Nr. 41- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts �"ti freitflü, 18. frftriJttr. Sei et Mihiel. Vo» Andrea» Windiag. Deutsch Don Werner Peter Satsen. Wir gingen langsam dahin durch den Wald. Wir>varen hier Mischen der zweiten und dritten Linie und sollten die Kaiwnen leichten Kalibers, die 75er. l05er, 120er usw. besichtigen, die droben auf einem bewaldeten Hügel in sorgfältig ausgebauten Stellungen stehen, zum Schutz gegen Fliegersicht mit einem dichten Laubdach überdeckt. Hier bei St. Mihiel. wo die Deutschen bekanntlich einen Keil in die französische Linie getrieben und nach äußerst hartnäckigen Kämpfen sogar einen Teil des linken llltaasufers erobert haben, bietet sich ein geradezu idealer Ausblick über die Front. Die französischen Stellungen ziehen sich zumeist über Waldwiesen hin. die sich bis zum Flußtale hinab erstrecken, und man kann von ihnen aus geradezu in die Schützengräben der Deutschen hinuntersehen, ja man sieht auch ganz deutlich die Stadt St. Mihiel und das alte Römerlager Camp Romain, das bekanntlich in Händen der Deut- scheu ist. Zu alledem war die Fernsicht, nachdem sich der Regen verzogen hatte, auch noch ungewöhnlich klar geworden, es war ein kalter, windstiller Dezembertag. ..Wenn Sie bielleicht emrmal durch da» Glas sehen wollen?' fragt der junge Leutnant, der die Batterie befehligt. Cr reicht mir seineu Feldstecher, einen Feldstecher, wie ich selten einen so guten gesehe» habe: noch auf eine Entfernung von sechs Kilometer unterscheide ich die kleinsten Einzelheiten in der Landschaft. .Sehen Sie das kleine Holzkreuz dort rechts von uns, fünf Kilometer weit weg?" fragt der Leutnant.„Das ist erst gestern errichtet worden. Also ist wieder einer drüben bei ihnen gefallen.. Der Leutnant, ein noch junger Mensch, ist außerordentlich gesprächig uud zuvorkomnlend. Er erklärt mir eingehend die Land- schaft, die vor uns liegt, uird macht mich unter anderem auf eine Gruppe deutscher Soldaten auftnerksam, die sich in der Nähe eines Bauernhofes versammelt haben. „Das ist eben das Gute an unseren Stellungen hier," sagt er,„daß wir alle» seben können, und daß sie sich drüben niemals sicher suhlen können!" Er antwortet auf einen Anruf des Fernsprechers und spricht ein paar Worte in die Dlnschel; dann winkt er den llnterkanomer herbei und befiehlt, die Bedienung zusammenzurufen. „Es trifft sich gut für Sie, meine Herren," sagt er,„iwß ich gerade jetzt Befehl bekomme, einen Gruß hinüberzuschicken." Ans ihren laubgedeckten Erdhütten drunten hinter der Batterie kommen bereits die Artilleristen heraufgelaufen, einige noch in Hemdärmeln, wie sie soeben gerade uom Mittagsschlaf aufge- sprangen sind. In wenigen s-ekunden hat die Kanone schußsertig zu sein; schon schleppen auch drei, vier Mann die spitzigen 105er Granaten herbei, auf denen noch lustig die rosenrote Bemalung der Muniitionsfabrik leuchtet. Sie nehmen hurtig die Kappe von der Kanone, bringen sie in Stellung in einen vorausberechneten Winkel und richten die Mün- dnng unter dem Laubdach hervor drohend hinaus gegen irgendein unbekanntes Ziel da draußen im bleichen Licht des TezembcrtagcS. ..Leider," sagt der Leutnant, indem er sich eine Zigarette an- zündet,„sind wir auf den Bauernbos da drüben, wie Sie sehen, nicht richtig eingeschossen. Aber wir können ja eiinnal versuchen, uns vorwärtszutasieu...." Sechs Kilometer von uns entfernt sitzen die fremden Soldaten friedlich und ahnungslos beisammen und rauchen ihre Pfeifen. Einige studieren ihre Zeitungen, einer liest sogar einen Brief aus der Heimat; die Feldpost muß erst kürzlich dagewesen sein. Uud alles ringsum ist so still, so unendlich still, wie es nur sein kcum an einem klaren, melancholischen Dezembertag. wenn die Natur ihren tiefen Winterschlaf schläft. Der junge Leutnant steht da und kommandiert, indem er zu seinen Worten mit einem dünnen spanischen Rohrstock wippt. .ri'iec?! Feu!"