Nr. 91.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Zountag, 16. April. Ein öeutsther hanöwerksburjch in See Türkei. Zur Zeit, da die Reise- und Handelswege zwischen Teutschland lind der Türkei noch wenig begangen waren, war es der deutsche HandwerkSburschc, der dos bauplsächlichste Bindeglied zwischen beiden Völkern darstellrc. Zu diesen ewig wander- und unternehmungS- lustigen Handwerksburschen. � die besonders irr der Biedermeierzeit recht zahlreich waren, gehörte auch der sächsische Wagnergeielle Christian Döbel, der in den Jahren 1830'bis 1836 Ungarn, Siebenbürgen, die Walachei und die Moldau, einen Teil der Türkei, Aegypten und Palästina durchwandert hat. Seine Fahrten sind aussllhrlich in einem 1837 erschienenen dickleibigen Buche beschrieben, das indes heut verschollen und vergessen ist, allein jetzt, wo die Gesckiichle unserer Beziehungen zur Türkei ein so neues', unmillelbarcs Interesse gewonnen hat. ist der hübsche Auszug aus Döbels Reisebnche, den Oskar Wöhrle im Verlage der Lese zu Stuttgart veröffentlicht, willkommen zu beißen. Ein buntes Bilderbuch ist es, das sich in dieser Schilderung vor uns entwickelt. Da kommt Döbel nach mancherlei Fahrt und Fährdc nach der Türkcnhauptstadt, um dorr passende Beschäftigung zu suchen. Durch einen Dragoman bietet er sich dem Wesir selber an, indem er sich bereit erklärt, alle vorkommenden Wagncrarbeiten nach europäischer Weise zu fertigen; auch macht er sich' anheischig, zuerst eine Probe- arbeit abzuliefern. Damit zeigt sich der Wesir einverstanden: er lveist Döbel ins Arsenal und heißt ihn als Probestück ein schweres hölzernes Lasct'.enrad fertigen. Die Geschichte dieses Probestückes in Döbels Schilderung bietet einen hübschen Beilrag zur Kenn- zeichmiiig der Verschiedenheit deutscher und orientalischer Arbeit und Arbeitsweise. „Im Arsenal legte ich das Holz bei, das mir verabreicht wurde. und schaute eine Weile den Arbeitern zu, die in den Werkstätten be- schäsligt waren. Die meisten saßen mit untergeschlagenen Beinen auf der ebenen Erde und hielten mit den Oberschenkeln das Stück Holz fest, das sie gerade bearbeiteten. So schnitzten sie mühselig eine Radspeiche nach der anderen zurecht. Stein Wunder, daß sie aus diese Art ollein zu der rohen Arbeit zehnmal mehr Zeit brauchten, als es bei der deutschen Arbeitsweise nötig ist. Um ein einfaches Rad zu fertigen, braucht ein türkischer Arbeiter 12 bis 11 Tage. Ich richtete mir zuerst eine Art Hobelbank auf und fing dann in der Frühe des anderen Tages mit der Arbeit an. Die Türken schauten mit verwunderten Augen zu, tvie leicht und behende inir alles von Händen ging. Selbst der Wesir kam in höchst eigener Person und beobachtete schweigend meme Hantierungen. Am andern Mitlag war das schtvere Rad vollständig fertig und ausgeputzt. Da kam der Wesir wieder, bezeugte sein Wohlgefallen an meinem Probestück und verglich es lang und sorgfältig init der türkischen Vorlage. Dann ließ er durch seinen Dolmetscher fragen, ob ich junge Leute in meinem Handwerke unterrichten tvolle und welchen Lohn' ich dafür beanspruche. Ich forderte für jeden Monar fünfzig SpezieStaler. Das schien dem Türken zuviel— mißmutig schüttelte er den breiten Schädel. Er überlegte eine Weile und ließ mir dann für jeden Tag einen Taler bieten; außerdem sollte ich freie Wohnung haben. Ich ging aber ans dieses zweite Angebot nicht ein. Daraufhin entfernte sich der Wesir hastig und mürrisch." In Slambul war also für unseren Wagner nichts zu holen, und so „tippelte" er denn in Begleitung eines Hanauers nach Adrianopel, wo sie in eine sauflustige