81.16.-1916. 5�6 t)OtQ)dtt0 Sftun�s. 20. Janmi. ?!us öer Entlausungsanstalt. Ein im„Courier", dein Organ des TransporlarbeiterverbandeS. abgedruckier Feldpostbrief emhält folgende interessante Schilderung: Die Sonierungsanstalt Prostken. dicht am Bahnhof gebaut, um- fakt einen Komplex von ungeiähr 700 Meter Länge und 200 Meter Breite. Auf dieser Fläche sind acht Sanierungsbaracken und sechs Wohnbaracken für die Bedienungsmannschaften der Anstalt erbaut. Die Wohnbaracken sind für 80 bis 100 Mann eingerichtet. Jeder Mann hat sein Bett und Waschgelegenheit. Auch sonst ist in jeder Beziehung für das Bedienungspersonal Sorge getragen, soweit die Lerhältnisse es zulassen. Nach dieser Einleitung ist es jetzt angebracht, daß wir einen Gang durch die Ansialt machen und eine Sanierung von fünfhundert Mann selbst durchmachen. Denn so viel faßt eine Baracke bei einer Sanierung. Jede Baracke ist in eine„reine" und eine„unreine" Seite ein- geteilt. Auf der unreinen Seite betreten die zu sanierenden Mann- schaften dn Baracke und kommen in einen breiten Gang, wo auf der einen Seite Schalter Nr. 2 ist. Hinler diesem Schalter ist ein großer Raum mit sechs großen Heißluftkammern. Doch dahin gehen die Mannschaften nicht, sondern den Gang entlang und kommen zu- nächst an einem Regal vorbei, wo 500 Paar Holzpantoffeln, genau nach der Größe geordnet, stehen. Auf der gegenüberliegenden Seite ist Schalter Nr. 1. Darüber steht in großen Lettern:„Abgabe der Wertsachen",„Empfang der Netze". Am Ende des Ganges befindet sich eine breite Tür. die den Gang abschließt, lieber der Tür steht ein Schild:„Auskleidesaal" Der Saal faßt gut 600 Mann. An den Wänden stehen Bänke für Fußkranke usw. Sonst ist der Raum leer. Gegenüber der Saaleingangstür befindet sich wieder eine Tür, die in einen ähnlichen Raum führt, wie der breite Gang, nur größer. Hier befinden sich auf der einen Seite vier Haarschneide- stuben, sowie ein weiteres Zimmer, wo die unreine Wäsche ab- gegeben wird. Hinler diesen Zimmern befindet sich die Badeanstalt, die La Brausen hat. also 25 Mann zugleich die Bademöglichkeit gibt. Hinter der Badeanstalt befindet sich ein ähnlich großer Rauin, wie onr Eingang(Schalter Nr. 2), in dem die Dampfdesinfektionsapparate sich befinden. Bis hierher geht die unreine Seite. Es ist genau die Hälfte der ganzen Baracke. Die andere Hälfte sieht fast genau so aus, nur fehlen die Haarschneidestuben. Die Heißluftkammern und Des- iniektionsapparate sind so eingebaut, daß sie genau in der Mitte der Baracke, also eine Hälfte auf der reinen und die andere Hälfte auf der unreinen Seite liegen. Die zu desinfizierenden Sachen werden auf der unreinen Seite reingehängt und nach Beendigung der Reinigung auf der reinen Seite wieder herausgenommen. Ebenso ist's mit der Badeanstalt. Eingang ist von der unreinen Seite und Ausgang— natürlich nach beendigtem Bad— auf der reinen Seite. Kein Mann des Be- dienungspenonals von der unreinen Seite kommt in Berührung mit den Mannschaften auf der reinen Seite. Ich schrieb schon, daß sich die reine Seite wenig von der unreinen unterscheidet, und doch sind noch einige Merkniale vorhanden, die festgehalten werden müssen, um die unten geschilderte Sanierung zu verstehen. Anstatt der Haarschneidestuben