist die Hand vor allen Musikern. Dann kam der Sekretär und klopste ihm auf die Schulter: „Wie geht's denn immer, Herr Bleichtreter, ha?" Und Balduin war wie berauscht; er wagte das Unmögliche, bot dem Dirigenten eine Zigarette an, erzählte ihm von seiner Sinfonie, und der Sekretär hörte interessiert zu und sagte sogar:„Ah, wirklich. Herr Bleich- treter?" Dann kamen die Ersatzgeiger, Balduin verschwand wieder auf Nummer zwei am letzten Pult; und es kam die Aufführung, und alles klappte vorzüglich. Ganz im stillen veibeugte sich der Geiger Balduin mit, als der Komponist für den Beifall dankte. Am nächsten Tage sagte man zu ihm nock:„Guten Morgen. Bleichtreter." Am zweitnächsten grüßte man ihn nur gedankenlos und gelangweilt:„Guten Morgen..." Und nach einer Woche wußte wieder niemand mehr, daß er seinen schönen, ehrlichen Namen hatte, daß er erne Sinfonie geschrieben halte. Nur der Dirigent klopste einmal ungeduldig ab und sagte giftig:„Nummer zwei am letzten Pult noch einmal die Stelle..." kleines Feuilleton. Gluck in öer Volksbühne. Die rührige musikalische Leitung der Volksbühne versteht es aufs beste, das Interesse für die Mitlagskonzerte der Volksbühne rege zu halten. Die Auswahl der zur Aufführung gelangenden Werke sowohl wie die Gewinnung ausgezeichneter Mitwirkender macht sie zu einer Art von Elitekonzerten, zu denen die musikaltsch interessierte Arbeiterschaft Berlins in hellen Scharen strömt, so daß trotz der i» jedem Sinne ungünstigen Zeit stets„ausverkauft" ist. Auch das süiiste dieser Konzerte war wieder ein Volltreffer I Diesmal gab es eine Oper, den„ Orpheus" von Gluck, je- doch im Äonzerlrahmen. Sckon die allzu seltenen Auf- sührungen der Oper würden das Wagnis, eine Oper als Konzert zu geben rechtfertigen; doch bedarf es bei dieser Oper gar nicht solcher Rechtfertigung. Die klassische Schönheit und Ausdrucksfülle der Musik wird stets ihrer Wirkung sicher sein, und man vermißt kaum das Bühnenbild; ja für Feinschmecker fällt so manches in dem Büchlein.„Hier ist ein Gedicht, das ich gestern abend verfaßt habe. Es heißt„Gedanken zur Nachtzeit"—. Soll ich es Ihnen vorlesen?" „Ja bitte, fangen Sie an," antwortete Andersen ge- spannt. Der Philosoph stellte sich mit dem Heft in der rechten Hand mitten ins Zimmer, machte mit seiner Linken eine feierliche Bewegung und las: Ein Lichtstrahl nach dem andern Löscht hinter den Fenstern aus; Der Tag ist mild' geworden, 'S wird totenstill im Haus. Die Flamme» der Laternen Verkriechen sich, ganz klein Als schlummernde Feuerseelchen Mit mattglühendem Schein. Rasch eilt der letzte Wanderer Unter ietn eigenes Dach, Vorübergleitende Schalten Sehen ihm hermlückisch nach. „Sie verstehen es doch, Andersen?" fragte der Lesende plötzlich. „Jede Silbe, Christensen— fahren Sie nur fort." Dock über dieser Erde, Ueber all dem Gewimmel, lieber dem stillen Wald Und dem rauschenden Meer, Wölbe! sich wie ein Doch Der funkelnde Sternenhimmel. * „O du getreuer Gott". Flüstert ein kindlich' Gemüt, „Willst du nicht immer das Beste? Wenn es auf Erden dämmert Und Licht auf Licht geht aus— Wenn es in uns und um uns Dunkel zu werden droht: Grüßen uns deine Lichter Aus dem Vaterhaus." „Entschuldigen Sie, daß ich Sie unterbreche," sagte Andersen.„Ist das mit den Lichtern nicht ein neuer Beweis von der Güte unseres Gottes? So habe ich das noch nie angesehen." „Hören Sie nur weiter," mahnte Christcnsen und fuhr fort: Störende fort und die musikalische Schönheit tritt reiner in die Er- scheinung. Wenn nun noch so auserlesene Kräfte wie diesmal oin Werk sind: der kgl. Opernchor, die kgl. Hof-Operniängerinnen Birgit Engell und die etwas kühle Marie Escher, Prof. Rädel als Dirigent, dem das verstärkte Blüthner-Orchester willig folgte, sowie Frau Paula Weinbaum, die für die erkrankte Emmi Leisner einsprang, so kann ein voller Erfolg nicht ausbleiben. Das einzig Unzulängliche waren die— Textbücher, die für 20 Pf. schon etwas sorgfältiger redigiert sein könnten. Ausgezeichnet hingegen ist die wieder von Adolf Weißmann verfaßte Einleitung. Manches noch ließe sich über das Thema Gluck als Reformator sagen, insbesondere darüber, ivie Glucks Dramatik, in tiefstem Grunde genommen, aus