iir 63-1916 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Die Sünderin. Von Marie von E b n e r- E s ch e n b a ch. „Das Schreiben, selbst an meine liebsten Menschen, ist mir eine Qual," sagte Louise von Fran�ois, und: Mir auch, mir auch! dachte die alte Baronin, als sie den vierten Brief, den sie heute ge- schrieben hatte, und joden an einen ihr sehr lieben Menschen, schwer seufzend schloß. Kein fauler Student sehnt sich ungeduldiger von der Schulbank fort, als sie sich fortsehnte vom Schreibtisch in den Garten hinaus. Es war ein Sommermorgen von jauchzender Pracht. Ein Blick ins Freie umfaßte eine Welt von Schönheit: Schauen war Glück und atmen Genuß. Vom offenen Fenster her kam in lauen Wellen die Luft Heveingestrichen über die frisch gemähten Wiesen, durch das Geäste der Fichten, das helle Laub der Tulpenbäume, den Blätter- rcichtum der Flügelnutz. Und von drüben grüßte die Deucia, die sich aus der Ferne ausnahm wie ein großes, von Künstlerhand ge- bundcncs Bukett, und deren einzelne Blüten in der Nähe kleinen Damen gleichsehen in weiß und rosa Ballkleidern. Die Baronin schob ihre erledigte Korrespondenz von sich und wollte eben aufstehen, als die Kammerjungfer, Fräulein Emilie, er- schien. Sic war ältlich, lang und dürr, und ihre Bewegungen hatten etwas Automatenmäßiges. An der Tür blieb sie stehen und meldete kurz und bündig:„Die Fanka ist da!" ,„So, so— die Fanka. Was fällt ihr eins Wer hat sie ge- rufen?" „Kommt von selbst. Mächt die Arbeiten für das Armenhaus wiederhaben." „Diöcht sie? Ohne weiter'??" „Ohne weiter's." „Weiß sie nicht, daß sich zwei andere um die Arbeit bewerben? Geschickte Schneiderinnen und brave Mädchen. Weiß sie nicht, daß ich böse auf sie bin?" Das Fräulein schupfte die rechte Achsel in die Höhe und machte eine äußerst verächtliche Miene.„Scheint nicht. Tut nichts der- gleichen." „Unglückliches Geschöpf! Hat schon zwei Kinder und muß noch ein drittes bekommen. Und wer ist denn diesesmal der Vater?" „Das ist der Marian aus dem Meierhos." „Der Witwer, der die vielen Kinder hat?" „Sieben." Fräulein Emilie senkte die Arm« und machte«ine ansvrciteiide Beloc gung, als ob sie der Gebieterin diese ganze Nach- komme uschaft zu Füßen legen wollte. Die phantasicreichc Dame hatte sogleich den Anblick in völliger Leibhaftigkeit vor Augen; er tat ihr weh, und sie murmelte schmerz- lich ergriffen:„Arme Würmer!" „Er taugt nichts, der Marian," sehte sie nach einer Weile hin- zu.„Wie seine Frau gestorben ist, hat jeder gesagt:„Wohl ihr!" Und mit dem läßt die Fanka sich ein. Es ist unglaublich, empörend ist's! Gehen Sie und sagen Sie ihr, daß ich sie nicht sehen will und in diesem Jahre keine Arbeit für sie habe." „Schon recht." Emilie nickte und Ivandde sich. Ihre Eilfertigkeit und ihre Zustimmung zu dem grausamen Ukas mißfielen der Gebieterin.„Geduld!" Sie nahm eine Bank- note ans der Schreibtischladc.„Geben Sie ihr das, und sie soll gehen!" „So viel?" In ihrer eigentümlichen Gangart, einem steifen Hüpfen, war Emilie herangekommen.