9t. 70.-1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Deutsthe Kriegsgefangene in der Schweiz. Aus Zürich wird geschrieben: Tie großzügige Liebestätigkeit der Schweiz, deren segensreiche Wirksamkeit schon oft dankbar an- erkannt wurde, hat einen neuen, schönen Erfolg zu verzeichnen. Bekanntlich ist durch eine Vereinbarung der deutschen und fran- zöftschen Negierung der gegenseitige Austausch von Schwerverwun- deten dahin abgeändert worden, daß ein Teil derjenigen Kriegs- gefangenen, die im Laufe der Gefangenschaft von irgendeiner Krankheit befallen wurden, oder auch sonst in erhöhtem Maße erbolungsbedürftig sind, in der Schweiz untergebracht werden. Schon die ersten Wochen seit der Verwirklichung dieses humanen Gedankens, der ja in erster Linie vom Papst ausgegangen ist, haben uns gezeigt, wieviel Gutes damit gestiftet ist. In zwei große Gruppen wurde die Unterbringung der von Frankreich kommenden deutschen Kriegsgefangenen vorgenommen. Der eine Teil, Schwer- verletzte und Erholungsbedürftige, kanten an den Vierwaldstätter See; der andere, die Lungenkranken, nach Davos. Zum größten Teil handelt es sich um Krieger, die iit den gewaltigen Novemberkämpfen 191� gefangen wurden und so beinahe eineinhalb Jahre in Feindesland der Stunde der Erlösung entgegenharrten. Wer kann sich vorstellen, mit welchen Gefühlen sie die Nachricht auf- nahuten, daß sie bis zur Kriegsbeendigung auf dem gastlichen Boden der Schweiz Pflege ihrer erschütterten Gesundheit erhalten sollten. Vor mehreren Aerztekommissionen wurde ihr Gesundheitszustand geprüft, und ein Teil der von den Aerzten der verschiedenen Ge- fangenenlager zur Fahrt nach der Schweiz Auserkorenen wurde von Lpon aus wieder zurückgeschickt, weil die dortige Prüfungs- kommission die Ansicht aussprach, daß ihr Gesundheitszustand nicht ein solcher sei, der eine spätere Wiederaufnahme des Militär- dienstes ausschließe, und so mußten diese wieder in die Ge- fangenenlager zurück!... Den anderen war, sobald sie schweizerischen Boden betraten, die Sonne der Freiheit beschieden, und sie dursten sie in aller Herrlichkeit kosten, dank der liebevollen Begrüßringsforinen, mit denen sie die Schweizer Bevölkerung und erst recht ihre in der Schtveiz wohnenden Landsleute empfingen. Von ganz besonderer Feierlichkeit und Wärme war der Empfang in Luzern. Behörden und Private wetteiferten darin, den tapferen Kämpfern so viel Herzlichkeit als möglich entgegenzubringen. Mit Liebesgaben überladen, wurden die feldgrauen Gäste Luzerns ihren Beftimmungs- orten zugeführt. Auch den nach Davos verbrachten feldgrauen Kriegertl war ein herzlicher Emphang beschicdcn, wenn auch mit Rücksicht aut die Jnternationalität des dortigen Kurortpublikums von einem offiziellen Empfang abgesehen wurde. Aber mit fteudigen Grüßen, mit Tücherschwenken, Blumen und Liebesgaben sparten die Ein- heimischen und die anwesenden Deutschen nicht, und so war es auch den nach Davos verbrachten Feldgrauen vergönnt, nach den mehr oder weniger qualvoll verbrachten Wochen in der Gefangen- schaft sich herzlichen Mitleids und der Segnungen menschlicher Nächstenliebe zu erfreuen. Die Buntheit der schweizerischen Kurorte hat sich nun ver- mehrt, denn zum erstenmal mischt sich in die Buntscheckigkeit der dort aus allen Ländern Zusammenströmenden die feldgraue Farbe. ?lber wichtiger als das ist die große, edle Tat, die diese Hospitali- sierung bedeutet, die sicherlich für alle künftige Zeiten ein Ruhmes- blatt in der Geschichte der