Br. 15.- 1916. Unterhaltungsblatt des vorwärts MM, 10. Januar. Silber aus Sergen. Tieft'tc Teilnahme erweckt überall das iiircbibare Schicksal, das Bergen betroffen bat, diese schönste Stadl Norwegens, die an charaktervollem Gepräge, an künstlerischem und geschichtlichem Reize alle anderen des Landes übertrifft und an Schönheit der Lage .sich mit Salzburg und- Innsbruck messen kann. Reich bat die Natur diesen Fleck Erde bedacht. Sic hat ihn durch einen Gürtel kraftvoller Berge gegen das Binnenland geschürt, sie spendet ihm den feuchten, milden'Seewind, der die Bäume voll und stark werden läßt, und im Sommer einen üppigen köstlichen Blmnenflor erweckt; vgr allem aber hat sie jene sischförmigc Halbinsel ins Meer vor- geschoben, durch die hier ein trefflicher Toppelhafen geschaffen wird, und diese beiden Häfen hat sie durch dcu großen Riegel der vorgelagerten Insel Äskö vor dem Andränge der Meeres- brandung gesichert. Auf dieser.Halbinsel hat sich das alte Bergen angebaut. Ihr Rückgrat ist die Strandgadc— dieselbe, wo die furchtbare Feuersbrunst jetzt entstanden ist—, diese alte Hauptstraße des alten Bärgen, eine prächtige, launenhafte, lebensvolle Straße �mit tiefen alten.Häusern, hoblwegartigcn Gängen, origi- netten Seitengassen, entzückenden Turchblicken auf den Hafen und fein buntes Leben. Drüben aber, an des Hafens anderer sehe, da. wo die Handelsschiffe einfahren, haben die Könige des Landes ihren Hochsitz und ihre Burgen errichtet, und dort balren sich auch die Hanseaten angesiedelt, als sie Bergen zum Stützpunkt ibrcs Nordlandhaudels mächten. Sie bauten sich da ihr eigenes, von einem Walle geschütztes Quartier, errichteten sich ihre eigene'Kirche und führten, ein Volt im. Volke, eine Stadt in der Siadi, mit mancherlei erlaubten und tuierlaubun Unterhaltungen ein keckes Hörrenleben. Die alten Hanseatenhöfe an Tyskebrhggen sind ja wenigstens zum Teil noch bis heute erhalten— o diese Höfe! Hier spricht, man kann nicht sagen jeder Stein, denn sie sind in Holz gebaut, wohl aber jeder Balken, jede dieser gewundenen, abge- trekenen Treppen, die verräucherten niedrigen Zimmer, die langen. in rembrandtartigcm Helldunkel dämmernden Gänge, die Galerien mir ibren bis zum Schwarz verbräunien Balustraden, die schächt- ähnlichen Höfe mit ihren schiefen Dächern, i breit vielgeprüften Warenaufzügen, ihren vor Alter gebeugten Giebeln. Ein jeder dieser Höfe ist ein ganzes, eigenes Viertel für sich/ mit Straßen, Gasse», Höfen, Platzet�— und überall riecht es nach Stockfisch und nach Teer und nach See. Tic Hanseatenhöfe von der Deutschen Brücke sind ja wohl jedern Touristen wenigstens insofern bekannt, daß er in den einen davon, den jetzt als Museum erhaltenen Finnegaard, einen Blick getan bat— aber was bei weitem den meisten nicht bekannt ist. das ist, daß Alt-Bergen an malerischen Bauten, und Winkeln dieser Art überreich-ist. Und doch liegt nur wenige Schritte von dem großen Markte, dabei freilich doch ganz versteckt».Holländergaden, einst ein. seines Wohnviertel, jetzt ein" kleinbürgerliches Quartier, und ein so köstliches, verwettertcs, schnörkelhaftes Stück städtebaulicher.Romantik, wie man es nur irgendwo in der Welt treffen kann. Steigt man aber aus dem Inneren der Stadt ein wenig zu den Randhöhe» empor, da findet