Dr. 59.-)9IG. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, l0. Nlir;. Vorfrühling. In die junge Morgenhelle schrie der Wutschrei der Schrapnelle krachend in das kühle Schweigen. In den frischbegrünten Zweigen schlief in blauumschlung'nen Nestern noch der Werdedrang von gestern, Oft quoll silbergrau verhangen, Zarte Lichterwellen sprangen in das erste Dogelsingen und das sausende Granatenschwingen; vor der Sonne, halb zur Nacht, uns als Morgengruß gebracht. Als die rote Flamme glühte, immer noch das Feuer sprühte, immer noch, von Oualm umhangen, heulende Geschosse sprangen. Aber durch das irre Toben perlte Lied und Licht von oben. Der Granatenschlag verdröhnte. Licht und Vogellied ertönte, wundersam in eins verschlungen, in des Grabens Dämmerungen, daß sich unsere heißen Äände hoben in das Blutgelände. In den gvld'nen Morgenstunden fiel der Tau auf unsre Wunden, stillten sich die wilden Adern, alles Grollen, alles Ändern. In dein höllischen Getriebe blieb ein Nest verschämter Liebe... Max Barthel, Musketier (Argormcn). Der Sanitätshunö auföemSchlachtfelöe. Vom SainlälShundsührer Luchs, Hamburg. ES war am Vormittag de? 22. August; nach mehreren Regen- tagen beglückte unS wieder die Sonne mit ihren belebenden Strahlen. Wir hatten unsere Jelie auf einem von hohen Kiefern um- xcbenen Vorwerk aukgelchlaaen. Die infolge des schwierigen Ge- ländeS schon an und für sich schwer zu nehmenden russischen Stellungen waren durch den Feind noch künstlich stark ausgebaut, es war des- halb Aussicht vorhanden, hier ein paar Ruhetage nach den anstren- gendcn Märschen der lchten Tage �u bekommen. Aber unsere brave» Feldgrauen machten uns auch hier wieder einen Strich durch die Rechnung, denn am frühen Morgen hatten sie sich schon an den Feind gemacht und nach heftigem Kampfe auch diese schwere Stellung iin Sturm genommen. ES war um die Mittagszeit, als der Befehl kam. ein Zug Krankenträger mit d Tragen solle sofort zum Absuchen des bei den Dorferil Grcdziele, Johchlalh gelegenen Schlachtfeldes, auch sollten sich drei Sanilätvhundsührer mit SanitälShundcn dem Kommando auschliehcn, worunter auch ich mit meinem Rotlweiler befand. Nach zwei Stunden Marsch kamen wir um 21/3 Uhr nachmittags am Bestimmungsorte au. Der Bizefeldwebel verteilte die Krankenträger, welche, da das Gelände noch stark von den Russen mit Gewehrfeuer bestrichen wurde, jede Deckung benutzend vorgingen. Da die Hunde zur Nachsuche verwendet werden sollten, warteten wir. bis die Mannschaften das Gelände abgesucht hatten. Dies bestand au, Sumpf. Gelrcideseldern und Wald'mir niedrigen Kusseln. Um SV« Uhr setzten wir die Hunde an: wir mochten ungefähr 20 Minuten in Tätigkeit sein, als der Russe daß Gelände mit 12 bis 1b Granaten und Schrapnells belegte, tvodurck mein„Strolchs zu meiner Freude sich nicht im geringsten stören lieh, obgleich eimge Granaten i» imminelbarcr Nähe bei irns einschlugen. Nach einhalb- stündigei», vergeblichen Revieren bog der Hund mit erhobenem Kopf nach rechlS ab, kam nach einigen Augenblicken zurück und führt? mich zu einem etwa 160 Meter entfernt liegenden durch Bauchschuh schwer Verwundeten. sLeider starb derselbe, che er abtransportiert iverden konnte.) Nachdem ich meinen Hund gelobt, schickte ich ihn aufs neue vor, und während ich mich noch mit dem Verwundeten beschäftigte, apportierte, Strolch" einen Helm. Auf mein„Zeig wo" brachte mich der Hund zu einem in einem etwa einen Meter tiefen Loch liegenden, mit einer Zeltbahn zu- gedeckten Kameradep. Erst»var ich der Meinung, einen Toten vor mir zu haben: als ich jedoch die Zellbahn zurückschlug, kam Bewc- gung in den vor mir Lieaenden. Der Arme war infolge der An- strengung und seiner Verletzung sOberschenkelschnh) vor Ermattung eingeschlafen.