r. 54.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Aounabend, 4. Mar;. Der wunöerrabbi unö öer Crzbisthof. Von Jakob Frame r.*) E3 war am neunten Tage des Monats Tischre, am Vorabend des Versöbnungstages. Von Nah und Fern waren die Anhänger deS Wunderrabbi in M4ten Scharen zu ihrem Herrn und Meister herbeigeströmt. Großes stand bevor: Der Tag des Gerichts. Vom Anbruch des heutigen Abend? bis zum Ausgang de? nächsten Tages sitzt Gott auf dem Throne, um für das kommende Jahr über das Geschick des Weltalls zu bestimmen. Ein Bangen und Zagen ergreift die Kreatur. Es beben die Engel, die Himmel erdröhnen von dem gewalligen Rufe:«Der Tag des Gerichts ist gekommen!' Wie die Lämmer vor den Hirten treten die Menschen zur Musterung vor dem göttlichen Thron. Aufgeschlagen liegt das Buch, worin alles Thun und Trachten verzeichnet ist. Links lauert Satan, um- geben von der Hölle Brut und klagt an; rechts steht der Erzengel Michael, an der Spitze einer mächtigen Trabantenschar. Wie die Faustkämpfer prallen ihre Reden auf einander und ringen um das Wohl und Wehe der angeklagten Kreatur. Nach beendigtem Wortkampf nimmt der Herr eine Wage in die Hand, legt die guten Taten auf die eine, die schlechten auf die andere Schale. Wehe dem, dessen Sündenschale zur Erde finkt. Unwiderruflich ergeht über ihn die Bestimmung: Im kommenden Jahre von Armut und Krankheit heimgesucht zu werden, eines natürlichen oder gewaltsamen Todes zu sterben, von Hungersnot, Feuersbrunst, von dem Schwerte oder der Pestilenz dahingerafft zu werden. Schon lange vor TageZgrauen war man heute ausgestanden, um sich für die kommenden Ereignisse zu rüsten. Wer es sich nur irgend- wie leisten konnte, hatte sich einen lebenden Hahn angeschafft, und gebunden unters Bett gelegt. Man ergriff ihn bei den Beinen, schwang ihn um das Haupt und sprach:„Dies ist mein Sühnopfer, dies ist mein Eri'a�. Durch den Tod dieses Hahnes möge mein Leben erkauft werden." Sofort wurde das Opfer geschlachtet. Dann eilte man in das Bethaus und flehte die Schutzengel an, Satan tapfer standzuhalten, von seinen Listen und Ränken sich nicht bestricken zu lassen. Eine weit größere Hoffnung setzte man auf die Fürsprache des Wunderrubbis. Gewaltig war die Macht des Mannes. Ihm war die Gabe verliehen, in den geheimnisvollen Sinn jener heiligen Worte einzudringen. auS denen die göttliche Allmacht seit dem Ur- beginn fließt. Kraft dieser Worte konnte er zu jeder Zeit vor dem göttlichen Thron erscheinen und seinen Willen zur Geltung bringen. Fand er das Himmelstor verschlossen, dann nahm er eine Axt und schlug es entzwei und stürmte hinein und jagte die Widersacher, die es gewagt haben, ihm den Zutritt zu versperren, schmählich in die Flucht. Aber höher als das heilige Wort, stand das Recht. Da? gab Satan eine Waffe in die Hand, an der alle geheimen Künste des göttlichen Mannes zerschellen. In solchen Momenten Pflegt der Rabbi gewaltig aufzuschreien, wie ein Rasender zu tanzen und zu springen, sich auf die Erde zu werfen und in gualvollen Zuckungen seine Glieder zu verrenken. In diesem Zustand verharrte er so lange, bis ihm kundgetan war, durch welche Mittel er Satan zu überlisten, ihm die gefährliche Waffe aus der Hand zu winden vermöchte. Die Abenddämmerung war