man, vornehm verftcckr und geborgen feine alte behagliche Börger- Höfe. Zeugen einer gediegenen Bürgcrkultur, diw besonders im lei. Fahrhundert sich hier entwickelt und ihre Haupizügc von Tgne- niark entnommen Hai. Doch prägt schon der ortsübliche Baustoff, das Holz, diesen schönen Höfen, von denen der eine, vielleicht der reizvollste, Dämsgaard, noch seit dein 18. Jahrhundert her im Be- sitze derselben Familie Jansen ist, einen besonderen Charakter auf. Längst hat die Stadt sich vom Hafen landeinwärts ausgedehnt. Das Bindeglied zwischen.dem älteren und dem. neueren Bergen bildet die geiualtige Platzanlage von Torvet und Torvalmenningen, . die unmittelbar au den Hasen stößt, das Herz der Stadt, wo die Börse stchk und der Fj.sch markt.abgehalten wird, der eine wunder- bare Fülle der Gesichte aus der Tiefe des Meeres und aus der Dt ehe deSrPultSkebens bietet Und weiter bat die Stadt die fchöucir Binnenseen umbaut, die das Meer.hier zurückgelassen hat. ist den Fuß der Berge hjnangctlcttcrt und den Tälern gefolgt, die in sie hmeinführen. Das schmale Gebiet zwischen See und Berg, das kleine Stückchen Ebene, ist das eigentliche neuere Geschäftsviertel der Stadl geivorden, wo die Feuersbrunst am schwersten gerast hat. Ali in seiner Anlage ist dies Viertel seinen Bauwerken nach zum große» Teil bereits modern. Freilich fehlt es auch bier nicht an den herkömmlichen Holzhäusern, an engen, balbdunklen, krummen Winkeln und Gängen— sie beißen hier zumeist„Smuger"— aber grotzenleils sind die Holzbauten hier' schon durch moderne Miets- und Kontorhäuser ersetzt worden, die einen unerfreulichen Bau- gewerksschulenstil zeigen. Ja, das unVergleich reizende, alte Bergen hat iu neuerer Zeit eine recht wenig ansprechende moderne Haut angezogen, und erst im jüngsten Jährzehnt begann der rechte Sinn für die schönen Güter der Vergangenheit sich wieder leben- diger zu regen. Vielleicht wird aus dieser furchtbaren Katastrophe das zerstörte Viertel der Stadt schöner erstehen, als es zuletzt sich darstelltet Aber mochte auch manches Alte dahinsinkcn; zweierlei bewahrte der Königin, des norwegischen Westlandes ihren uirver- weltlichen Reiz. Da? war der Zauber der Natur und die Levens- traft bi;S Bergener Bürgertums. Im Lande heißt es. die Bergener seien gar keine Nonocger. Es sind eben Bergener., eine Raste für sich. Hier hat viel Blutmischung stattgefunden; von Holländern, van Dänen, ganz besonders aber von Deutschen. Ileberraschend viele unter den alten Bergener Patriziergeschlechtern tragen deutsche Namen; unter den Grabsteinen des Marienkirchhoss glaubt man sich etiva in Lübeck oder Wismar und erst gegen Sit de des Id. Jahr- Hunderts hat int Geschästsleben die norwegische Sprache endgültig das Deutsche zu verdrängen.vermocht. So ist das Stadivotk� von Bergen ganz etwas Etgcncs geworden. Es ist Norwegens Künstler- Völkchen. Bergener war Halberg, dessen Standbild nachdentlich auf das Leben und Treiben des Marktplatzes berabiiebt, Bergener war Gricg; in Bergen haben Björnfon und. Ibsen entscheidende Jahre verlebt; von Bergen ist die Erneuerung des norwegischen Theaters ausgegangen, und die besten Bühnenkünstler des Landes stammen von bicr. Der Bergener ist lebenslustig, heiter, beweglich, witzig und mokant. Er ist mit Leben geladen. Und