grsa-m Unterhaltungsblatt öes vorwärts Das öiamantene Antwerpen. Von Solomon Dembitze r.") Vor etwa 30 Jahren verirrte sich ein Krakauer Jude auf seinem verschlungenen Lebendpfade nach Antwerpen. Damals lebten nur wenige Juden in Antwerpen. Ausgerüstet mit starken Instinkten für soziale Dinge wie die östlichen Juden fast immer, fühlte er, daß hier ein Feld für neue Daseinsbedingungen vorhanden war. Gr fing an, mit Diamanten zu handeln, mit jenen Steinen, die den Inbegriff aller Kostbarkeiten bilden... Bald darauf holte er sich seine Geschwister und alle Verwandten von ihm und seiner Frau ouS der alten Heimat. Und jetzt, 30 Jahre später, besitzt die große Hafenstadt Belgiens etwa 30 000 Juden. Achtzig Prozent von ihnen stammen aus Krakau. Die meisten ließen nur traurige Erinnerungen in ihrer alten Heimat zurück, denn sie lebten in Galizien in sehr dürftigen Verhältnissen... Aber jetzt würde man diese ehemals so dürftigen Existenzen kaum noch erkennen. Die äußere Verlvandlnng war eine geradezu gewaltige. Vom Kopf bis zum Fuß waren sie andere Menschen geworden. Man brauchte nur an einem SamStagnachmittag in der Kaiserlei" spazieren zu gehen, in jener wunderschönen Hauptstraße, wo die Lebewclt sich bewegte. Da erblickte man ganz andere Sarahs und Rebekkas als in Galizien. In modernen, teueren Kleidern, mit goldenen Ketten und Tiamantcnschmuck beladen, die häufig große Werte darstellten, geschminkt und gepudert, so daß die Züge fast ganz verschwommen waren, wanderten sie umher. Erinnerst du dich noch der Frau des Max Stiewclfeld, wie sie ehemals ausgesehen hat? Heute würde ganz Krakau ihren Staat kaum bezahlen... Und täglich strömten neue, frische Juden aus Galizien hinzu. Da besuchte ein Bruder seine reiche Schwester, die ihn nicht gerade liebenswürdig empfing. Da lief ein armer, alter Mann seinem rcichgcwordcnen Sohiw nach und bettelte um einige Frank, manch- mal ganz vergebens. Wenn man vom Hauptbahnhof kam, erblickte man in der gegenüberliegenden>straße Hunderte von Menschen im Kreise der- sammelt,� mu lebhaften Gesten redend und schreiend, mit Mappen in der Hand, hin und her laufend, wie auf einer Messe. Das war die„Pelikanstraat". Tort befanden sich die kleinen Dia- mantenkneipen. der„Klub" und die„Börse"; die Leute vor den Kneipen waren Agenten und kleine Händler, die zu dem Heiligtum, dem Klub oder der Börse, noch nicht zugelassen waren. Zum Klub oder Börse hatten nur die älteren und bedeutenden organisierten Dinamantenhändlcr Einlaß; es vergingen Jahre, und es kostete viel Geld und Protektion, bis man das Glück erreichte, in diese Gilde aufgenommen zu werden.— Vorläufig begnügten sich die kleinen Händler mit den Kneipen in der langen Gaste... Jeden Vormittag kamen sie dort zusammen, kauften und verkauften, sie schworen die heiligsten Eide und gaben fünfmal ihr Ehrenwort— um einander doch nicht zu glauben. Jeder war mißtrauisch gegen den andern und fürchtete, daß der andere ihn übervorteilen wollte. Und manchmal dauerte es lange, bis man sich entschloß, ein Ge- schäft abzuschließen. So ging es am Vormittag zu. Nachmittags waren die Kneipen und der Klub mit Diamanten- Händlern überfüllt. Am Nachmittag wurde nicht gehandelt. So mancher kam, um Politik zu machen. Dort stand ein großer, schlanker Mann mit einer Zeitung und las mit großer Wichtig- tuerci einige Nachrichten vor. Es bildete sich bald ein kleiner Kreis um ihn, und man diskutierte über die politsche Lage. Manch- mal entwarf man auch die Landkarte des zukünftigen Europas und verteilte mit großer Naivität die Länder der