Nr. 289.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Mltwoch, 15. Dezember. CrlebmDe in Rusflsch-Polen. Ein Berliner Parteigenosse, der als Unteroffizier im Osten steht, sendet uns folgende Schilderung: Osten, 5. 12. 16. Werte Genossen! Heute geht mir so vieles im Kopfe herum, daß ich gar nicht weist, womit ich meine Schilderung anfangen soll;— die Friedens- interpellation, die Marktberichte, das Leben und Treiben der Lieben daheim und vieles andere. Was ich im allgemeinen erlebe, will ich so gut wie möglich schildern. Mit Flüchtlingen habe ich öfter zu tun und ich mutz sagen, dast hier bei uns von der Etappen- Kommandantur alles getan wird, was möglich ist, um dieselben vor Hunger und Frost zu schützen. Ich selbst werde rasch populär bei ihnen. Sobald ich mich nur einmal mit meinem photographi- sehen Apparat bei ihnen sehen lasse, wollen sie alle photographiert sein, und dabei geraten wir immer in Meinungsverschiedenheiten. Sowie ich den Apparat aufstelle, fangen Männlein und Weiblein an zu rennen, um schnell das beste Kleidungsstück, den besten Pelz oder das schönste Tuch umzuhängen, während ich die Sache gern in natura haben möchte. Manchmal komme ich nur dadurch zum Ziel, dast ich die Gruppe teile oder unverhofft eine Momentauf- nähme mache. Dann geht das Geplauder los, wovon ich nur soviel verstehe, dast jeder ein Bild haben möchte. Ich verspreche es natürlich, obwohl ich weist, dast ich nicht Wort halten kann, da an Zivilpersonen keine Bilder abgegeben werden dürfen und uns das Schicksal meistens in kurzer Zeit auf ewig trennt. Ich habe auch schon im Zimmer Aufnahmen gemacht, aber es kostet noch graste Ueberwindung, mich auch nur einige Minuten in solchem Raum aufzuhalten. Am meisten wundere ich mich über den Humor dieser Leute, denen doch grösstenteils Hab und Gut zerstört ist. Soweit ich mich mit ihnen verständigen kann(unsere Leute sprechen beinahe alle polnisch), freuen sie sich, dast die Ger- mancn hier sind.„Ruski kaput, German dobsche"(gut), höre ich Dutzende von Malen. Vielleicht ist das blast der Ausdruck ihres augenblicklichen Gefühls, daß sie satt sind, nicht frieren und gut bebandelt werden. Zu der Bevölkerung besteht ein ähnliches Ver- bältnis. Männer und Weiber laufen zu Hunderten in der Stadt herum, meilenweit kommen sie her, um ein bistchen Salz oder Tabak zu erhandeln, und wer gewissenlos ist, kann für ein Päckchen Tabak, das sonst 2g Pfennig kostet, 1 Mark erhalten, desgleichen für ein Pfund Salz.„Panje Salz",„Panje Tabak" klingts einem den ganzen Tag in den Ohren.„Nimma, nix," ist unsere Antwort in den meisten Fällen. Fragt man sie, ob sie Butter haben oder Eier, dann hört man nichts anderes als„Nimma", zeigt man aber 1 Päckchen Tabak oder nur ein« Handvoll Salz, dann kommen blitzschnell Eier und Butter zum Vorschein; sogar ein Huhn tauschte kürzlich einer meiner Kameraden für eine Handvoll Salz ein. Es mutz schrecklich sein, ohne Salz zu leben. Vor den Verkaufsläden sieht man ähnliche Bilder, wie man sie in Berlin beim Kartoffel- oder Petroleumverkaus sah und wohl noch sieht. Vor einigen Tagen haben wir uns eine halbe Stunde köstlich amüsiert, mitten im Elend. Wir fuhren auf ein Gut, Kartoffeln zu holen. Unter- toegs will mein Kutscher etwas Wolle von einer Bäuerin kaufen. Wir steiae» ab und treten in das Haus. Ich frage nach Eiern und Butter, da ich Kühe und Hühner im Freien sah.