8r. 300.- i9i5. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts»m««. Kriegstechm'k unö Militärwesen im Altertum. Die Bauwerke der Allen, ihre Tempel, Biadukte, Pyramiden und Straßen sind auch für unsere Zeilen bewundernswerte Riesen- bauten, aber die Aussührung dieser lechnischen Schöpfungen lonnle nur durch ungezählte, rücksichtslos ausgenutzte Menschenhände voll- bracht werden. Lom Bau der Cheopspbramide berichtet Herodm, daß zehnmal zehnlausend Mann im Dienste des Königs Cheops drei Monate hin- durch die Steine vom Gewinnungsort zum Nil brachten, während eine gleiche Anzahl das über den Fluß gebrachte Baumaterial zum Bauplatz schafften. Und diele Sklavenheere bauten vorerst 10 Jahre an dem Wege, auf dem sie die Steine zogen. In der Schiffahrt der Allen konnte die Kraft des Wassers und des Windes nur unvollkommen in den Dienst menschlicher Arbeit ge- stellt werden, der Mensch selbst mußte durch Ruderkraft das Schiff vorwärts bewegen. Jahrhundertelang blieb der Mensch hier noch die wichtigste Kraftmaschme. Unier diesem Zeichen der primitiven Menschenwirlschaft stand auch die Kriegstechnik der Alten. Konrad Malschoß, der Historiker des Vereins Deutscher Ingenieure, hat unlängst in einem Fcslvorlrage im Münchener Museum der Meisterwerke de: Naturwissenschaften und Technik auch an die Kriegstechnik der Alten erinnert. Die ersten großen geschichtlichen Völker verfügten schon über eine weit vorgeschrittene Kriegstechnik. Alte assyrische Wandtafeln zeigen uns Belagerungsmaschinen, Widder und Slurmböcke, die als treibende Kraft oft hunderte Menschen beanspruchten. Als Dionysius von Syrakus seinen Heereszug gegen die Karthager unternahm, soll er zur Erfindung der Torsionsgeschütze angeregt haben. Er berief die hervorragendsten Ingenieure nach Syrakus, aus deren Gemeinschafts- arbeit sind dann die Geschütze des Altertums entstanden, die als Treibkrafr die Torfionsspannung zusammengedrehter Sehnenbündel benutzten. Ein Beispiel ungewöhnlich schneller technischer Kriegsaufrüstung. das iür die Kriegslechnik des Altertums charakteristisch ist, schildert uns Mommsen in seiner römischen Geschichte: Das römische Heer stand vor Karthago. Die Belagerer verlangten vollständige Ent- waffiiung. Alles Kriegsmaterial, alle in Privatbesitz befindlicben Waffen, 3000 Wurfgeschütze und 260 000 volle Rüstungen wurden den Römern übergeben. Dann verlangten sie die Zerstörung der Stadt und Ansiedelung 16 Kilometer vom Meer entfernt. Ver- zweiflung ergriff die wehrlose Stadt. Die Römer warteten, im Glauben, die Stadt werde sich schließlich doch ergeben, mit dem An- griff. Diese Zeil aber wurde dazu benutzt, um alle technischen Kampfmittel wieder herzustellen.«Tag und Nacht wurde ohne Unlerftbied des Alters und des Geschlechts an Maschinen und Waffen geziinmert und gehämmert. Um Balken und Metalle zu erlangen, wurden die öffentlichen Gebäude niedergerissen. Um die für die Wurfgeschosse notwendigen Sehnen herzustellen, schorcn die Frauen sich das Haar, in unglaublich kurzer Zeil waren die Mauern und die Männer wieder bewehrt.� Die Römer müssen zu den größten Wege-Erbauern aller Zeit gerechnet werden. Sie hielten kein Land für erobert, das nicht durch Straßen gesichert war.