Nr. ü.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Frcitlllz, iL I mittat. Das amerikanifthe Volk unö öer Krieg. Avrk, Ende Dezember ISIS. Viele Vorurteile, die ein Voll gegen das andere hegt, sind auf gaui unhallbarc Verallgemeinerungen von persönlichen Erlebnissen zurückzuführen, die ein Reisender erzählt.hat und die weite Ver- Breitling gefunden haben. Was ist wohl weiter verbreitet als die Ansicht, dag die Amerikaner ein Volk sind, das nur dem Dollar nachjagt, das in der Jagd»ach dem Gelde alle Rücksichten fahren lägt'i Die Erzählungen mancher Einwanderer und Besucher werden zur Bildung dieser Legende beigetragen haben. Dag viele Ein� Wanderer hier nicht mit offenen Armen empfangen worden sind und schlimme Zeiten durchmachen inujzten, ist leicht verständlich. Zu Millionen sind sie �in ein Land gekommen, dessen Sprache und Lebensgewohnheiten sie nicht verstanden, und haben in vielen Fällen auf die Löhne und Lebenshaltung der untersten Volksschichten gedrückt. Unter ihnen befanden sich auch solche, die— um es zart auszudrücken— ihr Vaterland zu dessen Vorteil verliegen. Wen kann es wunder- nehmen, dag die Amerikaner diese lehr gemischten Fremdlinge nicht gerade nach dem Grundsatz:„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut* behandelten. Die Fremdlinge erblickten in den Menschen, die nur gegen bar mit ihnen etwas zu tun haben wollten, ein Volk, das dem Mammon mit Leib und Seele ergeben war. Es mag nun� richtig sein, dag die übermächtige Äapitalisienklasse der Voreinigten Staaten den gegen die Amerikaner beständig er- hobenen Vorwurf durchaus verdient. Aber ist anderswo die Jagd nach dem Pfund Sterling, der Mark, dem Frank, der Krone, dein Rubel etwa ästhetischer und weniger gründlich? DaS amerikanische Volk nach den Besuchern der Wall Street zu beurteilen, ist ebenso ungerecht, als wollte man die Völker Europas nach dem Treiben ihrer Finanzmagnaten einschätzen. Wer den geioöhnlichen Amerikaner lennen gelernt hat, wird in ihm olles andere als einen habsüchtigen, herzlosen Menschen entdeckt haben. Die Natur ist dem Amerikaner eine äugerst freigebige Mutter gewesen. Sorglos und verschwende- risch hat sie ihn gemacht und ihn mit einer Gutmütigkeit ausge- staltet, die die Politikaster hierzulande iinmer und immer wieder ausbeuten. Die Leichtigkeit, mir der hier riesige Unternehmungen entstehen, laffen in ihm den Glauben aufkommen, dag dem Ameri- kaner nichts unmöglich ist; er ist leichtgläubig geworden. Dazu ist er stolz auf seine freiheitlichen Ueberlieferungen und sieht auf die Bewohner der alten Welt, um die er sich sonst wenig künrmert, mit klar zutage tretender Heiterkeit als arnie Verwandte herab, die sich von ihrem mittelalterlichen Plunder nicht trennen können. Den europä- ischcn Rossendünkcl und Raffenhag versteht er nicht. Wie könnte es auch anders sein? War nicht der Großvater ein„Dutchman" (Deutscher), die Grogmutter eine Engländerin, die Mutier eine Schwedin, und die Frau das Kind einer Italienerin und eines amerikanischen Bürgers, in dem alle Ströme des europäischen Blutes zusammenflössen? Erst seit dem Kriege ist es etwas anders geivorden, aber auch nur in den Oslsiaaten, wo die kapitalistische Hetzpresse das Feld für die Rüstungsvorlagen vorbereitet. Um die Bevölkerung für ihre Pläne günstig zu stimmen, versucht sie, Furcht zu verbreiten. Der Popanz, der dazu herhalten muß, ist Deutschland. Deutschland ist der künftige Feind, und über Deutschland ergießen sich nun alle Ströme der chauvinistischen Gemeinheiten. Sd