ist auf der reinen Seite die Wäsche- kainmer und eine Küche. Jir dem großen Saal, der hier„Ankleide- saal" heißt, stehen lange Tische und Bänke. Auf den Tischen und Bänken sind große Nummern aufgetuscht, und zwar von 1 bis 500. Es können also an den Tafeln 500 Personen Platz finden. Jede Sanierung von 500 Mann dauert 8 Stunden� so daß jede der 8 Baracken innerhalb 21 Stunden 1500 Mann von Schmutz, Ungezieier und Krankheitserregern reinigen kann. Welche hohe Be- deutung die Anstalten für die Gesundheit unserer Bevölkerung und unserer Soldaten haben, kann wohl nur der richtig einschätzen, der die Verhältnisse in Rußland kennt. Nun wollen wir uns zunächst einmal mit einer Sanierung von 500 Mann deutscher Truppen vertraut machen.— Es werden auch die gefangenen Russen saniert, ehe sie ihre Reise in die Gefangenen- lager nach Deutschland machen können.— Das Telephon meldet, daß vom x. Armeekorps, xx. Division, 1000 Mann um... Uhr zum Sanieren eintreffen. Der Zug läuft pünktlich ein. Alle Mann steigen aus und der Kommandoführer läßt den Zug sofort revidieren, daß nickt etwa ein Stück Gepäck oder desgleichen liegen geblieben. Acht Abteilungen zu je 500 Mann marschieren jetzt zum Appellplatz jeder Baracke. Hier übernimmt der Führer der Baracke das Kom- mando. Die Offiziere treten aus. Die Feldwebel, Unteroffiziere usw. treten in die Front ein und sind von jetzt ab nur noch Soldaten, denn in der Anstalt gibt es nur noch Kameraden. Der Truppen- ej Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Heute, da sein Herz ihn dies alles fragte, mußte Daud erwidern: Nein, nicht dieser Dinge halber bin ich heute da. Weshalb aber bin ich da?— Ich will Geld verdienen und ein gelbeS Hemd erwerben. Auch will ich mir Zuckerwerk kaufen und eitel Halbabrot essen, um stark zu werden. Ich will nicht mehr auf der Sakije sitzen. Es ist hübscher hier. Ich will viel herumhorchen, einen Esel mieten, die Sprache der Ingliz sprechen und ihnen viele Piaster aus der Tasche fischen. Denn wenn ich auch noch dumni und klein bin, so weiß ich doch, daß diese Teufel nichts anderes verdienen, als derb gc- prellt zu werden. Aber auf welche Weise sollte er nun seinen Vorsatz ins Werk setzen? Ja, wie um alles in der Welt, sollte er das machen?— Er überlegte mit gekrauster Stirn, und auf eiimial überkam ihn eine rechte Ratlosigkeit, so daß er sich in den Staub warf, zu schreien anhub und mit den Beinen um sich schlug. Da ertönte hart an seinem Ohr eine blecherne, knarrende Stimme:„O, du Sohn von sechzig Hunden; entfleuche flugs: was soll dein Geschrei?— Siehe, du hast mein Gebet mit deinem Atem zerschrien und ungültig gemacht; und nun muß ich von vorn beginnen; Schande über dich und dein Geschlecht I" — Daud blickte verblüfft auf, da sah er den Kaufmann, dem der nächste Laden gehörte, einen Juwelier und Altertums- Hausierer, mit zornwetternder Miene vor sich stehen. Sein olivensarbenes, ledernes Gesicht zeigte tiefe Falten der Kränkung; sein schwarzer Schnurrbart zuckte. Daud erhielt noch einen derben Tritt von einem Saffianpantoffel an die Schulter; dann stand er eilends auf und schlich davon. Er sah noch, wie der Kaufmann in den Laden zurückkehrte, sich auf die 5htie niederließ und, leise mit den Lippen