bereits angebrochen, und das Kol- Mdre-Gebet sollte bald beginnen. Eine tausendköpfige Menge füllte den weiten, fast unübersehbaren Betsaal. In bloßen Strümpfen, in das Totengewaud, den weißen Kittel, gehüllt, den helleuchtenden, blaudurchstreiften, mit Gold- und Silbersäden umbordeten Gebet- mantel über den Kops gezogen: So standen sie da, bereit, vier- undzwanzig. Stunden lang sich deS Essens und Trinkens und Schlafens und Waschens zu enthalten, in inbrünstigem Gebet und reuiger Zerknirschung der Entscheidung über ihr Schicksal entgegen- zuharren. In allen Winkeln und Ecken, überall, wohin der Blick zu reichen vermochte, brannten in zahllosen Leuchtern, große, starke Wachs- kerzen und verliehen durch den dicht aufsteigenden Rauch der weihe- vollen Stimmung einen geisterhasten Charakter. Ein dumpfes Ge- murmel entstand:„Der Rabbi!" Ueber einem kleinen, runden, elastischen, in weiße Gewänder ge- büllien Körper erhob sich ein mächtiger Kopf, umrahmt von weil und dicht herabfallenden silbergrauen Locken. Auf dem feingeschnittenen, Infolge der Besetzung Polens ist die Welt des Ghetto unserem Interesse sehr nahe gerückt. Dr. Jakob Fromer ist selber im Ghetto aufgewachsen, seine Darstellungen und Erzählungen beruhen auf eigener Anschauung. Der Wunderrabbi, der uns zunächst so fremd vorkommt, ist nur eine ttzpische Erscheinung im östlichen Judentum. vollen, zartgeröteten Gesicht lag eine unnahbare Würde, eine übermenschliche Verklärtheit. Hinter den von langen, dichten Wimpern bedeckten Augen stahl sich jener versengende Blick hervor, von dem die Sage ging, daß noch kein irdisches und kein himmliches Wesen ihm auszuhalten vermöchte. Eilig schritt er durch die scheu ausweichende Menge auf die heilige Lade zu, stürmte die Stufen hinauf, zog hastig den Vorhang hinweg, ritz die beiden Türen auf und sprach mit gedämpfter, lang- gezogener, von verhaltener Glut durchzitternder Stimme die Psalm- worte:„Licht erstrahle dem Gerechten, und Freude ziehe ein in die frommen Herzen." Immer von neuem wiederholte der Rabbi den VerS. Immer gewaltiger schwoll seine Stimme an. So brüllt der Stier, wenn er, vom Speere getroffen, in Todespein sich windet. Horch! Ein dumpfer Fall! Hingestreckt lag der Rabbi vor der offenen Lade auf dem Boden. Ein krampfhaftes Zucken ging durch seine Glieder. Eine lautlose Stille entstand. Das Schweigen bedrückte die Seelen und schlug sie in starres Entsetzen. Plötzlich löste sich der Kreis, den die Gemeinde um den Rabbi gebildet hatte. Alles stob entsetzt auseinander. Der Rabbi erhob sich. Sein Gesicht war verzerrt. Allmählich belebten sich seine Züge wieder. Seine Augen leuchteten auf. Mit einem Satze sprang er zum Pulte und mit einem jauchzenden Gesänge stimmte er das Kol-Nrdre-Gebet an.... _(Schluß folgt.) kleines§emileton. Karl Spitzweg. (Zur Ausstellung bei Ed. Schulte, Unter den Linden 23.) Das war damals, als auch die erwachsenen Leute mit heißen Wangen und leuchtenden Augen für ihr Leben gern Bilderbücher ansagen, um sich von tausend reizenden Phantasien, von seltsamen und wundervollen Geschichten, von liebenswürdigen Menschliehkeiten und unerhörten Fabeln, von Maiensonnentanz und Nächtespuk willig einfangen zu lassen. Das war damals, als die Welt der Humore und der