Nr. 101.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Sonntag. 30. April. Astronomie und„Sommerzeit'. Auf den ewigen, unabänderlichen Gesetzen unterliegenden Laus der Gestirne hat die am 1. Mai zur Einführung kommende.Sommer- zeit" selbstverständlich nicht den geringsten Einfluh. Die Sonne, dieser gewaltige Zeiger unserer Weltenuhr, die von der Erde in ihrem Umlauf um das Zentralgcstirn und in ihrer Notation um die eigene Achse gebildet wird, geht allen BundeSratsbeschlüssen zum Trotz auch künflig jeweils zur gleichen Stunde auf und unter, wie früher an den entsprechenden Tagen des Jahres. Häite sich die Kulturmenscbheit, soweit sie an die städtische Lebensweise gebunden ist. in dieser nicht gar zu sehr von den un» verrückbaren Merkzeichen des Kosmos entfernt, so hätte es zur Ersparnis künstlicher Beleuchtungsmitlel gar nicht erst dieser durchaus unwissenschaftlichen Methode bedurft. Aber es ist praktisch unmöglich, zu verordnen, daß die Slädter samt und sonders im Sommer statt um 7, schon um ö Uhr früh aus- zustehen und eine Stunde früher zur Ruhe zu gehen haben. Kein Mensch würde sich danach richten; die allermeisten tonnten sich auch gar nicht danach richten, weil daS ganze wirtschaftliche und soziale Leben nach den bisherigen Gepslogcnheiten der Tages- und Nacht« einteilung eingerichtet ist. So blieb nichts anderes übrig, als diese LebenSeintciluna scheymlisch unangciastet zu lassen und statt dessen mit Hilfe einer Selbsttäuschung der gebräuchlichen Zeiteinteilung ein wenig Gewalt anzuiun. So kommt es, dag wir. um wieder ein wenig mehr als bisher zur Natur zurückzukehren, in Wirklichkeit uns von der Natur ab- kehren. Gern lassen wir uns deshalb einreden, es sei 12 Uhr mittags, während es in Wirklichkeit erst 11 Uhr vormittags ist. Dabei stört es uns nicht, dag die grofce, leuchtende Himmeltuhr mit den Uhren in unserer Tasche gar nicht mehr übereinstimmt; in Wirklichkeit tut sie das ja auch jetzt schon nicht mehr, da die Unter schiede zwischen wahrer Ortszeil und der allgemein gebräuchlichen mitteleuropäischen Zeit in den östlichen und westlichen Grenzgebieten der mitteleuropäischen Zeilzone ohnehin bereits recht bedeutend sind und in Gumbinncn beispielsweise 29, in Aachen sogar 36 Minuten bctra»en. Tie Vorstellung der Uhren am 1. Mai um eine Stunde be deutet nun, das; wir statt nach mitteleuropäischer, der Zeit des 12. Meridians östlich von Grceiiwich. nach osteuropäischer Zeit unseren Tag einteilen werden, die die Ortszeit von 86 Grad östlicher Länge von Greentvich ist. Das ist der Meridian von Petersburg; wenn also in der russischen Hauvtstadt die Sonne im Meridian steht, so werden auch in ganz Deutschland und Ocsterreich-Ungarn unsere Uhren 12 Uhr niitlags zeigen. Das macht an der Westgrenze des Reiches eine Abweichung der bürgerlichen von der wahren Zeit um nicht weniger als eine Stunde und 86 Minuten; in Aachen beispielsweise ist es nach der Ortszeit erst 16 Uhr 24 Minuten vormittags, wenn es auf der Mllnsterglocke Zwölf schlägt. Und ihren höchsten Stand im Süden erreicht die Sonne in der alten Kaiserstadt an der belgischen Grenze erst um 1 Uhr 3sZ Minuten nachmittags. So grosze Unterschiede müssen natürlich auf das bürgerliche Leben einen nicht unerheblichen Ein- slusz ausüben; man denke nur daran, wie lange abends iin äußersten Westen Deutschlands