(Feuer) ruft er dann plötzlich. Ein Knall zerfetzt die Lust... Wir seben das Geschützrohr zurückgleiten... wir folgen der Granate über die Baumwipfel drunten im Tale... und als wir wieder auf die Kanone sehen, ist das Rohr bereits wieder in Ruhestellung gegangen. Wir alte stehen gespannt da» die Uhr in der Hand. Zwanzig Sekunden sind verstrichen.... Die Soldaten drüben beim Bauernhof haben unseren Schuß wohl gehört, aber sie haben deshalb noch nicht einmal ausgesehen. In den ersten Sekunden nacki dem Abschuß rühren sie sieb gar nicht, sondern setzen ruhig die Lektüre ihrer Zcitmigen und Briefe fort. ... Nun aber müssen sie die Granate näher kommen hören... Einige von ihnen sind aufgesprungen... man kann deutlich unterscheiden, wie sie unruhig werden... Und plötzlich werfen sie sich alle, wie auf Konunando, platt zu Boden... 100— 150 Dieter hinter ihnen setzen wcr eine weiße Rauchsäule aussteigen, die wie ein riesenhafter Federbusch ans der graugrünen Ebene wächst. »Fiece Feu!" kommandiert der Leutnant von neuem, und die Kanoniere laden so schnell wie möglich»nd geben Feuer. Aber noch lange bevor die Granate ihren Weg zurückgelegt bat, sind die fremden Soldaten drüben verschwunden und haben Deckung ge- sucht. Der Bauernhof liegt einsam und verlassen; keine Menschen- seele ist mehr in der weiten Landschaft zu sehen. „Das ist eben das Aevgerliche an der Geschichte," �sagt der Leutnant,„daß, sobald wir nicht auf ein Haar eingescbopen sind, sie fast immer noch Zeit finden, rechtzeitig Teckuirg zu suchen!" Er schickt in kurzer Aufeinanderfolge noch einige Granaten hinüber, uud wir können deutlich verfolgen, wie die Federbüsche sich mehr und mehr dem Bauernhof nähern, aber der Feind hat sich inzwischen bereits längst durch verdeckt« Gänge in Sicherheit gebracht. Wir gehen weiter zu einer 75er Batterie, die so elegant und unschuldig aussieht, als sei sie soeben erst aus einem Spielwaren- geschäst gekommen. Da plötzlich, während wir sie ncxb betrachten, wird der Leutnant Feuer und Flamme,— das Geschütz wird im Handumdrehen in Stellung gebracht und i» aller Eile geladen... Weit, west draußen am bleichen Horizont, wo der helle Streifen eines Weges sich zwischen Baumgruppen und istedergebraunten Ge- hösten hindurchschlängelt, kommt langsam und bedächtig ein Mann dabergegangen. Er nimmt sich gute Zeit, bleibt stehen, bückt sich, geht wieder wester: ein Telephouarbeiter. Er untersucht die Leitung, bringt sie hier und da in Ordnung, glättet die Drähte und wandert gemächlich aus den kleinen Hügel zu, der rechts von ibm liegt. „Sehen Sie sich den Manu da an!" sagt der Leutnant, wäh- rend in seine Augen ein grüner katzenariiger Schimmer kommt. „Gestern erst haben mir die Kanone auf den Hügel zu feiner Rechten eingestellt. Wenn er hinausikommt, werden wir Feuer geben!" Aber der Telephonarbeiter hat durchaus keine Eile, auf den Hügel hinauszukommen. Er geht nach wie vor langsam vor sicb hin. Schritt für Schritt. Das, was er zu tun hat, schafft er ja ohnehin bis zum Abend. Er ist alleine mit sich und seinem Gott unter der bleichen Kuppel des Dczembcxhimmels. Alles ringsum liegt im tiefsten Frieden. Ist es denn wirklich Krieg? Man möchte es kaum glauben... Er geht so vor sich hin und denkt an allerlei Sache»!, die durchaus nichts mit Krieg zu tun haben... Er denkt vielleicht an daheim, an Weib und Kinder, deren Stolz und Ernährer er ist— die bielleicht auch st» dieser Stunde an ihn denken— die er nun bald wiederzusehen hofft--. »Daß der Kerl sich nicht beeilen kann!" sogt der Leutnant und zeigt lachend zwei Reihen prächtiger schimmernder Zähne. ... Skun aber ist der Manu ganz nahe bei den» kleinen Baum am Hügel angelangt, wo der Tod seiner wartet. Aber er steht ihn nicht... er läßt sich Zest... Jetzt bleibt er stehen, um sich seine Pfeife anzuzünden.