St, 95.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Frettag, Zl. Apnl. /luferstehung. Sie haben die Sonne in Wettern und Wolken begraben. Des tragen wir alle große Not... Die Schatten schlugen die Sonne tot. Stimmen klagen... Irre Träume vorüberjagen... In den Lüften geistert die Schlacht. Feuerfarben sind Tag und Nacht. Von verschüttetem Blut der Widerschein zieht den Äimmel mit brandender Lohe ein. Wälzt keiner den Stein von des Grabes Tür? Trittst du nicht, geweihter Cherub, Herfür, zersprengst die Niegel, zerspellst den Bann?... Wann, ach wann, fragt der Seelen erstickter Schrei, begrabene Sonne, begrabener Mai wirst du frei?... Wann? _ Karl BrSgcr. Der polnische?uöe. Bon Dr. Jakob F r o m r r. (Schluß.) Em solches Leben können sreilich nur die Willensstärken führen. Der geineine Mann tritt schon in seiner frühen Jugend ins Erwerbs leben, lernt ein Handwerk und unterzieht sich allen schweren Ar beite». Aus Mangel an Zeit und Kenntnissen setzt er sich über manche religiöse Borschristen hinweg. Dafür aber lebt er stets in einer gedrückten Stimmung, fühlt sich als minderwertig, als deklassiert. Er blickt mit Ehrfurcht auf die»Lerner' und unterstützt sie nach Kräften. Sein höchster Ehrgeiz ist. seine Söhne dem Talmudstudium zu weihen, oder sich einen Lerncr zum Schwieger- söhn einzusetzen. Eine noch niedrigere Stufe als der gemeine Mann nimmt die Frau ein. Wie der Mond von der Sonne empfängt sie alles Licht voir dem Manne. Durch ihn allein kann sie sich Ruhm in der Ge- meinde und eine Belohnung im Jenseits erwerben, indem sie ihm durch fleißige Arbeit die Möglichkeit bietet, sorgenfrei zu lernen. Sollst zählt sie nicht mit..Frauen und Sklaven und Kinder sind von der Ausübung der religiösen Pflichten befreit." Wenn sie dennoch betet, sagt sie:.Gelobt feist du. o Herr, daß du mich nach deineni Willen geschaffen hast." Der Mann aber sagt an dieler Gebetsstelle:.Gelobt feist du, o Herr, daß du mich nicht als Frau geschaffen hast." Man kann sich leicht denken, wie der Gettojude sich bei einer solchen Lebensführung zur Natur verhält. Er sieht sie nicht, oder richtiger, er darf sie nicht sehen..Wer auf dem Wege geht und sein Lernen umerbricht und sagt: wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieser Acker, hat sein Leben verwirkt." Er ist überhaupt mit dem Worte.schön" äußerst sparsam. Er begreift, daß die Frau oder das gesprochene und geschriebene Wort schön sein müssen, weil sie sonst ihren Zweck, zu reizen, zu wirken, verfehlen würden. ES fällt ihm ober nie ein. einen Mann, ein Tier oder eine Sache schön zu nennen. Dabei beruft er sich auf die Bibel, die in der Tat die Bezeichnung schön nur selten anders als auf die Frau anwendet. Als Gott mit Befriedigung die erschaffene Welt betrachtete, sagte er nicht, sie sei schön, sondern:.daß sie gut ist". Dem polnischen Juden ist die Sache alles und die Form nichts. Er ist kein Freund der.schönen Verpackung", der pompösen Aufmachung, der Parade, der Zurschaustellung, deS GelueS. Er gibt sich, wie er ist, verdeckt nichts, verheimlicht nichts. Man muß einen Leichen- zug im polnischen Getto gesehen haben, um zu begreifen, was daS heißt. Auf offener Bahre, nur notdürftig init einem Tuche zugedeckt, wird die Leiche durch die belebtesten Straßen zum Friedhof ge- tragen. In zerrisiencn Kleidern, womöglich noch ungepflegter als gewöhnlich, laufen die Leidtragenden hinterher, aus Leibeskräften jammernd. Oder man muß sie in ihrer Freude sehen, wie sie etwa an dem.Festtage der Tbora" gruppenweise tanzend und singend auf