St. 285.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, lO. Deiember. Kientoppkultur. Unsere Feldgrauen, die in dem blutigen Spiele auf dem großen Welnheater mitwirken, meinen oft, daheim gebe es kaum noch offenUiche Äonflikle und schwerwiegende Dramen, die nicht mit dem Kriegs zusammenbängen. Einmal sind Konflikie überhaupt verboten, und ferner schrumpfen Dinge, die ehemals bedeutend erschienen, vor den gewaltigen Er- eignissen der Zeil zu kaum beachteren Nichtigkeiten zusammen. Aber zuweilen brechen rrotz allem auch daheim erschütternde Kämpfe aus, die, wenn auch nicht das Land, so doch eine Stadt in Spannung und Atem halten und tiefgehende seelische Konflikte her- aufbeslbwören— wie zum Beispiel der Kampf zwischen Evas Hemd und Alberls Hose, der sich gegenwärtig in einer kleinen norddeutschen Stadt abspielt. Es handelt sich dabei um Kinoschlachten. Aber nicht nur um Kämpfe auf dem Film, sondern um ein wütendes Ringen m i t den Filmen. Um den schrecklichen Konkurrenzkampf zweier Kienlöppe nämlich. Einer kann in der kleinen Stadt nur existieren und zwar gut existieren. Bis vor kurzem gab es auch nur einen. Der Gründer dieses einen wurde vor längeren Monaten abgerufen, weil er— ein klassisches Beispiel für die erziehliche Wirkung des Kientopps— sich an einem kriminalistischen Drama beteiligt hatte, das ihm sechs Monate oder mehr tür Einbruchsdiebstähle einbrachte. Die hat er abgeiesien. Das Kino ging durch Verkauf in andere Hände über. Nun aber kam der Ehrenmann sonder Scheu und Schüchternheit zurück und gründete in dankbarem Andenken an die frühere ersprieß- liche Wirksamkeil ein zweites Kinolheater, das also seinem ersten das Wasser abzugraben hat. Denn der Zweck des ersten ist, nach- dem der Ehrenmann die Berkaufssummc dafür eingestrichen hat, erfüllt. Die Bewohner der Stadt schüttelten zunächst den Kopf über die»bodenlose Frechheit dieses Verbrechers'. Kein Mensch, so sagten sie, dürfe die neue Kunststätte besuchen. Infolgedessen stand das Publikum am Eröffnungsabend bis aus den Damm, und sehr viele mutzten umkehren, weil kein Platz mehr zu haben war. Das erforderte besondere Anstrengungen des anderen Kientopps. In einem dickberänderten Inserat des Kreisblattes wurde ein „Ricsenfilmschauspiel in 6 Akten— ein Weltschlager— der Kolossalfilm des 20. Jahrhunderts'— angekündigt..Achten Sie auf unsere Firma!*... Darauf brachte Kientopp Nr. 2 ein ellenlanges Inserat, worin gleich ein halbes Dutzend Stücke angezeigt und dem Publikum ge- raten wurde, sich ja rechtzeitig mit BillellS zu versehen. Alsbald verkündete Nr. 1, daß es ihm unter ungeheueren Opfern gelungen sei, das.herrliche Filmschauipiel... mit Asta Nielsen in der Hauptrolle' zu erwerben. Ferner den.Kriegsschlager' Soundso und einige Stücke zum Krank- oder snach Wahl) zum Totlachen. Nr. 2 verlängerte sein Inserat, bis das Zeitungsformat Halt gebot. Nr. 1 verdickte den Rand und ging mehr in die Breite. Die Stadt hielt den Atem an, und der Weltkrieg begann zu verblassen vor dem schrecklichen Ringen der Kienlöppe, das nunmehr auf seinem Höhepunkt angelangt zu sein scheint. Kienlopp Ztr. 1 nämlich fragt die Leser in großer, fetter Schrift: Wollen Sie.Evas Hemd' seh�??? Eine pikante Burleske in 3 Akten. In der Hauptrolle: Die schicke und scharmante Lotte