-- „Piece! Feu!" kommandiert der Leutnant. Der Mann sieht in die Luft empor, als höre er einen Vogel- schlvarm über sich hinziehe». Vielleicht ist er auch selbst Jäger und hat oft auf der Lauer stn Schilf gelegen, während die Wild- enten über ihn dahinschwirrteu.... Nun hört er die Granate fingen..., sieht noch einrnal empor und läßt sich, wie vorhin die Soldaten bestn Bauernhof, platt zur Erde fallen. Gott sei Dank!... Di« Granate ist wenige Meter von ihm«xplodieri und hat ihn wie durch ein Wunder nicht beschädigt. Er steht in aller Seelen- ruhe wieder auf und bückt sich gemääüich nach seiner Pfeife. „Höchst merkwürdig!" sagt der Leutnant ärgerlich.„Wft pflegen sonst sehr präzis zu arbeiten!" Ich verfolge den Mann am Hügel weiter mit dem Feldstecher. Nun bekommt er mit einem mal den unvernünftigen Einfall, sich den Granattrichter betrachten zn wollen. Wie alle Soldaten iuter- esstert es ihn, zu wissen, welches.Kaliber man ihm zugedacht hatte. Er tritt also näher hinzu und beginnt den Trichter umständlich und mit wissenschaftlicher Gründlichkeit zu untersuchen. In derselben Sekunde hat der Leutnant Feuer kommandiert, zwischen dem Abschuß und den» Einschlagen der Granale vergehen nur wenige Sekunden, und diesmal liegt der Mann da: die Granate ist genau an derselben Stelle eingeschlagen und bat ihn zerrissen. Er hat einen leichten Tod gehabt____ .'sehen Sie wohl?" sagt der junge Leuttiant.„Ist das nun nicht sehr interessant?" „So, meine Herren," sagt er im Westergehen,„den 75er hätte ich Ihnen also vorgeführt, nun»vollen wir uns mal den 120cr betrachten...."(zj Kriegsbilöer. In den Räumen der Akademie der Künste(Pariser Platz) sind mehr als 650 Darstellungen kriegerischer Vorgänge zu sehen. Sie wurden teils von Kriegsteilnehmern, teils von den offiziell zuge- lasssnen Kriegsmalern zu Papier oder auf die Leiirwand gevrach!. Es ist selbstverständlich, daß die bunte Vielfältigkeit dieser aufge- regten und immer etwas Merkwürdiges zeigenden Szenen das Interesse des Publikums, besonders das der militärischen Fachleute, gowiinien. ES ist auch ohne weiteres zuzugeben, daß diese sechshundert Mitteilungen von den verschiedenen Kriegsschauplätzen erheblich dazu beitragen, unsere Vorstellung vom Kriege: dem Sterben, den Bränden, den Märscheu, den Lagern, den Siegen reichlich zu vermehren;»veiingleich man nicht leugnen kann, daß die vielen Photographien, die in den illustrierten'Zeitungen bisher veröffentlicht worden sind, auch schon mancherlei berichtet haben. Im großen und ganzen wird den ausgestellten Blättern Gerechiigteit auch Lob zuteil, wenn»vir sie als eine gehobene, mit Ernst und Geschmack betriebet»« Berichterstattung werten. Sie werden ahne Ztveisel geeignet sein, eine umfangreiche Chronik des Krieges zu illustrieren; freilich, ohne wissenschaftliche Genauigkeit beanspruchen zn dürfen und ganz gewiß ohne irgend» tielche Bedeutung für die künstierische EntWickelung. Tie Absichten der Militärverwaltung, die den größeren Teil dieser Kriegsmaler hinausgesandt hat, um halbwegs zutreffende Denkmale der geiva-ltigen Geschehnisse übermittelt zu bekommen, snid im»vesentlichen erfüllt worden. Es wäre unbillig, wollte man von einem Unternehme»!, das notwendigerweis« laut und in Serien organisiert vor sich ging. reine, künstlerische Ergebnisse fordern. Man darf auch nicht der- gessen, daß Menzel, als er die unvergänglichen Zeich: wzen für Krucher schuf, leine Gelegenheit