„Nimma" bekomme ich zur Antwort. In der Stube quitschen vergnügt ein paar junge Schweinchen und ich hole schnell den Apparat vom Wagen. Die Schweinchen müssen auf den Tisch, die Lichtverhält- nissc sind günstig. Die Frauen laufen schnell weg, um sich hübsch zu machen. Der übliche Streit entspinnt sich. Endlich ist die Auf- nähme vollbracht: leider hatte ich nicht beachtet, dast das Objektiv in der warmen Stube überlaufen war,— die Platte war futsch, wie sich beim Entwickeln herausstellte. Beim Einpacken des Apparats nehme ich�die Feldflasche von der Vorratstasche ab, in der noch ein guter Schluck Rum enthalten ist. Alles sieht mich ge- spannt an.„Karaschina"(Petroleum) sage ich.„Ah, Karaschina, dobsche," sagt die Madka(Mutter) mit strahlendem Gesicht. Mein Kutscher sagt auf polnisch, dast sie ein Glas holen soll, und schneller als sonst ist ein Glas bei der Hand. Ich setze an und nehme einen Schluck aus der Feldflasche. Aber nun erst die Gesichter!„Wutka, Wutka," ruft die ganze Gesellschaft, alt und jung. Ich gebe meinem Herzen einen Stost und schenke ein. Jeder erhält ein kleines Quantum. Die Kinder will ich ausschlietzen, aber es wird solange gebettelt, bis ich jedem ein wenig gebe. Ohne eine Miene zu ver- ziehen trinken sie, die Gesichter strahlen. Ich schüttle die Flasche, es ist noch etwas darin. Madka klopft mir auf die Schulter, macht geheimnisvolle Zeichen und verschwindet. Nach kurzer Zeit er- scheint sie wieder mit einer Anzahl Eier in der Schürze und einer Iceren Flasche in der Hand. Also den Rest soll ich ihr in die Flasche geben, ich erhalte dafür mindestens ein Dutzend Eier. Ich gehe auf den Handel ein, lasse aber durch den Kutscher sagen, dast die Eier für mich gekocht werden sollen; wenn wir zurückkommen würde ich sie mitnehmen. Leider hatte ich nicht mit dem Gelände gerechnet, es stellte sich nachher heraus, dast wir einen ganz anderen Rückweg hatten. Auf diese Weise war der Rum nicht zu teuer ver- kauft, da ich Madka wohl nicht wiedersehen werde. Zum Abschied begleitete uns die ganze Familie zum Wagen, die Kinder barfutz im Schnee. Man sieht überhaupt viel Kinder barfust im Schnee, sogar im Hemd habe ich welche gesehen. Ueberhaupt machen mir die Kinder viel Freude, aber auch Aerger, sie sind zu aufdringlich. Aus meiner Tätigkeit in einer Schulerabteilung des Turnvereins Fichte habe ich aber soviel Geduld erlernt, dast ich mich nicht aus der Ruhe bringen lasse. Solange ich dieses schreibe sind mindestens schon zehn bis zwölf Kinder in meine Stube gekommen(ich bewohne ein Haus allein) und wollen Brot(Kleba) haben. Jeder erhält auch etloas.— Ich bin auch schon ein halber Bettler, was ich auch erhaschen kann, wird zusammengetragen, um ihnen eine Freude zu machen. Von einem Freunde erhielt ich einige Pakete Pfefferkuchen,— sie sind alle und ich weist nicht einmal, ob sie schmecken. Wenn ich nun aber erst Bilder von unserer Berliner Schülerabteilung zeige, entsteht ein lvahrer Aufruhr unter der Gesellschaft. Wenn ich sie nur verstehen könnte! Ein Mädchen von IL Jahren, die mich immer an meine zweite Tochter erinnert, hat mich ganz besonders ins Herz geschlossen. Jeden Tag sagt sie mir ein paar deutsche Wörter, die sie behalten hat.