St. 14.- 1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Dienstag, l8. Januar. ,Der Cfel/ In einem Artikel unter dem obigen Titel schreibt der»New istatesman" vom 1. Januar u. a.: „Im gegenwärtigen Augenblick gibt es sicherlich keine �größere Gefahr für die Welt als den Esel. Es war die Eselei der Stuarts, durch die sie des englischen Thrones verlustig gingen. Es war die hartnäckigste Eselei Georgs III., die für England die arnerikanrschen Kolonien verloren gehen ließ. Die Geschichte ist ein Epos der Vcr- nichtung von Eseln oder der Vernichtung, die die Esel über un- schuldige Völker gebracht haben. Der Esel hat diese hervorragende Rolle in der Geschichte gespielt, weil seine Hartnäckigkeit aus- dauernder ist als Charakter und beharrlicher als Klugheit. Der kluge Mann wird seiner Klugheit müde werden, bevor der Esel müde wird, ein Esel ku sein. Das ist die Stärke des Esels. Sein Geschrei erschallt durch die Jahrhunderte wie die Stimme eines Eroberers. Er ist nicht nur in den Tempel eingedrungen, sondern auch in die Politik, in die Literatur und in die Künste. Der Esel ist ebeirso unbelehrbar, wie er ernsthaft dreinblickt. Er blickt immer ernsthaft drein, selbst wenn man ihn im Verdacht hat, er sei ein wenig frivol. In den Verhandlungen eines eng- lischen Magistrats zum Beispiel trat kürzlich diese eselhafte Ernst- haftigkeit auf, als man die Ausmerzung des Namens eines deutschen Fabrikanten von dem Ziffer- blatt der Gemeindeuhr beschloh. Offenbar hatten die erwachsenen Männer, die einen solchen Beschluß faßten, ganz und gar nicht begriffen, d«tz wir uns inmitten der ernsthaftesten Krisis befinden, die seit mehr als einem Jahrhundert über die Welt ge- kommen ist. Niemand, der besitzt, was man„Pferde verstand" nennt, wäre auch nur im Traum auf den Gedanken verfallen, daß der Sache der Freiheit Europas dadurch zu helfen sei, daß man ein paar Buchstaben auf einer Uhr auskratzt. Ein paar Tage später lasen wir einen Brief von einem Herrn, der seine Landsleute� aufforderte, das Beispiel dieses Magistrats für die Namen der Straßen und Plätze in London nachzuahmen. Er betonte, daß es ein nationaler Schandfleck sei, daß London einen teutonisch benannten„Hanover Square" besitze. Glücklicherweife haben Ablenkungen dieser Art von der ernsthaften Sache des Krieges wenig Wirkung. Aber sie sind zahlreich genug, um die Annahme zu rechtfertigen, daß der Esel ein Tier ist, das in England noch lange nicht ausgerottet ist. Es kommen aber noch viel ernsthaftere Fälle vor. In den beiden Häusern des Parlaments sitzt eine Anzahl von Herren, deren Geist sich beständig in i t d e r s e l b e n Art e r n st- hafter Frivolitäten und hartnäckigen Nichtig- k e j t e n beschäftigt. Das beste Material für die Naturgeschichte des Esels ist In der Tat nickt ini Buffon zu finden, sondern im Hansard(Sammlung englischer Parlamentsbericht«). Ein Kenner von Eseln hat geschrieben, es würde interessant sein, festzustellen, welches die versckiedenen Bedingungen sind, unter denen eine Ab- act des wilden Esels zu einem scheuen Tier, eine andere Abart zu einem neugierigen Tier wird. Was das Wesen der neugierigen Abart des Esels betrifft— enthalten nicht joden Tag die Pacta- meritsbcrichte peinliche Belege dafür? Da ist zunächst die Art, die fragt, ob das Ministerium des Innern weiß, daß ein kleines Mädchen, dessen Großmutter, obwohl in Italien geboren, eine deutsche Stieftante hat. an einer Näh- Maschine