den Straßen umherziehen. Jeder Abstand zwischen dem Sein und dem Schein erregt seinen Spott. Daher sein ätzender Witz gegen alles Hohle. Seine Aufrichtigkeit artet in Zudringlichkeit aus. Er kennt keine Distanz zwischen sich und seinem Nächsten. Ungeniert dringt er in die Geheimnisse des anderen ein, stellt ihn zur Rede, schimpft und bestraft ihn, wenn er ihn vom rechten Wege abweichen sieht. Dafür aber kennt seine Opferwilligkeit keine Grenze. Er unterstützt die Bettler, die in ganzen Scharen herumgehen, aus vollen Händen, ladet die mittellosen Durchreisende» zu Tisch, speist die bedürftigen Talmud- jünger, stattet die armen Bräute aus, spürt die verschämten Hilf«- bedürftigen auf, pflegt die Kranken und tröstet die Leidenden. Un- crschöpflich ist seine Hilfsbereitschaft. Man kennt die Fabel von dem Winde und der Sonne, die um des Wanderers Mantel stritten Jahrhunderte lang hatten die Völker durch Ausrottung und Vertreibung sich ihrer Juden zu entledigen ge- sucht. Als alles nichts half, griffen sie zur Einsperrung und Enttcch- tung. Dadurch aber wurde das Judentum nur noch mehr in sich gefestigt. Endlich schritt man zur Milde, und die Zersetzung und Auflösung trat ein. Am spätesten hat sich die ruffische Rc- gierung zu diesem Mittel entschlossen. Durch Gründung von öffent- lichen Rabbinerschulen, durch Begünstigungen, die er den Gebildeten gewährte, suchte Alexander II. die Juden aus dem Getto heraus- zulocken. Der Erfolg trat überraschend schnell ein. Es entstand ein Thpus, der seit der hellenistischen und der arabischen Periode im Judentum unbekannt war: der Ketzer. Der Maskil(Rationalist), wie er sich selbst nannte, betete die Zivilisation als eine holde Prin- zeffin, eine Himmelstochter an. Ihren Wohnsitz sah er in Deutsch- land. Wie Moses auf dem Berge Nebo blickte er sehnsüchtig nach diesem Lande, wo die Bildung in breiten Strömen floß, wo der .heilige" Schiller und der.göttliche" Goethe gedacht und gedichtet haben. Dort sich niederzulassen und zu studieren, Doktor zu werden. war der kühnste Traüm seines Lebens. Aber nur den wenigsten war die Erfüllung beschieden. Viele suchten die russischen Rabbiner- seminare auf oder eigneten sich auf eigene Faust einige Sprach- kenntnisie an. Dann machten sie sich an das große Werk: an die Aufklärung ihrer in der.Finsternis schmachtenden" Brüder. Sie stimmten jenes Sturm- und Dranglied an, das mit dem etwas llnrvthmischen, dafür aber durch das schwungvolle Pathos und die sentimentale Melodie die Geniüter mächtig ergreifenden Refrain begann:«Steh auf. mein Bolh erwach von deinem Drimmel iSchlummer)'. Es folgte nun der Hinweis, daß die Sonne bereits hoch am Himmel stünde, die Völker schon längst aufgestanden wären und festlich geschmückt draußen auf den Langschläfer im Getto warteten, um mit ihm zusammen das FrühlingSfcst der Zivilisation zu feiern. Also:»Steh auf, mein Volk, erwach' von deinem Drimmel 1" So pochten sie unablässig an die Tore des Getto, überschwemmten es mit einer Flut von Aufklärungsschriften in hebräischer und jüdisch-deuischer Sprache. Immer größer wurde die tahl der Lerner, die noch immer ganze Nächte lang über ihren olmudfolianten gebeugt saßen, dabei aber ouS den darunter versteckt liegenden ketzerischen Büchern lasen; Schriften, die gegen die Grundlagen der jüdischen Religion Sturm liefen, oder Romane. in denen die Leiden und Freuden des GeltojiinglingS geschildert wurden, der nach Deutschland ging, es bis zum Doktor gebracht und am Ende eine varonesie geheiratet hatte; oder deutsche Sprachlebren