JIr. 35.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 11. Februar. Das genähte herz. Aus der Jugendzeit klingt es>.'> uns heraus, das Märchen vom k a I t e n H e r z e n, wie es uns Wilhelm Hauff erzählt hat. vom steinernen Herzen, wie es �die� Schwarzwaldsage vom Holländer-Michel liessinnig berichtet.»5'e Geschichte vom g e- nähten Herzen aber ist der Gegenwart vorbehallen, sie konnie früher gar nicht erdacht werden, und, wth? das Märchenhafteste daran ist, sie ist wirklich wahr, so gruselig sieppe an das Bruskbein ist durchstochen— also zweifellos auch die Brusthöhle eröffnet, wahr- schetnlich auch der Herzbeutel, vielleicht das Herz— es ist keine Zeit zu verlieren! Der Arzt ruft tclcpbonisch den Chef der Abteilung in seiner Wohnung auf. Während Professor Hertle ins Krankenhaus eilt, wird alles für die Herzoperation vorbereitet. Die Instrumente sind ausgekocht, der Patient vom Profesior untersucht und nochmals gründlich gewaschen, der Operateur und der Assistent haben die von der modernen Asepsis vorgeschriebenen Waschungen ihrer Hände und Vorderarme, die unerbittlicher vor- genommen werden als die heiligen Waschungen der Mohammedaner, vollzogen. Der Verwundete ist im Gesicht bläulich verfärbt, sein Puls ist nicht mehr fühlbar, er ist ein wenig benommen, gibt aber, wenn er angerufen wird, richtige Antworten. Die schweren All- gemeinerscheinungcn, die bei der Untersuchung der Herzgegend fest- gestellte Verbreiterung der Herzdämpfung, die Lage der Wunde ber Durchlrennimg des Rippenknorpels lassen eine Herzverleyung als zweifellos erscheinen. Es ist keine Minute zu versäumen— so wird denn zur Operation geschritten— genau zwei Stunden nach dem Sticke I Ter Verletzte ist von dem zweiten Assistenten narkotisiert. Er weiß von nichts mehr und spürt nichts. Wenn die Operation nicht gelingt, geht er aus diesem Schlaf direkt in den ewigen über. Ein Schnitt durch die Haut und Mustulalur, die Rippen liegen da. Sie müssen Platz machen, ein Einfallslor zum Herzen muß geöffnet werden. Die drille, vierte, fünfte und sechste Rippe wird ihrer Knochenhaut soweit entblößt, daß mit einer eigens gebauten Knochen- schere ein kleines Stück aus jeder Rippe über dem Herzen heraus- geschnilleu werden kann, nicht zu klein, damit der Operateur das Herz herausziehen kann, nicht zu groß, damit die Verletzung nickt zu umfangreich, die Aussichten der Heilung nicht verringert werden. Der Herzbeutel, ein dünner, häutiger Sack, der das Herz einschließt, liegt da. Bei diesem Stand der Operation fällt einem ein: was für eine Kleinigkeit gegen das. waS noch kommen muß, ist die Overalion, die Sbylock im„Kaufmann von Venedigs an seinem ver- haßten Feinde vorgenommen haben will: Ein Pfund Fleffch, dicht am Herzen— nicht der Rede wert! Der Herzbeutel liegt vor— er zeigt die erwartete Verletzung, die allein schon genügt hätte, um den Tod herbeizuführen. Aber noch liegt nicht alles zutage. Die Wunde im Herzbeutel wird rasch erweitert— der Sack ist mit Blut gefüllt, das größtenteils ge- rönnen ist. Von wo hat es sich ergossen? Aus dem Herzen— die Herzwunde muß rasch gefnnden werden. Der Operateur greift mit seiner rechten Hand wahrlich„hinein ins volle Menschenleben", er