Nr. 297.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, IL Dezember. Weihnachtsfeier im Schützengraben. Zum zweiten Male werden unsere Krieger das Weihnachtsfest m Feindesland, im Schützengraben begehen, zum zweiten Male werden unsere schönen Lieder von W�ihnachtsfreude und Weih- nachtsglück im Angesichte des Feindes ertönen. So war es bereits vor Jahresfrist, und auf manchen unserer Gegner hat damals, was er in der Christnacht von der deutschen«eile hörte und, wenn nicht sah, so doch ahnte, einen tiefen Eindruck gcnvicht. Ein geradezu ergreifendes Zeugnis hierfür besitzen wir in einem Briefe des Kavallerieoffiziers Marcel Dupont, der im„Correspondani" erschienen und von Eduard Behrens in seinem interessanten Buche „Das kriegerische Frankreich"(Rosenlaui-Verlag in München) mit- geteilt worden ist. Die heilige Nacht ist angebrochen. Die Schützen- grabenwacht der Franzosen hat den Alarm gegeben.„Ich springe auf die Erdstufe. Wirklich, an drei verschiedenen Orten, weit weg von uns, scheinen Lichter. Während ich aufmerksam hinsehe, er- rate ich den Grund dieser ungewöhnlichen Beleuchtung. Es sind enorme Tannen, die man im Schutz der Nacht dorthin geschafft hat und die wunderbar erleuchter sind. Mit dem Feldstecher� kann ich sie genau unterscheiden, ich sehe sogar die Schatten, die darum tanzen. Ein Murmeln und ferne Freud-enrufe dringen bis zu uns. Wie das alles gut vorbereitet ist! Sie haben sogar elektrisches Licht rn den Zweigen der Weihnachtsbäume, um zu vermeiden, daß unsere Artillerie sie als bequemen Zielpunkt bensitze. Wirklich verlöschen auch von Zeit zu Zeit alle Lichter derselben Tanne un- vermutet und entzünden sich erst wieder nach einigen Minuten. Aber wir erzittern, als plötzlich über der gewaltigen Ebene ein ernster und melodischer Gesang ertönt. Unsere Erinnerung an ähnliche Ehöre, die wir in Bixschoote in tragischen Momenten ge- hört Haben, sind noch ganz neu. Das sind dieselben reinen und harmonischen Stimmen, die jetzt einen Choral singen und im Norden, vor dem Hurra des Sturmangriffs, in Vaterlandslieder ausbrachen. Aber hier fürchten wir nichts dergleichen. Man hat den Eindruck, daß das Gebet nicht nur hier, unserem Graben gegen- über, psalmodicrt wird, sondern daß es sich unendlich weit über unsere besetzten Provinzen ausdehnt, über unsere Champagne, unser Lothringen, unsere Picardie und daß es von der Nordsee bis an den Rhein ertönt. Der Schützengraben hat sich geräuschlos belebt. Die Mann- schaswn sind wortlos aus ihren Deckungen aufgetaucht und jetzt stehen sie alle auf der erhöhten Erdbank. Was für ein Schweigert bei uns. wie jeder verlegen ist, ja fast eifersüchtig auf den Vorgang da drüben! Und jetzt erklingen, wie auf Befehl, auf der Linie der deutschen Schützengräben neue Choräle, die einander zu ant- Worten scheinen. Ganz nah bei uns, in den Gräben, fern, bei den Weihnachtsbäumen, rechts, links, ertönen Gesänge, durch die Eni- fernung gedämpft. Wie großartig, ergreifend sind diese Hymnen, deren tiefe Akkorde über die weite Totenebene schweben.... Was wären in anderen Zeiten für derb« Witze, für Anrempelungen den Sängern zuteil geworden! Aber das ist alles anders geworden. Ich fühle bei unseren Braven eine Art Bedauern, daß sie nicht an einem ähnlichen Fest teilnehmen können. Haben wir nicht Weih- nachtsabend? Sie sprechen nicht, unsere