schweizerischen Fürsorgctätigkeit während des Krieges bilden wird._(z) kleines Zeuilleton. �nzengruber in üer Volksbühne. An sechs Jahre wird's her sein, da hatten wir Gelegenheit, Anzengrubers Bauernposse. D o p p e l s e l b st in o r d". nicht eben ein starker, trotzdem unverfälschter Anzengruber, hier von einer Wiener Schauspielcrtruppe unter Leitung Karl Langhammers in sehr guter Darstellung zu sehen. Einen besonderen Eindruck hinter- läßt das gleiche, unseres Wissens bisher nicht wieder gegebene Stück nun in der Volksbühne. Berthold Held, der Spielleiter, hat es so- zusagen ans Anzeitgrnbers Beine gestellt. Das heißt: er ließ die Bauern grobgezimmerte Hochlandsmenschen sein, die da draußen auf ihrem Hof oder im Do'.swirtshaus reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen tst und die ihr Tun und Lassen mit dem Moralkodex des' von der Kultur beleckten„Stadtsracks'' in Einklang zu hallen weder Lust noch Einsicht verspüren. Kurz, wie der Dichter jenes verschmitzte Völkchen kannte und iah: derb, u. grobkantig, voll sophistischer Denkart, mit allzeit schlagfertigem Maulwerk, dabei„alleweit lusti und fidel"— so meilenweit abseits von jeglicher Salontirolerei stellte Held die Posse 60, Der Sang öer Satije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. „Ich heiße Aldridge." sagte er.„Ich bin der Bruder der Lady, mit der Sie sich soeben... unterhielten. Kommen Sie auf die Terrasse. Vermute, daß Ihnen frische Luft nützen wird." Der Blick des jungen Mannes war maßlos hart. Geld her, klirrendes Geld!— Ich will ihn damit be- werfen, bis er blutet! Hassan starrte ihn mit grellen Augen an...: Wo ist der Knabe, dem er einst die Nägel ins Gesicht schlug, als er sein Gebet zerschrie?— Sieh her! Hassan!— Er spielt nicht Verstecken! Da ist er, da! Ha, ich will ihn erwürgen, diesen Knaben! Denn nun ist auch er einer von diesen Verruchten geworden, die sich unantastbar dünken!! Aber crstaunlicherweise geschah folgendes. Er schwieg, senkte den Nacken und folgte. Die Glastür schloß sich. Man stand sich in einer mangelhaften Beleuchtung aus der Veranda gegen- über. Fern schluchzte ein brünstiger Esel. Das Schwatzen zweier Beduinen auf der Straße klang seltsam deutlich, als ständen sie nur wenige Meter entfernt. „Setzen wir uns", sagte Percy gewissermaßen jovial. „Soviel ich mich erinnere, kennen wir uns." ..Ja. ja. ja!" sagte der Bey. Er wiederholte es noch drei-, viermal, er berauschte sich an diesem Ja, es steckte eine satte Beteuerung darin und borte sich an wie eine ganze Pro- zession von bekräftigenden Phrasen und Bildern, die alle das- selbe enthielten.„Wir kennen uns!-- Sie haben recht. Aldridge!— Ich war ein Eseljunge: war Ihr Sklave... Gut, gut!— Ich tat einmal, was Sie wollten!... Aber es ist wohl ersichtlich, daß sich die Verhältnisse geändert haben!" „Denke kann,." erwiderte der junge Mann mit ernster Stimme und stäubte seine Zigarette ab. „Abgesehen von Ihrer heutigen Taktlosigkeit war es nicht gerade angebracht von Ihnen, sich wieder in Erinnerung zu bringen." „Was heißt angebracht!