Nr. Iii- 1916. Unterhaltungsblatt des vorwärts Aellstag, 16. Mai. von Toö und Kohldampf. Drei kleine Geschichten von Oswal>d Erbacher(im Felde). DaZ sind wüste Geschichten, die ich da erzahle, ich weiß es selber. Aber hol's der Kuckick—: ich kann nichts dafür, daß der Krieg nun einmal manchmal keine Angelegenheit für höhere Tochter ist. Ich würde ganz sicher auch lieber etwas Lieblicheres schreiben, etwas, was sich besser zum Nachmittagskaffee liest, etwa eine rührende Geschichte von„ihm" und„ihr", die durch allerlei Jrrun- gen getrennt sind.— da entbrennt der Krieg, er zieht hinaus, stürmt«hei, der blonde� Recke!) als erster den seindlichen Graben, erbält programmäßig das Eiserne und die notwendige Brustwunde und erkennt im Lazarett(man denke!» in seiner holdseligen Pflege- rin... nun, wen?— Aber natürlich.— die holde Leserin der „Wockie" oder der„Gartenlaube" hat es erraten und genießt zu- frieden die strahlende Ausficht auf die Kriegstrauiung zugleich mit dem letzten Schluck aus der Kaffeetasse.... Wie gesagt: auch ich würde Ida nun einmal der Krieg nach den maßgebenden Schilderungen aller Familienblatt-Novellisten so sinnig sich abspielt) gerne auch so freundliche Sachen schreiben,— aber ich fürchte, ich bin da draußen rettungslos verroht und für immer dafür verdorben. Immer, wenn ich ansetze, eine zarte und gangbare„Kriegsnovelle" zu säuseln, dann fällt mir etwas W ü st e s ein... aus flatternden, dröhnenden, tötenden Tagen. Aus jener Zeit, da wir uns durch glühenden Sand und Hunger und Sterben immer weiter ins Rußland Hineinschossen,— da Russenübermacht und unendliches feindliches Land und Blut und Dreck und Kohldampf— der verfl---- Kohldampf!— unser dezimiertes Häuflein immer würgender umzingelte.... Der Kiew a.") Rennen, rennen, rennen... Der Schädel unter der Hurratüte spritzt Schweiß wie ein knall- rotlackierter Sprengwagen, die Zunge hängt aus dem Hals bis auf den Boden, der Brustkasten guietscht wie ein sterbender Blasebalg, hilft nichts--- Renn', Mensch, um Gottes willen, sonst schnappt Dich der Russe! Und so galoppieren die Langschäfter, schier taumelnd, und der Affe reitet wie ein bösartig-lebendiger Kobold auf dem krummen Rücken... und dabei bammelt der Magen leer und zusammen- geschnurrt unterm Brustfell, wie der Klöppel in der Armsünder- glocke, und läutet wild und unaufhörlich:„Klewa— K l ew a— K l e w a—", denn der Magen hat schon lange Polnisch lernen müssen in Polen. (War so etwas, was man später einen„taktischen Rückzug" nennt, aber wir damals wußten nichts von Taktik, wußten nur, daß die Russenschwärme uns auf den Fersen hingen.) Machen also— mal hier, mal da— ein paar Gruppen im Rennen Kehrt, schmeißen sich rechts und links in das Kiefernzcug, knattern mit roten Augen und jagender Brust ein paar scheuchende «salben zurück und rennen weiter. Ganz vorn karriolt der Patronenwagen, feuert an jeden Wald- stückrand ein paar Schachteln Patronen hin und schießt davon. Dahinter her keuchen zwei, stolpern und reißen— glührot die Köpfe— ein großschwercS Paket mit sich fort, einer links, einer rechts; ein Paket, in braunes Zelttuch gewickelt. Eine Panjebude kommt am Weg daher. Ein ächzend An- halten— ein Aufflackern:„Du— Honig— da drüben!" lind scbou stürzen die Zwei um die Bude herum in den Grasgarten, auf ein paar Bienenstöcke los. Da— was kommt da? Heiliger Gott!— schlürft da ein P a n j e aus dem HauS, trägt einen Klewa unterm Aermsl, so groß wie ein Wagenrad. Brot, wabrbaftig.