Mannschaften, aber ihre Gedanken vereinen sich hier über dem Schützengraben zu einer gc- meinsamen Melancholie.... Nach und nach sind die Gesänge ver- stummt und das lautlose Schweigen sinkt wieder auf die Ebene. ... Diese Nacht scheint mir alle möglichen Ueberraschungen bringen zu wollen, doch diese letzte übertrifft alles, was ich er- warten konnte. Ich möchte den ganz ungewöhnlichen Eindruck mit- teilen können, den ich empfand, aber man mußte diese Nacht dabei gewesen sein, um ihn nachfühlen zu können. Ueber dieser weiten, stillen Ebene, wo jetzt alles zu schlafen scheint, wo kein anderes Geräusch zu vernehmen ist, ertönen plötzlich von weither Laute. welche trotz der Entfernung bis zu uns hinzittern. Welch unber- gleichlicher Augenblick! Dieser Gesang, der durch die Unendlich- keit der Nacht hinzieht, macht unser Herz klopfen und ergreift uns mehr als das beste, von den berühmtesten Künstlern gegebene Konzert. Es ist wieder ein unbekannter Choral, der von links, von den entferntesten deutschen Schützengräben, zu uns dringt. Der Sänger mutz auf den Feldern am Ende der Linie stehen: er muß gegen uns zu marschieren, während er langsam die feindlichen Stellungen entlang gebt; denn seine Stimme nähert sich unmerk- lich und wird stärker. Von Zeit zu Zeit hält sie an, und dann ant- warten Hunderte von Stimmen im Chor einige Sätze, welche den Refrain der Hymne bilden. Dann nimmt der Solist seinen Ge- sang wieder auf und kommt näher. Woher kommt er? Jedenfalls aus weiter Ferne, denn unsere Jäger haben ihn schon während einiger Zeit gehört, bevor sie sich entschlossen haben, mich zu rufen. Wer ist wohl dieser Mann, der die Mission haben muß, die ganze Front betend abzuschreiten, und den jede deutsche Kompagnie zu erwarten scheint, um mit ihm zu beten? Ein Pfarrer jedenfalls, der den Kämpfenden die Heiligkeit dieser Nacht und den Ernst der Stunde ms Gedächtnis rufen will. _ Jetzt dringt die Stimme aus den uns direkt gegenüberliegenden Gräben. Trotz der Helle der Nacht können wir den Sänger nicht unterscheiden; denn die beiden Linien sind hier wenigstens tllO Meter weit entfernt. Ader er versteckt sich sicher nicht, denn seine Stimme käme nicht so deutlich zu uns, wenn er in den Tiefen der Gräben sänge. Sie verstummt wieder. Und nun nehmen unsere unmittelharen Gegner ruhig den Refrain des Chorals mit den ge- heimnisvollen und sanften Worten auf, die Soldaten, die den uns gegenüberliegenden Graben verteidigen, diese Männer, die wlr morden müssen, wenn sie erscheinen, und die uns erschießen müssen, sobald wir uns zeigen. Sie auch sind über den Rand des Grahens emporgekrochen und stimmen dort, uns gegenüber, ihre Hymne an; denn ihr Gesang tönt klar und deutlich zu uns herüber. Ich sehe nach unserer Seite. Alle Mannschaften sind wach und aufgestanden. Alle sind auf die Erdstufe gestiegen, einige haben den Graben verlassen und sind auf dem Feld, das Ohr dem uner- warteten Konzert hingeneigt. Keiner ärgert sich und keiner spottet. Es ist eher ein Gefühl des Bedauerns, das sich im Gesicht und in der Haltung der mir zunächst stehenden ausdrückt. Und doch wäre es so einfach, dieser Szene ein Ende zu machen: eine Salve von dieser Abteilung hier und alles märe still, alles würde in die Rübe der anderen Nächte versinken. Aber niemand denkt daran. Nicht ein einziger unserer Jäger würde das Feuern