hatte, Schlachtfelder und.'agerfeuer z» sehen. De»»noch brennen dies« Feuer und toben diese Schlachten im Kuglerbuch! Tic Kunst kommt aus der Vorstellung und kann durch überreiche Wahrnehmungen leicht getrübt und geiiemmt »oerden. Solch Schicksal ist ihr sogar ganz gewiß,«venu die Sache, für die sie in Anspruch genommen wird, größer ist als die Person- lichkeit des Malers, der den küuslterischen Ausdruck festlegen soll. Wo wäre der Dialer, der größer ist als das Geschehnis, auf das soeben lpindert Maler und mehr losgelassen worden sind? Hier liegt das Geheimnis, warum auf solche Weise Unvergängliches nicht znstcmdekommen kann. Die Kunst braucht Abstand; sie wird sich mit diesem Kriege vielleicht einmal im Jahre 2000 auseinanderzn- setzen haben. Immerhin läßt sich nicht verkennen, daß die Maler, die sich au dem Kriege von Illll und Folge versuchten, wesentlich mehr teck- nische Fähiglesten zeigen, als ihre Kollegen vom Jahre 1870 auf- zuweisen hatten. Auch in der Malerei haben»vir uns technisch ver- vollkmnmnet. Die Heutigen sind gelenliger, scharssinniger, ökonomischer; sie haben mehr Energie und mehr Witz, bessere Kenntnisse und bewußtere Absichten. Sie sind nicht so peinlich naiv, wie die Milirärmaler des vergangeneu Jahrhunderts es noch»raren; sie wissen alle so ungefähr, was das Entscheidende in der Kunst ist. Sie Nüssen es,»rem» sie es auch, bedingt durch die Umstände»md durch den Grad ihrer Begabimg, meist nicht zu leisten vermögen. Um auf Emzelheiten binzu weisen: Dettmann hat mit großem Eifer ein naturalistisches Bilderbuch zusammengestellt, in den» sich ohne Langewsfle blättern läßt. Fritz Rhein ist, wi« wir scheint, der Beste uuter den hier Versammelten; besonders seine kleinen. hingeschriebenen, beinahe gekritzelten Zeichnungen wirken sehr über- zeugend, de»» Augenblick mit Temperament erfassend. Tie großen Blätter von Erler sind!a»un mehr als Plakate; in der stark ver- ileiuerten Reproduktion, in der sie schon bekannt waren, sind sie nicht ganz so leer»vie im Original. Das Pathos, das sie einzelnen kriegerischen Vorgängen zu geben versuchen, erinnert zu sehr an die Monumentalität des Panoptikums, um uns seelisch erheben zu können. Recht demerkenswert ist ein Bild von Hans Kohl schein. der die Buntheit der Uniformen i» ein lockeres Gewebe tönender Farbigkeit zu verwandeln wußte. Spritzige Linien zeigen die Streit- zeichnungen(Karikaturen), die Karl Arnold für die Liller Kriegs- Zeitung gemacht hat. R. Br. 31] Der Sang der Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Da Daud sich auch im übrigen recht brauchbar crlvies, so ward ihm anbefohlen, dem jungen Perey einige landläufige Redensarten zu lehren; doch ivar dieser Unterricht wenig regel- mäßig, was an der Unlust des Schülers lag. So hatte Daud Mitße, sich mit allerhand Erwartungen herumzuschlagen. Er saß, wenn die Zeit kam, in Hockstellung im Hausflur, und über seinen auf den Knien verschlungenen Armen lebten aus- schließlich die kohlschwarzen Augen, ivanderten unablässig und etwa» schew durch das Gitter deS Treppengeländers, bis ein schlanker Schatten das Licht des Zwischenfensters verdunkelte und leichte Füße in gelben Halbschuhen elastisch die Stufen herabtänzelten. Tie junge Gestalt in Weiß und Blau sprang fast geräuschlos herab in einem leisen, durch die Kokosläufer gedämpften Rhythmus, und als sie drunten war, machte sie einen hellen Alarm und scheuchte alles auf, was ihr faul und besinnlich im Wege lag. Dann strich Daud seine Kelabije glatt und ging in das Räumchen neben dem Badezimmer voran, Ivo sie das Prusten, Kreischen und Plätschern Iänes hören konnte», die um diese Zeit gewöhnlich von den Händen der Zofe kalte Wasserstürze empfing. Die beiden Knaben