bebend, die Hände ge- spreizt an die Schläfen hob. Daud bog hinter den Großen Tempel ein und gelangte auf einen kleineren, freien Platz, auf den die Straße El- Mahatta mündet. So vielfach daS Leben sich auch schon rührte, er empfand doch, daß in dem Hin und Wider des ent- fesselten Verkehrs plötzlich eine leise Dämpfung entstand. Jetzt ward es ihm bewußt: eine Stimme, die, an keinen Ort ge- Kunden, scheinbar ursprungslos über ihn dahinwandcrtc.... Eine Stimme, dem hellen Blau entquellend, entrückt und doch körper formiert sich zu einer Front von 25 Mann und einer Tiefe von 20 Gliedern. Der Barackenfübrer läßt die Gewehre zusammen- stellen und belehrt dann die Mannichaften, daß alle Patronen in das Kochgeschirr gepackt werden. Die Seitengewehre wurden schon vorher ausgepflanzt. Die Feldflaschen müssen entleert und dürfen nicht wieder verschlossen werden. Kochgeschirre, Spaten, Beile. Säbel, Degen werden nun unter die Gewehre gelegt, Futterale bleiben beim Mann. Alles, was jetzt unter den Gewehren liegt, braucht keine Reinigung, denn in Eisen, hartem Holz und Blech hält sich kein Krankheitserreger und keine LauS auf. Nunmehr werden sämt- liche Barbiere vor die Front gerufen. Alsdann geht's im Gänse- marsch in die Baracken— Eingang unreine Seile— zum Schalter 2. Hier erhält jeder ein großes weißes Netz, ein großes braunes Netz, ein kleines weißes Netz, einen Wertsachenbeutel und eine numerierte Kontrollmarke. Jedes der Netze usw. ist mit derselben Nummer wie die der Kontrollmarke versehen. Jetzt geht es in den Auskleidesaal. vorher hat aber jeder noch ein Paar Holzpantoffeln aus dem Regal genommen. Im Saale wird angetreten, genau wie auf dem Appellplatz. Das erste Glied hat Netze und Kontroll- marke von 1 bis 25, das zweite von 20 bis 50 usf. Von den Bedienungsmannschaften wird genau nachgesehen, ob auch alle Nummern stimmen. Die jetzt einsetzende Instruktion belehrt die Mannschaften, daß der Tornister ausgepackt werden muß und dann soll nur eingepackt werden Schnürschuhe, Hosenträger, Leibriemen, Feldflailbe, Pelzstücke, Schirmmützen. Bruchbänder, Patronentaschen, Schanzzeugiutteralc, Revolver und Fernglastaschen, Stiefel, überhaupt alles, was Leder ist und woran sich Leder be- findet. Dies alles muß in das braune Netz gepackt werden. In das kleine weiße Netz wird die Erkennungsmarke, Geld, Notizbücher, Soldbuch, Briefe usw.— aber keine Zelluloidsachen— eingepackt. Die Netze werden nunmehr an den Tornisterriemen befestigt. In den Wertsachenbeutel werden Uhr, Eßwaren, Tabak, Feuerzeug, Revolver. Benzin, Zahnbürsten usw. eingepackt. Das große weiße Netz wird um den Hals gehängt. Jeder nimmt alsdann das große braune Netz resp. den Tornister in die eine und den Wertsachenbeutel in die andere Hand. Im Gänsemarsch geht cS zum Schalter 1 zurück. dort wird der Wertsachenbeutel abgegeben und am Schalter 2 der Tornister mit dem braunen Netze. Alsdann zurück� in den Saal, jeder auf seinen Platz._(Schluß folgt,) Kleines Feuilleton. Die Hanjen in Sergen. Die i« der Schilderung des Großfeuers in Bergen erwähnte malerische Tyskebiyggen(Dcuische Brücke) mit den großen Lager- Häusern und dem sehr wertvollen Hansealischen Museum rufen die Erinnerung wach an das„große Kontor" in Bergen, einen