»t 302-i9i5 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts ma,*.****. Schluß. Eine Silvestererinnerung von Sepp Oerter. Am Silvesterabend im Jabre 1888, wenn ich nicht irre, kam ich als HandwerKbursche auf die Herberge in dem sächsischen Städtchen Treuen. Dieser letzte Tag im Jahre war ein bitterkalter Tag ge- wei'en. Durch Schnee und Sturm waren wir— zwei Reisegefährten und ich— den lieben langen Tag hindurchgetapst, nichts im Magen und nichts im Beutel. Ach war das eine Wohltat, als wir in die schmierige und warme Herberge kamen und die müden Beine unter einen Tisch stecken konnten. Als wir gerade so am Ueberlegen waren, wie wir uns das Städtchen zum Abdalfen einteilen sollten, kam noch ein Kunde in die Stube. Eine seltsame Erscheinung! Er war baumlang, so dast er mit dem Kopf fast die räucherige Decke der Stube berührte. Die lange Ge- stall war in einen schlotternd um die Glieder hängenden Gehrock ge- kleidet. Die Beine staken in grauen Hosen und die Füße der rechte in einem Schaststiesel und der linke in einem Hausschuh. Den zweiten Stiefel trug er wie einen Berliner an einer Schnur um die Schulter. Der Kunde war alt, seine Haare waren ergraut, auch die Bartstoppeln, die Kinn und Wangen bedeckten. „Grü� die Kunst, Jungens!* Auf seinen Grutz öffnete sich das Schiebefenster, das zur Schenk- stube ging, die Herbergsmutter steckte den Kopf durch die Oeffnung und meinte: .Nanu,.Provisor", sind Sie auch wieder da?' „Ja, verehrleste Frau Mutter," antwortete der Neuankömmling. „Himmel, es ist ja eine Sünde, einen lebendigen Christenmenschen und Veteranen, der Siebzig mitgemacht hat, bei so einem Hunde- und Höllenwetter auf die Straße zu jagen." Es wurde bereits dunkel. Wir anderen Kunden erhoben uns, um einen Gang durch die Stadt anzutreten. Der„Provisor" schaute auf. „Wohin?' „-Schlummergeld!" war die kurze Antwort. Er schlug eine laute Lache auf:„Jungens, wie lange seid Ihr auf der Tippelei? Ihr kommt wohl geraden Wegs von Muttern I Nee, bei dem Wetter macht keener aus. Erstens, weil gescheuert i§ und zweitens, weil es kalt hereinkommt. Nee, Jungens, wenn een Spießer warm sitzt, kann een Kunde verfrieren. Mich hat sogar heute seine Frau herausgeschmissen; mich— wo sie doch gar nicht seine Frau wär'. wenn ich nicht gewesen wär." Er senkte den Kopf. Seine Nase tropfte. Nach einer Weile, während wir unschlüssig und uns gegenseitig fragend ansehend da- standen, griff er in die Westentasche, schmiß er ein Fünsmarkstück ans den Tisch und rief! „Bleibt I Ich zahle Schlummcrgeld und alles für Euch. Der Scheusendeckcl muß weg—. Sie schmiß mich rauS!„Belästigen Sie uns doch nicht in einem fort, alter Stromer!" hat sie gesagt. Schluß, sage ich, Schluß!" Er sprang ans. raunte an das Schiebefenster, trommelte an die Scheiben und rief, als die Herbergsmutter kam: „Kaffee sür alle! Ne Butterstulle und'ne warme Blutwurst für alle!" Wir hatten uns mittlerweile wieder an den warmen Osen ge- setzt, froh nicht mehr hinaus zu müssen in den Abend, das Schnee- gestöber und die schneidende Kälte. Der„Provisor" setzte sich zu uns in die Ecke, wo ein kleiner Wcthnachtsbanm, mit Papierketten und Papierrosen geschmückt, stand. Vor dem Weihnachtsbaum hing an einem großen, eisernen Haken, der im Deckenbalken eingeschlagen war, eine Art Kronleuchter herab. Die Nadeln rieselten bei jeder kleinen Bewegung, die der„Provisor" machte auf ihn herab und hingen sich fest in seinem Haar und in den Bartstoppeln seines Ge- sichls. Er schien es gar nicht zu