Welt... Mancher kam einfach, um sich zu zerstreuen. Die meisten Händler aber saßen bis zum Abend und spielten Karten. Da waren jung und alt vertreten. Einige mit Schmerbauch und schwerer goldener Kette, ein Zeichen behäbigen Philistertums, andere, die noch nicht im Wohlstand schwammen, boten einen dürftigen Anblick. Die meisten waren ziemlich unwissend und in Kulturdingen von einer seltenen Naivität. Sie saßen da und tranken Tee. spielten Karten, machten allerlei Witze und lachten mit einem hohlen, etwas protzigem Gelächter, das sehr unangenehm berührte... Hier und da ging_ein flämisches Mädchen an der Kneipe vorbei und klopfte am Schaufenster, bald darauf verschwand einer aus der Gesellschaft... Jeder junge Mann hatte hier sein flämisches Mädchen, die „Maske", und selbst die Vertreter der älteren Generation standen dem„Ewig-Weiblichen" nicht fremd gegenüber. Und Antwerpen besaß viele schöne Mädchen... Beim Kartenspiel begegneten sich *) Der Autor, ein junger Galizicr, hat daS Leben seiner jüdischen Stammesgenossen daheim und in der Fremde in verschiedenen Gedichtsammlungen sowie in einem Skizzenbande geschildert(AuS engen Gassen), der aus dem Jiddischen von Stefania Goldenring übersetzt wurde. 28) Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Die Sonne lag. wie immer, funkelnd auf dem Durrah- stroh der Dächer; die Palmen standen still im grellen Tag; aus den benachbarten Hütten drangen— grob, ungeschlacht und scherzhaft herausgebrüllt— die Stimmen der Leute. Dort und ringsum behagte sich dies arme, bedürfnislose Volk an seinen tierischen Spatzen; Daud sah im Geist zum erstenmal durch all die Lehmwände tief hinein in die un- geschlachten Seelen-- das war die Welt, das war seine WeltI Ein Hund heulte auf. Unter kreischendem Gackern flogen Hennen über die Gassen. In der Höhe knirrtcn die Rufe der weißen Geier, die von Der-cl-Bari herüberflogcn und zu dritt und viert aaslüstern über dem Dorfe kreisten. Daud ging langsam zur Türöffnung und sah die Gasse hinunter. Schmutzige, dickbäuchige Kinder vergnügten sich dort am Schcrbenspicl; der First des schlechtgekalkten Schesch- grabes stand wie entrückt in der lodernden Bläue. Es war so still, so bicncnsang-, so grillenschreistumm, hitziger Dunst bedrängte die Felder, und üppigstrotzend zog sich ein Kranz von grünem Grund um den Sehbcreich. Hoch und fern sang die selig zwitschernde Haubenlerche und wob ihr einsames, duldsames Lied in die weiße Sonncnstille dcS TageS. Und dieser Tag glich jedem beliebigen der früheren Tage, die ihm, in unabsehbarer Kette, gleich hitzig und gleich feierlich vorangegangen waren! Mit Plötzlichem Entschluß rührte Daud an Stirn. Brust und Augen und schritt hinweg. Eine zögernde, bekümmert gemurmelte Frage verklang hinter ihm; doch er wandte den Kopf nicht zurück. Uebcrall, wo er Leute sah. grüßte er mit großer Gebärde, und sie blickten ihm ver- wundert nach. Als er an der Sakije vorüberkam, tat sie einen kleinen Laut, ein Knirschen in einer fragenden Klangkurve, und blieb dann ivieder stehen. Der Büffel hatte sich gerührt und mit dem Nacken gezuckt.. und so entstieg dem Holzwerk jener verlorene Laut, der einzige, der Daud nachklang, so als wäre bei seinem Weggehen etwas geborsten, als hätte verstohlen die Augen der Alten mit denen der Jungen, und sie lachten einander an und verstanden einander... An manchem Nachmittag konnte man draußen vor den Schau- fcnstern der Kneipen magere, bleiche, arm und dürftig gekleidete ?,ünglinge beobachten, die mi: neidischen Blicken zu dcu Leuten inschauten, die an den Tischen saßen