„Strolch" fand auherdem noch einen Verwundeten im Sumpf, zwei im Getreide und zwei im daran stoheiiden Unterholz, also zusammen sieben Mann. Nachdem ich die Verwundeten mit Mänteln und Zeltbahnen gut gegen die Nässe geschützt hatte, suchte ich unser Kommando auf. Nun ging es im Eilmarsch zurück, und ich hatte die Genug- tuung, alle sechs noch Lebenden, ehe es ganz dunkel wurde, geborgen zu wissen. Auherdem holten die Hunde meiner beiden Kameraden Ullrich und LübbcrS je einen Verwundeten gefunden, wodurch sich die Zahl der Braven, die ihr Blut iürS Vaterland vergoncn hatten, aber nun infolge der Tüchtigkeit nn'erer«reuen Hunde der sicheren Hand dcS Arztes überwiesen werden konnten, auf 8 steigerte. Froh unseres Erfolges kehrten wir um 10 Uhr abends zur Kompagnie zurück. Da der Wald noch nicht vom Feinde gesäubert war, hatten wir nur teilweise eindringen können, ich bat deshalb um die Erlaubnis, den Wald am anderen Morgen noch einmal absuchen zu dürfen. Mit Tagesgrauen strebten ich und noch drei Kameraden wieder unserem Ziele zu. Auch an diesem Morgen waren wir vom Glück begünstigt, denn schon nach kurzem Suchen apportierte mir mein Rottweilcr einen hölzernen Löffel, wie sie bei den Russen viel ge- braucht werden, und brachte mich zu einem in einem Unterstand liegenden Russen. Auch die Hunde meiner Kaineraden Wiehe und Götze arbeileten gut, sie fanden an diesem Morgen vier weitere russische Verwundete. kleines Feuilleton. Künstliche Slitzfchläge. Viele naturwissenschaftliche Entdeckungen, wie die drahtlose Tele- graphie, haben den Weg von kleinen, spielerisch erscheinenden Ex- penmenten im Laboratorium zu ihrer großartigen Auswirkung über ganze Länder hin genommen, so daß uns diese Entwicklung nicht mehr allzu wnndelbar erscheint. Seltener und deshalb vevblifffender und phantasieanregender ist es aber, wenn tatsächlich vorhandene Naturerscheinungen, die unserer Mackit entrückt scheinen, plötzlich mit allen wohlbekannten Mertmalen verkleinert in das lstndierziininer des Gelehrten gezogen sind und dort seines Winkes harren.- So werden jetzt, wie aus einer Arbeit Dr. Wächters in den Mitteilungen über„Gegenstände des Genie- und Artillerie- wesenS" zu ersehen ist, in der„Zentralstelle für Wissenschaft- liche und technische llnterstichungen" in Neu-BabclSverg ganze Geivittervorgänge in ArbeitSräumcn hervorgerufen, denen es auch nicht an einer passenden Erdoberfläche mitHänSchen, Flüssen und feuchten Seen- und Sumpsflächen fehlt. Auf diese kleine Welt müssen die erzeugten Blitze einen schauerlichen Eindruck machen, da sie über 3 Meter das„Himmelsgewölbe" durchzucken und weder Haus noch Menschlein zu scheuen brauchen. Die atmospbärischen Spannungs- erscheiilungen. die zu solchen Ecltladuirgen führen, kömien bis auf ungefähr 3 Millionen Volt ansteigen und geben damu dem Bruder in der freien Natur nur wenig Vorrechte. Die dräuende Wolke freilich, aus der Tor seine Blitz« schleudert, hängt hier fest und langweilig als baumelnde Bleikugel immer an, gleichen Fleck, auch der Horizont der»och bedrohten Erde ist etwas auffallend hart und einiönnig als ein großer Ring gespannt, der seine ganze hnndertmal verkleinerte Welt damit begrenzt und nicht einen Funken überspringen läßt. Die Häuser sind aus Holz, habe» oft eine Mstallbedachung, Zierat je- dock erscheint in der Zone ewiger Gewitter mmötig, die Umgebung ist kahl und sandig dargestellt, nur sickernde Wassertropfen geben die Vorstellung fließender Gewässer. Wird ein ganzes ausgeschnittenes Stück Sandboden befeuchtet, so haben wir Sumpf, Seen. «W Ueberschwemimmg vor un«, wie der Zuschauer will. Selbst ein wenig Tiefe ist dein Antlitz der Erde in Form einer Metallplatle angeheftet, sie vertritt da« Grundwasser: wird sie