Nr. 17.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 21. Januar. /tos öer Cntlausungsanftalt. lSchlutz.) Wir verlassen für einige Zeit unsere Pfleglinge, um zunächst zu erfahren, was mit Wertsachenbeutel und Tornister geschieht resp, wie sie verpackt werden. In dem Wertsachenraum liegen die 500 Beutel schon geordnet in den numerierten Fächern. Die Estwaren werden auf ihre Sauberkeit geprüft und was unsauber ist. wird vernichtet. die Uhren werden mir Benzin gereinigt, ebenso jedes andere Stück. Im Räume, Schalter Nr. 3, werden die 500 Tornister in die sechs Heistlustkammern gehängt, die Türen werden fest verschlossen und schon hört man die heiste Lust von 70 Grad in den Kammern arbeile». Drei volle Stunden bleiben diese Sachen in den Kammern unter gleicher Hitze. Nach solcher Prozedur lebt keine Laus und kein Krankheitserreger mehr. Kehren wir zu unseren Pfleglingen zurück. Sie stehen noch ans ihren Plätzen. Sie erhalten Anweisung, sich auszuziehen und alle Sachen, mit Ausnahme der Wäsche und Strümpfe, in die weistcn Netze zu packen. Die werden dann wieder im Gänsemarsch nach dem Schalter zur Dampfdesinfektion getragen. Jeder kehrt zu seinem Play zurück. Im Desinfektionsraum werden 125 Netze in den Dcsinfektionsapparat gehängt und bleiben nur eine Stunde unter Dampf, aber bei 120 Grad Hitze. Die Herausnahme der Sachen erfolgt nicht auf der Seite, wo sie hineingehängt wurden, sondern auf der reinen Seite von dem dortigen Personal. Unsere Pfleglinge sind jetzt im Saal in Unterhose, Hemd und Holzpantoffeln. Der Humor ist schon zutage getreten und mancher derbe Soldatenwitz kommt zum Vorschein. Die Mannschaften mit Marke von 1 bis 25 sind in die Barbierstuben gerufen und werden einer gründlichen Scherung unterworfen. Wo Haare sind, ob im Gesicht, auf der Brust, unter den Armen, auf dem Kopf oder sonst» tvo, alle müssen fort, nur der Schnurrbart findet Gnade. Wo Haare waren, wird der Körper mit Snblimatessig eingerieben, dann gehUs ins Bad, nachden, nunmehr auch die letzte Hülle, also die Wäsche, abgegeben wurde. Die nächsten 25 Mann sind schon wieder in den Barbierstuben. Die Holzpantoffeln dürfen nicht mit ins Bad ge» nomnien werden, sondern bleiben vor dem Eingang stehen. Sind cille 25 Mann im Bad, dann werden die Eingangstüren vom Bade» meister verschlossen und die Ausgangstürcn geöffnet. Also auf die unreine Seite kann jetzt kein Mann mehr kommen. Die Holz» Pantoffeln liegen schon in einem Bebälter mit Kresolseifenlöfung. Hier im Bade geht es natürlich sehr lustig zu und der Bademeister mnst oft ernste Ermahnungen erteilen, will er die 25 Mann in einer Viertelstunde los sein. Nach dem Bade gehen die Mannschaften auf die reine Seite, nehmen sich hier wieder Holzpantoffeln, erhalten ein Handtuch zum Abtrocknen und werfen das nasse Handtuch in einen dazu ausersehenen Behälter. Nun gehen sie zum Schalter für reine Wasche. Hier erhält jeder ein Hemd, eine Unterhose, eine Leibbinde, ein Paar Strümpfe, alles ganz neu, und sie ziehen sich an. Begeben sich dann in den Ankleidesaal und setzen sich an den Platz, dessen Nummer mit der ihrer Kontrollmarke übereinstimmt. Bis alle 500 Mann fertig, ist viele Zeit, und daher begibt sich jeder zum Schalter der Küche, empfängt dort sein Essen, welches er in aller Ruhe verzehren kann. Nach Beendigung der ersten Stunden find die Unisormslücke desinfiziert und die Kammer wird geöffnet. Die Mannschaften von 1— 100, die auch fertig sind, treten im Gänsemarsch an. Jeder empfängt ein Netz mit Sachen, sieht sich