Neumann. Sie werden sich amüsieren wie nie zuvor. War verboten, jetzt freigegeben. Es ist klar, daß die Frage mit den drei Fragezeichen allgemein bejaht wurde. Der Strom der Besucher lenkte nach Nr. 1 und Nr. 2 stand vor der Notwendigkeit, diesen wuchtigen Schlag zu parieren. Er tat's in einem Rieseninserat, das u. a. ankündigte: Ulberts Hose. Aeußerst pikantes Lustspiel, denn das war so'ne Chose mit Ulberts Hose, Albert nahm seine graue Hose, schmierte sie mit Stiefelwichse ein und hatte nun eine schwarze Hose. Albert ging in Gesellschaft und dort wurde auch getanzt, und wir sind besorgt, was aus den weißen Kleiochen der schönen Tänzerinnen wurde, die sich, keusch, aber zärtlich, an die verzauberten Hosen von Albert anschmiegten. Nr. 2 fragt also gar nicht erst: Wollen Sie Alberts Hose sehen? Er weiß: man muß sie sehen I Er weiß, daß sie nunmehr wieder zu ihm schwärmen werden, wie die Fliegen an den Honig. Alle die kleinen Laden- und Nähmädchen, die Lehrlinge und Schreiber, die jungen und alten Frauen und ein erklecklicher Teil der ehrwürdigen Bürger. Gut sind die daran, die sich beides leisten können— das Hemd u ckd die Hose. Aber wa§ machen jene, für die das Und ein Oder bedeutet? Die nun nicht wisien, wohin sie ihre letzten paar Groschen tragen sollen? Der Kampf der Kientöppe beschwört schlaflose Nächte und tief- gehende seelische Erschütterungen herauf. Alle Portokassen geraten in Gefahr. Mit leeren Portemonnaies und lüsternen Augen steht die halb- wüchsige Jugend vor den schreiend bunien, riesigen Reklameschildern am Eingange der Kinos und verfolgt mit neidischen Blicken die Glücklichen, die zahlungsfähig genug sind, in die Mysterien eines Hemdes oder einer Hose einzudringen. Ganz gewiß nicht nur in jener kleinen norddeutschen Stadt. Nicht nur in einer. Es ist nur ein kleines Beispiel. I'an. kleines Feuilleton. der„Napoleon" der Journalistik. Wenn ein englischer Minister, wie das dieser Tage geschehen ist, von der Regierungsbank im Uuterhause lebhafte Klage über das Treiben eines bestimmten Konzerns der englischen Presie führt, so mutz besten Einfluß schon weit reichen. In der Tat hat weder in England noch in irgend einem anderen Lande jemals ein Zeiiungs- unternehmen eine so große Macht ausgeübt, wie das gegenwärtig seitens der sog. Northcliffe-Presse in England geschieht. Freilich ist auch nie zuvor in einer Hand eine so große Anzahl von Organen der öffentlrchen Meinung vereinigt gewesen, wie in der des Lord Northcliffc, der heute nicht nur die„Times' und die.Daily Mail' verlegt, der außerdem den in London sehr verbreiteten.Daily Mirror', die„Evening News' und daneben mehr als ein Dutzend großer englischer Provinzzeilungen herausgibt. Dazu kommt noch eine ganze Anzahl kleinerer Organe: es kommen weiter hinzu etwa 30 der in England so überaus beliebten Magazine und Wochenschriften, sodaß sich unter Lord Northcliffes Leitung allwöchentlich inehr als dreißig Millionen Exemplare von Zeitungen und Zeitschriften über das vereinigle König- reich und den übrigen Teil der englischsprechenden Well ergießen. Hat doch allein der.Daily Mirror' eine tägliche Auf- löge von ßoOOOO Exemplaren, eine Ziffer, die von der Auslage der „Daily Mail" zwar nicht täglich erreicht, ober bei besonderen An- lässen noch erheblich