oder Dramen wie.Hamlet",.Faust".»Don Carlos", in hebräischer und jüdisch-deutscher llebersctzung und manchmal auch in deutscher Sprache. Aber diese Bewegung hätte am Ende doch nicht viel zu wirken vermocht, wenn nicht«twaS andere» hinzugekonimen wäre: der Kapitalismus, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Rußland seinen Einzug hielt. Er streckte seine Fangarme nach allen Schichten de» Getto au». Die Kleinbürger, die Kaufleute, die Hausierer, die Handwerker, die Lerner, die Müßiggänger— alle wurden von ihm ergriffen und in die Fabriken, die Kontore, die Warenhäuser und wie sonst die weitverzweigten industriellen und kommerziellen Betriebe heißen, hineingepreßt. Er bot den au» der Beengtheit des Getto sich hinauZsehnenden Jugend die Möglichkeit, sich wirtschaftlich von ihren Eltern und der Gemeinde unabhängig zu machen. Er führte jüdische Fabrikanten und Kaufleute auS den westeuropäischen Ländern, besonder« aus Deutschland, herbei, die sich mit den freisinnigen Glaubensgenossen de« Getto zu einer Gemeinde innerhalb der Ge- meinde verbanden. Bald tauchten in den größeren Städten Russisch- Polens Reformsynagogen, Refonnrabbiner und moderne Bildung»- anstalten auf. Immer stärker griff das fortschrittliche Element um sich. Der Traum der MaSkilim, die Auflösung des Getto, schien bald in Erfüllung zu gehen. Inmitten dieser Erwartungen traf sie die Ermordung Alexanders II. wie ein Blitz auS heiterem Himmel. Immer düsterer wurde der Horizont. Pogrome und feindliche Regierungsmaßnabmen lösten ein- ander ab. FasiungSloS standen die Aufgeklärten dieser Katastrophe gegenüber. War also ihre Göttin, die Zivilisation, nur ein trüge« risches Bild gewesen? Angesichts der rauhen Wirklichkeit dursten sie nicht länger daran zweifeln. Vergebens hatten sie ihrem WirtSvolke die Hand zum Frieden entgegengestreckt. Vergeblich waren alle Bildungsbestrebungen gewesen. Der Pogromisr. die feindlichen Regierungsmaßnahmen machten keinen Unterschied zwischen einem orthodoxen und einem ausgeklärten Juden. Also zurück ins Getto! Zurück zum alten Glauben I Zurück zu den Sitten und Erinnerungen der Väter! Auf nach Zion! Aber es erging unseren Aufgeklärten umgekehrt wie jenem Gettojuden, der sich zur modernen Kultur bekehrt hatte. Als es ihm schlecht ging, wollte er das tun, waS ein moderner Mensch in diesem Falle zu tun pflegt, sich ertränke». Im Begriffe, ins Wasser zu springen, versagten ihm die Beine. So stand er eine Weile über das Wasser gebeugt: in den Beinen das Getto, im Kopse die moderne Kultur. Unserem MaSIflim versagte bei dem Versuche, ins Getto zurückzukehren, der Kopf. Sie waren schon zu sehr von Zweifeln und modernen Anschauungen durchsrcsscn, um reinen Gewissens zu dem alten Glauben sich zu bekennen. Manche wurden durch diese innere Zerrissenheit in das Lager der Terroristen getrieben. Die Besonneneren suchten in der Lösung der sozialen Frage oder in einer restlosen Assimilation einen Ersatz. Kleines Zeuilleton. Deutsche Solöatengräber in vergangener Zeit. Künstlerisch wertvolle deutsche Kriegergräber lassen sich von der Mitte des 18. Jahrhunderts an betrachten. In jener Zeit herrschte, wie Dr. F. Kutter im neuesten Heft der»Knnstchronil" auSsührl, als Grabfigur die bekannte lebensgroße Gestalt des vor einem Kruzifix mit betend emporgehobenen Händen knieenden Ritters vor. Oft wurde diese Figur von halbkreisförmig augeordneten Säulen im künstlerischen Stil getragen, in deren ausgesetztem Bogen die von zwei Engeln gehaltene Jnschrffltafel sich befindet. Ein berühmics Grabmal