Nr. 88.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Noittikrstllg. 13. April. Die Lanöftraße. Weit drüber den Feldern, die sich an dem Fluß binziehen, läuft als grauweißes Band die Landstraße, Ein mächtiger fahler Streifen, der über die Wiesen gelegt zu fein scheint und sie in zwei Niesen» Hälften teilt. Die Landstraße ist mir seit Tagen ein Gegenstand des Grübelns, ein Weg, auf dem ich in der Erinnerung zurückwandere in eine Zeit, die jetzt unsagbar ferne liegt. Die Landstraße hat viele Sänger gefunden. Wanderburschen und Dichter, die sich gar oft auf ihr das erstemal von Frau Muse küssen ließen, widmeten ihr glühende Lieder einer wenn auch ein wenig leichtsinnigen Poesie. Aber in ihr spiegelt sich das Leben so recht wider. Denn das Leben zieht keine gerade Linie, es hüpft in tollen Sprüngen querfeldein, schlängelt sich in den kühnsten Mäandern durch den weiten Erdcngarten. manchmal wieder zurück- eilend, niemals gerade. Das ist ein Gesetz, das die Verhältnisse liebevoll beachten, sehr oft gegen den Willen des Wanderers.... Die Landstraße, die sich vor meinen Blicken erstreckt, beginnt sich in der Ferne mit Staubwolken zu verdunkeln. Schon taucht die Spitze des großen Äorpers auf: eine niarschierende Truppe, die gegen den Kamm des Gebirges zieht, jenseits dessen die Russen seit Monaten liegen. Viele wandern dort in der Schar, die nie eine Landstraße zu längerem Marsch betraten, oft nur im Wagen darüber rollten oder sie von einem waldigen Hügel betrachteten. Aber viele aus den Dörfern ziehen dort durch das fremde Land und nehmen die Bilder der Landstraße in sich auf. Dachten einstmals, noch in friedlicher Zeit, die heimatliche Landstraße begrenze die Welt und darüber hinaus sei das Leben nicht mehr lebenswert. Run gewahren sie den Irrtum und sehen, daß das Leben überall gelebt werden kann. Die Landstraße ist eine unheimliche Zauberin, die jeden festhält, der sich ihr einst anvertraute. Die Walzbrüder aller Länder wisien davon ein Lied zu singen, und wenn ein deutscher Dichter seufzend ausruft, er gäbe seinen Hoftaisiitel her, könnte er als froher Bursch noch einmal über die Landstraße traben, so mag dies etwas be- beulen. Wieviel trüber tritt dies einem einlachen Bauernknecht nahe. der bisher unbekümmert und beschränkt sin Dorfe lebte und nun sieht, wie groß und wie schön die Welt ist. Jeder, der sich in der Welt herumsah, kennt das Gefühl des Wandervogels, der die Zeil zum Streichen kommen fühlt. Und die Landstraße, die am Dorfe vorbeiführt, wird locken, rufen und werben mit einem Zauber, dem man nur schwer wird widerstehen können. Das Dorf wird dem Heimgekehrten winzig klein erscheinen. Die Welt ist groß, und aus der Landstraße sitzen Wagemut und Unternehmungs« lust— und die Erkenntnis, daß die Welt Güter zu verleihen bat, die man sich in der weiten Welt suchen und erringen kann. Man braucht nur die Landstraße zu betreten und gelangt ins Weite. Und es sind auf dieser Straße vor mir schon viele Tausende inarichiert, die die Jugend im kleinen Dorfe verlebten und nun aus Rußland in die Karpathen gekommen sind und— wenn sie das Glück beschützt— auch