übertroffen wird. Der Mann, der diese un» geheure publizistische Macht ausübt, und der wie kein anderer den Deutschenhaß in England geschürt und systematisch das englische Volk in den Krieg gegen Deutschland gehetzt hak, dieser Mann hat für seinen beispiellosen geschäftlichen Ausstleg weniger als zwei Jahrzehnte gebraucht und war vor zwanzig Jabren in London noch so gut wie unbekannt. Lord North- cliffe, der vor seiner Erhebung in den Peersstand durch König Eduard VII. ein simpler Mr. Alfred Harmswortb war, stammt aus ganz kleinen Verhältnissen. In jungen Jahren hatte er sich so viel erworben, daß er in London ein kleines Blättchen herausgeben konnte, das den Titel.Answers'(Antworten) führte und dessen Eigenart es war, sozusagen jeden Leser zum Mitarbeiter heran- zuziehen, wie schon der Name des Blattes andeutele. Dieses Ver- fahren halte den Vorzug der Billigkeit insofern, als Harmsworlh keine Honorare zu zahlen brauchte. Jeder Leser, der irgend etwas zu tagen zu haben glaubte, oder der etwas erfahren wollte, schrieb an das Blatt; die Einsendungen und Anfragen wurden auch prompt abgedruckt, und andere Leser gaben in der Beantwortung der Anfragen gleichfalls ihren Senf da- zu. Von dem Gehalt des Blattes kann man sich in Berücksichtigung des niedrigen Bildungsgrades in den Kreisen des kleinen englischen Publikums leicht ein Bild machen.„Answers" waren genau so dumm wie der Dümmste aus dem Leserkreise, und daS will schon etwas heißen. Das Blättchen kam aber auf keinen grünen Zweig; das Unter- nehmen mußte seine Zahlungen einstellen, und es wäre wohl völlig von der Bildfläche verschwunden, wenn Harmsworth nicht auf die damals in Europa noch ganz neue Idee versallen wäre, jeden Leier des Blattes unentgeltlich gegen Tod und Unfall zu versichern. Er hatte damit einen außerordentlich glücklichen Griff getaii; binnen ganz kurzer Zeit wuchs die Auflage der„Answers" gewaltig, und diese unentgeltliche Abonnentenversicherung brachte Harmsworlh so viel Geld, daß er im Jahre 1896 neben den.AnSwerS' die «Daily Mail" begründen konnte. Es war das im Gegensatz zu der damals noch ruhigen und zurückhaltenden Art der englischen Presse ein Blatt im schreiendsten Sensationsstil, das der amerikanischen „gelben Presse" nachgebildet tvar, diese aber an Effekthascherei noch zu überbieten suchte. In den Spalten der„Daily Mail" herrschte ein anmaßender und unfeiner Ton, und alsbald kehrte sie als be- sonderes Aushängeschild den Deutschenhaß heraus, wie sie überhaupt in jeder Hinsicht auf die niedrigsten Instinkte spekulierte. Das waren die Ansänge von Alfred Harmsworths geschäftlichem Aufstiege. Dieser skrupellose Engländer hat nie nach der Wirkung seiner systematischen Bolksvergiftung gefragt; ihm kam es immer nur auf das Geschäft an. So ist es ihm denn auch gelungen, neben einer ganz gewaltigen Macht ein riefiges Vermögen zu erwerben, und seine Bezeichnung als.Napoleon der Journalistik" im engli- scheu Unterhause zeigt mit aller Deutlichkeil, daß die Engländer seinen Einfluß keineswegs unterschätzen. Chemische Forschung unü darwinksmus. Ueber dieses Thema veröffentlicht in der letzten Nummer der „Natur" Dr. Damm eine bemerkenswerte Abhandlung. Die Darwinsche Theorie hat bisher den Stoff für ihre Beweise aus den verschiedensten Gebieten