die daran befind- liche Nummer an und trägt es auf den Platz, dessen Numnier mit der am Netz befindlichen übereinstimmt. Dann geht jeder wieder aus seinen Platz. Hier liegt entweder schon das Netz mit seinen Sachen, oder er wartet, bis es einer seiner Kameraden bringt. Genau so wird es mit den Netzen aus der Hcistluftkammer gemacht. Die Wertsachen holt sich jeder selber wieder. Nachdem sich jeder angezogen und fertiggemacht, werden sie aufgefordert, die Netze und Kontrollmarle wieder abzugeben. Bevor sie den Saal ver« lassen, wird noch einmal gefragt, ob jeder seine Sachen vollständig wieder habe. Keiner meldet sich, dah ihm irgendetwas fehle. Jetzt geht es auf den Appellplatz. Hier macht sich nun jeder marschfertig; die Kompagnieführer übernehmen wieder das Koinmando, und fort geht es bei frober Stimmung und unier frohem Gesang. Oft genug wird noch ein kräftiges Hoch auf die Bedienungsmannschaft ausge» bracht. Wir verstehen. Und jeder unserer Kameraden, die zur Be» dienungSmannschafl gehören, sie wetteisern darin, den zu reinigen- den Kameraden während der Sanierung nicht nur eine gute und vor« nehme Behandlung zuteil werden zu lassen, sondern ihnen auch in jeder Beziehung behilflich zu sein. So wle eS unseren Kameraden in der Anstalt geht, so gesch>eht's auch den gefangenen Russen. Den Stimmungswechsel dieser Leute vor und nach der Sanierung, wer ist wohl imstande, den schriftlich festzuhalten? Voller Angst und Sorge treten sie ein und sie glauben sich in ein Märchenland versetzt, wenn sie die Sanierung durchmachen. Der Dank ist oft unbegrenzt, den sie spenden. Auch das peitscht die Landsturmmänner des Sanierungskommandos zur äußersten Pflicht« ersüllung an. Und leicht haben sie es wirklich nicht. Bei Hoch« betrieb fast Tag und Nacht auf dem Posten, ohne Rast und Ruhe. Dennoch erfüllt jeder ohne Ansporn seine Pflicht, wohl wissend, dafi diejenigen, die zum Reinigen kommen, Entbehrungen und Strapazen hinler sich haben, die vor Ausbruch des Kriege« kaum geahnt wurden. Aber noch zwei Männern müssen wir gerechterweise hier ge- denken. Es sind der Chefarzt Dr. Puppe und sein Vertreter Oberarzt Dr. Kracek, die Leiter der Anstalt. Was an Schaffenskraft. Organisationstalent, klugen Anordnungen zur Aufrechterbaltung des Betriebes der Anstalt von ihnen offenbart wurde, das ist mehr, als man je erwartet hat. Und wenn die Bedienungsmannschaften so treu ihre Aufgabe lösen, to ist es nicht zum geringsten Teil ein Verdienst der genannten Leiter der Anstalt. Wohlwollende und vor- nehme Behandlung ihrer Untergebenen tragen ihre Früchte in dein großen Vertrauen, welches die gesamte Bedienungsmannschaft diesen beiden Leitern entgegenbringt. So arbeiten dann gemeinsam die Leiter und Bedienungsmannschaften, um nicht nur die Soldaten, sondern auch das gesamte Voll von Seuchen und Plagen zu be- freien resp. fernzuhalten. kleines Feuilleton. „Immer feste druff/ In dem ersten Januarheft des.Deutschen Willens'(Kunstwarts wird die Zuschrift eines Offiziers veröffentlicht, die den jetzt üblichen Bühnenlittch zum Gegenstände hat. Sie lautet: „Bei meinem mehrwöchigen Kommando nach Berlin besuchte ich verschiedene Theater. Am letzten Tag nieincs Aufenthalts ging ich in die Kriegsoperette.Immer feste druff", denn ich sehe gern einmal Vollsstückc, in denen keine Lebensräliel gelöst werden. Nach einer törichten.Mobilmachungseinleitung", nach einer widerlichen Verführungsszene mit Alpenglühn im Hintergrund, nach einer Szene, bei der die deutsche Frau eine klägliche Rolle