dieser Art ist daS Grab Georg von LiebensteinS in der Stiftskirche zu Aschaffcnburg. Zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges zeigen die Gestalten aus den Gräbern eine freiere Haltung, die Linke umfaßt meist den Degen, die Rechte den malerischen Feder- Hut. Alle diese Figuren stelllen die Gestalt des Begrabenen dar. In den letzten 89 Jahren des 18. Jahrhunderts huldigte man einem wenig nachahmenswerten KlassizisinuS. Um diese Zeit wurde das Begraben in den Kirchen verböte», und da auch in den Kirch- Häsen das Ausstellen figuraler Arbeiten der früher geschilderten Art nicht gestattet war, sand sich die menschliche Gestalt als Denkmal nur noch auf öffentlichen Plätzen, während man sich aus den Friedhöfen mit Symbolen, wie Vasen, Obelisken, und Säulen, begnügen mußte. Auch heute wird bei Grabanlagen die figurale Darstellung der Toten vernachlässigt und durch An- Häufung sonstiger Ausschmückungen verdrängt. Es ist fraglich, ob diese Mißachtung plastischer Darstellungen am Platze ist. Schon Goethe sagte:»DaS beste Monument deS Menschen ist der Mensch." Umsonrehr erscheint rS geboten, die alten deutschen siguralen Grab- mäler in den Kreis vergleichender Betrachtungen zu ziehen. Ein solches Stadium ist auch der beste Weg, um einer Wiederkehr der Kunstirrungen in der Gräbergestaltung der siebziger und achtziger Jahre deS 19. Jahrhunderts auszuweichen. Rotize». — Das BIÜthner-Orchester beginnt die Reihe feiner diesjährigen VolkS-Sinfoniekonzerte am 28. April, abends 81/, Uhr, im Moabiter Stadttheater, Alt-Moabit 17/18. Solistin des Abends ist die bekannte Violinvirtuosin Karola Zellenka. Dir> gent: Wallingford Riegger. Eintritt bll und 39 Pf. — lieber die neue deutsche Sommerzeit wird Herr Professor Dr. Donath am Mittwoch, Donnerstag und Frei- tag abends 8 Uhr im Hörsaal der Urania einen durch Versuche und Lichtbilder unterstützten Bortrag halten. — Die Stimme von der Front. Ein einfaches Mittel, sich daheim die an der Front stehenden Väter. Brüder und Söhne zu vergegenwärtigen, und zugleich eine neue Möglichkeit, den etwas kriegsschwachen Geschäftsgang aufzupulvern, wurde von den fran- zösischen Grammophonfabriken ersonnen. Die neueste Mode in Frantreich besteht nämlich, wie die.France de Bordeaux" mitteilt, darin, daß die Urlauber, bevor sie wieder ins Feld zurückkehrcii, in den Aufnahmetrichter eines Grammophons hineinsprechen, um so ihren Familien den Klang ihrer Stimme zurückzulassen. Während der Soldat sich früher mit dem alltäglich gewordenen Wunder der Photographie begnügte, läßt er heute daheim seine Stimme er- tönen, während er selbst zahllose Kilometer entfernt, im Schützen- graben liegt. ISj Enörik Kraupatis. Eine litauische Geschichte von Ernst Wichert. In diesem Augenblick stieß Erdme Kraupat einen gellenden Schrei aus. Sic hatte nur auf ihren Sohn gesehm und er- wartete, daß er seiner Frau ins Gesicht sagen werde, sie habe geträunlt. Aber ihre Worte bewältigten ihn so vollkommen, daß er keinen Laut vorbrachte, sondern nur mit entsetzten Augen zu ihr hinstarrte, kreidebleich wurde und ani ganzen Leibe zu zittern anfing. Es schien, als vb er die Hand aufheben wollte, aber den Arm wieder sinken lassen müßte. Er schob schwerfällig den Fuß vor, um sich besser zu stützen, sein Oberkörper kam ins Schwanken— und jetzt knickten seine Knie ein, er fiel hinten über und lag ohnmächtig auf der Diele, die Arme, mit denen er im Fall ausgreifcn wollte, weit fortgestrcckt. Die alte Frau brach neben ihm zusammen. Sie hob seinen Kopf auf ihren Arm und schrie ihm ins Ohr:„Es ist nicht wahr— es kann nicht wahr sein— um GotteS Barmherzigkeit willen, es kann nicht wahr sein." Diese Reden setzte sie fort, als er wieder zu sich kam.