Nr. 284.- 1915. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts , 9. Nezemder. Tluf Nachtpoften im Gefangenenlager. Ein Berliner Genosse, der als Landfturmmann zur Bewachung eines Gefangenenlagers kommandiert ist, sendet uns folgende Schil- derung: „Sämtliche Nachtposten raustreten! Der Ruf des wachthaben- den Unteroffiziers hallt laut in die Wachtstube. Erst vor einer halben Smnde, um die Mittagszeit, ist die Wachtmannschaft ein- gezogen. Einige Instruktionen sind noch erteilt, die scharfen Pa- tronen ausgegeben. Jeder hat es sich bequem gemacht, den in der Wachtstube überflüssigen Mantel ausgezogen, zum Briefschreiben sich hingesetzt oder zu einem Schafiopf oder Skat sich gruppiert, vielleicht auch mit seinen Nachbarn ein gemütliches Plauderstündchen begonnen. Nur die Nachtposten wissen, was ihrer harrt. Allerdings, auf Posten brauchen sie vorläufig nicht, eine andere Aufgabe wartet ihrer. In dem Gefangenenlager, das hier zu bewachen ist, wird fleißig an der Vergrößerung des Lagers gearbeitet. Hunderte und aber Hunderte der Gefangenen, alles Russen, treten im Lager an, werden eingeteilt und zur Arbeit entlassen. Jeder Trupp wird von einem oder zwei Landsturmleuten mit geladenem Gewehr, Seitengewehr ausgepflanzt, begleitet. Allerdings sind dazu gesonderte Begleitleute kommandiert, aber ihre Zahl reicht nie aus, die Nachtposten müssen einspringen. Ein Zettel mit der Zahl der Gefangenen, der mü-nd» liche oder schriftliche Auftrag, wohin, und ab geht es. Der Arbeiten sind viele. Verschiedene Trupps gehen nach der nahen Entladestelle der Eisenbahn und laden aus. Balken, Bretter, Kohlen, Kartoffeln, Kohl und alle die anderen Dinge, die zur Her- stellung_und Verproviantierung eines großen Lagers benötigt werden. Andere Trupps befördern alle diese Dinge cm den Ort des Gebrauchs. Die Feldeisenbahn wird benutzt, vieles wird getragen, oft viele Hun- derte von Metern. Auf der Chaussee, die von der Bahn nach dem Lager führt, ist ein immerwährendes Kommen und Gehen. An anderer Stelle sind Erdarbeiten auszuführen. Für die neu zu errichtenden Baracken muß der Boden ausgegraben werden. Balken werden gerichtet, es wird gehämmert, gesägt, auch geschimpft, russisch und deutsch. Bei all dem hat der begleitende Posten bei seinem Trupp zu bleiben, ihn zu beaufsichtigen und nötigenfalls zur Arbeit anzu- halten. Die Verständigung gelingt m den meisten Fällen sehr leicht. Die russischen Worte für„vorwärts marsch, halt, rechts und links", für„schnell, langsam, gut" und noch einige andere lernt jeder Land- sturmmann in kurzer Zeit. Und reicht es nicht aus, muß die Zeichen- spräche aushelfen oder einer der Deutsch-Russen oder ein polnischer Jude, des Deutschen leidlich mächtig, muß als Dolmetscher einsprin- gen. So geht alles seinen Gang. Im allgemeinen sind die Russen willig. Es wird ja auch nicht zuviel von ihnen verlangt. Ist aber doch einer widerspenstig und will sich absolut nicht zur Arbeit be- guemen, ein Fall, der sehr selten eintritt, so genügt es für den Posten, sich die Nuinmer des Gefangenen, die ihm von außen sichtbar am Mantel angeheftet ist, zu merken. Ein« Meldung bei der Rück- kunft, und der Sünder sieht seiner Bestrafung entgegen. Gern rauchen die Gefangenen bei der Arbeit eine selbsrgedrehte Zigarette. Ein wenig Tabak, ein Stückchen Papier, oft nur Zeitungspapier und in wenigen Augenblicken ist so ein Ding fertig und wird mit ficht- barem Behagen in Brand gesetzt. Einige Trupps hatten einen wei- teren Weg. Unternehmer in der Nachbarschaft verwenden die Ge- fangenen als Monteure oder Hilfsarbeiter. Diese Kommandos find bei den