er liebt setzte Sradi über alles. Vor ein paar Jahrzehnten drohte Bergen in einen gewisten Stillstand zu verfallen; man lebte in der schönen, gemüt- lichen, allen Stadt gar zu behaglich, und die Verführung lag nahe, sich an ein bequemes Phäakeirtum zu verlieren. Aber rechtzeitig erwachte Bergens alter Lebensgcist, die Eisenbahn von Christian ia führte der alten Hansestadt neues Blut zu. und eine Zeit blühenden neuen Aufschwungs brach an. Da trifft Bergen dies furchtbare Unglück, diese schrecklichste aller Feuersbriinste, die sie in der langen Liste ihrer Brandkatastrophen zu verzeichnen hat. Aver die Hanse- stadt wird sich von diesem Schlage so wenig niederwerfen lassen wie einst Hamburg, und erneuert wird das unvergängliche Bergen aus der Asche dieser Unglückstage hervorgehen. Wasserspiegel; di- Nordsee ist gewistermaßen bis zilin Ueberlauten gefüllt. Dringt dann hinter dem abwandernden Tier rasch hoher Luftdruck von den britischen Inseln gegen das Festland vor» iq wächst der West- und Nordwesttvind» der stets aisi der Rückseite der Luftwirbcl toeht. zum Orkan an, und Weser Sturm drängt die Hochflut der Nordsee mit unwiderstehlicher Gewalt aus das. Land ab. Hunderttausende, wann nicht Millionen von Menschen haben die Sturmfluten der Nordsee im Laufe der Jahrtausende vermchtet; unschätzbar sind die Werte, die allein im letzten Jahrtausend von ! ihnen vernichtet worden sind. Es sind Katastrophen, die ihres- gleichen nur in den gewaltigen Erdbeben und Vulkanausbrüchcu südlicher Breiten haben.__ Em verlorenes paroöles! To überschreibt Hermann Hehder einen Aussatz in der süngsicu Nummer des„Vortrupp" lHamburg. Verlag von Alfred Jqns'enl und bespricht darin die aus Irasiestem Eigennutz gebercue Absicht. das Betreten unterer deutschen Wälder zu verbieten. Der Verfasser zeigt, daß die Waldbrände, die angeblich zu diesen Bestrebuugnt geführt haben, meistens nicht den„Uubeiugten" zur Last gclAn werden dürfen. Die nachfolgeitdeu Aussührimgen verdiencn zum Besten unterer Volksgesundbeil weiteste Beachtung t... Tie Waid- brande wird man durch Verbote, den Wald zu betteten. nicht verhindern; ein ordentlicher Wandet sniaint. sti er vom Wandervogel, sei er vom Vortrupp, vom JittigdentichlauddüstS oder aus einem deutz'chen Turnverein, ein jeder WanderSmann. der eiwaS auf sich hält, wird mtr helfen, das Gesindel, das im Walte Schaden stiftet, unschädlich zu machen.— Gerade in unterer Zai, in der dos Wandern so recht wieder Gemeingul de« deutschen Volles wird, in einer Zeit, in der von allen möglichen Vereinigungen up.d Verbänden das�Wandern gepflegt wird, kann die Forderung, den Zutritt zum Walde zu verbieten, wahrlich'nicht ernst genommen werden. Hüten wir uns. daß unsere Kinder nicht dereinst irre werden an ihren Vätern! Hüten ivir uns. daß unsere Kinder nicht dereinst von miS sagen werden: Ilntgrc Väter hoben in ungionblichem Gleichmut eines unserer kostbarsten Güter hergegeben, haben in ihrer Gleichgültigkeit uns von der Quelle verjoaen lassen, rnt der wir uns nach der Hast des kleines Feuilleton. Sturmfluten an hollanös Küsten. Unablässig tragen die Wasser der Nordsee an Hollands slachcn, zum Teil unter dem Meeresspiegel liiegenden Küsten. Aber der Mensch bat es. verstanden, das ewig gefährdete Land gegen die