deutsche Kumpanei hineingerieten. Döbel machte dort zusammen mit einem Nassauer eine Schlosserei auf, die er durch seinen Fleiß schnell hochbrachte. Der Bruder Nassauer freilich litt unter großem Durst, und eines Tages mußte er dem Sachsen ge- stehen, daß er, um selbigen zu löschen, das Türschloß kurzerhand versetzt habe, das vor einigen Monaten der englische Slonsul zur Ausbesserung übersandt halle. Döbel löste das Schloß aus und brachte cS nach erfolgter Ausbesserung schleunigst zum Konsul hin. Gerade glänzend war ja der Empfang begreiflicherweise dort nicht, und besonders die Frau Konsul machte auS ihrem Verdruß über die langsame Bedienung lein Hehl; j?a aber die Reparatur schließlich zur vollen Zufriedenheit ausgefallen war. so übertrug sie ihm auch die weiteren Schlosscrarbeiten in ihrem Hause. So war alles in gutem Schwünge, als die Pest einen dicken Strich durch die Rechnung machte. Alle Geschäfte stockten, die Straßen standen leer, der Markt lag verödet und auch der englische Konsul verstarb. Döbel sah, daß es wieder einmal an der Zeit war, die Zelte abzubrechen, doch ehe er abreiste, überreichte er dem Sekretär des verstorbenen britischen Slonsuls die Rechnung für die »och nicht bezahlten Arbeiten. Der sandte sie der Witwe zu, aber Albions freie Tochter weigerte sich hartnäckig, mit der Bezahlung herauszurücken. Dabei besaß sie ein unermeßliches Vermögen und hatte auf der ganzen weiten Goltcswelt weiter niemanden zu er- nähren als sich selber und ihre Schar Hunde. Was so ein armer deutscher Handwerker nicht alles in der Fremde erleben kann! kleines Feuilleton. Neue Untersuchungen über öen Ileckfieber-Erreger. Tie Untersuchungen, die die Feststellung des Flcckficbcrcrrcgers bezweckten, haben in den letzten Iahren bedeutend zugenommen, ohne daß schon von einer endgültigen Lösung der Aufgarben zu sprechen wäre. Eine neue Phase in diesen medizinischen Forschungen scheint durch die auf einen Parasit der Kleiderlaus gelenkte Auf- merksamkcit eintreten zu sollen. Bei zahlreichen Flecksieber- epidemien lehrte die Erfahrung, daß durch die Silciderläusc, und zwar erst am fünften und siebenten Tag nach der Infektion, die Krankheit übertragen werden könne, ja, daß diese Fähigkeit der Laus selbst bei der unmittelbar folgenden Läusegeneration noch nicht verschwunden zu sein braucht. Damit war auf jeden Fall die Möglichkeit, in den Läusen den Erreger selbst zu finden, gegeben. Sehr nahe zu diesem Ziele scheinen ganz neue Untersuchungen zu führen, die Dr. W. Stempells im neuesten Heft der Deutschen Medizinischen Wochenschrist selbst darstellt. Dazu war vor allem eine genauere Durchforschung der Kleiderlaus nach dem Sitz des Parasiten im Tierkörper notwendig. Um dies zu erreichen, wurden ganz methodisch Querschnittserien in der ganz hervorragenden Dünne von ö— 1ö Tausendstel Millimeter hergestellt. Es fanden sich dabei zwischen den teilweise schon ganz zerstörten Blutkörperchen des Tarmin-haltes große Mengen winziger, meist kommaartig zuge- spitzter Parasiten, die die Größe von ein zweitausendstel Millimeter nicht überschritten. Die Stellen des Darmes, an denen große Parasitenmassen sich finden, hauptsächlich also im mittelsten, am meisten mit den schon verdauten Blutmassen angefüllten Darm, zeigen eine stark bräunliche, bis rötlich schimmernde Verfärbung. Bei einer ebenfalls größeren Reihe gleich konservierter, gefärbter und geschnittener Läuse, die von gesunden Personen stammten, konnte dagegen weder im Tarmkanal noch in den Geweben nur einigermaßen entsprechendes parasitäres Gebilde gefunden werden. Der Parasit selbst war