auf diese betenden Soldaten nicht als Entweihung empfinden. Wir fühlen, daß es Stunden gibt, in denen man vergessen kann, daß man hier ist, um zu töten. Das würde uns nicht verhindern, im nächsten Augenblick unsere Pflicht zu tun. Die Stimme entfernt sich; sie nähert sich ruhig— majestätisch möchte man sagen— den Gräben, wo sich die beiden Linien auf 50 Meter Distanz gegenüber liegen. Wieviel ergreifender mag dieses Schauspiel dort unten sein! Päng! Ein Schuß ist gefallen. O, die unvernünftige Kugel, die die Lust zerschnitten und viel- leicht ihr Ziel erreicht hat! Sofort ist alles verstummt. Kein Schrei, kein Fluch, keine Klage. Jemand da unten glaubte e?n gutes Werk zu tun, indem er auf diesen Mann zielte. Wie schade! Wir werden nichts dadurch gewinnen, daß wir sie verhindert haben, Weihnachten auf ihre Art zu feiern, und es wäre edler gewesen, unsere Schüsse zu sparen." kleines Feuilleton. Duftenöe Zweige... Siek, nun llucktet es«üecler nach grünen Zweigen aus dem harzigen JSadelwald. Und Co manmgfalt wollen uns wieder die Münlche empor aus dem Oerzen iteigen. Sanken wohl taufend und tausendmal vernichtet zusammen; leben, leben doch und recken sich hoch, streben nach oben in ewig unlöfchbaren flammen. Streben sehnsüchtig hinaus in die ungeborene ferne nach dem CrlSfergeficht. Schauen das strahlende Liebt s Ueber den Oütten der Hrbeit die friedlichen Sterne. Heb, nicht der Cod, der bleiche, blinde Vernichter wird lie uns zünden. Oief aus den Gründen schaffenden Daseins steigt das Reer der fröhlich, en Lichter! Duftende Zweige... üllie leife fingen die Kinder... Die Väter sterben. Sie aber erben heiliges Wollen sieggläubiger Ueberwinder. E r n ft preezang. Ms der Geschichte ües künstlichen Kautschuks. Es schein:, daß der Weltkrieg nicht nur in der poliliichen Ge« schichte, sondern auch in der der Entdeckungen und der Technik eine bedeutende Rolle zu spielen berufen ist. Die Nachricht, daß es einer deutschen Fabrik gelungen ist, die ersten vollkommen brauchbaren Auioreisen aus künstlichem Gummi herzustellen, bedeuiet einen neuen großen Erfolg der deutickien Wissenschaft und Technik, der Wohl durch die Bedürfnisse des Krieges beschleunigt worden sein wird, der sich aber lreilich zuletz: doch nur als die Krönung einer langen Keite systemanscher, strenger Arbeit darstellt. Die beiden deutichen Foricher, die sich in erster Linie um die Wissenschaft vom künstlichen Kautschuk verdient gemacht haben, sind Professor Harries in Kiel und Dr. F. Hofmann in Elberfeld. Wissenschaftlich liegt die Frage der Kautichuksynihese heul klar. Man weiß, daß sich Kaulschuk aus Isopren bildet, einer Verbindung von Kohlenstoff und Wasserstoff, die als leicht bewegliche, iarblose Fuiisigkcit von niedrigem Siedepunkt<35 Grad) z. B. beim Erhitze» von Kautschuk selbst oder von Terpentinöl erhalten wird. Wie zueril Hofmann gezeigt bat, entstehen kauiichukähnliche Körper auch aus anderen Verbindungen von Kohlenstoff und Wasserstoff, als dem Isopren, die aber in ähnlicher Weise wie dieses aufgebaut sein müssen. Hierher gehört z. B. der Kohlenwasserstoff Butadien. Die Umwandlung derarliger Verbindungen in Kautschuk kann durch ein- ioches Erhitzen unler Druck mit und ohne Zusatz von anderen Stoffen lHofmann) oder z. B. durch kleine Mengen metallischen Natriums(Harries) erfolgen, doch haben die erhaltenen