dieses Werk gelingen wird, ist bei den cigenlümlichen arnerikanischen Verhältnissen eine andere Frage. Jedenfalls könnte diesem Treiben, das aus der anderen Seile des Ozeans in der üblichen Weise beantwortet wird, von allen, denen die Verständigung der Völker am Herzen liegt, entgegengewirkt werden. Dies kann natürlich nicht geschehen, indem man aus Grund unangenehmer persönlicher Erlebnisse wegwerfende Urteile über eines der Völker fällt, wie es so häufig geschieht. Im„Berliner Tageblatt" erzählte zum Beispiel bor kurzem ein Geh. Rat Professor Dr. Johannes Rehmke folgendes über ein Arbeiterviertel New Jorks:„Daß ganz befonoerS in den niederen Schichten des großen New Jork seit Beginn des Weltkrieges die Stimmung gegen Deutschland und für England gewesen ist, läßt sich nicht bestreiten. Waren diese Schichten doch ganz und gar gegängelt von den für sie besonders eingestellten Zeitungen, die iärntlich in blindwütendem Eifer für England fochten und über Deutschland herfielen, indem sie, englischer als die Engländer selbst, sich nicht genug tun konnten in der Verhöhnung und Verleumdung des deutschen Kaisers und des deutschen Volkes. Wer als Deutscher während des nunmehr verflosiencn Jahres unter dieser ungebildeten und verzwei'elt rohen Bevölkerung eines Arbeiterviertels von New Jork bat leben müssen, kann von vielen und täglichen schweren Stunden erzählen, in denen er die Flut von Schmähungen deS Teuersten, das er halte, über sich ergehen lassen mußte. Denn im eigentlichen Sinne des Wortes lebensgefährlich tvar es, sich hier entgegenzustellen und als Verteidiger des geschmähten Deutschlands auszutreten." Hier in New Jork haben das die deutschen Arbeiter, die in Arbeitervierteln leben müssen, mit großer Verwunderung gelesen. Es ist zwar mehr als einmal vorgekommen, daß deutsche Arbeiter geschädigt worden sind, aber nicht von ihren Nachbarn, sondern von den Kapilalisten, die den Verdächtigungen einiger Hetzblätter, nach denen jeder Deutsche ein Spion ist, Glauben schenkten und ihre deutsche Arbeiter entließen. Daß cS in manchen Fällen zu Gewalt- täligkcilen gekommen ist, wo sich Leute über den Krieg stritten, steht auch außer Frage. Aber so etwas kommt nicht nur in Amerika vor. Aber daß deutsche Arbeiter ihres Lebens nicht sicher sind, wenn sie ihr altes Vaterland in Schutz nehmen, ist in New Jork etwas Neues. Der deutsche Gelehrte muß es sehr unglücklich getroffen haben. Als Verallgemeinerung führt seine Darstellung jedenfalls zu ganz falschen Vorstellungen. Wie sieht denn eigentlich ein New Jorker Arbeiterviertel aus? Da wohnt zum Beispiel in einem Häuschen ein Deutscher, der eine englische Frau geheiratet hat, ganz friedlich zusammen mir einem Amerikaner, dessen Großvater von Engländern abstammte und dessen Frau das Kind von deutsch-amerikanischen Eltern ist. Nebenan wohnt ein englisches Ehepaar im Hause einer deutschen Witwe. An der anderen Seile wohnt ein Amerikaner, dessen Name auf hollän- diiche Abkunft schließen läßt und der eine Schottin zur Frau hat. Alle diese Leutchen vertragen sich ganz gut, und wenn sie einmal über den Krieg sprechen, so endet das Gespräch regelmäßig mit dem Wunsche, daß�das Elend doch bald vorbei sein möchte. Im Innern aber �danken sie Kolumbus, daß er rechtzeitig Amerika entdeckt hat, und sie rechnen es dem Präsidenten Wilson als ein Verdienst an, daß er bis jetzt den Krieg vom Lande abgewendet hat. Man darf nicht glauben, daß sich die Heiligkeit, mit der die Hctzpresse Deutichland angreift, in dein Verhalten des Volkes