nach dem Süden wandern werden. Täglich rollen sich neue Bilder vor ihren Augen ab. die alte Welt, die kleine, die die Landstraße einengte und umschloß, ist längst von den Er- fabrungen des Krieges ge'preilgt— ein neue? Leben hat begonnen. Ach, der Lehrer in der Schule, der bei der Arbeitshilfe in seinem Garten den Kindern viele Geschichten über die Heimat erzählte, sprach nicht alles aus. was er wußte. Die Welt ist viel größer, man gewöhnte sich in dielen vielen Monaten an die Größe und wird sicherlich die He'.mal, deren Mittelpunkt die Kirche und der Friedhof bilden, zu klein finden. Landstraße, du bist undantbar gegen die Menschheit! Sie ließ dich frei vom Ackerpflug und hält dich in stand. Und auf ihr flüchte» dann die Kinder derer, die dich bauten, in die Weite. Und das Lied, das du singst, dieses betörende lockende Lied! Daß entlang deiner weißen Flanken auch viele Häuser stehen. in denen Hunderle Arbeit finden können, ohne daß sie der Landstraße untreu zu werden brauchen! Die Wanderer sahen aus den vielen Märschen die Burgen der Industrie, die eigentlich gar nicht so fürchterlichen Gesängnissen glichen, als sie der Pfarrer oder der Dorflehrer schilderten. Und die Kameraden, die während des Marsches auf der Landstraße von der dreimal seligen Friedenszeil erzählten, in der sie auf den Landstraßen der ganzen Welt wanderten! Der einfache Bauernkiiechl schlürft gleich einem berauschenden Trank diese Worte, die ihm neue Ziele geben, die vor seinen, Auge wie eine Fata Morgans entstehen und der alten Tätigkeit in der engen kleinen Heimat ein Totenlied singen... Der Staub wirbelt um die Truppen, breitet sich auf dem Rain au« oder kehrt wieder zur Straße zurück. Ich aber sehe den Menschenmassen nach, die am Horizont verschwinden. Was ersieht mein Blick in dem Hinstarren auf den zitternden großen Fleck, der in der Ferne auf eine formlose Masse zusammen» schmilzt? Das Sterben einer Ideologie werde ich gewahr, die der Industrie neue Kämpfer zuführt und die Massen jener stärkt, denen das Brot die Heimat schafft. Ungeheuere Heere sind eS, die zu den Städtern oder den.Fabriklern" zu stoßen versprechen, die gleich strömenden Bächen auf der Landstraße der Industrie zueilen. Eine neue Armee, die die Grenzen der kleinen Heimat sprengt und nun in die bisher verschlossene neue Welt eintritt. Ich preise dich, Landstraße, die du— wie so oft— neues Blut dem Herzen des Fortschritts zuführst. Du, die die Dichter als Werdezeit des Poeten verherrlichen, du bist auch der Bundesgenosse jener, die in der Welt nur ein Menschengeschlecht kennen, das in gleicher Art auch überall die Existenzbedingungen findet. Die Landstraße ist die alle Mutter geblieben, die ihre Kinder liebt und sie beschenkt. Sie wird auch derer nicht vergessen, die nun auf ihr anderen bewaffneten Menschen entgegenzieben und dabei in ihrer Seele den Wunsch tragen, wieder heimzukehren. Aber nicht mehr in die alten dumpfen Verhältnisse, sondern in neue, von denen man in den vielen Stunden träumte, wenn man mit der Waffe in der Hand anderen Menschen gegenüber lag. Freilich, es werden viele der Landstraße fluchen, die