Nr. 301.- 1915. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Donnerstag. 39. Dezember. Cm Gatte. Nach dem Französischen des Lucien Rolmer. � Mit dreiunddreixig Jahren war sie alt. Die Mutterschaft, die Tränen, die Eifersucht, die Entbehrungen hatten ihr Gesicht und ihren Körper zerstört. Es waren ihr nur noch die blauen Augen und die weißen Zähne geblieben. Uebrigens dachte Madeleine seil langem nicht mehr an sich. Sie dachte nur noch daran, zu leiden: sie litt unter ihrem Manne; sie litt für ihre Kinder. Seil mehr als zwei Jahren hatte Beyer nicht mehr am Familientisch mit seiner Frau und seinen zwei Töchterchen zu- sammen gegessen. Manches Mal verschwand er für eine ganze Woche, und, wenn er wieder zurückkam, war er schmutzig, seine Taschen waren leer, die Hände teilten Ohrseigen aus und sein Mund brüllte: «Du bist noch da? Ich dachte. Du wärest längst zum Teufel gegangen I' schrie er sein Weib an.«Ah, ich werde Dich eines Tages noch vor die Türe setzen müssen." Sie fühlte, daß er sie haßte, und sie schluchzte leise vor sich hin. Sie gab ihm zu essen, sie brachte ihn zu Bert, sie sorgte sich um ihn, sie wachte bei ihm. Aber sobald er die Augen öffnete, schimpfte er sie aufs neue aus. Und wenn der Morgen graute, machte er sich noch ganz wirr von Alkohol aus dem Staube, wie ein Dieb. Mit der Zeit verlor der Hauswirt die Geduld, andere Schulden kamen dazu und eines Tages wurden sie gepfändet. Aber als sie an diesem Tage ihre alte Wohnung verließ, strahlte sie vor Glück: sie hatte ihren Mann am Arm und ihre beiden Töchterchen Jeanne und Rosette an der Hand. Beyer an ihrer Seite war wie umgewandelt. „Ah, ick bin zufrieden!' rief Madeleine plötzlich, als sie auf den Boulevard Brune kamen, wo die Sonne hernieder schien. „Bah! Warum?" fragte Beyer mit tiefer Stimme, die kalte Zigarre zwischen den Zähnen. Madeleine sah mit ihren blauen Augen zu ihrem Manne auf, zwei Tränen perlten über ihre Wangen: «Weil es Jahre her ist. daß ich nicht mehr mit Dir ausgegangen bin— an Deinem Arm; weil auch die Kinder— schau sie nur an— so zufrieden sind und weil— ich bin noch ganz weg— Du mich oben, bevor wir weggingen, geküßt hast--." Es schien ihr, daß der Haß ihres Mannes mit der alten Luft. in der sie gelebt hatten, verschwunden sei. Beyer lachte und preßte den Arm seiner Frau gegen sich. «Schweig wenigstens. Sei nicht so gewöhnlich", sagte er. Sie trocknete ihre furchtsamen Tränen. Sie dachte ohne Kummer an die armseligen Möbel, die man ihnen weggenommen hatte, an die kahlen Wände der alten Wohnung, au» welcher man sie ge- trieben, an das Unterkommen, das sie für die kommende Nacht noch suchen mutzten. Die Sonne schien, ihr Gatte lebte auf in der Wärme, und Jeanne und Rosette hüpften blond und fröhlich wie Sonnenstrahlen vor ihnen her. «Halt, Madeleine, schau." murmelte Beyer. An der Kreuzung der Straße war ein Restaurant, beschattet von einem Zelt und geschmückt mit Kübelbäumchen. «Laß uns hier frühstücken. Tremblay will uns hier erwarten, und man könnte mit ihm reden." Er drängte sie in die Wirtschaft, die Kinder folgten, und olle vier befanden sich bald in einem schwülen Gastzimmer, wo Tremblay saß, eine Zeitung las und rauchte. Wer war Tremblay? Madeleine wußte es nicht. Was sie wußte, war, daß er, wie Beyer, bei Kinematographenthcalern und Schau- stcllungen seinen Verdienst suchte. Es war das konventionelle Theater- lächeln, mit dem die beiden Männer sich