in der Umgegend einer Munitionsfabrik in Bubbletown beschäftigst wird, und ob das Ministerium dafür sorgen will, daß sie ohne weitere Verzögerung interniert wird? Dann gibt es einen, der fragt, ob es zutrifft, daß Lord Haldane gesehen wurde, wie er während eines Besuches in der Schweiz kürzlich Würste aß— ob dies nicht ein Beweis deutschfreundlicher Sympathien sei, ob die Negierung ihn bevollmäcktigte, die Würste zu essen, und ob die Würste auf Kosten der Nation oder aus Lord Haldanes eigener Tasche bezahlt würden? Eine dritte Abart ist neugierig hinsichtlich der Neutralen. Diese Art Esel weiß nicht genau, was ein Neu- tralcr ist. trie hält„neutral" für ein Wort, das jemand be- deutet� der Deutschland feindlich sein müßte es aber nicht ist, und denkt, daß das Wort einen Untertanen des Verbandes bedeuten solllc. Diese Art„neugieriger Esel" würde aller Wahr- scheinlichkeit nach Amerika beschuldigen, seine Neutralität gebrochen zu haben, wenn es imstande und Willens wäre, Deutschland Muni- tion zu liefern, wie es an England getan hat. Er stößt ausgeregte „I— A"-Rufe über die kleinen Nationen aus, wenn Belgien er- wähnt wird; aber wenn er gegen Holland oder Griechenland auf- gebracht wird, so erklärt er seine Bereitwilligkeit, gegen sie als „unbedeutende kleine Staaten" Krieg zu führen. Er kann es nicht in seinen Kopf betommen, daß es, obwohl die Durchfuhr von Bann- Waregütern nach Deutschland eine bedenkliche Sache sein mag, noch bedenklicher sein würde, den Armsen der Mittemächte einen neuen Verbündeten zu verschaffen. Er ist bereit, alle Nationen der Erde herauszufordern. Er betrachtet das Aus- wältige Amt offenbar als eine Einrichtung, die den Zweck hat, Fleisch und Munition nach Deutschland hineinzuschmuggeln. Er will keinem Auswärtigen Amt trauen, das nicht die Neutralen unter Schloß und Riegel setzt. Man weiß kaum, ob seine Dumm- heit oder seine Schädlichkeit größer ist. Mrs. Wharton bemerft in ihrem Buche„Fighting France"(das kämpfende Frankreich), daß ihrer Meinung nach der feine und entschlossene Geist, in dem die Franzosen den Krieg führen, vor allem ihrer nationalen Jntelli- genz zu verdanken sei. Auch in England gibt es kleberfluß an Intelligenz— aber hier besteht dauernd die Gefahr, daß sie ohne Nutzen bleibt infolge der hartnäckigen und starrsinnigen Vierfüßler, die sich ihr in den Weg stellen. An der Seite von Eseln kämpfen die Götter selbst vergebens, und obwohl es Gänse waren, die das römische Kapital retteten, kann man ganz sicher sein, daß es nicht die Esel sind, die die bedrohte Freiheit Europas retten werden! Wir glauben, daß nach nicht gar zu langer Zeit der Esel aus dem Parlament und den Zeitungsredaktionen ent- fernt werden wird, wie er aus der Kirche im Mittelalter entfernt wurde. Die Niederlage der Deutschen ist sicher, wenn der Esel aus dem Weg gehen und aufhören wird, seine Unklugheit auszuschreien. Sollte er dagegen in irgendwie bedeutendem Umfang mit der Wiederbelebung der Eselverehrung in England und den verbün- beten Ländern Erfolg haben, so würde er den Sieg über einen gebildeten Feind schlechthin unmöglich machen." den ersten zwei Sätzen, wo auch ein Hauptmoiiv, das im Finale wiederkehrt, deutlich an jenen Musikheros erinnert. Stärker steht Nicolai freilick noch im Banne der Beetdovenichen Jiistrumeniatioir. Dessen ungeacklel wandelt er schon sehr sichei aut eigenen Bahnen. Der ipäiere Opernicköpier gibt sich bereits im Scherzo und Finale