bis jetzt vollkommen unbekannt; er scheint die ersten Lcbensstadien in den Geweben der Kleiderlaus zu ver- bringen. Welche Wirkungen gleich nach der Uebertragung die zu menschlichen Parasiten gewordenen Protozoen(es sind wahrscheinlich solche) im menschlichen Körper auszulösen vermögen, steht als per- bürgtcr Schluß aus exakten Versuchen nicht fest; mannigfache Um- stände und Begleiterscheinungen der Entwickelungsgeschichte der Fleckfiebererkrankung beim Menschen lassen aber die Vermutung zu, daß diese Parasiten der Läuse zugleich die Erreger des Flcckfiebers sind. Tic Einwirkung auf den Menschen konnte dann auch durch die Luft gedacht werden, da die Exkremente der Laus gerade den größten Prozentsatz von Parasiten enthalten, die dann mit dem übrigen Luftstaube eingeatmet werden. Neutrale Post. Aus Zürich wird geschrieben: In seiner strengen und ge- rechten Auffassung der Neutralität hat der schweizerische Bundesrat seine Maßnahmen, innerhalb der Grenzen der eidgenössischen Republik die Neutralität zu sichern, auch auf die Tätigkeit der Post über- tragen. Nach einem etliche Zeit nach Kriegsausbruch in 5trast ge- tretenen Neutralitätsgesetz, die Erzeugnisse der Presse betreffend, ist der Verkauf oder die Ausstellung und Auflegung von Völker- verhetzenden Presseerzeugnissen verboten worden. Darin sind ein- begriffen die Druckschriften und Ausrufe usw., die direkt oder indirekt innerhalb der Schweiz gegen eines der kriegführenden Völker propa- gieren sollten, und zwar betrifft jetzt das Verbot nicht nur den Verkauf und die Ausstellung dieser Art geistiger Erzeugnisse, sondern auch die Ver- sendung durch die Post. Eine Zeitlang kam nämlich kaum ein Paket aus Frankreich in die Schweiz, das nicht mit einem Klebezettel versehen war, der entweder die Aufschrift trug:„Franzosen, bedient Euch niemals deutscher Artikel", oder„Schwören Ivir, niemals etwas Deutsches zu gebrauchen", oder„niemals etwas von ihnen zu be- nutzen", oder„Denkt daran, nie deutsche Artikel zu kaufen". Das hatte zur Folge, daß auch in der Westschweiz dieser Unfug auftauchte und bis die Behörden einschritten, fuhren Pakete und Briefe ini Lande herum mir den Ausschriften:„Die offizielle Schweiz ist nicht die richtige Schweiz", oder„Nicht Bern, sondern Genf ist die Schweiz". Solche Postsendungen iverden jetzt entweder an den Absender zurückgestellt oder direkt vernichtet. Auch die bekannte Fahnenverletzungscpisode in Lausanne hat noch ein Nachspiel gehabt. Bereits eine halbe Stunde, bevor die„impulsive" Tat geschah, stand ein Photograph gegenüber bercir, mit dessen Pro- dukten nun ein schwunghafter Handel getrieben wurde. Dem hat nun der Bundesrat ebenfalls ein Ende bereitet, indem er die Ver- sendung dieser Karten verboten hat. Der vatikanische Sternkatalog. In diesen Tagen ist der zlvoite Band des großen Aslographischcn Katalogs zum Abschluß gebracht worden, der von der vatikanischen Sternwarte herausgegeben wird. Das Werk soll die Photographie des ganzen gestirnten Himmels umfassen. Seit mehreren Jahren arbeiten daran Ig Himmelsbeobachter, von denen 12 in Europa, einer in Afrika und je drei in Amerika und Australien tätig sind. Jeder photographisch aufgenommene Stern wurde mindestens zwei- mal gemessen, damit seine genaue Lage festgestellt werden konnte. Der soeben erschienene Band gibt die Position von 30 042 Sternen, die zusammen mit denen im ersten Band veröffentlichten eine photographische Sammlung von 66 440 Sternen ausmachen. Man hat berechnet, daß, wenn die Arbeit erst zum Abschluß gebracht sein wird, rund 30 Millionen Sterne auf den photographischen