Sammel- Punkt der deutschen Kaufleute aus den Hansastädten. Schon seit dem 13. Jahrhundert zog Bergen, hauptsächlich wegen seiner wohl- geschützten Bucht, dem Vaagen, die Deutschen an. Kaufleute und Hand- werker. Letztere, wie überall in Norwegen Schuster genannt nach ihrer stärksten Gilde, begründeten ein eigenes Viertel und standen all- zeit getreulich in Freud und Leid, oft mit ihren harten Fäusten zu den Hansischen. Als allmählich eine größere Zahl Kauflcule über den langen Winter blieb, erwarben sie Häuser, und so entstand das Kontor, das zuerst um die Mitte des vierzehnten Jahrhunderts erwähnt wird und nach der Verwüstung Bergens durch die Piraten 1129 zur vollen Blüte gelangte. Noch heißt das Gestade„die deutsche Brücke", und noch steht ein Teil der alten hansischen Häuser, die jedoch bald Neubauten zum Opfer fallen werden. Sie lagen am Rande des Meerbusens Vaagen, so daß die Schiffe, an den Landungs- brücken anlegend, mit hohen beweglichen Kranen bequem die Waren- ballen aus- und einladen konnten. Dreißig Häuser. Garde oder Garten, auch Höse genannt, aus rohen Balken gezimmert, meist dreistöckig mit schmaler Front, aber lang zurückgestreckiem Körper, standen dicht nebeneinander. Sie cnt- hielten Kaufbuden, Packräume und enge, niedrige Stuben, in denen die Kauileute, Kaufmannsgeiellen, Bootsjungen und Dienstleute in Familien, unter Aussicht der.Hausbonden" abgeteilt wohnten. Hinten lag der„Schütting", ein schmuckloser, länglich viereckiger Raum, fensterlos oder niit wenigen kleinen Fenstern, der im Winter die Hausgenossenschaft um das mächtige Holzfeuer der- sammelte, dessen Rauch durch eine Luke in. Dach seinen Abzug nahm. Auf den ringsumlaufenden Bänken hatte jeder seinen Platz abgeteilt, darüber ein Schränkchen in der Wand mit Eß- und Trinkgerät. Die Speisen wurden in der anstoßenden Küche, dem Elthauie, in dem sich ein Brunnen befand, am offenen Feuer in körperlich spürbar. Und diese Stimme traf ihn wie eine Lähmung, wiewohl er wußte, was sie rief. Sie kam von dem frisch gekalkten Minarett der Moschee El-Alabi; und das Minarett leuchtete mit seiner Tropfstein- Plastik unter dem Rundgesinis weiß im Morgenblau. Ueber das niedrige Geländer beugte sich ein Kopf, hoben sich schwarze Bermel, aus denen gespreizte Finger stiegen. So klein, so zierlich sah daS aus wie ein Spielzeug, und doch war die Stimme groß und deutlich und flog wie ein feierlicher Vogel über den Platz. Sie kam herunter mit einem schrillen Unterton und zog wie eine Welle in die Runde... Zuweilen überbot sie sich selbst, ekstatisch überspannt, und starb in einem heiser ver- zückten Laut dahin, um plötzlich wieder aus dem Dunkel tiefen Klanges und gereinigt zu erwachen, eine ansteigende Be- teuerung ruckweise herausschleudernd, bis sie sich wieder tremolierend in atemloser Höhe wiegte. Das ist der Gesang des Muezzin; keiner gleicht ihm. Er singt: „Gott ist sehr groß! „Ich bekenne, daß Gott Der Gott ist! „Ich bekenne, daß Mohammed der Prophet Gottes ist! „Kommt zum Gebell „Kommt zum Heil! „Gott ist sehr groß!' Er singt manche der Sätze dreimal mit aller Inbrunst einer fanatischen Erkenntnis. Er ist das Instrument, dessen der Höchste sich gleich einer Posaune bedient. Der Höchste schuf diese Stimme, diesen