Nr. 77.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Fmiag, 31. März. Wohlfeile Salat- unö Gemüsepflanzen. Sofort bei ihrem Erwachen beschenkt die Natur die Menschheit mit zarlfaserigen Gewächsen, die er für seinen Tisch Herrichten kann. Da erschemt der grüne Salat, eine Kost, die schon im Alrertum gern verzehrt wurde. Eine jahrhundertlange Kultur hat von dem Garten« salat, dessen Vaterland übrigens bisher noch nicht erforscht werden konnte, eine große Menge Spielarten entstehen lassen, die im großen und ganzen nur. noch in der altrömischen Weise zum Genuß her« gerichtet werden. Wenn nun auch die Beschaffung eines Gerichles Salat nicht mit großen Unkosten verbunden ist, so wird doch im Frühling, der eigentlichen Salalzeit, die sparsame Hausfrau sich doch überlegen, ob sie die Nickel für den Salat nicht besser für andere Sachen aufsparen solle, und das um so eher, als die Natur noch genug Kräuter bietet, die, nach Art des Salates zubereitet, diesem im Geschmack gleichkommen und— kostenlos zu haben sind. In erster Linie wäre da zu nennen der gemeine Acker« oder Feldsalat, bekannter unter den Namen Rapunzel und Rabinschen. der im zeitigen Frühjahr auf Aeckern und Gartenländern, besonders auf Kall« und Lehmboden, überall sehr häufig ist. Die Pflanze kann in zweifacher Weise verwendet werden: die Blätter als Salat und die Wurzel als Gemüse. Sind die Blätter dieser Art klein— sie haben etwa die Länge eines Fingergliedes— so sind die einer anderen Salatpflanze, des allbekannten Löwenzahn oder der Kuhblume groß und ansehnlich. Man genießt sie wegen ihrer aromatisch süßlichen Bitterkeit. Kultivierte Pflanzen eut wickeln größere, fleischigere und zartere Blätter als wtlb' wach'ende. Den gleichen Standort wie der Löwenzahn, nämlich an Wegen, Ackerrändern, Grasplätzen u. a. O. hat die dritte Salaipflanze, die wilde Zichorie oder Wegwarte. Zichorien-Salat kann man auch Winters haben, wenn man die Pflanzen in einem dunklen Keller in feuchtem Sand einschlägt, wo sie dann unaushör- lich treiben. Die durch Kochen alle Bitterkeit verlierende Cichorien� Wurzel wird besonders von den Arbeitern der Cichorienfabriken als Gemüse genossen. Seit 1763 bilden sie. im großen angebaut, ein schlechtes Kaffeesurrogat zu Zichorien- oder deutschem Kaffee, das zur Zeit der Kontinentaliperre der gesuchteste Helfer in der Not und der köstlichste Ersatz für den napoleonisch verteuerten Kaffee war. Zu Salat werden auch verwandt die Blätter des Sauerampfers, des Barbara- oder Wiesenschaumkrautes. Der Ampfer ist auf Grasplätzen, in Wäldern und Gärten eine häusige Pflanze und erscheint auf Wiesen mitunter in solcher Menge, daß sie von ihm ganz rot sind, weine pfeil- oder spießförmigen Blätter besitzen einen säuerlichen Geschmack. Vom Löffelkraut, so genannt wegen der Form der Wurzelblätter, kommen bei uns einige Arten vor, und zwar findet man sie im Binnenlande zerstreut an Salzquellen, in der Nähe von Salinen und überhaupt auf salzhaltigem Boden; weit häufiger wird die Pflanze indes an der Meeresküste gefunden. An ihren stempelumfassenden, mit tief« herzförmiger Basis versehenen Blättern ist die Pflanze leicht zu erkennen. Diese Blätter sind es aber nicht, die zur