spielt. öffnet sich der Vorhang zum zweitenmal. Tosender Jubel, Tücher- schwenken, Jauchzen, Lachen des Gesindes zum Fenster hinaus lassen auf einen pöbelhast gefeierten Sieg schließen— aber nein: unsere Regimenter ziehen durch die Straßen der Stadt ins Feld. Wer von meinem Bataillon hat damals gejohlt, wer hat uns zugejauchzt? Hat unser Volk damals vor Freude getanzt, als seine Söhne in Kampf und Tod zogen? Nun kommt die Portiersfrau, tritt jedem Bediensteten aufs Gesäß, wobei sie ihre rosa wollenen Strümpfe zeigt, und das Publikum jauchzt und quiekt vor Vergnügen. Im übrigen soll die PortierSsran die„Berlinerin" darstellen, sie benimmt sich zu diesem Zweck gekühlSroh. Ihr Mann steht.natürlich" unter dem Pantoffel und zeigt sich als vollendeter Trottel— bis er sich als preußischer FtMttiebel vorstellt und mit einer Militärmütze sein Einrücken bekundet; nicht aus Vaterlandsliebe, sondern um von seiner Frau loszukommen. Er bleibt übrigens im Felde der Troddel und hat ebensolche Mannschaften unter seinem Befehl. Die feld- grauen Uniformen exerzwren wie Waschlappen und tänzeln mit Ge- wehr über im Operettenschritt auf der Bühne herum. Es wird einem Soldaten nickt ganz leicht, dem zuzusehen! Aber dann wird's noch schöner: ein Gefecht mit Operettenmusik sdie Paukenschläge bedeuten Kanonenschüsse), ein.lebendes Bild" zum Beklatschen: je einem Franzosen und Engländer werden die Hosen geklopft. Aber all das ist noch harmlos gegen die nach der Posse ein- setzende Rührszene mit Abendrotbeleuchtung, als der Galle an der Treue seiner Gattin zweifelt. Ach. wie.gemütvoll" ist daS I Auch Humanitälsbeweise dem sterbenden Feind gegenüber gibt es mit der Operette zu genießen. Dann ist ein Flicgerleutnant da—.Hosenrolle". Hierbei ist die Hauptsache, daß die Spielerin ihre Schenkel möglichst hoch zum Stecdschritt in die Luft wirft... Nickt ausbleiben durfte auch die.Verherrlichung" der kriegs- begeisterten deiiiscbsn Stiidentenschast. Mit Fahnen und Schlägern, in möglichst buntem Wichs marschieren die Chargierten in das Zimmer ihres Professors herein. Man schildert die deutsche Jugend mit lächerlich-widerlichen Karikaturen. Ihr Sprecher ist ein Bayer mit kolossalem Bierbauch.... Die Schlußszene des Ganzen: der Held verwundet im Lazarett — Wiederkennung— es trieft wieder von Rührung. So wird Tag für Tag vor gefülltem Haus unser Heer lächerlich gemacht. Ich für mein Teil sah den großen Krieg, in dem ich meine Freunde verlor, in dem ich selbst zweimal verwundet wurde, tiefer noch als zur Posse herabgezogen. Wie vielen ging es ähnlich? Man regt sich schulmeisterlich über die„Schrift unserer Feinde" oder über gelegentliche Fremdwörter auf. Kirchenvorstände beider Konfessioneil sprechen entrüstet gegen SchönherrS„Weibsteufcl". wegen der„Monna Lisa" finden manche Kreise neuerdings„Unzucht" auf der Stuttgarter Hofbühne. Aber„Immer feste druff" und seinesgleichen läßt man ungehindert. Ich bin wieder im tiefverschneiten Galizicn, im Felde. Die Luft weht hier scharfer als in der Heimat. Aber sie scheint mir besser. Ich rufe Sie al« deutscher Osfizier um Hilfe an. Wir stehen nicht draußen im Kampf, um solche Kulturgüter zu verteidigen." Wir haben dieser Kritik nichts hinzuzufügen. pferöelazarette. Der Krieg hat den Beweis geliefert, daß dem Pferd noch immer eine ganz außerordentliche Bedeutung zukommt, daß es keine:" Wegs durch die techmschen Fortschritte, vor allem durch das Auto- mobil so sehr zurückgedrängt worden ist, wie in Friedenszeike» tvohl so mancher geglaubt hat. Auf den