die Sonne scheint und die Helligkeit dauert I Aber auch in den mittleren und östlichen Landesteilen wird uns der Unterschied zwischen Sommerzeit und Ortszeit offenbar, sobald wir den Blick von der Taschenuhr und der Turmuhr abwenden rmd ihn auf den großen leuchtenden Zeiger am Himmel richten. Mit anderen Worten: wollen wir die Zeiten des Sonnenauf- und Untergangs während des diesjährigen Sommers nut der gesetzlich eingeführten Zeiteinteilung in Ucbcreinstimmung bringen, so müssen wir diese Auf- und Untergangszeilen in die Sommerzeit umrechnen. Danach geht die Sonne am 1. Mai um B Uhr 38 Minuten früh auf. um 8 Uhr 27 Minuten abends unter. Die entsprechenden Zeiten für den 15. Mai sind B Uhr 13 Minuten früh, 8 Uhr 52 Minuten abends. Am Monatsschluß erscheint der Sonnenball über dem nordöstlichen Horizont um 4 Uhr 55 Mmntcn vormittags, wogegen er um 9 Uhr 14 Minuten abends im Nord« Westen verschwindet. Einsprechend der Zunahme der nördlichen Ab- weichung des Tagcsgestirns steigt auch seine MittagSböbe, berechnet für die geographische Breite von Berlin, von 52'/, -"-i BD'/a Grad. In der dritten Maiwoche beginnt auch die Zeil'der sogenannten nächtlichen Dämmerung, während der am Nordhorizonl ein Heller Streifen den scheinbaren Lauf der Sonne unterhalb des Gesichtskreises bis zum Wicdcranbnich des Tages erkennen läßt, ein Streifen, der bis zum Sommers.Istitium an Breite immer mehr zunimmt und in Norddeutschland dann bis zum Zenit reicht. Bedingt wird die nächtliche Dämmerung dadurch, daß der Sonnenball nachts nicht so tief unter den Horizont sinkt, um den Nordhimmel völlig finster werden zu lassen, und je weiter wir nach Norden gehen, um so heller wird die Dämmerung, bis wir am Polarkreise am 21. Juni das Tagesgcstirn überhaupt nicht mehr umcrgehen sehen. kleines Feuilleton. Volks-Sin fonie-Konzerte. Wie seit mehreren Jahren hat das BIüthner-Orchcster nach einem in musikliinstlerischer Beziehung ertragreichen Winter nun wieder seine Bolks-Sinsonie-Konzerte begonnen. Dies Unternehmen verdient aus verschiedenen Gründen die nachhaltige Unter- slützung aller Bolkskreise Groß-BerlinS. Ohne Beihilfe der Stadt- Verwaltung, ist es lediglich auf sich selbst angewiesen. Hierzu treten die mannigsachen Hemmnisse und Erschwerungen, die der Krieg herauf- beschworen. Man sollte es nicht für möglich halten, aber es ist doch leider so:— Militärkapellen graben den Zivilorchestern vielfach das Wasser ab. Diese Konkurrenz macht sich natürlich auch dem Blüthner-Orchester gegenüber fühlbar genug. Es braucht wirk- lich nicht erst gesagt zu werden, auf welcher Seite wahrhafte Musik- pflege getrieben wird. Daraus folgt, daß die Konzerte des Blüthner- Orchesters bei ollen Kunstverständigen den Vorzug haben sollten. Dies uni so mehr, als man für ein sehr geringes Entgelt hohe musikalische Genüsse eintauschen kann. Die diesjährigen Sommerkonzertc werden vorläufig wöchentlich einmal im Saale des Moabiter Siadttheaters stattfinden. Hoffentlich gelingt es noch in anderen Stadtvierteln, einige größere Räume zu bekommen. DaS Blüthner-Orchester präsentierte sich. erheblich verstärkt, im ersten Konzert am Freitag mit Leistungen, die danach angetan zu sein scheinen, diese Veranstaltungen volkstümlich zu machen. Nicht durch.bunte", sondern durch ausschließlich stil- volle Programme wird jene angestrebte Popularität