„Ich werde ihr aber sagen, daß sie davon den Doktor bezahlt. Er hat sie schon klagen müssen." „Müssen? Der wohlhabende Mann die armselige Person?" „Der Doktor will auch leben. Wozu hätte er was gelernt?" „Ist sie krank gewesen?" „Sie nicht. Eins von die Buben." „Der blonde, der schöne?" „Weiß nicht, Hab' mich nicht erkundigt." „Sagen Sie mir— wie sieht sie denn aus?" „Recht abgerackert." „Wie geht's dem Vater? Hat sie nichts gesagt?" „Mein Gott, ja! Daß er alt ist und nicht mehr arbeiten kann." „So? Und wer besorgt denn das Stück Feld, daZ sie wieder gepachtet hat?" Dieses viele Fragen machte das Fräulein schon ganz nervös. „Natürlich sie! Und sie hat ja den großen Buben." „Groß? Ein zehnjähriges Kind." „Wer kann dafür, daß er nicht älter ist?" Das war eine recht Emilianische Antwort, und die Ungeduld, der sie entsprungen, nicht mehr zu bcmeistern. Das Fräulein wandte sich mit Maschinen- Haft« Geschwindigkeit wie ein Drehkreuz und schritt der Tür zu. „Warten Sie!" rief die Gebieterin, ärgerlich über dieses selbst- bcrrUche Benehmen. Sic hatte einmal wieder einen ihrer raschen Entschlüsse gefaßt. Daß sie strafen werde, das war gewiß, dabei mußte es bleiben; aber s e l b st strafen wollte sie, nicht strafen lassen durch andere, die vielleicht grausam wären.„Warten Sie, hören Sic! Sie brauchen der Fanka gar nichts zu sagen. Ich will selbst mit ihr reden, sie soll kommen." esj Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Als er ankam, war das Lokal leer. Sogar der'deutsche Barkeeper war zu dieser Stunde durch einen Nubicr ersetzt. Hassan-Bey hatte dies gewußt, aber gleichlvohl verstimmte es ihil ein wenig. Er hatte gehofft, wenigstens einen seiner Freunde anzutreffen. Da er das zweite Frühstück(er pflegte sich erst um ein Uhr zu erheben) noch nicht zu sich genommen hatte, so nahm er einen Gin, um den Appetit zu reizen, bediente sich mit zwei Sandwiches und einem halben Huhn, nahm noch einen Gin und überlegte dann, wem er das Dekret zeigen solle. Er kam zu dem Ergebnis, daß er sich wohl oder übel darein fügen müsse, diese Genugtuung noch etlvas hinauszuschieben. Da ihu�aber die Rückfahrt nach Hause durch die hitzeflam- wende Stadt augenblicklich nicht lockte, so blieb er noch und bestellte einen Whisky. Ein zweiter und dritter folgte. Er bc- gann sich wohlzufühlen. Er lauschte einer Fliege, die in Zickzacklinien um den Lüster summte, mit geneigtem Kopf. Zwischendurch betrachtete er seineu Stockgriff. Ein Gefühl der eigenen Wertschätzung durchdrang ihn bis in die letzten Verzweigungen seines Innern."Der neue Titel durchtränkte sein Wesen wie eine teure Essenz einen Schwamm.„Sieh da," dachte er,„auf diesem Punkt bin ich nun. Mein Vermögen lvächst. Ich werde schon jetzt kaum mit den Zinsen fertig. Ah, wie glatt ist das alles gegangen! Wie glatt, wie schön!" Er hob die Hand und ließ sie mit leichtem Knall auf den Schenkel zurück- fallen. Im Laufe der nächsten Stunden nahin er den Alkohol wie ein Uhrwerk zu sich. Der Nubicr wartete bereits keine Bestellung mehr ab, sondern bediente ihn lautlos und ungcrufcn. Zwischendurch schob der Bey eine kleine Folge wirkungsvollerer Mischungen ein. Als er sich erhob— unter einigen Schwierigkeiten c „Selbst reden— no, dos wird wieder was werden," murmelte Emilie, aber so leise, daß ihre so ziemlich schwerhörige Herrin den Wortlaut dieses