„Sage ihr, daß es nicht wahr ist— daß sie geträumt hat. Wenn Du schuldig bist, Endrik, bin ich per- damnit. Sage ihr—" Er deckte die Hand über die Augen und schwieg. „Es ist wahr," schrie sie auf.„Gottes Barmherzigkeit, es ist wahr!" Jammernd und die Hände ringend, verließ sie das Zimmer. Es herrschte nun in demselben einige Minuten lang tiefes Schweigen. Dann sagte Frau Berta:„Du weißt jetzt alles, Heinrich. Wie kann ich noch zu Dir? Aber uin Deiner Kinder willen, geh in Dich! Sorge dafür, daß der alte Ensikat, der Deinem Vater und Großvater treu gedient hat, sogleich los- kommt— nimm das Sündengeld von der Versicherungsgesell- schast nicht an, hilf Dir durch Arbeit und Sparsamkeit wieder auf— das Geld hat Dich zu der schlechten Tat verlockt: weil Du beim Verkauf der alten Mühle zum Abbruch soviel nicht herausbekommen konntest, hast Du sie angesteckt— jetzt gehört Dir noch der Platz und das Land: damit kannst Tu Dir auf- helfen— ich bitte Dich, nimm das Sündengeld nicht, eS bringt Dich vollends ins Verderben—" „Zu spät— zu spät," ächzte er,„ich bin so weit ynd Miß weiter— von der JlSze, die für mich einen Meineid geleistet, komm' ich nicht mehr los." Mit schweren Schritten schleppte er sich zur Tür hinaus. Er verließ das Haus mit dem furchtbar drückenden Gefühl, jetzt für immer ausgeschlossen zu sein. Auch seine Mutter liatte er verloren und mehr noch: er hatte ihr Gewissen unheilbar be lastet, den Rest ihrer Lebensfreude getötet. Von diesem Tage ab war Kraupat selten noch ganz nüchtern. Er behielt das Zimmer im Kruge bei, war aber selten dort anzutreffen. Meist trieb er sich auf der Landstraße zwischen Kraupatischken und der Stadt reitend oder fahrend umher. Die Nächte brachte er im Hirtenhause zu. Er hatte versucht, sich von Jlsze loszureißen: es war ihm nicht gelungen. „Was denkst Du?" hatte sie ihm gesagt.„Ich habe beschworen, daß Du mein Schatz bist, und das muß Wahrheit sein. Damals war mein Eid falsch, und Gott wird mich schwer bestrafen, weil ich ihn zum Zeugen angerufen habe— dem entgeh' ich nicht. Aber dafür will ich hier auf Erden meinen Entgelt haben. Viel werde ich für Dich leiden müssen, Endrik, aber dafür sollst Du mir jetzt Gutes tun. Glaube auch nicht, daß ich für einen anderen so willig falsch geschworen hätte. Ich hatte lange ein Auge auf Dich. So gut zu Pferde faß keiner als Du, und so stramm hielt sich keiner beim Gehen, auch der Gendarm nicht, und so stolz blickte keiner um sich.„Der wär' ein Mann für dich," dacht' ich oft,„für den könntest du Wohl eine Sünde auf dich nehmen." Und das Hab' ich denn auch leichten Herzens getan. Aber Sünde bleibt doch Sünde, und wer sie begangen hat, gebt nicht frei aus. Mag sein! Nur ihre Frucht will ich mir nicht vom Munde wegnehmen lassen. Und sie soll süß sein — Bitterkeit kommt genug hintennach." „Sünde bleibt Sünde," hatte er nachgesprochen,„aber wer nicht dumm ist, bringt die Frucht ein. Um nichts und wieder nichts verdammt sein— das ist Albernheit." Er dachte dabei an die Versicherungsgelder und betrieb nun um so eifriger deren Einziehung. Er nahm den buckligen Schreiber auf seinein Wagen mit nach der Stadt, da wegen der Hypothek Schwierigkeiten gemacht wurden. Endlich einigte man sich dahin, daß der Betrag derselben vorläufig zurückbehalten und zu hinterlegen wäre. Die freie Restsumnie wurde an Kraupat ausgezahlt. An diesem Tage trank er mit seinem treuen Helfer Champagner.