mit einem Hause leitend verbunden, so ist das ebensoviel, als hätte das Grund- Wasser sich bis zum Fundament des Hauses emporgeiaugt. Mit Hisse dieser Versuche soll nun eine zweckmäßige Art, Blitz- ableitungcn zu bauen, gesunden werden, wobei die Anlage der Leitungen für Pulver- und Mnnitionsmagazine und Sprengstoff- fabriken natürlich das besondere Interesse der Zentraltintersuch'ungs- stelle in Anspruch nimmt. Vollen Erfolg in der Ausbeute praktisch zu verwendender Erkenntnisse werden diese Experimente aber erst oaim haben, wenn sich an die künstlich vorgenommenen Blitz- en'chcimmgen vergleichende Beobachtungen tatiächlicher Blitzschläge anschließen, die ihrerseits wieder durch systematische Behandlung des Materials, günstige Auswahl gewitierreicher Landstrecken, etwa in Süd-Dalmatie», und cnltpiechend gebaute Versuchshäuser die thcvrc- tische Arbeit der Zentralniitersuchungsstelle ergänzen. Das Museum öes öeutjtyen hanöels in Paris. So unglaublich es auch klingen mag, es gibt jetzt, mitten im Kriege, ein deutsches Handelsmuseum in Paris. Und dieses Museum blüht nicht etwa im Verborgenen: es ist ein höchst offizielles Unter- nehmen, und sein Gründer ist der Leiter der Pariser Handels« kammer. Das Museum, das in einem eigenö für diese Veranstaltung erworbenen Hause in der Rue Notre-Dame-des-VictoircS unter- gebracht wurde, enthält, wie der„TernpL" berichtet, die verschiedensten G�enstäistze deutscher Produktion, die man in Frankreich aus den noch vom Frieden vorhandenen Beständen austreiben konnte. Das BemerkenAverteste an diesem höchst interessanten Unternehmen ist der Zweck, den es verfolgt:„Es soll hierdurch." wie eö wörtlich heißt,„den französischen Industriellen und jtaufleulen ermöglicht werden, die Methoden kennen zu lernen, mit deren Hilfe es den Deuffchen im Frieden gelungen war, eine überragende Stellung aus dem Weltmaeit zu erreichen." Der„Temps' hofft, daß man durch sachverständige Ausstellung deutscher Erzeugnisse die fratizosischen Handelskreise in den Stand setzen könne, ebenso erfolgreich zu arbeiten. Denn um eine wirksame Konkurrenz ausnehmen zu können, müsse man genau über das unterrichtet sein, was der Gegner vornehine, und dies eben ist die Aufgabe des deutschen HandelsmuseumS in Paris. Der Besuch des M>tjen ms ist jedoch nicht völlig öffentlich. Der Eintritt ist nur den srowstisischen FalbrkkaMcn gestattet. Die Fabrikanten werden in Gruppen durch die Räume geführt, und die Vertreter eines jeden Handelszweiges sollen durch Sackverständige in die Geheimnisse deS deutschen Handelserfolges eingesiihrt Iverden. Es bandelt sich hier- bei hauptsächlich um die einzelnen Herstellungsinelhoden und um die Preislage der porschiedenen Erzeugnisse. Per- treten sind Artikel aus Stahl, Porzellan und Glas, Uhren, Stoffe, Spielwaren»nd verschiedenes aiideres. Die Spielwaren sind, wie der„Temps" sich entschlüpfen läßt, besonders hervorragende Er- zeugniffe. Es gibt darunter die verschiedensteu Pupvenartcn, lleine Lokomotiven, technische Spielwerke, deren billiger Preis bisher in Frankreich niemals erreicht werden konnte. E« entbehrl nicht der Kemik, sich die Begeisterung der Pariser Zeitungen über die Erzeugnisse des deutsche» Handels vor Augen zu führen,— derselben Zeitungen, die in der nächsten Spalte mit ebenso viel Eifer bemüht sind, den Deutschen allen Verstand und alle Tüchtigkeit abzusprechen. Merken die Veranstalter nicht, daß die Errichtung dieses seltsamen Museums die größte Hnldigmig an Deutschland bildet, die überhaupt uur möglich ist? Notizc«. — Sind Bilder Bannware? Drei Gemälde des in Deiitschland gut bekannten schwedischen Malers Liljefvrs wurde» auf der Rückreise von San Francisco in Kopenhagen zurückgehalten. Der Maler soll erst eine Erklärung abgeben, daß diese Bilder nicht in irgend einer Form in ein mit den Alliierten kriegführendes Land ausgeführt werden.