— Sehen Sic, Aldridge. Ihre Schwester ist schön geworden I" sagte die schwankende Stimme. »Außerordentlich schön I" auf diese Bühne. Selbstverständlich mit allem landschaftlichen Drum und Dran der Oerllichkeiten. Natürlich fällts dem voll Lebenskraft und Lebensfreude strotzenden Liebespaar nicht ein, sich zu doppelselbstmorden. Sie wollten sich ja nur auf ewig vereinigen— und das taten sie da auf dem Heuboden der einsamen Almhütte. Man verspürt recht ordentlich Anzengrubers Behagen, wenn die Dörfler sich frozzeln, herumstreiten, gegenseitig an der Nase herumführen. Da wirft er lauter Urwüchsigkeilen aufs Brettl. Gleich der Auftakt: die derbsinnliche Liebesfzene(Auguste Pünkösdh, Hermann Thimig) hatte Saft und Kraft. Hernach in jedem Akt das Duell der beiden Streithuber und Z'widerwurz'n, nämlich des reichen Sentner und des armseligen aber naturphilo- i'ophisckien Häusler? Hauderer: Wilhelm Diegelmann, dem man, der riesigen Körperlichkeit nach, sofort den gewichtig aus- tretenden Protzen vom„reichen Hof" glaubte, und Max Pallenberg, der für seinen Helden das äußerlich Verhutzelte aufbrachte, aber gleichzeitig dessen innerliches Wesen und Charakter mit selten ichlichier Naturwahrheit wiedergab. Ein gutes Trio stellten Sophie Kurz, Hans Felix und Fritz Richard als Krämerfamilie, wiewohl letzterer auch an eine andere Figur: den Bader Zangerl erinnerte. Unter den übrigen Typen war neben annehmbarer doch auch manche Pseudofigur. Die Hinauswurfszene mit nachfolgender„Holzerei" ließ sich sehen. Der Gesamteindruck war erfreulich stark. ek. Ms üem Tale öes Schattens. Der englische Dichter John Galsworlhy, von dem wir früher des öfteren soziale Skizzen gebracht hatten, veröffentlichte in der „Nation" ein Friedensgebet. Nach einer Uebersetzung der„Franks. Ztg." lautet es: Mein Gott! Ich wandre nach dem Meer des Todes— Und liebte doch die Luft und liebte Lachen Und dachte nicht ans Sterben— weh mir l wie Vergeudet mich der Tod!— Herr! Eines nur, Eins gib zum Trost mir:„Laß der Menschen Zukunft Nicht dunkel sein, als wär' ich nie geschieden Vom Leben, das ich doch so heiß geliebt. Das noch im Kampf mir durch die Adern brauste In wildem Tanz!— O laß mich nicht umsonst In Nacht versinken! Latz in meinem Tod Das Ende fühlen mich des MentchheilsfieberS! Gott— schaff aus diesem letzten Atemzug Posaunciiton, der weit und breit verkündet: Frieden in Tal und Berg— Frieden auf immer I «.veutschlanö bei öer Arbeit/ „Deutschland bei der Arbeit"— so nennt sich eine Ausstellung der Leicester GallcncS in London, die eine große Anzahl von Blättern des amerikanischen Meistcrradierers Joseph P e n n e l vereinigt. Diese At Veiten Pennels finden gerade jetzt viel Beachtung, denn sie gewähren dem Engländer ein künstlerisch gestaltetes Bild von den gewaltigen Jndustrieuntcrnehmungen und großartigen Baulichkeiten, in denen Deutschland seine unbesieglichen Waffen schmiedet,„Es sind die Ergebnisse verschiedener Besuche in Deutschland während der letzten 5 oder 6 Jahre", sagt der Künstler in den einführenden Be- Merklingen des Katakoges,„die ich auf der Suche nach dem Wunder der modernen Arbeil machte, und die Radierungen beweisen, daß sich nirgends das Wunder der Arbeit so wundervoll entfaltet, wie in diesem Lande. Das muß ich wissen, denn ich habe unter diesem Gesichtspunkt die ganze Wetl durchsucht". Das engtische Publikum ist nicht nur durch die Kraft und Größe des Pennelschcn Werkes ge- fesselt, sondern es sind rein stoffliche Reize, denen man sich hingibt, wenn man Bilder betrachtet, die„die Stahlwerke bei Obcrbausen" oder„die Werke der Allgemeinen Elektrizitälsgesellschast in Berlin". Zahlreich sind die Tarstellungen vom Hamburger Hafen, in dessen mannigfachen Lichlspielen sich die ungeheuren Krane und Werften zauberhaft aufrecken. Man bewundert die Schönheiten der deutschen Architektur, die sich auch in den verschiedenen Ansichten von modernen Arbeiterwobnnngcn offenbaren.