walatbereitung dienen, vielmehr werden zu dem Zwecke die gestielten, breit-eiförmigen und stumpfgezähnten Wurzelblätter verwandt. Das Barbarakraut ist eine Äressenart, die auf feuchtem Boden wächst, wie ihre Verwandte, die Brunnenkresse, und am üppigsten in Bächen und Quellen gedeiht. Die Blätter dieser Pflanze werden Frühjahrs und Winters häufig als Salat(Brunnenkressensalat) und Blatlgewllrz gegessen und deshalb in Gräben kultiviert, so uament« lich bei Erfurt. Das eigentümlich und angenehm rettigartig schmeckende Kraut wird auch roh auf Butterbrot gegessen und der Samen ist statt des Senfes verwendbar. Der ausgepreßte Saft der Blätter oder der ganzen Pflanze hat blutreinigende, harntreibende und antiskorbutische Eigenschaften. Während die kultivierte Brunnen« fresse natürlich nur gegen Bezahlung zu haben ist, haben wir wieder in den Blättern des Wiesenschaumkrautes, eines Pflänzchens, das zur Zeit des ÄuckuckSruses den Wiesen ein prächtiges lilafarhenes Kleid verleiht, eine billige Salatpflanze. Auch der auf Aeckern vor« kommende Portulak wandert häufig als Salat«,«Uppen« und Gemüse« kraut in die Küche und wird deshalb auch in Gemüsegärten ge- zogen. Eine ungleich höhere Rolle als der Portulak spielt die Endivie, ein Geschwisterkind der Zichorie, von der sie durch ihre breit-eirunden Blätter verschieden ist. Eben wegen der Blätter, die als Endividenfalat gegessen werden, wird die Pflanze in zahlreichen Formen kultiviert. Gleich dem grünen Salat ist sie heute über die ganze Erde verbreitet. Ihre Blätter sind härter und starrer als die des Kopfsalates, in südlichen Ländern aber viel be« liebier als der Kopssalat. Gezüchtet werden hauptsächlich zwei Arten, die breitblätterige und die gekräuselte Endivie. Jene ist weniger gut und schmackhaft als diese, die eine aromalische Bitterkeit besitzt. Im Süden wird die breitblätterige Endivie zu Gemüse verkocht. während die gekräuselte als Wintertrost ein willkommener Salat ist, der ähnlich der Kresse als Säfteverbefferer gilt. An Schutthaufen, Hecken und Zäunen öffnet Ende deS Frühjahres der Boretsch seine blauen Blüten, die ähnlich der Kartoffel« blüte gestaltet sind. Die ganze Pflanze ist steifborsiig, aber die jungen Blätter geben feinzerschnitten wegen ihres Geschmackes und Geruches jedwedem Salat einen gurkenähnlichen Geschmack. Auch dieser Pflanze, die man wegen der genannten Eigenschaften auch Gurkenkraut nennt, sollte mehr Beachtung geschenkt werden. Selbst die frischen, noch weichen Triebe der Brennessel schmecken gekocht und mit der nötigen Würze versehen angenehm, fast wie Spinat. Dasselbe gilt von den Blättern der Melde, der Runkelrübe, des guten Heinrichs und mancher Kohl- und Distelarten. Endlich sei noch der dickfleischigen Wurzeln des Benedikten- krautes, der hohen, gelbblütigen Nachtkerze, der gelben See- rose, der stacheligen Ochsenzunge, des Pieilkrautes und der Klette gedacht, die gekocht ein wohlschmeckendes Gemüse liefern. Die jungen Sprossen des Giersch und des in feuchten Wäldern wildwachsenden Hopfens ersetzen selbst den Spargel und die noch geschlossenen Blütenknospen der Sumpfdotterblumen in Essig eingelegt die ersten Kapern._ L. Kleines Zeuilleton. tzelöenüarstellung in