grundlosen Wegen Polens wäre ein Fortkommen des Trains ohne tüchtige Pferde ganz nn- möglich gewesen, unsere Artillerie hätte ohne gute Bespannung nicht entfernt das leisten können, was sie wirklich geloisiet hat. Ueberhaupt hat sich das deutsche Kriegspferd dem vielgeeühmten russischen nicht nur durchaus ebenbürtig, sondern überlegen gc- zeigt. Um so wichtiger ist es daher, auch für seine Erhaltung und im Falle der Verletzung und Erkrankung oder Erschöpfung für seine Wiederherstellung zu sorgen. Es sind daher Sammelstellen für leichtkranke Pferde eingerichtet, wo erste Verbände sowie medi- kamenteuse und leichtere chirurgische Eingriffe vorgeiwimnen wer- den. Diese Sammelstellen inachen wie die Feldlazarette die Fronwerschiebn Ilgen mit und sind für die Truppen leicht erreich- dar. Daneben haben sich aber auch stehende Lazarette für Pferde weit hinter der Front als unbedingt notwendig erwiesen, um unseven Pfevdebestand möglichst auf ungeschwächter Höhe zn erhalten. Die Tiere werden hier zunächst in einer Quarantäne- station auf Seuchen untersucht und evtl. in besonderen Seuchen- abteilurigen untergebracht. Die seuchenfreien Tiere werden den einzelnen Abteilungen zur spezifischen Behandlung überwiesen, wo bei namentlich bei Schußwunden und größeren Verletzungen das Messer des Chirurgen eine hervorragende, oft das Leben bewahrende Rolle spielt. Wie beim Menschen wird auch beim Pferde mit lokaler Anästhesie sSchmerzbetäubung) und völliger Narkose gearbeitet. Vielen Pferdelazaretten sind auch Erholungsheime in Gestalt von Wiesen- und Weidengärten angegliedert, loa übermüdete oder in der Rekonvaleszenz befindlich« Tiere wieder zu Kräften kommen sollen. Die gesund und frisch gewordenen Tiere werden wieder als felddienstfähig zur Front geschickt. Viele andere werden so- weit hergestellt, daß sie zwar nicht mehr im Krieg, aber in laud- wirtschaftlichen Betrieben Verwendung finden können. Nutizen. — Konzerte für dieJugend werden von den Leitern der Fach- und Fortbildungsschulen in Verbindung mit Künstlern u. a. neuerdings veranstaltet. Am Sonntag, den 23., nachm. 3 Uhr, findet im Blüthnersaal das dritte dieser Konzerte statt. Es bringt edle Musik su. a. ein Quintett von Beethoven, Gesänge und Lieder von Scharwenka und Spohr) und ist auch den Angehörigen und Lehr- meistern der Forbildungsjugend zugänglich. — Kunst abend. Dr. Gustav Manz hält am Sonntag, den 28. d. M., abends 8Vz Uhr, im Charlottenburger Schillersaal den einleilenden Vortrag zu einem Dichterabend:„Berliner Humor in Prosa und Vers." Eintrittspreis 50 Pf. mit Kleiderablage und Zettel. — Gute Romane von dauerndem Wert, die es verdienen aufgehoben und wieder gelesen zu werden, bringt die Wochenschrist „In Freien Stunden". Diese Hefte, die jede Woche für 10 Pf. einen illustrierten Hauplroman in Fortsetzungen und daneben gut ausgewählte kleinere Erzählungen nebst allerlei WissenSwettcm aus der Natur- und Kulturgeschichte bringen, sollten in der Arbeiter- famitie jede offene oder verkappte Schundliteralur verdrängen. Sic sind unterhallend, spannend und belehrend zugleich, in anständiger Ausmachung und gediegen im Inhalt. Der zweite Halbjahrsband 1915, der jetzt geschmackvoll und solide gebunden vorliegt, zeigt, daß die Hefte sich auch in dieser Dauerform sehr gut ausnehmen und wohl verdienen, dem häuslichen Blicherschatze einverleibt zu werden. Der Band enthält außer Zolas klassischem Roman„DaS Geld" Erzählungen von Berthold Auerbach und Moritz Hartmann, eine Reihe moderner Skizzen und