Mißtrauensvotums nicht vernahm,„lind was ge- schielst damit?" fragte sie, die Banknote an einer Ecke mit zwei Fingern von sich haltend, als ob sie etwas Ekelhaftes wäre. „Das, geben Sie ihr und schicken sie her." Das Fräulein entfernte sich wortlos; nur ihre Miene gab kund, daß sie verletzt worden war in irgendeinem besseren Gefühl, und wenige Augenblicke darauf trat die Fanka ein. Ein heller Freudenschein glitt über ihr Gesicht beim Anblick der Greisin, die dasaß im Lehnstuhl in der Nähe des Fensters. Leise, rasch, völlig unbefangen kam sie auf sie zu, beugte sich und küßte ihre Hand.„Ich danke untertänigst für das Geld, gnädigste Frau Baronin, und ich komme die Arbeit abholen für das Armenhaus." Die alte Frau betrachtete sie mit großem Ernste. Verjüngt hatte ihr letzter Fehltritt sie nicht, und Vorteil hatte sie auch nicht aus ihm gezogen, denn so armselig wie jetzt war ihre Kleidung nie gewesen. Aber hübsch war sie noch immer und noch anmutig ihre schlanke Gestalt. Ein kleines weißes Kopftuch umschloß den braunen Scheitel und die Wangen, die sehr schmal geworden waren. Auch das etwas zu kurze Näschen hatte schärfere Linien bekommen, und ganz so hell wie früher leuchteten die dunklen Augen nicht mehr. Unverändert geblieben war nur der ungewöhnlich schöne Mund, dessen volle rosige Lippen so fein geschwungen waren, und den ein eigentümlich anziehender Ausdruck von Lebenslust und Uebermut umschwebte. „Ich komm die Arbvit abholen für da? Armenhau?," wieder- holte sie nach einer Weile, da die Baronin schwieg. „So, die Arbeit. Woher wißt Ihr denn, daß Ihr sie wieder bekommt?" Fanka lächelte freundlich:„Ich denk mir'? schon, Euer Gnaden, Frau Baronin." Die Unglückliche, die Unverbesserliche! So hatte sie keine Ahnung davon, daß sie einen Vorzug verscherzt haben konnte. „Ihr seid im Irrtum, wenn Ihr Euch das denkt. Die Arbelt bekommt in diesem Jahr ein braves Mädchen." (Schluß folgt.) Die Wanderbühne im Zelö. Uns wird geschrieben: Der lange Schützengrabenkrieg macht in jeder Hinsicht erfinderisch. Es gilt, die oft über Wochen und Monate sich ausdehnende Untätigkeit durch allerlei Zerstreuung und Unterhaltung zu verkürzen, damit Griesgram und Lange- weile, die schlimmsten Feinde der Soldaten, an der Front keinen Raum gewinnen. So hat die Heeresverwaltung mit klugem Blick in den Etappen Kinematographentheater eingerichtet, die dem Feldgrauen allerhand Fröhliches aus dem Soldatenleben und erquickende Bilder aus der Heimat vorzanbern. Gesangs- und Musikvorlräge kommen so ziemlich bis in die Feuerlinie, und in der Armeeabteil'ung F a l k e n h a u s e n hat sich sogar eine W a n d e r- bühne gebildet, die an der Front umherzieht und viel fröhlich anregende Stunden schafft. Diese Wanderbühne ist nichts anderes als eine Neubelebung der guten, allen„Schmiere", wie wir sie als Kinder bei den Jahrmärkten, auf den Dörfern kennen gelernt haben. Sie mußte sich freilich eine straffe militärische Neorgani- sation gefallen lassen. An ihrer Spitze steht nicht mehr der für alle Schmieren typisch gewordene alte Direktor Striese, sondern ein Regisseur in Feldgrau, der über eine stattliche Truppe von b3 Per- sonen verfügt. So zieht die Bühne zur