zu erkennen. Kruse, der es auch dirigierte, gebührt das Bei dienst, die Musik- iiteratur um ein nichl tedigtich biographisch interessanles Konzerrslück bereichert zu haben. Ihm voran brachte Paul Scheinpslug Webers Overture „Euryanlhe". Liszts„Tasso" und Wildenbruchs„Hexenlied" mit der Musik von Max Schillings zur glanzvollen Auisührung. Ludwig M ü l l n e r feierte hier als Rezitator wahre Triumphe. ek. Kleines Jeuilleton. Sonntagskonzerte. Das 6. Sonntagskonzert des Verbandes der Freien Volksbühnen im Theater am Bülowplotz war ein kühnes Unternehmen; denn auf dem Programm standen außer Richard Strauß' bereits aus früheren Volkskonzerten bekanntem„Till Eulsnspiegel" zwei Sinfonien ultra- modernster Art, die gegenwärtig noch nichl allgemein verstanden werden. Das gilt besonders für eine Sinfonie des Finnen Jean S i b e l i u s. In ihr spricht sich eine merkwürdige, um nichl zu tagen zukünftige Formeniprache aus, die sich im erweiterten Raum der Ganztonleiter bewegt. Merkwürdiger jedoch berührt der Inhalt. Gebrochener, iiberzarter Sensitivismus in nationalen Nalurlauten und Melodiefragmenten. Man dürfte fragen: ob hier überhaupt von„Musik" im traditionellen Sinne oder gar von posi- liver Gestaltungskraft gesprochen werden kann, und es sollte mich baß verwundern, wenn sich nicht gegen Sibelius Beckmesser Stimmen erhöben. Er ist aber ein sturmgereifter, echter Musiker von eigener nordischer Struktur. Auch gerade als Formalist. Es iei nur daran erinnert, wie ungewöhnlich schneidender, bohrender Schmerz im Solopart der Geigen des ersten Satzes zum Ausdruck gebracht wurde. Wunderschönes findet sich dann namentlich im Schlußsatz. Neue Wege werden hier beschritten. Ob sie zu großen Zielen führen, muß die Zukunft zeigen. Ferruccio B u s o n i, der als Zweiter zu Wort kam, ist uns kein Fremder mehr, trotzdem oder gerade weil er als einer der konsequentesten„Futuristen" gilt. Seine„Indianische Phantasie" entrückt den Geist der Hörer in die weite Prärie, deren seltsame Poesie einst schon der deutsche Dichter Charles Sealsfield(Poste) in seinen amerikanischen Romanen blendend geschildert hat. Das Werk ist iiir Klavier und Orchester. Wundersam hört sich der jenem Instrument zugedachte mit dem Orchester kühn rivalisierende Teil an. Nur ein Hexenmeister ktavieristischer Technik, aber zugleich ein wirklicher Poet vermag soviel eigenwillige Schönheit auszubreiten. Egon P e t r i ist beides. Oskar Fried führte das P h i l h a r- inonische O r ch e st e r beide Male und am hinreißendsten in „Eulenspiegel" zum Siege. Eine andere Neuheit iür Berlin,� gewissermaßen auch für Deutschland— wie das Sibeliussche' Tonwerk— gab es am selbigen Sonntag im Abendkonzert des B l ü t h n e r- O r ch e st e r s. Es handelte sich um eine Jugendsinfonie von Otto Nicolai, dem Schöpfer der komischen Oper „Die lustigen Weiber". Georg Richard Kruse, der Verdienst- reiche Biograph LortzingS, Nicolais u. a., hat das nur in den Orchesterslimmen erhalten gebliebene Werk entdeckt und rekonstruiert. Nicolai war 2ö Jahre alt, als er es schrieb. Unschwer verspürt man daraus den unmittelbaren Hauch eines Beethoven, zumal in Fußpflege in üen Schulen. Die Oberschulbehörden für die Volksschulett in Württemberg haben folgenden Erlaß über die Pflege der Füße herausgegeben: Um die im Wachstum befindliche Jugeird zu einer Vernunft- gemäßen Fußpflege und zu einer richtigen Gangart anzuleiten, auf eine gute Entwickelung und