— ooooh! Das Zeltbündel plumpst zu Boden lich werd' mich hüten, zu sagen, was drin ist!), die zwei auf das Wagenrad los, brüllen: „Panje— Klewa!!" Pause will„niema" schwören, schon aus Gewohnheit,— da stebt er die flackernden Köpfe, die verzerrten Diäuler,—„dobrze, dobrze",—„ist gut"— heult er und läßt das Wagenrad fallen. Und Hurra: schwarze Fäuste reißen duftende Fetzen aus der Köstlichkeit, stopfen sie in die Mäuler, stopfen den Rest hastig hinein rn das Zeltpaket—— auf und weiter, kauend weiter____ Spät am Nachmittag grelle Kommandos.„Halt!" und „Sammeln!" und„Stellung!" und so. Das Bataillon macht wieder Front, halleluja! Wo sind unsere Zwei? Sie sind hundert Schritte hinter der noch keuchenden Schützen- Irnie im Wold, schaufeln ein Loch und fressen wollüstig den Rest *) Klewa— Brot. Der deutsche Soldat spricht es so aus. Das eigentliche polnische Wort heißt chleb, chleba. des Klewa. Tann heben sie aus dem Zeltbündel den Toten in das Loch, und indes der eine zuschaufelt, haut der andere mit dem Seitengewehr ein Birkenkreuz zusammen, und kaut— und kaut.... D i e eiserne Portion. Ach du lieber Gott: jetzt, heute.... brummt der ganze Gräben, wenn's einmal zwei Tage nichts auf den„Kipper" zu sthmieren gibt; aber damals, damals... Als eben unsere große Russenoffensive wieder im Grabenkrieg verebbte, weit im ver- lorenen Rußland drin, letztes Jahr... Wenn damals die Kar- wfseln auf den Panjesäckern nicht gewesen wären... Ja, damals! Unser Graben 15t) Kilometer von der nächsten Eisenbahnschiene weg, die Hälfte von allen Kolonnengäulen in den Sandgruben von Straßen zerstreut, aufgeblasen wie die Lust- ballons, die Beine gen Himmel—, und die andere Hälfte, die noch nicht so weit war, mußte zuerst und vor allem anderen Munition fahren, dann nochmal und nochmal— und dann erst Brot. Da schlug man halt morgens und abends ein Kochgeschirr Kartoffeln, am Grabenrand gekocht, ohne Salz in den gähnenden Magen— und setzte das Achtel Brot, das es manchmal gab, wie Schokolade, wie ein teures Dessert oben drauf. Die Klugen machten es wenig- stens so, und wer die dünne Scheibe so lange vor seinem gierigen Magen bewahren konnte. Dem Riedinger aus Wössingen, dem ging's so- daß er noch ein paar Wochen lang seinem Magen den Kohldampf nicht aus- treiben konnte. Der konnte die Grundbirnen scheffelweise fressen; sein Zwerchsack, solange greulich im Stich gelassen, war unheilbarer Skeptiker geworden. Der glaubte einfach nicht mehr ans Satt- werden... Eines Morgens klettert der Riedinger aus dem Gräben. „Wohin willst?" „Kommst halt mit." Viel liebenswürdiger war der Riedinger nie. Jetzt schiebt er sich vorsichtig so an die bundertsünfzig Schritte vor, bis er zu den toten Russen kommt. Das beißt: tote Russen ist ein bissel viel gesagt. Tote Russen waren's vor acht Wochen. Nach acht Wochen Sonnenglut sind tote Russen schon keine toten Russen mehr; sondern erdfarbige Äckerklöße, die sonderbar wie vertrocknete Uni- sormbeine und Stiefel aussehen— ein paar zusammengeschnurrte Klumpen, die man mit Augenschlitzen und Nasenlöchern fast für Köpfe ansehen könnte, wenn sie nicht so winzig klein wären wie verschrumpelte Zitronen. Da säugt der Rieding«: an zu suchen. „Jetzt sag' mir bloß um Gottes willen, was Du d a suchst..." Da bückt er sich, reißt einen armen kleinen Russenrucksack aus dem furchtbaren Haufen derer, die schon halb wieder zu Erde ge- worden sind und holt wortlos eine Konservenbüchse heraus und bricht mit dem Seitengewehr die Blechbüchse auf... „Guten Appetit!" sage ich hähnisch. „Jsch Vorhände," dankt er unbewegt. Die Kohlsuppe. Herrgottsakrament-- nach drei bösen Tagen, in denen man