melodischen Aufschrei zu sich selbst und tat ihn in ein unvollkommenes Gefäß; bewahrt ihn darin; und so ist denn die Stimme die ganze Seele des Muezzin, denn er denkt nicht dabei. Es singt aus ihm. Soin Leben ist ein tierisches; es gehört der Nacht an. Er ist blind. Die vcrschrumpftcn Augäpfel sind tief zurückgesunken. Leere Höhlen gähnen in das wundervolle Blau. Er bläht den Hals und wirft den Hinterkopf erhaben und eitel zurück; sein scharfes Profil steigt auf und nieder; sein Gesicht wiegt sich leise zum Beben der offenen Hände. Die Arme, im Ellbogen senkrecht abgeknickt, schweben breit im Licht, im Glanz, als wollten sie ihn einraffen wie die Arme der großen Menschcnfischer, die je in diesen Bereichen hausten. Unter ihm sind offene Höfe: die Harems kehren ihr Innerstes zum Licht. Braune Frauen schwatzen halbnackt mit- einander, wiegen unmündige Kinder oder liegen noch wie schwarze Bündel in nächtlicher Erschlaffung da. Ein leises, silbernes Gemurmel strömt aus dieser Welt, die von der äußeren streng geschieden ist. Könnte er mächtigen, von eisernen Haken herabhängenden Kesseln bereitet und durch ein Schiebefenster in den Schütting gereicht; in einem Nebenraum verzapfte der Küster das Getränk. Hinter den Gebäuden lieferte ein kleiner Garlen die in der Küche nötigen Kräuter. Gegen hundert Mann beherbergte jedes dieser Häuser, im ganzen alio etwa dreilausend, zur Sommerszeit während des Schiffsverkehrs erheblich mehr. Eine strenge Zucht hielt im Kontor die Ordnung aufrecht. Keiner durste verheiratet sein, überhaupt kein Weib die deutsche Brücke betreten. Freundschaftlicher Verkehr mit den Em- geborenen war streng verpönt. Wer etwa eine Norwegerin ehelichte, verlor sein deutsches Recht._ Deutsche Kriegsgefangene als kulturpioniere. Der norwegische Schiffsreeder Lied hat bei seinen Handels» expeditionen in Sibirien auch den deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen seine Aufmerksamkeit zugewandt. Die Kriegs- gefangenen können sich in Sibirien nützlich machen, wie es ihnen gefällt. Oesterreichische Kriegsgefangene haben, so schreibt Lied nach dem„Export", bei unserer letzten Handelsexpedition die Fluß- schiffe beladen, die zur Eismeerlüste gingen. In den Landstädten und Dörfern findet man die Kriegsgefangenen als Barbiere, Tischler, Bäcker. Schuhmacher usw.. sogar als Künstler. So hatten sie in Tomsk ein 10 Mann starkes Orchester gebildel, das Konzerte gab. Darunter waren Leute mit offenem Blick. Viele hatten Russisch gelernt. Sie besaßen Warenkenninis und haben sich mit eigenen Augen überzeugen können, welche Reichtümer und Möglichkeiten Sibirien bietet. Kein Land kann solche Pioniere in solch nennenswerter Zahl aussenden, wie Deutschland und Oesterreich. Und diese Leute verstehen zu arbeiten, sie studieren die klimatischen Bedingungen, Transportverhältnisse, Eni- Wicklungsmöglichkeiten, Märkte usw. Die Russen können auf solche Faktoren in der Entwicklung ihres Landes kaum verzichten. Die wirtschaftlichen Interessen werden sich stärker erweisen als �dis politischen oder Raffenverhältnisse. Das ist stets so gewesen. So- mit werden die Kriegsgefangenen nicht bloß für die Norweger. sondern auch für die Engländer und Franzosen gefährliche Well- bewerber sein._ Die Natur im§ilm. In einem auch sonst recht bemerkenswerten Aufsatze der„Licht- bildbühne" wird erklärt, warum wir im Film oft die Brandung der see, die windbewegteu Bäume, den Wasserfall ganz anders zu sehen bekommen als in Wirklichkeit. Der Film ist mit falscher Geschwinoig- keit aufgenommen oder vorgeführt oder auch beides. Ein Bild soll so schnell„durchgeführt" werden, als c-3 aufgenommen ist. Wir haben aber gewöhnlich nur die gleichmäßige Kurbelbewegung, die etwa 10 Einzelaufnahmen in der Sekunde entspricht. Nun gibt- es aber Naturerscheinungen, die sich sckmeller oder langsamer abspielen, und danach müßte man bei der Aufnahme vorgehen, auch müßte dann der Vorführer die entsprechenden Angaben erhalten. Dazu kommt noch, daß in den verschiedenen KinoS auch verschieden schnell vor- geführt wird. Bald recht langsam, um den Film zu„strecken", d. h. mit wenig Metern Film recht lange Zeit auszufüllen, bald recht schnell, um die Besucher möglichst schnell wieder wechseln zu können. An und für sich wäre der Film also sehr wohl in der Lage, ein ge- treues Abbild der Natur für uns und für die Nachwelt zu liefern. an der Verzerrung ist der Kinomann schuld, der hoffentlich bald zu der für ihn einzig richtigen Devise zurückkehrt: Die Natur im Film. Notizen, — Vorträge. Im Verein von Freunden der Treptow- Sternwarte hält Herr Artur Trebitsch aus Wien am Freitag, 21. Jan., abends 8 Uhr(im Hörsaal des Kunstgewerbemuseums) einen Vor- trag über„SinneSeindrücke und Sinnestäuschungen ül erkenntnis- kritischer Beleuchtung". — Theaterchronik. Infolge deS Erfolges von Haupi- manns„Biberpelz" hat die Direktion deS Deutschen Theaters das Abkommen mit Else Lehmann bis zum 10. Februar ver- längert. — Von der Theaterzensur. Die Aufführung deS vielfach verbotenen Schönherrschsn DramaS„Der Weibsteufel' ist nach dem „Berl. Börsen-Courier" für den Bezirk des S. Armeekorps vorbehält- lich der Zustimmung der in Frage kommenden Regierungsstellen frei- gegeben worden. Eine Besprechung des Inhalts im Rahmen der Zeilungskrilllen darf jedoch nicht erfolgen. — Ein neues Drama von Ludwig Fulda„Der LebenSschüler" erlebte im Deutschen Schauspielhause m Hamburg die Uraufführung. sehen, der Muezzin, so sähe er viel, so ivürdc eine Flamme von sinnlichen Begierden ihn von unten her umzüngeln, ihn stammeln machen und ihm die Andacht zu Gott aus dem Kopfe treiben. Er würde in manchen eifersüchtig behüteten Schrein seinen gierigen Bcttlerblick schlüpfen lassen. Er würde in Gedanken die drei Gebetszeitcn deS TagcL besudeln und verstohlene Völlerei treiben; und aus seinem leeren Inneren würde der Anruf nicht mehr kristallen rein empor- fahren, sondern würdelos und schluchzend wie Eselsgeschrci. So lange der Mensch dort oben sang, hörte Daud ihm zu. Er hatte sich mitten auf den Platz gesetzt, in fromm meditierender Stellung. Er verstand den Sinn des Gesanges nicht; es war mehr der Klang, der ihn reizte, und der ihm vertraut war wie der Sang von Sakije. Und Daud erinnerte sich, daß seine Altersgenossen, sogar die dümmsten unten ihnen. schon rechte Muslims waren und bereits etliche Suren be- herrschten, wenn sie auch keine Riten kannten und nichts weniger als beteten. In einer dunklen Anwandlung von Schicklichkeitsgefühl