der Naturwissenschaften, namentlich aber aus Anatomie und Entwicklungsgeschichte, aus der Paläontologie und aus der Tier- und Pflanzengeographie entnommen. In der letzten Zeit ist ihr in der Ehemie ein neuer Bundesgenosse entstanden. Damm verweist hier auf die Ergebnisse der Willstätterschen Forschungen über das Blattgrün oder Elorophyll. Aus bestimmten Beobachtungen glaubte man früher den Schluß ziehen zu dürfen, daß das Chlorophyll eisenhaltig sei. Die Forscdungen WillstätterS haben erwiesen, daß dies nicht der Fall ist, sondern daß außer den Elementen Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff und Stickstoff-Magnesiiim das Molekül des Blattgrüns zusammensetzt. Was für das Pflanzenreich das Chlorophyll, das bedeutet für das Tierreich der Blutfarbstoff, das Hämoglobin. Dieses ist aber eisenhaltig. Bekanntlich ist die Aufgabe des Chlvro- phylls, aus Kohlensäure und Wasser unter dem Einfluß des Lichts Kohlehydrate wie Zucker und Stärke aufzubauen. Die Reaktionen des Chlorophylls sind also synthetische im Gegensatz zu denen des Hämoglobins, das als Transportmittel für Sauerstoff in Frage kommt und dessen Reaktionen analytische sind. Beide Moleküle, das Chlorophyll und das Hämoglobin, haben aber in ihrem Aufbau gemeinsam, daß sie sich auf jenen Verbindungskomplex zurückführen lassen, den man als Pyrolkern bezeichnet. Daher unterscheidet Willstätter zwei Arten von Leben, die sich nebeneinander fort- eniwickeln: das syntbesisierende Leben mit Magnesium und das analysierende Leben mit Eisen. Der großartigste Synlhcliker Chlorophyll und der großartigste Analytiker Hämoglobin sind aber nahe mit einander verwandt, wie aus dem oben Ausgeführten hervorgeht. So weist die chemische Erforschung vom Blutfarbstoff und Blattgrün auf einen gemeinsamen Ursprung von Tier- und Pflanzenwelt hin._ �lrrhenius über Sie Bewohnbarkeit der Planeten. Der Nobelpreisträger Professor Svanie Arrhenius, dessen Bücher auch bei uns weite Verbreitung gefunden haben, hat soeben ein neues Werk über die Sternenwelt herausgegeben, worin er sich mit der Frage beschäftigt, ob untere Nachbarplaneten bewohnt sind. Das Ergebnis seiner Untersuchungen geht dahin, daß weder die Venus noch der Mars als bewohnt und bewohnbar angesehen werden dürfen. Die Venus schon nicht wegen der dort herrschenden hohen Temperatur, in der nur niedrige Lebewesen aushalten könnten. Den Mars hält ArrheniuL für eine kalte Wüste. In den vielbesprochenen Kanälen sieht er Bruchspalien infolge von Erdbeben, und die Farbenerscheinungen in den Kanälen führt er auf Salze zurück, die sich in den Spalten finden und die Farben abscheiden, wenn sich die Kanäle bei der Schneeschmelze mit Wasser füllen. Auch hält es Arrhenius für wenig wahrscheinlich, daß sich außerhalb unseres Sonnensystems noch bewohnbare Wellen finden; und was die Erdenmeiischheit betrifft, so gibt er ihr den Trost, daß sie wahrscheinlich noch Milliarden von Jahre auf unserem Planeten zu leben hat. Die Schicksalsmaus. EineErzählungvonTierenundMenschen. 