Front. Ein eigener Wagen erzeugt das zu den Vorführungen notwendige Licht. Die Bauern in den halbzerstörten Vogesendörfern reißen große, erstaunte Augen auf. Gehört diese neue Feldcinrichtung auch zum Krieg? Sie erinnert so sehr an glückliche FriedenSzeiten, wo die ganze Familie auf die Metzti ging, um den Fernando oder die Zwerg- und Riesenmenschen zu bestaunen. Die ganze übriggebliebene Dorfjugend ist um die Wagen versammelt, auS denen sich langsam die feldgrau bemalte Bühne entpuppt. In irgend einem Schulsaal, oder wenn keiner mehr vorhanden ist. in einer Scheune oder sogar im Freien, mit dem fimmel als Bedachung und den Bäumen als Kulissen, wird das heater ausgeschlagen. Da rühren und regen sich viel geschäftige Hände, die seit langen Kriegsmonaten mehr an Gewehr und Ba- jonett, als an Hammer und Beil gewöhnt ivaren. Ein großes, schwarz-weiß-rotcs Fahnentuch grenzt den Orchesterraum ob. Für Hunderte von Zuschauern werden Bänke aufgestellt. Alles ist bereit, bis zu den Programmen und Eintrittskarten, deren Erlös den Hinterbliebenen der Armeeabteilung zugute kommt. Und nun ersteht ein seltsames Bild. Durch die engen alten Dorfstraßen zwischen den kanonenbespickten Vogescnbergen strömen die Feldgranen zur Wanderbühne. Sie kommen aus der Front, oft müde, mit abgespannten Gesichtern; an den Kleidern und den dicken Stieseln haftet noch die schlammige Erde au« den Schützen- gräben. Wie große Kinder mit neugierig ungeduldigen Augen nehmen sie auf den Bänken Platz. Die Musik setzt mit einem fröhlichen Walzer ein, und wie ein elektrischer Strom geht es von war es sechs Uhr geworden; und die ersten Gäste— Eng- länder— traten ein. Er musterte sie mit gleichgültigem Blick und warf sich in seine Kalesche. Er hatte die Empfindung, daß eine ausgedehntere Fahrt seinem Kopfe nicht schaden könne. Deshalb sagte er:„Gize". Die Pferde, hübsche Apfelschimmel, zogen an, und der Wagen rollte dahin. Als er an der Kaserne vorüberkam, lehnten die Scotchmen wie stets in den Fenstern; und aus dem Hintergründe drang unendliches Dudelsackleiern, eine fatalistisch-monotone Geräusch- welle. Gesindel aller Art drängte sich an den Umfassungs- mauern und sah in den Hof herab, wo man Vorbereitungen für einen großen Fackel-Tattoo traf. Er schloß vorübergehend die Augen. Als er sie wieder auftat, befand er sich auf der Brücke Kasr-el-Nil, mitten im Trubel des Korso. Das bchagte ihm. Er nahm eine noch bequemere Stellung ein, er bettete die Füße auf den Raum, den der Berberrner auf dem Bocke ließ, und entzückte sich an seinen mattblauen Seidenstrümpfen. Zwischendurch spähte er in die Wägen, die an ihm vorüber- kamen, und die er überholte. In seinen Schläfenadern klopfte die Hitze der genossenen Getränke; sein Hirn steckte in einem Nebel. Eine ungeheure Leichtigkeit des LebenS beschwingte ihn: allen Dingen im Umkreis fehlte das Gewicht; die Ge- räusche der rollenden Räder, das unaufhörliche Getrappel der Tausende von Hufen verschmolzen zu einer einförmigen Sinfonie, in der seine Eitelkeit das Solo sang. In dem Tnibel dröhnte das Wort„Bey". Er schwamm breit über dieser Kette von Kaleschen... Nach rechts und nach links entsprangen seinem Hirn braune Putten