».291-1915 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Die Rache öes Lappen. Von Maria Rieck-Muellsr. Die gslVbleiche Mittwinterfonne ivar hinter das frostwerße Bebilsch gekrochen Und die mattroten Wollen, die sie vorher um- lagert hatten, färbten die Baumwipfel und den Schornstein der Ansiedlerhütte auf der Gastreute mit einem schwachen Schein, wie von einer fernen, erlöschenden Feuersbrunst. Aus den Weiten jenseits des Waldes vernahm man das lang- gezogene Heulen eines hungrigen Wolfes. Der Mann, der drinnen in der Scheuer stand und Holz hieb, trat in die Türöffnung und lauschte. Das Heulen wahrte noch immer, kam aber nun aus noch weiterer Ferne— oder vielleicht waren ihrer mehrere, die Gesellschaft suchten, um sich desto sicherer in einem willkommenen Renntier eine gute Mahlzeit verschaffen zu können. Gegen diese Art Jagd hatte übrigens Jon Källson, der An- siedler auf der Gastreut-e, nichts einzuwenden. Und schadenfroh blitzte es in seinen Augen auf, als er dort stand und lauschte. Denn er Hatzte die Lappländer und ihr Klauenvieh, das gieriger als der Frost über sein« mühsam bearbeiteten Neubrüche herfiel und die jungen Bäume in seinem armseligen Stückchen Wald niederbrach. Das Heulen hörte auf, und Jon kehrte zu seinem Holzklotz zurück und Uetz seine Gedanken den Weg fortsetzen, den sie bei der Erinnerung an diese seine Feinde fast stets nahmen... auf- regende, böse Gedanken im ständigen Kreislauf um die fünf Jahre hier oben im Oedland— und um das, was ihn hergetrieben hatte. Jon Källson war ein Bauernsohn aus Hälsinge. Verwegen und starrköpfig, behagte es ihm nicht, daheim auf den alten, ab- getretenen Bauernpfaden hinter dem Pflug herzugehen. Er ver- suchte alles Mögliche, in Amerika sowohl wie in der Heimat. Und als er schlietzlich unter die Eisenbahnarbeitx oben in den Lapp- marken ging, geschah das, was ihm das Schandmal aufprägte: Er wurde der Teilnahme an einem Mord angeklagt und trotz seines Leugnens verurteilt. Auch nachdem er die Strafe verbützt hatte. bestritt er nach wie vor seine Schuld, konnte aber nicht dazu ge- bracht werden, den Täter zu �nennen.„Wenn die Vertreter des Gesetzes solche Esel sind, so mögen Mörder und Schelme frei unter ihnen umherlaufen," sagte Jon. Er war während der Gefängnis- zeit noch starrkipfiger geworden und bitter dazu. Getrieben von Verachtung und Mißtrauen gegen die Beweggründe der Menschen, erwarb er sich, fern von ihnen, gleich nach seiner Freilassung weit oben im Oedland Boden und Heimatsrecht. Die Frau, die er dorthin mitnahm, war auch die einzige, die unter diesen Bedingungen zu ihm patzte. Strecken-Glin wurde sie genannt, weil sie bald als Wäscherin, bald als Köchin den Bahn- arbeitern zu folgen pflegte. Und sie genotz das zweifelhafte An- sehen, das solchen weiblichen Zugvögeln gewöhnlich zuteil wird. Da ihr Ruf auch nicht besser werden wollte, als sie sich in dem Dorf fest niederließ und Arbeitsfreude und guten Willen zeigte, ging sie nicht ungern auf Jon Källsons Vorschlag ein, mit ihm ge- meinsam den Menschen den Mcken zu kehren und seine Frau zu werden. Was ihren Ruf betraf, hatte keiner von beiden Ursache, auf den anderen herabzublicken. Daß auch sie von harter Art war und durchaus nicht empfindsam, das war ihm gerade recht. So waren sie im großen ganzen mit ihrer gegenseitigen Wahl und anfangs auch mit der des Wildnislebens zufrieden. Sie