Mcercsflut zu sichern, sosern diese nicht mit allzu ungestümer Kraft den ihr von Menschenhand gesetzten Schutzwchhren spottet und sich mit elementarer Kraft, alle Hemmnisse fortreißend, weit htzrein in die fruchtbaren Niederlande ergießt. Es- sind die Sturmflilten. die immer wieder alle menschlichen Anstrengungen zunichte machen und die im Laufe der Jahrhunderte viele Quadratmeilen fruchtbaren Badens verschlungen habest. Auch die Ostsee kennt ihre Sturmftuten;'wir haben ihrer; zwei ja erst vor juit zwei Jahren erlebt,«tets treten sie bei Nord- oder Ilordostwind aus, im Gegen- sab zu den viel häufigeren Sturmfluten der Nordfeeküste, die, so- »teit deren westlicher Teil in Betracht kommt, stets von West- oder Nordwcststürmen herangewälzt werden. Dann schwenkt der AtlaN- tische Ozean seine wilderregten Gewässer mit Macht hinein in das verhältnismäßig enge Becken der Nordsee, und von hier aus er- gießen iich die Meereswogen mit wilder Gewalt über die Gestade Hollaiids und Qstfrieslands. Die lange Inselkette der oft- und westfriesischen Inseln, sie ist nichts als ein Beweis für die verheerende Gewalt der Sturmfluten,., die zweifellos diese Inseln vom Festlande losgelöst, die auch die Zuidersee tief ins Land Inn- ■etlr uvZgMtchtA'' MÄcknr* WSHO JÖW zweite Jahr bringt die Nord- feeküste eine schwere Sturmflut/ und man hat in historischer Zeit unter Benutzung aller vorhandenen alten Aufzeichnungen bis Heu- tigen, Tages nicht weniger als 3W solcher schlimmen Sturmfluten nachweisen können. Meist stellen sie sich während der Herbst- und Wintermonate ein, also tvähreird der Zeit der tiefen atlantischen Sturmwirbel, init den sie begleitenden heftigen Orkanen, und nach dem Monat November, in dem sie am häufigsten sind, steht der Januar m bezug auf die Zahl der Sturmfluten an zweiter Stelle. Es ist eigenartig, wie der Vorbeigang tiefer Wirbel das Entstehen von Sturmflilten an der holländischen Küste begünstigt. Nabcrn sich. diese Wirbel dem Kontinent, so treten zuerst starke Süd- und Südmestwinde auf, die große Wasiormassen durch den Kanal in die Nordsee pressen. Dadurch erhöht sich in diesem Becken der verjagen lassen neue Krc' Alle maßaebeuden Kräfte. täglichen Leben« neue Kraft zu künftigem Begtzmen holen kamucn..... äste, dicLandwirtschaftslvnimertt, besonders die tagskommission zur Beratung der Strasgesetznobelle, dtc Sraalssorst- Verwaltungen und wer weiß was sonst noch für Filsranze», sind an der Arbeit. Sorge du. deuliche« Volk, daß die Mühe der selbst süchtigen Besitzer vergeblich gewesen ist, und daß der deutsche Wald dir und deinen Kindern nicht für ewig verschlossen wird. Wir alle, die wir nn« Deutsche nennen, wollen niii allen Mitteln belsen, daß die Waldschiindung-n möglichst cm Ende nehmeu; ucheieu Wald aber, unseren deutschen Wald, die Quelle neuer Volkskrafi. wollen wir uns auf keine» Fall, unter keinen Ilinsiänden itelmstu lassen, und wir wollen jenen Menschen, die unser kostbares Gut bedrohen, in lauter und- eindringlicher Sprache die Warnung zyrsttep: Hütet euch, ein Stück aus unseren Herzen zu reißen, das da« Vaterland in ernster Smnde schmerzlich vermissen könnte! Notizen. — E i n K ü n s: l e r b e i r a t soll für den Wiederaufbau- in Belgien aus deutschen Architekten gebildet werdeit- — Ein