„I weist net" und„ohne Salz schmecken die Kartoffeln nicht" oder„Benzin ist gefährlich" und anderes sagt sie ganz schön, versteht auch den Sinn. Ich kann gar nicht begreifen, dast diese Kinder einer feindlichen Nation angehören; ich würde am liebsten mit ihnen durch Wald und Heide laufen, wie in Berlin. Auch mit organisierten russischen Arbeitern(Juden) habe ich mich unterhalten. ES sind aber eigentümliche Sachen, die sie über die Partei in Deutschland erzählen, die Blätter in Rustland müssen unheimlich verleumdet haben; Deutschland ist der Sündenbock. Trotzdem möchten sie gern deutsch sein,— wenn nur die Russen nicht wiederkommen.— Doch darüber darf ich nicht schreiben,— wir werden ja sehen. Etwas Gutes haben wir hier noch. Ein Pfund Hammelfleisch kostet 20 bis 30 Pf., 1 Pfund Schweinefleisch 50 Pf., und es wird immer noch genug auf den Markt gebracht. Für ein Pfund Speck bezahlen wir 1 M., immer noch annehmbar,— wemüs bloss zu Hause ebenso wäre. Es gibt aber auch Dörier, wo überhaupt nichts zu haben ist; hier in der Stadt strömen die Bauern aus meilenweitein Umkreise zusammen und verkaufen oder vertauschen ihr Letztes. Es kommt mir vor, wie wenn diese Menschen nur der Gegenwart lebten und die Zukunft bringen lassen, was sie will. <30 schleicht ein Tag nach dem anderen hin, und bald klingt das„Friede auf Erden" wieder überall. Möge es bald zur Wahr- heil werden! Mit bestem Gruß A. L. Kleines Feuilleton. Ljuanschikais Weg zum Thron. Schon lange haben gute Kenner des fernen Ostens Duanschikais Weg zum Throne vorausgesagt. Dieser Weg wurde von dem einstigen Oberrichter von Tschili mit so viel Kraft und politischer Schlauheit beschritten, dast spätere Geschichtsschreiber argwöhnen werden, Duanschikai habe den Machiavelli mir Nutzen gelesen;— aber soweit geht seine Beherrschung der abendländischen Literatur, von der er mancherlei in Uebersetzungen liest, nach den Mitteilungen seines alten politischen Beirates Dr. Morris denn doch nicht, und man darf ihn so wenig wie etwa den Fürsten Jto, den einstigen „ungekrönten Kaiser von Japan" oder sonst einen erfolgreichen Staatsmann des nahen oder fernen Orients mit dem Maststabe der Politik des Abendlandes messen. Das gilt auch für die folgende Er- zählung der dunken Stunden, in denen die Würfel über Nuanschikais Zukunftfielen und über diewiraus den Aktenstücken und Urkunden, die die Modernisierung Chinas zugänglich gemacht hatte, denkwürdige Einzelheiten erfahren. Im Frühling 1803, kurz nach dem Tode des Prinzen Kung, setzte in China unter der Leitung des Kaisers Kwangsü, dem die alte energische Kaiserin-Witwe damals leidlich freie Hand liest, die Aera der„Reform der hundert Tage" ein, die eine solche Fülle von Edikien zur Europäisicrung der Staatsverwaltung, des HcereS, der Presse und des Unterrichts brachte, dast ihr Abdruck allein einen hübschen Band füllen würde. Als aber gar eine kaiserliche Kabineltsorder kurzerhand eine Zahl von veralteten und unnützen Regierungsämtern und Sinekuren auflöste,„fette Pfründen, die seit Generationen Tausende von Müstiggängern im Genüsse einträglicher Erpressungen genährt hatten," schlug sich die