bemerken. Der Hausdiener brachte den Kaffee und die Näpfe mit Stampf- kartoffeln und Blutwurst. Die Mahlzeit wurde schweigend mit der Andacht, die Hungrige beim Essen haben, verzehrt. In den Näpfen blieb nichts zurück. Nach dem Esten kramte der„Provisor" in dem Stiefel, den er als Berliner benutzte, seitdem er ihn nicht mehr an seinen frostgeschwollenen Fuß brachte. Er holte ein Päckchen, in bunte Lumpen gewickelt hervor. Es enthielt vier Orden, darunter das Eiierne Kreuz. Er steckte die Orden an seinen abgeschabten Gehrock:„Heute ist ein Festtag," meinte er. Als wir ihn fragend ansahen, lachte er:„Ja. ja, Ritter des Eisernen Kreuzes, der Ver- dienstmedaille und so weiter! Hier die Bescheinigungen!" Er griff in die Tasche und hielt uns einige Papiere hin. „Will Euch was erzählen. Siebzig war ich dabei. Ihr seht's." Er zeigte auf seine Orden.„Eines Abends— übrigens bin ich kein Provisor, das sagt die Alte nur wegen meine-m Klabatzen- schwenker; von Kunst bin ich BWHauer— also, eines Abends Siebzig hatten ein Kamerad und ich da unten gegen Pontarlier zu eine Patrouille. Vor uns lag ein Wald; dahin sollten wir, um den Feind festzustellen. Wir waren kaum im Walde, als das Geknatter auf uns losging. Wir natürlich zurück. Der Zweck war ja erreicht. Aber, als wir auf das freie Feld kamen, wo wir uns von der weißen Schneedecke so gut abhoben, schreit mein Kamerad auf:„Ich hob's!" und bricht zusammen. Ihn liegen Die Schicksalsmaus. EineErzählungvonTierenund Menschen. 42j Von Harald Tandrup. „Das nennt man ein Komplott", entgegnete er mit einer Würde, hinter der man die Angst heraushörte.„Ich bin zwar gezwungen, den Herren die gewünschte Erklärung zu geben— aber ich protestiere." Hierauf zog er die Tischschublade auf und holte Papier, Feder und Tinte heraus. „Bedenken Sie denn gar nicht, was für einen Weihnachtsabend Sie einem armen, einsamen Mann bereiten?" fragte er mit einem letzten Versuch, sie zu rühren. „Das Weihnachtsfest, das Sie Andersen bereitet haben, ist auch nicht besser," erwiderte Lars Larsen.„Schreiben Sie nur I" Blomberg warf einen Blick zur Decke hinauf, als müsse dieser durch alle Stockwerke bis zum Thron des Herrn hindurch- dringen. Dann kaute er an seinem Federhalter, tunkte ein paarmal ein, setzte die Feder aufs Papier und nahm sie wieder weg. Endlich schrieb er: Wohnhaus„Schwarzes Schaf," Weihnachtsabend. Durch gewisse— Umstände gezwungen, erklärt der Unter- zeichnete, daß er aus Herrn Larsens Wohnung im Scherz un- gefähr zweihundert Kronen genommen und ebenso in Herrn Schneider Andersens Truhe einen kleinen Beutel mit zwei Goldstücken gelegt hat. Es ist mir kein Gedanke daran ge- kommen. Herrn Andersen könne daraus irgendein Schaden entstehen, und ich bin jetzt mit Herrn Larsen ausgesöhnt, der die Sache nicht verfolgen will, dieweilen ich das Geld zurück- bezahle. ergebener Diener Herr Joseph Blomberg Schneidermeister. lassen und hoidi machen— das gab's nicht. Ich sehe einen Graben und schleppe meinen Kameraden dahin. So, nun liegt er drin und ich lug über den Grabenrand. Sooft einer aus dem Walde heraustritt, knall ich los. Dabei schrei ich in allen Ton- arten:„Feuer! Feuer!", damit sie meinen sollen, ich sei ein ganzer Haufen. Eine höllische Kälte war. Mein Kamerad wimmerte. Ich gab ihm meinen Waffenrock. In Hemdsärmeln lieg ich da und halte Wacht. Damals Hab ich auch den Frost in die Füße ge- kriegt, und er ist heute noch darin.