und spielten. Unter diesen war so mancher mit ihnen nahe verwandt. Da gab es reiche Kaufleutc, die mit Diamanten handelten, während sie, die soeben erst aus Galizien angekommen waren, noch von den Brocken des Lebens existierten und auf eine bessere Zukunft warteten... Ter eine kam mit einigen Franken in der Tasche, die nun bald verzehrt waren; nun wartete er und wußte eigentlich nicht auf was... Der andere kam zu seinem Vetter, in der Hoffnung, daß er ihn zu einem Tiamantenschleifer ausbilden würde, und der dritte wartete auf Arbeit. Diese Jünglinge wohnten vorläufig noch in der„Lewrik- straat", dieser Straße des Elends und Schmutzes, im Ghetto Ant- werpens, wo zehn Familien in einem engen Hause beieinander- gepfercht waren. Und gerode rn diesem Antwerpen, wo nach alter LandeSsittc jede Familie ihr eigenes Haus bewohnte. Schmutzige Kinder, barfuß und zerrissen, tuinmelten sich auf der Straße und spielten den ganzen Tag im Rinnstein. Arme Juden standen mit einem kleinen Handwagen bereit, um Lasten zu führen und etwas zu verdienen, genau wie in Krakau... Flämische Bauern- Weiber brachten ihre Produkte auf den Markt und boten Kar- toffeln, Gemüse und Früchte zum Kaufe an, und einige jüdische Frauen feilschten mit ihnen. Alle Eiwvohner der Lcwrikstraat hatten welke Gesichter, ver- loschene und eingefallene Augen. In gebückter Stellung, den Kopf über die Brust gesenkt, gingen sie umher, voll verhaltenem Haß gegen ihre rasch reichgewordcnen Verwandten oder Landsleute, die in den vornehmen Straßen wohnten und ein Leben voll Luxus und Genuß führten, sich ihrer armen Verwandten schämten und für sie nichts taten. Diese schnell rcichgetvordencn Existenzen hielten viele Dienstboten, stolzierten im Auto herum und hatten ganz vergessen, daß sie noch vor kurzer Zeit in der galizischen Heimat oder in der Lewrikstraat gelebt batten. O, Lewrikstraat, du arme Gasse, alle, die jetzt reich sind, waren einst deine Bewohner, und alle, die dich jetzt bevölkern, werden wohl früher oder später nach schöneren Straßen ziehen, um wieder anderen Platz zu machen. _(Schluß folgt.) kleines Feuilleton. Sizets �Carmen" im Deutschen Gpernhaus. Anläßlich ihrer Uraufführung in Paris(März 1875) fand .Carmen", das reisste und letzte Werk George Bizets eine Auf- »ahme, die eher einem Durchfall gleich erachtet werden könnte. Wenige Monate danach starb Bizet, ihm war es also nicht mehr vergönnt, den von Deutschland ausgehenden Siegeslauf dieser Schmuggler-, Zigeuner- und Stierkampfoper zu verfolgen. Sie wirkt auch noch heute hinreißend kraft ihrer Melodik und des un- geheuren Temperamenls— wie am ersten Tage. Daher wird die „Carmen" nicht vom Spielplan der Opernbühnen verschwinden— obgleich die Jetztzeit längst über romanische Zigeunerromantik hinausgewachsen ist. Nun hat Direktor Hartmann dem Werke eine durchgreifende Wiederherstellung bereitet. Sie bezieht sich sowohl auf die Revision des Textes als der Musik und szenischen Einrichtuug. Man kann im allgemeinen damit einverstanden sein; denn auch an der„Carmen" haben sich viele Bühnenleiter arg versündigt. Die ihr im Deutschen Opernbaus verliehene Gewandung gibt mit der Schmugglerkueipe das beste Bild. Nur hätte es sich empfohlen, bei der Inszenierung auf das Zuständliche, lvie es Prower Mörimöe in seiner, dieser Bühnenbandlung zugrunde gelegten Novelle geschildert hat, mehr zu achten. Einer„Salon"-Zigeunerin ist auch die Hartmannsche Carmen nicht ausgewichen, und das ist schade. Sonst aber kann man mit ihr zufrieden sein. Allzu stürmische Zeitmaße werden, weil sie der