iMt-m«. 6C0 Vorwärts Neue Erzählungsliteratur. i. Georg Hermann: Heinrich Schön Junior(Verlag Egon Fleische!, Berlin). Lily Braun: Lebens sucher(Verlag von'. A. Langen, München). Es reizt den kritischen Betrachter geradezu, diese beiden Bücher, die jedes für sich Kulturbilder vorführen, in Gegenüberstellung zu bringen. Georg Hermanns Element ist das Werden und Vergeben einer Bourgeoisie, die Verwandlung einer Generation' mit Schmachtlocken und Sentimentalität, mit Romantik und Bratenrock zu zeigen, wie in seinein Moderoman vergangener Jahre Jettchen Gebert. Und wenn er diese seine altvaterischen Menschen mit ihreni Boden, der Architektur, der Atmosphäre Alt-Berlins ver- wachsen läßt, so fühlen wir trotz der Banalität der Vorgänge jene vergangene Epoche gegenwärtig, spüren den Geist der damaligen Zeit und leben in ihrem Spießertum und ihrer korrekten Romantik. Alles scheint znjtuiunen, nichts herbeigezogen, nichts auf Vormärz- lich frisiert. Schwerer gelingt ihm diese Lebendigmachung der Dinge und Zeitversetzung des Lesers, wenn er dänwnisch wird und auf den nervenpeitschenden Spuren der neuen Zeit wandelt, wie in der wenig gelesenen»Nacht des Dr. Herzfeld" oder wenn er zur Wirkung den Galgenhumor hervorzieht, wie in dem viel gelesenen „Rubinke". Dessen ist sich Georg Hermann wohl auch bewußt, und daruin verließ er das Jetzt und eilte zurück zu dem Einst. Sein Heinrich Schön junior ist Zeitgeiwffe der Iettchen Gebert-Welt, und Potsdam um die Mitte des IS. Jahrhunderts lebt vor uns auf. Und bald merken wir, wie diese Familientypen gleichsam nur Staffage sind auf dem Gemälde des alten Potsdam, in dem der alte Fritz und sein Geist noch aus allen Winkeln hervorlugt. Die friderizianische Landschaft blüht auf, am Kanal stehen die Kauf- mannshäuser, in denen der veränderte Geschäftsgeist schon um- geht, heraufbeschworen durch den Zuzug skrupelloser Geschäfts- menschen, und in dem alten Park von Sanssouci mit Marmor- göttern und Mondenzauber wandeln die steifknicksenden Geheim- rätinncn, die ledernen Professoren, die würdigen Familienväter mit ihrem Nachwuchs, den jungen Söhnen mit Gewissen und guter Kinderstube, den jungen Mädchen mit gefalteten Mullkleidchen und Gänsegehirnchen. Und die Gardinen werden sortgezogen' von den Biedermeierstubcn»abgelebter Zeiten", darinnen die kleinen Schick- sale dieser Kleinbürger geboren wurden und sich abspielten. Was ist uns Heinrich Schön junior und sein Hannchen, das blonde Dummchen, dem er mit seiner jungen Stiefmutter untreu wird? Ein Don-Starlos-Motiv mit seelischen Konflikten so leicht wie die Mullklcidchcn der Beteiligten. Und was bedeutet für uns erst Frau Antonie, die Heinrich Schön, der Stiefsohn, hinter dem Rücken seines Vaters küßt und ein Dilemma überwindet? Hier verläßt den Verfasser sein malerisches Genie, sein Tiefblick, sein Geschmack. Die Tragik wird seichter Roman und wirft beinahe trübe Schatten auf die Helle des Buches, die eine versunkene Zeit und Welt noch einmal mit lichtem Strahl grüßt und übersonnt. Denn zu Frau Antoniens Verfübrungsmacht, Wert und Wesen sagen wir nein. Ein kleines, selbstbewußtes und kapriziöses Geschöpf mit Halb- wissen und Gescheitgetue, da hört unser Interesse auf. Um umso stärker an dar Gestaltung der Umdinge zu haften und sich zu er- freuen. Eine schwache Fabel ist mit