setzten sich auf zwei Holzstühle, Daud mit hochgezogenen Knien, Percy im Reitsitz und mit der Lehne unter dem Kinn. Zuweilen, was dem jungen Herrn tvenig genehm>var, mußte er nach dem Diktat des unerschöpflichen Borns, der sich vor ihm entfesselte, seine eckigen Buchstaben in ein blaues Heft schreiben, freilich in haarsträubender Ortho- graphie, aber das tat vorderhand dem Zweck der Stunde noch keinen Abbruch. Hei, das war eine Stunde! Die Stunde von Dauds Ueberlegenheit! Hier fielen die unleidlichen Schranken, hier redete Kopf zu Kopf, ein blonder, nüchterner und ein schwarzer, flink kombinierender. Hier arbeiteten die Finger. hier rollte das»veiche Zungen-R des östlichen Gaumens; hier blitzten weiße Zähne in verstohlen-verschmitztem Lächeln. wenn dies oder jenes Wort der Lippe des Jnglizi allzu große Mühe schaffte.„Ich will ein Schesch bei der Kanalgesellschaft»Verden I"—„Pack dich, dein Vater war ein Kuppler I"—.Die Jaffa-Meloneu sind besser als die vom Markt in Tantah!*—„Ich kaufe keine Zeitung!" „Geh mit deinen Postkarten und bleib in» Schlitze Gottes!" „Ich wünsche einen Esel!"—„Erst rechts, dann links, dann geradeaus!"—„Weiß Gott, dieser Kaffee ist schlecht zube- reitet!"—„Kein Vogel fliegt höher, als er nicht»vieder herunterfällt!"-- Das waren einige Proben, und Percy als mit einem guten Gedächtnis belvaffnet, erlernte sie ohne Mühe. In der Folge freilich kam es dahin, daß er bei einem Eselritt einen ihin nie gereichten Kaffee bemäkelte oder, Ivenil man ihm Melonen anbot, den Vater des biederen Ausschreiers einen Kuppler nannte und ihm befahl, erst rechts, dam» links und schließlich geradeaus zu gehen, ivas der Mann für einen prächtigen Auftrag hielt und sich unter Segensivünschen empfahl... Davon abgesehen, sainmelte sich Pera» mit der Zeit immerhin einen kleinen Sprachschatz an, den er zuiveilen, vor entzückten» Publiknni, auf der Straße zum besten gab. Daud seinerseits»vor von dem Erfolg begeistert. Was ihn jedesmal wie ein reiches Geschenk anmutete und ihn mit warmem Strom durchrieselte,>var die offizielle GegeMvart dessen, den er um seiner Unnahbarkeit»villen verehrte, dem zu gefallen ihm Gewinn deuchte und dein nachzimhmcn ihm als die heikelste, aber anregendste Pflicht seiner werdenden Gesittung galt. Und doch t was war es»veitcr als der alte Zwiespalt, als die alte Wonne? Steckten nicht auch viele Beschämungen darin, durch Gesten, Blicke, Aufträge, die im Grunde nichts anderes waren als müßig ermunternde Fußttitte? I So war die» alle» ein in sich selbst zurücklaufender Kreis vo« kindlicher Sehnsucht, geizig geheim gehüteter Genug- tuung und öfter als nötig einer erbärmlichen Enttäuschung, die an dem moralischen Rückgrat der dienenden Persönlichkeit rüttelte, dies Rückgrat aber nur dazu vermochte, sich um einen Grad hitziger zu steifen und sich aufzurecken, bis»reue Nackenschläge den geschmeidigen Trotz wieder beugten! Denn wahres Sklaventum ist zäh; es opponiert drohend und leidet eben gerade zu dem Ztveck, weil es ein bestimmtes AuSmaß an Leid nicht entbehren kann. Wird ihm Demütt- gung erspart, läßt man es gedeihen, dann verkennt es seine Grenzen, dann wird die beharrlich lauernde, kleine Bestie be- freit, die in der Brust jedes Orientalen sitzt! Jedesnial, wenn Daud zufällig nicht beansprucht wurde und bei dem greisen Bauwab am Gartciltor venveiltc, kam der Mann mit dem Affen und der Ziege vorbei. Es»var dies ein heiterer Tagedieb, ein Kind des Pöbels, mtt schiefstehenden Augen und abgründiger Unverschämtheit. Er trug ein verschossenes, von Flecken besätes Leinenhenrd, da? nachschleppte, und auf dem kleinen Schädel ein gestricktes. sternförnrig gemustertes Baumivollkäppchen. Seine nackten Ohren standen breit von