in kurzen Röckchen, lint gelben Kopfbinden und Gerten in der Hand, mit denen sie herrisch fuchtelten... Und sie strampelten und hüpften neben und vor dem Wagen her, und schrien mit dünn- gellenden Stimmchen:„Platz für den Bey! Uah, Platz für den erlauchten Herrn Bey!" Und Hassan betrachtete seine Strünipfe, schnippte mit dem Finger ein Stäublein von seinem hellgraueil Flanellanzug und bohrte sich selbstvergessen lächelnd eine Zigarette in den Mundwinkel... Ein Zweigespann hastete stramm vorüber; im Fond saßen Abu-Katkus und HabihMos-Tizi... Als er Reihe zu Reihe. Der belebende Tanzrhythmus fährt durch alle Glieder, die Müdigkeit, die Kämpfe sind vergessen. Der Feldgraue, der vielleicht gestern erst in einein wütenden Nahkampf mit dem Feind gerungen hat, ist nur noch Auge und Ohr für da«, was dort auf der Bühne vor sich geht. Er bestaunt die Trag- sähigkeit des SchwergewickitSlünstlers. die Gescknneidleit des Akrobaten. folgt dem dilmmen August mit schallendem Gelächter durch alle Tolheiten und Scherze. Ein Damennachahmer. ein prachtvoll fesches Weib aus einem bayerischen Landsturmregiment, erntet slürnüscheu Beifall. Die Männerquintetts geben Ernstes und Heileres und wecken Eriimeruiigeil ans der Heimat und glücklichen Friedenszeilen. Erfrischt und gestärkt kehren die Soldaten nach der Aufführung in die Ouarticre und an die Front zurück. Am solgenden Morgen zieht dann die Wanderbühne weiter, um wieder neuen Feldgrauen Freude zu bereiten. Keine Etappe wird vergessen. Selbst der alten Soldatenstadt... hat das Thealer m.- längst gedacht. Militär und Zivilisten drängten sich zu den Vor- stellungen, die selbst das Armeeoberhaupt, Generaloberst von Falken- Hansen, mit seiner Gegenwart beehrte. Und hier wie draußen crnlcten die Musiker nnd Künstler eilel Lob und Beifall.(z) kleines Zeuilleton. die elektrische Taschenlampe ohne Satterie. Der in Budapest lebende Wiener Ingenieur Karl v. Dreger, bat nach der„Umschau" eine Crsindung ausgearbeitet, die auf dem Gc- biete der elektrischen Taschenlampen von großer Bedeuttiiig werden dürfte. Die zierliche Taschenlampe, die vorerst im Modell scrlig isl, spendet ohne jeden Batleriecrsay bloß durch die menschliche Kraft mühelos nahezu ohne zeitliche Beschränkung Licht. Die nene Lampe. die den verschiedensten AnwendungSzwecken cillsprechen lvird, kann sowohl als Trag- wie als Taschenlampe hergestellt werden. Sie erhält den notwendigen cleltrifcheit Strom ans der Umwandlung einer besonderen Kraftbewegung der menschlichen Hand in cleltrische Energie. Diese Krastleistung wird bei dem Gebrauch der Lampe, während des Tragens vorgenommen, ohne daß die Kraftquelle in der Lampe irgendwie gestört werden kann. Die Krastleistung ist dermaßen gering, daß die Betätigung der Laterne durch jedermann ohne weiteres erfolgen kann. Die kleine Lampe ist ganz von der Größe der gebräuchlichen elektrischen Taschenlaternen, und doch kann die sie haltende Hand mühelos selbst den elektrischen Strom er- zeugen._ was ein Papiergarnsack aushält. In jedem Menschen steckt etwaS Konservatives. Das ist ja auch der Grund dafür, daß sich Neuerungen und namentlich lechmsche Neuerungen nur langsam durchsehen. Der Krieg bat viel dazu der- getragen, das Trägheit?