erreicht werden. Die Vortragsfolge des ersten Abends wies sinfonische Werke von Mozart, Wagner, Schumann, Liszt, Verdi und Sarasate auf. In Wallingford R i e g g e r hat das Orchester einen hier noch neuen Dirigenten von anscheinend starker musikalischer Intelligenz. Als Solistin trat die jugendliche Geigerin Carola Z e l l e n k a hervor. Seit dem ersten Kriegssommer, wo ich sie zum allerersten Male hörte, hat ihr Spiel an innerlicher Kraft und technischer Reife ge- Wonnen. Mit inniger Beseelung gab sie Schumanns Träumerei. mit Rassigkeit Sarasates schwierige Zigeunerweisen. ek. Stimmen über Sie öeutjche Sommerzeit. Der Tagedieb. Wozu will man voll Lug und Trug, Wie spät es sei, verhehlen I Mir wird es so schon schwer genug, Dem lieben Gott den Tag zu stehlen. Der Vielbeschäftigte. Was von der Neuerung ich halte i Mein Urteil Hab' ich bereit: Ob neue oder alte, Ich habe doch nie Zeit! Der Langschläfer. Stellt ihr die Uhr auch immer vor, Mich stimmt das doch nur heiter. Ich leg' mich auf das andre Ohr, Und schlafe zeitlos weiter. Der Kilowatt st unden-Zähler. Wenn auch wie sonst die Stunden rinnen, Die Wahrheit läßt sich nicht verhehlen: Der Tag kann eine Stunde nur gewinnen, Indes wir viele Stunden wen'ger zählen. Der Hahn. Ihr glaubt, daß ihr der Zeit gebeut! Mit Nichten Seid, eitle Menschen, wirklich ihr so weit! Wohl mögt ihr selbst euch nach ihr richten, Doch kräht kein Hahn nach eurer Sommerzelt! 0. K. gründet, in der westlich von Rügen gelegenen Insel Hiddensö ge« funden zu haben. Da die von Norden nach Süden sich erstreckende Insel nur 18 Kilometer lang ist, in der Breite im Durchschnitt i'/z Kilometer beträgt, die Bodensormation aber die denkbar größte Verschiedenartigkeit aufweist, durch die durchaus mitteleuropäische Lage aber endlich die Vogelzüge von Norwesten, Norden und auch der von Nordosten über Skandinavien südwärts ziehenden Wander- vögcl in diesem einzigen Ostseegebict sich schneiden, so wird das Vogelleben wie sonst nirgends in Deutschland auf einem so beschränkten Raum zusammengedrängt._ Noch erhöhl wird der Reichtum an sich hier tummelnden Vogclindividuen für die einzelnen Zeitabschnitte des Jahres durch die auffallende Tat- fache, daß eine fortwährende Ablösung der Vögel untereinander statt- findet. So verlassen die meisten dort nistenden See- und Strand« vögel, ja selbst Finken und Grünlinge, nach Vollendung des Brut« ge>chäfteS und der Aufzucht der Jungen die Insel und machen da- durch den nordischen Durchzüglern Platz; außerdem fällt die Brut- zeit und entsprechend die Zugzeit der verschiedenartigen, hier zu- sammentreffcnden Vogelarten in ganz verschiedene Monate eines Jahres. Für manche nordische Arten beginnt die Zugzcit bereiis im Juli, während andere erst die eigentlichen Wintermonate dazu benutzen. Durch alle diese Umstände wird es begreiflich, daß bis jetzt aus den wenigen Ouadratkrlomelern der Insel 267 Vogelarten, 79 davon als Vruivögel, nachgewiesen sind. Von der Südspitzc bis an eine 16 Kilometer davon entfernte, an dem sogen. Vilter-Boddcn gelegene Ortschaft besitzt die Insel nur flaches, von einigen Dünen von höchstens 6 Meter Höhe unterbrochenes Land, das weitere nörd-' liche Stück dagegen steigt in immer höher werdenden Bodenwellen bei 76 Meter an. die gegen das Meer hin mit starker Zerklüstung steil abfallen. Damit ist