die Kinder der engeren Heimat raubt. Aber fürchte dich nicht. Landstraße. Flüche wirken nicht. Und ich sehe im Geiste die vielen Landstraßen, wie sie sich jetzt behaglich in der Sonne dehnen und auf die Menschen zu warten scheinen, die nach dem Kriege eine neue, weitere Heimat suchen werden. Joh. F. kleines Ieuilleton. Der Triumph öer Moöenarrheit. Der„Köln. Ztg." wird geschrieben:«Schon lange hat die K r i n o l i n e wie ein drohender Krankheitsstoff in der Luft gelegen. Dann machte sie sich, wenn auch noch schüchtern, in den Schau- fenstern der Damenmodegeschäfte bemerkbar. Gestern nun habe ich die erste in der Ausübung ihrer Bestimmung gesehen, noch nicht aus der Straße, sondern vorerst nur in einem geschlossenen Gesellschaftsraum. Das war ihr noch nicht ganz gut bekommen; sie war etwas windschief und dreiviertel nach hinten war sie etwas eingedrückt, wie ein angebeultes Blechgefäß. Das mochte daher kommen, daß sie in ihrer technischen Ausgestaltung noch nicht ganz auf der Höhe ist, oder vielleicht auch daher, daß es ihrer Trägerin noch an der nötigen Gewandtheit mangelte, sie un- gefährdet durch Scylla und Charybdis der Umwelt hindurch zu bugsieren. Sei dem. wie es sei, die Tatsache steht fest: sie ist da! Und wenn manche Frau ihr heute noch mit einem kleinen Zittern und Zagen gegenübersteht, so wird es doch nickt lange mehr dauern, daß sie sich auf der Straße, in der Elektrischen, im Theater und allenthalben breit macht. Denn der Mode gegenüber ist die Frau— mit einigen wenigen Ausnahmen—, ein Herdenweien ohne eigenen Geschmack und Vernunft. Sie wird also auch die Krinoline aufnehmen, gerade so, wie sie vor einigen Jahren die zweck- und geschmacklose Hinter- schürze ausgenommen, zu der das Bergmannsleder(im Sprachgebrauch hat es eine etwas drastischere Bezeichnung) das Vorbild gewesen und deren man heute noch hin und wieder eine verspätete seben kann. Und sie wird die Krinoline tragen, wenn diese auch noch so unbequem und das Sitzen in ihr leickt an empfindlichen Körperteilen schmerzlich werden kann. Daran wird nichts mehr zu ändern sein. Uns aber liegt ob, einem löblichen Zug der Zeit folgend, für ihren französischen Namen eine gute deutsche Bezeichnung zu finden. Ich für mein Teil schlage „Gäniekorb" vor. Denn eine Gans steckt immer darin." Der Einsender dieser geharnischten Zuschrift mag eS selbst verantworten. daß er„der Frau" mit wenigen Ausnahmen zutraut, sie werde sich durch diese Mißgeburt des zweiten Kaiserreich? ver» unstalten. Die proletarische Frauenwelt hat jedenfalls andere Sorgen._ Die Abstammung unserer Haustiere. Es ist recht begreiflich, wenn der gebildete Mensch dem ent- ivicklungsgeschichtlichen Werdegang seiner Mitarbeiter auS dem Tierreich Interesse entgegenbringt. In der„Natur" behandelt Land» wirtschaftsschuldireklor A. HanS die Abstammung einiger unserer Nutztierarten und deren Rassen. Jedenfalls hat der Mensch das P s e r d als Haustier später gehalten als Schaf oder Rind und Schwein. Wir müssen annehmen, daß das heutige Pferd und seine Raffen von einer ausgestorbenen Art stammen und zwar von dem neuerdings durch einen