wider- spiegelt. Der Amerikaner ist meist gar nicht imstande, europäische Verhältnisse zu beurteilen und bringt ihnen auch nicht das Interesse entgegen, das man annehmen tollte. Bayern. Serbien sind dem Mann im Volke meist so unbestimmte Begriffe wie Arizona und Oklahama dem DurchschnntSeuropäcr. Ja, selbst Kinder von Deutsch-Amerrkanern sind sich oft nicht sicher, ob zum Beispiel Böhmen zu Deutschland oder zu Oesterreich gehört. Anders steht es jedoch mit dem Bürgertum, desten Feindschaft gegen Deutschland durch materielle Interessen diktiert wird. Die Voreingenommenheit paart sich hier mit dem Vorteil, und jeder Widerspruch wird wütend zurückgewiesen, nament- lich wenn er von deutschen Professoren kommt. Im ersten Kriegsjahr haben cS deutsche Professoreu versucht, die Amerikaner von der Kanzel berab über deutsche Kultur zu belehren. Das hat der deutschen Sache viel mehr geschadet als ge- nützt. Wie wenig lebensgefährlich es ist, für Deutsckfland selbst in der wildesten Weise Propaganda zu machen, dafür ließen sich viele Bei- spiele anführe». Eins mag genügen. In der Nähe des Deutschen Theaters in New Jork befindet sich ein besseres Restaurant, das namentlich von Theaterbesuchern benützl wird. Hier singen deutsche Komiker alle Abend patriotische Gaffcnhauer, in denen nicht nur englische, russische und französische Staatsmänner und Generale, sondern auch berühmte Amerikaner heruntergerissen werden. So tritt ein Komiker als Lumpensammler auf und besingt die einzelnen Lumpen, die er aus dem Sack zieht. Ein jeder Lumpen trägt einen Namen. Auf einem steht der Name Roosevelt. Man läßt den Mann in einem Lokal, zu dem sedernrann Zutritt hat, unbehelligt. ES wurde schon bemerkt, daß die heftigen Ausfälle der deutsch- feindlichen Presse die Volksstimmung keineswegs widerspiegeln und daß die große Masse deS amerikanischen Volkes den europäischen Er- cignissen kein allzu großes Jntereffe entgegenbringt. Im Westen ist das Interesse noch viel geringer. Ein Professor an einer llniversiiär im mittleren Westen hat vor kurzem eine Untersuchung anaestellt. um zu erfahren, wie die weltcrichütternden Ereignisie, die jetzt vor sich gehen, die Gemüter seiner Studenten beeinflussen. Er kam zu Resultaten, die dem Egoismus Europas wenig schmeicheln. Ganz zufällig kam ihm der Gedanke. Die Studenten und»Studentinnen studierten im ersten Semester Marlowes„Hero and Leander". Der Hellespont erinnerte ihn an Gallipolis. das in den Kriegsberichten hunderte Male genannt worden ist. So fragte er denn die Klasse, wo Gallipolis läge. Zu seinem Erstaunen wußte es keiner der jungen Menschen. Er schrieb das Wort an die Wandtafel. Allgemeines Schütteln des Kopfes. Niemand hatte das Wort je gesehen. Lei anderen Abteilungen junger Studenten erzielte er genau dasselbe Resultat. Unter den weiter fortgeschrittelien Studenteit fand er zwei. die die Frage nicht beantworten konnten: einer von den beiden war Mitredalteur an dem Tageblatt, das die Studenten herausgeben. Der Professor, der diese Angaben in der amerikanischen Wochen- schrift„Nation" macht, entwarf dann einen Fragebogen, mit dem er seine Schüler in bezug aus ihre Kenntnisse der Kriegsereignisse prüfen wollte. Er erhielt die lächerlichsten Antworten. Diese jungen Studenten und Studentinnen sind Menschen von 17, 18 Jahren und darüber, die meist aus bürgerlichen Kreise» stammen. Wenn man dort so wenig über den Krieg spricht, wie gering muß dam: das Interesse bei der arbeitenden Bevölkerung des Westens sein l. Man glaube also gar