der Boden für Laub- und Conifercnloalo gegeben, wie auch daS für die Vogelwclt wichtige Gebüsch nicht fehlt. Eine Landzunge östlich davon weist wieder nasses Wiesen- und Sumpsgelände auf, wo Strandläufer, Wasserläufcr, Limosen und Brachvögel ihr Wesen treiben. Der mittlere Teil der Insel, ganz flach, von einigen Lachen zerschnitten, gibt der Vogel-Fauna von Binnenseen, die Schilf, Binsen und anderes Rohr braucht, Lebensmöglichkeit. Dann folgt wieder Heide, in der Grabgänse, Wiesenpicper u. a. sich aufhalten. Inmitten dieser ragt plötzlich ein schöner, dichter Baumbestand von Erlen. Pappeln, Obst- bäumen und Kiefern auf. der für die Kleinvögcl wie Schneeammern, Bergfinken, Zeisige, Drosseln, Gimpel, ja selbst Alpenlerchcn das ge- gebene Idyll ist. Nah gelegene Inseln haben wieder besondere Schaustücke, so Gänsewerder den graziösen Säbelschnäbler, den Steinwälzer, verschiedene Arten' von Seeschwalbcn und Möwen. Ganz südlich endlich fallen die Hunderte von wilden Schwänen auf, die sast während des ganzen Jahres hier anzutreffen sind. Ein Paradies der Vogelbeobachtung. Die ornitbologische Wissenschaft, die sich die Erforschung der Vogelwelt als Ziel steckt, sucht sich, besonders in Deutichland, immer mehr ständige Beobachtungsplätze zu sichern, die ihr zu allen Jahres- zeiten genügend Material als sichere Unterlage für die Erforschung des Vogellebens zu bieten vermögen. Zwei solcher Vogelwarten, Helgoland und Roisiten auf der kurischen Nehrung, haben auch schon Weltruf erlangt. Gerade die Probleme, die im periodischen Vogelzug gelegen sind, haben z. B. bei Störchen durch das Nossiter Be- ringungsiystem schon große Förderung erfahren. Eine neue, für der- artige Beobachtungen geeignete Gegend, die in gcwiffem Sinn die Vorzüge und Eigenarten von Helgoland und Rossiten vereinigt, glaubt Dr. F. Lindner, wie er in den„Naturwiffenichasten" ausführlich be- Irlanü. Erin— da liegt sie auf den Knien, Bleich und entstellt, mit lveh'ndem Haare, Und streut des Shamrocks welkend Grün Zitternd auf ihrer Kinder Bahre. Sie kniet am See, sie kniet am Strom, Sie kniet aus ihrer Berge Kronen— Mehr noch, als Harold-Byrons Rom, »Die Niobe der Nationen I" Ferd. Freiligrath. Siotizea. — D i e Große Berliner Kunstausstellung wird in 8 bis 16 Tagen inr Bau des Ausstellungsgebäudes eröffnet werden. Eine besondere Abteilung wird den Kriegsbildern, vor- züglich den österreichisch-ungarischcn und bulgarischen, gewidmet sein. Im Ehrennsaal wird eine Porträtgalene ausgestellt. Die politische 5karikatur ist diesmal besonders stark vertreten. — Das I n st i t u t für Biologie, das einen Teil�dcr von der Kaiser-Wilhelm-Gescllsckaft zur Förderung der Wipen- schaften in Dahlem begründeten Forschungsanstalten bildet, wurde am Sonnabend durch eine Hauptversammlung der Gesell- schaff eingeweiht. Die Anstalt dient ausschließlich der reinen For- schung. es sind damit weder Lehr- noch sonstige praktische Zwecke verknüpft. Leiter ist Prof. Karl Correns, ein bekannter Forscher auf dem Gebiet der Vererbungslehre und Pflanzenbiologie. Für die Tierbiologie war Prof. Rich. Goldschmidt berufen; er kann aber aus Amerika nicht zurück. Die Einnahmen der Gesellschaft sind trotz des Krieges erheblich gestiegen, sie betrugen für 1914/15 3 466 666 M. — Das Deutsche Theater in Holland. Am Freitag eröffnete Reinhardt in der Grooten