Kaiserin- Witwe energisch auf die Seite der Reaktionäre. Kwangsü, im tiefsten Grunde weltfremd, hatte keine Ahnung von der Gefahr, die ihn zu umgarnen drohte. In der nu heimlichen Stille seines WinterpalajteS, wo ihn der lautlose Katze» schritt spionierender Eunuchen umlauerte, entrollte der ehrgeizig Kaiser das Ahnenbild des gehastten grasten Schihoangti und träum: von den Taten des gewaltigen Zwingherrn und ersten Einige» Chinas, dessen berühmte Bücherverbrennung auch eine Revolutu» grasten Stils von oben bedeutet hatte. Aber er war kein Schrb» angti, dieser verweichlichte, launeuhastc, mit allen Fehlern d-: Haremserziehung unsympathische Mandschusprost, und der Mann, de» er zum Verlrauten seiner Hoffnungen, zum Regisseur seiner Staat-: streichpläne erkor, traute sich die Kraft zu. selbst dem Rad der Zc:. in die Speichen zn fallen. Dieser Mann hicst Duanschikai. Es war am 5. August 1808. Zum letzten Male fast der Kaiser auf dem grasten lackierten Drachenlhron,_bcn bald wieder d- Kaiserin-Witwe einnehmen sollte, in dem düsteren Thronsaal, dr die Dämmerung kaum erhellte, und vor ihm kniete Duanschikai ui schwor,„treulich den Dienst eines Hundes oder Pferdes zu vc richten, solange noch ein Atemzug feinen Busen belebt". Da war er eingeweiht in den Plan des Kaisers, die Käiscrin-Witwe z» entthrone» und gefangen zu setzen und durch ein: Staatsstreich ein modernes China zu schaffen. Mit Hil� Duans. Eine gewaltige Rolle schien dem damaligen Obe> richter von Tschili zu winken— er aber kannte Ktvangm genug, den bestenfalls eine Nikolaus II.-Natur in starkc: VerWässerung war, und setzte keinen Dollar auf seine_ 23c- ständigkcil und Kraft. Er blieb loyal.... Schon der näch'. Morgen sah Kwangsü als Gefangenen auf der Ozean-Terrasse a\- südlichen LotuSsee im Pekinger Winterpalast. wo ihn chinesisw Aerzte mit den alten heiligen Mixturen bei seiner unzweifelhafte Nierenkrankheit bald zu Tode kurierten. Das Weitere ist noch in unverblastter Erinnerung. Wie Juan schliestlich ohne gefähr liw Erschütterung des Ricsenrciches die Mandschu-Dynastie über d Grenze bugsierte, die chinesische Republik schuf und sich zum Präsidenten mit allmählich immer autolratischer bemessenen Vollmachku wählen liest. Der Weg zum Thron stand nun offen. Die letzten Tage von Monaftir. Einern Berichte des„Corriere della Sera" entnehmen wir die folgende Schilderung der letzten Tage von Monastir:„Das Ende» da. Monastir ist preisgegeben. Die spärlichen serbischen Truppe». die im letzten Augenblick zu Hilfe eilten, auf der Strasse nach AI bauten abziehen. Das Schauspiel ist herzzerreißend. In dem eisigen Schneegestöber ziehen sich diese durch Anstrengungen, Kälte und Hun ger völlig zermürbten Soldaten zurück. Das ist kein Heer mehr. eS ist nur noch das Gespenst eines Heeres, das sich da entfernt nr im grauen Dunst der Ferne untertaucht. Diese 0000 Soldaten, d» zur Verstärkung geschickt lvorden waren, konnten den Zusammen bruch nicht verhindern. Sie boten bei ihrer Ankunft ein mitleid erregendes Bild. Stach 17tägigem �Marsch waren sie auf kaum gang baren Strassen ohne Mäntel, ohne c�chuhc, ohne Brot von Albanien da hergekommen. Erschöpft waren 120 von ihnen in Regen und Schnee liegen geblieben, wo man sie ihrem Schicksal