Gefangenen die beliebtesten. Erhalten sie doch hier eine Extraentschädigung, sowohl in Geld als auch in besserer Be- köstigung, oft auch noch Zigaretten extra. Es sind auch fast immer dieselben Leute, die oft wochenlang zu demselben Unternehmer gehen. Der wiederum kann sich seine Leute aussuchen, die Un- geschickten oder Trägen ausmerzen. Braucht er doch keine Sorge zu haben in bezug auf mangelndes Angebot. Ein Trompetensignal gibt endlich für alle das Zeichen zum Arbeitsschluß. Alles rückt wieder ein. Jetzt ist auch das Tempo flott, zur Arbeit ging es gemütlicher. Der Zettel mit der Anzahl der Gefangenen wird abgegeben. Gewöhnlich stimmt die Zahl, mitunter hat sich auch einer bei dem Trubel oerlaufen und kehrt mit einer anderen Kolonne heim. Daß einer der Gefangenen entweicht, selbst bei Arbeiten, die an abgelegenen oder schwer über- sichtlichen Stellen ausgeführt werden, kommt jetzt zur Winterszeit in dem bereits stark verschneiten Ostpreußen nicht vor. So dumm sind die Russen nicht. Wissen sie doch, daß sie, ohne Nahrungs- mittel, ohne Zirnlkleidung, der Sprache nicht mächtig, nur kurze Zeit der goldenen Freiheit sich erfreuen würben. Die Nachtposten kehren zur Wachtstube zurück, ein paar Bissen Brot, etwas Kaffee werben eiligst genossen, und schon müssen die ersten wieber auf Posten ziehen. Di« Tagespostenkette wird ver- stärkt. Etwa 100 Meter hat jeder an dem Stacheldrahtzaun, der das ganze Lager mnschlicßt, zu patrouillieren. Immer auf und ab, immer hin und wieder. Es sind verschiedene Grad Kälte, keiner bleibt stehen, jeder ist bestrebt, sich durch Bewegung die Füße warm zu halten. Dabei hat er reichlich Zeit, seinen Gedanken fteien Lauf zu lassen. O diese Gedanken.-- Dabei ist es ihm immer noch möglich, auch seiner Pflicht zu genügen und auf die Umgebung des Drahtzaunes zu achten. Hinüber oder zwischendurch darf nie- mand, auch nicht von außen, sich dem Zaun gar zu sehr nähern. Alle 50 Schritt sorgen hoch angebrachte elektrische Lampen rund um das Lager für ausreichende Beleuchtung, niemand kann unge- sehen näherkommen. Aus dem Lager dringt Gesang. Die Russen haben eines ihrer schönen Lieder angestimmt, auch sie denken an Heimat und Familie. Trotz aller Bewegung sind letzten Endes doch die Füße kalt geworden, jeder ist herzlich zufrieden, wenn nach zwei Stunden die Ablösung sich naht. In der Wachtstube glotzt ihm der eiserne Ofen rotglühend entgegen. Ein Trost denen, die gar zu sehr durchfroren sind und gern sich um den freundlichen Wärmespender versammeln und die erstarrten Glieder aufwärmen. Bald ist es auch Zeit, das Lager aufzusuchen� Kaum ist genügend Platz� für alle die Müden, der Ruhe Bedürftigen/ Mann an Mann liegen sie, schon hebt das Schnarchkonzert an. Agi anderen Vormittag wieder der gleiche Arbeitsdienst. Bis auch den Nachtposten, zusammen mit der ganzen Wache, das ge- mütlichere Heim in seiner Baracke wieder aufnimmt. Und so gehl es einen Tag um den anderen. kleinss Feuilleton. �ünfunüZwanzig �ahre �Mbeiter-Sängerbunö�. Em Vierleljahrhunderl ist in diesen Tagen verflossen, seit der „Deutsche Arbeiter-Sängerbund, Gau Berlin und Umgegend" ge- gründet wurde. Arbeiter- Gesangvereine gab es allerdings schon weit früher an verschiedenen Orlen. So in Berlin seit 1870. Aber der Bestand war klein. Zudem fegte das Sozialistengesetz darüber hinweg. Gleich nach dessen Beseitigung regte sich allenthalben neues Leben. So ist's erklärlich, daß deni 1800 im Spätberbst gegrün- beten Bunde 49 von 74 Vereinen beitraten/ Von seinem stetigen Wachstum zeugt die� Verzehniachung jener Zahl nach zwanzig« jährigem Bestände. L-eUdem hat