— Fürchten die Engländer, daß die Deutschen sich an den Liljeforsschen Tieren— er ist ja Tiermaler— überesse» könnten? — Eine CervanteS-Bibliothek in Vallabolid. Anläßlich der dreihundcrtjährigen Gedächtnisfeier des Todestages des Dichters Cervantes am 23. April 1910 wird daö von der spanischen Regierung angekaufte Wohnhaus deS Dichters in Valladolid zu einem EervanleS-Muscum allsgcstallct: auch die Aufstellung der gesamten Cervantes-Lileratur ist in Aussicht genommen. Denlscher- seitS will man die in Deulschland crichteiicue CcrvanteL-Litcratur dafür stiften. 49] Der 0on0 öer Sakije. Ein Römern aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Ein junger Mann in ausgesucht leuchtender Kleidung schritt die Mouski herab. Leim Gehen achtete er sorgfältig auf seine Schuhe. Sein Gesicht ivar leichtbraun und nicht unschön. Be- sonders auffällig erschienen darin die Wimperu der weich ge- schlitzten Augen und die kohlschwarzen hochiitzenden Lrancn. Sonst bot die Erscheinung einen für ihr offenbar noch jugendliches Alter recht ausgesprochenen Fettansatz und einen Zug von— wenn man so sagen ivill— dauernder Nnaiisgeschlafeiiheii. Zuweilen griff er mit der kleinen, üppig beringten Hand in die Außentasche des Jacketts und wischte sich niit einem seidenen Tuch die von drei ivulstigeii Falten zerschnittene Stirne ab. Lei Sednaoui. einem großen Konfektionsgeschäft, an- gelangt, wählte er ein Dutzend auffallende Strümpfe. Bei der Wahl der Farben bewies er nicht gerade den besten Geschmack. Offenbar liebte er sehr Buntes und Lautes: es schien ihn zu erheitern; und er schien zu finden, daß ihm das stehe. Man solle ihm daö Päckchen zusenden, sagte er schließlich. Und er nannte eine ganz neu angelegte Straße in der Gegend des Gezire-Palace-Hotelö. Er kaufte sodairn noch allerlei: ein silbernes Nezessaire. eine japanischen Rückenkratzer aus Elsenbein, mehrere Flakons von teiireiii Parfüm: Hier ward er einer verschleierten Harim gewahr, die chn, als er ihr den Vortritt ließ, blitzschnell musterte.„Sie ist alt geworben," dachte er,„aber da» tut nichts." Er ließ, das Kinn auf die Brust gedrückt, ein Wort fallen: und es schlüpfte unter ihren Schleier und gelaugte zu ihrem Ohr. Sie verriet sich mit keiner Bewegung. Jedoch abends in der Scharia Managh fuhr eine ge- schlossene Droschke auf cinetl Schotterhaufen auf; und ehe der Kutscher sie wieder flottmachte, ward sie um einen In- Am übernächsten Morgen erhielt derselbe junge Mann ein Billett von unbekannter Hand, des Inhalts, daß er in einem bestimmten Hause in der Garten City zur übkchen Besuchszeit erwartet werde. Das Adreßbuch gab ihm ledig- lich die Auskunft, daß das betreffende HcmS in den Händen der Relikten eiiics kürzlich verstorbenen Schesch Achmed Abd- el-Gaivad sei. Dieser früher ungemein einflußreiche Name war ihm geläufig. Er machte ausführliche Toilette und begab sich auf den Weg. Mit Absicht nahm er keine Droschke. Allerhand Ver- mutungcn durchkreuzten seinen Kypf. Er rief sich zurück, ivas er von Abd-el-Gawad wußte. Ja, dieser Bauer aus dem Delta hatte eine erstaunliche Karriere gemacht... Kaum zwanzigjährig, hatte er in Kairo eine Zeitung gegründet, und diese Zeitung war ein politisches Metstcrstück gewesen. Sie balancierte recht witzig: sie war türkcn- und khedivenfreundlich, mithiu allen Parteien genehm und das ersehnte panislamische Organ... So kam sie auch in die Gunst des Sultans, dem im Grunde jeder Angriff auf Eng- land, als freiheitliche Regung, damals tief verdächtig war, weil er als näckssten Schritt einen Verrat auch an der Türkei witterte. Dazu hatte sich der schlaue Mensch tief in die