nicht, daß die Masse des amerikanischen Volles aus teidenichaftlichen Parteigängern bestehe, und cS ist erst recht nicht angängig, das amerikanische Volk für das verantwortlich zu machen. was ein paar Pulver- und Kanonensabri kanten und ihre Preß- meute tun._ kleines Feuilleton. Deutfthes Theater: �Der ölberpdz.' Räch Hauptmanns„Schluck und Jau" und„Cranipton" erschien setzt seine unvergleichlich körnigere„DiebSkomödie" auf der Plein- hardtbühne in einer Darstellung, die der berühmten Brahnffchen nichts nachgab, in ein paar Nebenrollen ste sogar noch überbot. Das einst bei der Premiere im Jahre 189tz seltsamerweise abgelehnte Lustspiel, das inzwischen eins der beliebtesten und meist gespielten Hauptmannstücke geworden ist. erwies von treuem seine oft bewährte Kraft. Verfasser, Schauspieler und Direktor wurden am Schlüsse stürmisch vorgerufen. Die Toleranz, mit der man seit jeher im Lusi'yiel über Listen, Lügen, Kniffe und Ränke lachte, gebührt den Streichen der lcbenS- tüchtigen resoluten Waschfrau, die hier der Heiligkeit de? Eigentums ein Schnippchen schlägt, menschlich gelviß in sehr viel höherem Maße als dem Treiben jener vornehmen Sippe, die sonst im Rahmen der Komödie das Mein und Dein in Ehesachen durcheinander wirst. ES zeugt von freiem, weitem Blick, daß Hauplmanu den hergebrachten GesellschastskatechiSmus durchbricht: und es beweist die Bildnermacht des Künstlers, daß er sein Publikum in diesem Sinne zu unbefangeliem Mitgehen fortreißt. Else Lehmann, die als Gast die Rolle spielte, hat ihre kost- licfie naturalistische Frische unversehrt bewahrt. Durch alle Bcr- schlagenheiten und das Gepolter etiles herrschsüchtigen Temperaments lugt eine gutmütig zuverlässige Herzlichkeit, etwas wie mütterliche Güte, vor. Gleich in den ersten Szenen, in der Art, low sie die Töchter anfaßt, um das gestohlene Wild feilscht, den schläfrig gehorsamen, von Diegelmann mit höchst ergötzlichem Hmnor dargestellten Riesengatten vermittelst des hervorgeholten FläschchenS für den nächtlichen Beutezug scharf ulachr, rundet die Gestalt sich zu leibhaftester Gegenständlichkeit. Und jeder weitere Zug, der dann hinzukommt, siigl sich vollendet überzeugend dem so entworfen»,: Bilde ein. Camilla E i b e n s ch ü tz und Elie Eck e r e> b e r g—- die letztere an einige» Stellen das Berliner Raugentum wohl allzu ab- sichtsvoll auftragend— trafen im wesentlichen sehr markant den Grundton der yöffnungsvollcn Göhren. Eine Ueberraschung boten Paul B i e u§ s e l d t imd namentlich Mar P a l l e n b e r g. die die im Stück selbst nur flüchtig gezeichneten Figuren des"alkobolisck melancholischen Amtsdieners und deS cholerischen Rentier? Krüger zu unerwartet starken HeirerkeitSeffekten brachten. BienSfeldt durch ort- ginelles Karikieren. Palleuberg aber ohne alle solche Mirtgl, durch bloße glänzende Herausarbeitung des unmittelbar schou in der Rolle Angelegten. Die pfeifende. Mesterffchärfs deS Organs, in der sein kleiner Krüger mir der Menzel-Phyjioznomie der ewigen Empörlheit seines Innern Luft macht, wirkten über- wältigcnd. Sehr fein war auch Herr Waßmann als richtender blaublütiger Amtsvorsteher. Er gab eine Mischung von allgemeiner Trottelhaftigkeit und Junkerhochnmt, die durchgängig menschlich glaubhaft schien, und jede Anleihe bei seiner sonstigen, leicht stereotypen Schwankmanier verschmähte. Lei aller Uebertrelbung doch belustigend drollig agierte Max Gülstorfs in der Figur dos de» Voten Amtsschreiberleins._ dl. Notize». — Vorträge. Freiing, den 11. Januar, abend? 