Produkte je nach der Art des Ausgangsmaterials und den Umwandlungs« bedingungen durchaus verschiedene Eigenschaften. Um die so erhaltenen Ergebnisse praktisch verwendbar zumachen, galt es vor allem das Isopren in größeren Mengen herzustellen. Das war eine äußerst schwierige Ausgabe, die erst nach mehrjähriger Arbeit gelöst werden konnte. Als Ausgangs- Punkt wurde die Steinkohle erwählt und von 50 Wegen, die ursprünglich als möglich erschienen, erwies sich nur einer als gang« bar. Doch gelang es im März 1803 Hosmann und Coutelle, zum erstenmal einige Liter reinen synthetischen Isoprens darzustellen. Nicht minder schwierig war es. das flüssige Isopren in den zähen, nervigen Kaulschuk überzuführen. Im August 1809 halle Hofmann auch dieses Ziel erreicht— der erste symheiische Kautschuk war gewonnen. Doch wainie Hofmann selbst noch im Jahre 1312 vor Ueberichätzung dieser Ergebnisse in praktischer Beziehung. Die eigenllichen Schwierig« keilen fingen nämlich nun erst an. Die Ausbeute von reinem Isopren ist nach dem gewonnenen Verfahren so gering, daß die Be- seitigvng oder Verwertung der dabei in ungeheueren Mengen auf- tretenden Nebenprodukte in technischer und wirtschaftlicher Be- ziehung ein noch schwierigeres Problem darstellt als die Synlhese des Kautschuks selbst. Viel optimlstischer als der vor- sichiige Deutsche trat Professor Perkin in England mit seinem neuen Verfahren auf. Professor Perkin ging von der Stärke aus, aus der er nach dem Verfahren von Professor Fernbach vom Institute Pasteur in Paris die aus Rohmaterial für Kaulschuk erforderlichen Kohlenwasserstoffe gewinnen sollte. Es wurde alsbald eine Gefell- fchaft mit 10 Millionen Aktienkapital gegründet, in deren Vorstand u. a. auch Sir William Ramsay eintrat; aber das mit so viel Hoffnungen begründete Unternehmen hat nichts wieder von sich hören lassen. Es hat auch wenig Aussicht. Von der Stärke ist nämlich nach dem Perkinichen Verfahren nur 1 Proz, Ausbeute zu gewinnen, während volle 39 Proz. in Nebenprodukte übergehen. Zp Gewinnung einer dem Wellverbrauche entiptechenden Menge synlyeliichen Kautschuks müßten daher geradezu ungeheure Flächen mit Kartoffeln bebaut werden. Was den Fortschritt des Problem? der Gewinnung des künstlichen Kautschuks hemmte, war besonders die Frage der Rentabilität. Im Frühjahr 1310 standen die Kautschukpreise auf 28 M. per Kilogramm, im Jahre 1912 nur noch auf etwa 10 M. Da war es denn freilich sehr zweifelhaft, ob die Herstellung künstlichen Kautschuks sich überhaupt je bezahlt machen könne. Dazu kam, daß die Kautschukindustrie, in der natürlich Millionen angelegt sind, die Aussicht, daß eines Tages etwa ein künstlicher Kaulschuk zu sehr geringem Preise auf den Markt geworfen werden könnte, natürlich nicht mit freundlichen Augen betrachtete. Nun ist die Lage durch den Wellkrieg so ganz verändert worden. Gummi ist für uns von höchstem Werte geworden, und die deutsche Gummi- industrie bat gegenwärtig alle Ursache, die Herstellung des künst- lichen Kautschuks zu befördern. Aber nicht nur für den Krieg ist es ein großer, vielversprechender Erfolg, der jetzt erzielt worden ist; beläust sich doch in Friedenszeiten der jährliche Verbrauch an Kautschukwaren auf mehr als drei Milliarden Mark, und so ist das Kauischukproblem, was den Geldwert anbetrifft, daS weitaus größte, das die chemisch-tecknische Welt je beschäftigt hat. Die Schicksalsmaus. EineErzählungvonTierenundMenschen. 