hatten sich nicht mehr vor verachtenden und mißtrauischen Menschen zu schützen und sich gegen keine andere Gefahr zu wehren als gegen die Tiere der Wildnis, besonders gegen die frei umherirrenden Renntiere, die ihre Besitzer, die Lappen, nicht von fremdem Boden fernzuhalten vermochten. Einen fast instinktiven Groll hsgte Jon von Anfang an gegen dieses leicht bewegliche, lautlos umherschleichende Bergvoll mit seiner unverständlichen Sprache, seiner zähen Ausdauer und seiner Sorglosigkeit. Auch tückisch fand er diese Kerle, und mit wachsender Wut bemerkte er, daß seine Frau sie immer eifriger verteidigte und ihre sich hier und da wiederholenden Besuche in der Hütte recht gern sah. Obwohl sie doch sicher nicht andere? beabsichtigten als zu spionieren. Denn Jon hatte im vorigen Jahre einmal ein Renntier erschossen, das er in dem jungen Korn auf seinem ein- zigen Stückchen Acker beim Weiden überrascht hatte. Und seitdem war er auch hier ein Verdächtiger, wenngleich er hinterher wegen seiner Uebereilung Reue und Scham empfunden und eine Ent- schädigung geboten hatte. So hatte sich allmählich sein Groll zu immer grimmigerem Hätz ausgewachsen. Er hatte das Leben der Wildnis gewählt, um fortzukommen von all der Ungerechtigkeit und Bosheit der Men- Die Schicksalsmaus. ' EineErzählungvonTierenund Menschen. Stj Von Harald Tandruv. „Er dreht und wendet jeden Groschen— es ist nicht zum Aushalten. Bielleicht versuchen Sie es, ihn ein wenig zur Vernunft zu bringen, ja?" „Das wird schwer halten, kleine Jungfer! Wenn ich ihn mit der Hölle einschüchtern oder mit dem Himmelreich locken könnte, ginge es vielleicht. Aber nur aus dem Wege der Vernunft läßt sich nicht viel ausrichten, denn nach ihr greifen die Menschen zuletzt." „Sie sollten es dennoch versuchen, Christensen. Es wäre ein Segen fstr uns alle, wenn Sie ihm die Augen öffnen könnten. Denken Sie doch, wir haben achtzigtausend ffronen auf der Sparkasse, und dabei leben wir wie arme Leute. Achtziatausend! Das ist viel Geld, das weiß ich." „Wie man's nimmt." sagte Christensen ruhig.„Man kann mit achtzigtausend Kronen viel Böses und vielleicht auch ein bißchen Gutes tun. Ich werde mir überlegen, was Sie gesagt haben; vielleicht ist eS doch möglich, auf Lars Larsen einzuwirken." „Der Vater ist von Natur aus herzensgut," erklärte Maren, „er läßt sich nur von etwas Bösem beeinflussen. Die Macht des Geldes ist wohl stärker als er." „Sie ist stärker als wir alle," erwiderte Christensen.„Es gibt etwas, das man die soziale Frage nennt, etwas schrecklich Verwickeltes, das von dem unglückseligen Mißverständnis her- rührt, daß das Geld, das der Diener der Menschen sein sollte, ihr Herr geworden ist.— Im allgemeinen beschäftige ich mich nicht mit diesen nebensächlichen Dingen, denn ich habe aus- gerechnet, daß sich dieser Fehler im Laufe von ein- bis zwei- tausend Jahren von selbst ausgleichen wird, und ich babe ja Zeit, zu ivarten. Aber das haben Sie vermutlich nicht, und so ist es in diesem einzelnen Fall wohl am besten, die Sache raich in die Hand zu nehmen. Ich werde mit Ihrem Vater sprechen I" „Heute noch?" „Auch heute, wenn Sie es wünschen. Doch jetzt lasten Sie mich gehen, Ich mutz Zeit haben, um mich auf das Vorzubern. en. was ich sagen will. Das ist der einzige Vor- teil, den ich vor den meisten voraus habe, daß ich denken kann. ehe ich handle. Darum versäume ich selten. es