Jugendbüchern. Wir lesen im„Türmer": In der Sammlung:„Mein Vaterland. Deutsche Jugendbücher zur Pflege der Vaterlandsliebe, herausgegeben von Dr. Gottlob Mayer bei Ad. Bonz und Komp�, Stuttgart" at als 23. Bändchsn Arth. Achleitner unter dem Titel:„Große Zeit erfaßt den ganzen Menschen" sechs Kviegsepifoden veröffentlicht, die nicht nur zu den relativ besten dieser Sammlung gehören, sondern auch wirklich an und für sich gut und gewißlich für Schülevbüchereien empfehlens- wert sind. Um so peinlicher war ich daher berührt, als ich darin auf eine Stelle stieß, die ich wörtlich hier folgen lasse, damit jeder, unbeeinflußt, sie auf sich wirken lasten kann. Sie steht a. a. O. Saite 51 wird lautet: „Einer der schneidigsten, im Feuereifer dazu noch witzig, der Musketier A. Sattler von der 10. Kourpagnie. Ließ ein Franzmann vor Schreck über das schwäbische Ungestüm sein Gewehr fallen, so rief der ulk freudige Sattler dem Franzosen zu:„Hock dt''na!" (Setze dich hinzu!) Wer von den stürmenden Landsleuten diesen witzigen Ruf hörte, lachte hellauf und rannte dem nächsten, ob solchen Heiterkeitsausbruchs verblüfften Blaufrack das Bajonett in den Leib."— Ich habe den bis vor kurzem als Jugendlesestoff so viel- geschmähten K. May ganz gelesen, eine solche Stelle aber in allen seinen Bänden nicht gefunden.... Gibt es ein größeres Unrecht, das wir zu Hause begehen können, als wenn wir uns an der Gesinnung derer vergreifen, welche die ernsten Taten unserer Tage draußen schassen? Ich hatte schon Ge- legenheit, mit manchem zu sprechen, der von der Front kam, Ossi- zier und Gemeinen, und es waren auch Träger des-Eisernen Kreuzes darunter, also keine von den verzagtesten, und habe mir auch schon Sturmangriffe von ihnen schildern lassen. Aber ich habe Gott sei Dank bis heute keinen darunter getroffen, der mir erzählte. er hätte unter einem Heiterkeit sausbruch dem Gegner das Bajonett in den Leib gebohrt. Ernst, sehr ernst sprechen alle von solchen Augenblicken. Können wir ein Gleiches auch von unserer Jugend sagen? Hat hier der Krieg nicht doch ein wenig zur Verrohung beigetragen, selbst wenn wtr zahlreiche Zeitungsklagen über dieses Thema nicht über- schätzen? Und sind da wirklich derartige Schilderungen, wo der Held mit einem HeiterkeitsauSbruch. dem Gegner das Messer in den Leib bohrt, hie richtige Rahinuig für das Voritellungslebeir der Jungen? Hier feW7.nur.1wch die JllustrationI.Ist so etwas nicht ein Un- recht gegen). beide, gegen Kämpfer und Schüler?.Soll sich die Jugend solch eine. herabwürdigende Vorstellung vom Hcld�r mache::? Soll sie selber solch ein Held werden wollen?(r) Kunststeine aus Serlmer Hausmüll. In einer Reihe von deutschen Städten, wie Hamburg, Kiel, Frankfurt a. M., Wiesbaden usw., wurde das MÜS dadurch beseitigt und zugleich verwertet, daß es in geeigneten Oefen verbrannt, die erzeugle Wärme für Dampf und ElektrizitätSgcwinnung, die Schlacken aber für Pflastersteine verwendet wurden. Für Berlin war dieses System nichl gangbar, weil hier im Gegensatz zu jenen Städten, die Sreinkohle benutzen, die Mehrzahl der Oefen mit Braunkohle beheizt wird, welche keine verbrennbare Asche für das Müll zurückläßt. Neuerdings ist es jedoch, wie