festgestellt hat, daß rode Kartoffeln nicht zu essen sind und Gersten- körncr, vom Halm gerupft, nicht satt machen—, nach drei bösen Tagen die Gulaschkanone! Kahlsuppe!! Holdselige Flüssigkeit in den verschrumpelten Magen, unsäglich köstlicher Genutz... Die Kompagnie löffelt, schlürft, löffelt, schlürft,— Kochgeschirre und Löffel klappern wie langsames Schützenfeuer. Die zwei Kran- kenträger haben ihre kunstlose Bahre hingestellt und feuern mit. Wohin sollen sie auch mit dem Di et er lc? Ist doch hoffnungs- los, bat der Unterarzt gesagt. Kunststück: mit dem Schuß. Und der Dictcrlc weiß es auch so ungefähr... Die Kompagnie lösfeit, schlürft, löffelt, schlürft,— um den Dieterle künuncrt sich teurer. Oder es sieht wenigstens so aus. Nämlich: mit einem reden, der in zwei Stunden oder dreien ein toter Mann ist— das geht ein bißchen üb« die Kunst. Ein Pfarrer ist man ja schließlich nick)!. Und es gibt da zwar schöne Worte, wirklich schöne Worte von Heldentod und„Fürs Vaterland gefallen" und„Nicht umsonst gestorben sein"— aber einem Sterbenden sagt nmn sie nicht so leicht ins Gesicht, irgendwie geniert man sich da doch— irgendwie geniert man sich schon, so hundsgemein lebendig neben eurem zu stehen, der den sogenannten Heldentod sterben soll-- und überhaupt muß man schon D. U. sein, um das Wort „Heldentod" so ganz schön aussprechen zu können. Und also liegt der Dieterlei ziemlich allein und still in einem unsichtbar gezogenen Kreis, und außerhalb des Kreises ißt man Kohlsuppe und inner- halb stirbt man, bajta...(Und schließlich, nicht wahr, geht es einem jeden einmal so.) Aus einmal verstummt das langsame Schützenfeu«, wie wenn eine„Schwere" bercingesaust wäre mit hui-bumin. Was war das? „Heh, Kock,!" Wahrhaftig, ja. Der Dieterle hat gerufen. Der Dieterle will was. Vielleicht einen letzten Gruß bestellen, Oder— wie— was will er? Was zu essen möcht er haben. Waaas will er?! Na, zum Kuckuck, was zu essen holt. Oder ob er verleicht nicht das Recht hätte...? Nu natürlich, selbstverständlich hat er das Recht. Der Koch beeilt sich, sein dummes Gesicht von vorhin vergessen zu �machen. Ter Dieterle kriegt einen blitzblanken Offizierstell« und fängt mit Macht zu l ö f f e l n an. Und nun ist'S merkwürdig, wie wenn der Kreis zerrissen wäre. „Ist doch ein Skandal: Kaum ein Bröckel Fleisch Wied« in der Supp'," brummt ein« neben dem Dieterle in sein Kochgeschirr hinein, und der Dieterle nickt. ES ist tatsächlich ein Skandal. „Und P o st ist auch wieder keine da." bruttelt ein anderer. „Acht Pakete Hab' ich jetzt unterwegs und keines kommt." Der Dieterle nickt wieder bedächtig unterm Lösfein. Ja, er hat ihrer auch noch vier oder fünf zu kriegen. Und so geht das Gespräck» brockenweise bin und her, ihrer ein Dutzend stehen um den Dieterle herum,— bis der auf einmal den Teller zitternd wegstellt, zu röcheln anfängt und nichts mehr von sich weiß._ ft) kleines Feuilleton. Die Tuberkulösen als Rechtsbrecher. Wie in der erwachsenen freien Bevölkerung steht unter den Todesursachen der Gefangenen die Tuberkulose oben an. Die Ur- sacke dafür liegt nicht darin, daß die Tuberkulösen mehr als die Gesunden zur Verletzung der Rechtsordnung neigen. Durch die Tuberkulose werden die körperlichen und die geistigen Kräfte des Erkrankten stark gemindert, er ist kein vollweriiger Arbeiter, dadurch wird sein Verdienst geschmälert und die materielle Not führt zum Eigeniumsverbrechen; der Tuberkulöse ist reizbarer als der Gesunde, und daher leichter zur Verletzung der ösfemlichen Ordnung oder der Person geneigt; mit der Krankheit