2bj Von Harald Tandrup. Damit warf er sich auf die Knie, tastete abermals in dem kleinen Loch unter dem Fußboden umher, schaute die andern an und zeigte seine leeren Hände, als wolle er sagen:— Seht selbst. Das Geld ist nicht da! Andersen schüttelte entsetzt den Kopf. „Nein, daß es so schlechte Menschen gibt!" „Habt ihr schon je gehört, daß man einem Mann das Geld zum Begräbnis seiner Frau gestohlen hat?" Fragend blickte Lars Larsen von dem einen zum andern, aber er begegnete noch nicht dem richtigen Verständnis. Es war zu unwahrscheinlich, geradezu märchenhaft, daß in einem so ärmlichen Haus so viel Geld versteckt gewesen sein sollte. Blomberg spielte den Zweifelnden und Ueberraschten. „Sind Sie auch sicher, Larsen, daß das Geld in diesem Raum war?" fragte er. „Sicher?— Meine selige Frau flüsterte es mir in ihrer letzten Stunde zu. Ach. wenn sie wüßte, daß unser mühsam erspartes Eigentum gestohlen worden ist I" „Zu schrecklich", murmelte Andersen.„Ich habe wohl gehört, daß es Diebe gebe— aber daß sie den Leuten so mir nichts, dir nichts ihr Eigentum wegnehmen, das ist doch fürchterlich." „Es gibt kein Eigentum", entgegnete Christensen,„alles ist geliehen. Der liebe Gott hat Larsen das Geld an- vertraut; jetzt nimmt er es ihm durch die Hand eines Diebes wieder." „Das ist mir kein Trost," brummte Lars Larsen. „Gott wird Ihnen das Geld aus andere Weise zurück- geben," sagte Andersen. „Was nutzt das Gewäsch über Gott!" rief Blomberg ge- reizt.„Glauben Sie vielleicht, er werde Larsen eine Post- anweisung schicken, Andersen?" „Hier steh' ich armer Mensch und weiß mir keinen Rat." samnierte Lars Larsen.„Die Frau soll morgen begraben werden, aber ihre Grabstätte ist noch nicht bezahlt.— Sie nehmen sie ja nicht!" „So laßt sie auf der Armenseite des Kirchhofs begraben. das kostet nichts," riet Christensen.„Wenn nur die Seele im Himmel ist, dann mag der Körper ruhig im Schindanger ruhen." „Pfui, wie abscheulich!" rief Maren.„Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut, Christensen." Und sie warf sich weinend über den Tisch. „Sie sollten sich wirklich schämen", sagte Andersen, der sich Marens wegen gekränkt fühlte. „Ja. pfui Teufel", stimmte Blomberg bei.„Der Philosoph ist wirklich schon ganz verrückt. „Das ist keine Kunst", so etwas über eine Verstorbene zu sagen", bemerkte Lars Larsen.„Es wäre viel besser, wenn Sie uns etwas Vernünfliges raten würden." „Freunde", sagte Christensen sanft,„ich vergebe euch. Ihr wißt nicht, was ihr redet. Das, was Ihr Vernunft nennt, ist noch schlimmer als Verrücklheil." Damit wendete er sich um und ging mit ruhiger Würde davon, ohne daß ihn jemand vermißt hätte. Der Gedanke an das verschwundene Geld verschlang jedes andere Interesse.— „Was soll ich nur tun?" fragte Lars Larsen ratlos von einem zum anderen schauend, als erwarte er von ihnen Hilfe. „Du mußt eben anderes Geld auf der Sparkasse holen", riet Maren treuherzig. „Ach, was verstehst denn Du", sagte er gereizt. „Haben Sie wirklich Geld auf der Sparkasse, Larsen?" fragte Blomberg, gelb vor Neid. „Ein bißchen," antwortete Larsen—„aber deshalb will man doch ungern etwas verlieren. Das Geld ist gestohlen, darüber besteht kein Zweifel; doch von wem?" Niemand wußte es. Böse Menschen gab es genug auf der Welt, das war eine alte Sache; aber woher konnten diese gerade wissen, daß Larsens Geld unter dem Kachelofen ver- steckt war? Das ließ sich nicht so leicht aufklären. „Ich gehe zur Polizei!" rief Lars Larsen schließlich.