- lind Beharrungsvermögen auszuschalten. Wir sind bisher Jutesäcke gewohnt gewesen und habe» sie gekauft, trotzdem wir auch schon iir Friedenszeiten recht gut die ausländische Jute durch Papiergarn hätten ersetzen können. Papier ist nicht fest. da soll lieber der gute Nachbar den Anfang machen. Wie fest aber Papiergarnfäcke sind, beweist der folgende kürzlich vorgenommene Versuch. Eine große Zahl von Säcken nuirde mit Hafer oder Roggen gestillt und von einem sechs Stock hohen Gc- bände auf sünimal gcleillcn Rutschen herunterfallen gelassen. Dabei sind die Säcke siebenmal auf den Kopf und Boden aufgefallen, und dieser Versuch wurde 12 bis 13 mal wiederholt. Dann wurden dtc Säcke entleert, in Wasser getaucht, 24 Stunden darin gelassen, ge- trocknet und dann der Versuch mit ihnen in gleicher Weise wieder- holt. Dabei sind die Säcke nicht geplatzt, nur an den Nähten haben sich einige Webelanten verzogen. Es war also ein glmtdcr Sieg des Papiorgarnsackcs.___ Notize». — Thcaterchronik. In der Volksbühne findet am Donnerstag an Stelle der Erstaufführung von Anzengrubers„Doppcl- selbsinrord" eine einmalige Vorstellung von SchönberrS„Weibs- t e u f e l" statt.— Das Theater in der Königgrätzer S t r a ß e bleibt wegen VorbcreiMng des Strindbergschen Dramas „Ein Traumspiel" am Donnerstag geschlossen. Tic Erstausführung am Freitag beginnt um 7 II Hr. — Vorträge. Am 16. März, abends 8 Uhr. findet im Museum für Meereskunde. Georgenstr. 34/36, ein Vortrag mit Demoitstrationcn des Herrn W a. O st w a l d über das Tbcnra: „Wie spare ich Brennstoff?" statt. Interessenten erhalten Eintrittskarten unentgeltlich in der Geschäftsstelle der Gesellschaft für Kraftfahrkultde, Berlin W 9, Potsdamer Str. 134b. — Auch ein Wohltätigkeitskonzert. Was bei sog. Wohltätigleitsunternehnrungen manchmal herauskommt, zeigt wieder einmal deutlich eine Veranstaltung in Posen. Wie die„Posener Neuesten Nachr." melden, wurden bei einem Konzert zugunsten des Roten Kreuzes insgesamt 1öl)ö,99 M. erzielt. Davon erhielt der Hofopernsänger Joseph Schwarz allein 1066 M. als Reinertrag blieben ganze 67,52 M. Es war also eine wirkliche Wohltat für Herrn Schwarz. sie entdeckte, waren sie schon zu weit voran, als daß er sie hätte zurückrufen können. Er hatte sie an ihrem gröhlcndcn Gelächter erkannt. Sie ließen es hinter sich, die beiden Schwerenöter; es schwappte über Bord wie ein überfüllter llnrateimcr. Hassan hatte unwillkürlich nach seinem Dekret gegriffen... Ö, man gebe ihm doch Gelegenheit, es zur Kenntnis zu bringen! Findet sich denn kein Menschenfreund, dcni er es unter die Nase stoßen kann! Heut ist er der Bruder aller... Maschalla! Heut ist Hassau glücklich! Siehe da: er wurde von Bckamtten gegrüßt. Eilte griechische Familie... Zwei Backfische auf dem Rücksitz blinzelten ihn behaglich an.„Fett seid ihr!" dachte Hassan.„Eine wie die andere!"