russischen Forscher in Zentralasien entdeckten Wildpferd. Dafür spricht auch, daß alle geschichtlichen Funde daraus hinweisen, daß das Pferd aus Zcntralasicn zu uns gekommen ist. Das erste dem Pferde ähnliche Tier stAiroiiitlrsriuin) wurde in der Nähe von Athen bei dem Kloster Pekerni gefunden. Von der heutigen Form unterscheidet es sich hauptsächlich durch die Zähne und die Zehen. Es ist anzunehmen, daß dieses Tier mit allen drei Zehen auf dem Boden stand. Gegen Ende des Miozän macht das Anchitherium neuen Arten Platz. Es sind dies immer noch mehr Zehen, doch tritt das Tier nur noch mit den Hufen der mittleren Zehen auf sHipparion). Die Fundorte von Hipparion sind weit verbreitet. Im Diluvium finden wir Reste von Pferden, die gar nicht oder nur wenig von den heutigen Pferden ab- weichen. Infolgedessen gehen die Meinungen etwas auseinander. Einige sprechen"von zwei Arten, andere nehmen an, daß es nur eine Art, und zwar das heutige Pferd, gewesen ist. Beim Rinde mit seinen vielen Rassen gestaltet sich die Er- sorschung seiner Abstammung schwieriger wie etwa beim Pferd. Tie Forschungen nach der Abstammung unserer heutigen Rinderrassen stützen sich in erster Linie auf Knochen- und Schädelmessungcn. AuS ihnen lassen sich vier Grundform.en ableiten, das Nr- oder Primigeniusrind, das Großstirnrind, da? Langstirnrind, daS Kurzkopfrind. Diese vielen Formen lassen sich leicht durch Kreuzungen und Vermischungen erklären, denn man könnte neben der Geschichte der Völkerwanderung auch gleichzeitig eine Gc- schichte der Wanderung unserer Haustiere schreiben, wenn man, wie dies das Wahrscheinliche ist, annimnit, daß diese vier Ab- arten von einer gemeinsamen Stammform herrühren. Dann ist ist dies wohl der Urochse oder Auerochse. Sein erste? Austreten fällt in das Diluvium, wo er neben dem Bison vorkam. Er ver- breitete sich über ganz Europa, wurde aber immer mehr ver» drängt; im 16. Jahrhundert sollen die letzten Tiere in der Gegend südlich von Warschau vorgekommen sein. Zahlreiche Knochenfunde und Untersuchungen bestätigen die Annahme, daß das alle ein- beimische Rind der gezähmte Ur, mit anderen Arten gekreuzt wurde. Die Kreuzung erfolgte mit Tieren der Wisentrasse und zwar mit den Zebus. AuS dieser Kreuzung entstanden unser Langstirnrind und Kurzkopfrind, während die beiden andereir Arten zu den reinen Formen deS alten Stamme? zu rechnen sind. Saumzwerge. Wie unter den Menschen viele zu einer vollen Eutwickcluug in Größe und Gewicht nicht gelangen können, ohne deshalb nur im gc- ringsten an Lebenskraft zurückstehen zu müssen, so weist auch die Baumwelt solche Individuen auf, die sogar teilweise eine ganz her- vorragende Langlebigkeit und gesunde Knorrigkeit aufweisen. Sebr bekannt sind die in den Felsen der Hochgebirge verwurzelten Koniferen, die sogenannten„Latschen". Noch interessanter sind ähnliche Erscheinungen der Hochmoore. So zeigte, wie Buder in der„Natiirwissenschaftlichen Wochenschrift" mitteilt, ein Exemplar der Pinns Montana, auf einem Moor des Tchwarzwaldes, das ein Alter von IIb Jahren besah und eine Stamnrdicke von 4,2 Zentimeter, so daß auf den Jahreszuwachs