„Ja. weiß Gott, das tue ich." „Ach nein," sagte Andersen schnell, das dürfen Sie nicht." Lars Larsen schaute ihn mißtrauisch an. „Ich darf nicht? Soll man sich das vielleicht gefallen lasten, daß einem Diebe seine paar armseligen Groschen stehlen?' „Aber wenn nun die Polizei entdeckt, wer es war, dann machen Sie vielleicht einen Menschen für's ganze Leben un- glücklich", entgegnete Andersen. Haben Sic das bedacht, Lars Larsen?" „Andersen hat recht", stimmte Maren ein.„Die zweihundert Kronen bringen uns auch nicht um." Larsen knurrte wie ein toller Hund. „Soll ich mich nicht lieber gleich ganz rupfen lassen?" „Natürlich müssen Sie zur Polizei, Larsen", sagte Blom- berg bestimmt,„es bleibt nichts anderes übrig. Vielleicht bekommen Sie Ihr Geld doch zurück." „Meinen Sie, Blomberg?" „Das kann man nicht wissen", erwiderte dieser,„aber Sie müssen sofort gehen. Sagen Sie nur auf der Wache, ich— der Schneider Blomberg— habe Ihnen geraten, die Polizei zu holen. Vergessen Sie das ja nicht. Larsen." „Sie sind wohl bekannt dort?" fragte Larsen treuherzig. „Nein, das gerade nicht", gab Blomberg schnell zur Antwort; denn es war ihm nur darum zu tun, daß der andere auf der Polizei bemerkte, er sei von ihm geschickt. Mau würde das als Beweis eiues guten Gewissens ansehen. Larsen begriff, daß seine Frage zweideutig ausgelegt werden könne, und deshalb beeilte er sich, zu sagen: „Ich dachte nur, die Leute würden sich vielleicht Jhret- wegen mehr Mühe geben." „Ja, freilich", erwiderte Blomberg.„Hauptsache ist, daß Sie bald Schritte tun. Sie aber, Andersen, gehen jetzt schleunigst mit mir in die Werkstatt hinunter; wir haben schon genug kostbare Zeit verloren." „Ja, wahrhaftig", entgegnete Andersen,„das haben Ivir." Damit schlich er sich hinter Blombergs Rücken vorbei, um Maren noch einen Handkuß zuzuwerfen, und sie lächelte ihm glücklich zu.— Sie hatte ja heute einen Bräutigam bekommen; das war ihr mehr wert als zweihundert Kronen. Nur schade, daß sie wegen der ungünstigen Zeit nicht gleich mit dem Vater sprechen konnte. Aber wenn das Be- gräbnis überstanden und— vielleicht das Geld gefunden war, dann wurde Lars Larsen wohl wieder guter Laune— und dann— Auf diese Weise suchte sie sich selbst Mut zu machen, und während sie nach dem Fortgehen der andern wieder in ihrer Küche wirtschaftete, summte sie ein Liedcheu vor sich hin, das sie oft in der Gesindestube gehört hatte: Wie schön ist eS doch. Hand in Hand zu gehe» Mit dem, den man auserkoren, Oder von ihm— in Einsamkeit Zu träumen, gedankenverloren. Auch die Vöglein sitzen verstummt auf dem Zweig, Wenn ein paar beisammen sind; Doch sobald nur eines von ihnen da, Ein sehiijücht'ge» Lied erklingt. (Forts, folgt.) Dentsches Theater, Direktion: Max Reinhardt. T'/j Uhr: Das Nürnhergisch Ei. Sormab.: Ein Sommernachtstraum. idonntag 21/, Uhr(kleine Preise); Die deutschen Kleinstädter. KammerMpleie. H Uhr; Der Weibstcufel. Sonnabend: Der Vater. öonntagnachm. S'/j(Ideine Preise): Wetterlenchten. Volksbühne. Theater a. BBiowpl. 8 Uhr: Der Sturm. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr, z. 25. Male: Der Vater. Koenodienhaus. 8 Uhr: Die rätselhafte Frau. Berliner Theai. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. Lessing»Theater. Direktion; Victor Barnowsky. T'/j Uhr: Peer Gynt. Sonnab.; Zwischenspiel(Hy. Waiden). Sonnt.: Kouibdic der Worte. Deutsches Künstler-Theater, Allabendhoh 8 Uhr: Die selige Exzellenr. URANIA TaubenstraBe 48/49. 