Platten fixiert sein Iverden. Gleichzeitig mit dem 5tntalog sind auch die photographischen Tafeln veröffentlicht worden, deren jede Tauscnde von Sternen enthält. Notize«. — D i e Früh jahrsaus st ellung der Berliner Sezession wurde am Sonnabend eröffnet(Kurfürflendanim Nr. 232). Sie trägt, ähnlich der neuen Ausstellung der Freien Sezession, wesentlich Schwarz-Weiß-Charakter. Das macht in dieser wie in jener Ausstellung— beide sind im großen ganzen weder in Richtung noch Qualität sehr unterschieden— die intimen, mannigfaltigen Reize aus. Man sieht unmittelbar in den Arbeitsprozeß der Künstler(in Skizze und Entwürfen) und findet hier ihre Eigenart oft kräftiger betont. Soweit sie aber Zeichner und Graphiker sind, können sie erst hier ganz den Reichtum der Phantasie offenbaren und ihre technischen Spiele eiitivickcln. Das Thema Krieg und Kunst wird zwar in beiden Ausstellungen angc- schlagen, gibt aber kcinwegs den Grundakkord an. Neben den Schwarzweißkünstlern, von denen vor allem Ernst Oppler mit seinen delikaten Zyklen vom russischen Ballett und unter der schwc- dischen Gruppe Anders Zorn hervorzuheben wären, sind auch Malerei und Plastik vertreten. Eorinth hat eine Gruppe von Wandbildern ausgestellt, etwas kühl im Ton, aber voll schmissiger Mache: saftig und strotzend wie ein alter Vlame(Themen: Bacchanten, Ritter im Kampf mit dem Drachen). Le derer zeigt sich vollwertig mit dem melancholisch lächelnden Heinekopf und der im Umriß markanten großen Mertnrfigur(aus Frankfurt), auch Huf, Mehner und Wenck sind gut repräsentiert. Die Jüngeren bieten viel Interessantes, das einer besonderen Würdigung bedarf. — r. — Verbund der Freien Volksbühnen. In dem Oratorium„S a m f o n" von Händel, das unter Leitung von Dr. Ernst Zander mit dem Berliner Volkschor und dem Blütbner- Orchester am 2l. April(Karfreitag), mittags 12 Uhr und abends 148 Uhr, in der Volksbühne zur Aufführung kommt, wirken Birgit Engell, Paula Weinbaum, Rudolf Laubenthal und Artur van Eweyk mit. — Vorträge. In der Treptow-Stcrnwarte spricht am Mittwoch, den 10. April, abends 8 Uhr, Kurt Boemsch an der Hand zahlreicher farbiger Lichtbilder über:„Eine Wanderung ans der neuen D o l o m i t e n st r a ß e."— Am 19. und 20. April schildert der Kriegsberichterstatter Fritz Wertheimer in der „Urania" daS Gebiet und die Stümpfe in den Rokitnosümpfcn sowie am Naretschsee. — D a S b e st e n e r t e Vergnügen. Die Stadt Wien will als Kriegssteuer 10 Prozent von allen Eintrittskarten zu Theater-, Musik-, Kino- und SporlSvorftellnngen erheben.— In Berlin bc- znhlen wir eine ähnliche Steuer schon längst an manche Theater, die für jedes im Vorverkauf umgesetzte Billett 20 Pfennig erheben, während jeder Kaufmann auf im voraus bczahllc Waren Rabatt gewährt. — Ein zwei Meter langer Meeraal wurde unläugst, wie die„Allgemeine Fischcrei-Zcituug" berichtet, in den nordfriefisäien Watten entdeckt. Es war nicht leicht, sich des Ungetüms, das sich mit aller Kraft wehrte, zu bemächligen. Das Tier' wog insgesamt 43 Pfund. Eilt Aal, der insgesamt 1,87 Meter lang ist, ist aus- gestopft im Wartesaal des Eckernförder Bahnhofs zu sehen. Enörik Kraupatis. Eine litauische Geschichte von Ernst Wicher t. Bald trieb ihn doch wieder die Unruhe fort. Er meinte, seine Felder besichtigen zn müssen, die teilweise von der Mühle weit entfernt lagen, und beschloß, gleich mit dem entferntesten anzufangen. So verließ er hinter dem Torfe die Landstraße und folgte einem tiefen Graben, der wieder das Wasser von vielen Seitcngräben aufnahm. Sie zogen sich bis zu einem langen, etwas höher gelegenen