Vorschlag zur Lichters parung. Ein Haut- burger, der darüber nachgedacht hat. lote man durch verlängerte Ausnutzung des Tageslichtes au künstliche« Beleuchiuttg sparen könnte, schlägt vor, von einem bestimmten Termin an das ganze Wirtschaftsleben um eine Stunde früher beginnen zu lassen. Cr meint, wir werden eine Stunde eher zu Bett gehen— im übrigen braucht nichts verändert zu werden. Außer dein ökoitvmischeu Nutzen werdet! von der Verwirklichung des Vorschlages auch große gesund- liche Vorteile erwartet. — Eitenbahnvögel. Eine ganze Anzahl von Vogelorten nistet mit Vorliebe in den Bahnhöfen, so daß man sie als Eisen- bahnvögel bezeichnen kann. Diese Borliebe findet nach der„Natur" ihre Erklärung nicht nur in der vorzüglichen Nistgelegenheil, die die Bahnhöfe bieten, sondern auch in dem reichlichen Futter, das bei dem Verladen von Getreide und anderen Gittern abfällt. Dazu kommt noch, daß der starke Verkehr für die Vögel einen Schutz vor Nestplünderung bedeutet. Zu den Eisenbahnvögeln gehört der Haus- rotschwarz. die weiße Bachstelze, die Haubenlerche und der graue Steinschmätzer. Sj Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus. dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Drüben, auf der anderen Seite des Stromes, zeigte sich jetzt die blendende Latcrnenreihc der Strandpromenade und der hufeisenförmige Lichterkranz der großen Hoteltcrrasse. An das Drüben dachte Daud für gewöhnlich nicht viel; heute jedoch, da sein träumender Kopf voller Piaster und prunk- haftcr Kleider war, stellte er sich die weißen Fremden vor, die verachtungswürdigeu, ruhmredigen Fremden, die, Wie man ihm berichtet hatte, im Golde wühlen und sich von allen Seiten herrlich beleuchten lassen, wenn sie essen und trinken. Oder die sich mit ihren Frauen(was vollends albern war) herum- drehten, bis sie schwitzten, und dann mit roten Gesichtern pfefferhaltigcs Wasser tranken, um stark zu werden—— das hatte man ihm erzählt! Das wußten die Bootsleute ganz genau, und sie belegten es mit den lärmendsten Eid- schwüren! Daud kicherte in sich hinein. Dann schloß er sich den Eltern an, vermied es, in ihre griesgrämigen Züge zu blicken und vergaß wieder alles über seinem herrlichen Traum, der ihn wie ein paradiesisches Geheimnis beschäftigte. Er fand ein halb zerkautes Zirckcr- rohr und saugte, während er heimwärts trabte, die letzte Süßigkeit heraus. * In der Mitte der Nacht Wachte er plötzlich auf. Eine unbestimmte Beklemmung hatte,.ihn geweckt. Und plötzlich war die Erinnerung an seinen Nachmittags- träum wieder da. So, als fei er irgendwo zu Besuch gewesen, doch als habe er gänzlich vergessen, wo. ES war ganz still; draußen ging ein Flüstern um. Seine Eltern lagen wie ein schwarzer Klumpen auf einer Ziegenhaardecke. Neben ihnen, im schwachen Sternlicht, lag Dabbus, die Nase zwischen den hochgezogenen Kniecn. Und � der junge Daud hielt eine blinzelnde Augenzwiesprache mit feiner Umgebung, vielleicht durch die Dauer einer halben Stunde; er horchte auf das Pfeifen, der Fledermäuse, sah. wie durch die Luke, die die ge- fpaltenen Palmstämme im Dache freiließen, ein Ziegenmelker hin und her strich, und vernahm das sachte Trappeln eines Fuchses/ der draußen einsam durch die Gassen trabte. Und nun beschloß er etwas. Dieser rare Vorgang