Gunst des früheren und nun des jetzigen Khediven gesetzt. Er wurde vom Hof zu allerhand Liebesdiensten verwendet. Unserem guten Abbas-Hilmi verschaffte er reizende Nebcneinnahmen. da man ihn ermächtigt hatte, mit Stellungen zu handeln und die Preise für dekorative Orden anzusetzen... Kannte man ihn gut, so war es nur eine Geldfrage gewesen, wenn man sich die Brust mit dem Medschidije erster Klasse oder dem OSmanije der dritten zieren wollte... Der junge Mann, an diesem Punkt der Uebcrlegung an- gelangt, dachte daran, daß ihm ein solcher Orden ebenfalls sehr zum Schmuck gereichen werde. Gedautenvoll betrat er eüien offenen Schuhputzerladen und ließ sich bedienen. Während er den geschickten Händen zusah, die eine weiche und eine harte Bürste abwechselnd schwangen, rekapitulierte er das übrige, was ihm von Abd-el-Gawad zu Ohren gekommen war... Ha, dieser Mann war ein Gauner gewesen! Er betrieb die Kuppelei im großen und kannte den Geschmack im Abdin- Palast... Uebcrall hatte er seine Agenten...� Der Khedive erlöste ihn ziemlich plötzlich von der Redakteur- stellung des sehr gelejenen Organs und machte ihn Hals über Kopf zum Schesch-es-Sadat... Welch eine Karriere!i Der junge Mann grübelte weiter, und auf einmal traf ihn eine neue, eine abliegende Bermutung ivie ein elektrischer Schlag, so heftig und überrumpelnd, daß er nach Beendigung der Verschönerung noch eine Weile sitzen blieb. Hierauf, sauft zum Aufbruch gemahnt, gab er versehentlich einest halben Frank zuviel.... Es ivar nach langer Zeit das erstemal, daß er sich in Kleingeld versah. Draußen, langsam weiterschreitend, spann er den neuen Gedanken aus, und eine nie vorher gekannte, seltsam mit einer süßen Bcdrängung verknüpfte Erregung wandelte ihn an. Er ging an den Barracks vorüber und bog hinter dem SemiramiSh'utel in eine stille Gartenstraße ein. Ein prunkvolles, schmiedeeisernes Portal ward ihm ausgetan. Er durchschritt einen reizvoll gepflegten Garten und betrat ein völlig europäisch anmutendes Palais. Eine Marmortreppc hinauf von einem prächtigen, ivortkargen Kawasscn geleitet, hefand er sich alsbald in einem Salon und wurde gebeten, einige Minuten zu warten. Ein Smyruateppich von seltener Größe und Feinheit der Knüpfarbeit bedeckte das Parkett. Der Raum wurde durch hölzerne Rolläden vor den hohen Fenstern, deren Brettchcn schräg standen, halb verdunkelt. Eine hellblaite, mit zinnfarbenen Preßlilien geschmückte Tapete schadete der Wand. Zerbrechliche Prunkstühlchcn, goldlackiert, von vor- zweifelt sich windendem Rokoko umringten einen schweren Mahagonitisch. Eine stumme Antipathie herrschte zwischen den Möbeln. In der Ecke stand ein Kachelofcll aus Stein- gut. dessen Berechtigung dunkel war. Aus einer Etagere von durchbrochener Holzarbeit zwischen arabischen Nipp- fachen und wertvollen eingelegten Ziergcgeiiständen blähte ein Porzellan Autor mit versilberten Brustwarzen sein rosa Fleisch. Hinter der Etagere hingen lebensgroße Photographien: ein schwammiger, maitblickeitder, üppig uniformierter Herr im Tarbusch mit dem Aspekt eines arabischen Zercmonienmcisters — und neben ihm eine schtvarzbekleidctc, offenbar sehr schöne Dame von hellerem Teint. Beide Bilder waren farbig über- tuscht. Vor einem Wandschirm, über dessen schwarze Flächen ein goldener Drache von chinesischer Arbeit kroch, stand ein riesiger Rauchtisch von delikatester Ziseliening. Der Duft eines sehr teuren Parfüms füllte die Luft und stimmte schläfrig und träum selig. (Forts, folgst) lÄPfirlefLy nDiciit.CallBri-Ni VGPfiai- Hune, BlascnuniJ NiBrenBlBirij t«ban4t1! alt aus&erQdWÖbnlicheil Cffolgu: LuckOM BaJunllann-iaairtot. Q. M. d. N> Bvthi sw. änlBgritzirstr, 80. farnspr. Kurfünt 5873. 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