Plan hinauf und setzten sich dort meist in flachen Furchen fort, die mehr den Zweck haben mochten, abzugrenzen als zu entwässern. Der Plan stellte die früher gemeinschaftliche Weide dar, wenig fruchtbares Land, sandig und steinig, mit Heidekraut und niedrigem Birken- gcsträuch bewachsen. Dort stand auch das alte Hirtenhäuschen, ein langes, niedriges Gebäude unter einein Strohdach, welches über dem früheren Stall nur noch das kahle Sparrcnwerk zeigte, aber auch nach dem vorderen Giebel zu über und über mit Moos bewachsen war, ans welchem Büschel von Gras, blaue Glockenblumen und roter Mohn aufschössen. Kraupat sah es von weitem und erinnerte sich, daß die Jlsze Balnus dort wohne. Er ging eine Weile an der Grenze hin, drehte um und kehrte ihm den Rücken zu. Dann meinte er aber nachsehen ziff müssen, ob sein Wäldchen während seiner Ab- lvesenheit bestohlen ser. Dorthin begab er sich also auf dem letzten Grenzrain. Wenn auch noch so l-angsamjdurch das Wäldchen schreitend und rechts und links nach den Stubben ausspähend, mußte er sich loohl allmählich dem Hirtenhause nähern, das sich ihm zeitweise hinter dem jungen Birkenaufschlag versteckte. Plötz- lich hatte er es auf zweihundert Schritte vor sich. An der hinteren Seite war vielfach die Lehmfüllung aus der Fach- Werkswand gefallen und nicht_ einmal jedes so entstandene Loch mit Moos verstopft. Zwei Stangen stützten den Giebel über der niedrigen, zweiteiligen Tür. Ein alter Strauch- zäun hegte ein Gärtchcn ein, das einige Gemüsebeete enthielt. •vsn der Ecke wuchs der Sonnenglanz hoch auf. Ein kleines Kartoffelfeld lag schon außerhalb. Der Müller konnte von seinem Standpunkt aus den Platz vor der Haustür am Strauchzaun bin gut überschauen. Die obere Hälfte war offen und gegen die Wand gelchnft auf die untere, geschlossene stützte sich die Bewohnerin des Häuschens, aus dem tiefen Dunkel deS inneren Raumes den runden Kopf mit dem im Kranz aufgesteckten blonden Zopf und den kräftig gebauten Oberkörper weit vorbiegend. Sic hatte ein Ende Garn in den Händen, an das unten ein Lappen gebunden war, und machte daraus fünf jungen Kätzchen ein lustiges Spielzeug, indem sie den Anhang auswarf und ruckweise wieder an sich zog. Tie zierlichen kleinen Tiere mit den Blitz äugen und Stumpfnäschen schössen hinterher, purzelten über einander, probten die Krallen oder lauerten vorsichtig in einiger Entfernung, bis sich das Ungetüm wieder in Bc- wegung fetzen würde. Das mußte sehr drollig anzusehen sein, denn Jlsze konnte nicht aushören, das Reckspicl zu wiederholen, und unterbrach öfters ihren leise summenden Gesang durch ein lautes Lachen. Es wirkte.ansteckend. Auch Kraupat, dem gar nicht lustig zu Mut war, mußte einfallen. Sie sah ans und erkannte ihn, ließ sich aber gar nicht in ihrem spaßigen Geschäft stören. Nun schritt er auf das Haus zu bis an die Ecke des Strauchzauns, über den der goldgelbe Sonnenglanz nickte Dort blieb er stehen, rückte ein wenig die Mütze und sagte i „Guten Tag, Jlsze— ich sah Dich von weitem und wollte doch fragen, wie es Dir geht." Sie blickte auf, indem sie den Kopf hob, und zeigte ihm eine Doppelreihe blendend weißer Zähne.