räumt die Blutgerinnsel aus dem Herzbeutel— im gleichen Moment spritzt ihm ein dunkler Blutstrahl entgegen— fingerdick, massenhaft: das aus der Herzwunde zuerst ergossene Blut hat sich im Herzbeutel angesammelt, und das Gerinnsel bat die Wundöffnung durch„Tamponade" verschlossen. Aber diese Tamponade ist zugleich trotzdem tödlich, sie hindert das Herz an seiner Arbeit und bringt es zum Stillstand wie die Pulslosigleir, die bläuliche Verfärbung, schon andeuteten. Nun ist die Tamponade weg und aus der Herzwunde spritzt im Strahl das Blut. Da ist kein Zehntel einer Sekunde zu verlieren, jetzt gehl es auf Leben und Tod! Sofort hat der Operateur seinen rechten Zeigefinger auf dem Loch im Herzen und tamponiert es damit. Mit der linken Hand aber packt er das arme Herz an der Spitze und zieht es etwas vor. Jetzt sieht man die Wunde: die vordere Wand der rechten Hcrzlammet ist durchstochen. Der Assistent hält das zappelnde Herz, sanft aber doch fest, an der Spitze, der Operateur, der mit Vorliebe mit der linken Hand näht, legt rasch nacheinander, während sein rechter Zeigefinger die Wunde noch verstopft, drei Nähte mit Katgulfäden durch die Wunde und da ein Stichkanal blutet, gibt er senkrecht dar- auf noch eine vierte Naht durch das Herzfleisch— viermal genäht hält besser, sagt der Schneider. Während das zappelnde Ding, das wir Herz nennen, vorgezogen und die Wunde mit dem Finger zu» gedrückt wird, will es ein wenig streiken: es bleibt stehen, der Operierte wird totenblaß, seine Augensterne erweitern sich stark-- er stirbt!!-- aber ein kleines Nacklassen mit Zug und Druck und Herz und Mensch erholen sich wieder. Dieser ausregende Zwischenfall wiederholt sich so drei-, viermal— ihn zu beobachten, ohne den Kopf zu verlieren, immer das Nötige zu tun und ebenso ruhig als schnell weiterzuarbeiten, sobald es wieder geht, ist die hohe Kunst des Chirurgen. Die vierte Naht ist geknüpft, die Herzwunde verschloffen, nun darf das Herz in seine gewohnte Lage zurück, und wirklich— es fährt munter fort zu schlagen, als ob es eine solche schlechte Be- bandluno gewöhnt wäre. Der Herzbeutel wird zugenäht, jedoch ein Streifen Jodoformgaze driugelasscn, weil eine Eiterung infolge des Stiches nicht ausgeschlossen ist, die Haulmuskelwunde wird ebenso versorgt, ein Verband angelegt. Das alles ist rascher geschehen als es erzählt werden kann, denn Zeit ist hier Leben. Zwanzig Minuten hat die ganze Operation gedauert, vom ersten Hauiichuitt bis zur EinWickelung in Verband- ztoff, daß der Oberkörper wie eine weiße Riesenzigarre aussieht. Nock ist es nicht sicher, ob der junge Mann davonkommt. Alle möglichen Verwickeluiigen können nach der Verletzung und Ope- ration eintreten. Eine Eiterung im eröffneten Rippenfcllraum, «ine Entzündung im Herzbeutel, ein unregelmäßiges Arbeiten des verletzten und genähten Herzmuskels kann ein Blutgerinnsel ins Gehirn schleudern und einen Schlaganfall. den Tod oder wenigstens eine Lähmung herbeiführen. Tatsächlich bleibt der Patient noch einige Zeit das Sorgenkind des Professors und der anderen Aerzte. Er bekommt Fieber— o weh I Gefehlt ist's! Aber ruhig Blut, untersuchen I Eine leichte Lungenentzündung rechts und darauffolgend