eine Breite von 0,l82 Millimeter trifft. Bei einer anderen„Spicke", wie sie auch genannt werden, die ein« Höhe von ö Meter und 68—63 Zentimeter Stamm- durchmesse! erreichte, konnte ein Alter von über 1660 Jahren nach dem Ringbefund unterster Aeste errechnet werden; der Baum, der bekannt älteste Badens, zeigte nicht die geringsten Altersschäden und scheint noch eine große Spanne gesunden Gedeihens vor sich zu haben. Die ältesten Linden derselben Gegend weisen dagegen nur ein Alter von 766 Jahren, Eichen, Edelkastanien, Weißtanukn usw. nicht über 466 Jahren ans. Notizem — Eine Gedächtnisfeier für Ernst Mach veranstalict die Hnmboldt-Akademie Freie Hochschule am Sonnabend, den 18. April, in der Aula de? Realgymnasiums, Dorolheenstr.'IL. Dr. M. H. Baege spricht über„die Weltanschauung eines modernen Naturforschers". Eintritt frei. — L e d e r e r an die Berliner Kunsthochschule berufen. Ter neue Direktor der Kunsthochschule in Charlotten- bürg Artur Kampf scheint neues Leben in dieser Anstalt erwecken zu wollen. Er hat jetzt die Berufung Hugo Lederers als Leiter einer Bildhauerwerlstätte durchgesetzt. Ter Schövter des monumentalen und nicht bloß massigen Bismarckdeuknmls ist ein Mann, der das Handwerkliche von Grund auf gelernt hat und der dadurch berufen scheint, auch als Lehrer gesunde Bahnen einzuschlagen._ 8] Enörik Kraupatis. Eine litauische Geschichte von Ernst W i ch e r t. Draußen in der kühlen Luft aber ging ihm schon nach wenigen schwankenden Schritten ganz die Besinnung aus. Gr stolperte über Steine, stieß gegen Baume und schimpfte in den derbsten Ausdrücken auf das nichtsnutzige, betrunkene Volks das ihn nicht ruhig seines Weges gehen lassen wollte. Endlich gelangte er doch an das Mühlenhäuschen, kroch die Steinstufen hinauf und wollte die Tür öffnen. Sie war ver- schlössen, und es mochte ihm nun dunkel durch den Sinn gehen, daß ihm der Eintritt verboten sein sollte. Darüber entrüstete er sich in lauten Drohreden und fing an, mit Fäusten gegen die Tür zu schlagen. Dabei verlor er das Gleich- gewicht, taumelte zur Seite und stürzte die drei Stufen hinab. Unten blieb er bewußtlos liegen. Als er am anderen Morgen ziemlich spät erwachte, sah er sich aus einem Strohlager in einem niedrigen und engen Gemach, dessen hintere schmale Wand mit Kleidern behängt war. Auf einem buntbepialten Holzkastcn dicht am Ausgange auf der anderen Seite saß der alte Ensikat. die Füße auf einem Schemel, und rauchte aus einer kurzen Pfeife, die ihm im Mundwinkel hing. Er schien hier auf des Herrn Erwachen zu warten. Kraupat richtete sich auf blickte noch im halben Dusel um, erkannte den Alten und schrie ihn an:„Verfluchter Hund, was willst Du von mir? Ich lass' mich nicht ein- sperren." „Tu bist nicht eingesperrt, Herr," antwortete Ensikat in litauischer Sprache.