Schouwburg in Rotterdam sein Gastspiel mit„Macbeth". — Der Erfinder M. I. Pupin, von dem in der Frei- tagSnummer die Rede war, ist kein Russisch-Amerikaner, sondern stammt— wie uns von einem seiner Bekannten geschrieben wird—. von serbischen Eltern aus Südungarn._ Erzählungen eines alten Tambours. Lj Von Edmund Hoefer. Außer unserem Regiment und dem Grenadierbataillon von O. standen damals noch die Dragoner von B. in der Festung. Wir waren ein so schmuckes Korps, wie Ihr es jetzt nicht mehr findet. Das lvar ein Tritt und ein Schlag ohne Wanken; da war kein Knopf jemals blind, da war kein Zopf um ein Haarbreit länger als der andere. Die Dragoner waren auch nicht übel in ihren blauen Kolletten und gelben Aufschlägen, und auf ihren großen holsteinischen Pferden; aber wir waren ihnen damals spinnefeind. Woher das kam? Ihr Oberst und der unsere waren ein Paar herzensgute Leute, liebten ihre Regimenter und behandelten ihre Soldaten gut, mochten einander aber nicht niit den Augen begegnen. Denn einst beim Trinken war das Gespräch auf den Krieg gekommen und sie hatten sich über den Nutzen der Kavallerie und Infanterie gestritten. Da sagt unser Oberst, nur die Infanterie tauge'was, und der andere, nur die Reiterei. So gibt ein Wort das andere, und endlich meint unser Komman- deur:„Ich kann mit meinem Regiment eine Schanze mit einer Batterie darin wegnehmen, und das könnt Ihr nicht!" —„Nein," sagt der andere ganz bissig,„das kann ich nicht, aber in freiem Felde kann ich Euch in Krautstücke hacken."— „Den Teufel könnt Ihr!" ruft unser Oberst; da wollt ich keinem raten, einmal den Versuch mit uns zu machen!" Und darauf gibt es noch hitzigere Worte, und dann mußten sie dem General versprechen, sich nicht zu duellieren, und von da waren sie sich bitterböse, und wenn der Dragoner unseren Führer zur Parole rechts über den Markt gehen sah, so ging er links, und sie sagten sich nicht guten Tag und nicht gute Nacht. Wir abae, als rechtschaffene Soldaten, die ihre Kom- mandeure liebten, konnten einander nicht leiden, und wo eine Schlägerei war, standen die Dragoner von B. und die Mus- kotiere von M. sicher gegeneinander. Wir hatten also gute Zeit, haßten die Dragoner wie den Teufel und liebten unseren Obersten um so mehr, da der Major von den Grenadieren ein wahrer Satan war und wir also sahen, was es heißt, gute Offiziere zu haben. Mein unsere Freude dauerte nicht lange. Ich war noch kein Jahr in der Festung, als unser Kommandeur starb und wir einen neuen Obersten erhielten, der ein echter Höllen- brand war. Da gab's keine Musterung, wo nicht zwei oder drei geschlagen oder in die Latten geschickt wurden; da fielen die Schimpfwörter hageldicht, und oft genug mußte meine Trommel den Appell beim Spießrutenlaufen schlagen. Zu- erst lachten uns die Dragoner aus und verhöhnten uns; bald aber hätten wir's mit ihnen so machen können, denn ihr Oberst ward General und nach Berlin versetzt, und sie er hielten einen anderen, der womöglich von einer noch tolleren Sorte war als der unsere. Das war der Herr von V., der Großvater unseres Kapitäns, welcher von jenem wenigstens die Strenge und Akkuratesse im Dienst geerbt hat. Kurz, die Dragoner hatten jetzt noch mehr zu klagen als wir, und so wurden wir wieder dicke Freunde. Das ging denn so weiter Jahr und Tag. Damals stand bei den Dragonern ein