87j Von Harald Tandrup. „Die Polizei sagt es. Ich dachte, sie sollten ihn laufen lassen, wenn er das Geld zurückbezahlen würde; aber sie sind so wütend auf ihn, daß sie ihn um keinen Preis loslassen wollen. Sie sagen, er halte sie zum Narren; selbst dem Richter gegenüber soll er so Komödie spielen, daß die Zeugen ganz entsetzt sind. Wer hätte dem anständigen Andersen so etwas zugetraut?" „Ich glaube trotzdem, es geschieht dem armen Burschen unrecht," sagte Christensen; aber er ist ja nicht der erste, der unschuldig in die Stampfmaschine des Gesetzes gerät. Die Juristen sind wie die Dachse, die nicht zu beißen aufhören, ehe sie merken, daß die Knochen krachen. Darum gibt es durchtriebene Kerle, denen, bildlich gesprochen, das Herz in die Schuhe fällt, wenn sie aufs Gericht sollen— Andersen hingegen wandert treuherzig in den offenen Rachen des Raub- liers und wird gefressen, wenn es dem lieben Gott nicht ein- zugreifen behagt." „Es heißt, er habe den Assessor zum besten. Er will nichts gestehen, sagen sie, geschweige denn verraten, wo das Geld ist." „Der Assessor weiß ihn wohl nicht recht zu behandeln," erwiderte Christensen,„die Polizei ist gewohnt, mit Typen zu arbeiten. Sie kennt den verstockten Gauner, der prin- zipiell leugnet, die Spitzbuben, die an den Paragraphen herumschnüffeln, wie alte Ratten an einer Falle, den arm- seligen Wicht, der Gewissensbisse hat wie andere Magen- schmerzen, den Großsprecher, der mit seiner Geschicklichkeit prahlt—. Ja, die kennt sie alle in- und auswendig. Aber Andersen ist ein schlichter, braver Mensch, und darauf versteht sie sich nicht." „So müssen wir eben abwarten, wie es wird," meinte Lars Larsen,„es heißt doch, das Recht behalte zuletzt stets den Sieg. Man muß nur Ausdauer haben." „Merken Sie sich das ja, Lars Larsen. Suchen Sie an dem Guten festzuhalten, das in Ihnen erwacht ist. Freuen Sie sich des Lebens, gebrauchen Sie Ihr Geld mit Vernunft und halten sie sich bereit, Andersen Genugtuung zu geben, wenn es sich zeigt, daß er unschuldig ist."— Bei diesen Worten setzte Christensen seinen hohen Hut aus das ehrwürdige Haupt, nahm das Ofenrohr unter den Arm und ging zur Tür. „Sie sind ein komischer Mensch, Christensen," sagte Lars Larsen bewundernd,„aber Sie haben ein gutes Werk getan. Sie verdienten— „Ich begehre weder Dank noch Lohn", unterbrach ihn der Philosoph.„Ich habe einen psychologischen Versuch angestellt, der mich interessiert hat— er ist geglückt; eine größere Freude können weder Sie noch andere mir bereiten!" Der Weihnachtsabend. Nach einer endlos langen Nacht wurde es Morgen. Un- zählige Kinder erwachten, je nachdem der Tag über den Erd- ball hcraufkrabbelte— alle mit demselben Gedanken: Heute ist der Weihnachtsabend I Es wurde wie immer ein Tag voller Arbeit und Er- Wartung, der alles mögliche brachte, was im Geschäft und daheim getan werden mußte— Dinge, die seit Tagen hätten erledigt sein sollen, aber nicht ausgeführt worden waren, weil diese fieberhafte Geschäftigkeit im letzten Augenblick unbedingt zu Weihnachten gehört. Denn der Weihnachtsabend ist immer da, ehe man sich s versieht. Die ganze Stadt roch nach Braten und Backwerk. Alle Menschen trugen Pakete; es war eine große Geheimnis- krämcrei unter den Leuten, und hinter