begrüßten und die Hände drückten. Ein Schatten zog vorüber. Madeleine hatte Furcht. Aber es war nur ein Schatten. Beyer setzte sich an die Seite seiner Frau, und ihre Miene wav wieder heiter. „Nun, meine Liebe," sagte er. ihre Hand berührend,«hier ist die Speisekarte. Wähle Dir selbst aus." Aber das Papier zitterte in ihren Händen. Sie wußte nicht, was sie wählen sollte. Beyer nahm die Auswahl der Speisen vor und er machte seine Sache gut. Eine Kellnerin deckte den Tisch und die Schmauserei begann. Und, während sie aßen, wobei er nicht vergaß, Madeileine immer wieder da« Glas zu füllen, entwickelte Beyer mit weicher und flüssiger Stimme seine Zukunftspläne. Tremblay unterstützte ihn. Tremblay kannte zu L'Hay ein kleines Landbäuschen, ein niedliches Stückchen Erde, das für ein Butterbrot zu haben war. Beyer begeisterte sich dafür. Er ließ seinen Schnurr- barl durch die Finger gleiten: man wird das Häuschen mieten, glücklick sein darin— aber zuerst sei es notwendig, es anzusehen. Nachdem das Frühstück beendigt war, gingen Madeleine und ihr Gatte weg und ließen Rosette und Jeanne in der Obhut Tremblays. Madeleine lachte, als sie in die Straßenbahn stiegen: Sie dachte, sie mache ihre Hochzeitsreise. Es war der schönste Teil ihres Lebens. Ach, was waren nun alle Entbehrungen und alle Leiden; ach, was waren jetzt die Tage der harten Behandlung l Auf der ganzen Fahrt war ihr Gatte vergnügt und liebenswürdig. Nach der Ankunft hatten sie noch gute zehn Minuten zu gehen, bis sie. unter großen Bäumen dahinwandelnd, das Landhäuschen erreichten. Ein GSrlcken mit einigen Rosensträuchen, zwei jungen Platanen, ein Fahrrad unter dem Dach eines Hühnerstalles, Efeu- ranken um die Tür des Häuschens. Im Innern war alles möbliert. daS Notwendige war da: drei Betten, zwei Tische, ein Speiseschrank, eine Kommode, zwei Ruhestühle. „Gefällt es Dir?" Ob es ihr gefiel. Madeleine fühlte nicht mehr ihr frühzeitiges Gealtertsein, sie vergaß die letzte Erinnerung an ihre traurige Ver- gangenheit. Sie sprang ihrem Gatten an den Hals, bot ihm ihren heißen Mund und küßte ihn auf die Lippen. „Gut! Zufrieden also! Ich werde auf das Fahrrad springen, und Tremblay und die Kinder holen." Und er ging weg. Sie wartete. Sie wartete. Der Tag ging zur Neige. Abends kam eine Fremde, die Schlüssel in der Hand: «Ihr Gatte bat mir soeben telephoniert, Madame", sagte diese Frau;»ich bedauere, daß ihm daS Häuschen nicht zusagt— ich bedauere es sehr--* Sie führte Madeleine hinaus vor die Tür und Madeleine be« griff endlich das Drama dieses Tages, begriff endlich, daß sie nie- mals mehr ihren Gatten und ihre Kinder wiedersehen werde. Sie ging unter den großen Bäumen dahin, ziellos, planlos, schluchzend wie eine Kranke._ Kleines Keuilleton. 5ettbäume. In der Zeit der Sehnsucht nach der Butterkarte wird ein Hin- weis auf die Fettbildung im Winter, die in bestimmten Bäumen vor sich geht, allgemeines Interesse finden. In den Milteilungen der D. L. G. macht Proi. Dr. Neger-Tharandt hierüber Angaben. Ein Teil der Bäume unserer einheimischen Gehölzflora hat die Eigen- tiimlichkeit, mit Eintritt der Frostperiode die gesamte Siärke, die sich im Holz und in der Rinde befindet, in fettes Ocl zu ver- wandeln. Im folgenden Frühjahr erfolgt dann Rückbildung in Stärke, und diese erst rst es, die sich dann bei der Ent- Wickelung der Maitriebe in Zucker umsetzt, um mit dem Saftstrom nach den Sprotzipitzen zu wandern