«Ueber 76 000 Kilometer auch technisch be< wundernswert durchgesührte Straßen haben die Römer, und zwar in erster Linie die römischen Heere errichtet, Wege, über die zum Teil Jahrtausende dahingegangen sind. Von diesen Straßen hat nun gesagt, sie glichen Mauern, die auf die Seite gelegt wären. Zur Bewältigung dieser Aufgaben war eine entsprechende be- rusliwe Schulung notwendig. Die römischen Heere der Kaiserzeil besaßen besondere technische Truppenterle, die die Kriegsmaschinen und Waffen instand zu hallen hatten. Diese technischen Truvpen wurden möglichst den technischen Berufen entnommen. Zimmerlcute, Wagenbauer, Schmiede bildeten den Hauptteil. Dazu kamen die Spezia- listen, die Schilder. Harnische, Bogen und Pfeile sowie Wurf» geschosse anzufertigen verstanden. Abgesehen von diesen der Truppe angegliederten technischen Schulen gründeten die römischen Kalser überall im Reiche große kaiserliche Waffenfabriken. Die Arbeiter dort genoffen besondere Vorrechte. Sie wurden von allen Amlslasten befreit mit der Begründung,«daß zur Erlernung der Kunst Muße vonnöten ist". Hier finden wir auch aufgezählt Bau- künstler, Metallgießer und Mechaniker. Sie wurden angehalten, sich von selbst weiter zu bilden sowie für die Erziehung brauchbaren Nachwuchses zu sorgen. Bemerkenswert ist, daß auch alle diese in den Waffensabriken arbeitenden Männer militärlsch organisiert waren. Sie hatten ihre bestimmte Dienstzeit und wurden wie Soldaten be- bandelt. Nach Ablauf ihrer Dienstzeit wurde für sie nach Möglich- Die Schicksalsmaus. Eine Erzählung von Tieren und Menschen. 40] Von Harald Tandrup. „Haben Sie wirklich das Herz, mich unglücklich zu machen?" sagte Pedersen flehend, und in dem Tonsall lag sein angst- volles Geständnis. „Haben Sie das Herz, andere unglücklich zu machen?" fragte Christensen streng. „Ich?" rief Pedersen erschrocken.„Ich tue niemand etwas." „Sie haben kein Recht, sich damit zufrieden zu geben", erwiderte Christensen unerbittlich.„Sie wissen, wer Larsens Geld gestohlen hat, und es ist Ihre Pflicht, das zu sagen. Ich weist, Sie sind dem Mann auf der Treppe begegnet, haben ihn gesehen und können bezeugen, dast es Andersen nicht war." „Nein— nein," flehte der Spielmann,„dast ich das bezeugen soll, können Sie nicht verlangen." „Natürlich verlange ich es", sagte Christensen.„Sie dürfen keinen unschuldigen Menschen am Weihnachtsabend im Arrest sitzen lassen. Schämen Sie sich denn gar nicht?" „Barmherziger, Christensen," entgegnete Pedersen, dem Weinen nahe,„warum soll ich mich denn da hineinmischen? Ich habe noch nie mit jemand Händel gehabt." «Das Hilst alles nichts," erklärte der Philosoph.„Sie müssen Ihre Pflicht tun und aussagen, was wahr ist: dast es Blomberg war, der aus Larsens Küche kam." „Dann bin ich verloren!" rief der Spielmann verzweifelt, rist die Brille herunter und warf sie aus den Tisch.„Ich habe niemals einen Menschen mit etwas anderem betrogen, als mit diesem— was kann das schaden?" Christensen legte ihm die Hand auf die Schulter. „Beruhigen Sie sich doch, Pedersen, und nehmen Sie Vernunft an. Es will Ihnen keiner etwas Böses tun, aber Sie sind es Andersen schuldig, ihn zu retten. Wir werden schon alles so einrichten, dast Ihnen keine Ungelegenheiten daraus entstehen. Niemand auster mir und Larsen braucht zu erfahren, dast Sie sehen können; das Heists, Blomberg must es natürlich auch wissen, aber der wird wohl schweigen." „Also muh ich nicht auf die Polizei?" „Nein." .Und ich behalte meine Erlaubnis zum Spielen?" keil gelorgl. Das Abzeichen ihrer besonderen Verwendung trugen sie alle, der damalig?» Zeil entsprechend, eingebranm auf dem Arm wie die Rekrulen. Aber lrotzdem war diese Kriegstechnik der Alten primitiv in ihrer Menichenwirlschafl. Wie die Leistungen der Kriegsschiffe, so stelllen auch die der Belagerungsmaschinen, der Widder und Sturm- böcke, letzlen Endes nur Zusammenballungen von Menschenkraft dar. Im Zeughaus zu Berlin befinden sich Modelle antiker Geschütze, die der Hanplmann Schramm rekonstruierl bat. Die Schußkraft be- ruhl auf der SpannungSelastizilät gedrehier Tiersebnen. Abgeschossen wurde der Pfeil, die Sleinkugel