bildnerischer Kraft mit Natur und Kultur in Beziehung gesetzt, wobei die Nebensachen Profil bekommen, während die eigentliche Geschichte in den Konturen verschwimmt. Kein Zweifel, daß von diesem Sitten-, Landschafts- und Milieuspiegcl das Seelische nur schattenhaft aufgefangen wird. Umgekehrt ist es in Lily Brauns Spiegel einer Zeit und Menschengruppe. Hier überwuchern die Reflexionen, das Seelische oder richtiger das Geistige steht über dem Malerischen und�Bild- nerischen. Wenn man dennoch bei Hermanns behaglich erzählen- den, nur durch einen leisen Humor beteiligten Art mehr den Dichter, bei Lily Brauns eifernder Parteinahme mehr die Schrift- stellerin fühlt, so liegt das wohl mehr daran, daß Hermann seine Gestalten und Dinge, etwa in der Art Hermann Bangs, mehr in Wärme taucht, Lily Braun ihre Welt mehr in das Scheidewasser der zersetzenden Analyse. Lily Braun, die den Dingen gewisser- maßen noch zu nahe ist, bekommt dadurch den Vorzug, daß die Persönlichkeit der Verfasserin hinter den Geschehnissen sichtbar wird, während man bei Hermann nur den gemütlich berichtenden Chronisten inne wird. Der technische Ausdruck, daß eine Sache auf kaltem Wege entstanden tst, scheint mir auf das Buch»Lebens- sucher" zu passen, ja, uh bin im Zweifel, ob das Buch ursprünglich in seiner jetzigen Form gedacht war. Ob nicht der Krieg der Ver» fasserin zu Hilfe kam und ihr zu einem wirksamen Schluß ver- 84] Der Sang der Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Er sog zum erstenmal den schiefergrauen Oualm des Pflanzengiftes in sich ein... und da war ihm, nach vielleicht zwanzig Zügen, als trete alles, was er sah, in ein unkörper- liches Stadium über. Auch der scheppernde Klang eines mit Blechkapseln, in denen Schrotkörner rollten, behangcnen Tamburins ward wesenloser, und sein Rhythmus löste«ich in das Tempo des Ganzen auf, in ein traumhaftes Farben- tcmpo, wo alle Gesten ruckweise und niechanisch verblichen, wo alles vertieft zu glühen anhub, gleichsam in fortschreitender Verbuhlung blau und schemenhaft zerrann, und Konturen zeigte, die dem Irdischen entwuchsen... Lang Leiterstaffeln brauchte nun der Gedanke, um zu den Ohren eines der hinwegrückenden Menschen zu gelangen. Sad>ks verkniffenes schmutzig-braunes Gesicht blieb ihm nahe: er schnalzte mit der Zunge, das hörte man. Er sog selbst. daß ihm der Oualm aus dem Gesicht entfuhr, wie aus Mund und Nüsternlöchern einer zynisch-albernen Maske. Er blähie den Hals; er schrie lustige Bemerkungen: doch was er schrie, ging dem halbbetäubten Knaben nicht ein. Ta es scherzhaft schien, lächelte er mit.... Ein unerhörtes Wohlbefinden nahm von ihm Besitz. Er sah, daß Sadik eine schnelle, kurze Aussprache mit dem Zitronengelben hatte, worauf dieser einen besorgten Blick aus Dauds Nargileh und dann nach der Gasse warf, um mit einer gleichgültigen Hand- bewegung irgendwelche Bedenken zu zerstreuen, die Sadik gc- äußert haben mochte. Tie Wände waren ganz mit billigen Oeldrucken ge- pflastert. Sie zeigten Bonibenattentate auf abendländische, buntuniformierle Souveräne die Ermordung König Humberts schien recht beliebt und herrschte vor. Da gab es Schlachten- bilder, Dammeinweihnngen, Empfänge bei Ibrahim Pascha und Abbas Hilmi, dicht untermischt von beliebten Athleten im Trikot oder Varictosternen. Ach, wie war das