und die neuen Triebe ausbilden zu helfen. Man bezeichnet alle Bäume, für welche diese Um- setzungen zutreffen, als Fettbäume. Es sind hauptsächlich die weich- bolzigen Arten, wie Kieier, Birke, Linde: während bei den sogen. Slärkebäumen— die meisten Hartholzarten— die Stärke auch im Winter in den lebenden Zellen uuveränderl erhalten bleibt, z. B. bei Buche, Eiche, Esche Ahorn, Ulme, Erle seine Mittelstellung nehmen die Fichte, Lärche und einige andere ein). Es verdient hervorgehoben zu werden, daß sich also in den Feitbäumen ein Vorgang abspielt— Umwandlung von Kohlehydraten in Fett—. der dem Chemiker noch immer als ein unerreichbares Kunststück erscheint. So einwandfrei die Tatsache feststeht, daß ein Teil unserer Bäume im Winter ein mächtiges Kapital von Fett in ihrem Innern bergen, so schwierig ist eS freilich, durchführbare Vorschläge zur Hebung dieser Schätze zu machen._ Neues von öer Kleiderlaus. Der Krieg hat dem kleinen Lebewesen Laus eine ungewöhnliche Bedeutung verliehen: er hat auch die Wissenschaft angeregt, sich neuerdings mit diesem wenig beliebten Insekt zu beschäftigen und Beobachtungen, wie sie etwa der Jenaer Prof. Hase in einem öst- lichen Gefangenenlager und unter der Bevölkerung Russisch-Polens über Lebensbedingungen und Lcbcnsgewohnheiten der Meiderlaus machte, geben ganz interessante Ergänzungen zu dem, was der„Vor- wärtS" kürzlich nach Brehms„Tierleben" mitteilte. Um festzustellen, wieviel Läuse überhaupt einen Menschen befallen können, las Prof. Hase einem einzigen Russen 3800 lebendige Läuse aller Größen ab. lieber seine weiteren Feststellungen berichtet der«Prometheus" folgendes: Die Entwicklungsdauer der Eier hängt von der Tempe- ralur ab: bei 37 Grad Celsius schlüpfen die Eier frühestens nach fünf Tagen aus. niedere Grade verzögern die Entwicklung. Durch Temperaturen unter 13 Grad wird die Eiablage des lebereifen Weibchens zeitweilig unterdrückt. Hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen konnte Prof. Hase feststellen, daß ausgehungerte Läuse das Licht suchen, gesättigte es metden. Der Geruchssinn der Tiere reicht nicht sehr weil: auf 5 bis 10 Zentimeter Entfernung nehmen Läuse die Nähe des menschlichen Körpers nicht mit Sicherheit wahr; erst bei 2 Zenli- meter oder weniger ist eine deutliche Reaktion zu beobachten. Auch das Verhalten der Läuse beim Hungern in Wärme und Kälte wurde studiert. Niedere Temperaluren(unter 0 Grad) verursachen geringes Nahrungsbedürfnis: die Eiproduktion hört auf, die Beweglichkeil wird gering oder erlischt, Hunger wird bei 0 Grad 3. bei 12 Grad sogar 3 Tage ausgehalten. Hohe Temperaturen(25 Grad und darüber) verursachen hohes NahrungSbedürfnis; die Eiproduktion ist groß, die Bewegung lebhaft, Hunger wird höchstens ein bis zwei Tage ertragen. Nässe und Kälte hält die Laus gut aus, in Nässe und Wärme geht sie zugrunde. Die Nahrungsaufnahme besteht m einem Stechen und Saugen: die Laus kann nur strömend warmes Blut aufnehmen. Was den Läusebefall und die Stichempfindlichkeit betrifft, so verhalten sich die Individuen verschieden. Manche Menschen, die monatelang unter Verlausten gelebt haben, werden überhaupt nicht befallen. Unter den Befallenen bleiben einige dauemd stichempfindlich, andere sind von Anfang an stichuncmpfiad- lich; bei einer dritten Gruype stellt sich allmählich eine Immunität gegen Läusestiche ein. Diese Gewöhnung an Läusestiche macht es erklärlich, daß ein großer