Kräftigung der Füße hinzuarbeiten und damit die weitere Verbreitung der Plattfüße zu verhüten, sind die Schüler bei geeigneten Anlässen im Unterricht, besonders im Turnunterricht, auf nachstehende Grundsätze hinzuweisen: 1. Die Zehen dürfen in der fteien Bewegung nicht gehindert sein; es muß somit jeder Druck von Strumpf oder Stiefel beseittgt wer- den; 2. Die Schuhe, die getragen wenden, sollen kräftig und mit breiten mittelhohen Absätzen versehen sein; 3. Die Füße sind durch häufige Bäder zu kräftigen; beim Gehen ist der Vorderfuß nach- drücklich zu gebrauchen; das vorwiegend« Gehen auf dem Hinter- fuß schwächt den Fuß und erzeugt Platt fützigkeit. Außerdem sollen die Schüler im Turnunterricht mit einer Reiche von Uebungen Fußrollen, Heben und Senken der inneren Fußbänder, Heben und Senken der Fersen, Gehen mit erhobenen Fersen, Kniebeugen und Kniestrecken, Laufen und Springen, Treppen- und Bergsteigen unter überwiegender Benutzung der Vorderfüße vertraut gemacht werden und angehalten werden, diese öfters am Tage(beim An- und Auskleiden, in Arbeitspausen usw.) vorzunehmen. Die ölutwärme der Fische. Man sagt zwar, daß die Fische kaltes Blut haben; aber daS ist nicht ganz richtig. Das Fischblut weist uämlich denselben Wärmegrad auf, wie das Wasser, in dem der Fisch lebt. In den Tropen gibt es Fische, die in 30 Grad Celsius warmes Wasser leben, ohne Schaden zu nehmen; sie können sogar, soweit es sich um Fische kalter Breiten handelt, einftieren und stets wie ein gedörrter Stockfisch werden, ohne einzugehen. In Gewässern, die zeitweilig vollständig zufrieren, verfallen die Fische in eine Art Winterschlaf, währenddessen sie keilte Nahrung zu sich nehmen. So bohrt sich auch unser Karpfen beispielsweise im Winter in den Schlantm ein. Sein Atem wird während dieser Zeit so schwach, daß er kaum noch wahrzunehmen ist. Die Kenntnis dieses Per- Haltens der Fische bei großer Kälte des Wassers hat auch eine große prakttsche Bedeutung, da sich dadurch die Möglichkeit er- öffnet, lebende Fische, in Eis eingeftoren, transportieren zu kön- nen. Am Bestimmungsort darf das Eis aber nur ganz allmählich zum Auftauen gebracht werden, worauf der Fisch seine natürliche Munterkeit wiedererlangt. Er geht jedoch ein, wenn das Eis durch große Wärme plötzlich zum Abschmelzen gebracht wird. Notize». — Mehr als eine Viertel Million guter Bücher sind an Lazarette, Truppenteile in und hinter der Front und an deutsche Kriegsgefangene bis zum 31. Dezember 19Iö von der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiflung verteil: worden. Alle Bücker waren sorgfältig ausgewählt. Weitere Bewerbungen um die Lazarettbückerei, die Schützengrabenbücherei oder dieKriegSgefangenen- bücherei nimmt die Mannschaflsbücherei-Ableitung der Deutschen Dichter-Gedächtuis-Sliflung in Hamburg-Großborftel entgegen. —„Vertrauli ch." Ein hübsches Zensurstückchen, so schreibt „Croix" vom 12. 1., findet sich im.Paris-Midi". Das Blatt ver« öffentlicht folgenden Artikel:„Wir erhalten die folgende vertrauliche Mitteilung: Ich erfahre aus absolut sicherer Quelle, daß die....... Regierung, die....... Regierung sondiert hat, um zu erfahren, ob sie einem........ Chirurgen ertauben würde, nach........ zu reisen, um den........ zu behandeln, und ibm einen künstlichen......... anzusetzen. An zuständiger Stelle hat man sich bereit erklärt und will dem Professor S...... selbst die Entscheidung überlassen.