Carmen-Musik nicht immer zuträglich sind, sich künftig vermeiden lassen. Daß Herta Stolzenberg für die Titelsigur alle Erforder- nisse besäße, war nicht recht anzunehmen, da weder ihre Stimme noch Erscheinung hinreichen. Um so angenehmer war man überrascht; denn die Darstellerin Verstandes, das heißblütige Naturell der Carmen überzeugend zur Gellung zu bringen. Die leidenschast- liche Szene im Schlußakt war eine starke Leistung vom schauspiele- rischen Standpunkt. Hier bewährte sich auch Karl G e n t n e r als Don Josü, für den er an passender Stelle einige naturalistische Farbenlöne mitbrachte. Lulu K a e s s e r(Micasla) und Julius R o e t h e r(Escamillo) befriedigten. DaS prachtvolle Schmuggler- quintetr geriet gut. Unter den Zigarettenarbeiterinnen, Schmugglern, etwas aufgehört, für immer, ganz und gar, und käme nie wieder. Ein Wiedehopf strich quer vor ihm über den Weg... Der Mann mit den Tieren. Daud saß auf dem geschorenen Rasen im VolkLpark zu Gezire, und vor ihm saß das höhere Wesen und schwieg. Er war damit beschäftigt. Klarheit über das zu gewinnen, was er selbst, und Klarheit darüber, wo er war. Mittlerweile saß er mit Jane, von dem lärmenden Kairo abgeschieden, in einem grünen, vielfältigen Asyl. Schüler der El-Ahzar-Moschee in grauen oder olivfarbcnen Baumwoll- mäntcln wandelten diskutierend vorüber. Gruppen von fetten Levantinerkindern lärmten. Ein Sonnenbruder mit einem schäbigen Tarbusch reparierte seinen Stiefel. Eine Klasse von französischen Knaben haschte und balgte sich unter Aufsicht zweier rotbärtiger Jesuiten, die schwarz im Schatten eines Feigenbaums hockten und leise, vielleicht nicht ganz gott- gefällige Gespräche führten. Der Garten war wie ein Teppich. Die Farben über- boten einander. Durch das gleichgültig graue Nadellaub der Kasuarinen und Tamarisken blutete das satte Karmin der Hibiskuskelche; im gelben Blutenflimmcrn der Nilakazien schimmerte das Lila der Bauhinien; Fächer-, Flaschen- und Kokospalmen schufen einen letzten Zusammenhang mit ihren lichtgrünen und dunklen. cdelgefiedcrten Wedeln, deren Rhythmus an sonndurchfunkelte Wasserkünste gemahnte. Sykomoren und Fikusformen schloffen sich zu breiten Hinter- gründen, und süßer Duft von Jakaranda und Limonenblüte füllte den ganzen Garten. Jener große, hellbraune Falter mit schwarzweiß gescheckten Flügelspitzen, der zuweilen durch eine staubige Großstadtgassc wie ein kleines tropisches Wunder schaukelt, saß hier und da an den sprudelnden Löchern der Spritzschläuche, die sich wie riesige Schlangen durch das Gras ringelten. Plötzlich brach das höhere Wesen mit seinem leisen Sing- Sang ab und sah seinen Beschützer herausfordernd mit den hellgrauen strengen Augen an. Offenbar wünschte es nach Hause gebracht zu werden. Hinter der Hibtskushecke, die den Garten umschloß, war ein unablässiges Geräusch gewesen, daS nur gebrochen und leise in den Pflanzensnedcn gedrungen war. Als Daud nun Straßenjungen und Zigeunern wollten einem die wenigsten so recht spanisch vorkommen. Das Ballett paßt an keiner Stelle. Es ist eine Kon- Zession an die Schaulust der Menge, für die es geschrieben und nun begeben wurde— weiter nichts. est. Konzerte. DaS siebente Sonnlags- Konzert des Verbandes der freien Volksbühnen war so reckt danach angetan, den Geist der Hörer weit von der Schwelle der Gegenwart zu Jahrhunderte hinter uns liegenden Zeilen hinwegzusühren. So lang ist es nämlich her, als in deutschen Landen neben dem ein- stimmigen Volkstiede der mebrstinimige Kimstgesang blühte. Diese drei- bis siebenstimmigen Gesänge haben