— Endlich kommt Hilfe von den unsrigen. Mein Kamerad hat einen Schuß in der Hüste, ich einen in der linken Hand. Hatte es gar nicht bemerkt. Hier seht ihr'S noch." Er zeigte seine Hand mit der Narbe.„Na, ich Hab das Eiserne Kreuz gekriegt, mein Kamerad kam in das Lazaretts und so kamen wir auseinander. Der Krieg, Jungens, ist kein Pensionat. Es kommt Dreck an die Seele, und er bleibt daran haften. Also besser wird man im Kriege nicht. Ein Dreck war das da." Er holte ein« Schnaps- flasche aus der Tasche, zeigte sie uns und nahm einen tüchtigen Schluck.„Mit der Arbeit gings zurück und damit erst recht mit dem Schnaps voran. Und so bin ich so ganz allmählich auf die Landstraße gekommen." Er schwieg wieder und starrte zu dem eisernen Haken empor, der das Ding von Kronleuchter hielt. Nach einer Zeitlang fuhr er fort: „Vor zehn Jahren, auch an einem Silvesterabend, kam ich das erste Mal hierher. Es war ein verteufelter Tag. Ein Graupeln und Rieseln und auf dem Boden alles Eis! Und keinen warmen Löffelstiel im Leib und keinen Tropfen in-der Flasche. Jungens, das geht an die Nieren! Beim Stoßen gab's harte kalte Worte, und die Türen wurden mir vor der Nase zugeschlagen. Ich war ganz belämmert. Da hör ich zufällig, daß der Kriegerverein eine Siloesterfeier habe. Zehn Pfennige hatte ich doch zusammenge- bracht. Ich kauf mir eine Seelenstärkung, und nun war Mut oa. Also, ich leg die Orden an und geh nach dem Saal, wo die Feier ist. Nichts im Leib und den Schnaps im Kops— Ihr könnt Euch denken. Reiß ich also die Saaltür auf, schultere meinen Stecken, mach Stechschritt, marschier mitten in den Saal und brüll aus Leibeskräften: „Hurra! Elisabeth-Grenadierregirnent, zweites Bataillon. Linker Flügelmann der vierten Kompagnie: Hurra! Hurra!" Na, der Empfang war lein kameradschaftlicher.„Schnaps- bruder!"—„Gemeinheit!"—„So'n Kerl!"—„Der Lump hat die Orden gestohlen!" und so weiter. Die Kellner wollen mich gerade hinausschmeißen, als einer aufsteht, auf mich zutritt, mich am Arm packt und sagt:„Komm mit, Hölzinger I" So groß war mein Dusel, daß ich auch ihn anbrüll. Aber er zerrt mich aus dem Saal, redet mit dem Wirt, der mich mit dem Hausknecht aufpackt, in ein Zimmer bringt und ins Bett zwingt. Im Dnsel und vor Müdigkeit bin ich gleich eingeschlafen. Am andern Tag, wie ich runter komm, krieg ich vom Wirt einen guten Kaffee und was Tüchtiges zu essen. Dann sagt der Wirt, indem er mir einen Zettel gibt:„Da sollen Sie heute morgen hinkommen!" Auf dem Zettel stand der Name: Fritz Schlabert, Drogist, und Straße und Hausnummer. Ich hin. Der Herr Drogist empfängt mich, als wenn er bereits gewartet hätte: „Hölzinger, Du kennst mich wohl nicht mehr? Ich bin Dein Nebenmann von damals— bei Pontarlier, Hölzinger, Du tust mir leid. Komm Heroin!" Drin ist eine liebe, nette Frau, die mir, ohne viel zu sagen, die Hand gibt, wobei ihr das Wasser in den Augen steht. Ich mutz mich in der warmen Stube an den weißgedeckten Tisch setzen und eine Zigarre anrauchen. Der Herr Drogist erzählte die Geschichte von Pontarlier und meint zu seiner Frau:„Ja, Lieschen, ohne den da— wer weiß—" Na— es lvar ein Tag! Jungens, man kann viel verlieren im Leben! Er hat mir auch recht gute Ratschläge gegeben, der Drogist. Auch seine Frau. War nichts mehr zu machen.