götoiffer Patow. Sein Vater war Pastor in meinem Dorf. Ter junge Mensch hatte studiert und einen tüchtigen Kopf; er war aber unter wilde Gesellen geraten, der Vater hatte sich von ihm losge- sagt, und er kurz und gut geht unter die Soldaten. Ich war viel in seines Vaters Hause gewesen, er kannte mich wohl und ich ihn, und wir beide waren eigentlich die Ursache, daß die Regimenter wieder genau befreundet wurden. Sein früherer Oberst hatte ihn meist zum Schreiben gebraucht, und da er ein überaus anstelliger und lustiger Kumpan war, liebte ihn das ganze Regiment und wir übrigen nicht minder. Als nun aber der neue Oberst kam, hörten seine Schreibereien auf und er mußt« Dienst tun wie ein anderer, ja mehr als «in anderer. Und je mehr wir ihn liebten, desto mehr haßte ihn sein Chef, weiß Gott aus welcher Ursache. Da war kein beschwerlicher, kein unangenehmer Dienst, wozu er nicht kom- mandiert, da war kein Versehen so gering, das ihm nicht hoch angerechnet wurde. Und Ihr wißt, wenn ein Offizier den Soldaten malträtieren und bestrafen will, so findet sich auch alsbald etwas Straffälliges. Aber Patow hielt sich gut und das Regiment auch; der Oberst konnte ihnen nichts anhaben, und außer einigen kleinen Strafen für noch kleinere Ver- gehen fiel nichts vor. Nun war es im Frühjahr 1792, und wir sollten bald zu der Kampagne aufbrechen, die wir das Jahr in Frankreich machten. Es war an einem Sonntag und Patow stand Posten auf der Südbaftion, nachmittags so um 2 Uhr. Das Wetter war prächtig, zu tun gab es nichts, und wir waren an die sieben oder acht Mann nach derselben Bastion hinaus- gegangen, weil es von da eine schmucke Ausficht auf den Fluß und die ganze Umgegend gab, und wir, die wir von der See waren, doch gern ein Stückchen Wasser vor Augen hatten. So saßen und lungerten wir dann dort in aller Ruhe umher, als plötzlich der Teufel unsere beiden Obersten daher führte, die, ein Herz und eine Seele, zusammen gesessen haben mochten und nun der Verdauung halber einen Spaziergang machten. Wir fuhren also wie der Donner in die Höhe und stellten uns znrecht, Patow präsentierte, und die beiden blieben nicht weit von ihm im Gespräche stehen. Weiß Gott, was sie sprachen, aber sie stritten sich, denn sie hantierten mit ihren Armen, als wären's Mühlenflngel, und der Dragoner mochte etwas Lächerliches sagen oder bc- haupten, denn unser Chef lachte und auch des Patows Mund verzog sich ganz leise. Nun stieg das Wohl dem Dragoner zu Kopf und konjungierte sich dort mit dem Wein, und weil er sich gegen den anderen nicht auslassen durfte oder wollte, so fährt er wie ein angeschossener Eber auf Patow zu und schreit: „Kreuzmillionendonnerwetter, was hat die Kanaille hier zu lachen?"—„Halten zu Gnaden, Herr Oberst," versetzte der, steif und starr wie eine Puppe,„ich lache nicht."—„Was!" schreit der Dragoner,„Er untersteht sich noch zu leugnen, Er infamer Sohn einer—! Ihn soll ja gleich ein Kreuzdonner- Wetter!"— und dabei hob er seinen Stock auf. „Der Patow aber war ein ganzer Kerl, fürchtete den Teufel selbst nicht, um so weniger den Obersten; er tvar über den Schimpf fuchswild, wußte, daß er als Posten nicht be- leidigt werden durfte, und sieht also seinem Kommandeur keck und fest in die Augen.