— Wir geben diese Nachricht unter allem Vor- behalt weiter." i] Der Sang öer Satije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Es wurde ganz still in der Hütte. Umm-Dabbus ließ das Fleisch weitcrbrodeln und setzte sich mit gekreuzten Beinen lautlos hin, ganz verblüfft und entzückt. Denn nachdem Zabal niit der Zunge tremoliert, als ziehe er zuvörderst mit bebender Hand den Bogen über das Saitenpaar einer Hochzeits- Violine, sang er mit volltönender Stimme wie ein bezahlter Vortragsmeister eine Kaside, so traumschön, so reich an Bildern und galanten Wendungen, daß Daud den Mund noch weiter öffnete und ganz schwachatmendes Gehör wurde, und daß die älteren Männer vor Vergnügen mit den Stöcken auf den Boden schlugen, sobald der Refrain wiederkehrte, den Zabal in zitternder Höhenlage und mit geschlossenen Augen zum Dach einporschicktc. „He, du mit dem Schmuck in den Ohren, Du handelst mit Rosen nach Pfunden I Wie herrlich hockst du im Mist! Ich bin Zabal-ibn-Dakka, Ein Dichter bin ich und Dorf-Schesch. „He du mit dem Schmuck in den Ohren, Du handelst mit Rosen nach Pfunden l Zichorie wollen wir schmausen; In Leinöl gebrotne Eier; Ich gebe dir Bündel von Lattich; Und Buttermilch, lecker in Näpfen. „He du mit dem Schmuck in den Ohren, Tu handelst mit Rosen nach Pfunden! Ich bringe dir Ful, frisch gebrochen, Und Suppe, und Bohnen mit Bisar; Wir setzen uns neben die Krippe, Du drehst dich und tanzest im Staube. „Und nun als Siegel der Rede: — He du mit dem Schmuck in den Ohren! Schick ein Gebet zum Propheten, Dem Mittler unirer und aller! Du handelst mit Rosen nach Pfunden: Ich flöte zum Dank meine Verse l" Als Zabal abbrach, war es noch eine Weile still; dann wiegten alle Zuhörer die Köpfe und sprachen inbrünstig: „Allah! Allah l"--- Umm-Dabbus vollends war so befriedigt, daß ihr die Handmühle, die sie auf dem Kopse trug, herunterfiel; dann sprach sie:„Ich tat dir unrecht, Zabal. damit, daß ich dich einen Stümper nannte." „Sing sie noch einmal, die Kaside, o Zabal!" meinten die beiden Freunde� und strählten mit den Fingern ihre schwarzen Bärte.„Sie ist herrlich, deine Kaside!" „Was hat Gott nicht gegeben!" erwiderte Zabal recht geschmeichelt.„Wohlan denn I" und er sang sein Lied noch einmal, und diesmal mit obszönen Floskeln, die so drastisch waren, daß alle vor Vergnügen schrien. Mit der Zeit hatte sich der Hütteneingang verdunkelt. Die Leute aus dem Dorfe waren erschienen, eben die Gesellschaft unter dem Fikusbaum; die Kaside war gedämpft zu ihnen herüber- geklungen und hatte ihre Neugierde erregt. Nun kamen sie mit ihren Pfeifen, mit Sack und Pack, mit ihren zerlumpten Kindern und breithüftigen Weibern heran und warfen entzückte Blicke durch die Tür. „Friede über euch!" schrie, sehr aufgeräumt, Zabal. „Kommt herein, wir haben eine große Schmauserei!" „Hast du Geld, Zabal?" flüsterte Umm-Dabbus. „Das Gewürz ist deine Sache." „Beim Leben deiner Gestalt! Ich bin mittellos." „Ich will dir helfen," sprach Umm-Dabbus,„weil du die Kaside sangst. Im Hühnerstall findest du Geld. Nimm einige Doppclpiaster und hole Myrte, Kirschsteine und Minze. Und, um ein übriges zu tun, hole auch Safran, damit du die Kleider deiner Kinder färben kannst; dann sind sie wie Prinzen unter den Kindern des Dorfes. Und wenn du Dabbus bei der Sakije triffst, so hole auch ihn, damit er seinen Anteil habe I"--- Dauds, des Knaben, Augen brannten in ihren Höhlen: Geld! Er sah die Silberlinge durch die Wände leuchten; er sah ihren