der„Prometheus" mitteilt, der Müllschmelze in Berlrn-Oberschöneweide gelungen, auch für dieses Müll ein VerbrcnnungSsystem m ermitteln. Erst wird der Gehalt an Braunkohle durch mechanisches Absieben entfernt, wodurch schon eine Verbrennung des Restes ohne Gebläseluft möglich gemacht wird. Die dabei erhaltenen Rückstände lasten sich zu Düngemitteln von nicht sehr hohem Wert zermahlen. Die abgesiebte Braunkohlenasche da« gegen wird mit Wasser zu Briketts gepreßt und nach guter Trocknung mit 16 Proz. Kohle in einem besonderen Ofen, der innerhalb 21 Stunden 28 Tonnen Asche mit 4,8 Tonnen Kohle verarbettet, geschmolzen und durch Gießpfannen in Formen gegossen, in denen man die Masse je nach dem Zweck langsam oder schnell erkalten läßt. Bei langiamer Abkühlung erfolgt ein Kristallisaiionsprozeß, der die ganze Masse gleichmäßig ersaßt und einen sehr- weller- beständigen Kunststein von basaltähnlicher Struktur erzeugt, der als Pflasterstein, Bürgersteigplatte, poliert selbst zu Grabdenkmälern usw. verwandt werden kann. Sorgt man dagegen für rasche Abkühlung, so erhält die Masse eine glasartige Struktur und eben solches Aus« sehen und ist als Flaschenglas zu gebrauchen. B. Wölfe in kurlanö. Ter Wolf war längst aus dem � Gottesländchen verschwunden. Nur hie und da kam noch eines dieser. Tiere, die jeden übrigen Wildstand so furchtbar gefährden, auf die Spur, und dann auch nur bei einen: äußerst stvengen Winter. Vielfach handelte es. sich zwar bei solchen, stets das größte Aufsehen erregenden Meldungen um einen Irrtum. Uebercifrige Waldhüter hatten die Fährte eines großen Hundes für die eines Wolfes gehalten. Man kann also sagen, daß Isegrim im Gottesländchen wirklich ausgerottet war. Nun ist er aber als sehr unwillkommene Begleiterscheinung des Krieges, der übrigens immer Wölfe anzulocken pflegt, aus Litauen, Polen uub den Wäldern des inneren Reiches, die stets sein Wohn- sitz sind, wiederum nach Kurland gekommen. Dem erwachsenen Menschen bedeutet freilich der Wolf, wenigstens solange er nicht in großen Rudeln auftritt und von furchtbarem Hunger geplagt wird, keine Gefahr, woyl aber Kindern und Verwundeten natürlich. Zudem tritt noch bei Wölfen die Tollwut oder, da viele Berühmt« heilen unter den Aerzten ihr Vorkommen bestreiten, eine Erschei- nung auf, die alle Anzeichen dieser darunter verstandenen Krank- heit aufweist. Das Tier verwanMt sich dam: in. ein. rasendgS Ungeheuer, reißt alles und jedes, das ihn: in den Weg kommt, nieder, überträgt auf Lebeivescn durch den Biß seinen Zustand oder die sogenannte stille Wut. Ein langsames Hinsiechen, das noch durch die Unmöglichkeit, Speise unii Trank zu sich zu nehmen, besonders qualvoll gemacht wird, ist die Folge. Furchtbar gefahr» lich wird der Wolf dem Vieh, den-Hunden, dem Wild und sogar dem vereinzelt in Kurland vorkommenden Elch. In Rudeln jagen sie dies seltsame Tier, das uns wie eine Erbschaft aus der Urzeit anmutet, besonders gern bei Krustschnee. Der Elch, bricht dann ein, ermüdet beim Vorwärtskommen und fällt schließlich, zu- Tode ermattet, der Höllenbrut zum Opfer. Die Wölfe wieder auszu- rotten, wird viele Mühe kosten, da diese Tiere matzlos scheu sind und das Jagen auf sie viel Uebung und Anstrengung erfordert. Notizea. — Verband der Freien Volksbühnen. Wegen Er- krankung von Herrn Artur Schnabel mutz das Mittagskonzert am 2. April auf Sonntag, den 14. Mai, verschoben werden. Bereits ge« löste Karten behalten ihre Gültigkeit oder werden an den Zahlstellen zurückgenommen. — Von de in Volksliederbuch für gemischten Chor wird soeben die zweite Auflage angelündigt.