„In der Nacht Hab' ich Dich gehört an die Tür klopfen. Weil Dir doch nicht geöffnet wurde, stand ich auf lind ging hinaus. Da fand ich Dich ganz betrunken an der Treppe liegen, erbarmte mich Deiner und schleppte Dich in meine Kammer hinein. Auf meinem Bett hast Du ausgeschlafen, während ich an der Erde lag. Ein verfluchter Hund, denk ich, war's nicht, der das für Dich getan hat." „Und ein verfluchter Hund bist Du doch," rief Kraupat, die Faust gegen ihn ballenb.»Du hast mich ins Unglück ge- bracht." „Das ist mir leid genug gewesen," antwortete Ensikat. „war aber doch nicht zu ändern. Ich habe mich als Zeuge nicht gestellt, sondern Du weißt wohl, daß sie mich vorge- fordert haben, und da Hab' ich denn auf meinen Eid die Wahr- heit sagen müssen." „Die Wahrheit— die Wahrheit! Infam gelogen hast Du, Schurke. Vorgestern ist's herausgekommen." „Nein, Müller, gelogen Hab' ich nicht, damals nicht und auch nicht vorgestern." „Was? Du willst auch jetzt noch behaupten, daß ich die Mühle ange—" Er verschluckte sich und hustete eine Weile. Der Alte blieb ganz ruhig.„Ich will behaupten, was ich immer behauptet habe. Denn das ist wahr." „Du hast mich mit Deinen blinden Augen gesehen?" „Meine Augen sind nicht so blind." „In der dunklen Nacht?" „Es war nicht so dunkel, und ich hatte vorher die Luke geöffnet, weil ich ausgestanden war. nach den Schützen zu sehen. Es war großes Wasser, und sie konnten von dem Ge- seilen nicht aufgezogen sein, als er fortfuhr." „So magst Du einen Menschen gesehen haben, aber nicht mich. Es muß sich ja jemand eingeschlichen haben, der das Feuer angelegt hat." „Dich Hab' ich gesehen, Müller, Dich! Ich kenne Dich an Deinem Gang und an Deiner Kleidung—" „Pah!" „Ich Hab' aber auch Dein Gesicht gesehen. Dil kamst nur ganz nahe vorbei— mit der Hand zu fassen. Ich war hinter die Getreidesäcke getreten, als ich jemand kommen hörte, und Du gingst mir gerade so vorüber, daß Dein Gesicht sich gegen die offene Luke abzeichnete. Es ist gar kein Irrtum möglich." „Das alles hast Du so zusammengelogen, damit es glaubhaft erscheint." „Ich hab's beschworen." „So hast Du falsch geschworen."_ „Müllerl Das sage nicht noch einmal. Gott wird Dich strafen." „Ich tage, Du hast falsch geschworen. Denn ich habe in jener Nacht gar nicht in der Mühle sein können. Das hat vor- gestern auch das Gericht anerkannt." Der alte Mann seufzte.„Ich habe gehört, was die Jlsze Balnus ausgesagt und beeidet hat. Sie hat mir's auch auf Befehl des Herrn Präsidenten ins Gesicht wiederholt und das hat sie dreist genug getan—" „Du aber bist unsicher geworden." „Das weiß ich nicht. Ich habe kein Wort zurück- geuommen. Ich habe nur gesagt, es kann ja sein, daß Tu mit der Person etwas zu tun gehabt hast und daß sie in gutem Glauben meint, es sei in jener Nacht gewesen— ich sah ja doch, wic's geplant war, Dich zu retten. Hätt' ich ihr's auf den Kopf gesagt, daß sie lügt, so wär's gegen mich � losgegangen:„Seht den rachsüchtigen Menschen, er will des Müllers Verderben!" Aber Gott weiß, daß ich Dein Der- derben nicht gewollt habe. Meine Schuld ist's nicht, daß Du Dich selbst tiefer und tiefer hineinbringst." Kraupat sprang vom Lager auf und gab dem Alten einen Stoß, daß er vom Kasten herabflog.„Willst Du die Jlsze Balnus in Deinen Gedanken meineidig machen, Du Schuft?" Ensikat erhob sich stöhnend und hinkte nach der Tür zu. „In meinen Gedanken ist sie's," sagte er,„denn ich weiß, was ich weiß, und Du wirst es aus mir nicht herausschlagen. Die Jlsze ist von Deiner Mutter bestochen, vor Gericht die Nn- Wahrheit zu sagen und Dich herauszulügen—" Der Müller drang wieder auf ihn ein.