bunt, tausend- fältig und schön! Eine ganze Welt sprang dem staunenden Träumer in die Augen; ein buntes, reiches Bilderbuch I Die Welt Aegyptens, doch überall besät von den Spuren der all- mächtigen Jngliz, von denen auch diese Bilder sicherlich stammten! Und während Daud noch starrte, und gerade die Schlacht von Omdurman genoß, wo mehrere Derwische von einer Handgranate zerpulvert wurden, ward das Tamburin» half? Hermanns und der Braun Roman beschreiten yenau besehen gemeinsam den Konzessiousweg der besseren UnterhaltungSlektüre aber wo Hermann seine banale Bürgerwelt mit dem Anhauch poetischen Atems schildert und gar kein Hehl daraus macht, daß er unterhalten will, versteift sich Lily Braun auf das Interessante und kommt mit sozial-ästhetifch-philofophischen Auseinander- setzungen. Wo Hermanns Fabuliertalent spärlich keimt, fließen Lily Brauns Gestalben und Begebenheiten kaleidoskopartig in buntem Wechsel zu. Indessen ihre ausgesuchten, interessanten Typen werden nicht recht lebendig. Sie führt uns ihre Beispiel- oder Beweistypcn in ihren Erlebnissen, Gedanken leider aber auch in ihren vielen, allzu vielen Reden vor, und durch diese gehäuften, wohlgesetzten, wohldurchdachten Reden verfällt sie öfters als er- wünscht der Buchsprachc. Man könnte der Verfasserin den Aphorismus eines lebenden Malerkünstlers empfehlen:»Kunst ist Weglassen". Lily Braun aber läßt nichts weg, und ihre Lebenssucher müssen unaufhörlich etwas erleben. Ueberhaupt sind diese Lebenssucher(vornehmlich ist es ein junger, heranreifender Aristokrat mit genügenden Mitteln, um allen ernsten Unannehmlichkeiten und Kämpfen aus dem Wege zu gehen), diese mit ätzender Ironie begabten Russen; mit Me- lancholie und Energie geladenen Studenten; diese zweifelnden Heilspropheten; diese Schar phantastischer, altruistischer, pflanzen- hafter, sehnsüchtiger, in Arbeit duldender Frauen, diese Rahels- xnkelinnen ohne Melodie, Freudenspenderinnen ohne Freude, Ge- Hirnwesen und Schönheitslilien; diese zerebralen und sexualen Besonderheitsexemplare männlichen und weiblichen Geschlechts wirklich im echten Sinne Lebenssucher? Bezeichnender wäre wohl das Wort»Liebessucher". Denn in der Hauptsache drehen sich ja die Geschehnisse um Abenteuer und„Funde" in der Sphäre des Geschlechtlichen. Eine Reihe von Funden in puncto Weib mutz der Held, jener barönliche Mischling aus Deutsch- und Welschtum, hintereinander absolvieren, und es wird der Verfasserin nicht schwer, immer neue Situationen herzustellen und immer, wo das eine Weib in der Versenkung verschwunden, für den Absolventen einen neuen Typ heraufzubeschwören. Das Buch hätte auf diese Methode bis ins Unendliche vermehrt werden können, aber da biegt es im letzten Drittel um und stimmt sich auf den Krieg. Es wäre wohl schwer gewesen, für alle diese»Lebenssucher", so wie sie von der Verfasserin mit schillernder Farbigkeit, aber wenig lebendem Atem vorgeführt werden, einen Ausgang zu finden, sollte es nicht ein gewaltsames Einrenken oder ein Notausgang werden. Da blasen die Kriegstrompeten und das Ziel wird klar. Man stellt sich dem Heere und stirbt für das Vaterland. Eine große Not macht die Streitenden einig, die Schwachen stark. Verzweifeln wir also nicht, alle die Irrenden, Pendelnden, Suchenden bekommen Richtung und finden den rechten Weg— das ist unser