cnt- wickelte sich m seinem Hirn, ohne daß er mit jemand ge- Jp.ro chen hätte. Das pcrjönllche Zch riß. sozusagen, seine letzten Keimhüllen durch: ein höchst belangloses, embryonales .Ich noch, aber trotzdem eines, das selbständig wurde, sich herausschälte, Eigennutz zeigte, verschmitzte Gedankcnfolgen produzierte; kurz, es war die erste Kapstat des kleinen Daud. und sie beschäftigte ihn seltsam gründlich. Und am Schluß stand das Resulkat vor ihm, die formgewordene Idee. Und diese Idee hatte ein gelbeS Hemd an, war in Begleitung eines weißen Esels und klimperte niit vielem Silbergcld; und im Hintergrund, schattenhast, drängten sich viele Jngliz, weiße Gestalten, die von dem Wunsch be seelt waren, auf diesem Esel zu reiten,' und jede Summe da für boten. Er stand leise auf, warf sein schmutziges Hemd um, wider stand der Versuchung, Dabbus zum Abschied einen Fußtritt zu geben, und ging hinaus. Noch flimmerten die Sterne groß in der schwarzen Bläue. Ein verfrühter Hahn krähte mit un- sicherer Stimme. Daud ging über die Felder, unfern seiner Sakije vorbei, mit deren Bestallung er in Gedanken endgültig seinen Bruder bedachte, und lenkte seinen Schritt dem Nilufer zu, schlafende Wachtelvölker aufstörend. Er schritt auf den Resten der alten Seeumwalluug von Birket-Habu herüber, an der pompös entbreiteten Lebbachakazic vorbei, streifte mit einem milden Blick die schwach beglänzte Landschaft und ging einsam und glücklich über den zersprungenen Nilschlamm durch die kalte Nacht ohne Tau einer freudevollen Zukunft entgegen. Am Nil angelangt, entledigte er sich, wiewohl er herz- hast fror, seines Hemdes und tänzelte, mit erleichtertem Gewicht, auf den Zehen etwa bis zu einem Viertel der Strom- breite. Dann hielt er das Hemd als Bündel mit der Hand über den Kopf und schwamm wie ein Otter auf die andere Seite hinüber. Er erreichte die Lehmböschung, wo die Scgelknechte und Steuerer der Dahabijen und Kiasen schliefen/' und dann trocknete er sich schaudernd ab. Die Strandsttaße lag noch totenstill; zuweilen zog brummend ein großer Mistkäfer seines WegeS. Daud, den die Kälte seines Körpers am Schlafen hinderte. hockte sich an eine Mauer, das Gesicht mit offenen Augen auf die Anne gelegt. Ein nubischer Polizist ging, leise vor sich hinsingend, dicht an ihm vorbei. In der Nacht schläft halb Luksor im Freien; in jedem Winkel atmet ein Schläfer. TaS große Hotel lag weißleuchtend da und öffnete seinen Treppenaufgang wie eine riesige Schere. Die ausgehängten Teppiche vor deir Krämerbudcn regten sich leise im Nachtwind, und der große Tempel lag dräuend und schwarz. Das Minarett der Moschee Abu't-Haggag stieg schlank und Zierlich aus seiner plumpen Masse hervor, wie der Schaft einer Zierpflanze. Daud sah den Morgen erwachen; köstlich war er, wie jeder im frühen Jahr. Ein leichter Wind fuhr als Vorläufer der Helle mtt einem stetigen, kaum veränderlichen Sausen über die Promenade. Ter Himmel ivard stumpfer, da die Sterne ins Nichts zurücktraten... Nur über der einzelnen Palme, die rechts von Daud aus dem Garten ragte, hing als funkelnde Träne noch der Stern, der am spätesten scheidet. Dann ging über den Himmel ein sachtes Er bleichen, ein süßes Entfärben; die Tinten der Nacht klärten sich zu einem blasien Blau, das königlich au Reich