populärwissenschaftlicher Aufsätze. — A l t e r t u m s f u n d in Griechenland. An einer der ältesten Kultnrstätten in Griechenland, in TirynS bei ArgoS, wurde durch Zufall ein Fund von sehr gut erhaltenen Schmucksachen aus dem 2. Jahrtausend vor Chr. gemacht. vj Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Während Dand sich entschloff, einen einsameren Ort. wo- möglich an der Mauer, einzunehmen, ward er eines Esels ge- wahr, der ihn erstarren machte, denn diesen Esel kannte er bereits aus seinen Träumen. Der Esel trappelte mit einem Geräusch, als ob kleine Stahlhämmer auf den noch nacht- kühlen Asphalt fielen, quer über den Platz; er war schnee- weiff, ctivas gröffer als die anderen, die Daud bis jetzt ge- sehen, und in jeder Beziehung ein gehätscheltes Pracht- stück. Er stammte offenbar aus Nubieu, aus der Gegend von Halfa, denn dort ist die Urwiege aller Rasseesel. Er trabte so stramm dahin, daff es eine Freude war; er bockte leicht mit den Hinterbeinen, und der kalte, graue Fremde, der auf ihm saff(— mit dem schwarzen Augenschutz, der ihm das Ansehen einer Eule gab—•>. dieser klammerte sich an ihn, wie sich ein böser Geist um eine reine Seele klammert, die entfliehen will. Von dem bunten Samtsattel, nach dem Daud noch in aller Eile spähte, sah er nichts als einen lockenden Schimmer, da der Fremde so eifrig auf- und niedcrflog, dah er in jeder Sekunde einen anderen Teil dos Sitzes den Blicken entzog. Dagegen hatte Daud ein Saumzeug wahrgenommen, das ihn märchenhaft kost- bar dünkte. Hinter dem Esel, mit einem Treiberschrei, der mehr einem Jauchzen glich, kam ein gutgenährter, humoristischer Knabe geflogen, älter als Daud, mit einem gestickten Baum- wollkäppchen und flatterndem, funkelnd blauem Hemd; offen- bar einer, der bereits in Piastern wühlen durfte. Der Junge tanzte mit einer Gerte hinterdrein... ach, das Leben ist eine Lust I Dann war auf einmal das Zauberbild ver- schivunden. und Daud, die Augen aufgerissen, fand sich schwer in diese Welt zurück. Doch war dies der letzte Anstoff für ihn gewesen, etwas für sich zu unternehmen, und er stand auf und ging die Mauer entlang. Nach einer Weile fand er eine Tür. Er trat in einen gestampften Hof und hörte ein eintöniges Gemurmel. Er befand sich vor einem rechteckigen, niederen Gebäude aus Atilcrdc, das von gespaltenen Palmstämmen und darüber gelegten Palmblattmatten bedeckt war. Unter den Zipfeln der Matten, die zerfasert auf den Seiten herunterhingen, waren zwei löcherartige Fenster: aus diesen Oeffnungen drang das lockende Gemurmel. Und instinktiv erfaffte der zögernde Daud, daß für ihn zunächst dies der Ort sei, wo er aus der Quelle des Wissens schöpfen werde. Der Eingang zu dem Gebäude war auf der anderen Seite; so ging denn Daud mit einem Gemisch von Ehrfurcht und Entschlossenheit um die Ecke und stand plötzlich vor einem dämmerigen Raum, in den zwei blendende Lichtbüschel fielen. Gleich darauf unterschied er einen älteren Mann mit einem kurzen Vollbart, der sich über ein Buch neigte. Er überragte einen Kranz von Knaben, die auf kleinen Palmstengclpulten oder in den Händen verzinkte Platten von Eisenblech hielten, auf denen viel Tinte glänzte. Diese Knaben nun beugten sich rhythmisch in den Hüften und rezitierten mit krausen Stirnen in melodischer Wortfolge eine Lobpreisung Allahs. Nach jedem Satz fuhr die Stimme des Lehrers dunkel hinterdrein. Das Geleier ertönte noch etwa eine Minute, auf- und abschwellend, müde wie der Grillengesang in Dauds Feld- träumcreien. Dann wurde der Eindringling bemerkt, oder es wurde vielmehr bemerkt, daff er sich noch nicht empfahl, sondern sich mit neckischer Bescheidenheit als Mitglied der Schule zu fühlen schien. Er war in den Schatten geglitten und traf alle Anstalten zu bleiben, von dem einzigen Wunsch beseelt, um jeden Preis aus seinem Aufenthalt Gewinn zu ziehen.