überliest. Perschmack, tend kamen die Ueberlebendcn in Monastir an. Sie bedeuteten kein Verstärkung der Besatzung von Monastir, sondern glichen eher eine- Versammlung von Gespenstern. Man hätte sie allesamt in ein La zarett stecken sollen; indessen mutzten sie noch an demselben Tag an die Front.... Bon Novak her hörte man Kanonendonnc. Ganz Monastir war in grausigstem Entsetzen. Die Bürgerwache» wurden von Soldaten unterstützt. Die Beamten waren geflohen. In der Nacht ging es geräuschvoll her. Ganze Wagenkolonnen brachte» die Wenigen, die noch in Monastir geblieben waren, fort. � Per zweifelte Flüchtlinge waren von den Bergen herabgekommen, in de: Hoffnung, Schutz in Monastir zu finden. Als sie auf die Züg. stiesteu, die gerade die Stadt verließen, kehrten sie voller Schrecke» wieder um und wanderten mit nach Jllbanien.... Mitten durck, diese trostlose Menge ziehen gröhlcnd einige Gruppen von Bürgern. es sind Einwohner, die man beim ersten Alarm als wenig vertrauen- würdig ins Gefängnis gesteckt hatte und die, nachdem die Polizei geflohen, sich der goldenen Freiheit wieder erfreuen konnten.... Durch das Morgengrauen des kalten TageS sieht man aus eine:» Fenster des Konak ein gelbliches Licht blinken. Es komnit ans dem Arbeitszimmer des Stadthauptmanns, der als Letzter noch ans seinem Posten verharrte._ Rotize». — Theaterchronik. Im Charlottenburger Schiller- t h c a t e r findet am Domierstag die erste Aufführung eines in Berkin noch nicht gegebenen Stückes von August«trindberg stau. des fünfaktigen Schauspiels„Ritter Bcngts Gattin" in der Uebertragung von Ernst Brausswetter. Die Schicksalsmaus. EineErzählungvonTierenund Menschen. 29J Von Harald Tandrup. Zuletzt kam der Philosoph Christenscn, blau vor Kälte mit lustig unter dem Hutrand hervorflatternden Haaren. Aus feiner Rocktasche schaute eine Papierrolle heraus, während das Päckchen unter seinem Arm ein durchschnittenes Sauer- brot enthielt. Er wanderte würdevollen Schrittes über den Hof wie ein ehrbarer Sumpfvogel und verschwand dann in dem Loch. das unter dem Vorderhaus weg auf die Straße hinausführte. Sobald der letzte Mensch das Haus verlassen hatte, fühlten sich die Tiere als die Herren. ES kam ein förm- licher Tatendrang über sie; in allen Winkeln wurde es lebendig. Auch in dem Mäuscnest unter Lars Larsens Fußboden hatte Meister Grau ein ernstes Gespräch mit seiner Frau. „Der fünfte Tag ist vorüber," sagte er.„Die Katze hat ihre Jagd begonnen." „Woher weißt du das?" fragte die Madame miß- trauisch.„Du bildest dir doch nicht ein, daß du bis fünf zählen könntest?" .Langzahn hat es mich gelehrt," antwortete Grau.„Man beginnt bei der einen Zehe und rückt an jedem Tag eine Zehe weiter. Ist man mit dem ganzen Fuß fertig, so sind fünf Tage vorbei." „Der mag dir etwas Schönes aufgebunden haben." In dicseni Augenblick erwachte eines der Jungen und pfiff jämmerlich. Madame sang mit leiser Stimme das alle Kinderlied: Schlaf, Mäuschen, schlaf. Schlaf schnell, dann wirst du gross. Morgen gibl'S einen leinen SchmauS, De» Väterchen uns Holl ins HauS. Schlaf, Mäuschen, schlaf! Morgen! Das ist der ewige Trost der Großen für die ungeduldigen Kleinen. Endlich schlief das Mäuschen wieder ein, und Madame hörte mit ihrem Gesang auf. „Weißt du was, Grau," begann sie,„ich werde Lang- zahn aufsuchen. Wir müssen>visscn, wie wir daran sind. Die Katze muß aus dem Haus!" „Langzahn hat mir versprochen—" „Ich gebe keine trockene Käserinde für seine Ver- sprcchungcn," fiel sie ihm ins Wort.