milden Glanz im Hühnerkot, einen stumnien Segen, einen versteckten Wert: einen Reichtum!! Er holte sein schmutziges Hemd aus der Ecke und stellte sich vor, tvic es ihm stehen würde, wenn man es mit Safran färbe.... Herrlich würde es ihm stehen, er würde nie mehr auf der Sakije reiten, son- dern damit umherstolzieren, mitten in der Sonne. Und er würde Neid erregen! Die süße Erwartung rann ihm durch die Glieder; doch dann dachte er, daß Dabbus, der kleine Affe, ähnlich gelb herumlaufen würde, ähnlich geschmückt; und eine döse Brauensalte verfinsterte seinen Blick. Zabal war verschwunden. Und eS war inzwischen keineswegs Abend geworden, sondern es blieb hell wie immer: ein ewiger Traumtag funkelte draußen. Und nun erhob sich ein wüstes Geplärr: viele Hände fuhren gierig in die Fleisch- brühe, in die Eingeweide, die dampfenden Saubohnen und den Haferzucker hinein; und llmm-Dabbus saß mitten darunter, schmatzend und feist, mit glatter Haut und drallen Knieen, und hieb die allzu unverschämten Schmauser mit einem Hand- festen Knüppel über den Kopf. Und Daud selbst schmauste und balgte sich um das Beste. Er war selig, selig und ganz ohne Wunsch... «- Als Daud erwachte, war eine unstillbare Sehnsucht nach den Doppelpiastem und nach dem gelben Hemd in ihm zurück- geblieben. Wohl möglich, daß diese Dinge schon lange ver- stöhlen in seiner Brust ihr Wesen getrieben hatten; jetzt standen sie als lockendes, unerreichbares Ziel vor ihm; und während er die Augen auftat, seufzte er schivach auf und wälzte sich von dem Balken herab. Eine Weile noch stand er verkniffenen Blickes da, um sich in der Wirklichkeit zurechtzufinden, und dann prügelte er den Büffel, der wiederkäuend vor ihm lag. Der Büffel hob sich ruckweise und mühsam in die Höhe und begann unter hilflosem Grunzen seinen Frongang wieder abzuschreiten. Die Sakije nahm eineil Anlauf; dann fand sie ihre Melodie und sang ihr fatalisttsch leierndes Lied, gleich- mutig, so. als ob sie nie geschwiegen habe. Der Abend war da. Die Farbe der Hügel spielte in ein dämmerndes Rostbraun herüber. Der Himmel dunkelte in finsteren Veilcheiitöncn; hellgelbe Flammen loderten noch an den Rändern der Welt; dann wuchs mit ungeheurem Leuchten ein ttesorangefarbener Rauch im Westen heran und schluckte, von innen heraus rot erglühend, den violetten Schimmer. Tiefes Urblau inachte sich breit, Sterne drangen heran, zu Dutzenden zunächst, dann heerwcisc, bis die ganze knstallne Glocke mild erschimmertc. Dies alles dauerte kaum die Zeit, da man eine mittlere Sure spricht; dann wurde das Niltal schwarz: und Daud, der, die Hände unter dem Kopf ver- schränkt, betrachtend dagelegen war, sah die Silhouetten seiner Eltern näherkommen, Sie hatten die Feldarbeit beendet und stießen mit der Hacke ein jammerndes Tier vor sich her, ein Geschöpf, das, sobald es sich befreit aufreckte, mensch- liche Maße zeigte; Dabbus, die»Stecknadel", vcn Sklaven aller Welt. (Forts, folgt.) (KentroLlTorstand). Am 18. Janaar, morgens 4 Uhr, verschied plötilioh und anerwartet unser langjähriger Verbandsvorsitzender, der Redakteur des„Kapfersohmied" Julius Saupe im Alter von 65 Jahren an Herzsohlag. Mitbegründer and eifrigster Förderer unserer Organisation, verlieren wir in ihm einen treuen Kollegen and Mitarbeiter, dessen rastlose Tätigkeit ihm ein treues Gedenken weit über den Tod hinaus sichert Ehre aelnem Andenken! Die Einäscherung findet Donnerstag, den 20. Januar, nachmittags 4 Uhr, im Krematorium. Genohtstr. 