Teil der Bevölkerung Russisch-PolenS ganz gleichgültig gegen die Verlausung ist. lieber Beobachtungen, die mit denen Prof. Hases nicht ganz in Einklang zu stehen scheinen, berichtet ein anderer Forscher, Dr. Wiener: er hat folgende Erfahrung gemacht: Ein mobiles Re- servespital wurde verlegt und gab seine gesamte Winterwäsche im Laufe des April und Mai an ein anderes Spital ab, das dieselben Räume bezog. Die Winterwäsche wurde wohl verpackt und ver- schnürt in ein Magazin gegeben, von wo sie erst Mitte November, also nach 6'/, bis 7 Monaten entnommen wurde. Bei der Ver- leilung der Wäsche in der kalten Jahreszeit zeigte sich, daß in einer Anzahl von Wäschestücken noch lebende Kleiderläuse vorhanden waren, und zwar hielten sie sich, wie gewöhnlich, in den Falten auf. Daß sie etwa von außen hineingekommen waren, war durch die Umstände und durch die Oertlichkcit vollkommen ausgeschlossen. Da- nach muß als erwiesen gelten, daß die Kleiderlaus, auch wenn sie kein menschliches Blut zur Nahrung findet, lebens- und vielleicht auch fortpflanzungsfähig bleiben kann. Notizea. — Ein Aufruf an die Eltern. Eine Reihe angescheuer Gelehrter und Schristsieller— Dr. H. Baege-Berli», Prof. Paul Barib-Leipzig, Wilh. Börner-Leipzig, Prof. Leo Burgersteiii-Wicu, Prof. Wilhelm Förster- Berlin, Prof. H. Lammasch-Wien, Prof. P. Natorp-Marburg, Dr. Rud. Penzig-Berlin, Dr. H. Wchbcrg- Berlin, Dr. Br. Wille-Berlin, H. Wolgast-Hamburg, Dr. G. Wyncleii- Blickersdorf— erlassen einen beachtenswerten Aufruf, der die Eltern und Erzieher auf die schweren seelischen Gefahren aufmerksam mann. die ihren Kindern in dieser KriegSzeit drohen:„Wer heule", heißt es darin u. a.,«die Kinder beobachtet und ihre auf den Krieg be- züglichen Aussprüche und Briefe verfolgt, die von Eltern und Lehrern veröffentlicht werden, mutz für das geistig« und sittliche Wohl der künftigen Generationen ernste Besorgnisse hegen. Haß. Rache- durst, Verachtung und Schadenfreude gegenüber den feindlichen Nationen und eigener nationaler Hochmut haben eine so erschreckende Ausdehnung gewonnen, daß es an der Zeil ist, daS Schweigen hierüber zu brechen und sich ernstlich an alle zu wenden, welche die schwere Veraniworlung der Erziehung tragen.... Aus den Kindern von heule werden die Staatsbürger Deuischlands und Oesterreich- Ungarns von morgen, die über die Geschicke, das Glück und die Würde ihres Vaterlandes zu entscheiden haben. Wie sollen sich dann die kulturellen Beziehungen zu anderen Staaten gestalten, wenn lvir der Jugend den Völkern dieter Staaten gegenüber einen Haß ein- impfen, der die Namen von Kulturnationen ersten Ranges als ärgsten Schimpf ansehen läßt.... Alle Erzieher mögen dessen ein- gedenk sein, daß ihre human-seelsorglichen Aufgaben gegenwärtig ichwieriger und verantwortungsvoller sind denn je! — Moderner Munitionsgebrauch a n einem Tage. Als im Juni die Franzosen verzweifelte Anstrengungen machten, bei Arras durchzubrechen, berichteten sie gelegentlich selbst über den Verbrauch von 300 000 Artilleriegeschossen an einem Tage. Man hat nun berechnet, daß diese Geschoßmeng«, selbst bei der Annahme eines hauptsächlichen Gebrauchs kleinerer Kaliber, ein Gc- wicht von sch Millionen Kilogramm ausmacht, das zu befördern 15 Eisenbahnzüge von je 100 Achsen nötig sind.— Vergleichsweise sei angefügt, daß im Kriege von 1870/71 während der ganzen B''- lagernng von Straßburg nur 190141 Schuß auf deutzchcr Seite abgefeuert wurden. Die Schicksalsmaus. Ei neErzählungvonTiercnund Menschen. 