ist eine sexuelle Uebererregbarteit verbunden, die Anlaß zu Verbrechen gegen die Eittlichkeil wird, daS sind aber gerade die Strnfraten, die mit ihren großen Zahlen die Kriminalstatistik füllen. Neben diesen Antrieben zum Rechlsbruch steht aber eine durch die Krankheit geminderte Willensenergie und Widerstandskraft. Durch die ärztlichen Untersuchungen ist festgestellt, daß der größte Teil der an Tuberkulose behandelten Gefangenen mit ausgesprochener Tuberkulose in das Gefängnis eingetreten ist. und daß in unseren Strafanstalten und Gefängnissen die Tuberknloie einen verhältnismäßig langsamen Verlauf nimmt, ja bei manchen langzeuigen Gefangenen zeitweilig zum Stillstand kommt. Notize». —„Das Lied der Krieger". Die Uraufführung der vom Arbeiler-Sängerbund preisgekrönten Vertonung des Preczang- schen„Liedes der Krieger" durch Paul Büttner fand am Sonn- tag nachnnttag in der Alberthalle zu Leipzig ungemein starken Beifall. Der Gau Leipzig des Arberter-Sängerbimdes brachte das neue Werk unter Paul Michaels Leitung vorrrefflich zur Gellung. Büttner zeigt sich hier wieder als ein Tondichter von eigener Periön- lichkeit, dem es nicht um alltägliche Effekte zu tun ist. Seine klare Disposition der in der Hauptsache strophisch aufgebauten Tonweisc, die strenge Anlehnung an das Dichterwort, die scharfe, durchaus künstlerische Ausdrucksform, die er dem Ganzen zuteil werden ließ. heben das trotz aller dieser ästhetischen Vorzüge sehr dankbare und sangbare Werk über die meisten Stücke ähnlicher Gattung hinaus. Es fft kein Zweifel, daß Büttner Preczangs„Lied der Krieger" sich rasch den Weg auf die Programme der Arbeiter-Sänger bahnt. Gr. K. — Der Architekt Gustav Eb e ist im Alter von 8L Jahren in Charlottenburg gestorben. In den 7 Der und 8 Der Jahren war er einer der bekanntesten Berliner Baumeister, der die deutsche und die nichtdeutsche Renaissance in zählreichen Bauten in und außer Berlin erstehen ließ. Das Pringsheim-Haus in der Wilhelm- straße und daS Moffe-Haus am Leipziger Platz bezeugen am besten die aufdringliche Art, in der er des reich gewordenen Bürgertums Repräfentationsbedürfnijse beftiedigte. — Die Eröffnung der ersten Eisenbahn in Persien. Eine Petersburger Meldung teilt mit. daß in Täbris die Eisenbahnlinie zwischen Täbris und Julsa eröffnet worden ist. Ein wicklig« Schritt in der Russifiziernng Persiens ist damit getan. Die eröffnete Teilstrecke ist ein Glied in dein geplanten Eisenbabn« netz, das nach seiner Vollendung Teheran und Pcrsien überhaupt mit Europa verbinden soll. Julfa liegt an der russisch-persischen Grenze, und von hier ist nun die bequeme Verbindung geschaffen nach Täbris, einer der ivichiigsten Städte des nördlichen Persien. Die Eisenbahn Täbris— Julfa ist die erste Eisenbahn in Pcrsien, die diesen Namen wirklich verdient. Erzählungen eines alten Tambours. IS) Von Edmund H o e f e r. „Zwei Jahre drauf schnürte ich mein Bündel und ging zum Regiment. Ich war nie ein sonderlicher Seefahrer ge- Wesen, und seit>vir mit dem Holländer so nah verbunden Waren, fühlte ich beinah ein Grausen vor dem Leben. So machte ich mich fort, und als ich am nächsten Morgen im Quartier den letzten Staub der Heimat aus meiner Friesjacke klopfte, meinte ich damit nun auch all des wilden Zeugs los und ledig zu sein. Aber in der Höh wird nicht nach Menschen- gedanken über uns beschloffen. „Mittlerweile verging manch liebes Jahr, bevor ich wieder einmal nach Hause kam, und dort machte mir nichts Lust lange zu verweilen, so daß ich schneller in die Garnison zurückkehrte, als ich