eigentlich nur nock eine lose Verwandtschast mit dem Madrigal, wie es von Italien zu uns kam. Deutsche Mnsiker verarbeiteten in dieser Form deutsche Volkslieder mit ihren Melodien zu mehrstimmigen Chören. Dabei brauchte dann das deutsche Gc- müt und Wesen nicht zu kurz zu kommen. Und so liegt ein eigner Reiz über diesen Gesängen, die oii ein sehr kompliziertes Satzgefüge ausweisen und zu ihrer völligen Beherrschung ein großes Maß von Gcsangslechnik erfordern. Vereinigungen, die sich deren Pflege zur einzigen Aufgabe gemacht babe». bestehen ja inchrerc. Am Sonntag hatte sich der von Professor Karl Thiel geleitete M a d r i g a l ch o r des K ö n i g l. A k a d e ni i s ch e n Instituts f ü r K i r ch e n m u s i k in den Dienst der Konzcrtgebcr gestellt. Liebe, frohe Geselligkeit, Wanderlust in Ernst und Scherz bilden den Inhalt der Lieder. Inbrünstige Heimatslänge wetteifern mit derb- fröhlicher Laune. Wie aber damals aller Kunsigesang fast ausschließlich auf häusliche Pflege sich beschränken mußte, so wurde auch, zu gleichem Zweck, die K a m in e r in u s i k hervorgerufen und von unseren bedentendsten Meistern ausgebaut. An Stelle der menschlichen Stimmen trelen hierbei die verschiedensten Saiten- und Blasinstrumente, auch das Clavichord und Klavier, jedes, bald solistisch, bald mit andern vierstimmig verbunden. Diesmal ließ die Kainmermusikvereinigung der lgl. Kapelle mir Robert Kahn, dem feinen Virtuosen und Liederkoniponiste» am Klavier, ein Quintett von Beethoven aus dessen erster Schaffens» Periode, sowie ein Trio von Weber im Theatcrraume der Volks- bühne ausleben urner dein wundervollen Spiel kunstgewohnter Hände. ek. Kartoffeln in öer Schale. Neben dem Brot bilden Kartoffeln unsere Hauptnahrung. Immer wieder rufe man sich ins Gedächtnis, daß bei geschälten Kartoffeln 20—25 Proz. Nährstoffe mit der Schale und durch AuS- laugung verloren gehen. Außerdem läßt sich eine gut gekochte Pellkartoffel gar nicht mit einer geschälten vergleichen, was den Wohlgeschmack anbetrifft, aber man gebe sich auch die Mühe, sie richtig zu kochen! Die gutgewaschenen Kartoffeln werden mit kaltem Wasser auf- gesetzt. Nachdem sie einige Minuten gekocht haben, wird das Wasser abgegossen, nochmals kochendes Waffer aufgefüllt und Salz darein getan. Nachdem sie fast gar sind, werden sie ganz trocken abgegossen. zwei bis drei Minuten unter beständigem Schütteln offen abgedämpst, dann fest zugedeckt. Aus ganz kleiner Flamme»och fünf Minuten ziehen lassen, wobei man sie mehrmals schüttelt. Möglichst sosorl gebe man sie dann auf den Tisch. Werden die Kartoffeln im späten Frühjahr beim Kochen blau, so tut man einen Eßlöffel Essig ins Waffer, ebenso kann man gekochte heiße Kartoffeln stundenlang gut erhalten, wenn man sie mit einem halben Teelöffel Zucker kocht. Sehr mehlreiche große Kartoffeln zerfallen leicht von außen und bleiben in der Milte hart. Diesem Uebelstande kann man leicht abhelfen, wenn man sie vor dem Kochen mit einer Spicknadel einige Male durchsticht, worauf sie ganz gleichmäßig lochen.