zu tun." scheu, um Frieden zu finden— statt dessen wurde er auch hier binnen kurzem von der gleichen Verdammnis ereilt und litt die Qualen des Unfriedens mit sich selbst und mit den wenigen leben- den Menschen, die sich hier in weitem Umkreis befanden. An all das dachte Jon Källson, während seine Axt mit hastigen Schlägen das Holz spaltete, daß die Stücke nur so flogen. Immer wütender hetzte er sich hinein in diese nutz- und ziellosen Gedanken und merkte nicht einmal, daß die Dämmerung sich wieder in eine Art leuchtenden Tages verwandelt hatte, mit einem Schwefelglanz unter einem glimmenden Rot, wie von steigenden und sinkenden Flammen. Während die Kälte immer schärfer wurde und das Nordlicht einen leise knisternden Laut gab/... Auch nicht den Ruf seiner Frau zum Abendessen hörte er, bis sie ganz nahe vor der Holzscheuer stand. „Bist Du denn taub geworden, Mensch? Oder willst Dn, daß der Brei in dem Topf eintrocknet?" fragt sie kurz, doch nicht unfreundlich. Das regelmäßig doch grob geschnittene Oval ihres Gesichts ist umgeben von dichtem, rotblondem Haar. Ihre einzige Schönheit, die ungewöhnlich weiße und wohlerhaltene Haut, wirkt in dem wechselnden Schein des Nordlichts geradezu blendend. Der Mann hat vielleicht die Absicht, ihr zu antworten, kommt aber nicht dazu, denn in demselben Augenblick vernimmt er den Laut von knickenden Zweigen, und aus dem Gebüsch stürzt in rasender Eile ein prächtiges junges Renntier, springt über den halb verschneiten Zaun und läuft gerade aus ihr Gehöft zu. Hinter ihm her drei Graubeine nacheinander, die Zungen wie rote Lappen aus den offenen, vor schnaubender Lüsternheit geifernden Mäulern. Es ist für den Ansiedler das Werk eines Augenblicks, dem ersten Wolf mit der Axt das Rückgrat zu brechen, als er gerade in blinder Eile vorüber will, um in die nun so verlockend nahe Beute die Zähne einzuhauen. Der zweite weicht durch einen Ruck einem neuen Axthieb aus und flieht zugleich mit dem dritten Gefährten unter wütendem Gehen! nach dem entschlüpften Leckerbissen zurück in den Wald. _(Schluß folgt.) kleines Zeuilleton. Henrp Der am»«i!anische Automobil Fabrikant Henry Ford, der von den Vereinigten Staaten ausgereist ist, um in Europa für den Frieden zu wirken, wird ni manchen Blättern mit vielem Spott Übergossen. Sein Verfahren mag ein eigentümliches sein; aber feine Absicht ist eine sehr vernünftige. Schon einmal hat Herr Ford die Wut und den Spott der nationalistisch-kapitalistischen Presse beider Hemisphären herausgefordert, als er vor etwa zwei Jahren Ansichten äußerte, die für einen Kapitalisten sehr vernünf- tig waren und diese seine Ansichten in seinen Fabriken durch- führte. Er sagte damal-Z:„Keiner meiner 22 000 Arbeiter und Angestellten wird von jetzt ab weniger als 5 Dollar im Tage ver- dienen. Ich halte daraus, daß der Arbeiter, selbst der bescheidenste, selbst der einfache Auskehrer in meinen Fabriken, der mir jeden Tag feine acht«stunden Arbeit leistet, das Recht auf einen Min- destlohn von 5 Dollar hat. Das ist ein Grundsatz der sozialen Gerechtigkeit!" Ford hat, um diese seine Ansicht zu verwirklichen, seinen Ge- schäftsgewiim mit seinAi Arbeitern geteilt. Im Jahre 1913 be- trug die zur Verteilung gelangte Summe 10 Millionen Dollar. „Ich bin überzeugt," sagte damals Ford zu den Vertretern der amerikanischen Presse,„daß in kurzer Zeit die anderen Unter- nehmungen