verschlossenen Türen gingen die merkwürdigsten Dinge vor. Der Wald hafte die Stadt erobert wie in jener alten Sage; sämtliche Häuser dufteten wie Fichtenpflanzungen nach einem Regen. Weihnachten ist Jesu Geburtstag und wird von den Menschen auf die bequeme Weise gefeiert, daß sie sich gegen- seiftg beschenken. Das Fest der Erinnerung an den, der nichts hatte, wo er sein Haupt hinlegen konnte, ist zum Familienfest geworden. An diesem Abend sind wir eifrig bestrebt, uns gegenseitig Freude zu bereiten, aber wir denken vielleicht zu wenig an das Geburtstagskind. Wenn man sich's recht überlegt, hat Weihnachten eigent- lich etwas Wehmütiges durch den Unterschied zwischen unserer geräuschvollen Weihnachtsfrcude und dem einsamen Stern hoch droben am Nachthimmel, der in der heiligen Nacht den Weg zur Krippe wies.— Aber am Weihnachtsabend müssen sich alle ernsten Gedanken fernhalten, denn wir sind Kinder, und dieser Abend ist der Kindlichkeit geweiht. Es geht wie bei den Begräbnissen, wo der große Leichenschmaus keinen Ge- danken an den Kummer aufkommen läßt— aus Freude über die vielen kleinen Lichter am Baum vergessen wir das große Licht. Unfern Herrgott erzürnt das nicht, denn er hat gesunde Freude lieber als kranke Anbetung. Und so beschloß er auch diesmal, auf seine Weise zum Schmuck des Tages bei- zutragen. Am Vormittag war der Himmel klar gewesen; aber mittags schien es, als würde eine leichte Flordecke darüber gezogen. Diese verdichtete sich mit der Zeit immer mehr, und gegen Abend begann es zu schneien. Die Stadt hatte am Morgen kohlschwarz ausgesehen, weil der Himmel leuchtend grauweiß gewesen war. Jetzt wechselten sie die Farben, und als die Leute Licht machten, war der Himmel schwarz und die Stadt weiß. Der Schnee legte sich auf die roten Dächer und auf den Rand der rußigen Schornsteine. Wenn man in die graue Luft hinaufsah, schaute man in lauter Flocken, die unaufhörlich wie Flaumfedern herabwirbelten. Sie dämpften das emsige Leben in den Straßen. Der Lärnl klang ferner, als seien die Gassen mit Filz belegt. Wohl hatte die Sonne längst das Spiel aufgegeben, aber trotzdem wollte die Dunkelheit nicht kommen. Das bißchen Licht, das noch in der Lust lag, irrte ruhelos im Raum um- her— wo es hinkam, stieß es auf weiße Flächen, die es nicht aufnehmen wollten. Und gerade heute sehnten sich doch alle danach, daß es dunkel wurde. Die Kinder versicherten, sie könnten keine Hand mehr vor den Augen sehen, es müsse Licht angezündet werden. Der Weihnachtsbaum wartete ja. Christensen hatte es in seiner Mansarde mit dem Anzünden nicht so eilig. Er stand am Fenster und schaute über die Nachbardächcr hin. Hier und dort wurden die ärmlichen Lampen anderer Mansardenwohnungen angezündet. Sie leuchteten gelb hinter fadenscheinigen Laken, die vor die Fenster gehängt waren— weiter weg, viele Straßen von dem Haus des Philosophen entfernt, erblickte man Fenster mit blendendem elektrischen Licht, die vor Festlichkeit strahlten. Auf einmal begannen die Glocken zu läuten. Christensen öffnete das Fenster und lauschte. Durch die schwere Schneeluft wurden die Töne zur Erde zurückgeworfen, als sei der Himmel ein Holzdeckel. Die Luft zitterte von den Schallwellen, aus weiter Ferne antworteten andere Kirchtürme; brummende Erzbässe mischten sich mit feinen Messingdiskanten. (Forts, folgt.) DentKchea Theater. Direktion: Max Renhardt. Gcacbloaaen. Sonnabend 8U. WaalhrwoIIt. Sonntag T'J.U.: Slariu Stuart. Xaohin.2'1,(kl. Pr.); Kollege Crampton Alontag S U. z. 1. M.: Der Stern von Bethlehem Rae hm. 3 Uhr; Oetfentl. Hauptprobe. Kamniernpiele. Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr; Der Weibsteufel Nachm. 2J/t Uhr(kleine Preise): Die deutschen Kleinstädter Sonntag: Der Welbwtenfel. Nachm. 2'/.(kl. Pr.): Wetterleuchten. Montag;|>or Weibateofel. VolkKhiihne. Theater a. Billowpl. tieachlnaMen.— Sonnabend, Sonntag. Montag: Das Mirakel. Dir, Meinhard-Bernauer. Theater i. d. Königgratzerstr. Heute gCNchlonaen. Morgen 7 Uhr: Gütz v. Berllchlngen. Komödienhaus. Heute ce.rhloM.en. Morg.8 U. Hie rlttxelh. Frau. BerEiner Theat. Heute gearhlcen. Morg.SU. Wenn zwei Hochz. machen. Lessinj:-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. tieMrhloHHon. Sonnabend; Kaiser und GalilBer Sonntag- Kaiser und GalilSer. Deutsches KOnstler-Theatef. Ge.chloH.en. Sonnabend and folgende Tage: Die aclige Kxzellenz Luisen-Theater. 1. Fnrrtag 3 Uhr: Die Allwdrdens 2. �citrtag 3 Ubr; Die Haubenlerch 3. Friert. 3 U.: Schritte auf der Trepp An ollen brei Friertogen abend«: Bettelstudenten. MelongSpoffe mit Balletl In 5 Bilden Heute gcnchloHHen 1 Theater für die beiden Feiertage. Deutsches Opernhaas Charlottbg, 1. Feiert. 3 U.; Die verkaufte Braut 7Ü.: Tannhausar. 2. Feiert. 3 U.: La Travlata. 8U.: Hottmanns Erzählung. Friedrlcb-Wilhelmstädt. Theater. 1. Feiert. 3 U.: Der Vogelhändler. 8U.: Oer Wildschütz. 2. Feiert. 8 U.: Der Troubadeur. 8U.: Oer fidela Bauer. o.br. Herrnfeld. Tnenor An beiden Feiertagen: SV. Uhr; Benjamin macht allea. 8 Uhr: Rosenblatt'a Geheimtip. Kleine. Theater. An beiden Feiertagen; 3':, Uhr: Oer Raub der Sabinerfnnan. 8 Uhr: Henriette lacoby. Konii.che Oper. An beiden Feiertages: 3'/, Uhr; Gold gab Ich IQr Eiaan. 8 Uhr: Jung muB man sein. liUHt.piclhan.. 8'/. Uhr; Alles aus Gefimgkelt 1. Feiert. S'/jü.: Die Ehre. 2.» d'/jU.: Herrsch. Diener ges Metropol-Theater An beiden Feiertagen: 3 Uhr: Martha. 7'), ü: Die Kaiser In(MariaTheresia) nouti. Operetten-Thea<<• An beiden Feiertagen: S'/Jühr: Hoheit tanzt Walzer. 8 Uhr: Der Weltenbummler. Ke.idenz-Theater An beiden Feiertagen: 3'/4 Uhr; Die SchBne vom Strand 8'/« Uhr; Die Printessln vom Nil. Schiller-Theater O. 1. Feiert. 3 ü.: Maria Stuart 8U.; Die tiint Frankfurter 2. Feiert. 8 U.: Maria Stuart 8U.: Alt-Heidelberg. Schillcr-Th.Chnrlot tenUp 1. Feiert. 3 U.: Das Glück Im Winkel 8U.: Sohirin und Gertraur 2. Feiert. 8 U.: Das Glück Im Winkel 8U.: Ultimo. Thalia Theater. An beiden Feiertagen: 8 Uhr; Kamrad Manne. 8 Uhr: Drei Paar Schuhs Theater am Aolicndorfpl. An beiden Feie. tagen: 3'/i Uhr: Oer Obersteiger. SV« Uhr: Immer loste druff I Theater de. We.ten. An beiden Feiertagen: 3' /.Uhr: Polenblut. 8 Uhr; Oaa Fraulein vom Amt mit Guido Thielscher. Trlanon-Thcater. An beiden Feiertagen: 4 Uhr: Anna Liese. 8 Uhr: Verheiratete Junggeaellen. Rose-Theater. Heute geidiloffrn. Smntnbcnb 3 Ub>: Oes Vaters Schuld. 8 Uhr: Oer Weg zum Glück. Sonntag 3 Übe: Die Stunde kommt. 8 Ubr; Der Weg zum Glück. Montag 3 U'r: Frau Holle. 8 Ubr; Der Weg zum Glück. Walhalla-Theater. Heute gekchloffeu. Sonnabend 3 Uhr: Die Rauber. 8 Ubr; Lieb Vaterland. Sonntag 3 Ubr: Maria Stuart 8 Ubr: Lieb Vaterland. Monlag 8 Uhr: Lieb Vaterland. Volfft-Tlieater. I Wrlbnochtsseierlog 8 Uhr: Die Tochter des Heimaekehrtett. 