(K.) Notizen. — Meherheims Vermächtnis a n die Nationalgalerie. Aus dem Nachlaß Paul Vkeyerheims sind ein paar Herborragende Werke Menzels und der Dynastie Meyerheim in die Berliner Nationalgalerie gekommen. An Wert obenan sieht Menzels Aquarell der Cornelia Meyerheim, ferner erhielt die Galerie vier Werte der Familie Meyerheim, in der neben dem Vater Eduard dessen beiden Sühne Paul und Franz als Maler rätig waren. — Prof. D e d e k i n d f. In Braunschweig ist der bekannte Mathenratilcr Professor Richard Dedekind im Alter von 83 Jahren gestorben. Sein Werl„Was sind und was sollen die Zahlen?" ist in der ganzen Welt verbreitet. Hand in Hand mit Jane aus dem Tor trat, überkam ihn wieder, lvie bei seiner Ankunft in dieser Stadt, ein kleiner Schauer, der mst unbestimmt süßen und lähmenden Er- Wartungen gefüllt war. Es war die Stunde, wo ganz Kairo auf dem Weg nach Gize unterwegs ist. Die Kolonnen der Droschken waren einander dicht auf den Fersen, um an einem bestimmten Punkt weiter draußen umzukehren und durch das orangefarbene Abendrot aus demselben Wege zurückzufahren. Ein Gefährt schluckte den Staub des anderen; in jedem saß eine Familie aus dem Kaufmannsstand, griechischer, italienischer und französischer Herkunft, und schöpfte Luft. Die Hitze flaute ab... nun regten sich diese Damen in ihren Häusern, wo sie bis zu dieser Stunde wie schönschillernde Schnecken vegetiert hatten. Sie preßten die fetten Körper in Korsetts und enge seidene Röcke. Sic bekleideten die Köpfe mit Straußfederhüten von allcn�Farbcn, und über den rund- lichcn Handgelenken, die beim Spiel mit den schlvarzseidenen Fächern sichrbar wurden, klirrten Ketten und Bracelcts. Die Handgelenke trugen einen kleinen Einschnitt am Ansatz, eine kleine rührende Falte im prallen Speck, wie bei jungen Wiegenkindcrn... Die Gesichter dieser echauffierten Jüdinnen blühten rosig in Schminke. Eine anämische Müdigkeit zog einen kleinen Halbkreis herausgepreßter, schlaffer Fleischpolstcr um das aus steilem Busen ruhende Kinn, und die schwcrbciviniperten, zu- Ivetten sehr schönen Augen waren stets auf lebhafter Wanderschaft. Alle südlichen Sprachen schwirrten in raschen Bruchstücken auf. Eine Kaskade von silbernen und gut- turalcn Schwatztönen sprang aus den Wägen, in denen die Frauen mit ihren jungen, gleich blutlosen und sinn- lichen Kindern saßen, 5knie an Knie: kleine Kolonien cingezirkelt- animalischer Menschheit, die einen Dunst von Parfüm und zusamniengeschachertem Reichtum von sich strahlten... Die Väter kauten an ihren schwarzen Schnurrbärten; sie lagen breit in den Wägen, die prallen Bäuche von leuchtendem Flanell umspannt, weiße Schuhe an den Füßen und Schulter an Schulter mit den Weibern; und zuweilen warfen sie den gegenübersitzenden Kindern Be- merkungen in heiserem Tonfall zu. auf ihre Art witzig, und stießen Zigarettenrauch aus den markant aufgeblähten Nasen. .(Loxtj. folgt.) Dentsehes Tlieat«*. Direktion: Max Reinhardt. 7lJ, Uhr: Der Biberpelz. Mittwoch: Der Ulberpola. KammerNpiele. 8 Uhr; Der Weibstenfel. Mittwoch: GygeH und sein Binar fneu einstadiert). Tolbsbnhne. Theater a. BDIowpl. H'l, Uhr: Viel Lärm um Nichts. Mittwoch: Viel Lärm um Nichts. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.'d.Königgrätzersfraße 8 Uhr: Der Vater. Komodienhaus S1/, U: Die riitsel hafte Frau EerSisisi* Theat-j 8 Uhr: Wenn zwei Hochzeit machen. I Lessing-Theater. Direktion: Victor Barnovtky. 8 Uhr: Die gutgesehnittene Ecke. Mittw.: Kaiser u. Galll&er. Donnerstag: Peer Gynt. Deutsohes Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die sellee Kxzcllcn*. Luisen-Theater. Täglich 8,15: Charlotte Rlinger Mtitnoch i Uhr: Max unS Moritz Theater lür Dienstag, den 15. Februar. Deotsches Opernhaas Charlottbg. s uhr: Carmen. Friedrich-Wilhelmstädf. Theater. s uhr: Das Dreimaderlhaus. Oebr. Harrnfeid-Tbertsr 8 uhr: Sokrates lilill Perlnuitter. Kleines Theater. suhr: HenFiette Jaeoby. Komische Oper. 8 Uhr: Jnng; mnli man sein. Cynstsplelhans. 