8VF Uhr, referiert tm Mouistenbund(Humbser-Bräu, Tanentzienstraße 7' I) Dr. Baege über„Den Sinn des Lebens" von Müllcr-Lyer zj Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen AegiPtcn, Von Willi Seidel. Daud-ibn-Zabak. Gott danken wir, Daß wir leben dürfen, Ob wir Honig Oder Zwiebeln effen. Ob wir aus Steinen Over auf Seide schlafen! Ein Gesang vibrierte durch die Glutstille des Frühlings- mittags. TaS Weizenfeld stand schimmernd grün, starr, fast- voll und prangend; und darüberhin wehten die Rufe des Wiedehopfs, des helmgekrönten Vogels, der mit eitlem Zickzack- trippeln über die Wege rennt. Der Vogel stieß seinen kurzen, leidvollcn Schrei aus:„Zeep, zeep". rief er schrill; dann spreizte er das scheckige Gefieder und stürzte davon, knapp über die Halme: denn der Büffel war am Werk, und der Büffel brauchte ihn. Ein Lied, so alt wie die Kindheit der Menschen, sang die Sakije, das Räderschöpfmerk aus rotem Akazienholz. Es drehte sich träge, es knarrte und weinte. Was ist die Trauer der Sakije? Sic trauert darüber, daß die Zeit sich nie er- füllen wird, da sie feiern kann; sie singt hoch und summend das Klagelied, das seinen Kehrreim an den Ufern des Stromes unendlich oft wiederholt; und sie seufzt, tief und voll, wie die Schwinge der schwarzen Hummel, oder die des Pillendrehers, der durch den abendlichen Staub der Straßen schwirrt. Und was sie singt, ist die Zeit— die unersättliche Zeit, die uns alle frißt: Gott ist groß! Gott ist sehr groß! Nichts Neues entsteht; und was man erntet, vergeht; Weizen wird Brot und Kleie, und Ful wird gemahlen oder wandert in den Schmortiegel, alles nach Gottes Willen! Und dieselbe Melodie mit demselben leiernden Auf- und Abschwellen, derselben fremden Rhythmik singt der alte berberiner Bettler, der arm ist wie eine schmutzige Ratte, und seine gleichwohl mit Süberringen geschmückte Hand aus dem Schatten einer Mauer streckt; dieselbe Melodie der Junge. der seinen trägen weißen Esel mit einem spitzen Aweig am Bauche stachelt, so daß er von Zeit zu Zeit gewaltig ausholt, er, der von fetten Fremden müdgcrittene kleine Esel; dieselbe Melodie klingt nilaufwärtS und-abwärts, über Wadi-Halfa bis dorthin, wo der Strom sich trennt; in der glänzenden Stadt Kairo, der Wohlverwahrten, und auf allen Mais- und Baumwollfeldern im Delta... Sie ist immer dieselbe.�und die Zungen haben sie von der Sakiie gelernt. Der Sinn des Liedchens, was ist ci'i Gott tut. was Er will... und was mich betrifft, so will ich, mit Seiner Erlaubnis, jetzt Saubohnen essen, Busa trinken, einen herrlichen Betrug bewerkstelligen oder schlafen; kurze Sätzcheu sind es, kleine Pläne, die das stumpfe Gehirn in Unzahl hervor- schwärmen läßt und die einander ähnlich sind wie die Sand- fliegen seit AdamS Zeit. Mit cinemmal barst die Melodie mitten durch; und für das Ohr ward eine weitere Geräuschwelt aufgetan: die entfernterer Sakijen, die wie Kinderstimmen wimmerten und kaum sichtbar waren: ein melodisch klagendes Durcheinander feiner und tiefer Stimmen Vinter einem breiten Schleier von Hitze. Nun regte sich ein staubiges Etwas, das aus dem schmalen Treibbalken geschlummert hattte. Es entwickelte sich aus seiner knäuelartigen Stellung heraus zu einer Art Mensch, wenn man ein hellbraunes Ferkel ohne einen Fetzen Lenden- tuch, mit schlammstarrenden Sohlen und verhornten Ämeen als Mensch bezeichnen will; dann endlich saß es rücklings auf dem Balken und beschäftigte sich damit, ganz wach zu werden. Der animalische Schlummer des Geschöpfes, das ganz ein Be- standteil der