— Am Abend bin ich weggegangen. Hier den Gehrock Hab ich angehabt, zum Schna- bulieren ein ganzes Bündel, und Zigarren, und ein Zwanzigmeter- stück, das hat er mir in die Hand hineingedrückt. Die Frau hat mir die weiche Hand zum Abschied gegeben:„Viel, recht viel Glück im neuen Jahr, Herr Hölzinger. Mög's Ihnen gut gehen. Und besuchen Sie uns wieder." Na, ich bin öfter wiedergekommen. Immer so zum Silvester- tag zog's mich hierher. Ach, man hat mal so'ne««hnsucht nach einer warmen Stube, einem weitzgedeckten Tisch und auch— Herrgott, was bin ich für ein Narr! Ich kam und bekam immer meinen Teil. Aber sie ist doch immer kälter geworden. Und sie wurde doch von Jahr zu Jahr dicker und rotbackiger.-- Und heute?— Was hat sie gesagt?„Belästigen Sie uns doch nicht in einemfort, alter Stromer!" Ach, JungenS, das geht ans Herz! Da ist alles, alles aus!" Er stützte den Kopf in beide Hände und schwieg. Wir andern sagten auch nichts. Wir saßen still da. Der Hausdiener brachte uns Bier, das der„Provisor" zahlte. Um zehn Uhr gab es für jeden ein Glas Punsch und einen Pfannkuchen. Die Wirtin rief durch das Schiebefenster:„Also— Prost Neujahr!" Und dann geht Ihr schlafen." „Ist's so recht?" sagte er, indem er die Feder auf den Tisch schleuderte.„Ein Fremder, wie ich, bekommt hierzulande doch nicht sein Recht." Christensen las den anderen die Erklärung vor und fügte hinzu, daß sie seiner Ansicht nach genüge. Wenn es Blom- berg eine Freude mache, zu tun, als habe man ihm diese Er- klärung abgezwungen, so sei das sein Privatvergnügen. „Und"das Geld?" fragte Lars Larsen.»Wann bekomme ich daS?" „Das muß ich erst von meinen paar armen Spar- Pfennigen holen", erwiderte Blomberg bitter.„Hier im Haus habe ich keine Krone.„Wenn die Feiertage vorbei sind, wird das Geld bezahlt." „Der Kerl ist uns sicher", sagte Pedersen,„wir werden schon mit ihm fertig. Wenn er auskneift, gehen wir zur Polizei." Christensen aber steckte die Erklärung zu sich und sagte zu Lars Larsen: „Wir beide müssen weiter; es gibt noch viel zu tun." „Was denn?" fragte der andere verwundert. „Andersen muß noch heute abend freigelassen werden", antwortete Christensen.„Das habe ich Ihrer Tochter ver- sprachen." „Das ist unmöglich," erklärte Lars Larsen. „Unmöglich?" wiederholte Christensen.„Wenn Sie erlebt hätten, was ich heute abend erlebt habe, würden Sie mit der Anwendung des Wortes„unmöglich" sehr vorsichtig sein." „Verlassen Sie sich nur auf Christensen," sagte der Spiel- mann,„er wird schon alles ordnen". In diesem Augenblick trat Blomberg mit großer Würde ein paar Schritte vor und sagte: „Nun wünsche ich den Herren einen frohen Weihnachts- abend und ersuche sie, sich möglichst rasch aus dem Staube zu machen.— Ich möchte jetzt endlich meine Ruhe bekommen." Als Lars Larsen und Christensen kurz darauf auf die Straße traten, fiel der Schnee in dichten Flocken. Die Das taten wir gerne. Wir schliefen den festen traumloscn Schlaf der müden Handwerksburschen. Nur einmal in der Nacht war es mir, als hörte ich jemanden aus dem Schlafraum gehen. Wir schliefen am Noujahrstag länger als sonst. Plötzlich weckte uns lautes Rufen und Schreien. Wir eilten hinunter. Die Her- bergsmutter stand unten an der Treppe; die Haare hingen ihr wirr um den Kopf; sie zeterte in die Fremdenstube hinein:„O der Sauhund! So'ne Schweinerei macht der uns zu Neujahr!" In der Fremdenstube vor dem Weihnachtsbaum hing starr und steif und tot der alte Handwerksburjche. Silvester. Nicht immer und bei allen Völkern war es Sitte, den Beginn des neuen Jahres auf die Mitternachtsstunde zwischen dem 31. De- zember und dem 1. Januar zu legen; manche Völker, wie die Griechen, kannten die Eilte, Neujahr zu feiern, überhaupt nicht, die Juden begannen daS Jahr im Herbst, die Römer der frühesten Zeit am 1. März, und noch der französische Revolutionskalendcr führt die Mitternacht, die der Herbstnachtgleiche vorausgeht, als Jahre!