dem knochigen, kahlen Gesicht ab. dessen Haut auf den Wangen je drei lanzettförmige Narben zeigte. So wallte er vorbei, mit vorgeneigter Brust, ein Tamburin unter dem Arm, und schleifte seine beiden Tiere an Lederriemen hinter sich her. Der Affe war ein HundSkopfaffe mit blaugrauem Haarkleid und rosenblütfarbenem Hintern. und die Ziege, zu deren Seite er hüpfte, war ein ramsnasiger Ausbund von einer dressierten Ziege. Mit dieser Gesellschaft nun zog jener Mann. Sadik mit Namen, vor die Brasserien und an die Uinzäunungen der Eafes, und ließ die Ziege ans einem Holzflock mit erweitertem Plattförinlein Platz nehmen. Dort oben hatte sie die Auf- gäbe, sich um sich selbst zu drehen, und der Affe hüpfte dazu rhythmisch zu dem hohlen Gekrächz Sadiks, der auf dem Boden hockte, sein Tamburin schlug und mit zugekniffenen Augen»verbende Schmeichelwortc ans die Tiere häufte. So- dann ließ Sadik den Affen noch auf der Ziege reiten--- o, das machte Effekt. Meistens war er mitsamt seinen Tieren wieder hinausgeivorfen, aber es glückte ihm immerhin, ein paar halbe Piaster einzunehmen.... Daß nun Sadik auf Daud»vie ein Magnet wirkte, daran ivaren nicht die Tiere schuld, sondern etwas weit anderes: eine Beschlagenheit in Dingen, die Dauds Phantasie erhitzten. Befragt, wohin er seinen Verdienst trage, brachte der Dompteur mit heiserer, von Gier entstellter Stimme die Rede auf einen Stadtteil, den er die Wasa nannte, eine Bezeichnung, die ortsüblich schien, denn auch der greise Bauwab ermunterte sich, als cr den Namen hörte, und inalte»nit der welken Hand unzweideutige Umrisse in die Lust. Dabei erhellten etwelche Erinnerungen seine erloschene Miene wie Sonnen- blitze, die in eine Kloake fallen... Durfte man beiden glauben, so war jedes erdenkbare Vergnügen, jeder Trunk und Taumel dort für kleinste Münze käitstich; es war herrlich dort. man hatte es gut! Da der Mann mit den Tieren nicht ab- ließ, daran zu erinnern und seine Lockungen jedesmal durch neue Berichte anfeuernd verstärkte, so wirbelte dem jungen Daud der Kopf, und ein brennendes Verlangen ergriff ihn, dem Manne bei der nächsten Gelegenheit in das Paradies zu folgen. Sadik war entzückte Bereitivilligkeit. (Forts, folgt.) Deutsches Theater. Direktion: Max Reinhardt. T'/a Uhr: Der Biberpelz. Sonnabend; Der Biberpelz. Sonntag nachm. 2'/, U.(iL Pr.): Minna von Barnhelm. Kammerspiele. 8 Uhr: Wetterleuchten. Sonnab.; Der Wclbsteutel. Sonntag nachm. S'/a U.(kl. Pr.); Die deutschen Kleinstädter. TolksbUbne. Theater a. BDIowpl. S'/t Uhr: Bas Mirakel. Lessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uhr: Die gutgeschnittene Ecke. Sonnabend u. Sonntag; Die gutgeschnittene Ecke. Deutsches KOnstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Ole selige Bxzelleaz. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.KöniggrätzerstraBe 8 Uhr: Der Vater. Komödienhaus H'l, U; Die rlltselbafte Frau Berliner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hochzelt machen. Reiebsballen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schlatz: 'lie von iter Tmiten." MUitärper. Anfang 8 Uhr. freiet ja den onen etntrttt Stett. Sängern. Theater für Freitag, den 18. Februar. Deutsches Opernhaus Charlottbg. 8 uhr: Rigoletto. Friedrich-Wllhelmstädt. Theater. s uhr: Das Dreimäderlhaus. O.br. Msrmf ßSSl.Th.sUr 8 uhr: Sokrates llhlj PerlniDtter. Kleines Theater. 8 uhr: Henriette Jaeoby. Komische Oper. 8 Uhr: Jung mnlt man sein. Sonnab. 4 Uhr; Gastsp. d. Tänzerin Emma Werle(halbe Pr.) liustsplelhans. 8'/« Uhr: � Mi M FPSöleiDS. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin Ä>a) Sonnt. 