eine Rippenfellentzündung rechts— unangenehm. aber bar mit der Wunde selbst nichts zu tun! Dann links iin Rippeusellraunr Schmerzen— bedenklich, denn er ist bei der Operation eröffnet worden. Aber ein Probcstich mit einer kleinen Spritze gibt Beruhigung: es ist„nur" Blut, das sich an- gesammelt hat— es wird ganz einfach mit einer Spritze auf- gesaugt. Alles geht gut. Da bekommt„der Kerl", um dessen Leben alles zittert, höheres Fieber: eine Eiterung am Herzbeutel! Doch das genähte Herz besteht auch diese Probe. Die Eiterung wird dank der bei der Operation vorgesehenen Ableitung sDramage), geringer und geringer, dos Fieber sinkt und sinkt— sechs Wochen nach der Verletzung und Operation ist der junge Mensch fieberfrei und vierzehn Tage später erleben er und die Aerzte die Freude, daß er das erstemal das Bett verlassen kann. Blaß und schmal ist der achtzehnjährige Bursche, aber sein genähtes Herz hat bereits die schwersten Proben bestanden, er erholt sich rasch. Vor zwanzig Jahren wurde zum erstenmal ein Herz mit Er- folg genäht(von Professor Keber in Frankfurt). Bis dahin wagte sich die Chirurgie nicht oder nur ohne Hoffnung an das Organ, dessen Verletzung den Tod bedeutet. Seither hat man etwa zwei- hundertmal die Operation ausgeführt und etwa achtzig Verletzten wurde dadurch das Leben gerettet. Aber ist nicht jeder einzelne Fall, wo es der Kunst des Chirurgen gelingt, einen sonst so unrettbar dem Tode verfallenen Menschen zu retten, ein Triumph, ein Lob- gesang auf die Wissenschaft, auf die in den Dienst der Lebens- crhaltung gestellte Teckmik? Mit unerhörter, auf Wissen und Können aufgebauter Kühnheit der geschwungenen Sense des Knochenmannes das kleine Messer und die chirurgische Nadel entgegenzustellen, und in diesem Dnell siegreich zu bleiben, um die Erhaltung eines Lebens mft Aufbietung aller Energie und Kunst zu kämpfen, das ist das wahre Heldentum, das die Menschheit ziert. Graz. Dr. Michael Schacher l. kleines Feuilleton. Im»toten Zpem*. R. Marsillac erzählt im„Journal":„Upern ist tot, aber es ist noch im Tode schön und vornehm, und es ist den deutschen Granaten, die ihm Tag für Tag so hart zusetzen, nickt gelungen, es ganz zu entstellen. Als ich dieser Tage in Apern ankam, verdeckte ein leichter Nebel die Wunden der Stadl. Die glasierten Ziegel eines Beginen- Hofes strahlten die Strahlen der blassen Sonne fast heiler zurück. Man sah sogar aus einiger Entfernung noch ziemlich hoch einen der Türme der Domkirche des heiligen Martin aufragen. Je näher man aber kommt, desto mehr ändert sich, indem es immer klarer wird, das Bild, und die zahllosen Wunden zeigen sich in ihrer ganzen tragischen Häßlichkeit. Das große Gebäude, das. von der Landstraße aus gesehen, unversehrt schien, hat auf der den deutschen Stellungen zugewandten Seite weder Dach noch Fassade. Das macht einen ganz merkwürdigen Eindruck, und man denkt an eine Theaterdekoratiou oder, noch besser, an ein Gesicht, das von fem lieblich und regelmäßig erscheint, bis man, näher gekommen, ent- deckt, daß es welk und von Blattern zerfressen ist. Ueberall Ver- nicktung, überall Schweigen des Todes. Es gibt nickt ein Haus, auch nickt ein einziges, das nicht durch Granaten