infolge Verschmelzung kleinerer Sängergrüppchen zu großen, daher weit leistungsfähigeren Gesangslörpern die Vereinsziffcr zwar ab-, hingegen die Zahl aktiver und inaktiver Mitglieder beträchtlich zugenommen. Noch erfreulicher war der künstlerische Ausstieg einzelner Chöre sowohl als der singenden Arbeiterschaft im allgemeinen. Da brach un- vermutet der Krieg berein. Die furchtbare Hemmung durch ihn vermag man erst vollauf zu begreifen, wenn man erfährt, daß allein der Gau Berlin und Um- gegend über 2000 Sänger durch Einberufung verloren hat. Die Heeresschan, die die BundeSieüung zur Feier des 2ö. Stiftungs- festes am Sonnrag in Obiglos großem Saale entboten hatte, zeigte. daß sie noch alle bestehen, die großen Vereine, doch sind sie ersichtlich zusammengeschmolzen. Hiermit ist naturgemäß eine verminderte Leistungsfähigkeit verknüpft. So kann es geschehen, daß Vereine, die ehedem schon einen bemerklichen Hochstand einnahmen, jetzt weniger geben werden, nur weil sie vielleicht mehr altbewährte Stimmenkräsle einbüßten, als andere, die ihnen nachstanden. Diesmal beteiligten sich zwölf Vereine in sieben Gruppen unter gleich viel Dirigenten am Weilsingen. Obenan steht die, T h p o- g r a p h i a". Ihr am nächsten kommen die Thilo schen Chöre. Mendelssohns„Türkisches Schenkenlied" beispielsweise, aber auch das Vvllsliedmäßige„Zum Wandcrtor hinaus" wurden ganz famos vorgetragen. Duftig-zart, dem Text angemessen brachte der, B e r- lincr Sängerchor" die von Philipv Wolfram vierstimmig gesetzte„Badische Volksweise". IlthmannS„Fernes Land" hingegen will mir wenig wert erscheinen. Der Chor„Fichte-Georginia" hielt sich mit zwei Künstliedern von Kaun und Daubert auf bewährter Linie. Die Gruppe„Kreuzberger Harmonie",„Männer- chor Norden" und„Norddeutsche Schleife" brachte sich gleichfalls in mancher Hinsicht gut in Erinnerung. Neu sind für Berlin der dem Arbeitersängerbunde im ersten Kriegsjahr angegliederte„Frauen- und Mädchenchor Norden" und„Schöneberg" sowie endlich der„Männer- und Frauenchor Neukölln". Wir begrüßen diesen aktiven Anteil der Frauen als den Ausgangspunkt einer Reuordnung und Fortentwickelung des Arbeitergeianges. O. Wellmann, der Chormcister der crsteren beiden hat nicht bloß diese Tatsache erfaßt, sondern auch die Bedeutung, die die Frauen im sozialen und politischen Kampfleben der Arbeiterklasse künftighin einnehmen werden. Sein Frauenchor:„Wacht aus I" ist namentlich im Mittelstück<„Nach Freiheit ruft auch unser Herz usw."> trefflich gearbeitet und dürste Zündkraft haben— sofern er tadellos vorgetragen wird. Hieran fehlt es diesen jüngsten unter allen Ar- beitersängerchören, was ja auch nicht anders sein kann, noch ganz erheblich. Im Interesse der guten Sache wird es gelegen sein, wenn der sehr wohl verständliche Ehrgeiz des öffentlichen HervortrelenS vorläufig eingedämmt, dagegen fleißig Stimmkehlenlechnik und Noten- kenntuis geübt würde. Wille und offenbar auch musikalische Be- fähigung sind da. Das sind gute Ausätze, die eine schöne Zukunft erwarten lassen._ ek. Schiller-Theater: Jungbrunnen�. Der drei Jahrzehnte alle, flüchtig zusammengezimmerte Lust- svielschwank Paul Lindaus arbeitet mit Anleihen an den lra- ditionellen, neuerdings anscheinend aussterbenden Typus des zer- streuten Herrn Professors, dem man schon lange nicht mehr aus der Bühne begegnete. Das Wiedersehen im�Cbarlottenburger Schiller- Theater gestaltete sich dank des famosen Spieles E l z e r s, der den gelahrten Herrn mit einem Einschuß modischen Dandytums, nervöser Fahrigkeit und selbstgefälliger Rhetorik ausstattete, ganz vor- züglich. Die kindliche