„Ich will selbst etwas tun!" Meister Grau Pfiff angsterfüllt. „Aber wenn dich jetzt die Katze frißt, Mutterchen, was machen dann wir andern?" „Ich werde schon mit heiler Haut davonkommen," antwortete Madame kurz angebunden. Sie war noch ein wenig verschlafen, und seitdem sie mit der Menschenhand gekämpft hatte, die ihr— wie sie es auffaßte— den Zipfel der geräucherten Wurst hatte nehmen wollen, war es fast nicht mehr mit ihr vor Einbildung auszuhalten. Jetzt putzte sie sich eifrig, drehte und wendete sich vor Meister Grau und fragte: „Sitzt der Pelz gut?" Meister Grau brummte zustimmend. „Na, so leb wohl," sagte sie und schlüpfte hinaus. Der Mann aber mußte bei den Jungen bleiben.— Sie lief so rasch sie konnte durch den Gang und pfiff vor Eifer, weiter- zukommen; da huschte sie blitzschnell unter dem Ausguß weg— durch die Küche— die Treppe hinab und hinaus in den Hof. Sie hatte Langzahn noch nie gesehen, wußte aber von Meister Grau, daß er unter einem Rinnsteinbrett wohne, und da war nur eins im Hof. Der Rinnstein selbst war zugefroren. Aus seiner spiegel- glatten Oberfläche ragten nur hier und da Kartoffelschalen und Strohhalme hervor. Madame Grau faßte sich ein Herz, sprang auf das Eis und lief darauf entlang, bis sich das Loch unter dem Rinnsteinbrett wie ein gähnender Schlund vor ihr öffnete. „Langzahn," pfiff sie,„komm heraus!" Jedoch Langzahn kam nicht. Als Madame Grau wiederholt gerufen hatte, ohne eine Antworr zu bekommen, begriff sie, daß er nicht zu Hause sei. Aber sie konnte sich das Vergnügen nicht versagen, ihre Nase unter das Rinnsteinbrett zu stecken und zu sehen, wie Lang- zahn wohne. Man mertte sofort, daß er ein Junggeselle war. In allen Winkeln lagen Brotkrumen und Speckstückchen. Die Wohnung so einer einzelnen Ratte kann unmöglich ein Hein: genannt werden; es fehlt dort die Gemütlichkeit.— Außerdem war unter dem Bett fortgesetzt eine abscheuliche Zugluft, die das Loch eiskalt machte und den ganzen anheimelnden Duft wegnahm. Trotzdem wagte sich Madame Grau hinein und schnupperte au jedem einzelnen Gegenstand. Plötzlich vernahm sie rasche Schritte über dem Rinnsteinbrett, ein Schatten verdunkelte den Eingang und eine grobe Stimme pftff: „Wer stöbert hier in meiner Wohnung herum?" Es war Langzahn, der heimkam. Wütend peitschte er mit dem Schwanz die Erde, blies sich auf und blinzelte mit den roten Augen. „Ich bin's", antwortete Madame Grau niit schwachcr Stimme. „Ich? Welcher ich?" „Madame Grau— Meister Graus Gattin!" Langzahns Aerger verflog; seine Augen wurden freund- licher. „Was willst du bei mir?" fragte er.„Ich bin Langzahn. der Beherrscher des Rinnstein, der Beschützer des Hinterhauses." „Das ist mir sehr lieb, deuii ich und die Mcüügcn bedürfen eines Schutzes", erwiderte Madame Grau.„Du er inncrst dich vielleicht daran, daß die Katze heute ihre Jagd beginnt?