85/« Uhr: M GüttS flCS FfSlllElllS. Metropol-Theater suix: Die Kaiserin Besidenz-Ttaeater �uhr: Loge No. 7 Dentis Operetten-Theater Gastep. Ed. Lichtenstein ans Hamb. 8 uhr. Der Sterngaeker. Schiller-Theater O. 8 uhr: Zwei glückliGhe Tage. Schiller- Th.Charlottenbj;. 8 uhr: Der Dopnenweg. Thzslia-Theater. s uhr: Drei Paar Schuhe. Theater am Vollcndorfpl. 3-/. Uhr: Othello. 8'/. u.: Immer feste druff! Theater des\Testena 8 uhr: d. Fräulein y. Ämt mit Guido Thielscher. Trlanon-Theater. w IdriniratdiJBistllM. r, Ersatzkasse— Oertllche Verwaltung Berlin. Mittwoch, den 16. Februar, abends 81/, Uhr: Mitglieder-Versammlüng im Gewerkschaftshause, Eugelufcr IS. Tagesordnung: 253/1' 1. Abrechnung vom Jahre 1913. 2. Wahl der Revisoren. 3. Tie Befreiung der Ersahkafsenmitglieder bei den Pflichtkaffen, welche Wochenbeiträge erheben. Der jiorftand. I. A.:RichardSchröder, Berlin O, Tilstterstr. 7, v. TV. Deutscher Textilarbeiter-Verband. Verwaltung Berlin. Andreasstraße 17..-. K&nlgstadt 1878. Donnerstag, den 17. Februar, abends 8'/, Uhr: lZensrsl- Versammlung bei Nowotnik, Langeftr. ZO. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Aussprache darüber. 3. Ergäuzungswahl znm Zentralvorstand. Um vollzähliges und pünIUtcheS Erschewe» ersucht 190/1 Der vorstand. JsTB. DaS Mitgliedsbuch dient als Berechtigungsausweis. Berlitier Konzerthans. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Tttgllch Großes Konzert. Berliner Konzerfhaus-Orchester Anfang 8 Ehr. Eintritt 3« Pf. Anfang 8 Ehr. An allen Wochentagen IVacbnilttncs-Kony.crt bei vollem Orchester nnd treifw Eintritt Rose-Theater. 8 Uhr: ich lasse Dich nicht Mittwoch: Der Hochtourist. 11. M SeBsations-Prograiniii! Schlager über Schlager! U. a.: Zum Schwß! das lo belieble bt>ster!ensplel BS?- Wrosfcr(Srsolg! Abermals auch Zoimab. 19. 2. uchm. 3�/,:nnt.. Nachm. immer ab Donnerstag. S Die scbSne Komödlaathi Operette in 1 Akt y. Eugen Burg n. Louis Taufstsln, Musik von l.eo Ascher. Mitwirkende: Eis« Berna— Lotte Werkmeister v. Thalia-Theat a. Q. Gustav Hatzner— Heinrich Peer Julius Spielmann. Außerdem: Clotlldc von Dcrp. TSnie. 4 Veras, Drahtseilakt, 2 Milferds, Excentrics.Wilma, Sandmalerin. Maxu. Moritz, radfahrende Affen. Kaufmanns Rollschuhlänferinn. Gobcrt Bölling, kom. Dressuren n. a. m. Klnemotogroph. An f. 8 Uhr, Sonnt. 3'/, u. 8 Uhr. Joseph Plaut und das große vorwiegend heitere Februar-Programm. Fliegende Hunde von M. Wulf Wundergarfen von Margarethe Asra, Billardkünstler Morgensterns Rekruten Patfy Frank-Truppe, Akrobaten Büron, musikalischer Komiker Goschw. Holz, Tanz-IdyUe Marz-Trio, gymnastisciier Akt Emil Merke), Mimiker Kriegswoche im Film Walhalla-Theater. SUhr: GrlgPBs Mittwoch 4 Uhr: Frau Holle. Verband der Maler, Saebierer, Austreislier ete. Bureau: Melchiorstr. 28, Part. T!iinIol?»rI,n Arb..Nachw.:Garmannst.13 Feruspr.: Amt Morihpl. 4787.«liiUtt DllUu. Feruspr.: Norden 3791— 97 Donnerstag, den 17. Februar, abends 81/, Uhr: Sektions- Versammlung der Lackierer im Gewerkschaftshause, Engelufer 15, Tagesordnung: 1. Jahresbericht der Scktiousleitung. 2. Wahl derselben. Zahlreichen Bewch erwartet_ Die Sektionsleitnng. Vtnvllltungskkiie Kerlill 54, Finieustr. 83-85. Telephon: Amt Norde» 185. 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9— 1 und von 4— 7 Uhr. MM" Achtung! Die Branchenkonferenz der Maschinen- schlosser fällt in diesem Monat auS. 112/3 Die Drtsveitvnltnng. Sozialdemokratischer 1 ahlverein für den S. Berliner Reiehstagsvahlkreis. Dienstag, den 15. Februar, abends 81/» Uhr: Mitglieder-Versammlung 224/17» in den Pharus-Tälen, Müllerstraße 14S. Tagesordnung: 1* Die soziale Lage der Frau. 2. Disrusswa. Referentin: Frau Luise Zietz« Die Frauen sind zu dieser Versammlung besonders eingeladen. Dirne HltgUedsbnch kein Zutritt.