„Schweige, Hund, oder ich schlage Dir den Schädel ein—" Ter Alte hielt nicht einmal zur Abwehr seinen Arm vor. „Schlage zu, Müller, dann bin ich in Ewigkeit still. Aber Gott sieht und weiß alles, und den wirst Du nicht.hintergehen. Mir kannst Du schon nichts Schwereres antun, als Du mir angetan hast, da Du mich als einen Lügner und Meineidigen vor Gericht hast überführen wollen. Das hat aber nur geschehen können durch einen Meineid. Das Gericht hat dem falschen Zeugen geglaubt, und Du bist freigesprochen. Darüber freue Dich, wenn Du kannst. Von mir aber fordere nicht, daß ich Dir ins Gesicht lüge. Schlage mich tot— Du hast doch die Mühle angesteckt." Kraupat ließ die erhobene Hand sinken; er mochte fürchten, daß es dem Alten wirklich ans Leben gehen tonnte. Er lachte auf.„Schrei's doch im Dorf herum; man weiß dann erst recht, was man von Dir zu denken hat. Ich will mich au so einem nicht versündigen." Leiser fuhr er fort:„Wenn Tu aber nicht ganz dumm und vernagelt bist, so nimm Deinen Vorteil wahrend stelle Dich mit mir auf guten Fuß. Sage den Leuten, daß Tu Dich geirrt haben kannst." „Nein, Müller, ich will mit reinem Gewissen sterben." „Was ist's denn weiter? Du kannst Dich doch geirrt haben." „Das kann ich nicht." „Und Du wirst auch ferner bei Deiner Beschüldignug bleiben?" „Wenn man mich fragt, werde ich nach wie vor die Wahr- heit sagen." „So ersticke daran. Du Hund!" schrie der Müller, riß die Tür auf und stürmte fort. Worts, folgt.) | SonntaSden16.AprSI | von 12m6 Uhr geöffnet HiiiilimiMiiiiiiiiiilllillliMliiWiiMiMMiiiiiM Bellß-ÄIllance-Strasse Rote Brötzo gefHrbt 4m M» Paket 19 Podding-Pulver leicht getlrbc Paket 10 yl 2 Saucen-Pulver Vanllli Paket 10 Pt Frische Der .22,24 Büchsenfleisch Pfundlo1 40 A.Dandorf&G Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strosse Rcttduser Dumni Nmersdcrter Strasse Lebensmittel Verkauf nicht an Wiederverkäufer Soweit Vorrat Wurstwaren Landleberwurstpfu]1d2.40 Feine LeberwurstFfd.2,50 Jagdwurst...... 2.40 Mortadella...... PMnd 2.40 Gem-Marmelade Leicht gefärbt CA III. Sorte.... Pfund OV Pt Obst und Gemüse Äpfelslnenoiz/f.is 1 Zy Zitronen Datzend 50] Gr. Musäpfel....ptimd ZZ?-. Gr. Essäpfei..... ptnai Feigen............ prand �0?-. Garfeln........... Radies'chen. Weisskohl 35,, Wirsingkohl"6%dS42'>f. lohSfüben yPL Rote ROben... a Pfund 40!f Rhabarber...... stugeslSp', Spinat.......„.„.,ri«nd 30pi. ,... Band SprottbOckilnge i,pfd. 55pt Bücklinge...... 2 etaok 25pt Makret.-BQckilnge z�IZp-. Lachsheringe... staek 45pt Räucherwaren und Fische Bismarck Heringe°«1.10 Fiietheringe��l.lO Heringe in Uhr: Kameradel Berliner Theat. 8 Ohr: Wenn zwei Hochzelt machen. Sessing-Theafer. Direktion: Victor Bamowsky. T'MJhr: Zum 200. Male: Peer Gynt. Von Ibsen, Musik von G r i e g. Preit: Esther.— Die Neuvermählten. Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 8 Uhr: Die selige Exzellena. URANIA Tanbenatr. 48/49. 8 Uhr: Ton allen Fronten der öaterr.