beschädigt worden wäre. Nie hat eine Erderschütlerung in so methodischer Weise so furchtbare Wirkungen erzielt. Die von dem scharfen Atem der Ex- plosionen angeblaienen Vorderseiten der Häuser sind verschwunden, und die Vertraulichkeiten und Geheimnisse der Wohnungen liegen frei vor aller Augen. In den meisten Häusern sind die Stockwerke eingestürzt, und Wände, Balken, Möbel sind in wirrem Durch- einander in die Kellerräume hinuntergcpollcrt. Nichts mehr scheint hier zu leben: keine Wetterfahne knarrt im Winde, keine Tür wird zugeschlagen, kein Hund bellt, nur die Kanonen brummen herüber, und ein paar Naben und Krähen fliegen. Schatten des Todes, schweigend in den Trümmern umher. Auf dem Großen Platz, wo die Martinskirche mit den dOll Jahre allen Hallen und den alten flämischen Häusern steht, scheint alles in den Schoß der Ewigkeit versunken zu sein. Jeder Tag bringt neue Granaten, und die Zahl der großen„Krater", in welchen sich lauliges Wasser ansammelt, wird immer größer. Von dem großen viereckigen Turm ist eine Mauer durch ein wahres Gleichsgewicktswunder stehen geblieben: man glaubt, sie durch einen Hauch umblasen zu können. Von den Gebäuden ringsum sind nur ein paar Mauerreste erhalten: hier und da sieht man die Wölbung einer spitzbogigen Tür oder die Kurve einer Ein- satzrose. In einem Winkel ragt ein Türmchen mit spctzem Dach zun, Himmel empor. In der Kirche ist das. was einst der Altar war, mit schwarzem Tuck bedeckt— vermutlich hat zuletzt hier ein Trauer- gottesdienst stattgefunden. Auf der Erde liegt, vom Rauch der Explosion ganz grün gefärbt, eine kleine marmorne Engelshand. In der Sakristei und einem neben ihr gelegenen Zimmer liegen in malerischer Unordnung Kleidungsstücke, Wappenschtldchen, Kopf« bedeckungen der Geistlichen."_ Warum Kartoffeln süß weröen. Profesior Parow gibt in den Nachrichten für die Stärkefabrikation hierfür eine Erklärung, die auch vom rein Praktischen abgesehen naturwissenschaftlich interessant ist. Nach den Untersuchungen von Müller-Thurgau findet während der Lagerung in der Kartoffel eine Wasserverdunstung, eine Zuckerbildung aus Stärke und Zucker- zerstörung statt. Die Zuckerbildung wird durch ein diastalifches Enzym bewirkt, das in der Kartoffel vorhanden ist und die Eigen- schalt besitzt, Stärke in Zucker zu verwandrln. Die Zuckerzerstörung entsteht bei der Atmung der Kartoffeln, indem Zucker in Wasser und Kohlensäure gespalten wird. Bei höheren Temperaturen gehen dieieVor- gänge schneller vor sich, als bei niedrigen, daher sind auch die Verluste an Substanz bei der Lagerung der Kartoffel größer, wenn sie bei warmer Temperatur, und geringer, wenn sie bei kühler Temperatur gelagert wird. Wir wissen, daß eine Lagerungslemperatur von etwa 6 Grad Celsius die Aufbewahrung der Kartoffel auf lange Zeit ohne größeren Substanzverlust gestattet. Der Grund dafür ist der, daß die Atmung, das ist die Zerstörung von Zucker, also Substanz, bei sinkender Temperatur nachläßt. Bei Null Grad hört die Atmung fast ganz auf. Die Zuckerbildung wird aber durch die niedrige Tem- peralur wenig beeinflußt. Sinkt also die Temperatur allmählich, so bört wohl eine Zuckerzerstörung, ober nicht eine Zuckerbildung in der