Nomantik noch nicht hatte fliehen müssen vor dem harten Rhythmus der Maschine und der kalten Logik eines industri- alisierten Geschlechtes. Tie Hausväter fanden noch Zeit, mit langen Pfeifen am Familientisch, im matten Lichtkegel der grün beschirmten Lampe, halb zur Erbauung und halb zur Belustigung von Hermann und Dorothea und aus Vossens„Luise" zu lesen. Am Sonntag zogen sie den Bratenrock an und spazierten in die Bildergalerien, um sich an allerlei gemalten Geschehnissen, an harmlosen Scherzen und seltsamen Heldentaten zu ergötzen. Das war damals, als die Zeit noch stillstand und jedes neuerscheinende Buch noch ein Ereignis war, als die„Fliegenden Blätter" schon für revolutionär galten, als der gute Ludwig Richter den treuen Spitz gegen den Mond bellen ließ und der milde Schwindt seine Elfen zu artigen Tänzen auf die nächtliche Wieke schickte. Damals, ein wenig früher, ein wenig später, malle auch Karl Spitzweg seine lustigen Geschichten, seine Episoden aus dem Dämmer verwinkelter Stndtlein, seine stillen, eingemummelten Spähe von Großvätern und Nachtwächtern, armen Schreibern, melancholischen Witwen, stolzen Spießern, schüchternen Hochzeitern, traurigen Dichterlein und wohlbeleibten Stadtsoldaten. » Es wäre nun ganz falsch, zu meinen, daß Spitzweg sich nur durch die Inhalte seiner Bildchen von den damals angesehenen Kunstprofessoren unterschieden hätte. Spitzweg wird nicht dadurch charakterisiert, daß man ihn einen Nnekdotenerzähler und sentimentalen Beobachter der kleinsten aller Welten heißt. Anfangs hat er sich wohl damit begnügt, das Gegenständliche, wie es ihn interessierte, ein wenig abgegriffen und wacklig, wiederzugeben; bald aber, besonders durch seine Reisen, die ihn von Italien nach Holland, von Frankreich nach England führten, lernte er erkennen, daß das Wesen der Malerei sich im Malerischen erschöpft, in dem Spiel der Farben, in dem Gewirk der Pinseltupfen, in den Sirö- mungen des Lichtes und in den Wallungen der Schatten. Ter frühe Spitzweg gab die Komik und das sanfte Lächeln, wie er sie liebte, durch die entsprechenden Grimassen, durch Handbewegung und Kopfneigen; der gereifte Spitzweg fand die künstlerische Kraft. durch einen Reigen gleißender Hieroglyphen, durch ein köstliches Blau, ein funkelndes Grün und ein erkostetes Nebeneinander geschliffener Töne die Sinne unmittelbar zu erregen, sie tanzen und torkeln zu machen. Spitzweg war ein Maler, ein Vorläufer des Größeren, der 1840 geboren wurde: Leibis. R. Br. -st Bei der Gelegenheit sei auf die Volksausgabe der S p i tz w e g- Monographie von Uhde-Bernays hingewiesen, die im Delphin-Verlag, München, erschien.(Preis in Pappband 4 M.) Man findet hier 120 vortrefflich gelungene Abbildungen von Ge» mälden und einige 80 Zeichnungen des Meisters. Der Text jjeiigt gleicherweise von Liebe wie Sachkunde. Den großen Maler Spitz- weg wird man nur vor seinen Gemälden erleben, aber seinen trau-� lichen Humor kann man auch in dieser billigen Bildergalerie aus- kosten._ Die Streichhölzer unö öer Weltkrieg. Seit Ausbruch des Krieges ist in der ganzen Welt die Frage der Streichholznot aktuell geworden, und auch bei uns verlautet nun neuerdings, daß wir in absehbarer Zeit wiederum mit einem nicht unwesentlichen Preisaufschlag zu