meinem Beispiel folgen müssen, daß sie ihre Profite mit den«: zu tsilsn haben, die ihnen diese Prosite möglich gemächt habsn." „Was den� Dagelohn von o Dollar anbetrifft, so stellt er das Mimimim dessen dar, was wir an alle Arbeiter zahlen, die Familienväter sind. Außerdem erhalten diesen Lohn alle fugend- lichen Arbeiter, die ihre Familien unterstützen." Diese Ansichten und ihre Verwirklichung haben natürlich nichts mit dem Sozialismus zu tun, und Ford erklärte selbst, daß er mit dem Sozialismius nichts gemein habe. Er dachte und hau- delte nur allgemein menschlich, vernünftig und gerecht. Aber dies erregte die Wut und den Zorn der gesamten kapitalistischen Presse. Man verspottete ihn als„Utopisten", als einen Sentimentalisten; ja das New Aorker„Wall Street Journal", das Organ der ameri- kanifchen Börs-srnnsirschen, beschuldigte damals allen Ernstes Ford, Hierauf nickte er Maren tröstend zu und entfernte sich langsam und würdevoll wie ein Universitätsprofessor. Lars Larsen hatte sein Heim verlassen wie ein Sturm- wind und kam als Orkan wieder. Er trabte die Treppe hinauf wie ein rasender Elefant, riß die Tür auf, so daß der Luftzug die Küchengardinen hoch aufblähte, warf seinen alten Hut auf den Boden und rannte über die morschen, knarrenden Bretter des Zimmers hin und her. Verwundert schaute ihn Maren an; so erregt hatte sie ihren Vater noch nie gesehen. Es konnte von allem möglichen herrühren; sie wagte nicht, ihn zu fragen, was geschehen sei. Endlich kam die Erklärung— stückweise— in zornigen Ausrufen. Er stellte sich mitten inS Zimmer, stemmte die Hände in die Seiten, schaute Maren fest an und sagte heftig: „Pfui Teufel I" Dann lief er wieder ein paarmal auf und ab, putzte sich die Nase, trocknete seine Stirn und grinste vor Wut. „Ein Schneider— ein Spitzbube I" rief er kichernd. „Wieder machte er ein paar Schritte, blieb dann jäh stehen und sagte: —„und nun gar der Gedanke, daß das meine Tochter ist— pfui Teufel!" Nach dieser Einleitung wurde er ruhiger und erzählte einigermaßen zusammenhängend, daß er mit Blomberg ge- sprachen habe und daß dieser ihm gesagt habe, daß Andersen gesagt habe, daß sie gesagt habe— Endlich kam es heraus, daß der Schneider ihm Marens Verlobung mit Andersen verraten hatte— das war die Hauptsache. „Mit einem Schneider!" fügte er höhnisch hinzu.„Mit so einem armen Schlucker, der nicht einmal das Salz aufs Brot verdient. Doch, er wollte ja noch gar nichts sagen, wenn der Bursche wenigstens ein ehrlicher Kerl wäre— aber ein Dieb, ein Spitzbube, der uns unsere paar Spargroschen stiehlt I" Verzweifelt hob er die Arme zu der schmutzigen Decke empor. „Er hat nicht gestohlen," sagte Maren.„Ich glaube es nicht, und wenn es die ganze Welt behauptet." „Du bist eine saubere Person, du. Wirfst Dich dem ersten besten an den Hals—" „Das darfst du nicht sagen, Vater—. Andersen und ich haben einander gern. Wir lieben uns!" daß er die ökonomischen Gesetze durch seine Maßnahmen in Ler- wirrung. brächte.