Kartoffel auf; die Kartoffel Richert sich also mit Zucker an, sie wird süß. 25] Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Daud trat heran, exaltiert, mit aufgerissenen Augen, deren schwarze Pupillen funkelnd in bläulichem Tränenwasser schwammen, und mit allen Anzeichen einer rasenden Wut. Doch diese Erschütterung zerbrach nach drei Schritten seinen sensiblen Körper: er sank auf den Boden und blieb, an Percys Beine geschmiegt, wortlos sitzen. Er wurde zu- schends kleiner und kleiner, wie ein in heißem Schmerze schmelzendes Häuflein Elend. Sein Hirn erfaßte in diesem Augenblick nur das eine, ungerecht, blind und dumpf, und doch war es für ihn der Kern der Sache:„Nun schüttelt er mich ab-- pah, was liegt ihm daran, und ich habe ihm doch gut gedient! Nun erhalte ich den Fußtritt..." Ah, welch ein ohnmächtig brennender Haß, welch ein fressendes Gift war in seiner Seele! Blitzschnell war ihm klar:„Dieser ist ein Hund; warum habe ich ihn damals im Hause des Teufels nicht im Sande stecken lassen! Warum!!" Ja, jetzt war die Viper ein erstes Mal lebendig, fauchend lebendig! Personal, das im Garten Korbstühlc gruppierte, schlug Gelächter auf. Hotelgäste aller Art, die vorüberkamen, amüsierten sich. Das kleine Bild, das die Knaben unftei- willig stellten, hatte jedoch keine lange Dauer, denn Percy zerstörte es, indem er zur Treppe ging. Er war peinlich be- rührt, zugleich aber auch ergriffen von der wilden Anhänglich- keit, die sich ihm hier ein erstes Mal so schrankenlos offenbarte. Er ging zu seinem Vater und besprach die Sache mit ihm. Mr. John öffnete die Jalousie und sah Daud drunten liegen mitten in der Sonne, zusammengekrümmt wie ein Tierchen; die Hände hatte er im Nacken verschlungen und die Stirn im Sand vergraben. Zuweilen schlug er mit den Füßen aus. Nach längerer Zeit kam Percy herunter und teilte Daud mit, daß man beschlossen habe, ihn mitzunehmen. Als Daud begriffen hatte, was die Zukunft ihm bescheren werde, spreizte er die Finger, wiegte den Kopf vor übergroßer Freude langsam hin und her und sprach dann so recht aus der Tiefe seiner vom Schluchzen noch nervös zitternden Brust hervor:�„Maschall ä.!"— mit schwerster Betonung auf der ersten Silbe... mit einer Betonung, als entsteige ein Orgel- ton ganz unvermutet einem zarten Instrument, das bisher nur kindlich helle Töne kannte: sonor, schweren Klangs und wuchtig. Als er solchermaßen sein Entzücken bezeigt hatte und nun sah, daß Percys herzförmiger Mund sich zu einem gönnerhaften kleinen Lächeln verzog, legte er die hellbraune Hand mit einer gewissen rührenden Unbeholfenheit an dessen Wange. Von dort ab ließ er sie auf die Schulter gleiten, während in seinem Blick die Verwunderung noch lange lebendig blieb. Am folgenden Tag langte Daud in Luksor an und ging durch die Felder seinem Dorfe zu. Der schmale Pfad vor ihm zog sich braun dahin durch das inzwischen dunkler gewordene Grün. Die Memnonskolosfe, umzittert von Hitze wie ehedem und imnrerdar, hielten Wache in ihrer wuchtigen Ruhe. Un- endlicher Grillensang umschrillte den wandernden Daud. Einmal, nachdem er die alte Seeumwallung von Birket-Habu Umschriften, blieb er stehen und legte die Hand schützend über die Augen: Da lag das Dorf Naga-cl-Kom, und vor ihm, auf dem flachen Ackerland, bewegte sich ein blaues Fleck- chen einem schwarzen entgegen: das konnten nur seine Eltern sein. Und jetzt hörte er, fern und doch deutlich, ein verworren singendes Geräusch, das sich von allen unterschied, einsam und eigenartig: süß verftaut: den Sang der Sakije, seiner Sakije. Eine Weile hielt er an... Er sah an sich herab, fand sich prinzlich und ging, während die Eitelkeit beim Schreiten seine Hüsten leicht hervorwölbte, sinnend durch das Feld. Pfadlos ging er und ttat die Halme mit der nackten Sohle in den Grund. Klein und bunt kam er einher wie ein Träumchen. Und Zabal witterte ihn im Gefteide und tat einen kräftigen, lang hinhallenden Fluch, ohne ihn zu erkennen. „Wer ist der," vernahm Daud, der ihn noch nicht mit den Ohren verstehen konnte, im Herzen—„wer ist der Kuppler dort, der Getreidezerstampfer, dies Hurenkind von drüben, das armen Mannes Saat zertrammelt? O, möchte er doch..., o, wäre er doch... Gott soll ihn strafen; ich werde ihn mit Steinen vertreiben, den Abkömmling von sechzig Hunden, den seine Mutter in der Eselskrippe warf..." Dies war der Sinn des langen Satzes, den die ferne Stimme als Begrüßung schrie. Daud jedoch ging unbeirrt auf ihn zu; da erkannte ihn Zabal. Und da Daud den Alten in letzter Zeit sehr verwöhnt hatte(mehr mit Naturalien zwar, als mit barem Geld, denn seit seiner letzten Entdeckung hatte er ein Haar darin ge- sunden, zu dem toten Kapital beizusteuern), so war die Be- grüßung von einer gewissen Herzlichkeft getragen. Die Mutter kam etwas gebückt heran, streckte ihre runzligen Finger aus dem Wollbausch und prüfte zungenschnalzend Dauds neues Gewand. „Nunmehr, meine Eltern, folgt mir zum Dorf und zu unserer Behausung," sprach Daud.„Denn ich habe euch ein erstaunliches Ding zu berichten: mein Herz will ich öffnen und heraustun, was darinnen ist; und wenn ihr es wahr- genommen und ganz und gar verstanden habt, werdet ihr sein wie die Träumenden. „Allah!" sprachen die Leutchen gemeinsam.„Wir folgen dir.— Was gibt es nicht, das noch wird, und wie ist die Welt voll von Neuem allerorten!"— Zabal warf seine Hacke hin, und Umm-Dabbus deckte die Handmühle mit einem Sack- tuchfetzen zu.— Da zögerte der Ton der Sakije und hörte plötzlich auf; die„Stecknadel" war herabgeklettert und schloß sich den Eltern an, die dem Knaben voll schwerer Neugier folgten.— In der Hütte angelangt, erzeugte Daud eine ge- wisse Weihe, indem er seine Familie in einem Halbkreis um sich gruppierte und Zigaretten unter sie verteilte. Umm- Dabbus gurrte vor Vergnügen, und der Rauch quoll schnell genug in bläulichen Wolken aus ihrer Kopftuchfalte hervor. Aus dieser Falte ragte der Arm mit der Hand, die das aromatische Röllchen hielt, wagerecht auf das Knie ge- bettet, wie ein einsamer Wegzeiger zum Glück. So saßen sie selbviert eine Weile schmatzend und stumm auf untergeschlagenen Beinen. Endlich sagte Daud:„LaiSm alekurn! Heil sei über euch!" „Und über dir sei der Friede und Allahs Barmherzigkeit und sein Segen!" „Wie geht es euch?" „El-hamcku-hllKh!— Wie soll es uns gehen! Es geht uns wie immer!