Eitelkeit, die überall aus dem patenten Wesen vorlugie, und die cholerische Aufgeregtheit vertrugen sich ausgezeichnet mit der Konfusion. Die ausgeblähte Wichligluerei. die hahnenmäßige Haltung und der gutmütige, ein bißchen einfällige Blick, der alle Wünsche, sich in Reipelt zu setzen, von vornherein als hoffnungslos erscheinen ließ, flössen zu einem höchst possierlichen und dabei überzeugenden Geiamieindruck zu- sammen. Ten Gipfelpunkt erreichte ieine Komik in den Listen, die er bei dem Besuche eines enthusiastischen, natürlich längst vergessenen Jngendircundes anwendet, dem Unbekannten leinen Namen abzu- locken. Aber auch jede andere winzige Pointe des Textes erhielt durch ihn die Färbung behaglich temperamentvollen Humors. Munter stand ihm Alfted Braun als burschikoser kneipiroher Assistent zur Seile. Die beiden verhalfen dem in der Erfindung recht mageren Stückchen zu starkem Lacherfolg, Nur die Möglich- leiten, welche die Rolle der nach zwanzigjähriger Häuslichkeit noch einmal vom Theaterieufel gepackten Prosessorsgatlin geboten hätte, blieben in der Darstellung unauSgenützt. ckt. Notize». — Vorträge. Donnerstagabend 8 Uhr findet im Klindworth- saal ein Lichibildvortrag von Senie-Suad-Hanum sKonstantinopel) mit dem Thema:„Als türklsche Frau in Stambul" statt. — Menzel-Ausstellungen. Im Künstlerbause wird vom 9. Dezember an eine Ausstellung von Werken Menzels aus dem Besitz der Nationalgalerie und des Kupserstichkabineltö zu sehen sein.— Im Märkischen Museum ist fast das gesamte graphische Werk Menzels ausgestellt. Außerdem sind allerlei An- denken an ihn zuiammengeftellt.— In der Berliner Sezession sind zwei Oelgemälde Menzels(„Wolken" und„Treppenaufgang") neu hinzugekommen. — Verwirrung in der Verdeutschung. Die Ge- ichäslsordnung des Reichstages spricht von der.Kommiision für den Rcichshaushaltetal". Viele Jahrzehnte hat der Reichstag genau so seine Budgetkoinmission gehabt wie beide Häuser des Preußischen Landtages und kein Mensch fand etwas dabei. Da kam Herr Bassermann in der letzten Sitzung und gerade von dem„Ausschuß für den Reichshaushalt". An sich ist gegen diese Verdeutschung nichts einzuwenden(die süddeutsche» Landtage und alle Parlamente in Oester- reich kennen längst nur Ausschüsse). Aber in den Zeiiungen liest man jetzt durcheinander vom„Reichshaushalt"-,„Haushalt", und sogar vom „Haupt"ausschutz des Reichstages. Nichtig kann nur der„Reichs- hausbaltausschuß" sein; bei einem„Haushallausichuß des Reichstages" wird jeder denken, daß diese Körperschaft den Haushalt des Reichstages berate und einen.Hauptausschuß" bat der Reichslog nicht, weil die Ausschüsse zu einander in keinciu Verhältnis stehen. Ucbrigens— wie lange wird man noch die „Präsidenten", den„Direktor" und die„Stenographen" des Reichs- tags dulden? — Das von den Deutschen besetzte Tebtet in Polen beträgt nach genauen Berechnungen der„Gazeta Lodzka" 73 120 Quadratkilometer. Dieses Gebiet wird bewohnt von 7 ö9ö 000 Menschen; von diesen wohnen 2 906 000 in den Städten, die übrigen aus dem Lande. Die Schicksalsmaus. Eine Erzählung von Tieren und Menschen. 