-In weniger als vier Monaten sind. über 4666 Partituren und 16 666 Slimmhests ausgegeben worden. —„Der Bildern: a un" nennt sich eine neue Kunst« zeitschrift. die Paul. Cassirermnter der Leitung- von Leo Kesteybsrg herausgibt. Künstler wie Slevogt, Gaul," Liebermann,' Bärlaw. Käthe Kollwitz, Purrmann,.Pechstein. Heckel.u. a. werden Original- lithographien für sieffckäffen, Im Text sollen volkstümliche Stoffe, Volkslieder, Fabeln, Märchen, Zeitfhmboke in bildhafter Darstellung gebracht werden. Die Zeitschrift erscheint monatlich zweimal, daS Heft lostet 36 Pf. — Eine deutsche Geschichte der islamischen K u n st gibt der Wiener Kunsthistoriker Dr. Ernst Diez bei der Akademischen VerlagZgesellschast Älbenaion, Berlin-Neubabelsberg, heraus. Das reichillustrierte Werk ist die Frucht seiner ausgedehnten Studienreisen in den Ländern des Islam. — Eine Zeitung auf dem Scheiterhaufen. Dia altebrwürdige Gewohnheit, sich unerwünschter Schriftwerke durch Ge- brauch des Feuers zu entledigen, hat im Zeitalter des Weltkrieges fröhliche Urständ gefeiert. Der„Petit Marseillais" hat jetzt eiuen Prozeß gegen den Chef der Preßzem'ur in Tunis angestrengt. Dieser Beamte arbeitet nicht gleich seinen Kollegen in den verschiedenen Ländern mit Schere und Farbstift sondern wendet das alle Rezept an, das Feuer als energischstes Heilmirtcl zu gebrauchen. Es bat schon mehreremal die Pakete der geiiannlen Zeitung, so wie sie aus Marseille ankamen, auf öffentlichem Platz verbrennen lassen. e7j Der Sang öer Sakije. Ein Roman aus dem modernen Aegypten. Von Willi Seidel. Dabei machte er sich stramm und blickte scheinbar hoch von der Decke herab auf seinen Besucher�... „Mylord," meinte Hassan,„gönnen Sie mir eine wichtige Minute.— Es sind Korruptionen im Gang..." „Bah grunzte der Lord.„Belieben Sie eine deutlichere Sprache.. „Es betrifft ein Ressort, das Ihnen untersteht!' fuhr Hassan fort, voll Eifer und Gewicht.„Man ist großen Be- stechungen auf die Spur gekommen.. „Nun ja." sagte der Agent ärgerlich.„Herr, reden Sie nicht um die Sache herum. Ich habe Eile..." und der graue Zilindcr wirbelte zwischen seinen riesigen Fingern wie ein Schwungrad. „Es betrifft einen englischen Subalternen," sagte Hassan und kostete diese Andeutung behäbig aus. „Was? I" schrie der Agent und wurde mit einem Ruck um einen vollen Meter größer. Es war erstaunlich, wie er über sein Volumen verfügte... „Jawohl!" wiederholte Hassan anklagend und beteuernd. „Es steht schlimm! Aber es ist wahr! Man hat ihm unge- hcure Summen geboten! Der Staudamm schwebt in höchster Gefahr... Und dann, und dann..." Der Agent schrumpfte zusammen. Seine Augen quollen hervor. Er stierte Hassan an und sagte kurz:„Hinaus." Ein lähmendes Unterlegenheitsgefühl, gegen dessen er- barmungsloses Wachsen er vergeblich kämpfte, fesselte den Bey an den Platz. Er vermochte