„Das ist nur der Anfang. Brüder- chcn," renommierte Szamaitat.„So viel kommt Dir von Rechts wegen für die Mühle zu. Aber Dein Arbcitsverlust— die Verschlechterung der Geschäftsstelle durch Abgang vieler Kunden— und was Du im Zuchthause ausgchalten hast! Das muß alles ersetzt werden, vom Staat ersetzt werden. Ich will der Regierung da schon ein Licht aufstecken! Wir gehen durch alle Instanzen. Wir wenden uns, wenn das nichts hilft, an das Abgeordnetenhaus und an das Herrenhaus. Was? Soll ein Staatsbürger der Gesetze wegen unschuldig leiden? Wir machen die Geheimen Räte, die oben am Staatssäckel sitzen, mürbe, bis sie tief hineingreifen. Laß mich nur schreiben!" Der Müller goß sein Glas herunter und antwortete nicht?. Aber er legte ihm einen Hundertmarkschein hin und nickte ihm zu. „Schön Dank, Brüderchen," sagte Szamaitat.„Wir rechnen zuletzt ordentlich ab." Kraupat überließ an der Stelle, ivo die Trift auf die Land- straße mündete, dem Schreiber das Fuhrwerk und ging nach dem Hirtenhause. Sein Schritt war schwankend, aber er hielt sich auf den Beinen. Trotz der Dunkelheit fand er ohne Mühe den Weg. Aus dem kleinen Fenster auf der abgewandtcn Giebel- feite leuchtete ihm, als er um die Ecke gebogen war, ein matter Lichtschein entgegen. Er trat heran, lehnte die Stirn an die Scheibe und sah hinein. Auf einem niedrigen Schemel saß Jlsze vor dein Kasten, der sonst als Bank diente. In einein Flaschenhalse steckte ein Stümpfchen Licht. Sie hatte alte schmutzige Karten in der Hand und legte damit eine Figur. Die Tür war unverschlossen. Er trat polternd ein und schreckte sie auf.„Was tust Du da?" fragte er. „Ich lege mir nur die Karten," antwortete sie. „Verstehst Du das?" „Jawohl." „Liegen die Karten gut?" „Sehr gut. Wir sind schon dicht beieinander." „Es ist dummes Zeug." „Wer weiß?" Sie hob eine Karte ab und legte sie in eine Lücke der Figur.„Das ist das Geld. Es kommt ganz in Deine Nähe." Er grinste.„Das Geld—! Aha! DaS kann stimmen. Das Geld Hab' ich gerade heut ausgezahlt erhalten." «Siehst Du! Zeige doch einmal." „Was ist daran zu sehen? Papier! Ein Schein wie der andere." (Forts, folgt.) Dentaehea Theater. Direktion: Max Bernhardt. Geschlossen. Sonnabend Tj, Uhr: Fanat I. Kammeraplele. Geschlossen. Sonnabend 8 Uhr; Der Weibeteufel. Tolkabühne. Theater a.Bfllowpl. Mittags 12 u. abends 8 Uhr; Konzert, Sonnabend 8 Uhr: Das Mirakel. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.Königgrätzerstraße Heute geschlossen! Morg. V'/j U.: Ein Tranmsplel. Komödienhaus Heute geschlossen! Morgen 8 Uhr: Kameraden. Berliner Theat. Heute geschlossen! Morgen 8 Uhr: Bausch. -Theater. Heute: beschlossen! Sonnabend, z. 1. M.: Die Troerinnen. Sonntag: Die Troerinnen. Msehjünstler-Theater. Heute: Geschlossen! Sonnabend: Fgmont. (Albert Bassermann.) Reiehshallen-Theater. Stettiner Sänger. An allen 3 Feiertagen; „Die von der Emden." Ans. 1. u. 2.Feiert. ?'/. Uhr. S. Feiert. 8 Uhr. XarkreZtax, den 21. Deutsches Opernhaus Charlottbg. s uhr: Karfreitagskonzert F riedrich-W i Ihclmstädt, Theater. Heute geschlossen. Morgen 3 Uhr: Das DreimBderlhaus. cbr. Herrnfeld.Tbsster Heute geschlossen. Morg.: Hausierer Jockele. Die I. Ehre. Kleines Theater. Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: Henriette Jaoobj. Komische Oper. Heute geschlossen. Morg. 8 Uhr: Geld gab Ich für Elsen. Lustspielhaus. Heute geschlossen. Morgen S'/. Uhr: Die Haubenlerche. Metropol-Theater April. Ä Dis Kaiserin Äo, An beid. Beiert. 