— Hände hoben sich au Tarbusche: er dankte lässig. Ein Wagen mit vier Haremsdamen folgte. Sic zappelten wie ein Bündel Truthühner, die matt lebend zum Markt bringt. Vier Augenpaare dunkelten ihm entgegen, verschleierten sich, blitzten durch das Gcivcbe nnd enthüllten sich wieder nach einer kurzen Pause... Leises Gelächter gurrte ihm ins Ohr; jenes Gelächter, das Ueppigercs verheißen kann, als man sich je erträumt, und in dessen ersterbendem Klang die wildesten Wünsche gefesselt stöhnen. Hassans Wohlbehagen schoß immer satter ins Kraut, und zugleich packte ihn eine entnervende, eine lähmende Lust, ein Durst danach, sich an diesem Abend voll und unerhört zu verschwenden und seinen Sinnen jeden erreichbaren, jeden käns- lichen Wahnwitz zu gönnen. Er nahm die Füße herab; der Entschluß erkältete ihn gleichsam für Otiten Moment. „Ich bin betrunken", sagte er sich.„Weiß Gott, ich habe un- nötig gründlich vorgesorgt. Warten wir. bis der Kopf freier wird. Zähmen wir uns.. Ein Engländer lenkte sein Dogcart dicht an ihm vorbei, blickte ihm flüchtig ins Gesicht und war bald im leuchtenden Staub verschwundeii.„Daß er mich von oben herab augeschen hat", meditierte Hassan,„lag daran, daß er sehr viel höher saß als ich. Er konnte nichts dafür. Er meinte es nicht unverschämt. Zudem hatte er auch keinen Platz mehr auf der Straße. Er ist ein guter Bursche; vielleicht..." lallte er innerlich weiter,„lade ich ihn gc- legentlich zu einem Brandy ein..." Aber die klctucn Sais- Putten schrien nicht mehr„Httah, der Bey!"; sie waren durch das Dogcart verscheucht.(Forts, folgt.) ZexfnMuid der Kandlungsgehilfa Ortsgrnppe ßroß-Berlln. Morgen, Donnerstag, den 1«. März, abendS 8>/z Uhr, in den Mnsikersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 81: AeüsiMiimilichs lZeneisI-Versammliing. Tagesordnung: 3. Reutvahl fcer OrtSverwaltung. 2. Fortsetzung der DIs!ussion über die Autlvort deS HauptvorstandcS. 3. Verschiedenes. Die Versammlung beginnt pünktlich um'/.S Uhr. Uni pünMichcs und zahlreiches Erscheinen ersuchen 78/5 Die Revisoren. Mer Vemaltlingsstelle Kerliu N 54, Linienstr. 83-85. Tclepbon: Zimt Norden 185, 1239, 1987, 9714 Bureau geöffnet von 9—1 und von 4— 7 Uhr. Los n*«- I *. I Zlelsüüs � is. MlS?z Könis'�feerger Loitei 3397 Gewinne im Werfe von fliiirk 50000 15000 « 11 Lose aus Tcr-ißtfJ L0S8 S m. achied.Tauseud Postffeh. und Liste 30 Pf. HXKrfiser BERLIN WS, Friodrichslr.l93a, 3»?" Erhälllicli auch In allan durch Plakate kenntlichen Verk«utctIallon. c.« s Z Täglicher Verkauf vo» Speckschmalz. Riudcrtalg und Rindermarkstalg. 235/29 vonisrilslr.. JSSuüSv Heines Werke 3 BduDc« TTTart• Buchhandlung Aorwärt» C Verkäufe. MoiiatSan-.'üse und Sinter. Paletots von 5 MeXliowie Hosen von 1,59, Gebrockanzüg� von 12,99, FrackS von 2,59. sowie» jür korpulente Figuren. Neue Garderob�su staunend billigen Preisen, aus Pjandioiben ver. fallcne Lachen kaust man am billigsten bei Ras;, Mulackstrasze 14_* TevUlch-Tliomas, Oranieniirl 44 spottbillig iarbseblerbaste Teppiche Gardinen. Vorwärlslescrn 5 Prozent Extrarabatl_ Kill* Psandleibpaus Hermannplatz 6. lXcdermannS tkausgelegenbeil.(Srotzes Tcppichlagcr, Gardin enlagcr, Wäsche- lager, Bcttenlager, Uhrcnlager, Gold- lachen, RiescnauSwahl Herrenanzüge, HcrrenvalctotS, Herrenhosen. Frühjahrskostüme, bildlqo Backfikchkosliimc, Gummitmmäntel" Sportjacken- Koverkoat. S Frauenmäntel, Glockenröcke, direkt aus ArdeitSstuben. 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