--- Doch was", platzte nun Zabal heraus(und seine Neugier warf den Gang der Bcgrüßungs- formeln über den Haufen),„ist der werte Zweck deines Kommens, das gesegnet sei?"— Er hatte sich, seit Daud in Bildung, Ansehen und Weitläufigkeit so hoch über ihn hin- ausgewachsen lvar, dem Knaben gegenüber einen respektvolleren Ton zu eigen gemacht. Daud tat einen Seufzer und sprach:„Ihr lvißt, meine Eltern, daß ich seit längerer Zeit bei diesen Jngliz diente, und ich fuhr nicht schlecht damit, Gott sei gepriesen. Nun ist es beschlossene Sache, daß sie mich mieten und nach Kairo mit sich nehmen, um jenem jüngeren Ungläubigen, den Sohn des rotgesichtigen Mannes, unsere erhabene Sprache zu lehren. Dies euch mitzuteilen, ist der Ziveck nieines Kommens."(Forts, folgt.) I>entsehos Theater. Direktion: Max Reinhardt 7'/i Uhr: Der Blberpelr. Sonnabend: Der Biberpelz. Sonnt. Ü'/i U.(kl. Pr.): Hamlet. K« mm erspiele. 8 Uhr: Der Wcibsteatel. S'/a u.(kl. Pr.): D. deutsch. Kleinstadt. Volksbühne. Theater a. BQtowpl. S1!, Uhr: Das Tllrakcl. Lessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. VI, Uhr: Heer Gynt. Sonnabend u. Sonntag: Die gutgeschnittene Ecke. Deutsches Künstler-Theater, Allabendlich 8 Uhr; Die selige Exzellenz. URANIA 8 Uhr: Aegypten, der Saezkanal und der Weltkrieg. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater j.d.Königgrätzerstraße 7'/, Uhr, z. 1. Male: Kameraden. KomSdienhaus 8'/. U: Die rätselhafte Eran Berliner Theat. 8 Uhr; Wenn zwei Hochzeit machen. Theater für Freitag, den 11. Februar. Dentscbes Opernhans Charlottbg. 8 uhr: Martha. Friedricb-Wilhelmstädt. Tbeater. Zum t. Male; s uhr: Das Dreimäderlhaos. Oebr. MermfelÖ. Tbeater s uhr: Sokrates üod Perlniüner. Kleines Theater. 8 uhr: Jettchen Gebert. Komische Oper. 8 Uhr: Jung malt man sein. Enstspielhuus. 8-/. Uhr: Der Gatte des FrlBleins. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin ThÄ. Sonnt. 8 Uhr: Oer Waffenschmied. Hesläenz Theater 8'/« Uhr; LOgC Hfl. 7 Befd�7 Sonnt S1/,: Die Prinzessin vom Nil. Sloutls Operetten-Theater Gastsp. Ed. Lichtenstein ans Hamb. 8 uhr: Der Sterngucker. Seblller-Theater O. Äie: Halbe Dichter. Hchiller-Th.Oharlottenbg. 8 uhr: Die gelbe Nachtigall Thalla-Thcater. s uhr Drei Paar Schuhe. Theater am Xollendorfpl. siit u.: Immer feste druff! Theater des Westens 8 uhr: D. Fräulein f. Amt mit Guido Thielscher. Trlanen Theater. s'/.u.: lerleiratete Janpseileii. Luisen-Theater. Freitag, den 11. Februar, 8,15 Uhr: Benefiz für Fritz Bitterteldt; CliarlotieRlinger Sonnab. 4 U[)r: Max und wforit}. Sonnlag 3 Uhr: Bettelstudonten. Rose-Theater. Bei aufgehob. Abonnement: Ich lasse Dich nicht. Walhalla-Theater. 3 mr: Brigri. Sonntag 3 Uhr: Die Forster-Christl. msmomt ■ Tägl.8, Sonnab. u. Sonnt 31, u. 8U■ Das neue Settsaiiotis-PrograiBiDJ Zum SehlnB: Sonnab., 12. Febr., nachm. S'/all.: Abermals<9U |Ein Wintermärchen I Vorverk a. f. Nachm. tagt. ahtO Uhr. Die seböne Komödiantin Operette in 1 Akt t. Eugen Burg n. Louis Taufstein. Musik von Eco Ascher. Mitwirkende- Else Borna— Lotte Werkmeister v. Thalia-TheaL a. Q. Gustav Matzner— Heinrich Peer Julius Spielmann. Außerdem; Clotlldc von Derp. TSnze. 4 Veras, Drahtseilakt, 2 Milfords, Excentrics. Wilma, Sandmalerin. Max u. Moritz, rudlabrende Affen. Kaufmanns Rollsohnhl&nJerinn. Gebert Belling, kom Dressaren u. a. m. Klncmatograph. 