„Das Innere des Bahnhofes Leipzig" zeig! mit packender Klarheil die riesige Halle dieses größten Bahnhofes in Europa. Daneben hängen Bilder der Bahnhöfe von Frankfurt a. M. und Köln.__ Das Märchen vom Negen nach den Schlachten. Es gibt wohl wenig Leute, die noch nicht die merkwürdige Be- hauptung vernommen haben, daß die Schlachten meist heftige und anhaltende Regengüsse im Gefolge haben und daß die Regenfälle in einer Gegend um so stärker seien, se stärker der Kampf daielbst ge- „Darüber haben Sie nicht zu befinden!" „Was da, ich sage, was ich sehe!" „Herr!" sagte jetzt Percy, wesentlich ärgerlicher, rnid warf die Zigarette mit Aplomb auf den Boden.„Meine Schwester geht Sie nichts an!— Durchaus nichts!— Wer sind Sie denn?" Hier wurde Hassan sehr eilfertig. Er zerrte das Dekret hervor und warf es auf den Tisch. „Hier, lesen Sie.— Ick bin Hassan-Bey-Muharram.-" „Nun gut, ich bin nur Jngenier im Jrrigation-Departe- mcnt.— Stecken Sie das Papier wieder ein. Vermutlich haben Sie auch mehr Geld als ich,— Wenn dem so ist. so könnten Sie mir ja die zehn Pfund zurückerstatten, die Sie damals nötig hatten. Es tat uns leid, daß wir nichts mehr von Ihnen hörten... Wir hatten Sic recht gern; es war nicht nett von Ihnen, so plötzlich zu verschwinden." Was war das sür eine neue Sprache?— Eh nun, diese Jngliz sind unberechenbar!... Entzückt und eilig erwiderte Hassan:„Sehen Sie, Aldridge. wir kommen einander näher! Zehn Pfund, sagen Sie, hätten Sie damals vermißt?— Es tut mir leid; es war inkorrekt von mir... Denken Sie, ich war ein Knabe..." Er bohrte seine Hand in die Tasche, ganz außer sich über diese prachtvolle Gelegen- heit, Beziehungen zu regeln, MißHelligkeiten zu glätten,.. dem, der jahrelang wie ein quälender Schatten neben ihm gestanden, einen Dienst zu erweisen und ein Einvernehmen zu erkaufen, wo es sich nicht erzwingen ließ: ein Einvernehmen, das sich wenigstens in diesem Punkte halten lasse ..... Was ist ein Knabe I" schwatzte er weiter und häufte sämtliches Gold, das er in der Tasche trug, auf dem Tische an.„Ein Knabe denkt an nichts... Ist undankbar." Stiehlt... Man vergißt sich; Sie müssen bedenken, aus welchem Milieu ich kam! Die Verhältnisse haben sich ge- bessert... Ich bin vom besten Blut; meine Mutter ist die Scijide-Ali-Jussef... Ich habe Karriere gemacht..." .. und seitdem im großen gestohlen...." beschloß Percy und wies mit der Pfeife aus das Geld.„Nein, Daud- ibn-Zabal... Es ist besser, Sie machen sich jetzt davon." Und er wischte mit dem Mundstück das Geld vom Tisch, so daß die Pfundstücke in weitem Umkreis auf der Veranda um- herklingelten. Im selben Augenblick brach ein heiseres Gebrüll los, das nichts Menschliches mehr hatte. Percy erwehrte sich mit drei, vier gewandten Stößen der fetten Gestalt, die sich wie eine wütet habe. Und solche Behauptungen werden nicht nur verbreitet, sondern auch weitschweifig begründet, ohne daß man sich überhaupt von ihrer Richtigkeit überzeugt. Nichts erscheint, so meint man, ein- facher: durch das Feuern der Geschütze werden die Luftschichten erschüttert, und dann muß eben Regen fallen, wie das Obst von den Bäumen fällt, wenn man sie schüttelt. Außerdem ist vielfach die Ansicht verbreitet, daß der durch die Tätigkeit der Ge« schütze erzeugte Rauch und feine Staub die Feuchtigkeit in der Luft anziehe, die dann in Gestalt von Regentropfen auf die Erde herab- falle. In Wirklichkeit aber konnte man gerade im Verlaufe dieses Krieges die Beobachtung machen, daß