3 Uhr: Der Waffenschmied. Residenz-Theater 8'/. Uhr: Loge NO. 7 Resdorf Montls Operetten-Theater Gastsp. Ed. Liohtensteln ans Hamb. 8 uhr: Der Sterngaeker. Schiller-Theater O. 3 uhr: Halbe Diebter. Schiller- Th.Charlottenbg. s uhr: Die gelbe Naebtigall Thalia-Theater. 8 Uhr: Drei PaarSehnhe. Theater am X ollendorfpl. 3'/, Uhr: Othello. 8-/. u.: Immer feste drnff! Theater des Westenz s uhr: Das Fräulein vom Amt. mit Guido Thielschor. Trlanon-Thenter. 8«/4U.! JU Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zlmmerstr. 90/91. Heute: Konzert-Abend znm Besten des im Felde stehenden Reserve- Int-Regiments Hr. 93. Mitwirkende; Mnslbkorps d Erz Bat. Inf.-Regts. 03. KgL Musikleiter Freidank.— Berliner Konzerthauz-Orchezter. Leiter: Komponist Frz.*. Bloo.— Kammersänger Werner Albertl.— Komp. nttllcr-Hanzcn.— Oezchw. Tnnbert, Xylophon-Virtuosen. Anlang 8 Uhr. Reservierter Platz 1 M. Eintrittskarten sind zu haben: Im Berliner Konzerthaus, Mauerstr. 82, in der Kassenstelle des Ersatz-Bat., SeydützstraJje, Ecke Rathenower Straße, und im Jngendhana, Rathenower Straße 8a.— Alle Vergünstigungen aufgehohon I URANIA Tanbenztr. 48/49. 8 Uhr: Aegypten, derSoezkanal und der Weltkrieg. Luisen-Theater. Täglich 8,15— Sonntags 8 llhr: Charlotte Klinger Sonnab. 4: Hänsel und Gretel. Sonnlag 3 Uhr: BSuttsi'ssgvn. I�ose-Theater. «uhr ver Hochtourist. Sonnabendnachm.: Tchnerwittchen. VVaihalia-Theater. Bnügni. 8 Uhr: Sonnlag 3 Uhr Die Förster-Christi. Die scb&ne Komödiantin Operette in 1 Akt v. Eugen Burg u. Louis Tauf stein. Musik von Eco Ascher. Mitwirkende: Else Berns— Lotte Werkmeister v. Thalia-Theat. a. 0. Gustav Matzner— Heinrich Peer Julius Spielmann. Außerdem: Clotlldc von Derp, Tänze. 4 Veras, Drahtseilakt, 2 Milfords, Excontrios.Wilma, Sandmalerin. Maz u. Moritz, radfahrende Affen. Kaufmanns Rollsohuhläuferinn. Gebert Belling, kom. Dressuren u. a. m. Klncniatograph. Possen-Theater Linienstraßo, a. d. Friedrichstr. Melonenbaum. Posse mit Gesang' v. Theo Hai ton. Meschugge ist Trumpf Posse i. 2 Akt. v.Leonh.Haskelmit Leonh. Haskel u. Siegfried ßerisch. Anfang 8'/. Uhr. T oigt-Theater. Badstr 58. Badstr. 33. Heute Freitag, den 13. Februar: Wie deutscheHelden sterben. Valerl. Schauip. in 4 Alten b. Pilfchel. Sonntag 3 Uhr nachm.: Die Tochter deö Brandstifters. Ab Monlag: Gas bemooste Haupt. Kaffeneröftnung 7 Ubr. Anf. 8 UP: fm' us JB useä TägL8, Sonnab. u.Sonnt.3'/»u.8 U- Ueber'/« Million Besucher drängteu sich bisher zu dem beliebten und erfolgreichen Mysterien-Spiel und noch immer tu der Andrang fo gewaltig a. z. d. Sonnabend- u. Sonntags� NachmittagS-Borstellungen I Nicht minder erfolgr. ist d. Sensatiousprogramm Sedlager � über Seblagert Vorverk. auch f. Sonnab.- u.Sonnt.- �aehm. immer ab DonnerSt. 10 U. 7 ! Heines Werke z SÖnde 4 hlaef- Buchhandlung Vorwärts Caslno» Theater Lothringer Str. 37. Tägl. 8 Ubr: DU?- Nur noch bis L.Miirz-MZ der Poflenschlager Was wachste nu? Ab 3. März ein neues BolkS stück. Sonntag 4 Ubr: Ihr Gottlieb. Aämirslspslsst Lis-Arens «rovez Lis-SsNett. 8'/, Uhr.«, 3, 4 A. Torzflgllche Kflehe! �___________ Palami Anf. 8 Uhr, Sonnt. 8Vt n. 8 Uhr. M gr. Feliriiar-PropiiiDi! 91. Wulff z flieg. Hunde Joseph Plant! Morgensterns Landsturm usw. IL zugkräftige Nummern US Ä-tocii,-öirtuvUcA/ �15 SVj. QtvXoch 15 "YTi nzBnls. Im Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr, 83-85. Telephon:«ml Norden 185, 1289, 1987, 8714. Bureau geöffnet von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Tonntag, de« SO. Febrnar ISIS, vormittags t« Uhr: Branchenversammlnng der Maschinenschlosser im GewerkschaftshanS, Engelufer 16. Tagesordnung: L Vortrag des«enoffen Peterhansel:»Dir ReichSverstcheruug». ordnung tu ihrer jetzigen Auslegung-'. 