— Grau sagt, du habest versprochen, uns von ihr zu befreien." „Ich habe versprochen, mir die Sache zu überlegen." ent- gegnete Langzahn ausweichend, sonst aber nichts. Für mich habe ich ja nichts zu fürchten. Du hast wohl gehört, daß ich einmal mit einer Katze gekämpft habe?" „Ei freilich", antwortete Madame Grau,„das weiß man doch in der ganzen Tierwelt. Aber eine Maus kann nicht mit Katzen kämpfen, das wirst du selbst einsehen. Wir müssen sie unbedingt aus dem Hause haben, und du mußt uns helfen!" „Ja, wenn das nur so leicht wäre", sagte Langzahn.„Ich wüßte augenblicklich wirklich nicht, ivic das geschehen soll; aber wir können ja bei Gelegenheit mit der Katze reden." „Warum nicht gleich?" entgegnete Madame Gra» leb- Haft„Wenn die Jagd tatsächlich begonnen hat, ist keine Zeit zu verlieren." (Forts, folgt.) Bekanntmachung. Die nächste AnsschußfihWg der Allgemeine» Ortskrankenkasse Niederbarnim findet am Mittwoch, d. 2t. Dezember 1915, vormittags 11 Uhr, im KreiS Hanl e zu Berlin, Friedrich- Karl- User S— KreiStagssidungS- saal- statt. Tagesordnung: 1. Festsetzung deS Voranschlages für 1916. 2. Aendcrung der 6§ 19, 45, 20, 31, 49 und 111 der Kassensatzung. 3. Einsetzung eines Ausschusses zur Schaffung eines Genesungsheims. 4. Errichtung einer Meldestelle in Mühlcnbeck, Friedrichshagen und Klosterfelde. 5. Wahl von 2 Vertretern für die Verhandlungen bei Erwerb, Ver- äuszerung oder Belastung von Grundstücken. 6. Wahl des RechnungSausschusseS für die Prüfung der JahreS- rechnung. Anträge von Mitgliedern zur Aus- schußsttzung sind spätestens 5 Tage vor dem Sihungstage bei dem Unterzeichneten einzureichen. 273/14' Berlin, den 13. Dezember 1915. Kühn, Vorsttzender. CfecrButet IBM»—« Pelz- wäre»•»»ro« Elizelvertaul wie elljfthrlioh m MlllgstM Preliea. S. Schlesinger Neue Königs!r.21»te>d kein lisdea. IL Sio.k. Eonnt.y feültn.t 12-iS Dhr� »IN««.na...FlrmaOI und Haufnummer«»« »aoht.nl n Wm&i#....- WKMK5Ä SM! Oorralil I Der Gratis- 1 Mampe Ist dal Wer Wie Wir Kraft im Arm, Bnmor im Kopf und einen Trank m der Ffasohe bat. ist stets vergnügt und lustig. ümsoxnohr bat uns daher die Nachricht von unseren Berliner Angehöi igen erfreut, das« 4er stets erwünschte, ojSt aber fehlende Trunk, ietat aegar ohne jede Bereohnnng von der Firma II. FEDER, feldpostm assig verpackt, geliefert wird. 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Hypotheken................. Niont abgehobene Prioritätszinsen und Dividende. Prioritätszinsen per Jüli/August........ Wohlfahrtsfonds............... Richard Roosicke Boamten-Pensionskasse.... Sparkasse der Angestellten und Arbeitnehmer.. Depositen-Guthaben der Kunden und Angestellten Kautionen................. Kreditoren................. Gestundete Brausteuer und Qemeinde-Biersteuer. Delkredere................. Kriegsrücklago............... Reservefonds................ Avale................... G ewmn.................*,. 52 896 981— . 52 896 981[— Berlin, den 19. November 1915. Geprüft und richtig befunden. Oer Vorstand. Die Reclinungsrevisoren: Boehme. Soheibel. Sautner. G. Kraner. Alexander Jaooby. Funke. Qerdum. Führ. Die Auszahlung der Dividende von 16 Proz. für das Geschäftsjahr 1914/15 erfolgt vom 16. Dezember d. J. ab in den gewöhnlichen Gesohäftsstunden an der Kuponskasse der Deutschen Bank in Berlin W, Kauonierstr. 29/30. Berlin, den 14. Dezember 1915. 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