eigentlich im Sinn gehabt, und bevor noch mein Urlaub abgelaufen war. Dann dachte ich so wenig als möglich an meinen nächsten Besuch, bis mich end- lich nach geraumer Zeit wieder einmal die Sehnsucht nach der See, nach Mutter und Schwester überkam und mich schier gegen meinen Willen hintrieb. Erfreuliches aber fand ich wenig oder gar nichts; der Ruf meines Schwagers ver- schlimmerte sich von Jahr zu Jahr, und in eben dem Maß stieg seine Grämlichkeit, sein rauhes, wildes, unleidliches Wesen. Meine Alte kreuzigte und segnete sich bei jedem Wort über ihn; meine Schwester war trübselig und fast eine alte Frau geworden, seit Kummer und Sorge statt des Jubels der ersten Zeit bei ihr eingekehrt war, und das einzige frische Gesicht, das einzige leichte Herz hatte das Kind, der Knabe Rolof, ein Geschöpf so recht nach dem Herzen Gottes, wie ein Junge sein muß, frei und fröhlich, mutig und keck, kräftig und unermüdlich. Er war der einzige von allen, der einigermaßen mit dem Vater umgehen und reden konnte; von ihm ließ sich dieser mehr gefallen als von irgendeinem andern Menschenkinde, und ich habe es mehr als einmal ge- sehen, wie er mit einem gewissen Wohlgefallen aus den Jungen sah und von ihm sprach. Und dennoch, trotz dieser Liebe, wollte er ihn, der kantonpflichtig war. nicht freisprechen und als Matrosen ausschreiben lassen. Vergeblich riet ich ihm bei jedem Besuch dazu, denn die See war des Jungen Wiege. Heimat und Leben..Torheit' l sagte der Jan in seiner breiten. sremdläudischeu Sprachweise. ,es ist»och lange hin. biL seine Zeit kommt, und dann werden sie sich grausam irren, wenn sie ihn zu fassen gedenken. Ich tue den Bestien den Gefallen nicht, um etwas zu bitten, was sie mir abschlagen können und werden/ „Indessen war die Zeit nicht mehr so fern, und als ich Anno zwei wieder einmal daheim mich umsab, zählte Rolof bereits achtzehn Jahr und war ganz nahe bei der Aushebung. Und damals geschah's, daß der Junge mir das Herz stahl, rein weg. und sich selbst dafür in dieser Brust und in diesem Kopf festsetzte. Ich habe alle Tage meines Lebens keine andere Liebschaft mehr gehabt, als allein ihn, einzig ihn auf der Welt, ftiweit mich auch mein Fuß getragen und meine Hand den Schlegel gerührt. „Aber es war auch ein prächtiger Bursche, und nie und nirgends hat Gottes Sonne einen besseren beschienen. Das sagte der ganze Ort, Haus bei Haus; das war immer das gleiche Wort, die ganze Küste entlang. Es war ein Junge, wie es deren nicht viel gegeben hat in der Welt, und wie unser Herrgott einen ähnlichen nur zur besonderen Stunde zu schaffen pflegt. Ich habe nie einen Menschen gekannt, der ihm gleichkam, weder an Tüchtigkeit in seinem Geschäft, noch an Fröhlichkeit und Kühnheit des Herzens, noch an Freundlichkeit des Gemüts. Es war eine gesegnete Natur; was er angriff, das hatte Fug und Schick, was er unter- nahm, das gelang, was er tat, das tat er ganz, bis aufs äußerste, und niemand wußte daran zu tadeln. Und das kam, mein' ich, weil er zu all seinem Tun und Reden sein volles, wackeres Herz mitbrachte, die reine sichere Ueberzeugung. daß er im Recht sei und gut handle. Wo das der Fall ist, da mag der Mensch immerbin einmal irren, in des Allmächtigen Aug wird seine Schuld immer noch Gnade finden. „Ja, ihr hättet ihn sehen sollen, die feste und so schlanke Gestalt mit dem kleinen Kopf auf dem kräftigen Halse, wenn er geschmeidig und flink an den Tauen zu Mast ging; keine Eichkatze kann es schneller; oder wenn er wie spielend das schwere Segel aufhißte, oder wenn er am Steuerbaum stand, kalt und