--- Seit man seiner gewahr geworden, hatten die Knaben etwas schleppender rezitiert und waren in ge- dankenloses Näseln verfallen, denn sie machten sich auf eine spaffhafte Unterbrechung gefaht. Und richtig: jetzt klappte der Schulmeister ab und erhob sich. Seine arabischen Hosen verschwanden unter dem Kaftan; er warf mit der einen Hand das halbgelöste wciffe Wolltuch, das um seinen Tarbusch gewickelt war, heftig über die Schulter. Die Knaben drehten sich so eilig herum, daff die Kuhhorntintcnfäfser, die sie aus den Bäuchen trugen, kleine Spritzer von sich gaben. „Friede mit dir I" sagte nach einer kurzen Stille der Schulmeister mit recht ärgerlicher Stimme.„Wer bist du und weshalb sitzest du hier und störst den erhabenen Unterricht?" Er fischte eine Hornbrille aus dem Aermel und wand ihre Haken heftig um die Ohren herum. Daud war bestürzt. Aber die Gewißheit, daff er in der rechten Schmiede war. gab ihm Kraft. Er begriff nicht, wessen man ihn bezichtigte, aber um jedenfalls sicher zu gehen, tat er. was sein kleines Herz ihn hicff: er legte, wie er es bei dein blinden Muezzin bemerkt, die Daumen an die Schläfen und sang, wobei seine Stimme glasschrill aus der ängstlichen Brust herausstieg, das Subh, das Morgengebet, mit den richtigen Worten und Widerholungen, deren er sich noch vom Morgen her gut bewufft war. Man lieff ihn gewähren. Der Schulmeister zeigte ein flüchtiges Lächeln, das er gleichwohl, wie seine Stellung cö heischte, mit Würde tilgte. „Du sangst ohne Falsch," sprach er.„Dies ist das recht- schaffene Frühgebet, wenn der gelbe Schimmer erscheint.-- Wo kommst du her?" Daud deutete mit dem Daumen in die Richtung. Dabei sagte er:„Naga-el-Kom." „Und dein Name?" „Daud-ibn-Zabal." Die kleine Gesellschaft brach in ein Gelächter aus. „Man lacht," fuhr der Fiki fort, nachdem er die Lustig- keit mit einem erbosten Husten gedämpft--„weil du ein Dorfkind und ein Tölpcl bist. Denn hier gibt es nur Söhne von Kaufleuten, die mich bezahlen. Hast du Geld?" Daud demonstrierte mit einer einleuchtenden Gebärde, wie es in dieser Hinsicht stand. Der Schulmeister blieb finster stehen und nagte an seiner Lippe. Dies Schweigen ivar schrecklich. Daud neigte den Kopf und drehte nur seine bläu licheu, schön schimmernden Augen empor, so daff er keine Regung des fürchterlichen Gewalthabers auffer acht lies;. Irgend etwas schwante ihm, ein donnernder Schlag, der ibn zermalmen würde wie eine Fliege, oder eine groffe Gelächter- schmach aus diesen fünfzehn Kehlen. Zun: mindesten befand er sich schon halb auf der Flucht. Nun aber sprach der Schul- meister, und seine Stimme war mild: „Für heute magst du bleiben; ich will sehen, ob dein Kops die Einsicht hat und dein Gemüt guten Willens ist. Ja) will dich die Fatha lehren, den erhabenen Eingang alles Wissens, der mit Perlen geziert ist. Und wenn sich dein Kops gelehrig erweist, so geh zu deinem Vater und sprich zu ihm: ,So und so, und ich will zu dem Schesch Ali-ibn-Musa gehen, auf daff er mich den heiligen Koran lehre und bring mir von ihm Anfang jeden Monats einen Doppelpiaster, ein junges Huhn und eine Wassermelone, wenn sie reifen. Und wenn er eine Abgabe in diesem Sinne leistet, so wird Gott ihm und dir gnädig sein."