seiner Lyrik herauswächst(d. h. wie es ihm nur darum zu tun ist, die seelischen Stimmungen im Geiste der Musik zu erfassen, nicht um die Darstellung der Charaktere durch Hand- lungcn und Taten). Für diesmal genüge es, daß das ja stets naiv genießende Publikum mit seinem Beifall im Recht war: diese Musik durfte in dieser Form dargeboten werden, ohne daß es als Notbehelf wirkte. E. Z. Eine Eisenbahn über üen Geresunö. Die„Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltuirgen" berichtete über ein Projekt, das der Direktor einer schwedifchen Zementfirma, O. Kjellström, in einen: Vortrag erörterte. Es hcrn- delt sich um den Bau einer 17 Kilometer langen Betonbrücke über den Oeresnnd, der das schwedische Festland von der dänischen Insel Seeland trennt. Die Möglichkeit der Ansführnng scheint dem Vortragenden darin zu liegen, daß es möglich gewesen ist, in Nord- amerika zwischen dem Festland von Florida und Key-West, einer der äußeren Floridainseln, eine 180 Kilometer lange Verbindung zu schaffen. Diese besteht allerdings aus einer ganzen Reihe von Brücken und kurzen Eisenbahndämmen, die die kleinen Inseln mit- einander verbinden oder über sie hinführen. In jener Gegend Amerikas brausen nun zeitweilig gewaltige Stürme, die schwere Meereswogen gegen das Werk von Menschenhand treiben. Direktor Kjellström ist der Ansicht, daß im Sund mit derartig schwerem Unwetter nicht zu rechnen sei, daß der Untergrund im Sund aus festem Kreideboden bestehe und daß die Wassertiefe höchstens 10 Meter betrage. Eigentlich müßte von zwei Brücken gesprochen werden, die durch einen kurzen, über die im Sund liegende Insel Saltholm geführten Damm miteinander verbunden würden. Die Brücken sind so gedacht, daß die Schienenhöhe 6 Meter über dem Wasserspiegel liegen würde, und daß jede der Brücken zwei Durch- laßöfsnungen für Schiffe erhalten würde, die nur für die Zeit der Zuguberführung geschlossen würden. Mit Hilfe einer derartigen Brückenverbindnng würde ein Eisenbahnzug von Kopenhagen nach Malmö in Schweden nur 30 Minuten gebrauchen, während heute die Trajektfahrt zwei Stunden in Anspruch nimmt. Die Kosten des Baues oeranschlagt Kjellström ans 20 Millionen Kronen.— Wenn es gelingen sollte, dies Projekt zur Ausführung zu bringen, so dürften wir bald eine feste Eisenbahnverbindung zwischen Deutschland und Skandinavien haben, denn die Herstellung einer oder mehrerer Brücken zwischen den dänischen Inseln und dem schleswig-holsteinischchi Festland dürfte nicht schwieriger sein als der Brückenbau zwischen Malmö und Kopenhagen. Notize». — Gegen die vernagelten Denkmäler hat sich die Berliner Akademie der Künste in einem Schreiben an den Ober- bürgermeistcr von Wilhelmshaven ausgesprochen. Es heißt darin: „An zahllosen Stellen in Deutschland sind Nagelungen von Stand- l-ern und Wahrzeichen zur Sammlung von Mitteln für die Knegshilfe vorgenommen worden, und es läßt sich vom künstle- rischen Standpunkt aus schließlich wenig gegen die Fälle einwenden, bei denen es sich um ein ganz einfaches Gebilde, ein Eisernes Kreuz, Türen, symbolische oder heraldische Wahrzeichen usw. handelt. Etwas künstlerisch ganz Unmögliches ist aber die Benagelung von Porträtstatuen. Das Beispiel des Hindendurg-Kolosses in Berlin sollte allen anderen Städten warnend vor Augen stehen. Es ist doppelt traurig, daß gerade die Ereignisse unserer großen Zeit einen Niederschlag in so minderivertigen Erzeugnissen untergeordneter künstlerischer Kräfte gefunden haben, und es wäre tief be- klagenswert, wenn der Geschmack des Publikums durch solche Ver- irrungen noch mehr verwirrt und verbildet werden sollte." Der gleiche Standpunkt ist hier vor Monaten vertreten worden. Der Warnruf der Akademie kommt reichlich spät— aber nützen kann er immer noch. — Äun st pflege in Polen. Im Wilnaer Stadttheater werden deutiche Aufführungen vorbereitet.