2. Branchenangelegenhetlen und Berfchiedenes. Ohne Mitaliedsbach kein Znttitt! Sa Anbetracht der Susterft wichtige« TageSordvnng Ist e« Wicht aller Kollegen, pünktlich zu erfcheinen. Tonntag, den SO. Febrnar 101«, vormittags 10 Uhr: Versammlung dkl Melallslhleisn«ud Gllloiimstatt, Hilssarlieilrr»nd Arbeitnillllkn in den Arminhallen, Kommandantenstraße Nr. 58/58. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. DiSkuffion. 8. Verbands, und Branchenangelegenhetlen. Mitgliedsbuch legitimiert! Zahlreicher Besuch ist dringend erforderlich. Sonntag, de» SO. Febrnar 101«, vormittag? 10 Uhr: Versammlung säiüllichkr Ziiili-, Zinn-«nd ölkigieker im Lokal von Müller, Alexandrinenstratze 32. Tagesordnung: 1. Was müssen wir tun? 2. DiSkuffion. Branchenangelegenheiten. 4. Verschiedenes. 8. Verbands» und Da in dieser Versammlung das Reglement für unseren Arbeitsnachweis ausgegeben wird, ist eS unbedingt notwendig, dah jeder Kollege pünktlich erscheint. 1 12/7_ Die Ortzwerwaltnng. !l! Verwaltung Berlin. TeL-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestrahe 30 Heute Freitag, de« 18. Febrnar, abends 8'/, Uhr: Sützeung cksn ve'tsvvrvvsZtung. Mitglieder- Versammlung. Tischler! Bezirk Osten III. Montag, de« 81. Februar, abends S1/. Uhr, bei Erederzdorf. Frankfurter Allee 24. Tagesordnung: L Bericht der Kommission und Neuwahl derselben. 2. Wabl der Delegierten zur Generalversammlung. 3. VerbandSangelegenheilen. 82/19 Die crtsverwaltung. ist der schönste Ausflugsort? Immer noch Pichelswerber, beim Alten Freund. an der neuen Heerstrahr DnWfl istNSPrllirdkiltl'ilttdiiiiii. Engelufer 14/15, II. Bezirk Grost-Berliu. Telephon: Amt Moritzplatz Nr. 2388»nd 4747. Delegierte zur örtlichen Generalversammlung der Bezirksverwaltung von Groß-Berlin! Donnerstag, de» 2. März, abend« 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshans, Saal 1, Engelufer 14/15: Ordentliche Generalversammlung für das 4. Ouartal 191». Tagesordnung: 1. Mitieilungen. 2. Geschäfts., Kassen-, ArbeitZnachwei!. und BibliothelSberichl sür daS 4. Quartal 1915 sowie Jahresbericht sür 1915. 3. Neuwahl der Bezirlsverwaltung und Ztevisionslommission. 4. Neuwahl der Beschwerde. lommission sür den ArbeilZnachweis. 5. Erledigung etwa eingegangener Anträge. Es ist Ehrensache eines jeden Delegierten, sein Mandat anszuübe» und in dieser Versammlung anwesend zu sein. Mitgliedsbuch und Legitimatlonskarten find am Eingang des Saales zwecks Abstempelung vorzulegen. Ohne Buch und Karte hat niemand Zutritt. Wer mit seinen Beiträgen über acht Wochen im Rückstand ist, hat ebenfalls keinen Zutritt. 6212 Die Bezirkzverwaltung. I. A.: Aug. Bilcrner. Verband der Setineider, Sehneiderinnen und Wäsehearbeiter Deutsehtands. Sebastianstr. 87/38. Filiale Berlin. Telephon: Amt Moritzplatz 9737. Kerren-Honfektion. 19. Februar 1916, abends 8'/, Am KöntgSgraben: Versammlung. Konnabend, den 19. bei Schulz, Herren. Tagesordnung: Die derzeitigen Lohn, und Arbeitsverhältniffe in der Konsektiou. Reserent: Kollege Kunze. Die bei Ad. Ztier Beschäsliglen sind besonders eingeladen. Auch die Kollegen, die gegenwärtig nicht in der Branche beschäftigt sind, haben die Pflicht, an dieser Sitzung teilzunehmen.— Wir bitten, diese Bekanntmachung zu beachten und die Sitzung bestimmt und vollzählig zu besuchen. 162/ U Die Kommission. Kleine Anzeigen. Verkäufe. Leihbaus Moritzplatz 58a! lausen Sie spoilbillig von Kavalieren wenig getragene iowie im Versatz ge- wesene Jackett-, Rockanzüge, Ulster, Paletots, Serie 1: 10— 18, Serie II: 20— 30 Mark, grösilenteils aus Seide. GelegenheitSkäuse in neuer Matz. arderobe, enorm billig. Riesenposten lleider, Kostüme, Plüschmänlel, aus -eide, jetzt nur 20—35 M. Große Posten PelzstolaS in SluniS, Marder, Nerz, Füchsen, jetzt nur 20— 75 Marl. 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