oder das Bleigeschoß, die Schußweile belrug 370 Meler. eine Leistung, die für die damaligen Verhällnisse gewiß beachtenswert war. Aber alle diese Geschütze waren genau so wie die Armbrust. Schwert und Speer: sie wurden von der Hand geführt, in der Leistungsfähigkeit und Körperkraft des Menschen selbst hatten sie ihre Grenzen. Die Spannkraft der Torfionsgeschütze mußte erzeugt werden, indem die Sehnen zusammengedreht wurden, um dann die aufgespeicherte Spannkraft plötzlich wieder freizugeben. So blieb der Mensch letzlen Endes immer die Kraftmaschine, und eine Steigerung der Leistungen, die Erzielung großer Gesamt- Wirkungen war nur durch die Zusammenfassung vieler solcher «menschlicher Kraftmaschinen" möglich. kleines Zeuilleton. deutsches Theater:„der Stera von öethlehem." Wcihnachtsspicl. Den Text zu den Szenen hat Reinhardt einer Zusammen- stellung und Verarbeitung spätmütelalterlicher Weihnachlsspiele durch Otto Falkenberg enlnommen. in der die Naivität und primitive Derbheit der Originale treulich gewahrt wird. Diese Spiele haben sich aus den einfachsten Formen heraus entwickelt. Eine Krippe hinter dem Altar, ein Knabe, der als Engel die Geburt Christi ver- kündet, andere Knaben, die als Hirten zur Krippe kommen, um an- zubeien, sie bilden die ersten Elemente, aus denen dann die späteren Weihnachlsspiele erwuchsen. In Ton und Stimmung, wie in der Kunstlosigkeit des Aufbaues tragen sie dasselbe Gepräge wie die gleichfalls von kirchlichen Zeremonien ausgehenden oster- lichen Passionsspiele. Auch die Neigung, den feierlichen Ernst durch burleske Schnurren gelegentlich zu unter- brechen, ist WeihnachtS- und Osterspielen gemeinsam. Es gibt da parodistiiche, dem Alltagsleben entlehnte Wen« düngen, grobschlächtige Verspottung jüdischer Eigenart, und be- sonders gerne wird der Teufel als komische Person behandelt. Bei- Mischungen, die uns aber in der Darstellung auf der Reinhardlschen Bühne trotz der Echtheit des Historischen in den Herodesszenen den Eindruck eines fremden, störenden Elements machten. Die Kindlich- keit verliert hier ganz den Anmutsschimmer, der ihr an anderen Stellen eigen, und schlägt in die banale Gedankenlosigkeit lärmender Jahrmarktsspäße um. Auch die Ausführlichkeit der Wiedergabe, vor« nehmlich gegen Schluß hin auffallend, schwächte die Grundstimmung ab, der die Aufführung zustrebte, und die in einzelnen Partien, unter- stützt durch schöne alte Kirchenmusik und stimmungsvolle Szenerien, unzweifelhaft auch erreicht wurde. Die Handlung vollzog sich im Hintergrund der Bühne, die vorn durch zwei Kirchenwände mit bunten, freundlich erhellten Scheiben flankiert war. Ein simpler Bürgersmann(Joseph Klein) er- mahnt in Knünelversen und gemütlichem Süddeutsch Groß und Klein, gut achl zu geben, und hilft durch eingeschobene Erklärungen dem Verständnis nach. Engel verkünden der Maria, die in der tief empfundenen, stillen und schlichten Nachbildung E l s e H e i m s an die rührende Sanftmut früh- italienischer Madonnenbilder erinnert, daß sie den Heiland gebären werde. Einfältig und treu(Dekarli traf den Ton vorzüglich) steht ihr Joseph zur Seite. Dann sieht man die Hirten auf dem Felde und die Könige vom Morgenland. In einer reckt kindlich geschauten Gänsemarschprozession ziehen der Stern von Bethlehem— ein schlankes, junges Mädchen, das an der Spitze seines vorgestreckten Stabes eine Leuchte trägt— und hinter ihm die Könige und das Volk, ein jeder mit vorgestrecktem rechtem Arm in gleicher Richtung weisend, vorüber. Herodes, dessen brutale Königsgewalt durch einen ungeheuren eisernen Kriegsknecht I Otto Kougel, Alte Jacobstr. 26. 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