41) Von Harald Tandrup. «Frohe Weihnachten!" erwiderte Christensen.„Sie sind schon beim Essen?" „Bei einem höchst bescheidenen, wie Sic sehen," gab Blom- berg seufzend zur Antwort.«Gänsebraten und dergleichen ist nichts für arme Leute. Wir dürfen froh sein, wenn ein bißchen Sülze auf unserm Tisch steht." „Und ein Schnaps," warf Larsen ein. „Auch das." sagte Blomberg.„Schnaps ist immer etwas Schönes. Aber was führt die Herren eigentlich in mein ärmliches Heim?" «Weihnachten", antwortete Christensen ernst. „Das freut mich ungeheuer." erwiderte Blomberg miß- iranisch, denn er begriff nicht, Ivo das hinaus sollte.«Ich dachte, Herr Pcr'sen käme vielleicht wegen seines Rockes. Er wäre bestimmt bis zum Weihnachtsabend fertig geworden, wenn mir nicht die Polizei diesen Andersen fortgeschleppt hätte. Der Rock ist hier"— er nahm ihn von Andersens Tisch �—„wenn Sie sehen könnten, Herr Per'sen, würden Sie sich wundern, wie fein er aussieht." Damit hielt er dem Spielmann im festen Vertrauen auf dessen Blindheit einen schäbigen Rock vor die Augen. „D a S soll mein Rock sein?" fragte Pedersen mit müh- sam unterdrückter Erbitterung. Blomberg ahnte noch nichts. „Gewiß. Herr Per'sen, schick, modern, gentlemanlike, ganz die richtige feine hellblaue Modefarbe—" „Ein alter verschossener Rock ist's, den Sic umgenäht haben!" schrie der Spielmann rasend.„Und den wollen Sie mir jetzt aufhängen, weil Sie glauben, ich könne nicht sehen." „Wa—-aS?" stotterte Blomberg erschrocken.„Sie können sehen, Herr Per'sen?" „Jawohl!" antwortete Pedersen.„Jedenfalls sehe ich gut genug, um zu durchschauen, was für ein Spitzbube Sie sind!" „Da hört doch alles auf I" brummte der Schneider ärger- Uch.„Das ist ja beinahe ein Wunder." „Die Zeiten der Wunder sind noch nicht vorüber", fiel hier Christcnsen ein;„ich vermute, daß dieser Mann sein Augenlicht wieder erlangt hat, weil es dem lieben Gott be- hagt, ihn als Zeugen gegen Sie aufzurufen." „Gegen mich?" fragte Blomberg, indem er mit einem seiner fetten Finger auf seine geblümte Weste deutete. „Sie sind verloren I" sagte Lars Larsen feierlich—„voll- ständig verloren I" Pedersen nahm seine Brille ab und zeigte seine licht- scheuen Augen, die in der künstlichen Dämmerung hinter den schwarzen Gläsern blinzelnd und farblos geworden waren. „Sie sind ein Dieb, Blomberg", begann er.„Ich be- gegnete Ihnen, als Sie an jenem Morgen, wo das Geld gestohlen wurde, aus Larsens Wohnung kamen.— Sie hielten den Beutel in der Hand, das Geld klirrte— ich sah Sie gerade so deutlich, wie ich Sie jetzt sehe." Blomberg erbleichte und trat hinter einen Stuhl, als wolle er sich verschanzen. „Ich weiß nicht, was sie meinen," sagte er, einen nach dem andern anschauend.„Soll das vielleicht ein Weihnachts- scherz sein?" „Nein, es ist bitterster Ernst," antwortete Christensen. „Sie sind entlarvt und tun am besten daran, alles zu ge- stehen. Wenn das Geld zurückbezahlt wird, ordnen wir die Sache im guten." „Haha," stieß Blomberg unter einem hysterischen, ihn nur allzu deutlich verratenden Gelächter hervor.„Ich soll das Geld hergeben. Wie könnt ihr nur glauben, ich habe es gestohlen?" „Ich bin Zeugen," rief der Spielmann eifrig.„Vergeffen Sie nicht, daß ich Zeugen bin!" „Es heißt Zeuge," berichtigte Christensen leise. „Sie sollten sich schämen, Blomberg," sagte Lars Larsen. „Erst stehlen Sie, und dann lenken Sie auch noch den Ver- dacht auf Andersen. Sie, nur Sie haben den Beutel in seine Truhe getan." „Ja, Sie sind ein Schurke," fügte Pedersen hinzu.