unentwegt kreisenden Sakije gewesen war, hatte Störung erlitten; die Pflanzenhaft atmende Seele war grob herausgerissen worden vor die Forderungen des grellen Mittags und der Wirklichkeit... Der weibliche Büffel hatte die Tradition, im Kreise zu schreiten, durchbrochen, und vorübergehend eine Pause gemacht, um mit klatschendem Geräusch seinen grünen Mist abzulagern. Nachdem er dies getan. vergaß er sich noch eine Weile und genoß diese regcl- widrige Unterbrechung mit glasigen Augen und sacht wedelndem Schweif. Er war häßlich wie die Nacht, frisch auL den bildenden Händen des Teufels hervorgegangen, der vor Allah ge- schworen hatte, mit geschlossenen Äugen etwas Schöneres als die Kuh zu erschaffen—: etwas Schöneres als die braune Kub, das heitere und kluge Tier! Aber die Gamusah blieb ein Zerrbild, ein Kinderschreck aus Grauwackenstein; und diese hier war lange im Dienst. Ihr Bauch war prall und hart; das vorn Prügeln enthaarte Leder glänzte speckig: träge Zecken saßen brütend in den breiten Rillen der Rippen; und von dem ganzen erbärmlichen, stumpfen Geschöpf strahlte ein Dunst von Jaucke und eine hohe Tonwelle von tausend Fliegen aus, Ja, die Fliegen tummelten sich und hatten ihre Lust; sie überwirbclten sich in der Luft, liefen windschncll in alle Winkel und nippten dankbar und emsig mit ihren gierigen Rüsseln von jeder krätzigen Stelle; sie lagerten ihre Eier in dem Buschwald der plump fächelnden Ohren ab; sie saßen dick und glänzend an den Rändern der hellgrauen porösen Nüstern und bekränzten die dumpf vorquellenden Augäpfel, kaum ver- scheuchbar durch die weichen Wimpern... Erst jetzt, nach- dem eine Kraft aus unbekannter Richtung her eine Gerte herunterschickte, erhoben sie sich wie eine Wolke: und auch der Wiedehopf strich zwischen den Beinen des Büffels davon. Das, was jetzt auf dem Trcibbalken aufrecht stand und die Gerte geschwungen hatte, stellte einen staubigen Jungen vor, einen Fellachenjungeii von beiläufig neun Sommern. Er war nicht niager und nicht fett: er war hellbraun wie Nil- schlämm und ein Kind des Ackers. Seine gespreizten Zehen krümmten sich um die Balkenkante, und mit dem einen Arm holte er mächtig aus, so mächtig, daß es schien, als müsse die Wucht des Schlages ihn selbst davonraffeu, mitten in das fette Grün hinein. Doch blieb er stehen; und nach jedem Schlag, der auf den faulen Büffel prasselte, tat er einen kleinen elastischen Satz und zappelte mit den Schenkeln. Er tat es nicht schweigend, sondern kreischte dabei mit sehr Heller Stimme eine langgedehnte Arie, in deren Verlauf der Büffel zum Schwein degradiert und der ehrliche Name seiner sämt- lichcn Vorsahren getilgt wurde. Während der Büffel sich wiederum in Bewegung setzte, flaute die Ansprache etwas ab und wurde zu einem schleppenden Gesang, zu einem Selbst- gespräch, das der Knabe mit seinem zufriedenen, wunschloscu Herzen hielt. Er blickte auch nicht mehr das graue Laster an, das seinen Sklavengang weiterschritt, sondern begleitete mit endlos wiederholten Worten das wiedererwachte Lied der Sakije, tat es ihr gleich und übertrumpfte sie... So hockte er in all dem Geauietsch und Gesumm auf seinem Hochsitz". das war seine Welt. Wiewohl rechtschaffen braun, hatte er doch eine hellere Haut als seine Altersgenossen in den umliegenden Dörfern und in Luksor drüben auf der anderen Seite des Stromes. Er war haarlos und blank; geschmeidig wie eine Katze und so schuldlos, daß er dem hellen Tag und seinen vielen Augen ohne Skrupel seine Nacktheit zeigte; er turnte auf dem