24) Von Harald Tandrup. Von dem Augenblick an, wo es Lars Larsen klar wurde, daß er den unseligen Geiz seines Weibes geerbt habe, bemühte er sich. Gründe zu finden, die ihn selbst davon überzeugen konnten, daß er auf dem richtigen Weg sei. Sklave des Geldes— dachte er— das ist einer jener dummen Ausdrücke aus einer Zeit, in der man sich über sich selbst nicht klar war. Eigentlich sind doch die Armen Sklaven des Geldes und nicht die, die etwas haben. Wer wagte es, Gottes zu spotten? Ein jeder prüfe sein eigen Herz und Gewissen, damit er sich einst als getreuer Hausbalter erweise — so, oder wenigstens ähnlich, hatte der Pfarrer einmal in der Mrche von Svogerslev gesagt. Jetzt fühlte Larsen, daß das ein wahres Wort sei. Bedächtig schob er das Geld in den ledernen Beutel zurück; aber als er Marens Schritt vor der Türe hörte, be- eilte er sich, fertig zu werden. Das Kind halte' noch nicht den rechten Sinn und das richtige Verständnis für Geld; jedoch das würde schon kommen, wie es jetzt über ihn selbst gekommen war. Mit einem raschen Griff steckte er den Beutel in die Tasche und wendete sich nach der Eintretenden um: „Nun, kleine Maren?" „Schau, Vater," sagte sie, während sie glättend über ihren Rock fuhr,„ich kann doch weiß Gott nicht in so einem Fetzen zum Begräbnis gehen." Lars Larsen sah sie scheel von der Seite an und schlug dann rasch die Augen nieder. Ihn schauerte, als ob er friere, er sagte aber nichts. „Meinst du das nicht auch?" fragte sie. „Schön ist er nicht", erwiderte er.„Aber du wirst dir doch nicht einbilden, daß die Kleider die Trauer ausmachen? — Und an das Geld denkst du natürlich gar nicht, Marenchen", jügtc er beinahe verzweifelt hinzu.„So ein Rock kostet ge- wiß viel." „Man kann schon einen recht hübschen für acht Kronen bekommen." „Acht Kronen! Nein, weißt du, Maren, das ist wirklich zu toll. Ich habe schon neumodische und schöne gesehen, und die kosteten nickst mebr als die£äUte." „Aber sie halten nichts, Vater." „Nein, das tun sie natürlich nicht, doch für die Trauerzeit werden sie schon gehen, kleine Maren, und man weiß nie, was geschehen kann." Maren starrte ihn verwundert an. „Vater! Du wirst doch nicht jetzt auch so geizig werden— wie die Mutter war?" „Schweig!" erwiderte er ernst.„Ueber eine Tote soll man nichts Böses reden. Deine Mutter war auch nicht gerade, was man geizig nennt, sondern sie war nur ein wenig sparsam. Es ist nicht mehr als recht und billig, daß man sein Geld zusammenhält." Bei diesen Worten brach Maren in Tränen aus. „Nun, so etwas ist mir doch noch nicht vorgekommen," stieß sie schluchzend hervor.„Hast du mir nicht immer er- zählt, wie gut»vir cS haben sollten, wenn du einmal Geld in die Hand bekämest, wie wir uns vergnügt machen— uns schöne Kleider kaufen—" „Allerdings," fiel er ihr lebhaft ins Wort,„aber alles mit Maß und Ziel. Wir entbehren doch wirklich nichts, kleine Maren." „Aber wir wollten doch auch einmal versuchen, so zu leben wie andere Menschen." „Laß doch die andern Menschen in Ruh," sagte er sanftmütig.„Haben sie es vielleicht besser?— Denk an Christensen." „Ich gehe in diesem Rock nicht zum Begräbnis," ent- gegnete sie störrisch,„nun iveißt du es." Damit lief sie in die Küche hinaus und schlug die Tür hinter sich zu. Sie ivar fest entschlossen, ihren Kopf durchzu- setzen, und wenn sie sich so etwas einmal vorgenommen hatte, war sie ebenso eigensinnig wie ihre Mutter. Lars Larsen sah schen nach der Tür. „Ach, wenn doch die Mutter noch lebte," sagte er leise. Dann zog er wieder seinen Geldbeutel heraus und zählte noch einmal dessen Inhalt. Aber das Geld genügte bei weitem nicht, denn der Rock war das wenigste— eS mußten ja auch der Pfarrer, der Mcßner und Gott weiß was noch bezahlt werden. Wohl sagt man, das Leben sei teuer, aber es ist wirklich auch nicht billig, zu sterben. Natürlich sollte Maren den Rock haben, wenn es durch- aus sein mußte. Das Begräbnis der Mutter war doch nur einmal, und den Rock konnte man noch lange nachher brauchen. ES half nichts, er mußte zu der Reservekasse unter dem Ofem Leise schlich er über den Fußboden; als ein Brett knarrte- blieb er lauschend