Deutschtum. kleines Feuilleton. Die Korpsschlächtereien im �elüe. In richtiger Würdigung des außerordentlich hohen Wertes von Fleischkost für die Truppen war unsere Armeeleitung von Kriegs- beginn an bemübl, möglichst viel frisches Fleisch an die Front zu bringen und die Koniervennahrung nur dort zu verwenden, wo aus unüberwindlichen Gründen das Heranbringen frisch geschlachteten Flei'ches nicht möglich ist. Um nun das gesamte Heer nach Tunlich- keit täglich mit frischem Fleilch zu versehen, wurden, wie Baumann- Berner im neuesten Heft der„Umschau" ausführt, zunächst Feld- schlächtereren eingeführt. Doch bald mußte man erkennen, daß Feld- schlächtereicn nicht das ganze Material— wie Eingeweide, Häute und Hornteile— so gewinnbringend zur Verwertung zu bringen vermochten, wie dies bei den üblichen Schlachtbetrieben der Fall ist. Aus den angegebenen Gründen wurden von der Heeresver- waltung die Korpsichlächiereien eingeführt. Lehrreiche Einzelheilen über den Betrieb einer solchen Einnchlung gibt Oberregierungsrat Dr. Allinger in der. Süddeutschen Landwirtichafltichen Tierzucht" be- kanni: Die Koipsschlächlerci des ersten bayerischen Armeekorps, um die es sich hier handelr, eröffnete am 14. Februar ISIS ihren Be- trieb in einem bestehenden lleinen Schlachtbot. In der Zeit vom 14. Februar bis zum 31. Juli wurden 3659 Rinder, 3505 Schweine und 15 Schate geichlacbtet. Mit der in jedei Beziehung muster- gültigen Anlage ist auch eine Kälteanlage verbunden, deren Eis- Maschinen täglich 480 Kilogramm Eis liefern. Der Kühlraum, der eine Temveiatur von+4 Grad Celsius aufweist, ermöglicht, daß das Fleisch gut abgelagert zur Verteilung gelangt, wodurch die Schmackbaitigkeit bedeutend erböbt. sowie die Zubereitung wesentlich geklirr lauter und dringender. Eines der Weiber hinten am Eingange hatte sich entschlossen, zu tanzen, und vor ihr her schritt ein blinder Alter mit einem grün gesprenkelten, braunen Fetzen um den Tarbusch und sang, während seine Finger hart und hölzern auf das Ziegenfell rasselten. Sie kam dicht hinter ihm drein. Sie duldete keinen Vergleich mit jenem Weib in Luksor, das Daud damals vor der Gartenwand aus weiter Entfernung und nur ganz verstohlen, wie auf den Fußtapfen eines Verbrechens hatte genießen dürfen. Der Alte grunzte und gab dazu mit der hohlsten Faßstimme der Welt eine endlose Paraphrase von sich, des Inhalts:„Wir haben das Leben, hei, das Leben!" So sang dies zermürbte Skelett und bleckte zerfressene Zahnstümpfe zur Decke empor.„O. ihr Herren, ihr sitzet und dreht die Daumen übereinanoer, ihr sprecht: ,He. was' will uns dieser!' Und doch, ihr Herren, lasset mich springen und das Glück loben: Ich habe ein Täubchen hier mit runden Hüften, das kann viel und noch mehr, als ihr glaubt; o Täubchen du, o Bint- Unzul, du Tochter des Konsuls; dein Schweiß, wenn du dich Ivie eine Spindel drehst, ist Geruch von Minze und Gewürz für die Männer I So sang der ekle Alte und warf die holzigen Beine wie Stelzen auseinander. während der Taumel der immer schneller und immer heiserer wiederholten Worte seinen bresthasten Körper hin und her schüttelte. Sie stand, arabisches Vollblut, auf den Zehenspitzen, mitten im Raum, zwei Schritte von Daud. Ein herber Dunst ging von ihr aus. Sie war weder geschminkt noch gepudert; blank war sie und braun, uralten