— Eine Reihe philharmonischer Konzerle in Warschau wird am 9. Dez. mit dem bekannten Pianisten Moriz Rosenthal eröffnet. Dies dünlt uns Menschen weise— Aber jeder von uns soll:' sich bewußt sein, Daß— selbst, wenn die Sonne längst, Längst wieder bei uns ist, Wenn alle Welt frohlockt Und alle Seen dampfen, Wenn Erd' und Himmel leuchten Uniere nächtlichen Freunde Hinter der armiel'gen Sonne In dem ewigen Dunkel doch Ihre ernsten Wege gehen. Denke daran, o Mensch, wenn das Glück dir lacht. Wenn du mitten im Licht Fern wähnst des Lebens Nacht. Sie wandern beständig dort droben, Hoch, hoch über uns. Die Sonne deines Glückes ist nur ein armeS Licht, Ein Funke aus der Esse des Lebens, Den Gottes Güte dir schenkte— Vergiß über ihm die Sterne der ew'gen Wahrheiten nicht. Sie haben gekeuchtet, ehe du geboren wurdest Und werden leuchten, wenn du längst nicht mehr bist. Christensen verstummte und schloß langsam daS Buch. „Das war herrlich", sagte Andersen.„Ich hatte ein Gefühl, als ob— aber ich weiß nicht, ob ich das sagen darf—" „Sagen Sie ruhig Ihre Meinung", erwiderte der Philosoph. „Nun ja, ich hatte so ein Gefühl, als ob ich Karussell führe", erklärte Andersen begeistert.„Sie wissen doch, wie sich da alles um einen herumdreht, so daß man nur noch die Umrisse unterscheiden kann; aber man sitzt dennoch und ist unbeschreiblich vergnügt. Gerade so ging es mir jetzt bei den schönen Worten, die sie vorlasen." Christensen wollte etwas erwidern; doch im selben Augenblick ertönte eine Stimme, die:„Hilfe— Diebe!" schrie. „Horcht," sagte Andersen.„Lars Larsen ruft um Hilfe." Damit stürzte er zur Tür und rannte die Treppe hinab. Der Philosoph aber legte sein Buch wieder an den früheren Platz, schloß die Ofentür und ging Andersen langsam nach. Sorts. tolgt.) SozIaldemokratiselierffalilYerEin LlBJerlJeichstagswatilkreis. 8. Abt., Bez. 601. Am Freitag, den 3. Dezember, verstarb unser Genosse, der Letter- gerüstbauer kftchmrd Kleist Lortzingstr. 26. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember, nachmittags 3'/« Uhr, von der Leichenhalle des städtischen Fried- hoseS, Müllerstratze, Ecke See- straße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 22S/3 Vvr Vorstand. Sozialiletnokraüsclier Waiilvsrein i fleuköliiL Am 8. Dezember verstarb im Reserve-Lazarett zu Franksurl a. D. unser Parteigenosse Max Teichert Nogatstr. 51. 15. Bezirk. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember. nachmittags ä1/, Itbr, aus dem Nculöllncr Gemeinde-Fricdhoj in Britz, Rudowcr Straße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 240/9 Der Aorstand. Verliand der Litliograplien. SteMnickeruyerwamltEnBenile iMitgliedschaft Berlin.) Am 3. Dezember oerstarb im Lazarett zu Frantsurt a. O. unser Mitglied, der Lithograph und Zeichner Hax Teichert g an einer im Dienst zugezogenen schweren Brust» und Rippenfell- enlzündung im Aller von 43 Jahren. Wir verlieren ewen ausrich, tigen Kollegen und werden ihm ein dauerndes Andenken de- wahren. Die Leiche wird nach Neukölln überführt. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember, nachmittags 2'/, Uhr, auf dem Friedhofe an der Buckowerstraxe zu Neukölln statt. 109/9 Oie Verwaltung der Filiale III. Denlselier Transportarbeiter- ferbant!. ßezirksverwaltung GroB-Borlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Arbeiter kicksrcS Itieist von der Firma Schwartzkopss Schcrmgstraße am 3. d. Mts. im Aller von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember, nach- mittags 31;., Uhr, von der Leichen- Halle des städtischen Friedhofs, Seestraße, Ecke Müllerftraße, aus statt. Um rege Beteiligung Wirdersucht. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kutscher Saeern ECropp von der Firma Meißner Ouitzowslraße am 4. d. Mts. im Aller von 35 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember, nach- mittags 2 Uhr, von der Leichen- balle des städttschen Friedhofs, Seestraße, Ecke Müllerstraße. auS statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/5 Oie Bezirksverwaltung. Am 4. d. MtS. verstarb nach langem, schwerem Leiden mein inniggelicbter Mann, unser her- zensgutcr Vater, der Kranken- lassen-Angcstellte Tlteoilor Kleemann im 51. Lebensjahre. Im Namen der Hinterbliebenen Wwe. Anna Klecman» geb. Müller und Kwder Hedwig, Theodor. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Dezember, nach- mittags 2'/, Uhr, von der Ka- pelle deS Philippus-Apostel-Kirch- böses, Müllerin. 44/45, aus statt. 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