kein Glied zu rühren... „Hinaus!" brüllte der Lord wie ein Stier. Auf einmal bekam Hassan Beine. Er rannte durch die Zimmertür. „Hier hinaus!" schrie der Agent in seinem Rücken. Er schrie es gleichwohl an drei Stellen zugleich, und Hassan rannte und stolperte um sein Leben. Dumpfe Schüsse er- dröhnten. Hassan fühlte, wie ihn die Kugeln durchsiebten... Dies schien sein Gewicht zu erleichtern, er gewann die Treppe und raste ins oberste Stockwerk. Von dort blickte er keuchend in den Trcppenschacht hinab. Drunten stand der Agent, ganz klein, den grauen Zilinder auf dem Kopf und stierte mit seinen Fischaugen steil in die Höhe. Und langsam, langsam wuchs er in den Schacht hinauf; sein Kopf schwoll an, er rückte näher und näher... Hassan schlug die Hände vorS Gesicht und stolperte die Treppe wieder herab. Er schluchzte hysterisch. Er gewann das Freie und rannte, rannte.... Irgend jemand lachte kurz, humoristisch und grob hinter ihm her.... Er erwachte in seinem Rauchzimmer. Sein Gesicht war in Schweiß gebadet. Auf dem Teppich lag ein zerbrochenes Taburett. Vor der Meschrebije, im stumpfen Blaugrau der Frühe, zwitscherten die Spatzen... Ein süßlicher, fader Geruch schwängerte die Lust, schwer wie Blei. Alle Dinge fröstelten. Der Vater des Irrwegs. Der Bey hatte soeben in der Esbekije einen Terrain- verkauf mit einigem Gewinn geregelt und kam die Scharia Kamel herab. Er war heiter gestimmt. Nichts bedrückte ihn. Er erhandelte sich unter großem Wortschwall etliche Mango- fruchte von einem Straßenverkäufer; steckte hierauf die Nase in das Paket und-berauschte sich an dem herben Pfirsichduft der glattön hellgelben und weichen Früchte. Sie fühlten sich an wie die Brüste von Weibern.„Ich werde sie mir schmecken lassen I" dachte der Bey.„Ich werde nach dem Gezirepark fahren, mich zwischen die großen Kakteen setzen und diese Früchte verzehren. Dabei werde ich den Himmel betrachten und werde glücklich sein." Als er sich Shepheards Terrasse näherte, nahm er sich vor, nicht heraufzublicken. Er nahm es sich mit aller Willens- anstrengung vor. Was kostete es auch schließlich? Was war denn da droben zu sehen? Besser, ich betrachte die Ballone der Juweliere, der Schneider und Zigarettenhändler... In der Tat, es gab auf diesen Ballonen allerlei- Halb- verschleierte Damen drängten sich bereits dort oben Schulter an Schulter, mit bunten Schirmen und großen schwarzen Fächern. Aus der Straße wurde der Verkehr dichter; eine Unmenge von Fuhrwerken war unterwegs, und vor Shepheards Terrasse staute sich daS Volk wie ein Bienen- schwärm. Hassan stellte sich in den Laden eines ihm be- freundeten Kaufmanns, begann seine Früchte zu verzehren und beschloß, das weitere abzuwarten. Er erinnerte sich jetzt, daß die Hochzeit einer Khedivial- Prinzessin mit einem Pascha auf diesen Tag festgesetzt sei. Das Gewimmel auf den Straßen verstärkte sich; � die Fronten der Häuser und der Hotels längs dem Esbekije- garten bis in die Scharia Abdin hinein strotzten von Fahnen. Die Tarbusche auf den Tausenden erwartungsvoll bewegter Köpfe wimmelten und schwankten wie ein rotes Mvhnfeld, das vom Wind bewegt wird.