„Jetzt können Sie Ihren alten Rock selbst behalten, mit dem Sie einen armen blinden Mann betrügen wollten." „Ein schöner Armer, Sie," entgegnete der Schneider.„Es wäre mir interessant zu hören, was die Polizei zu diesem so- genannten Wunder sagt." „Halt! Da wir gerade bei der Polizei sind—: Wollen Sie die Sache mit uns abmachen, oder sollen wir auf die Wache gehen?" fragte Christensen. „Ich begreife nicht, mit welchem Recht sich dieser schwachköpfige Philosoph da herein mischt," sagte Blom- berg gereizt. „Sie könnten froh sein, wenn Sie den zehnten Teil so klug wären wie Christcnsen," bemerkte Lars Larsen.„Er hat Ihren Diebstahl entdeckt— und Sie mögen sich winden, sv viel Sie wollen, Sie entschlüpfen uns nicht. Ich bin nur ein einfacher Bauer, Blombergchen, und Sie sind ein geriebener Großstadtfuchs; aber Sie sitzen in der Falle, und wenn wir Bauern erst den Braten erwischt haben, dann halten wir ihn auch fest." Blomberg wurde es ungemütlich, doch er wollte sich trotz- dem noch nicht ergeben. „Ich kann un— mög— lich etwas gestehen," sagte er störrisch. „Das brauchen Sie auch nicht," erwiderte Pedersen mit einem kräftigen Schlag auf seine breite Brust.„Hier ist der Zeuge l Sie können nicht um mich herumkommen. Ich beschwöre es, daß ich Sie auf der Treppe gesehen habe." Endlich fühlte der Schneider, daß er in der Falle saß. Seine Vergangenheit war sehr mannigfaltig; mau konnte ihm alles zutrauen: es gab viele dunkle Punkte in seinem Leben, die vielleicht bei dieser Gelegenheit ans Licht kamen. Selbst wenn er den Diebstahl leugnete, würde man ihn auf Pedcrsens Aussage hin verurteilen.— Er kannte das Gerichtsverfahren von früher. Totenbleich, aber gefaßt blieb er hinter dem Stuhl stehen. Er hatte die eine Hand unter den Rock geschoben und nahm eine Stellung ein, die an Napoleon erinnerte. Und er wich auch nicht um einen Zoll von dieser trügerischen Ruhe ab, nur seine Lippen bebten ein wenig, als er sagte: „Es scheint, Sie wollen mir die zweihundert Kronen ab- zwicken, Herr Larsen, die Ihr geehrter Schwiegersohn ge- stöhlen hat?" Larsen wollte eine heftige Antwort geben, aber Christensen beruhigte ihn und nahm das Wort: „Larsen verlangt eine schriftliche Erklärung von Ihnen, daß Sie das Geld genommen und den Beutel nnt den Goldstücken in Andersens Truhe gelegt haben. Außerdem müssen Sie sich verpflichten, das Geld zurückzuzahlen." „Aber wenn ich mich nun weigere?" sagte Blomberg trotzig.„Sie können mir's glauben, ich kenne das Gesetz auch." „Wenn Sie sich weigern, schleppen wir Sie auf die Wache!" rief Pedersen, der jetzt der Eifrigste war. Und er legte schon eine Hand auf Blombergs Schulter. Der Schneider wich scheu zurück.(Forts, folgt.) ISozialüemokralischeFWahim Heakölln. Slm 26. Tezcmbci verstarb unser I Parteigenosse kruno!1annsck Schöneweider Str. 16, 10. Bezirk Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 60. Dezember, nachmittags 2'l, Uor, aus dem Neu- löllner Gcmcindcsricdhos, Marien- dorser Weg, statt. � Um rege Beteiligung ersucht » 240/19 Ter Borstand. liirr II....... mmi I llllllll■III III Verhanil iler Sattiep nnd PortefeuilleF. Ortsverwaltung Berlin. Den Kollegen hiermit zur Nach- I richt, dafi unser Mitglied, der s Geschirisattler �.uZust paesckke | verstorben ist. 157/1 Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am I Freitag, den 31. Dezember, nach- mittags 21/, Uhr, von der Lcichen- ! Halle de- Johannis-Kirchhoscs in , Prötzenlcc aus statt. 