-nngarlsch. Armee. Hörsaal 8 Uhr: Professor Dr. P. Schwahn; Werden und Vergehen Im Weltenraum Theater für Donnerstag, den 13. April. Deotscbes Opernhaus Charlottbg. s uhr: Die Fledermaus. Friedrlch-Wilhelfflstädt. Theater, s uhr- Das Dreimäderlhaus. o.br. HerrnffeSd.Tk«.tor s ehr: Der Sehlemibl. Kleine. Theater. s uhr: Logierbesuch. Komische Oper. s uhr: Der Favorit. Lustspielhaus. 8',. Uhr: Der Gatte des Fräoleins. Metropol-Theater s uhr: Die Kaiserin o�Ä. Sonntag 3 Uhr: Wiener Blut. Walhalla-Theater. 8 Uhr, zum 1. Mal«: Das GM am NHem. Kose-Tkeater. 8 uhr: Der Hiittknbtßtzer. Morgen: DH?«old«,« Eva. Luisen«Theater 8.i5 uhr: sie weiß elwus. Reiebshallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum 178. Male: $0„Die von der dSa Emden." MUitärper. Ionen freier emt...x-.>» jn fiuif in ku ocn Anfang 8 Uhr. Stett. Sängern. ZTontl» Qperetten-Tbenter 3 Uhr: Der selige Dsidllill Soaldenn-Tbenter 8'/. Uhr: Loge No. 7mBeSr Schiller-Theater O. s uhr: Romeo ond JoUa. Sehlller-Th.Charlottenbg. SUhr: DlUmO. Thalia-Theater. s uhr: Eiondinehen. Theater am Tollendorfpl. S1/. Uhr: Prezlosa. 8./.U.- Immer Teste druff! Theater de. Westen. s uhr: Das Fräulein vom Amt mit Guido Thielscher, Trlnnon-Theater. 8 /. u- Die beiden Meyers. El.a und Berta Wiesenthal sowie der April-Spielplan. Außerdem 8-� yyArlzonda11 Tarietd-Operette in 2 Bildern Musik von Gilbert. Ernräßigte Possen-Theater. Linienetroße a. d. Fiiedriehstraße. S'U VI. Ha so was! Possd in 2 Akten v. Leonh. HaskeL Gannef& Co. Posse in 1 Akt von Theo Haiton. Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. isgiich. Großes Konzert Berliner Konzerthaus-Orchester Anfang 8 I hr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Ehr. Borgen, den 14. April: Großes Doppel-Konzert veranstaltet vom Verein ehemaliger Gprde-Oragtmer E, V. ~*ttamÄerajc&a Mswari dlsrfh©lelepft NeuföM güf MMMÄW. Tägl. 8, Sonntags 31;, u. 8 Uhr: Neue Prunk-Pantomime in 3 gr. Akten von Paula Busch. ssarhenprächt. glänz. Ostersplele B. German entum bis zur Neuzeit. Vorba D. neuen April-Schlager k Anl. der Schulfer. a. vieiseit. Wunsch Sonnabend, nachm. Z'/, Uhr: llr. Leparat-kerieo-VorstsIIllllg ungekürzt die Prunk- Pantomime 1 Kind frei, weit. Halbe Preise! Des bekannt, groß. Andrang, wegen Porverk. ohne Aufschlag tägl. ab _ Donnerstag 10 Uhr._ „Ostern". Casino- Theater Lothrmger Str. 37. Tägl. 8 Uhr. Nur noch wenige Aufführungen d eS zugkräftigen Bolksstückes Onkels Testament oder Die Vogelscheuche. Vorher eratklaaslgea Aprilprogramm. Sonntag 4 Uhr: Was machste nu. &(lmirals-?a!ast Das neue Eisballctt jbn J8tttasie.{ S'/j ühz.«, 8, 4 M. Tornttgllehe Küche! V oigt-Theater. Badstr, 68. Badstr. 58. Morgen Freitag, den 14. April: Ein toller Einfall BolkS stück in vier Aufzügen von Karl Lauf. Kaffeneröffnmig 7 Uhr. Ans. 8 Uhr. !gl. 8 Uhr, Sonnt. 3% a. 81 Ein Programm sondergleichen! Das höchste Kleinod v. Otto Reutter. Lyda Salmonova— B. MBrbllz Otto RSHr— Zirkus Im Theater usw. 12 hervorragende Nummern 12 Verkäufe. Zum Umzug enorm billig 1 Gar- dinen, Tischdecken, Stevvdecken, Teppiche. 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