- Fliegende Basare bohrten sich mühsame Gassen. Auf ausrangierten Kinderwägen fuhr man Süßigkeiten umher. Das Gitter des Gartens hing-voll roter Wimpel und runder Glaslampen. Bourseschreier warfen ihr U in den strömenden Lärm. Im funkelnden Himmel kreisten die Geier. Feiner Staub schwängerte die Sicht. Hassan starrte gedankenlos in das Treiben. Er sah mit einigem Vergnügen, wie ein umgedrehter japanischer Lacktisch sich über die Köpfe hob, wie sich kleine Inseln von Blumen auf harten Schädeln vorüberschoben... Es gab nichts,- wo- mit man heute nicht hausierte. Nun bildete sich vor dem Pöbel eine Kette von braunen Infanteristen in blauen Uniformen, mit weißen, eng ge- wickelten Gamaschen an den dünnen Beinen. Die Straße ward frei... Ein lähmendes Windchen von Autorität flutete über das Volk; der Lärm verebbte'langsam. Ein kleines nacktes Kind stolperte über die Straße, gerade bor der Terrasse... Ein Schwärm von Vorläufern erschien. Einem ägypti- schen Regiment, mit blau-weiß-goldenen Offizieren auf tänzelnden, langgeschwänzten Pferden, umklungen von der Inbrunst viehhaft plärrender Trompeten, folgten, von Peitschern geführt, die Dudelsackbläser im Röckchen der Egyptian-Army; begleitet von pantherfcllgeschmückten Paukern. Der Zug entwickelte sich wie eine Raupe, die immer prächtigere Segmente spielen ließ.... Diese schimmernde Raupe kroch langsam vorbei, umhaucht von Hitze und über- laden von Gruppen und Bildern Maschalla! Das war ein prächtiger Zug! (Fanff. fodgü SozIaldemokratiseberWaliivereln 1.12. Berl. HeiEhstagswaWkreis. Bezirk 213. Hm 88. März 19t8 verstarb unfer Mitglied, der Drechsler Lustav Lckmickt Brand enburgslratze 12. Ehre seine« Andenke»! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 1. Hprll, nach- mittags S Uhr, von der Halle des St. Simeon-KirchhoseS in Britz aus statt. Um rege Beteiligung bittet scis/is Der Borstand. Deulsctier HolzarbeltenrertiaDl Zahlsteile Berlin. Den Mitglied«» zur Nal dah uns« Kolleg«, der arbeit« (justav Schmidt Brandeoburgstr. 12, im Aller von 52 Jahren ge- starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung{attb am Sonnabend, den i.— ä.— ui—- 5 Uhr. bo: FriedhoseSv« s in Bntz, Tvnp statt. 81/15 Die OrtSverwaltnng. ZozialllenokEatiaelieE M\mm MlBerliDerRBicIistagswahlkf. Petersburger Viertel. Bez. 373. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß uns« Genosse, der Putzer Paul Marquart Boigtstr. 10, gestorben ist. Ehre seine« Andenken! Die Beerdigung findet morgen Sonnabend, den 1. Atzril, nach- mittags i Uhr, von der Haste des Zentrat-FrieohoseS in MedrichS- selbe aus statt. Um rege Betelligung ersucht 212/10 Der Vorstand. Deotseber Bauarbeiter-yerband. Zweijfvereiu Berlin. Bezirk 0 II. Hm 89. März starb uns« Mit- glied, der Putzer Paul Marquardt. Ehre seinem Andenken! Die Beer! Sonnaben. mittags i Uhr, bvn des Zentzat- Frtet Friedrichsfelde aus statt. Um rege Betelligung ersucht UO/11 Dia örtliche Verwaltung. Deutseher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. et am iril nach- d- 3 osi Rudolf Klaeme Lungenleiden am 27. d. M. an gestorben ist. Ehre seinem Andenren! Die Be«digsyg finpet i it Sonnabend, dekl 1. mlllagS Uhr, halle des Zenl FriedrichSjeloe Rege Betelliguna erwartet 114/12 Die Orvsverwaltnng. auS X des Welt. oerstarb insvlg« dweren