157/1 Tic Ortsverwaltung. BeaMep HolzartieitervEFtianl Zahlstelle Berlin. Diachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, dafi unser Kollege, der Tischler (lustav Weber Langestr. 43 | im Alter von 63 Jahren > starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung fand am 1 Dienstag, den 26. Dezember, aus 1 dem Friedhofe der Andreas- Gemeinde in Wilhe.msberg statt. gc- Den Mitgliedern ferner zur ! Nachricht, dafi unser Kollege, der | Drcchfler Wilhelm Walter Licgnitzcr Str. 17 j im Alter von 48 Jahren ge- | storben ist. Ehre seinem Andenken! Tie Beerdigung findet am ! Freitag, den 31. Dezember, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- I balle des Friedhofes der Martha- R Gemeinde in Ahrcusselde aus J statt. 192/1 Die Ortsverwaltung. Bekanntmachung. Allgemeine Ortskrankenkafse Niederbarnim Die auf Mittwoch, den 22. De- zcmbcr 1915 anberaumte Ausschufi- fihung war nicht beschlufisähig. Aus diesem Grund wird eine neue AiisschiiKlihimg aus Freitag, den 7. Januar ISN», nachmittags 4 Uhr, im Kreishause zu Berlin, Friedrich- Karl-User 5— KreistagssitzungS. saal— anberaumt. Die Herren Mit- glicdcr des Ausschusses werden zur Teilnahme an derselben hierdurch er- gebenst eingeladen. Tagesordnung: 1. Festseszung dcS Voranschlages für 1916. 2. Slcndcrung der KZ 19, 45, 20, 31, 49 und III der Kassensatzung. 3. Einsetzung eines Ausschusses zur Schaffung eines Genesungsheims. 4. Wadl von 2 Vertretern für die Verhandlungen bei Erwerb. Vcr- äufierung oder Belastung von Grundstücken. 5. Wahl des RcchnungsauSschusseS sür die Prlisung der JahrcS- rechnung. 274,1* Kühn, Vorsihcnder. ZentFal-Kpankea- a. Steriiekasse dep deutsdien Wagenfiauep. VersicherungSv. a. Gegenseitigkeit Filiale Neukölln II. Den Mitgliedern zur Nachricht. dafi das Mitglied heirinck Junge (Tischler) am 25. d. M. gestorben ist. 258/13 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag. nachmittags 3 Uhr, von der Halle des neuen Jalobi- lirchhoses aus statt. _ Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes Kurt Lubke sage ich allen Verwandten, Freunden und Kollegen der Knorrbrcmse meinen herzlichen Dank. Frau Knobloch als Mutter, A Glcimstr. 24. Mimn'! TrnuermoSflzIn Größte.-uswaliL, Billigatc Preise. L MonrensiraSe 37s (Kolonnaden. U. Or. Frankfurier Str. 115 »nahe Andreasstr.j Autwahis.enaungcn sofort Amt Zentrum 1890. ionnta" 12— 2 Uhr neöffnot. Stiefelsohlen gflT Paar 95 Pf. zuni Sclbstuntcrmachcn. Komplett ausgemacht mit Gummiabsätzen: Herren 2,95. Tome» 2.59. Älexandcrstr. 8, Elisabethstr. 94 (Ecke Wafimannstr.), Prinzenstr. 99, Nonnendamm-Allee 5. Kant- straffe 118, Pankstr. 19. Grüner Weg 83 kam Andreasplatz)i Schone- berg, Akazienitr. 29: Steglin, Albrechtstr. 119) Neukölln, Her- mannstr. 17.» Vei-Hv»1t.i»iic Berlin. Tel.-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestrafie 30 Heute Tonnerstag, den SO. Dezember, abends 8»/, Uhr: Sit-ung den Ortsverwaltung 92/2 Rungestr. 30. Die Ortoverwaltnng. Sylvester-Punsch ä Flasche Punsch Royal......... von Rum, Arrak, Glühwein...* Einsehe Sherry u. Schlummer-Punsch. Ananas, Burgunder-Punsch. l60nnd 250 90 pf und 1 � M. ä Flasche ä Flasche 309 und l60 2 500 und 10 M M. 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