(Forts, folgt.) Dentsches Tlieafer. Direktion: Max Re nhardt. T'/o Uhr: üfaria Stuart. Sonnabend: Der B'bcrpelx. Sonntag 21/s(kleine Pr.): 3U n it p von Kni'nheliu. ävajsmi er spiele. 8 Uhr: Der Vater. Sonnabend; Der We bsteufel. Sonnt. 21/2 U.(kl.Pr.); Wetlerleuchlen VoIksS>ühiie. Theater a. Bülowpl. 8 Uhr; Das Mirakel. Spnnab. u. Sonntag: Das Mirakel. Dir. Meinharti-Serrfluer. Ttisatsr in der Königgrätzerstr. T'/a Uhr: Jlar äa Stuart. ICssmöilienhaus 8',', U; Die riitselhnfte Fran Bs�iänser Thaat. 8 Uhr; Wenn zwei Hochzeit machen. Lessin�-Theater. Direktion: Victor Parnowsky. Anfang 7'/2 Uhr. Peer<» y n t Sonnabend; Kaiser und Galiläer. Deutsches Künstler-Theater. Allabondhch 8 ühr: Die seilte Exzellenz. Circus Busch Täglich 8 llhr. t ennab. u. Zoimlcg 3'/,». 8 Uhr UM»«« 'raal»ea!»tr. 48/4S. 8 Ubr Kurlsnä und die Dünafront. Theater für Freitag, den 21. Januar. .TIontiK Operctten-Thratcr Deutsches Opernhans Charlottbg. 7 Uhr: Dia Meistersinger v. Nürnberg (Hans Sachs: Karumers.Plaschke) Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. s�rtDerpligeyett./uaX). Gebr. Hermfeld. Theater s Uhr: SokFates und Perlmuiler. Ixlcinen Theater. suhr. Benrielte Jaeoby. Komische Oper. 8 Uhr: Jung; nmli man«ein. Dnstepielhans. sv, uhr: ies aus Gelälligkeit. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin ÄiU Sonnt. 3 U.: Der Trompeter v, Säkk. Luisen-Theater. Tägl. abends 8.15, Sonntags 8 Uhr: Bettelstudenten. Sonnadd. nachm. 4 Uhr: Kindervorsl. SelmeeweMen oud Rosenrot. ermr: Frau Bettina u. ihre Sohne. Rose-Theater. 8 � Gestern noch auf stolzen Rossen. Morgen 4 Ubr: Rotkäppchen. Walhalla-Theater. 8 mr: Frezicssa. Morgen: Grlgri. T oigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 58. Freitag, den 21. Januar 1916: „Die Gehieterio von St. Tropez." Schausp. i. 5 Ansz.v.Anizcet-Bourgeois. Sonnt, 3 Ubr: Familie Buchholz. Ab Montag: Goldene Jugend. Kaheneröffnung 7 Übt. Am. 8 Ubr. Heuto geschlossen. Morg, z. 1. M.: 7Vj Uhr: Der Sterngucker. Uesldenz-Theater «'/.Uhr: Die Prinzessin vom Nil. Schlller-Tlieater O. s ubr: Der Doruenweg. Schlller-Th.Charlottcnbg. s uhr: Zwei glückliche Tage. Thalia-Theater, s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater um.Vollendorfpl. sv, u.: Innuer feste druff! Theater de» VT eMtcn» 8 uhr: d. Fräuleiu v. Amt mit Guido Thielscher. Trianon-Thcater. �u-: Verheiratete Junggesellen. finMnfefmrifiiht I Vorher d. gvojjart. Januar-Prcgr. Sonnabend nachm. 3V. Uhr, | d beüpiclloi. Erfolg, weg. abermals ÜPin Wintermärchen!! 1 Kind frei(außer Galerie) I IVorbk.a.s. Nachm. tägl. ab 10 Uhr» keietisbAtteu-Tliesler. Stettiner Sänger. Zum Schiaß: Ansang 8 Uhr. Für Militärper- ionen bolUomm ireier Zulrittzu d. Stell. Sängern. Anfang 8 Uhr. �Vletlor-�uttreten «and- Treumann viggo Lsrsen in„Paragraph 80. Absatz 2" von IV. Lahn. Da«n da« neue Januar-Programm. Münzen säW. WilHelmi'lr. 46/47 Weil der Inhaber im Felde, verkaufe wegen vollständiger Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Hcnte Fest-Konzert zum Besten des Königin-Augusta-Garde-Grenadier.Regts. Nr. 4 im Felds, I veranstaltet v. d. Vereinigung ehomal. Hoboisten d. 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Tänze von Ferry Sigmund. Mitwirkende- Else Berne— Lotte Werkmeister v Thalia Theat a. G Gustav Matzner— Heinrich Paer Julius Spieimann Außerdem: Der ertolpiehe Spielplan! u. a, Robert Belling, kom Dressurakt Hun Gunos Chinesentruppe. Georg Bauer. Improvisator Possen-Theater Linienstraße, a. d. Pnedrichstr. Melonenbaum. Posse mit Gesang v. Theo Haiton. Meschugge ist Trumpf Posse i. 2 Akt. v. Leonh. H askel mit Leonh. Haskel u. Siegfried Berisch Anfang 8V« Uhr. Casino- Theater Lolbringei Str. 37 Tägl. 8 Uhr: IVea!