besonnen, oder munter und leichtherzig, indes die Brise ihn umheulte und die Wellen ihn mit Schaum über- sprühten. Ihr hättet ihn sehen sollen, wie er bei Spiel und Tanz, bei Scherz und Tollheit der Erste war, wie er in jeder Gefahr voranging, immer mit gleichem Mut und gleicher Lustigkeit. „Ihr müßtet ihn einmal gehört haben, wenn er einen tollen Streich erzählte, von seinen Fahrten berichtete, ein Gespinst abwickelte; denn auch seine Sprache, sein Erzählen war ganz besonders und anders, als ich bei andern Leuten unserer Gegend und unseres Standes jemals gesunden. Es war darin etwas so Wundersames und Fremdes, es war so einfach, und packte euch doch wieder bis ans Herz; es kam so prächtig einher, und machte doch euer Auge feucht. Woher er'S hatte, ob aus sich selbst, oder aus der Tiefe der See. oder aus der Höhe des Himmels, wohin er stundenlang schauen konnte, wenn sein Lugger über das Meer glitt— das mag Gott wissen. Benennen und bezeichnen kann ich's euch nicht, aber es hat mich oft an die alten Reimereien und Lieder gemahnt, die man in meiner Jugendzeit noch vom jungen Volk abends am Strande zuweilen singen hörte. „Ein Seemann war er mit Leib und Seele; das war mir schon willkommen, denn die Gaben der Menschheit sind verschieden. Allein er war auch natürlicherweise ein Schmugg- ler. und das wollte mir nimmermehr gefallen. Er war ein lieber, lieber Bursch geworden, schloß sich an mich, den Oheim, herzinniglich an und tat alles, von dem er ahnte, daß es mir lieb und genehm sei. So sprach ich denn mit ihm von der Torheit seines Geschäfts; ich suchte ihn zu bewegen, in die Ferne zu gehen, sein hiesiges Treiben aufzugeben und ein rechter, tüchtiger, ehrlicher Seemann zu werden. Aber da kam ich schön an.„Ohm," sagte Rolof,.ich tu's nicht, ich kann's nicht; ich geh' nicht von der Heimat und diesem Leben. Ich bin wie der Seeadler: wenn der nicht alle Tage sein Bad in der Flut und seinen Kampf hat. verkümmert er. Ich stürbe, wenn ich diese schläfrigen Fahrten am Bord eines KauffahrerS aushalten, Tag für Tag meine Erbsen mit Pökelfleisch oder mein Pökelfleisch mit Erbsen essen, Tag für Tag dasselbe erleben, tun, denken sollte. Es ist da ein Feuer in mir, das brennt und lodert, und wenn ich ihm keine Nahrung gebe, wird es mich selbst verbrennen/— ,So geh nach Holland, nach England,' mahnte ich;.überall ist Krieg, dein Vater kennt Leute genug, und es kann dir nicht fehlen auf einem Orlogsschiff festzuwerden und zu avancieren; denn ich weiß, du toller Bursch, daß du vom rechten Holz bist, und ich habe dich lieb, du Knabe, und dir trau' ich alles zu.' Gast. LslotJ Deutsches Theater. Direktion: Max Eeinhaxdt. 6 Uhr: Die grüne flöte(Ballett). Vorher: Die Lästigen. Kammerspiele. BVj Uhr: Der eingebildete Kranke. Vorher: Ballett. Tolksbtthne. Theater a. Büiowpl. Direktion: Max Reinhardt. Untergrundbahn Schönhaus. Tor. S'/i Uhr: Der Eiberpelz. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i.d.Königgrätzerstraße B'/jUhr: Kameraden. Komödienhaus S1/, Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theat. S'L Uhr: zum 200. Male: Wenn zwei Hochzeit machen. Sesslngt-Theater. Direktion; Victor Barnowskjf. 8'/« Uhr: Wie Troerinnen. Mittwoch: Gespenster. (Ibsen-Zyklus 5. Abend.) ßßutsehJlänstler-Theater. Allabendlich SVi Uhr: Die selige Kxzellens. URMIA Xanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Von den RokitnosOmpfen zum Narots&h-See. Theater für Dienstag, den 16. Mai. Deatscbes Opernhaus Cbarlottbg. s uhr: Der fiettelstudent. f riedrich-Wilheimstädt Theater. sv. u.: Das Dreimäderlhaus. Kleines Theater. 