3 Uhr: Wiener Blut. Bontls Operetten-Theater Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: Hoheit Mario. Residenz-Theater Heute geschlossen. Morgen 8'/, Uhr: Die Ehre. Schiller-Theater O. Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr; Romeo und Julia. Schiller-Th.Cliarlottenbe. Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: Oer Dornenweg. Thalia Th eater. Heute geschlossen. Morgen 8 Uhr: Mein Leopold. Theater am Kollondorfpl. Heute geschlossen. Morg. S1;, Uhr nachm.; Faust(1. T.) S'/i Uhr abends: Der Troubadour. Theater des tVestens s uhr: Oratorium Je Sehöplunf. Morgen 8 Uhr: Der Hüttenbesltzer. Trlanon-Theatcr. Heute geschlossen. Morgen 8l/4Uhr: Glück Im Winkel. URANIA TBÄ.tr' Freitag: Geschlossen. Sonnabend; 4 Uhr(halbe Preise): Aegypten, der Snezkanal und der Weltkrieg. 8 Uhr: Ton den Rokltnosümpten zum Aaroezsee. Luisen»Theater W Sonnabend täglich: Sonntag und Montag 3 Uhr: Uoils Klinger. Stimmung und Erleben aus märkischem Land. Karfreitag, den 21. April, im Gewerkschaftshans, Engelufer 15: Srster großer Mtbilder-jW über: „Aus meinem Fahrtenbuch" Lichtbild er-V ortrag mit 120 farbenprächtigen Bildern nach eigenen Aufnahmen des Vortragenden Georg Krämer. Anfang 7 Ehr. Einlaßkarten sind zu haben bei: B.& E. Torpahl, W Augsburger Str. 48, Borsch. Engelufer 15, Heyse, Bovenstr. 19, Krämer, Brunnenstr 185 sowie am Büfett des Gewerkschaftshauses. t „Männer- und Frauenchor Ost" Mitglied des 0. A.-S.-B. Chormeister E. Thilo. Montag, den 24. April: Oster- Konzert im großen Saale des aewerksebaftsbauses, Engelufer 15. Mitwirkende; Herr kgl. Kammermusiker P. Treff(Cello). Am Flügel: Herr Komponist K. Kämpf. Berliner Konzerthaus-Qnartett. Einlaß 5'/, Uhr. Anfang pünktlich C'/i Uhr. Eintrittskarte 50 Pf. bei den Mitgliedern. Nach dem Konzert; Geselliges Beisammensein. Allmpfer-Eltrafahrtell se?"« Gkertagen zur Baumblüte nach Werder ?!bs. Reichstagsuser an der Marschallbrücke, nahe Reichtagsgeb.!> Uhr. „ Lkharlottenburg, Tegeler Weg, nahe Bhs. Jungernheide 9'/, Uhr. Reederei Kieck, Berlin, Falckenstcinftr. 48. Tel Moritzpl. 8197. Sanmliliittiiiilltrttt/ijtiifl Nach langer Wintcrzeit ist wieder die Baumblüte in Werder neu- erstanden. Sie steht in vollem Flor und bietet allen Naturfreunden in dieser ernsten Zeit besonders Stunden der Erbauung. Zum Besuch ladet ein Der Magistrat der Stadt Werder a./K. . Auswärtige Brotmarken haben Gültigkeit. 1 Wichtig für Herren! 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Stlftnngsfestes unter Mitwirkung des Berliner Künstlerinnen-Trios Anfang 6'!, Uhr. Eintrittskarten a 50 Pfennige sind nur vorher bei allen Vereinsmitgliedern zu haben. 58/6 □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □□□□□□□□□□□□□ □□□□□□□□□□□□□□ J|i Berliner Konzerthaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. An allen 3 Feiertagen: Großes Konzert. Berliner Konzerthaus-Orchester �»nz�.�iTn.1 Anfang 4 Ehr. Walhalla-Theater. 8 Uhr: Die Schöpfung. Ostersonnt. nchm.: Die Förster-Christi. Ostermontag nachm.: Grlgri. RosesTheater. Öettic: Geschlossen. 8 Uhr: Die �örfter-Cbriftl. «onnt. 3 Uhr: Wohltäter d. Menschheit sonniag 8 Uhr: Von Stufe zu Stufe. Heute geschlossen! V oigt-Tbeater. Badstr. 58. Badstr. 58. 1. Osterseiertag 8 Uhr abends: Goldene Jugend. 2. Osterseiertag S Uhr abendS: Das Lorle. An Seid. Feiert. Nachmiitagsvorstellg. Rossen-Tkeater Linienstraße a. d. Friedrichstraße. Heute: Geschlossen. Morgen Sonnabend, d. 22. April: 8 Ii Heinrieh Heine Oll |4 Der Dorfmnslkant D{4 An allen Feiertagen: Ta so was! 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