- beginn an. In Rom wurden aber noch in vorchristlicher Zeil die „Calenden", d. h. der erste Tag des Januar, zum Neujahr, und die ersten Christen schlössen sich dieser Auffassung an, sehr zur Un- zufriedenheit der Kirchenobersten, denen dieser Brauch durchaus heidnisch und verwerflich erschien, um so mehr als die lockeren Bräuche, die mit dem Fest verbunden waren, sür unwürdig einer wahren christlichen Gesinnung gelten mußten. Lange Zeit galt der 25. März für die offizielle Kirche als Neujahrstag. Auf diesen Tag fällt Mariä Berkündigung, die erste Tatsache, die aus da-Z Erscheinen des Christus hinweist und wie nach christlicher Auffassung damit eine neue Epoche der Menschheitsgeschichte einsetzte, so sollte der Gedenl- tag auch der Beginn jedes neuen Zeitabschnittes sein. Später trat an die Stelle dieses Tages der 25. Dezember, und dies blieb so bis zu Papst Jnnocenz XII. Auch hier liegt die Symbolik klar zu- tage, ebenso wie bei dem im Norden früher üblichen Jahresanfang zu Advent. Erst das 17. Jahrhundert brachte dann unsere heutige Sitte, man legte das Neujahr in die Mitte der 12 heiligen Nächte, die vom 21. Dezember bis 6. Januar dauern, und damit kam auch die Bezeichnung Silvester nllmählig in Aufnahme, denn aus den 31. Dezember fällt der Namenstag Silvesters 1.. der von 311 bis 335 den Stuhl Petri inne hatte und dem die Legende die Bekehrung des Kaisers Konstantin zuschreibt. Die Verlegung des Jahres- anfangs in die Mitte der 12 heiligen Nächte kam den allen Volk!- bräuchen des germanischen Nordens, die sich an da? Julfest knüpfen, entgegen, und viele unserer Silvestersitten stammen ans jener Zeil. Altheidnischer und christlicher Brauch mischen sich eng in der Silvesternacht. Der einst übliche Mummenschanz ist heute nicht mehr üblich, wohl aberkennen auch wir noch die Silvester-„Weissagu»gen". Das Salz, das Symbol der llnverweslichkeit, hat dabei einst eine große Rolle gespielt, 12 Zwiebeln, die ausgehöhlt waren und mit Salz gefüllt wurden, sollten je nach der Menge des WafferS. das sich in ihnen sammelte, trockenes oder feuchtes Wetter für die 12 Monate voraus verkünden, für die einzelneu Mitglieder der Familie wurden Salzhäuflein aufgesetzt, deren rasches oder langsames Zerfließen als Orakel sür die Lebensdauer jedes einzelnen gedeutet wurde. Auch Mehl diente der Weissagung in verschiedener Weise, und Brot, in das man zwei Messer in Krcuzessorm steckte, sollte einem Mädchen die Fähigkeit geben, den zukünftigen Bräutigam zu sehen. Neben abergläubischen Bor- stellungen spielte stüher auch das gegenseitige Beschenken zu Silvester eine große Rolle, und endlich ist das Glückwünschen natürlich ein alter Brauch. Es ist interessant, daß zu den ältesten Holzschnitte». die wir aus der Zeit der Entstehung dieser Technik besitzen. Neu- jahrskarten aus dem 15. Jahrhundert gehören. Sie stellen daS Christkind dar, daS in Händen ein Band hält mit der Aufschrift„ein gut fällig Jor!"