rechnen haben werden. Die Ur- fachen hierfür sind mannigfacher Art, gehen jedoch in erster Linie darauf zurück, daß seit Kriegsbeginn die Holzausfuhr aus Rußland, die fast die gesamte europäische Streichholzindustrie versorgte, völlig aufgehört hat. So exportierte Rußland vor dem Kriege beispielS- weise nach Norwegen jährlich eine Menge Holz, das fast ausschließ- lich zur Streichholzherstellung verwendet wurde. Nun aber hat Ruß« land, das seinen Bedarf an Streichhölzern bisher selber deckte, aller« dingS das Holz, dafür aber fehlen ihm andererseits die Chemikalien, vor allem chlorsaures Kali, roter Phosphor und Schwefel-Anti- monium, so daß die Regierung sich gezwungen gesehen hat, den bisher ziemlich hohen Einfuhrzoll auf Streichhölzer für das lausende Jahr 1916 aufzuheben und einen Auftrag von einer Milliarde Schachteln an norwegische und schwedische Streichholzsabriken zu vergeben. Norwegen und Schweden sind bekanntlich im Grunde genommen die einzigen Länder Europas, die sich mit der Ausfuhr von Streich« hölzern befassen, und da die großen Streichholzfabriken in Polen und Belgien durch den Krieg zerstört worden sind, und die deutschen, österreichischen, französischen und englischen unter einem empfindlichen Mangel an Rohstoffen zu leiden haben, so liegt es auf der Hand, daß die norwegischen und schwedischen Fabriken seit Ausbruch des Krieges derart mit Aufträgen überhäuft sind, daß sie die Bestellungen, obwohl sie Tag und Nacht mit Hochdruck arbeiten,� nicht im ent- ferntesten auszuführen vermögen. So verlockend also auch der Auf« trag war. eine Milliarde Schachteln nach Rußland zu liefern, so mußten sie ihn dennoch ablehnen, ganz wie die Aufträge der fran« zöfischen Monopolfabriken, die sich immer wieder nach Skandinavien tuenden, um von dort Streichhölzer zu erhalten. Der Streichholz« mangel hat sich eben, wie gesagt, über die ganze Welt ausgebreitet, die Fabriken wollen oder können bei der ganzen jetzigen Lage des Weltmarktes keine Erweiterungen vornehmen und können folglich auch nicht daran gehen, neue Märkte zu versorgen, bevor sie erst einmal ihre alten Kunden befriedigt haben. So sieht man auch hier an der Streichholzfrage wieder einmal, wie der Weltkrieg überall mit hemmender Hand hineingreift in das ungeheuer komplizierte Räderwerk modernen Wirtschaftslebens.(-0 Aussprüche von Carmen Splva. (AuS ihrem vor drei Jahren erschienenen Buche„Aliunde". Die Menschen mehr als das Leben fürchten, ist die traurigste Marter. Man verneigt sich vor der Intelligenz, man kniet vor der Güte. Die Angst ist der Schwindelanfall, der die kommende Gefahr erkennen läßt. Bringt die Macht zu lieben, die man merkwürdigerweise eine Macht nennt, nicht auch alle Schwächen mit sich? Wer unter den Schlägen des Schicksals nicht in die Hölle der Empörung hinabsteigt, tritt in die Kirche der Sammlung und Er« gebung ein, Hoffe, indem du leidest, leide, indem du. hoffst... � � Notizen. — Wladimir M e d e m, einer der Führer der jüdisch-sozia« listischen Partei, ist bekanntlich durch die einrückenden deutschen Truppen in Warschau aus dem Gefängnis befreit worden. Er war im Jahre 1912 von der russischen Regierung durch die Vorspiege« lung, daß die ihm zur Last gelegten politischen Vergehen verjährt seien, aus