Stammbaums: ihr Gesicht, von seidenem, nachtschwarzem Kraushaar überwuchert, mit flacher Stirn und schiefen, weich- geschlitzten Augen, glich, ins Profil gedreht, dem der Köni- ginnen des Mittleren Reiches, deren Umrisse bei Ausübung verschollener Kulte in Sandstein erhaben weiteratmen. Zwischen ihren sehr hohen, nachgefärbten Brauen saß ein blauer Krcisfleck. Sie stemmte, die Arme mit rechtwinklig ab- gebogenen Händen steif zu Boden streckend, ihren von harten Muskeln gebändigten, schier gewichtslosen Körper in den Oualm der Schenke empor sie war so vielfach, so erzen, so tierisch, daß sie einen großen, machtlosen Seufzer um sich her aufschwellen und verröcheln ließ. Ihre blaßbraunen Brüste bebten, mit blauen Schlangen- linien bedeckt, über der Korsage. Sie trug ein blaues, gold- gesticktes Samtkleid. Sie konnte mehr als das Weib von Luksor. Daud sah sie zunächst ganz verschivommen, wie den vereinsacht wird. Die Tiere— meistens deutsches Vieh— werden mittels Kopfschlag oder Schlachlmaske getötet, die Rinderhäute nach Vorschrift präpariert und an die Kriegslederaltiengesellschaft weitcrgeteitet, die Untersußknochen, Klauen und Horner werden zum Zweck der Dünger- fabrikation gesammelt und jeweils waggonweise in die Heimat ver- schickt, die gereinigten Därme werden eingeialzen, das Fett ausge- lassen und beides in Fässern nach Hause versandt. Alles übrige findet im Felde Verwendung. So kommen die Harnblasen als Eis« beutel in die Lazarette. Die Kuheuter gelangen erst in geräuchertem Zustand zur Verteilung. Die Rindermägen kommen zum Teil in eine Schweinemastanstalt, zum Teil werden sie ebenso wie Herz, Leber, Nieren, Milzen usw. als Zu- läge zur Flerschportion genommen. ohne in dieselbe eingerechnet zu werden. Weiter ist an die Schlächterei eine große Wursterei angegliedert, die zur großen Freude der Soldaten alle Arten Würste herstellt, die als Ablvechselung in der Kost sehr gern gesehen werden. So werden in der Korpsschlächterei des ersten bayerischen Armeekorps elf verschiedene Wurstsorten hergestellt und im Winter auch Blut- und Leberwürste. Ueber die so sehr wichtige Abwechselung in der Verpflegung unserer Truppen legt folgender Speisezettel vom 1. bis 10. August 1915 Zeugnis ab: 1. Rindfleisch, 2. Würstchen, 3. Schweinefleisch, 4. Rindfleisch, 5. Fleischkonserven, 6. Rauchfleisch, 7. Rindfleisch, 3. Würstchen, 9. Rauchfleisch, 10. Rind- fleisch._ Die tödlichen Unglücksfälle in Preußen. In Preußen sind während des Jahres 1913, wie das Ministe- vialblatt für Medizinalangelegenheiton mitteilt, 16 893 Unglücksfälle mit tödlichem Ausgange erfolgt. Dabei kamen 13 692 Todesfälle auf Männer und 3291 auf Frauen; also mehr als viermal soviel Männer wie Frauen. In der Reihe der Unglücksfälle steht der Sturz an erster Stelle. Es büßten durch Sturz ihr Leben ein insgesamt 3642 Personen, darunter 2834 Männer und 808 Frauen. An der zweiten Häufigkeitsstelle steht das Ueberfahremverden. Es gingen daran 2774 Personen zugrunde. Und zwar wurden durch die Eisenbahn 1158, durch Fuhrwerke 1196, durch Kraftwagen 431, durch Straßenbahnen 264 getötet. Im Landespolizeibezirk Berlin fanden den Tod durch Eisenbahn 32, durch Fuhrwerke 69, durch Straßenbahnen 41 und durch Kraftwagen 81. Im ganzen starben also im Landespolizeibezirk Berlin 231 Menschen,'das sind 8,3 Proz. der in ganz Preußen Ueberfahrenen. Auch das Ertrinken forderte eine große Anzahl von Opfern, nämlich 3251 Personen. Durch Verbrennungen und Berbrü-Hungen erlitten 1496 Menschen den Tod. Während bei den anderen Unglücksfällen die Frauen stark in der Minderzahl sind, ist beim Verbvennungstod das Zahlenverhält- nis fast das gleiche. 