-TJSQ Der Topstand. Sina t dU Aagtn, Cth' ta Rahnk* öBet ein genau pasiendeS Gla« dem Kmz- sichtigen für die Keine z. B. auf der Straße, im Theater, auf der Reise usw. von selbst wird twrzsichtigkeit nicht besser, auch im Liter nicht wie oft geglaubt wird. Kur genau paffcnde Gläser tonnen dies in gewissen Fällen bewirken. Wollen Sie also durch Ihre Lugen w Svrzsichllze Geschäslsleute find meist auch rückständig! Doch auch wirkliche Kurz» fichtigkeit hindert im Borankommen in jedem Stand«. Kurzsichtig« Lugen brauchen aber nicht trank ftt sein. Meist sind die Augäpfel nur zu lang oder die Linsen usw. zu stark gewölbt, mu genau pasienden Gläsern sehen fast die meisten kurzsichtigen Lugen eben so gut wie normale. Ohne Gläser aber oder mit ungenau passenden nimmt die Kurzsichtigkeit meist von Jahr zu Jahr zu. Schon da» Bolnüberbeugen beim Leien und Lrbeiteu schadet den Lugen, weil dadurch das Blut zum Kopf und zu den Augen drängt. Zu starker Blutandrang im Luge aber dehnt dieses noch mehr und erhöht die Kurzsichtigkeit, ja in einzelnen Fällen kann dadurch Erblindung herbeigeführt werden. Nur durch pasiende Gläser kann bei Kurzsichtigkeit normale« Sehen in normaler Körperhaltung erreicht Verden. Ohne Gläser müssen start Kurzsichtig, sich Schrift und tleln» Gegenständ« so nahe hallen, daß sie genöligt sind, die Lugen sehr stark nach einwärts zu richten. Dies« unnatürliche Anstrengung hat meist«opjschmerz, schnell:« Ermüden und Nervosität zur Folge. Die besten Dienste leistet Ihrem Fortkommen nicht bebindert sein, sondern es eben so leicht haben wie ander» mit normalen Augen, wollen Sie Freud» an Ihrer«rbeft und«höhlen Genuß vom Anschauen der Welt haben, wollen Sie Kopf» schmerzen, Nervosität und Ermüdung nach Möglichkeit vermeiden, so kommen Sie zu uns und lassen Sie sich genau passende Gläser bei uns anfertigen. Leipziger Str. 118, Ecke Mauer-Str. Tauenyien-Str.lS.E.MardurgerStr. Friedrlch-Str.löv, E.DorotHeen-Str. ISO. Eck» Tauben-Etr. Opkiker RuHnke, Berlin. >>—...........— mmmimwi w m m i fr vm- 1<*»>««-«. Lerantworllichcr Redatreur: Slsred Wielepp, Neukölln. Für de» Jnjenüenuii verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borrncirt« Buchdrückerer u.««lageanjtaU Paul Singer&. üo, BeUü» SW. Ltexanderpla« n.Aschmger Oranien-Str. 44 Ehaussee-Str. 72 n. Stein Liirk-Str.1,«.V�edam««te. Sonntag« von lü— 3 geöttnti Invaliden-Sir. lS4,»«rmmen<«h. Spittelmarkt. Eck« Wall-Str. Fried�öi�in� 1� URANIA 8 Uhr; Aegypten, derSuezkanai und der Weltkrieg. V oigt-Tlieater. Badstr 58. Badstr. 58. Morgen Mittwoch, 16. Februar: Wie deutscheHelden sterben. Vatertänd. Schauip. in 4 Akten aus d. Weltkrieg 19l4/lS von O. Pitschel. Kasjeneröffnung 7 Uhr. Ans. 8 Ubr Aümiralspslsst Lis-Arena GpoLes Lis-3aNett. \ 8'/, Uhr. Z, 8, 4 D. TorzOgllche Küche. Possen-Theater liimenstraUe, a. d. Fnedriohstr. Melonenbaum. Posse mit Gesang v. Theo Haiton. Meschugge ist Trumpf Posse i. 2 Akt, v.Leonh. Haskelmit Leonh. Haskel u. Siegfried Beriscb. Anfang S1/. Uhr. Casino- Theater '-loibringer Sit. 37. TägL 8 Ubr: DM- Nur noch kurze Zeit der Possenichlager Was wachste nu? Dazu das erstklassige Februar- Programm. Sonntag 4 Uhr: Ihr Gottlieb. Reichshaiien-Theater. Stettiner Sänger. Znm Schluff: „Die von lies Hinclön." Für Militärper- sonen vollkomm. sreier Zutritt zu Ansang 8 Uhr. d.Stett. Sängern. VeTksufe. Warenverkauf„balbumfonU*. BsandleibbauS. Hermannvlatz 6. 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