dem Auslände nach Rußland zurückgelockt, dann ober an der Grenze verhaftet worden. Medem bat unter dem Titel„Briefe eines Auferstandenen" seine gesamten Erlebnisse� in russischer Ge- fangenschafr aufgezeichnet und wird sie im Märzheft der„Süddeutschen Monatspefte" veröffentlichen. — Deutsche Kleider werden in einer Veranstaltung de? Vereins für deutsche Frauenkleidung und Frauenkultur am Sonnabend, den 4. März, 3 Uhr abends im Künstlerhaus(Bellevue- stratze 3) von Schauspielerinnen in Pantomime vorgeführt. Steh- Plätze zu 60 Pf. an der Kasse. u] Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Der Grieche war, was Daud in Erstaunen setzte, sehr gleichgültig über diese Zulage. Ja, sein Gesicht schien seitdem noch faltiger und noch gelber zu werden.... Hätte man dem jungen Acgyptcr auch einen Blick durch die soziale Brille des europäischen Empfindens gegönnt, er hätte nichts gesehen; vielleicht hätte ihn das Unpraktische an dieser Moral sogar zum Lachen gereizt. So aber blieb es ihm vorbehalten, sich vergebens abzugrübeln, was wohl der Grund von des Griechen Trübsinn sei. Bei den großen Volksfesten verwandelte er sich in den früheren Daud. Dann steckte er mit Abu-Katkus und dessen scherzhafter Tafelrunde zusammen und verpraßte seinen halben Monatsgehalt in elementaren Genüssen. Jedes Pfund, das er einnahm, mahnte ihn an den nächsten glän- zenden Markstein seines dürren Drehstuhldaseins. Derlei Erholungen waren: �das dreitägige Beiramsfest, der Ge- denktag der Seijtde-Seynab, das Jom-Aschura mit seinem toll-berauschendcn Blutdunst in der Khamsani, die Rückkehr der Mckkapilger, die großen Prophetenfcste und das Chamm- cn-Nessim, mit dem man den Frühling begrüßt... Doch wenn er sich auch bei diesen dröhnenden Volksbelustigungen, bei dem herrlichen Taumel in den engen Gassen(unter dem rötlichen Schein unendlicher Lampen und grob geschliffener Kronleuchter) von ganzer Seele ausgab, mitschrie, mitrannte — den Kopf, ja das ganze Wesen erfüllt von allumschlingender, zujubelnder Wonne—, so geschah es doch, daß er nach Schluß der Bank in seinem europäischen Anzug zu Shepheards Terrasse ging, sich dort in einen Korbstuhl setzte, einen Kaffee trank und mit grübelndem Blick das reiche englische Publikum musterte, das dort aus und ein wandelte; ja sich sogar bei unbewußter Kopie solchen Gchabens ertappte... Dabei drängte sich die vcrklungene Zeit wieder unmittelbar heran mit all ihrem Gemisch von lähmender Befangenheit und Ab- lehnung, von Stolz und schwerblütigem Neid... Er begriff jetzt, daß all dies Wohlleben nur die äußere, unausbleibliche Frucht einer emsigen, zähen Arbeit war; daß diese Leute die Psundc. die sie in Bewegung setzten, in saurer Eigenbcherrschung verdient hatten, in honett durchgeführten Intrigen, in schwcitzerzeugender Hirnarbeit und durch ge- Heime Selbstentäußerung, die thuen tausend gründlich über- dachte und hunderfach debattierte Bestechungen gekostet... bis sie dastanden, bis sie die Fäden vereinigten, bis sie sagen dursten:„Verzeihung, aber dies Ressort ist nicht mehr zu vergeben!" Es sagen durften erbosten Würdenträgern ins Gesicht, mit kalter Sachlichkeit; eine Hand in der Militär- Verwaltung, der cknappen Maschinerie, die das Land zu seinem eigenen Schutz bezahlt!