die Meinung, Kriegs- zeiten seien reichlicher an Regen als Friedenszeiten, durch- aus irrig und haltlos ist. Doch davon ganz abgesehen muß man feststellen, daß diese Ansicht auf Zeiten zurück- geht, in denen es weder Artillerie noch Schietzpulver gab, nämlich bis zur Zeit der klassischen Römer. So erzählt Plutarch, daß Regengüsse häufig nach den Schlachten auftreten,„sei es, weil die Götter auf diese Weise die befleckte Erde reinigen wollen, sei es, daß die Luft durch den Dunst des vergossenen Blutes verdickt werde." Daß auch heute noch das Märchen vom sogenannten „Schlachtenregen" erzählt und geglaubt wird, geht aus den zahl- reichen Veröffentlichungen über diese Frage hervor, die jetzt noch z. B. in englischen Fachzeitschriflen auftauchen. Wie weröen �Naöiumuhren� gemacht! Bei unseren Feldgrauen sind sogenannte Radio- oder Radium- uhren sehr beliebt, weil sie die Eigenschaft haben, daß die Ziffer- blätter auch im Dunkeln leuchten, und man daher von ihnen die Zeit ablesen kann, ohne durch Licht oder Laterne die Aufmerksamkeit des Feindes zu erregen. Diese sogenannten Radiumuhren haben aber mit Radium gar nichts anderes als den Namen gemein. Wie ihre vorteilhafte Eigenschaft hergestellt wird, darüber gibt eine kurze Mitteilung in der„Naturwissenschaftlichen Wochenschrift" Nachricht. Es wird irgend ein lange nach- leuchtendes phosphoreszierendes Präparat verwendet, meistens wohl die von Balmein(1876) angegebene Leuchtfarbe. Sie wird durch starkes Glühen von Kolk und Schwefel hergestellt: das entstandene Schweselkalzium wird pulverisiert und mit einem Firnis aus Mantix oder einem anderen Harz in Alkohol oder Terpentinöl versetzt und so aufgetragen. Durch Untersuchungen von Lenard und Klaft im Jahre 1889 ist festgestellt, daß ganz reines Kalziumsulphid nicht phospho- resziert, vielmehr sind dazu minimale Zusätze bestimmter Metalloxyd« nötig. Erwähnt sei noch, daß es auch Leuchtfarben gibt, die sich in GlaS einbrennen lassen._ Notize». — M u s i k ch r o n i k. Der Berliner Volkschor singt am Sonntag, den 26, März, abends 7 Uhr, in den Germania- Prachtsälen, Chausieestr. 119,„heitere Lieder"(aus dem neuen „Volksliedetbuch sür gemischten Chor"). Als Solist wirkt der norwegische Sänger Henrik Dahl mit. — K u n st ch r o n i k. Bei Paul C a s s i r e r ist eine neue Aus- stellung eröffnet worden. Tie Ausstellung enthält ältere und neue Werke von Auguste Renoir, Bilder von Theo v. Brockhuien, Werner Heuser u, a. und eine Auswahl von„SimplicissimuS"-Zeichnungen von Th. Th. Heine, Gulbtansion, Thöny, Blix und Wilh. Schulz in den Originalen. — Vorträge, lieber die heiligen Stätten des Islam, Mcdina und Mekka, toird am 24. März Prof. Moritz vom Orientalischen Seminar unter Vorführung von etwa 89 Licht, bildern, die zum Teil von tbin selbst, zum Teil von türkischen Freunden gemacht wurden, in der Urania sprechen. — Deutsche Buchgewerbe-Ausstellung in Stockholm. Ter Deutsche Buchgewerbe-Verein in Leipzig wird mit Unterstützung der Reichsregierung von April bis Mitte Mai in der Königlichen Kunstakademie in Stockholm eine Buchgewerbe, ausstcllung veranstalten, — Josef Ruederers Münchner Roman. Seit vielen Jahren beschäftigte sich der im Oktober verstorbene Münchner Dichter mit dem Plan eines großen Münchner Romans, der ihm als sein Lebenswerk vorschwebte. Das Werk sollte in vier Bänden die Geschichte zahlreicher Münchner Familien durch das ganze neunzehnte Jahrhundert hindurch verfolgen und so ein Bild vom Wesen der Stadt