775 Personen fanden den Erstickungstod, 158 wurden durch Blitzschlag getötet, 197 erfroren. Die durch den elektrischen Strom verursachten Unglücksfälle trafen 188 Personen. Auch der Luftverkehr hat zahlreiche Opfer gefordert. Es wurden 79 Menschen getötet, darunter 77 Männer und 2 Frauen, gegeu 17 im Vorjahr. 25 Männer und 2 Frauen verunglückten beim Fliegen, und zwar in 17 Fällen durch Absturz m i t dem Flugzeug, in 7 Fällen durch Absturz aus dem Flugzeug, in je einem Falle'durch Verbrennung und Zufammenstoß. Notizen. — Vorträge. Ueber das Kupfer st ichlabinett der Königlichen Museen spricht am Mittwoch, den 23. Februar, Dr. Glaser im Zentralinstitut für Erziehung und Unlerrichl(Poldamer Str. 129). Beginn 8 Uhr, Eintritt irei.— Sexuelle Sittlichkeit und Strafrecht ist das Thema eines Vortragabends, den der Bund für Mutterschutz am Mittwoch, den 23. Februar, abends 8 Uhr, im Architeklenhaus. Wilhelmstr. 92, veranstaltet. Referent: Rechtsanwalt Dr. Werthauer. — Musikchronik. Der 9. Kammermusikabend des Steiner' R o t h st e i n- O u a r t e t t s im Lessingmuseum, Mittwoch, den 23. Februar, bringt ausichließlich Werke von Paul Scheinpflug. — Ein photographisch verkleinertes Konversationslexikon. Aus eine recht originelle Idee ist eine ameri« konische Verlagsfirma verfallen. Zum Schmerz vieler Bücherfreunde ist das große englische Konversationslexikon, die Lnczwlopasckio. Britannica, die sich aus 35 sehr schweren Ouarlbänden zusammen« letzt, ein rechl unhandliches Werk. Man will nun von dem großen Werk Seite für Seile eine photogrophische Verkleinerung herstellen lassen und dann diese neue Ausgabe ungleich billiger als die Original- ausgäbe in den Handel bringen. Umriß einer Pappfigur hinter dem Musselintuch eines Schatten- theaters. wie es deren unfern gab. Ihr Atem bedeutete: Ich bin Vollendung, Form, ächzend ertragenes, zeitloses Symbol; ich bin höchst persönlich und einzig ich selbst; was habt ihr mir an? Wie ein edles Pferd jede Muskel seines Leibes rühren kann, um Fliegen zu verscheuchen, so lief über ihr durchsichtig pralles Trikot, über den schmalen, vorgeworfenen Bauch ein rieselndes Zucken, in so blitzschnellen Abstufungen bis zu den Knien übergreifend, daß die Augen, die auf ihr hingen, völlig zu zwinkern vergaßen. Daud starrte sie an und vergaß die Welt, bis die einförmige Musik ihr Ende hatte, bis jener bresthafte Alte einen Teller hervorzog und das Gesicht der Tänzerin, das braune, herben Duft ausatmende Gesicht sich werbend dem seinen näherte und er von breitem, sinnlich hingezogenene Lächeln entblößte schloh- weiße Zähne sah, zwischen denen die Zungenspitze verschmitzt zum Vorschein kam... Nun näherte sich ihm der Leib in Berührungsweite, und die durch das Haschisch aufgestachelten Sinne des Knaben fanden raschen Kontakt mit den ihren. Sein Geld war mittlerweile vollzählig zu Sadik hinübergewandert. Dieser steckte eine Kleinigkeit in die sich heranschlängelnden Finger der Tänzerin. Sie war nicht zufrieden; er