— Und die andere leger zu freund- schafilichem Shakehand vorgestreckt... Aber er war reifer geworden! Es ivar ihm jetzt klar. daß er, wenn er auf Kosten dieser Leute in die Höhe kommen wolle, einen Kompromiß mit dem allen schließen müsse! Und— nachdem er die Notwendigkeit des Kompromisses klar erkannt—(hatte er ihn nicht schon ge- schlössen, als er sich für die Bank dieses Sueceiti-Paschas werben ließ?), sah er ihn überall, und in seiner Ausübung lag alle Kunst, lag die große und einzige Kunst dieser politisch so wankelmütigen und geschäftlich so vielfarbigen Tage. Ja, von seinem Finanzbuch auS als kleiner, schlecht bezahlter Buchhalter, merkte er die Unruhe, die in dem Betriebe steckte, den Puls der Machinationen des jungen Aegyptens, die immer üppiger aufschießenden Umsatzbctriebe, be- herrscht von jener zahlen- und zukunstsschwangeren Nachricht, die die provisorische Vollendung des Staudamms meldete. Er kannte den pompösen Riegel, den man dem Wasser vorschob, um eS zu zwingen, mit der aufgestauten Wucht eines Kubik- kilometers seinen Segen durch ein Netz sinnreicher neuer Kanäle über ein doppeltes Areal kulturfähigen Bodens zu pressen... Dort war es gewesen, in Assuan, wo Daud seine wildesten Herzaufwallungen ausgetobt; wo jener Tempel ertrank; wo der weiße Knabe ihn vor sich hergetrieben und mit knapper Geste unter die Fuchtel gezwungen hatte:— die Fuchtel eben des jetzigen Regimes. Dagegen nützte keine Kraft; man müßte es schleichend anbohren und seinen Spionen mit gleichverstecktcm Eifer Widerpart halten! Was nützte aufheulender Krampf, groteskes Znrschaustellen eigener Rassenohnmacht! Was nützte Gcfühlsverschwcndnng diesem Maschinenvolk gegenüber, das das Land mit exaktem Griff an sich riß! DaS dem Khediven keinen Thron, sondern nur einen kleinen Schemel zugestand, von dem aus er— Farce eines Herrschers— leine Orders mehr ausgeben durste als die, mit denen er sich als Privat- mann bereicherte l ES dem Khediven nachzukun, sich ivenigstenS mit Geld zu verbarrikadieren, in der Eingeborenenregiernng zu sitzen und englischen Subalternen die Zähne zu blecken— das war die Losung dieser Zeit. Den Geist belveglicher Semiten an Stelle dieser' frostig kalten und in Hochmut erstarrten Gehirne zu setzen! In die meisten höheren Stellen waren bereits diese fremden, aufdringlichen Kuckuckseier gelegt, die in der über- reichen ägyptischen Sonne im gleichen Tempo reiften wie all die netten panislamischen Pläne, die sie mit ihrer harten Schale aus dem Wege druckten! Denn dem eingeborenen Araber war das Geschäft von jeher Elementartrieb und willkommene Befeuerung seines trägen Da- seins; nun endlich ist die Zeit da, das Großgcschäft klopft an seine Tür, und er möchte gern heran! Jetzt verschmäht er keine Zinsen mehr; jetzt wird er euch zeigen, ihr bleichen Fischblütigen, daß er gleich euch zum Spekulanten geboren ist! Und es wird sich zeigen, womit man mehr erreicht, mit verschmitzter Kom- bination hinter brauner Stirn oder mit eurer billig zugreifen- den Grobheit! Mit dem Publikum war Daud trotz seines Verlangens noch nicht in den Schalterkontakt geraten, der Einblick in den Umsatz einer Bank gestattet. Succeti-Pascha beeilte sich auch noch nicht, ihn avancieren zu lassen; allem Anschein