schmalen Balken, der kaum Platz für sein Rückgrat bot, elastisch umher, als sei er ein breites Pfühl. Mitunter lag er auf dem Bauch und sandte den Blick in die Tiefe des Brunnens hinab, wo die Toueimer mit glucksendem Gc- plätscher das brackige Wasser erfaßten, um damit au dem zerfaserten Bastseil emporzukletteru. Drunten war es kühl und schwarz. Zuweilen war er selbst herabgerutscht und hatte mit den Beinen in der Nässe gewühlt... dann aber, von einem Schauder ergriffen, hatte er sich eilends wieder heraufgewunden, als habe der Afrid ihn mit seinem licht- feindlichen Blick gestreift, der erdfarbene Afrid, der in jedem Brunnen seine Zuflucht sucht und zur Nachtzeit bei Sternen- glänz wie ein unförmiger Klumpen auf der Achse des Rades hockt. iFvrlj. folgt.) JJeutscIies Theater- Krektion: Mux Reinhardt ■P/jühr: Der Biberpelz. Sonnabend: Fauwt I. Sonntag nachm. 2ll,(kleine Fr.): Sllnna von Barnhelm. KanimerHplele. 8 Uhr; Der Welbstcnfel. Sonnabend; Der We.bsteufel. Sonntag nachm. S'/s(kleine Fr.): Wetterleuchten. Tolkabtthne. Theater a. BDIowpI. S Uhr; Das llirahel. Dir. Meinhard- Bernauer. Theater in der Königgrätzerstr. V'/jtr.: GUtzv. Berllchln|;en. Komodienhaus SUhr: Die rätselhafte Fran BerBiner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. Lessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. Peer G y n t von Ibsen. Musik von Orieg. Anfang 7'/, Uhr. Deutsches KOnstlBr-Theater, Allabandhoh 8 Uhr: Die seilte Exzellenz. URANIA Tanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Im Kampfe um Konstantinopel Theater für Freitag, den 14. Januar. Deatsches Opernhans Cbarlottbg. s uhr; Die Jüdin. Friedricb-WilbeifflstSdt. Theater. s inir: Der pfiffige KdettÄ". o.br. Herrnfeld. Tbeeter Heute 8 Uhr: Zum letzten Male: 8 uhr; Rosenblatt's Geheimtip Kleines Theater. 3 uhr: Henriette Jacoby. Komische Oper. 3 Uhr: Jans malt man sein. Imstsplelhans. av. uhr: Äiles aus Geligfolt. Metropol-Theater a uhr.-Die Kaiserin aSU Sonnt. 3: D. Trompeter t. 8SkklnB»n Luisen-Theater. 8» tSgNcki. Sonntags 8 Uhr: Bettelsludenten. Sonnabend 4 Uhr: Sonnlag Herzen finden. f Zwerg Nase. ! 3 llhr: Wenn sich zwei i�ose-Theater. 8 llhr: Lieb Vaterland. Morgen 4 Uhr: 1001 Nacht. Walhalla-Theater. L UH-- Der Weg zum Welt. Morgen: Prezlosa. HEUTE — Zum 1. Male!— öle schöne Komödiantin. Operette in 1 Akt v. Eugen Burg u. Louis Taufstain, Muaik von Lieo Ascher. Tänze von Forry Sigmund. Mitwirkende- Else Berna— Lotte Werkmalater vom Thalift-Tbeater b. O., Gustav Matzner— Heinrich Peer Julius Spielmann. AuQerdsm: Der erlolgrclclie SpiElfilan! Possen-Theater Xäuienatraße,» d. Friedrichstr. Melonenbaum. Posse mit Gesang v. Theo Haiton. Meschugge Ist Trumpf Posse i. 2 Akt. v. Leonh. Haskel mit Leenh. Haskel u. Siegfried Berisoh. Anfang 81/. Uhr. Montls Operetten-Theater 8 uhr: Der Weltenbummler. Residenz-Theater sv.uhr: Die Prinzessiu vom E Sonnt. S1/.: Die Schöna vcm Strand. Sehlller-Theater O. 8 Uhr: Der DDruenweg. Scblllnr-Th.Charlottenbg. suirrDerRauIiilerSaliineriiineii. Thalia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am WoIIendorfpl. SV. r.: Immer feste druff! Theater de« Westens s uhr: d. Fräulein ¥. Amt mit Guido Thielsoher. Trlanon-Thcater. «V.u. s Uirekilon Adolf Vagsi I Trief; LCttaw 7 MI Berlin5 reichhaltigstes IVariete-l Programm. Nur auserlesene Milche Schlager! Anfang 8 Uhr. Billettverk. Ii— t a. d. Kaste| 1 sowie Werthelm u.lnvalldend. Casino- Theater Lothringer Str. 37. SägL 8 Nhr: Wen!.