_ Notize». — Eine flämische Hochschule. Einem Wolff-Telegramm zufolge hat der deutsche Generalgouverneur angeordnet, daß in den belgischen Etat für ISIS die Summen eingestellt werden, die zunächst erforderlich sind, um die Umwandlung der Univeisilät G e n t in eine flämische Hochschule in die Wege zu leiten. Die Schaffung einer flämischen Universität ist ein alter Wunsch der flämischen Bewegung. der wiederholt auch in Anträgen in der belgischen Kammer zum Ausdruck kam. — Eine Strindberg- Premiere. Strirndüergs Werhnachtstragädie. Advent", bereits 1898 geschrieben, gelangte in den Münchener Kammerspielen zur ersten Aufführung. — Preisausschreiben für Kriegerdenkmäler. Der Deutsche Werkbund erläßt ein Preisausschreiben zur Erlangung künstlerischer Entwürfe sür Kriegerdenkmäler und Kriegergrabmälcr aus Granit; 5000 M. stehen für die Preisverteilung zur Verfügung. Ein anderes Preisausschreiben verlangt Jdeenslizzen zur Aus- gestaltung eines AuSstellnngSraumeS für moderne Modenerzeugniffe. Menschen huschten in dem Schneegestöber aneinander vorbei wie Schatten. In dem engen Gäßchen, wo das schwarze Schaf lag. merkte man nichts von Weihnachtsstimmung; aber sobald die beiden um die Ecke in einen der Ausläufer der Haupt- straßen einbogen, tvaren sie mitten in dem Wcihnachtstrnbcl. Hier wimmelte es von bepackten Weihnachtsmännern, die, geblendet von den weißen Flocken an ihren Augenwimpern, durch den Schnee vorwärtshastetcn und sich bemühten, ihre zerbrechliche Last zu beschützen. Sie rannten gegen andere Weihnachtsmänner an und wären sicher sonst mürrisch darüber geworden, doch heute ließen sie keinen Aergcr aufkonlnien, sondern entschuldigten sich lächelnd nach allen Seiten. Christensen zog Lars Larsen mit nach dem Kongens Nytorv. „Wir nehmen einen Wagen," sagte er. „Das kommt gewiß teuer," warf Larsen vorsichtig ein. „Geben Sie acht, daß Sie keinen Rückfall bekommen," mahnte Christensen. Dann gingen sie über den Platz, und der Schnee deckte sie barmherzig zu. Hätte er es nicht getan, so würde sich Lars Larsen sicher durch seinen Begleiter etwas bedrückt ge- fühlt haben, denn Christensen erregte überall Aufsehen, wo er sich zeigte. „Hier steht eine Droschke," sagte Lars Larsen, indem er auf einen dunkeln Schatten deutete, der sich vorn Schnee abhob. „Ein Automobil ist noch besser," entgegnete Christenscn und rief einen Chauffeur an. Lars Larsen hegte einen tief eingewurzelten Groll gegen Automobile von der �eit her, wo er selbst auf dem Lande gewohnt hatte. Er hätte es nie für möglich gehalten, daß er je in einem solchen sitzen würde; aber es half ihm nichts, er mußte hinein. Hierauf sausten sie den Nytorv entlang und ehe Lars Larsen mit seinen Einwänden, die er gegen Autos hatte, fertig war, hielten sie vor dem Gerichtsgebäude. (Lortj. folgt.) Soziaidemokratiseher Wahlverelü !. d. 4. Berl. Reictistagswahlkreis. GBrlitzer Vier'el. Bezirk 162. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Genosse, der Tischler Karl Neblich Wiener Str. 62 gestorben ist. Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am Sonn. abend, den t. Januar 1916, nach- mittags 3 Uhr, von der Halle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel- Allee, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 216/20 Ter Borstand. Veiilaeiiek TranspoFtaptieiter Beutscßer Hclzarheiierverliand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. daß unser Kollege, der Tischler Karl Neblicti (Wienerstr. 62) im Alter von 74 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andeukenl Tie Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Ileichcn- halle des Friedhoscs der Frei- religiösen Gemeinde m der Pappel- allce aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 92/3 Die Lrtsverwaltnng. rVeHtönd der Biireanangeslellten Ortsgruppe Cirofi-Berltn Den Mitgliedern zur Nachricht. dag unser Mitglied, der Kranken- kassenangestellte ICsrl Neblich im Alter von 74 Jahren am 27. Dezember 191b gestorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Sonnabend, ven 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle der Freireligiösen Gemeinde, Pappelallee 16/17, aus statt. UV, rege Beteiligung ersucht 46/1? Bie Ortsverwaltung. MännergEMnpErEiii Jaraenlos" I (M. d. A.