„Das ist auch in der Ordnung," antwortete sie lachend,„daß man seinen Schatz begrüßen kommt— ha, ha, ha! Du weißt ja doch." Kraupat hörte das mit sehr gemischten Gefühlen. Er meinte aber, ans den Scherz eingehen zu müssen, und sagte nickend:„Na ja— ich weiß." Sie fuhr fort, den Kätzchen den Köder auszuwerfen und die frühere Melodie zu singen, für die sie aber die Worte wohl im Augenblick neu erfand: „Mein Schatz wohnt in einem großen Schloß, Es hat viel hundert blitzende Fensterlein, Uebemnander vier Reihn. Türen und Fenster sind gut verwahrt. Keiner kommt hinaus und hinein. Ach, was hilft Dir Dein schönes Schloß I Ach, was hilft Dir die Fensterschar—! Kannst nicht hinaus, liebes Schätzelcin, Wenn ich nicht spreche das Zauberwort, Wenn ich nicht spreche das Lösungswort, Alle Riegel fliegen ihm auf sogleich: Mein holder Schatz muß bei mir sein." Er verstand sie. Es wurde ihm heiß. Sic sah hübsch ans, die schlechte Person, in ihrem weißen Hemde mit den weiten Aermeln, blau gestickt ans den Achseln und ans den Qncrdern um die Hände. Die kurze dunkelblaue Weste war über der vollen Brust nur durch wenige Haken geschlossen. Das ganze Gesicht lachte vergnügt über ihre Sckmlkheit. Er wollte sich nicht daraus einlassen.„Hast Tu nichts Besseres zu tun, als mit den Katzen zu spielen?" fragte er wie geärgert. „Was soll ich sonst tun?" entgegnete sie.„Kann ich den Kartoffeln und Rüben wachsen helfen? Ich mag nicht ar- Veiten. Es ist langweilig und bringt doch nicht genug zum Leben ein. Den ganzen Tag spinnen oder weben— das ist nichts für mich. Warum soll ich mir den Rücken krumm werden lassen? In Dienst geben will ich auch nicht— erst recht nicht. In der Freiheit ist's besser. Mit den kleinen Katzen kann ich stundenlang spielen, und sie verlieren die Ge- diild auch nicht. Man kann sie immerfort znin Narren halten. Sieh nur!" „Wo kommen sie her?" „Es ist da vom Hirten her eine Katzenmntter im Hause geblieben. Du weißt ja, die Katzen hängen sich nicht an die Menschen. Man sagt, sie sind undankbar. Aber das ist dummes Zeug. Wofür sollen sie dankbar sein? Die Men- scheu halten sie doch nur, damit sie ihnen die Mäuse verjagen. Und wenn so eine arme Katzenmntter mehr Junge zur Welt bringt, als der Hansherr braucht, so ersäuft er sie nnbarm- herzig." „Du hast den gmizen Wurf leben lassen?" „Ja, das sechste ist von selbst gestorben. Ich kann keinem Tier ans Leben. Nicht eine Fliege mag ich totschlagen. Und die kleinen Kätzchen sind so niedlich. Sie schaffen mir die beste Kurzweil. Das ist genug Dank dafür, daß ich sie nicht in den Sack gesteckt und ins Wasser geworfen habe." „Ader wovon lebst Tu denn?" fragte er. Sie richtete sich auf, strich mit den Fingerspitzen, die sie auf der Zunge ein ivcnig feuchtete, die losen Haare des Scheitels zurecht und lachte ihn an.„Von Essen und Trinken. Ich leide keine Not. Deine Mitter gibt mir Brot und Speck, und aus dem Brunnen dort schöpf' ich meinen Wein. Deine Mutter hat nnr auch Branntwein gegeben, aber ich mag ihn nicht. Ich bin lustig genug auch ohne ihn. Aber wenn ich Besuch habe—" Sie senkte die Augen.„Tu sollst auch ein Gläschen bekommen, Müller, wenn Du eintreten willst." (Forts, folgt.) Pl�ßtasefi wSertm C. 33 fi&xandersimssc 4JZ Vir liefern direkt an Private als Spezialität: fferllcliiisliüiiis-EirlcMiisüen In jeder Ho!�- und Stilart» nur erstklassiger Ausführung zu konkurrenzlos billigen Preisen. 10 Jahre GaraH.e. Schlafzimmer: M. 183,219,270, 328, 428, 632 bis 3500. Beste Verarbeitung. Speisezimmer: M. 296, 333, 426, 505 bis 4000> Wohnzimmer: M. 242, 369, 429r 643 bis Herrenzimmer;!¥!. 209, 328, 487, 550 bis 3000 I Neuzeitl. KBchan: M. 51, 58, 75, 93 bis 450 Ständiges Lager von ca. 500 Einrichtungen. Enorme Auswahl bis zum Auserlesensten. IllustrierferKatalog mit Refereazenliste gratis. Frankolieferungdurch ganz Doutschlanddirekt ab Fabrikgebäude. Elnzelmäbel ohne Preiserhöhung! Jedes Wort 10 Pfennig. Das fettgedruckte Won 20 Plg.(zulässig Ziettgcdruckte Worte). 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