__ Die Vergrößerung Deutschlands. Ein Gebiet von der Größe des Königreichs Württemberg und des Großherzogtums Hessen zusammen kann Deutschland im Kriege gewinnen: durch Urbarmachung der Moorländereien und des übrigen Unlandes! Von Seelhorst schätzt die noch urbar zu machenden Moorländereien Deutschlands aus 2 Millionen Hektar, wozu noch die sandigen Heideflächen Norddeutscklands und das Unland in den Gsbirgs,: kommen, so daß ungefähr ein Gebiet in der Größe von 3 Millionen Hektar in Deutschland als Moor-, Oed- und Unland daliegt. Edas sind 30 000 Quadratkilometer. Württemberg ist 19 S00, Hessen 7682 Quadratkilometer groß. An dieser?lufgabc ist bekanntlich ja auch während des Krieges in verstärktem Maße gearbeitet worden. Wie Dr. Bruno Jaroslaw in einem eben erschienenen Buche über die Erschließung des deutschen Heidelandes(Verlag Paul Paretz, Berlin) mitteilt, wurden schon im verflossenen Frühjahr rund 65 000 Kriegsge- fangene mit der Urbarmachung von Moor- und Oedland de- schäftigt. Bereits 75 000 Hektar kultiviertes Neuland konnte im letzten Frühjahr bestellt werben. Und im verflossenen Herbst dürfte das während des Krieges gewonnene Neuland sicher 200 000 Hektar betragen haben. Professor Dr. Wohltmann in Halle stellte eine Berechnung auf, nach der allein in den vier Wintermonateil Dezember, Januar, Februar und März 100000 Ärlegszesaiigene 25 000 Hektar Land urbar machen können. Da in der übrigen Zeit aber weit mehr geleistet werden kann und mindestens 300 000 Gefangene zu dieser Arbeit verwendet weiden können, so ist es möglich, iii einem Jahre durch die Kriegsgefangenen 300 000 Hektar kulturfähig zu machen. Mit den bereits gewannensn 300 000 Hektar könnten im nächsten Herbst etwa 500 000 Hektar Neuland gewonnen sein— 5000 Ouadratkilomster! p Damit wäre freilich auch nur erst der vierte Teil des Moor- kandes oder der sechste Teil des gesamten urbar zu machenden Gebietes für die land- und forstwirtschaftliche Bebauung gewonnen. Aber im ganzen letzten Jahrhundert ist nicht soviel Heide- land urbar gemacht worden. Der Krieg kann aber auch noch sehr lange dauern. Und nach Beendigung des Krieges wird es ivahrscbeinlich nicht an Arbeits- leuten fehlen, die zur Fortsetzung dieser Kulturarbeit� bereit wären, besonders wenn ihnen die Möglichkeit geboten würde, das ge- wonnene Ackerland selbst zu besitzen und zu bebauen. So könnte die im Kriege begonnene Arbeit sortgesetzt werden, bis alle kultur- baren Moorslächen bebauungsfätzig gemacht sind. Die Sachverständigen schätzen den bei der bisherigen Knlu- Vierung entstandenen Mehrwert aus 700 M. pro Hektar, sodaß durch die Urbarmachung von 21k> Millionen Hektar Oedland der Ertragswert des Badens um 1750 000 M. erhöht würde. Das ge- wonnene Neuland kann jährlich ein Mehr von 8 Millionen Doppel- zentner an Fleisch und vielen anderen lmidwirtschaftlichen Pro- dukten liefern, und es würde die Möglichkeit bieten, eine halbe Million landwirtschastlicher Familien anzusiedeln. Ein großes Hindernis für die Kultivierung des Oedlandes bildet der Widerstand der Grundbesitzer. Aber dieser kann durch ein Gesetz gebrocken werden, und diese„Annoxion" setzt im Kriege vorzunehmen, wäre eine dringende Ausgabe des Staates. Sehr treffend sagt der Staatsrechtslehrer Jhering:„Tie Expropriation enthält die Lösung der Aufgabe, die Interessen diw Gesellschaft mit denen des Eigentums zu vereinigen; sie macht dieses erst zu einem praktisch lebensfähigen Institut; ohne sie würde sich das Eigentum zu einem Fluch der Gesellschaft gestalten Können." Nach der Bundesratsverordnung vom 31. März 1915_ können die Nutzungsberechtigten von Landgütern und landwirtschaftlichen Grundstücken gezwungen werden., ihre gesamte Ackerfläche zu be- stellen. Durcki eine Ausdehnung dieser Verordnung könnte die Kultiirfähigmachiing des gesamten fast unbenutzt daliegenden Oed- landes erzielt werden. Und neben seinen Zerstörungen würde der Krieg ein Kultnrwerk hinterlassen, das Jahrhunderte nicht zustande bringen konnten!