blieb jedoch störrisch, und sie schalt gellend auf ihn los. An Sadiks Ge- mütsruhe prallten jedoch die herbsten Vergleiche spurlos ab; er hatte seinen Profit gemacht, und das übrige beschied er in Allahs Hand. Dann ging er hinweg. Die Tänzerin ergriff jetzt Dauds Hand und führte ihn der Tür entgegen, nach dem Jnnenhofe des Gebäudes zu. Herzliches, dröhnendes Gelächter klang hinter ihnen her. Der Araber versteht nicht zu lächeln, sondern wenn er eine auch noch so bescheidene Komik empfindet, bricht das Lachen wie das Gebell eines großen Hundes aus seinem Hals. Der Witz beschäftigt ihn, er ist das willenloseste Opfer seiner augenblicklichen Vorstellung. Er hat auch nicht die geringste Oberhand über das Köstliche, was er soeben sah oder hörte, sondern sinkt, wenn er es ausgekostet, gänzlich ausgeleert auf seinen Stuhl zurück, während die wirbelnden Finger noch Minuten hindurch niechanisch ihr Entzücken bezeigen... In c nem kahlen, getünchten Zimmer, auf einer Matratze ohne Decke, mit einem stinkenden Dochtlicht vor dem Spiegel, und beim Klang fern näselnder Instrumente, deren aus- schweifende, endlose Tonwelle wie wilder Pulsschlag im Ohr lebte, hielt Daud ein erstesmal Hochzeit mit seiner Rasse. (Forts, folgt.) Dentaches Theater. Direktion: Mux Reinhardt. Vh Uhr: Der Biberpelz. Mittwoch: Faust 1. RammorMplele. 8 Uhr: Der Wwibstenfel. Mittwoch: Der Weibstenfel; Volksbühne. Theater a, Bülowpl. 8'/«: Fuhrmann Henaehel. Dir. Meinhard-Sarnauer. Theater UKöniggrätzerstraße 8 Uhr: Kamera4en. Komödienhaus S'l, U: Die rütsel hatte Frau Berliner Theat. 8 Uhr: Wenn zwei Hechzelt machen. Lessing:-Theater. Direktion: Victor Barnowaky. 8 Uhr; Die gutgeschnittene Ecke. Mittw.: Die gutgeschnittene Ecke. Donnerstag: Peer Gynt. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die selige Exzellenz. URANIA Tanbenstr. 48�49. 8 Uhr: iegypten�erSDezkanal und der Veitkrieg. Theater für Dienstag, d. 22. Februar. Deutsche? Opernhaus Cbarlottbg, 7 uhr: Tannhäoser. Frledrich-Wilhelmstädt, Theater. 8 uhr: Das Dreimäderlhaus. Gebr. HSfrilf©ICl-Tbaator s uhr-, Sokrates udö Perlmuiter. Kleinen Theater. 8 uhr: jettcben Gebert. Komische Oper. 8 Uhr; Jung muß man sein. Lustspieihaus. sv.uir: Der ßatte des Mulelns. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin Besidenz-Theater 8',. mir: Loge«0.7 �7 Hontls Operetten-Theater 8 uhr: Der Sterngaeker. Schiller-Theater O. s uhr: Halbe Dichter. Schlller-Th.Charlottenbg. suhrJiegeibeNaebtigali Thalia Theater. 8 uhr: Drei PaarScbohe. Theater am Vollendorf pl. 3»/« Uhr: Fldello. s1,. u.: Immer feste druff! Theater de» Westens s uhr: Das Fräulein vom Amt. mit Guido Thielscher. Trlanon-Theater. 8'/.u.- Ferlmtete JigieseHen. Luisen-Theater. Täglich 8,15— Sonntag» 8 Uhr: Charlotte Klinger MUtwoch 4 Uhr: Struwelpeter. Sonntag 3 Uhr: Die Allwördens. I�oss-Theater. 8 Uhr: Der Hochtourist. Sonnabend nachm.! ivvl Nacht, VVaihaila-Theater. 8 Uhr: BräUNIs Morgen nachm.: Schnei wittche«. Die schöne KomödlantlB Operette in 1 Akt y. Eugen Burg o. Louis Tautsteln. Mnaik von Leo Aseher. Mitwirkende- Elte Berna— Lotte Werkmeister v. Thana-TheaL a. Q. Gustav Matzner— Kelnrich Peer Julius Splelmann. Außerdem; Clotilde von Oerp Tänze ■owie der Februar- Spielplan. Voigt-Theater. Badstr 58. Morgen Mittwoch, Badstr. 