8V. u.: Logierbesacli. Komische Oper. - Der FaYoril Lustspielhaus. «■/.uhr: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater s uhr-. Die Kaiserin tSL). lHontls Operetten-Theater 8v.u.: Der selige Balduin Besidenz-Tbeater s'i. uhr: FliegendeBMer. Schiller-Theater O. s uhr: Die heitere Residenz. Schlller-Th.Chartottenbg. 8 uhr: Muüer Thiele. Thalia-Theater. sv.u.- Blondinchen. Theater am Nollendorfpl. 4 Uhr: Weh' dem, der lügt. z�booi: Immer feste druff! Theater des Westens »V.U.- Kubinke. Trianon-Theater. sv. u.: Taute Tüschen. Halional-ThealerlSess) 6956 V,S Uhr Schuldig Drsma in 3 Akten von Richard Boß. Walhalla-T heater. Dienstag, den 16. Mai, Ans. 8 Uhr Kyritz-Pyritz. RosesTheater. 8 Uhr: Grigri. Spielplan! das Mädchen mit den Schicksals- Augen Variete- Operette in 2 Bildern von CiH m Tänze Johnson und Johnson Blrkeneder Kremo Paul Jülich Wilma Kino Anjang V.O Uhr fifra" steht frei in der Manege(ohne Kontakt) n. beantwortet alles. Außerdem die kolossale» imai=SchlagerH sowie d. Prunkpaniom.»Ostern-. | Kleine Sommerpr.! 40 Pf.— 2,99 M. Militär u. Kinder halbe Preise. BelchLhallen-Theater. Stettiner Sänger. Zum Schlusz: „Ein Maien-Spuk." Siudentenbild von Mehsel. Ansang 8 Uhr. Für Miliiärper- sonen freier Einttitt zu den Steil. Sängern. Rossen-Theater LinisuLtraßs a. d. Friedriclistraße. Täglich S1/*: Na so was! Gannef& Co. mit Leonhard Haakel und Siegfried Berisoh. V oig t-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Morgen Mittwoch, den 17. Mai: Der IHüIMtiifd. Posse mit Gesang in vier Akten von Mannstädt. Kassenöfsnung 7 Uhr. Ansang 8 Uhr. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. S1/. u. 8 U. Jlse Bois und das große Mai-Programm. idmiralspalast. Das neue Ei s b alle i �ran �antasie. O Uhr. S. Ein wirtschaftlicher Aulsehwung unseres Handels u. der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tiefgreifende Aende- rung unseres gesamten öffentlichen Lehens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaSen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Kräfte gesucht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, jetzt ihre Vorbereitungen zu treSen. Das beste Mittel, rasch u. gründlich, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einj.-Freiw.-Prü- fung u, das Abitur.-Examen nachzuholen oder die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortrefil. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Methode„Rustin". Ausführl. 60 S. starke Broschüre kostenlos durch Bonness& Hachfeld, Potsdam Postfach 224. Zwecks Herstellung einer systematischen Sammlung des im Weltkrieg erwachsenen, völkerrechtlichen Materials(Kriegsarchiv des Völkerrechts) werden alle in- und ausländischen Zeitungen und Zeilschristen, Smiderabdrucke usw. aus der Zeit seit 1. Juli 1914 gesucht. Freundliche unentgeltliche Zusendungen und etwaige LerkausS anerbieten werden erbeten an Seminar für Internationales Recht an der Univerfttät Kiel Prot. BTlomeyer, Dänischestr. 15 IL H.& P. Uder, l�"a£ Tabak-Großhandlnns und Tabakfabrik. Spezialität: Nordhäuser Kautabak to» q. A. Kanewaeker, Qrimm* Triepel ■ Stets frisch zu den äußersten Engrospreisen.■ Amt Moritzpl. 3014. SozialöenwkratlMer Wahlverein für öen 6. berliner Reichstagswahlkreis. .Heute Dienstag, den 16. 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Moabiter Bürger-Säle, Beussel straße 9. 15.„ Brauerei Patzenhofer, Turmstr. 25. 16... Funkes s?estsäle, Triftstr. 63. 17.„ Deibels Mestsäle, Kolberger Str.2Z. 18.„ Krankes Festsäle, Badstr. 19. 19.„ Schmidt, Prinzen-Allee 33. 