ge ivann; aus noch unsichtbarer Quelle sog es trunken sciu'stilles Licht, und der Hügelkranz des Horizontes errötete sacht, bis er zuletzt in einem grellen Gelbrot plastisch erglühte. Ein Leuchten begann allerorten; reinste Farben tauchteil auf. lvie durch Zauberhauch geweckt. Und als die stille Seligkeit des sich gebärenden Tages ein Ende hatte, als die Sonne, noch durch schlvache Flußnebel ihrer Wirkung beraubt, über dem Kämm der Wüste loderte, regte sich das Leben langsam und mit Muße. Es tat das Dunkel aus den schlafblinden Augen... Und dann, plötzlich, war es da, hungrig und bebend, wie ein aufgescheuchtes Tier. Diese Unruhe der Frühe ergriff auch Daud. Eine nicht abzuschüttelnde, wachsende Befangenheit nahm jetzt von ihm Besitz, als er mit noch nachttrunkenem Kopf das Leben aus der Strandsttaße erwachen jäh. Es war nicht häusig, daß er sich freiwillig und ohne bestimmten Ziveck nach Lutsor de- gab... Er hatte immer Genossen gefunden, mit denen er sich gebalgt, und immer einen klemcn Spektakel zum Gaffen ergattert; in den Magazinen kannte er die Angestellten und an den Eingängen der Hotels saßen seine Freunde, die LauwabS; er kannte sie gut; sie waren voll höheren Wissens, trugen Prachtgewänder und hatten ihren vertrackten Spaß an ihm. Heute jedoch, da sein Herz ihn fragte Warum bist du gekommen. Daud? Willst du stehlen's Hast du ein«>chlachtkalb zum Fleischer z>t treiben? Wo ist die Ziege mit verknüpften Borderfüßen, die dir dein Vater zum Verkauf anvertraute Hast du es auf die dicke Frau abgesehen, die den kurzen gelben Rock und den Hut- schleier trägt— eben die, die neulich so beschwerlich aus daS Kamel und so plötzlich wieder heruntergelangte? Und willst du sie wieder verspotten und so heftiges Entzücken bezeigen, daß du dich auf dem Boden wälzest und sogar die Treiber zu unbotmäßigem Grinsen reizest, während sie ihr ivieder auf die Füße Helsen'i(Forts, folgt.) Bsile-Alliancestrasse Gr. Franktnrterstrasse 1 Kleiderbürste....... 95 1 Fuss- banknc NJ � Hartholz*'«' v/ IKartolfelpresse 95 1 Königskuclienfopni] 1 Speiseform........ j 95«• R"j[°[ SKücheu Mr—— breiter Bll'" i- VA—' verschied. hLek��c�w«! 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Er- nennung ciucs Vertreters zuut Hauptvorslaltd. 5. LZ erschied enes. 78/1 Eintritt nur gegen Vorzeigung des Mitgliedsbuches. Um vollzähliges Erscheinen ersucht Tie QrtSverwaltung. Platin. Goldsachen. Silberiachcn, Zahngebisse, Slanniol 2.—, Quecksilber. Glubürumpsasche kaui! Blö- mcl, Augusisiratze 69.' 254/11' VklwnltungsKtlle Kerlin N 54, FinikuKr. 83-85. Telephon; Slmi Norden 183, 1239, 1987, 9714. Äureau geöffnet von 9—1 und von 4— 7 Uhr. Tonncrstag, den SO. Januar 1010, abends 0 Uhr: Versammlung Unterricht Lauten-. GelangSunterricht, Wal- lotte, Steglitz, Fichiestraffe 10, Tele- Phon 3681. I65SI* ~~Ze UneHmer an einem englis chen Zirlel für Llnsänger werden gesucht; ebenso für KonveriationszirleL Preis monatlich 4 Marl(2 Stunden wöchentlich). Prioatslunden billig. (S. Swienlh, CHarlotlenbnrg. Stull- garlerplatz 9, Gartenhaus IV. K.' im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Saal 1. Tag e s u r d n u n g: 1. Jahresbericht. 2. Tiskussion. 3. Neuwahl der Bronchenlommission. 4. 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