58. den 23. Februar i Das tiEiflSlE Haupl oder: Der lange Israel. Schaulptel tn 4 Allen von Roderich Benedlr. Kasseneröfsnung 7 Uhr. An!. 8 Uhr. /\ üdmlralspalast Els-Jtrena Großes Eis-Ballett. «/,» Uhr. S, 8, 4 91. Vorzügliche KOche! Mittwoch nnd Sonnabend Naohmittags-Konzert in der Eis-Arena. 1.60 H. TSgL8, Tonnab. u5äomit.31/!lu.8 U. Da» erfolgreiche Februar> Programm! U.a.: n arkoinlsche Büren. Ä lobende Windmühlen. Atemberaubende Matrosenspiele. Todesfpruma m. d. Zweirab. sowie alle iwiißc» Schlager I Zum»chlus«:_ VorverL a. f. Sonnad. u. Sonnt. üaodrn. immer ab Donner»!. 10 U. Possen-Theater Linienstraße, a. d. Fnednohstr. zum i. Male: Kobis Abenteuer Schwank von Ludwig Hirsohfeld Der groüe Augenblick Posse m 2 Akten v.Leonh. Haskel Reichshallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schwft t „DIo von dol trndon." Für Mtlitärper» fönen freier Eimrit! zu den Anfang 8 Uhr. Stell. Sängern. Anl. 8 Uhr, Sonnt. 31/, u. 8 Uhr. Das gr. Fetircar-Prograiuin! 91. Wallis Sieg. Hunde Joseph Plaut! Morgensterns Landsturm usw. Casino- Theater Lothringer Str. 37. TägL 8 Uhr: AM- Nur noch bis S.Marz-ML der Possen Ichlager Was wachste nu? Ab 3. März ein neueS Polksstück. Sonnlag 4 Uhr: Ihr Gottlieb. Orts- Krankenkasse für das Maurergewerbe zu Berlin. Bekanntmachung Die Arbellgeber und Milgliedcr der unterzeichneten Kasse werden! hierdurch davon in KennMi» gesetzt,! daß sich die AeschäslSräume der Kass: vom 1. März 1916 in Berlin, C 25, Hanke- strafte 4, vorn 1 Treppe (am Bülowplatz) befinden. L90b Am SS. Februar ISIS bleibt da» Kassenloial wegen de» Umzuges geschlossen. Der Borstand der Ortskrankcnkasse für daS SNaurergewcrde zu Berlin. A. Daehnc, Vorsitzender. R. Freund, Schrislsührer. BeÄrTlönzertliätts. Verwaltung Berlin. TeL-Amt Morltzplatz 10623, 3578. Bureau: Rungestraße 20 Braneden-Vsrssmmlungen: Bürsten- und Pinselmacher. Mittwoch, den S3. Februar, abends 8 Uhr, bei Dann euberg, Holzmarktslr. 21. Tagesordnung: 1. Die Lehren der letzten Branchenlonferrnz. 8, DiSlussio». 3. Branchenangelegenheilen. Stellmacher. TounerStag, den S4. Februar, abends 8'/, Uhr, im Rofenthaler Hof, Rofenthaler Straße 11/12. Tagesordnung: BerbandS« und Branchenangelegenheilen. 83/2 Die OrtSverwaltnng. Vemalfungnielle keiliu. W 54, Linienstr. 83-85. T-lepdon: Amt Norden 185, 1239, 1S87, 9714. Bureau geöffnet von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Mittwoch, den 23. Februar 1916, abends S1/» Uhr, in Boekers Festfälen, Weberstr. 17: Kranchenversammlung der Zchmirtit, gtftlfdjiifbf, Alllosskll- schivrißn nnb Kmossnit-Arlikiln. Tagesordnung: 1. Jahresbericht. 2. Abrechnung des V ergnü gungSkomtteeS. 8. Neuwahl de» BranchenleilerS und der Branchenkonmtiffion. 4. Branchenangelegenheilen. In Anbetracht der äuherft wichtigen Tagesordnung ist e» Pflicht aller Kollegen, pllnktttch zu erscheinen. Tonnerstag, den 24. �febmar 1916, abends Uhr, in den Ntustter-Feftsälen, Kaiser-Wilhelmstr.Ll(Hochzeitssaal): Kranchenversammlung der Elkklronilinlciirc». Kclftr Groß-Kerlills. »üge der Feuer. Neukölln. Tagesordnung: t. Bortrag:.Die Technik und die hygienischen vo beslaNung/ Neserenl: Herr Fritz Dietrich, 2. Branchenangelegenhetten. 8. VerbandSangelegenheite«. 4. BerfchledeneS. ]yM— Zahlreicher Besuch Ist drwgend erforderlich."MG Die Kollegen der Firmen A. 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