2. W'ibnachttlelrrlog 8 Uhr: Sein ganzes Glück. 3. WeibnachtSfeirrtog 8 Uhr: Unsere feldgrauen Jungen. Am 1. u.2. Feiert.: Nachmlttags-Vorst. Casino s Theater Loidnnger Str. 37 TögL 8 Uhr: Was wachste im? Sonnahenb. ben 1. und Sonntag, ben 2. Feiertaa, nachm. 4 Uhr: Familie Hchna.c. Somtobenb, den 1. unb Sonntag, den 2. Januar 1916, nachm. 4 Uhr: Familie Schnaae. Reictisballen-Tbeater. Stettiner Sänger. Heute keine i»orltrllung. An allen 3 Felernagen Aus. 7V> Uhr. Zum Schlich: Am 28. 12.(2. Feiertag) Große Extra> Nachm- Beurfij. Vorstellung. Zum Schluß: Die vond. Emden. Aus. 3 Uhr. Heute(24. 12.) goschloaaenl An den beiden Feiertagen| 2 Vorstellungen Nachm. »'/. Uhr kl Preis. Kinder d. Hälft mit Grete Vlesenthal Julius Spielmann Jan Paul Komiker Perzina'a Vogeldressur Ernst Thern Hlusionist 7 Antenets Akrobat. Akt Oer kleine Ploh Parodist Karl Franke mit sein. Kameruner Kinematogiaph Abends 9 Uhr „Flotte Bursche" Operette i. 1 Akt v. F. v. Snpp«. Mitwirkende: Else Borna— Lotte Werkmeister v. Thalia Theat. a. G Kate Hansen— Steffi Walidt Gustav Matzner— Heinrich Peer Hanna Ewald— Jan Paul Patasi Heute gcacbloaaen. An beiden Weihnachtstagen: Je 2 Vorstellungen, S'/j und 8 Uhr. Nachm. jeder Erw. 1 Kind frei Freitag, 31. Dezember: P.hren-Abend R. Steldl. Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Weilmachtsfeiertagen: OfOßeS FeSt-KOHZCrt. Berliner Konzerthaus-Orchester Ä�ion! Anfang 4 Uhr. Voranzeige; Gr. würdige Silvesterfeier. TisohbestoUuxigen werden im Berliner Konzerthause entgegengenommen. URANIA TaubeuKtr. 48/49. Heute Geschlossen. Sozialdemokraliscber Wahlverein für den 4. Berliner Reicbslagswablkreis Sonnabend, den 25. Dezember(I. Welbnacbtsfeiertag), in Obislos Festsälen, Koppenstr. 29: ilLieder-Abend unter Mitwirkung des Hüiincrchor.\aiucnloH (Mitgl. d. D. A.-S.-ß.). Dirigent; Herr Yhll«. der Violinvirtuosin Friiuloin Hora von Holtendorf und des Kammersängers Herrn A. 8l(iterman. Ball. Anfang 7 Uhr. Eintrittskarten a 40 Pf. sind zu haben bei den Bezirksführem sowie in den mit Plakaten versebenen Geschäften und im Bureau des Wahlvereins, Stralauer Platz 10(11.[216/1* Guten Besuch erwartet Der Vorstand. «©©««»♦ee®«®»««®®«®®« itcusiBusch SohUecrr. Schäfte, ileiftcn. Rühl, Schöuebcrg, SabnfU'iche 43._• Herne �»riltgaveud aeichioisen. 'Ib t.Weihnachtsfeiortag bi« inkl. Dienstag, 28. Dezbi.: Au allen Taacu?>/, Uhr: Sr Nachm.-Festvorstellung. 1 an�rbörige« Kind auf allen sitjplätjtn frei, weitere ___ Kinder halbe Preise! ► Zum Schluß: Da« große patiiotilche Miphol»n- h Zchnuilück IfliCUCI gefürzt! ► 8U{|i'«9id)8U()r da«(onfurrenjlole Fest• Programm und da« große neue Prunf-Ausslattungssllllf Flu WJotcrmdrchcn Weihnachlsspicl in 5 Aften von Paula Bulch nach d. Mysterien de« Mittelalter? Vornertaul, auch tlirNachm ttag? _ täglich ab 10 Uhr. Deutsche Volks-Oper torllncr I'ruter-Thcatcr, Kastanlen-Alloe 7/8. — 81/, Uhr.— 3 Weihnachtsfeiertag, den 27 Dezember 1915: Martha. Friedrich©tompfer tillllMM preis 10 Pfennig H.& P. Uder, Tahak-Groaiiandliing und Tabakfahrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak von Q. A. KanewacUer, Qrimm S Triepel. ■ Stets frisch zu den äuIJorsten Engrospreisen.--------- ===== Amt Horitzpl. 8Wt4.. Verkäufe. Pelogoruituren! 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