-Vent Jfoa' Was machste im? Posse in 3 Auszügex! von Hans Berg. 'Allabendltch nümiilicher Beifall. Dazu das crlttL Spczialilälenprog Sonntag 4 Uhr: sipauiilie Schnase. Aümiralspslast Lis-Arens Lis-Ssllvtt. V.» Uh.». s, 4 n. Ver�tlgllehe liüehe. Verkäme. Borlälirige Herrennlilcr au-, teinstcn Magiloffen.8— 45 Mar!, Paletots U—LL. Anzüge 16— 38. Beinkleider 4— 10, Iünglingsgarde- robe. 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Ausstellung der Delegieren zur Generalversammlung. aar* An dieser Versammlung müssen auch die Möbelpolierer lcllnehmcn, da auch die BrancheiitommissionSmilglieder hier gewählt werden. Kranchen- Versammlungen. Schirmarbeiter. Montag, de« 24. Januar, abends 7»Hr. bei Stet«, Hn der Stralauer Briirte 3._______ ....... Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. Stockarbeiter. DienStag, de« 25. Januar, abends« Uhr, im BereinShanS, Holzmarttftr. 21. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommiision und Neuwahl derselben. 2. Dahl der Delegierten zur Generaloerlammlung. 3. Verbands« und Btanchenangelegenheiten. Kammacher, Kamm- und Haarschmuckarbeiter und AtMmnneu. Mittwoch, den 26. Januar, abends 8 Uhr, t« AndreaSgar«en(Wittenberg). Andreasstr. 2«. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 2. Wahl der Delegierlen zur Generalversammlung, 3. Branchenangelegenbeilen. Stellmacher. Donnerstag, den 27. Januar, abrnds 8'/- Uhr, im»Rosenthaler Hos-, Rosrnthaler Strafte 11/12. Tagesordnung: Bericht der Zenttalkommission und NeuwahL Bericht der Kommission und NeuwahL Ausstellung der Delegierten zur Generalversammlung. Die Detnverwaltang. 1. 2 8. 81/20 Verband der Üithographen, Steindmeher und verwandten Berufe. Sngeluser 15 III, Zimmer 47—68. Mitgliedschalt Berlin. Mitgliedschaft Berlin. Tonnabend, den 22. Januar, abends pünktlich?'/- Uhr: Gemeiliem Bezirksversammlungen rar Lithographen und Steindrucker. Die Versammlungen finden in selgcnden Lokalen stall: i.„Graphisches Vereiushaus" Alexandrinenstr. 44. 2. Ledaarant T Lsedse, Lind-wer Str.26(Bahnhoj Seoding). 2. Kekaurant„Vereiusheim". 4 Restaurant„pfrfferberg" sfrüher Disdeck) 5.«eutlötill. Restaurant„jlaffagt-Festsaie"«rrgstr. isi. 6. 8ehöneberg, Restaurant 0. Lelimann, 5. Die 8neic des Berufes verpflichtet sämtliche Kollegen zum Besuche der Bezirksversammlungen. ■Mr* Die außer Berus tätigen ä-iitglieder werden un> ihr Erscheinen dringend ersucht. DWF- Dir bitten alle Kollegen, die ihm Dohiiuiig-.«chftliegende Versammlung zu besuchen. 108/1 Die Terwaltangeis 1 nnd 114. Tkvvitb.Tlioiuas, Cranicnitr U lpotlbillig iatbicblcrbaftc Teoviche, Gardinen. Vorwärlslcicru 5 Vrozrni Extrarabal: Klk? PelzftolaSl Pelzmusicn! fU-'-n oorgerödter Iah' eszeil spoiiö'.Lig. Herrenanzüge. Wl»tcru!ster. Aller- billigster Bedenoerkam. Aussteuer» wälche. GardiuenauswahL Biachl« teppiche. Uhrenveikaus. Schmuck- sachen. Spoitprcise I Leihhaus Warschaucrstrajze 7. 36K' Lribbaus rinpla« 58»! kausen Sic jpoltbillig von Kavalieien wenig getragene iowie im Ber atz ge- weiene Jackelt-, Rockanzüge, Mücr, Valctots. Serie 1: 10—18. Serie IT: 20— 30 Mark, größienleils aus Seide. Gelegeniiettskäuse in neuer Mag- garderobc. enorm billig. Riesenbollen Kleider, Kostüme. 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Verlag. Vorwärts Buchdruckerei u. Vertagsanstalt Paul Tinger& To, Berlin SW.