nach war er auch zu schwer bescbäftigt, um die Wahl neuer Kandidaten für das nächst höhere Vertranensfach in Berechnung zu ziehen. Da wollte es der Zufall, daß Daud einmal ins Osfice trat, als Succetti-Pascha schlief. Mehrere Dokumente lagen offen auf dem Tisch. Daud wollte sich zunächst empfehlen, um den Machthaber nicht zu stören. Der Direktor hielt die kaum erloschene Zigarre noch in der Hand; er sah aus. als habe die Er- schöpfung seines verantwortungsvollen Amtes ihn plötzlich überwältigt. In Wahrheit hatte er bei Befolgung gewisser diskreter Bedingungen, die er an die Karriere eines Angestellten geknüpft, des Guten zuviel getan: davon zeugte ein durchdringendes Parfüm, das die Luft noch schwängerte und die Lider, die schlaffer als sonst auf den vorgewölbten Aug- äpfcln ruhten. Der Mittelpunkt deS Ganzen schlief! Das Zentrum dcZ fiebernden Berkehrs war gelähmt! I l"(Forlf. folgt.)- Deutsches Theater. Direktion: Mits Keinliardt. T1/, Uhr: Der Biberpelz. Bonntag; Macbeth. Naciun. S'/j D.(kl. Pr.): Hamlet. Kamm erspiele. 8 Uhr: Der Weibstenfcl. Sonntag: Der Weibsteutcl. Naohra. 2il, Uhr(kleine Preise): W etterlenchten. Volksbühne. Theater a. BQIowpl. 8';4ü.: Fuhrmann Hcnschcl. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.KöniggrätzerstraBe 8 Uhr; Kameraden. Komödienhaus 81/«: Das Mädchen aus der Fremde. Berliner Theat. 8 Uhr; Wenn zwei Hochreit machen. fifcl&ng-Theater. Direktion: Victor Bamowsky. 8 Uhr: Die guigeschnittene Ecke. Sonntag; Die gutgeschnittene Ecke. Montag: Peer Gynt. Deutsches Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die selige Exzeilena. URANIA Tanbcnstr. 48J49. 4 Uhr(halbe Preise): Kurland n. die Dünafront. 8 Uhr- Aegypten, derSuezkanal und der Wellkrieg. Theater für Sonnabend, den 4. März* Besldenz-Theater S1/, Uhr: 1006 NO. 7�end� Schlllcr-Theater O. 8 uhr: Das Lümpengeslndel. Schiller- Th.Charlottenbg. Romeo und Julia. Deutsches Opernhaus Charlottbg. ? uhr: Tannhäuser. Frledrlch-Wilhelmstädt Theater. 8 uhr: Das Dreinräderlhaus. Oebr. HerrnfeS�-TbM.ar s uhr: Sokraies uni Pertaorter. Kleines Theater. suhr: Jeltehen Gebert. Komische Oper. 8 Uhr: Jung ninti man sein. Lnstspiclhaus. 8'/, uhr: Der Gatte des Frlsleios. Sonntag 3lij U.: Die Haubentorche. Metropol-Theater 8 uhr: Die Kaiserin ThMÄ. Sonnt. 3 Uhr: Der Waffenschmied. Montls Operetten-Theater 8 uhr: Der Sterngucker. 8 Uhr: Zorn 1. Male: Thalia-Theater. Blondinehen. Theater am Vollcndorfpl. S1/. Uhr: Wilhelm Teil. siu u.: Immer feste drall! Theater des Westens s uhr: Das Früulein wra Amt. mit Guido Thielscher. S1/, Uhr: Die Büubcr. Trlanon-Theatcr. wj.: ferlieiratete JßDggeselleD. Luisen«Theater 4 Uhr: Fran Bolle. Sonntag 3 Uhr: Mattersegen. Täglich 8.15, Sonntags 8: Charlotte Klinger. Mittwoch, den 6. März, 8,15: Zum 25. Male: Charlotte Klinger. Der - neue bunte= abwechslungsreiche Spielplan! Außerdem Die schöne Komödiantin Oper, inl Akt v. Burg u.Taufstein. Musik von Xieo Ascher. Mitwirkende: Else Berna— Lotte Werkmeister v. Thalia-Tb. a. G.— Gustav Matzner— Heinrich Peer— Julius Splelmann. Reichsballen-Tiieater. Stettiner Sänger. Zum 129, „Die Anfang 8 Uhr. Male: von der Emden." ir MUitärper- onen freier Eintritt zu den Steil. Sängern. MMMWU Heute u. morgen 31!, u. 8 Uhr: 2 Große Vorsteituugen. Nachm. 