geben, die als die eigentliche Heldin des Werkes gedacht war. Von den vier Bänden ist leider nur der erste ge, schrieben worden— ein Fragment und doch der ganzen Anlage des Werkes nach ein in sich geschlossenes Ganzes und bis ans die beiden letzten Kapitel vom Dichter als„endgültig revidiert" bezeichnet. Dieser Band wird als einzige Veröffentlichung auS RuedererS Nachlaß noch in diesem Frühjahr im Verlag der Süddeutschen Monatshcfle(Leipzig und München) erscheinen. Last, mit allem tierischen Willen zur Vernichtung, zur voll ständigen spurlosen Ausrottung auf ihn stürzte... Die beklemmende, zappelnde Last atmete schwer; sie fauchte ganze Schwaden von alkoholischem Dunst von sich. Dann lockerte sie sich, gepeinigt von empfindlichen, er- barmungslosen Hieben, glitt ab und schlug unter einem seit- sam hellen Schrei zu Boden. Der Tarbusch hüpfte in die Höhe und rollte an das andere Ende der Veranda hinüber.————— Haschisch. Die weißlackierte Flügeltür öffnete sich, und die Seijide- Ali-Jussef stand im Rahmen. Wiederum ließ sie(— was ihre Gewohnheit schien) die Hand noch längere Zeit auf der Klinke ruhen, als sei sie bereit, sich im nächsten Augenblick ebenso spurlos und ohne Laut zurückzuziehen, wie sie ge- kommen war. Im Salon stand ein Mensch, dessen Gesicht dem Hassans sehr ähnlich sah. Ja, sie hätte es ohne weiteres als Hassans Gesicht hingenommen, wenn der Nerv nicht gewesen wäre, der den einen Mundwinkel und die benachbarte Partie der schlaffen, grauen Wange rhythmisch emporzog. Tie Wülste der Stirnhaut auf diesem fremd-bckannten Gesicht waren tief eingeätzt, die Brauen zitterten ganz hoch, ohne sich zu senken; das Gesicht war von groben, schlichten Furchen zerpflügt, von Furchen, die eine unüberwindbare, wuchtige Schwermut, eine elementare und kaum zu behebende Sorge ihm aufgeprägt. Unter leichtem Knistern der Gewandung glitt die Seijide auf den Stuhl, den sie stets bei geschäftlichen Unterredungen eingenommen hatte. Dann wies sie den Besucher mit einer kühlen, runden Bewegung zum Sitzen an. Eine kleine ver- steckt lauernde Neugier trat dabei in die Haltung ihres ge- beugten Nackens. Ihre dunklen, prächtigen Augen spielten in verengten Wimpern gleitend, über ihn hin. Er setzte sich. Er atmete schwer. Zunächst schwieg man auf beiden Seiten. Seine Augen waren blinkend schwarz, unbeweglich, jeden Lebens entleert, etwa wie die eines Jchneuntons, den man im Dunklen mit einem Licht über- raschend blendet. Die Dame rührte sich ein wenig. „Mir scheint, Hassan- Muharram, Sie haben ein Geschäft gemacht, dessen Ausgang Ihrem Geschmack nicht behagt."(Forts, folgt.) geschlossen! Königstraße 33 Am Äahnhos Alexanderplatz Chausseestraße 1-15 Leim Stettiner Lahnhof K-irje Form sehr jugendlich und durch Gewerblich.) Händler zwecklos.* KriegShalber billige Wohnungseinrichtungen, Teilzahlung. Stall- jchreiberstraße 57, Fabrikgebäude.* Möbelspeicher Alte Schönhauier- ftraße 32, Breltestraße 29, werden Möbel für Stube und Küche zu jedem annehmbaren Preis verlaust. Vor- wärtslesern empfoblen. 21Sf Model-Groß, Große Frankfurter- straße 141(Ecke Fruchtstraße), liefert Möbel jeder Art zu belauut billigen Breiien aus Teilzahlung. Grögte Rücksicht bei Krankheit uckd Arbeits« losigkeit. Inserat mitbringen. Wert 5 Mark. Sonntags 12—2 geöffnet. Möbel! Für Brautleute günstigste Gelegenkeit, sich Möbel anzuschaffen. Mit kleiner Anzahlung schon Stube und Küche. An jedem Stück deutlicher Preis. 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