Bertvim» dung m einem Fnd- lazarett am 19. März mein lieber Mann, uns« gmrr treusvrgeitzd« Vater, d« Unrrrvsfiztn LvD Rudolf kolderx Landwehr-Jnsanterie-Regituent 18. DieS zeigt tiesbetrübt an Frau Johanna Kvlberg nebst Kiodorn Oberschöneweidr. Deulttratze 87. O SchickialSmacht. ich sasfi e» kaum. Wo bist du htn mein schönst« Lied« Uns're sater. lebe as w Ruh. SSäJiLm Nord- Ost-Ljraiiia 1848. Hiermll die traurige Nachricht, dag unser lieber Sangesbrud« Rudolf Klaeme kurz vor seinem 2öjährigen Sänger- jubiläum im Aller von 65 Jahren verstorben ist. 57/17 Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachmittags 4'/, Uhr, von der Leichenhalle deS Zentralsried- hoseS in FriedrichSselde auS statt. Der Borftand. Statt besonderer Meldung. Dienstagabend verschied nach langem schweren Leiden im St. Hedwigs< Kranienhaule unsere liebe Tochter und Schwester SeilMg Biedermann im Alter von 19 Jahren. DieS zeigt tiesbetrübt an Familie Louis Biedermann, Lichtenberg, Schessilstratze g, III. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. April, nach- mittags 3 Uhr, in Marzahn statt. Absahtt vonLichtend«g-Friedrtch<- selbe nachmittags 2 Uhr 14 Minute». Hm 5. März 1916 starb im Lazarett an den Folgen lein« schweren Verwundung uns« lieber Freund, der Musteti« Will Siegemund im Aller von 23 Jahre». AIS letzte» Gruß. 1Z2A Seine Freunde. Am 18. März, wenig« Tage nach her Geburt uniereS Kinde», verschied meine geliebte Frau Gertruil üewiilil-fioseDleli DieS gebe ich unl«e» Freunden bekannt. 515b Dr. 8. Boaenteid, Berlin S., Prinzen str. 74. Die Feuerb Gattung hat am 21. März im Krematorium Ge- richkstralli stattgefunden. Danksagung. Für die herzliche Tellnahme und Kran»psnden bei d« Beerdigung meines lieben ManneS, unseres guten Vaters lagen allen Verwansten und Bekannten, beionder» den Meistern und Arbeitskollegen von d« Firma Pich atze! herzlichsten Dank' Ms Anna Oörband nebst Kindern, Birtenstratze 12. 129A Danksagung. Für die vielen Beweise berzllcher Tellnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner geliebten Frau, unserer guten Mutt«, Schmie- ger- Und Großmutter Auguste INisdiRs sagen wir hiermll allen Freunden und Bekannte» unseren herzlichsten Dank. 12SA Der tieftrauerude Gatte und Kinder. Danksagung. Alle» denen, die mein« liebe» Frau, unserer guten Mutter, die letzte Ehre erwiesen haben, inSbeson- dere Herrn TrinkS sür die lieben Porte am Sarge, den Damm der 54. und 99. Verkaufsstelle d« Kon- sumgenossenschast, dem Wahlv««in Bez. Lichtenbero. Abt. 8. Gruppe 87. unjerm herzftchiien Dank. 138A TV. Schnack nebst Sohn und Tochter, ZU Zreteu StnuDeu - Die- Wochenschrift für Arbeiterfamilien Wöchentlich 1 Heft für 10 Pf. jrohe o Pfund H8 Pf. kleine a Pfund LS Pf. frei Porto und Nachnahme. L. Erlchsen, Hadersleben, Schleswig. Wichtig für Herren! Während des Krieges gibt Erste Herrenklefiderfabrik Anzüge, Paletots, Ulster fertig Maß BMF w. Einzetverkauff"WS vom grossen Fabriklager ab. Verkaufszeit lO— 0. Sonnabends 10— 8. Sonntags IS— S. 51olkonniarkt 7/8 IV. Fahrstuhl. Gut einkaufen, hheisst: Geld sparen! * +* km Stiefel werden darum von allen deutschen Kreisen bevorzugt Cigaretten. 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