1 Kind frei(auh. Galerie). Weitere Kinder halbe Preise. In beiden Lorftellungen: Das neue Märzprogramm° Flwino's, in Ketten gefesieli, Todessturz ins Manege-Bassin. 4 Renellos, am fliegenden Luftreck. Elise Martens, der lebende Pfeiler! Goliath, d. grötzle u. fchw.Sckulpferd der Well, geritten v. Frl.Botüm. Z Jainozicks, Eislaufakrobaten. Zum Tchiafl wWifäMafWfft* Rose-Theater. Aachmittags: Die 7 Rabe». «uhr- ich lasse Dich niebt Walhalla-Theater. s uhr: Grigris Anf. 8 Uhr. Sonnt. 31/, u. 8 Voller Frfolg dos Bieson-März-Progn Olga Desmond in ihr. Neuheit: Ein GeigertmsB. Bernhard Mürblt» der berühmte Komiker. Ein Maskenfest. Gr. Szene der 10 deutsch-poln. Tanzsterne, und der neue große Spielplan. Bertiner Konzerthaus. Zimmerstr. 90/91. 73 Geschäfte in allen Stadtteilen Berlin* towie in Neukölln u. Treptow OeprOndat 1892. F. Kiesewetter, Sebivelbeiaentr. IS. Felix Kynast, Däncnstr. o. G. Meier, Grünerweg 27. Fr. Prlbyl, Osnabrückorstr. 26. Tnwhon Filialen in allen iUllJuU Stadtteilen. Emil Werk, Samariterstr. 8. Otto Wolff, Treptow, Krüllst. 16 Zachau, Gr.-Lichterf.jChanMWBtaSs Paul Zastrow, Stromstr. 83. �Bandagen, GumnniwTV R. Bänke, Stralauer Str. 56. E. Kraus, KomiBaDdanteistr. 55. A- E. Lange, Brunnenstr. 166 und Farben ► Werder-Drogerie, Britx.BfdoW'erat. 5a jgäa. Mauerstr. 82. Täglich Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester Kran�v.�iom Anfang S Ehr. Fintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. An aUen Wochentagen A'achmlttags-Konzcrt bei vollem Orchester und freiem Eintritt. 4 Allcoholtr. Betranlce~V Fran z Abr all am Html). Messina-u.Römcrtrank-Kell. L.?5 Barlelalr. 8», Fernap. Kgst. 18708 A Barte-Anstalten ► niona Dort Koppenstr. 93 Uldild'DflU sämtlicho Bäder. National-Bad, Brunnenstr. 9. Passage- Bad KT HefoitP'Bad, Wiener Str. 66. 4 Bädter«- n. Konditoreien\ Br. Friedridi, Eißenbahnstr. 31. AjOroßkinsk��Boxha�ene�� ßskar Danke's Eroliiädier« Toigt-Tlieatep. Badstr S8. Badstr. SS. Sonnabend, den 4. März 1916: Ein Teufelsveib. rlebensbild mit Gesang in 4 Auszügen. Sonntag 3 Uhr: Das hemeoste Haupt Ab Montag: Die Eise vom Erlenhof. Kaflenerössnung 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. Gasino- Theater Lothringer Str. 37. TägL 8 Uhr: Neu! Neu! Das erste Volksstück in dieser Spielzeit! Die Bogelscheuche. Dazu das grohe Märzprogramm. «onntag 4 Uhr: Ihr Gottlieb. Aämirslspslast Lis-Arsns HroBes 8is-3aÜeti '/,» Uhr. 2. 8, 4 M. Vorzügliche Küche! 30 Zreieo 5(009(0 - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Hest für 10 Pf. Moderne Moderne bl aL u e An x il 9 e Prüfiangs � An�lt�e Moderae Oberhemden, Kragen, Stulpen, Vorhemden, HU'e, Krawaßen, Handschuhe, Hosenträger, Unlerrwäsche usw. usw. jeder Käufer eines Anzuges erhält reizende Beigaben umsonst BASR SOH Ctiausseenxaße 29-30 BERLIN 11 BrUclt ea- Straße 11 Or. IroaUSuTlcr Sir. 20 Gegr. 1S91 Scliy acljcrB, Uouplllr. IO Sooalag 12— 2 geOCTael. JJfJft. tk ist der schönste Ausflugsort? � Immer noch Pichelswerder, �„ anöeTntnrn"en beim Alten Freund. -mm. SALAMANDER SIND GUT v. PREISWERT SobmänderSdiuhges, mb-H. Zentrale Berlin TO Friedrichsfrasse 162 Possen-Theater Linienstraße, a. d. I'riedrichstr. 8'/. 8'/. 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