stehen. Draußen tummelte sich Maren mit dem Abspüren, und cS ging nicht gerade lautlos dabei zu. Sie machte ihrem Herzen Luft, indem sie rumorte, als solle alles in Stücke gehen. „Nein, wie die Menschen heutzutage heftig sind", murmelte Larsen vor sich hin. Endlich war er an seinem Ziel. Als er sich über den kleinen, glühenden Ofen beugte, brannte ihn die Hitze im Gesicht. Rasch schob er die Platte weg und griff in den hohlen Rauni— allein er fand nichts. Er kam nicht gleich darauf, daß das Geld fort sein könne, sondern dachte, es sei vielleicht auf die Seite gerutscht und ließ darum die Hand in allen Ecken herumlaufen. Dann aber wurde er bedenklich. Sejne Finger streckten sich unnatürlich, bogen sich auf- und abwärts lvie Fühler; er zündete Streich- Hölzer an und leuchtete in das Loch hinab—. Der Beutel war nicht da. In diesem Augenblick wurde er von dem Unglück ganz überwältigt. Und er rief mit durchdringeendr Stimme: „Hilfe— Hilfe— Diebe I" Aber noch während ihm der Ruf in den Ohren gellte, schämte er sich, daß er seinen Gefühlen so unbeherrscht Luft gemacht hatte. Allein es war zu spät— das Haus lvurde schon lebendig. Maren riß die Türe auf und stand mit einem Koch- löffel in der geballten Faust vor ihm, sichtlich bereit, ihm. wenn nötig, zu helfen. Gleich darauf polterte Andersen mit seinen Pantoffeln die Treppe herab und drang unerschrocken in die Wohnung ein. Und hinter diesem kam etwas ruhiger der Philosoph. Mit lebhaften Armbewegungen erklärte Lars Larsen den Vorfall. Er war dunkclrot vor Aufregung, seine Augen blickten starr vor Entsetzen. Plötzlich stand Blomberg unter ihnen, der lautlos und schleichend wie ein Gespenst aufgetaucht war. „Ich kam hierher, um nach unfern paar Spargroschen z» sehen," berichtete Lars Larsen,„man muß doch die Frau de- graben. Und was glaubt ihr? Sie sind fort— gestohlen! Zweihlindert drei und eine halbe Krone." folgt.) _____ Th> Direktion: Mu Reinhardt. 7'/i Uhr: Karls Stuart. Freitag: Oas NOraberglsoh Et. Kammeraplele. 8 Uhr: Der Welbeteofel. Freitag: Der Welbateofel. Volkabflhne. Theater aBfllewpl. 8>/< Uhr: Tranmnloa. Freit., Sonnab., Sonnt.: Oer Stern. Dir. Melnharii-BeraaMr. Theater I. d. Königgrdtzerstr. 8 Uhr: Ranaeh. Komödienhaus. 8 Uhr: Die rlUelhatte Frau. Berliner Theai. 8 Uhr: Wen» zwei Hochzelt machen. Lessing:-Theater. Direktion: Victor Baraowaky. 8 Uhr: KomOdie der Werte. Freitae: Peer Gynt. Sonnabend; Zwiactaen�ilel. Deatsches Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die aellge Exae Uezu». URANIA TaubenstraSo 48/48. 4 Uhr(halbe Preise): Ton den Karpatben bl. Breat-liltowab. 8 Uhr: Geheimer Postrat Grosse: Die Dentache Feldpost Int Weltkriege Theater für Donnerstag, y. Dezember. Deutscheg Opernbans Cbarlottbg. s uhr: Die rerkaufte Braut, Friedrlch-Wilhelmatidt. Theater. 8 uhr: Der Troubadour. o.br. Herrnffeld.Tb.ato, s uhr: Rosenblatt's Gehelmtlp Kleine» Theater. s uhr: Henrielte Jaeoby. Komische Oper. s uhr: Jung muß man sein X Kautabak stetslrisch, im Geschmack«« ü b er t r« s s e» zu kaufen w de« meiste« Geschäften.—(Priemdosen daselbst umst C. BOeker, verli«. Grüner«Oeg III.(«st. 8861.) Verkäufe. TepPich-TdoM»«, Orantonftr. 44 spottbillig jarbfehlerbafto Teppiche, Dardwen. Vorwärtslei«» 5 Prozent öxtrarabatt._ 910* Monatsastzüfi«. iob wenig ae. trage». Paletots, Ol st». Hosen. Ge- sellschastSanriläe werden spvUbillig vertauft. Die elegantesten Anzüge find leihweise billig zu Huben. All- belannt» Finna. Mag Weih. Große FranttltNerstraße 88.* Dischdeden(reich gestickts.& viitoriatuch 1,85-3 M Plüsch 4�5-5,65. 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