_ Notize«. — M u s l k ch r o n i z. Im Dom findet ein WeihnachtskoNzert unier Leitung von Prof. Jrrgang am 21. Dezember, abends 8 Ubr. statt.— Am 22. Dezember wird das 48. Kriegshilfekonzert in der St. Georgenkirche(Alexanderplatz) veranstaltet, wobei der Knaben- chor zu St. Georgen, mitwirkt. (Kaum w«ren ihr diese entsetzlichen Worte entfahren, wurd sie dunkelrot. Aber Lars Larsen hatte sie gehört und wieder holte höhnssch: „Lieben! Was will das sagen? Man liebt einen ehr- baren Mann, der einen ernähren kann; aber so einen erbarm- lichen Stümper— „Ich heirate nicht des Geldes wegen wie du," rief sie trotzig. Das traf ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Die Geschichte seiner eigenen Ehe stanv vor ihm, und er mußte sich gestehen, daß sie nicht lustig gewesen war, wollte das aber natürlich um keinen Preis zugeben. Darum verschanzte er sich hinter einer heuchlerischen Ehrerbietung vor der Toten. „Vergiß nicht, daß wir heute die Mutter in die Erde gelegt haben", mahnte er.„Wie kannst du es wagen, sie zu verurteilen?" „Ihr gilt meine Verurteilung nicht", erlviderte Maren unbefangen.„Ich sage nur, daß du des Geldes wegen geheiratet hast. Sind das nicht deine eigenen Worte— kannst du behaupten, du seist durch das Geld glücklich ge- worden?" „Air wollen lieber nicht von mir sprechen— „Doch, doch, gerade! Du darfst nicht verlangen, daß ich dasselbe traurige Leben führen soll— ich will nicht, nein, ich will nicht!" Dies sagte sie so hsftig, daß Lars Larsen fast erschrak. Es lag etwas von dem Wesen der Mutter darin, und den Respekt davor wurde Larsen nicht so schnell los. „Wir müssen Vernunft annehmen, kleine Maren," ent- gegncte er sanftmütig,„ohne Vernunft geht es überhaupt nicht im Leben." „Das war ein wahres Wort, Lars Larsen!" Verwundert wendete sich dieser um und stand Christcnsen gegenüber, der unbemerkt eingetreten war. „Was— was wollen Sie?" fragte er. „Mit Ihnen sprechen. Lars Larsen, gab Christensen feier- lich zur Antwort.„Am liebsten unter vier Augen." Maren ging eilig hinaus und blinzelte Christensen noch ermunternd zu, als sie hinter dem Rücken ihres Vaters vorbei- kam. Aber der Philosoph blieb unbeweglich wie immer. Er ließ sich nicht herab, zurückzublinzeln, denn er nahm seine Mission ernst. „Lars Larsen," begann er,„ich komme, um mit Ihnen über eine wichtige Sache zu sprechen." (Forts, folgt.) V�vtedtM Direktion: Mai Reinhardt. tljt Uhr: Maria Stuart. Mittwoch: Faust I. Kammerspiele. 8 Uhr: Der Wetbstenfel. Mittwoch: Der Welbstcofel. Volkabilhnc.. TTicalor a.BDIowpl. 8'/« Uhr: Wallen Steina Tod. Mittwoch: Traemmlrw, uir. M8IRhaMMIaniauer. Theater i. d. Könlggrätzerstr, 8 Uhr: Ranseb. Komödienhaus. 8 Uhr: Die rätselhafte Frau Berliner Theat. 8 Uhr; Wann zwei Hochzeit machen. Lesslng-Theater. Direktion: Victor Bamowtkr, T/,U.: Kaiser und OalllUer. .Mittwoch: Kaiser und Galillar. Donnerstag: Komödie der Werte. Deutsches KOnsfter-Theater. AlhLbendhch 8 Uhr: Die selige Exzellenso. URANIA Tanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Im Kampfe um Konstantinopel Theater für Dienstag, 21. Dezember. Deutsches Opernhaus Charlotthg. s nur: Undiae. Frledrlcb'WilhelmstSdt. Thealer. s uhr: Der Barbier von Sevilla, Gebr. Herrnfeld.The.ter s uhr: Rosenblatt's Geheimttp Kleines Theater. s uhr: Henriette Jaeoby. Komische Oper. s uhr, Jung maß man sein K/nstsplelhans. Geschlossen. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin Montls Operetten-Theater s Uhr: Der Weltenbuminler. Luisen-Theater. Residenz-Theater S'/.Uhr: W �MW M 1 Schiller-Theater O. s uhr: Schirin und Gertraude. ScblUer-Th.Charlortenbg. s uhr: Ritter ßengts Gattin. Thalia-Theater. s uhr; Drei Paar Schuhe. Theater am Kollendorfpl, S'/jUhr: Torquato Tasso. S1/, Uhr: Immer teste droit! Theater des Westens 8 uhr: d. Fränleln?. Amt mit Guido Thielscher. Trlaaon-Theater. s'/.u.; Bodos Braaiscbaa Mittw. 4 Uhr: Kothtippchcn 8» Uhr: Zum 1. Male: Bettelstudenteu. ÄesangSpossc mit Ballell tu 5 Bildern- Z�t.�lllei'geMIteKzlei'. Rittw. 4: RAosel oiid«retel. DmmcSwy 4: Sizeeo-lttchen. i�vse-Thester. 8v.uhr: Rgns mein SchcttSr. SonnuSttg: Der Weg zum Ollick, Walhalla-Theater. 8 Ufir- Laich Taterland. Uhr: Im Zauberlande ircusSusch Heute 8 tlhw Das neue grohe U ru nSrnj Pfhmnngs Itfi d Ei«MM SctfjnaihtäÜKel in 5 siHen von Paula uach den Myfte rien des Mtnelalrers. Ubero. Iii?*™ mU Golem- Der Berverkaui tür(dmtl. Fde tage, auch für nachmirkss, dai bereits beg. Dachm. 1 Kind fr«, weit, halbe Preise. Greto Wiesenthal „Flotte Bursche'4 Operette i. 1 Akt v. F. v. Snppd. Mitwirkende: Else Bama— Lotte Werkmeister v Thalia-Theat a. Q Kita Hansen— Steffi Waiidt Gustav Matzner— Heinrich Peer Hanna Ewald— hm Paul Außerdem: Der ■ reichhaltige= Dezember �j�Spieljjlan. Die Brikcttprodukfion betrug im Jahre 1885 * m 1895 ..« 1905 und beträgt„„ 1915 21 500 t 67000 t 693511 t 19000001 V oijrt-TCIieater Badstr SB. Bad str. SU. gftnrgtn MtNwech. den 22. Dezember: Die Tochter des Heimgekehrten. Lebensbild mit Gesang w 4 Akten von Fetische. Kaflenerösfnung 7 Uhr. Ans. 8 Üb Reiebsballen-Tbealer. Stettiner Sänger. J � K\ aMU stmcn Mrfllorttm iWlfäM hetetautKMzu ti.®tEÜ. Dängetw. U Anfang 8 Uhr. Sonntag, den 2S./13.<2. Feiertag): Grosse(?xtra- Nachmittags Außerdem Wsld. shisgregrarnm. MtiUärper> roße lPxtva-Nachm Bcnesi�Vomiellu Anl 8U. Der neue heiter« Dezember- und Weihnachts-Spielplan. »R. Steldl-§ Otto Rootter- Too-Doo> Adolmanns-! • Onre-Ceovg n»w. Weihnachten, 26. a 28. Des., je 9 Vorstellnng., 8'/, n. 8 Uhr. Posie in 8 Aufzügen»on Haus Berg. Dazu das aevge Fefiprog: cnnm. Am 25. u. 26. Dez., nachmittag« 4 Uhr: Familie Schnaae. Casino» Theater Lothringer Sir. 37. Kon! Ten! Was wachste tut? SjpHe" i. Dez., na llle»<_ Possen-Theater 8'/,(Folies Oapriee) S'l, Heute i Zum I. Males Melonenbaum. Posse mit Gesang v. Theo Haiton. Meschugge ist Trumpf Pesse in 3 Akten r. Leonh. HaskeL 10 mal heller alA Petroleum. wfert gebrauchsfertig Mark 3,— twmfo Nachnahme. Aetbib wird jeder Lampe gratis beigegeben. Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Tsgiicb: Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester Anfang 8 ühr. Eintritt 80 Pf. Anfang 8 Uhr. An allen Wocbentiuron Vachmlttaga-Konzert bei vollem Orchester und freiem Eintritt Tlsehhesteltungen zu SHvester werderi entgegengenommen S. Schiesingerl Neue K6iiiB«tf.21i»nii niti kata l ltSliola», Fuchs- le.FuchSgarniturcn enauSwabl fpott- dkMge Polzneuheiien. Herrenanzüge, Hmemiisht, Herrenhosen, Winier» Paletot», vurschtnanzüge. 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