37/38, statt. 99/3 Oer Zentralvorstand. 'Dßutseber MaJIarbeiler-Yerliaiiil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen jur Nachricht, | oafc unser Mitglied, der Klempner Max Fährmann Wasserthorstraße 67 j am 14. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 18. Januar, nach- mittag» 3 Uhr, von der Leichen- »alle des Simeon-Kirchhoses am Mariendorser Weg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 110/14 Die Orisvermaliung. w 1 1 (Filiale BerUn). Am 16. Januar, früh 4 Uhr, starb plötzlich, uns allen unerwartet an Herzschlag, unser Mitglied, Gründer unserer Organisation, erster Vorsitzender des Zentralvorstandes, der Kollege Julius Saupe im Alter von 65 Jahren. Seine unermüdliche Tätigkeit seit Bestehen unseres Verbandes für die Interessen der Kollegen, sichern ihm ein danerndca ehrendes Andenken. Die Einäscherung erfolgt am Donnerstag, nachmittags 4 Uhr, im städtischen Krematorium, Gericht- Straße 37/38. Rege Beteiligung erwartet Am Freitag, den 14. Januar. entschlies sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere unvergeßliche Mutter, Schwieger- und Grogmutter Xuxuste Mätze geb. Gräser im Alter von 53 Jahren. Dies zeigen schmerzersllllt an Heinrich Mähe -iOA" nebst Kindern. Arbeiter-Samaritephiiiiil Kolonne Groll Berlin. Zur Einäscherung unserer Sa- | m aritergenossin Auguste QniUschau am Mittwoch, den 19. Januar, mittags 12 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraße, werden die Ge. genossen und Genoifinnen um rege Beteilung ersucht. I Tresspuntt: vormittag« 11'/, Uhr Gericht- und Adolsstraßen-Ecke, im Restaurant. 381/10 Oer Vorstand. SllsiddcniokrisUchtr WMvttt!» für Cliarlotlenburg. Gcneval-Vcrfamnituiig heute Tien�ag, den 1«. Januar ISIS, abends 8-/2 Uhr, im Bv.lkshause, Rosinenstr. 4. Tagesordnung: 1, Kassenbericht. 2. Ergönzungöwahleu des BorstandeS. 3. Bor- trag des. Genossen I-edehonr: Die lktzteu Dorgiillge im Reichstage. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes. 250/2 BV* Das Mitgliedsbuch ist mitzubringen!"TSd Um recht, zahlreichen Besuch ersucht Oer Vorstand. Oer Flllalvorstand. In der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag früh 4 Uhr ver- schied plötzlich und unerwartet mein lieber unvergeßlicher Mann, unser guter Vater, Schwieger- und Großvater .luriius Saupe im 65. Lebensjahre. 133b Ein arbeitsreiches Leben voll treuer Pflichterfüllung ist mit ihm dahmgcgangen. Wer ihn gekannt, wird unseren Schmerz ermessen. Die Emälchcrung des teuren Verblichenen findet am Donner»- tag. den 30. Januar, nachmittag? 4 Uhr, im Krematorium, Berlind!., Gerichtstraße statt. In tiefem Schmerz Die trauernden Hinferbliebenrn Auguste Saupe geb. Raup. Theodor Saupe. Margarete Saupe geb. Camplonl als Schwiegertochter. Margarete Koch geb. Saupe. Emil Saupe] als Söhne, Retähold Saupe\ zurzeit Julius Saupe J im Feld«. Marie Wendt geb. Saupe. Fritz Wendt als Schwiegersohn, zurzeit im Felde. Walter Saupe als jüngster Sohn. hottchen, Buhl,| Muckl, Fritzohen und Hildchen J"Uder. den 17. Januar, enofle, der Kupfer- SozialdemokratiseherWahlTerelD U. 6. ßerl. ReiebslagswaUkrels. Am Montag verstarb unser schmied .Julius Saupe. Ehre feinem Andenke«! Die Einälcherung findet am Donnerstag, den 20. Januar nach- mittags 4 Uhr, im Krematorium, Gerichtstraß- 37/39, statt. Um rege Beteiligung ersucht 234/8 Oor Vorstand. Am Montag, den 10. Januar, verstarb im Lazarett zu Königs. berg