26.„ Nord-Palast, Kösliner Str. 8. 21.„ Pharus-Säle, Müllerstraße 142 kleiner Saal. 22.„ Sachoit, Müllerstr. 136. in allen Versammlungen: Tagesordnung Kassenbericht. 2. Neuwahlen des Vorstandes. ——— Mitgliedsbuch legitimiert.>.>.■ Zahlreiche Beteiligung erwartet Oer 226/11 Vorstsitd. KemliltungsStfle Kerlm N U, Finienjir. 83-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöffnet von 9—1 und von 4—7 Uhr. Donnerstag, den 18. Mai, abends Vs® Uhr, in Funkes Festsäle», Triftstr. 63: Branchen-Bersammlung der eiteoformer und Berufsgenoiien. Tagesordnung: 1. Die Lage im Berus. 2. Verbands- und Branch cnangelegenheitm. Verkäufe. DM- Mitgliedsbuch legitimiert I and pünktliches Erscheinen aller im leirieb« beschäftigten Zahlreiches und Kollegen und Kolleginnen unserer Branche erwartet 116/17 vte OrtsTcrwaltnng;. Tonnerstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr: Versammlung aller in der Schraubenbranche beschästigt. Arbeiter nnd Arbeiterinneu w Granmanns Festsälen, Naunynstraße 27. Tagesordnung: 1. Stellen wir Forderunge» an unsere Unternehmer? 2. Diskusfion. Zahlreicher Besuch ist dringend ersorderlich. Die Ortsverwaltung. Verbsnü der IRaler, Sackierer, Anstreicher ete. Burea»: Melchiorftr. 28, Part, rilialotl.rlln Arb.-Nachw.:Gormannst.13 Fernspr.: Amt Moritzpl. 4787. AUlull Ktlltu. Fnuispr.: NordenZ7S1— 97 DownerStag, den 18. Mai, abends 5V, Uhr, im Gewerkschaftshanfe, Engeluser 15: U�BIttgllv«lvn»Vsi'Ssmmlung�»V der Sektion der Lackierer. Tagesordnung: 135/15 L Die Berliner Gewerkschaften in de« letzte» 25 Jahren. Referent: Gewerkschastssekrctär.4.doH Ritter. 2. Diskussion. 3. Berbandsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet_ Ple Sektlonsleltnns. ttr Vcrwaltanj Berlin. Teb-Amt Moritzplatz 10623, 3578. Bureau: Rimgestraße 20. Irsneken-VerssmMlungen: Tischler! Bezirk Neukölln! Pfandleihhaus Hcrmannplatz 6. Jedermanns Kausgelcgenheii. Kroges Teppichlager, Gardinenlager, Wäsche- lager, Bellenlager, Uhrcnlager, Gold- lachen, Riesenauswahl Herrenanzüge. Herrenpaletots, Herrenhosen.* Tepbich-Thomas. Oranienstr. 44 svottbillig iarbsebierbafte Tepviche, Gardinen. Borwärtslescrn 5 Prozent E�irarabatt._ filO* Staunenerregend! Betienverlauf. Prachtleppiche. Gardincnauswahi Äussteuerwäsche. Tischdecken. Stepp- decken. Diwandecken. Herrcngarderobe. Uhrenv erkauf. Schmucksachen. Spott- preise I Leihhaus Warschauerstratze 7. Alle Arien Seifen zu sehr billigen soliden Preisen. Waschseife Psund 70 Pj. Alle Tage zu haben bei Guitscld, Votsdamerstratze 40. 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Berbandsangelegenheiten. Uhr, Stellmacher! »m Donnerstag, den 18. Mai 1916, abends 8'/« Uhr, „Roscnthaler Hof", Rosenthaler Str. 11/12. Tagesordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung. 2. Verbands- und Branchenangelegenheit!«. Maschinenarbeiter! Sonntag, den 21. Mai, vormittags»'/, Uhr, im Gewerkschaftshaus» Engelufer 13, Saal 3. Tag esordnung: 1 Unsere nächste« VertragSaufgabe». Referent: Tauvorstcher Franz Stnsche. 2. Diskussion. 2- Verbands- und Branchenangelegen- Helten. 86/15 Pk« OrtKyorwaltung. Bei Blutarmut Bleichsucht, Appetitlosigk., allgem. SchmSche besend. bei Frauen u. Kindern ist das wohljchmeck. Haematicum-Glausch ärztl. bevorz. Gr. Fl. 2.50 d. alle Apoth. Rieseiiposten Teppiche, Sofa- und Salongrößc, 6,75, 10, 15 bis 800 Mark. Eine Partie zurückgesetzte Teppiche sehr preiswert! Teppich- Haus Emil Lesevre, Oranien- straße 158. 48St* Qescbäftsverkacke. Lokal billig zu verkaufen. 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