-S.-B.). Am 2?. Dezember d. J. ist unser j lieber Sangcsbruder August Schröder als Opfer des Weltkrieges gefallen. Wiederum ist ein wackerer Kamerad aus unserer Mitte ge- rissen, dem wir für immer ein ehrendes Andenken bewahren werden. Svb Der Borftand. BEuteEliEi�Etallai'dEttEMfEi-Iiaiid Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, dast unser Mitglied, der Former August Blank Fichtestr. 25 am 23. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenkenk 124/5 Die Ortsverwaltung. Nachruf. Am 27. Dezember 1915 ist j unser langjähriger Angestellter Karl Neblich aus dem Leben geschieden. Derselbe war uns bis zu seinem Lebensabend ein sieisjiger, Pflicht- getreuer Beamter. Wir werden seiner in Ehren gedenken und wünschen ihm ein 274/2 Ruhe sanft! Der Borstand der Jnnungs-Krankenkaffe der Tischler Berlins. Bezirksverwaltung GroH-Beriin Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Haus. dien er (justav Neumann Von der Firma Gebr. Simon, Klosterstraxe, am 28. Dezember im Alter von 49 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung findet am Freitag. d»n 31. Dezember, nach- mittags 3llt Uhr. von der Leichen- balle des BartbolomäuS-Kirch- Hofes in Weinensee aus statt. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Kollege, der Droichkensührer Eduard Vollmer von der Firma P'llsser, Nüders- dorser Straj>e. am Montag, den 27. Dezember, im'Aller von 57 Jahren»er- storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Montag, den 3. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle der Zwingli-Gemeinde des Ahreusfelder Friedhofes aus statt. Nachruf. Den Mitgliedern serner zur ! Nachricht, das unser Kollege, der s Jndustriearbeller Bruno �ieiUner | von der Firma Jachmann, Borsig- Walde, I am 25. Dezember im Alter von | 53 Jahren gestorben ist. Ehre seinem Andenken! | 69/16 Die Bezirksverwaltung. Freie Inroerschalt Botasdorl. Als Opfer des Weltkrieges fiel unser Turngenosse Hennann Bachmann. Ehre seinem Andenken! 51b Ter Borstand. „Elle zu Wie" Pelzuaren- SpezlflldDus toii"Sl19Sä»Ä119 Grosse Auswahl Skankf, ölarder.Nerz, Opossum, echten und imitierten r\l2Skcl Füchsen, modern gearbeitet. Nur prima Felle Sto.as, muffen, Kragen. 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Die Kollegen der Jnnungs- krankeukasse der Tischler in Berlin. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Freireligiösen Friedhofes, Pappel-Allee 15/17, aus statt. k kiinlis h?* za-yi-= -B reizende Neuheiten in � Skunks- Capes. Sknnks- Muffen in Kürbis- und Zeppelin- sorm. Skunks- und Opossum- streifen für Kleiderbesatz sowie erst- klassige Kavalierpelze direkt in der Werkstatt ohne jeden Zwiichenhandel. L' Dnnr Köllnischer Fischmarkt 2, DCCl; II. Etage, zwischen Breite Str. u. Städt. Spark. Monatsanzüge, Winterpaletols, speziell Bauchanzüge(Gehrockanzüge verleihe an jedermann). Einzel- verlaus zu Engrospreisen. Alexander- strafte 28a, I. l 53K' Halbumionst! Pelzgarnituren. eplra- billige erstklassige>skunksslolas. Fuchs- stotas.Opossumskunkse.Fuchsgarniturcn skunlsmuffcn. Riesenauswabl spott- billige Pelzneubeiten. Herrenanzüge, Herrenulster. Hcrrenboten. Winter- Paletots, Burschenanzüge, Bauch- anzüge. 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