zog er das Hemd, das er bis jetzt als formlosen Ballast mit sich geschleppt, manierlich über den Kopf. und dann beschäftigte er sich wieder mit seinem noch recht gestaltlosen Vorsatz.... Seine Genossen waren schon in ihrem sechsten Jahre in die Schule getrieben worden; sie waren ihm füglich überlegen, und hier stand er, war nichts. konnte nichts und fühlte einen Geschmack wie von Galle am Gaumen. Doch lange war es ihm nicht vergönnt, also bittere Ueberlegung zu halten, denn der Platz begann sich zu be- leben. Die eisernen Scharniere der sich öffnenden Ladentürcn knirschten die ganze Straße El-Mahatta herab, so daß ein fröhliches Getöse entstand. Aus den kleinen Schankstuben kamen braune Burschen in gestreiften Hemden heraus und stürzten die Unrateimer über dia. Straße; die Sonne bebrütele das stinkende Rinnsal und schluckte es nach wenigen Mi- nuten aus. Ein koptischer Priester ging über die Straße. eine große, hagere Gestalt, umwallt von teurer, schwarzer Wolle, mit viowttem Gürtel und komisch geformter Haupt- bedeckung. Er war hell im Gesicht und trug einen schwarzen, runden Bart. Seine Hände, mit kräftigem Adernetz, rafften den Mantel von den gelben Stiefeln zurück, die er mit fast weibischer Vorsicht über jede Pfütze setzte. Ein Fleischer zerrte von einem Karren einen toten Hammel herab; vor seiner Auslage schaukelten an eisernen Haken blutige Vierteile mit weißleuchtendem Fett. Von jener Gegend kam ein erstes rastloses Fliegensummen: der Mensch war nicht müßig, und das Ungeziefer tat eS ihm gleich.(Forts, folgt.) Zeipzigersfrässe Alexanderplatz Frankfuifer Allee Leipzigers tra sse Alexander platz hankfarf er Allee Donnerstag soweit Vorrat Treislüerte Czöcnsmittet Fische und Fleisch nur Leipziger Str. u. Alexanderpl, Fleisch mU«6o Knooh� I B U-PW" 460 m.Knocb-Pl«1- 1 ptund i �50 60 Schmorfleisch Hoasibeaf Blnderkamm Bind, yuerrlppe. f Kalhshcuie..... Kalhsnlercnbrat. Kalbsvorderfl. Kalhshaxe■■ 1°° oo ""S v° ptund WHrstwaren Zervel.- a. Salamiwurst p»>,°- 280 Teewurst.............?r»»a 280 Mettwurst � 235 Knackwurst mtt inobUuch Pfnod 2S0 Jagdwurst........... Pk»»6 200 Feine Leberwurst.... Pfund 210 Landleberwurst...... Pfund l65 Zwiebelwurst......... Pfund l30 Blutwurst............ ptund l35 SUlzwurst............ Pfund l20 Bäacherwarcn Pommersche Sprotten � 60 pf Prima Fettbückllnge stack 1 5 pl Sprottbücklinge...'j. piund 65 Pf. Makrelbücklinge.... stack 38 pl Fleckheringe....... stack 38 pi Bismarckheringe Senfheringe..... Delikatessheringe Pfeffergurken— Norw. Anchovis. Fische 1-PfWBd- Ffild- Post- Packung: 95 PL . f ewürvt 80 pf. «»0 .ptund 1 Hammelkeule MkeSzunkc Schabefleisch*-7»! Obst und Gemüse Spinat......... 2 Piund 35 Pi. ROtkOhl(Holländer). Pfund 20 Pi Wirsingkohl(Holland.) Pfund I4pt Kohlrüben....... Pfund 5 Pf- Mohrrüben..... 2 Pfund ispi. Schwarzwurzel.. Pfund igpf Mandarinen 1" i Mandarinen...... Pfund 35 Pf. i Dauer-Maronen... Pfund 30 Pf. I Messlna-Apfelslnen Dtzd. 75 Pf. I KOChäpfel...... 2 Pfand 35 Pf. j Boskop-Aepfel.. 2 Pfund 45 Pf| Verkauf von ausländ. Schweinefleisch Donnerstag, den 13. Januar. morgens 5 Uhr, entschlief ruhig, nach Heimkehr vom Zahlabend, im 73. Lebensjahr unsere Genossin JVtafie Henckel. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 20. Jan., nach- mittags 3>/, von der Leichenhalle des Gemeindefriedboss in Britz, Chausseestrajze, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 1 194/4 I>er Vorstand.! Deutscher Hetallarheiter-Verbanil Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen ,ur Nachricht, da>i unser Mitglied, der Maschinen- arbeiter kudwix Gröning am 14. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung hat bereits am 17. Januar stattgesuuden. Nachruf, Den Kollegen ferner zur Nach- richt, dag unser Mitglied, der FeüenHauer >Vilkelm Nost < Wildau) am 8. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenke«! Nachruf. Den Kollegen serner zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Rohrleger kränz Pawlowski (Rheinsberger Straße 67) am 15. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Nachruf. Den Mitgliedern serner zur Nachricht, dag unser Mitglied, der Schleifer Guxo Lekneicler (Neukölln, Thüringer Straße 15) am 7. Januar gestorben ist. Ehre seinem Andenken l 10/17 Die OrtSverwaltung, Spezialarzt Dr. med. WockenfnB. Frledrichstr 125(Oranienb. Tor), für Syphilis. Harn- u. Frauenleiden— Ehrllch-Hata-Kor(Dauer 12 Taxe), Blutuntersuchung Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Berufs- störung. Teilzahlung. Sprechstunden 10— 2 und 4— 8 Verein für Frauen nnü Mädcben der Arbeiterklasse. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Genossin AWie Henckel geb. miantzkl gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet heute Donnerstag, den 20. Jan., nach. mittags 3'/. Uhr, aus dem Britzer Gemeinde-Friedhos statt. Fahrverbindung: Straßenbahn 28 und 29 bis Britz, Triststraßc. Um rege Beteiligung ersucht 52/2 Der Vorstand - 5irf/wUic(v/ 45«P'fj. SlewtecL 15 Haben Sie Stoff? ich fertige davon Anzug od Pnletot nach Mass, schick, dauerh Zutaten von 28 Mark an Moritz Labaad, Neue PromenadeSJJdStadtb.öOrs). Deutseber Bolzarbeiterverband. Zahlstelle Berlin. Vach ruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Johannes Müller Pankow, Maximitianstr. 5 im Aller von 41 Jahren ge- storben ist. Ehre seinem Andenke«! Die Beerdigung fand am Man- tag, den 17. Januar, statt. 81/19 Die Ortsverwaltung. WesiDicnn's TrauerniBjKln Größte nuwaKL Billigste Preis«. L Mohren.trsB« 37s (IColonnadeni IU Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andreasstr.l Aaswabltasdungsn settrL Ami Zemrura 7890. Sesntsg 12— 2 Uhr gsiltnsL Stiefelsohlen Umr Paar 93 Pf."m® zum Selbfwntcrmachen. Komplett ausgemacht mit Gummiabsätzen: Herren 2.93. Damen 2.39. Alcxanderftr. 8, Eltsadethstr. kkredit, de- gueme An- und Abzahlung. Möbel- Lechner, Bxunncnstratze 7. Zweites Keichäst Müllerstrage 174. Sonnlag von 12—2 geöffnet. Moebel-Boedel, Moritzplatz 58. Spezialität: Ein- und Zwcizimmcr- einrichtungen. Einzelmöbel. Billigste Preffel Große Auswahl. Eng- tische Bettstelle mit Matratze 40,—, Besichttgung nur im Fabritgebäude 8 bis 8. Sonnlag 12 bis 2. 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SO— 25. joii&GUUuüii iv/—« unu t—»-»--------------_______;_:----....——-——---■ BecantmotlUchei Redakteur: Alfred Wielepp, Neukölln. Für den Inseratenteil verantw.; Td» Blocke, Berlin. Druck u.Verlag:!ijorwärtD Buchdruckerei u. Berlagvanjralt Paul Singer&(io„ Berlin SW.