4 Uhr(halbe Preise): Der Inonzo and Oesterreichs Adrlakttste. 8 Uhr Die Dardanellen, Konstantlnopel und der Bosporus. Theater für Freitag, 10, Dezember. Deutsches Opernhaus Cbarlottbg. s uhr: Figaros Hochzeil. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. s uhr: Der fldeie Bauer. Gebr. H©ml ff ClÖ. Theater 8 uhr: Rosenblatt's Geheimtip Kleines Theater. 8 uhr: Henrielle Jacoby. Komische Oper. 8 uhr: Jung muß man sein Liastspielhaas. sv, u.: Krieg im Frieden. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin Äo. Residenz-Theater sv.uhr: Die Prinzessin Tora Sil. Tlontis Operetten-Theater Gastspiel Louis Treumann, 8 Uhr: Der Weltenbammler Schiller-Theater O. s uhr: Schirin und Gertraude. Schlller-Th.Charlottcnbg. s uhr: Die fünf Frankturter, Thalia-Theater. 3 uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Kollendorfpl. 31/. ü.: Der G'wlssenswnrm. 8V, Uhr; Immer teste drnft! Theater des Westens 8 uhr: Der Zigeunerbaron. Trlanon Theater. 3V.U.- Bodos Brautschau Morg. nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen Luisen-Theater. ©omitf 8": Die Allwördens. ®Ä:nb Schneewillchen. Sonnab. 8» fZf-. Die Haubenlerche. Uhr: Sehritle aal der Treppe. Grete Wiesenihal „Flotte Bursche� Operette i. 1 Akt v. P. v. SuppA Mitwirkende: Else Berne— Lotte Werkmeister v. Thalia Theat a. G. Käto Hansen— Steffi Walidt Gustav Matzner— Heinrich Peer Hanna Ewald— Jan Paul Außerdem: Der = neue Dezember• Spielplan. Direktion Adolf 1 Telef.: Lötzow j ZL TMCATeti "HW Vogei| 7341! 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Matter.4' Ihre Mitwirkung haben gütigst zugesagt: Der Krlegsehor von 1914 unter Leitung des Herrn Muaik- direktore Karl Nipkow.— Frau Margareta KSnig, Opems&ngorin. Berliner Konzerthaus-Orchester Anfang 8 Uhr. Eintritt 60 Pf. Anfang 8 Uhr. Karten sind zu haben bei Frau R. Salinger, Köpenicker Str. 76; Frau Justizrafc Löwe, Uhlandstr. 112/13; Frau Wechsler, Vorbergstraße 2; Frau Ehrlich, Yorkstr. 84a; Frau Spiegel, Pariser Str. 14; Herrn Dr. Tetzlaff, Gitschiner Str. 82 und Berl, Konzerth., Mauerstr. 82. Verantwortlicher Redakteur: Alfred Wieiepp. Neukölln. Für den ÄÄe« edemnlerhosen nst? 38._ eftetjoppen iV" 45,- 60- ederwesleu i;sf.-25.-30.- eOetrotflcB»v 15-18- eder-ZIIegeranMe 110- everhiindschiihesL/UZ- ederhandschuhe.5'°�?°° edergamaschen-14- pugenschStzei......_2" elienoeltcB«« 21.-28- eDccrocften 36.� verweilen sfirr. a 45, � eIntnsese»ch.SchI«ss«lkeZ4.- G Rftmen durch gtf. geschützte Machars als Feldpostbriefe Mrfenbst w»rb«» citiQWQber Feld-Aniformen ferfig»nd nach Klafj. z« eigener ftflrfdjncrcl hergestellke Offiziers> Pelze Pelz»Westen Unterzieh-Pelze Kimm-»4 Oelfieh-KleMimg fimsclea» Hitzen» Tfikotagea -:- Große Auswahl in Weihnacht». Geschenken Mwgenjoppea� SeMafrScke �Seilf esten Ja eigenen WerkflSllen hergestellte ist prelswerk und unüberlroffen in Sitz und solider Verarbeitung Knaben»Uniformen Meine GeschSfisrSnme find 8cMx,l!gis1?iU.I?,Dn. DhsxgWo!. Ferner weise ich schon setzt darauf Hin. daß keluZnvenlurvcrkauf lm Januar ISIS stattfindet. Lemelveber SK5il.«d4 o BoWft. 84 Mtotfütt Rchamv H Stjcherstr. 1 Verkäufe. 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