\en! Von? Was wachste tut? Posse in 8 Hufjügen von Hand Berg. Allabendlich ftürmischer Beifall. Dazu das erstil. Spezialttätenprogr. Sonntag 4 Uhr: Uamtlie Schnaf«. HeiebLbsiien-Tbester. Stettiner Sänger. Zum Schluh: DleronilerEiiiileii Anfang 8 Uhr. gilr MiNiärper. sonen volllomm. freier Ruiritt zu v. Stell. Sängern. JU Serliner Konzerthaus. Mauerstr. 9t. Zimmerstr. 90/91. Hand« Gr. WohltAtigkeits-Konzert veranstaltet vom Verein der Bureau-Sckretlra und Assistanten das Magistrats Berlin zum Besten der Witsven u. Waisen verstorben. Mitgl. unter gütiger Mitwirkung des Berliner Ucderkraaz. Leiter: Kgi. Musikdirektor W. Handwerg, und des Berliner Konzerthaus-Orchester Fr��v.Xon! Anfang& Clir. Anfang 8 Uhr. Eintritt 69 Pf. Karten im Vorverkauf bei den Vertrauens- jnünnern des Vereine und in den mit Plakaten belegten Handlungen orbültlich. Alle Vergünstigungen aufgehoben, Verband der Freien Volksbühnen. Volkabfihne, Theater an Bfilowplatz. Sonntag, den 16. Jannar, mittags IC Uhr: VI. KONZERT Dir: Osker i Das Philharmonische| Egen Fried| Orchester| Petrl Sibelius: IV. Sinfonie(erste Aufführung); Busoni: Indianische Fhantasie; StrauSl Till Eulenspiegel. Karten au Tb PI einsolil. Kleiderabgaba hei Tletz(Loigzigcr Straße, Alerwmderplatz, Fraekdurter Allee), Vell«b4hnerbach- handlung, Kepewlokcr B+rafie 68, Verband bübnen," 1 sru J. I. K7in 3�444. noj 11014 i, Ale-sBüderplatz, Fraekdurter Allee), VelhsbAhneabuoh- mg, Kipewfokor ß+raSo 68, Verband der Freien Volks- o, Liinienstr. 237(8— L 8— 7 TThr'i, sowie am Senntag an der iTieaterkasse. 153/i ircusjßusd) Tägi. 8, Lonnab. u. Sonnt 3'/, u. 8 Uhr da» fo beliebte Prunk- Ausstaft.- StDek Ein WIM- mörchen Vorher d. grofeart. Jsnuar-Progr Wegen de» fortgefetzi. ungestümen Andrang» nochmals-ME Sonnab., 15. Januar, nachm S1/, U,: Gr. Jonder-Jugend-Borftell. mit.(Pin Wintermärcheu-. Ungetürzl. UngefützL t Kind frei(außer Galerie) I Um d. Warten an denKastrn z. per-, meid., empf. ei(ich, Kart.»orh. z.bei. Vorverl. auch|. nchm. tägl. ab IQH. Jldmiralspalast Sis-Arena GroBcs 8is-3ailett. «V, Ehr. Preise 2, 3 und 4 Mark. Vorzügliche Kfiche. V oigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Freitag, den 14. Januar: Familie Buchholz. Voltsstück in 4 Akten v. Leon Treptow. Sonnlag 3 Uhr: Gin edles Herz. Ad Moni.: Die Gedlslorlu». St. Tropsz Kasfeneröstnung 7 Uhr. Anj. 8 Uhr. PaSasti Tfigl. SUhr. 8onnL8V|U. 8 Uhr. Ein Luxus-Programm! Leo Morgenstern in seiner Szene Der angediente Landsturm L-Auspltz— Allee Rejan Arres-Trio— Karl Peuly Vo8— R. 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Telephon: Ami Moritzplatz 9737 Achf»»g l Achtung! Offizieruniform-SchneLder! Sonnabend, den 15. Iannar ISIS, abends S'/, Uhr, im SewerkfchaftShauie. Engelufer 15: Mitglieder-Bersamznlung afler nf Offizier'Zluifomra beschSstigte» KoDegen. Tagesordnung: Bericht üder die neuen Verhandlungen mit den Arbeitgebern und Be. Ichwdfafsung fib« den zustande geiommenen VerglelchSvorlchlag. Der wichttgen Tagesordnung wegen ist vollzähliges Erscheinen im« bedingt erforderlich. 182/4 Die Orisverwaltang. Verkäufe. Die Ortsverwaltnng. Leihhaus Moritzpia» 58t.. kaufen Sit spottbillig von Kavalieren wenig getragene sowie im Verlatz ge- wesene Jackett-, Rockanzüge. Ulster, PaleiotS, Serie 1: 10—18, Serie II: 20— 80 Marl, gröhtentells auf Seide. DelegenHeilSkäuse in neuer Maß- garderobe, enorm billig. Riesenvosten Kleider, Kostüme. Plüschmäniei, au! Seide, jetzt nm 20—35 M. Große Posten Veizslolas in Stunks, Marder, Nerz. Füchsen, jetzt nur 20—75 Mark. 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