„Was guckt der Kerl mich noch an, der Racker?" schreit der, und zugleich fallen die Schläge Hagel- dicht aus den Posten. Der aber springt zurück, holt mit dem Säbel aus und ruft:„Herr Oberst, respektieren Sie den Posten, oder ich tue, was ich muß!" Der Oberst leichenblaß, prallt zurück und schweigt zuerst ganz still. Unser Alter steht auch da, ohne Hand, Fuß und Zunge zu rühren, denn das alles war Schlag auf Schlag in keiner Minute Zeit passiert. Plötzlich aber wendet sich der Dragoner, schießt wie eine Granate auf uns los und schreit nns zu, den Patow zu arre- tieren.(Forts, folgt.) j-ar' Vir liefern direkt in Private als Spezialität: �k�'. -iw�riirfßicliiSslMii-EfirlcMynitii' Szrftner!Jisdik$- 'undCTafi&ziererrnjd&a* d m 7&aim& m MIejKandersirosse 4SI> WPVl''Z-NÄI«� ia jeder Hok-«cd Stilart, nnr erstklassiger Ansfühning zn konkurrenzlos billigen Preisen. 10 Jahre Garantie. Schlafzimmer: M. 183,213, 270, 326,428, 532 bis 3500. Beste Verarbeitung. Speisezimmer: M. 298,333, 426, 5D5 bis 4C00 i Wohnzimmer; K. 242, 359. 429, 543 bis 2500 Herrenzimmer: M. 209, 328, 487, 550 bis 3000 I Neuzeiil. Küchen; M. 51, 58, 75, 93 bis 450 Ständiges Lager von ca. 500 Einrichtungen. Enorme Auswahl bis mm Auserlesensten. Illustrierter Katalog mit Referenzenliste gratis. Frankoiiafcnmgdurci ganz Deutschland direkt ab Fabrikgebäude. Einzelmöbel ohne Preiserhöhung! j.j Kfi"■; Zettungs'Ausgabestellen und Inserate«-Annahme. 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Eroclcrtdorf-PcterMhagen, üggersclorf: Ussenwasser, PeterShagen. rriodenan, Steglttx, Südende, Grcid«rk, Kaalsdort, Biesdorl: P. Hexberg, Kauis» darf, Ferdiuandflraffe 17. Zlnricndark, Aaz'icntcide: Zluguft L e i v, kbau'feeftr, 29. fteuenliagcu, JUoi>pegartca: WoiSzcko wZli, Dotti- straffe 14. SieakOItn: M, Heinrich, Neckarstr. 2. im Laden. Geöffnet von 9— 2 und von 4— 7 Uhr: Neukölln, Britz: Zi o hr, Siegfriedstraffe 28/29. Geöffnet von 11—1'/. und von 41/,— 7 Uhr. Xieder-Schoneweide: Blilyelm Unruh, Britckenstr. 10, IL >«n a« c«: Karl Krohnberg, Eijenbahnftr. 10. Ober-SchSncweide: Zliireb Bader, Wilhetminenhofstr. 17, Lade Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. Bankesv. kiaderKchänhaoHen, Nordend, Frz.-Rneh- holz, Blankenburg: R i ff vi a n n, llllähienstr. 3!L Geöffnet von 11— 1'/, und von 4'/,— 7 Uhr. Keinirkcndorf- Out, 1Vnhelm*trah und Schontiolz: P. G u r i ch. Prooinzilr. 56. Laden. Geöffnet v. 11— VI, a. 4'/,— 7 Uhr. Schenken dort b. Köiiizs-Duflerhausen: Chr. H a n t f ch I e, Dorsstr. 10. Sclidneberg: Biibeün Säumiet, M-iuinzer Straffe 9, im Laden. Geöffnet von 11— VI, und von VI,— 7 Uhr. Spnudnn, öCunncndamin. Stauken. Seegefeld und Falken hageu: Schumacher, Breitestr. 64. Geöffnet von 8 Uhr morgen« bis 8 Uhr abends. Tegel. Bersigtralde, Wlttenn«, WuidniannHiuMt, Dermsdorf, Hohen- Xeaendorf, Birken werder, Freie Scholle u. Reinickeadorf- West: Sani chicttait Borst gwaide, Räuich irnffe 10. Geöffnet von 11—1'/, n. von 4'/,— 7 Uhr Teiroiv: L e u f ch n e r, Havelstr. 2. Teiupulbof: ooq. Ä r o h n. Borusfiastr. 62. Treptow: 1!ob. Gramen-, ttleshoizitraffe 412, Laden. Geöffnet von 7 Uhr morgens bis 8 Uhr abends. VVcißcsmee, ileinersdorf: Eust. R o ff k o p f, Berliner Allee 11. Wilntersdorf, Halcnsee, Schmargendorf: Paul Schubert WilhetinSaue 27. Äleathen. Siersdorf: WUH. Schulz, Zeuthen, Ziethenjtr. 16. Aoivsen: Rönnebeck, Stubenrauchstr. 27. 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