unser lieber Mtarbeiter, der Chemigrapb Gustav Michelis im 43. Lebensjahre. Am Freitag, den 14. Januar, verstarb unser lieber Mitarbeiter, der Hilfsarbeiter Erich Steffier. Beerdigung: Dienstag, den 18. Januar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle in Wilhelmsberg. Ruhet sanstl DaS Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann 1326 Am Sonnlag, den 16. d MiS., verstarb nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere liebe, gme Mutier, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Hedwx Rupp geb. Oernuth. Im Namen aller Hinterbliebenen Vnmlll« Kapp. Die Beerdigung smdet am Donnerstag, den 20. Januar, nachmittags 3'/z Uhr, von der Halle des II. stadtischen Schöne« berger Friedhofes, Blanke Hölle aus statt. 134b Am 16. d. Mts. starb an den folgen eines SchiaganfalleS im 82. Lebensjahre unser lieber Bater, Schwieger- und Großvater, der Einsetzer Karl Viehstädt Pankow, Brehmeftr. 24. Die trauernden Hinterbliebenen. Beerdigung: Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle de» neuen Paul-Kirchhofcs in der Seestraße aus 1356 Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Deutschen Wagenbauer. Neukölln 1. Am 14. Januar verstarb unser alteS treues Mtglied Mols Möller Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet heute nachmittag 2 Uhr aus dem Neu- köllner Gemeindesriedhof, Gott- lieb-Dunkel-Sttaße, statt. Um rege Beteiligung ersucht 257/4 Die OrtSverwaltnng, ,3�! StutecA/— 15(Tf j. IRwSajU,. Spezialarzt Dr. med. WockenfoS, Friedrichitr. 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. 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Januar, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen. balle deS neuen Jakobi-KirchhoseS, Hermannstr. 99—100, aus statt. 81/13 Die OrtSverwaltung. Heines Werke > 3 Lände s Mark- Buchhandlung Vorwärts Verwaltang Berlin. TeL-Amt Moritzplatz 10628, 8578. Bureau: Rungestraße 30 Kranchen- Versammlungen. Kistenmacher. Dienstag- den 18. Jannar- abends 8 Uhr, AndreaS-FestsSle, AndreaSftr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommisston und Neuwahl derselbe». 2. Ausstellung der Delegierten zur Generalversammlung. Küchenmöbel-Tischler. Mittwoch, de« IV. Januar, abends S1/. Uhr» Brücke 3, bei Stein. An der Stralaner Bürstenmacher. Mittwoch, de« IS. Januar, abends 8 Uhr, bei Oannenherx, Holzmarktstr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. VertrMnsmsnner-VerssmmtMg. Bezirk Südost I und IL Mittwoch, de« 19. Januar, abendS 8'/, Uhr, Nannynstraste 9, bei Lier. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbandsangelegenhett«. 81/17_ Ole Ortsverwaltnng. Arbeiten Sie gern? Sind's die Angen, Geh' sb RuhnJci p rissen tost engen und Sebstast mit Sorg- fall und garantieren sür paffende Gläser fowie für Haltbarkeit aller Fassungen von 4.50 M. an. Dafür erhalten Sie bei uns schon einen guten Gold-Doublö-Kneifer sohne Gläser) und dazu noch ein Jahr Garantie. d. h.»so lange alle Revaraturen umsonst", Sie können kein Vergnügen an Ihrer Arbeit finden, wenn Sie nicht mehr gut sehen können. Genau angepaßte Gläser können Ihnen solch« Arbeiten, die Ihnen bisher zur Last wurden. angenehm machen. Wenn Ihre Augen Ihnen Be- schwerden bereiten, so besuchen Sie uns. und wir wollen Ihnen ohne jede Verpflichtung Ihrerseits zeigen, wie sehr unser« punktuell abbildenden Glaser Ihnen Ihre Arbeit erleichtern Helsen können. 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