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Jansastr. 1, Ecke Kaisei�Frie drich- straße, und bei Fritz Kruse, Berlin, Mariannenstr. 11.[1/2 ArwaitllngsKrllk Kerim N 54, LimruKr. 83-85. Telephon: Ami Sorben 185, 1239, 1987, 9714. Bureau gtöffnel von 9— 1 und von 4— 7 Uhr. Sonntag, den 13. Februar, vormittags 10 Uhr: iw Versammlung"®® der Bauanschläger bei Hummel, Sophienstr. 5. Tagesordnung: 1. Bterbandsangclegenheilen. 2. Bericht der Revisoren. 3. BranchenangclegenHetten. 4. Verschiedenes. Mit Rücksicht aus die wichtige Tagesordnung ist daS Erscheinen aller Kollegen, auch der nicht mehr in der Branche beschäftigten Kollegen, unbedingt ersorderlich. Kollegen, die noch Marlen zam Branchensonds in Ihrem Besitz haben, werden ersucht, in dieser Versammlung abzurechnen. 111/19 Die Drtsverwaltung. Verwaltung BcrUn. TeL-Bmt Moritzplatz 10623, 8578. Bureau: Rungestratze 30 Sonntag, den 13. Februar, vormittags 10 Uhr, in den„Andreas- Feftsälen", AndreaSstr. 21: Versammlung aller in den Flngzengbetrieben beschäftigten Holzarbeiter. Tagesordnung: 1. Die Nkbertvmdensrage und die Wertung der Holzarbeiter gegen. über anderen Beruse». 2. Diskussion. 8. BetriebSangelegenhetten, verschiedenes. Sranehen-Versatnmltuigen: Bautischler, Bezirk III für Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt und Nördliche Vororte. Montag, de» 11. Februar 1916, abends 8 Uhr, bei Gliesche, Kopenhagener Straß« 74. Tagesordnung: 1. Bericht der Komm Psion und Neuwahl derselben. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. VerbandSangelegendeilen. Tischler! Bezirk Neukölln! DienStag, de» 15. Februar 1916, abends 8>/z Uhr, im„Zdcalkasitto", Weichselstr. 8. Tagesordnung: L. Bericht der Kommission und Neuwahl derselbe«. 2. Wahl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. VerbandSangelegenheite». Vergolder! J« Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Beut«: Großes Konzert veranstaltet vom Verein ehemal. Kameraden d. Grenad.- Kegtü. Prinz Karl von Preußen(Ä. Bramlenb.) Mr. Vt, Ihre Mitwirkung haben gütigst zugesagt; Frl. Elsa Laube, Opern- Sängerin, Herr Ludw. Fraenkel, Holopernsänger: am Flügel: Frau *. Enckevort geb.*. Amann; Herr Emil Kühne, Rezitator: PrL Eva Friedemann, Konzertsängerin; Kriegschor 1914, Chordir. Karl Vipkow. Berliner Konzerthaus-Orhhester. Leiter: Komp. Frz. v. Blon. Anfang 8 Uhr. Karten zu 1 M. u. 50 Pf. in der Geschäftstelle des Vereins, NO 55, Heinersdorfer Str. 20 zu haben. WM" Alle Vergllnwoigungcn aufgehoben!-MW_ 'Betanüh. ÖlcbaTL: Äijrtd Wieleppl Neulolln. Inseratenteil verautw. DienStag, de» 15. Februar 1916, abendS 6 Uhr, im„GewerkschastS» Haus", Engelufer 15, Saal 3. Tagesordnung: I.Vortrag de« Kollegen-Albert Schreiber:»Die Pflichte» der Daheimgebliebenen während des Krieges." 2. DiSlussion. 3. Branchenangelegenhellen. Modell- und Fobriktischler sowie Modelldrechsler! Mittwoch, de» 16. Februar, abends 8'/, Uhr. bei Waldt, Pflugstr. 6. Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Kommiision. S. Neuwahl der Delegierten zur Generalversammlung. 32/14 3. verschiedenes. 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