8�9-1916 Unterhaltungsblatt öes Vorwärts--«�21!« Oegegnung. Auf der breiten grauen Straße kamst du mir entgegen, über die das wilde Großstadtleben zieht, und ein Trauerkleid umhüllte deine Glieder und du selber schienst ein todestraurig Lied..» Als wir aneinander nah vorübergingen, sahn mich deine tiefen guten Augen an; unsre Blicke, nur für einen Augenblick verschwistert, sprachen, was ein Menschenmund nie sagen kann... Weißt du, fremde Frau, in deinem Äerzeleide, daß ich alle Qualen deiner Nächte litt, wo du heiß mit deinem Gott gerungen um des Kindes Vater, der in Fernen stritt? Weißt du, daß ich allen Schmerz in deinem Blick erlebte jenes Tages, da die Kunde kam, er fiel? Alle Lebensmüdigkeit erfaßte, die dich packte, und des lieben Kindes unbekümmert Spiel? Alle Tage, die in trübe Zukunft gingen... freudeloses Ringen um das knappste Brot? Alle Nächte, da das Kind an deinem Äerzen ruhte, das nun deine Kraft, dein Trost, dein Mut in aller Notl Deine Augen sprachen alles beim Vorüberschreiten; war in meinem Blicke vom Verstehn ein Schein? „Schwester" wollt ich sagen, doch du warst schon fort- geschritten, Menschen, Straßen, trennten uns: ich war mit deinem Schmerz allein... Hans Gathmanv. KKiöung aus Hotz. Von Dr. med. Walter Blumcnthal. Es ist wirklich kein verspäteter Aprilscherz. Man fertigt sie an, «an trägt sie und sie bewähren sich frir bestimmte Zwecke recht gut. Die Tatsache ist auch für den chemisch Geschulten gar nicht weiter verblüffend. Sie ist lediglich das Endglied einer allerdings langen Reihe von Versuchen und praktischen Erfahrungen. Ich habe mich vielleicht in der Ueberschrift nicht ganz genau ausgedrückt. Es handelt sich nicht etlva unr biegsam gemachte dünne Bretter oder dergleichen, die in unserer beschlagnahmereichen Zeit die Rolle von Kleidungsstücken spielen sollen, sondern um echte Gewebe aus schmiegsamem Material. Nur daß dieses nicht auf der Baumwollstaude oder auf einem Schafsrückcn gewachsen ist, sondern ursprünglich als stattlicher Kiefern- oder Fichtcnbaum in unseren Wäldern stand. Der Weg ist weit, aber es lohnt sich wohl, ihn zurückzugehen. Allgemein bekannt ist, daß die festen Teile der Pflanze zumeist aus Zellulose bestehen, einer eigenartigen Substanz, die in ihrem chemischen Aufbau mit Zucker, Gummi und Stärke gewisse Aehnlich- kcit hat. Sie bildet das Stützgerüst der Pflanze und der meisten pflanzlichen Fasern. Leinwand, Baumwolle, Kokosfaser, Hanf be- stehen fast ausschließlich ebenso aus diesem Körper, wie Eichen- und Kiefernholz. Das Garn, mit dem wir nähen, das Papier, auf dem wir schreiben und drucken, danken der Zellulose ihre wertvollen, schier unersetzlichen Eigenschaften. Würde heute die Zellulose Plötz- lich aus der Welt verschwinden, so würde das Folgen von weit- tragendster Bedeutung Huben, ja, dieser Fall mit all seinen Möglich- ketten wäre überhaupt nicht auszudenken. Denn kaum ein Zweig menschlicher Tätigkeit würde von diesem Ereignis verschont bleiben. Erzählungen eines alten Tambours. 20] Von Edmund H o e f e r. .„Halten zu Gnaden, Herr Oberst,' sagte ich,.allein ich muß bemerken, daß der Junge von Kindesbeinen an nicht an das Land gewöhnt war und Zeit seines Lebens nicht marschieren lernt.'—.Dummes Zeug, Tambour!' gab er mir ernsthaft zur Antwort,.was weiß Er davon? Wer in einem Beruf tüchtig und sonst kein Tor ist, der wird überall kein Nichtsnutz werden.'—.Aber', meinte ich wieder, denn in dem langen Gespräch war ich allmählich ganz frei und dreist ge- worden,.der Bursch fürchtet sich am meisten, weil der Dienst alle Tage derselbe und einerlei ist, weil es nicht bunt durch ebene See, durch Sturm und Gefahr geht, wie sein Boot.'— ,Ja?' erwiderte er lächelnd, meint er's so? Das ist entschieden mein Mann I Aber er kann sich trösten, denn so Gott will, werden wir es bald wieder einmal bunt genug haben, bunter als er es vielleicht mag. Ich will ihn sehen, Ralow', schloß er,, und ihn selbst sprechen. Nehm' Er die Ordonnanz mit und hol' Er ihn von der Wache hierher.' „Wir gingen und holten den Burschen, der kalt und gleich- gültig gegen die Ehre blieb, die ihm widerfuhr, und meinen Rat in betreff seines Redens und Benehmens schweigend hin- nahm. Als wir eintraten, ließ ihn der Kommandeur, der wieder saß, herantreten und betrachtete ihn, wie mir schien, nicht unzufrieden von oben bis unten. Rolof sah ihm auch wieder keck in die Augen und zuckte und zagte nicht. .Das ist Sein Neffe, Ralow?' fragte endlsch der Oberst, ,und der hat den Korporal beinah' totgeschlagen? Aber es ist ja ein Kind, ein reines Kind, Tambour, Er kann abtreten, ich will allein mit ihm reden.' „So trollte ich mich und saß draußen auf dem Treppen- geländer in Herzensangst. Was die mit einander verhandelten, Hab' ich nimmer erfahren, allein es dauerte beinahe zwei Stunden lang. Draus kam der Junge heraus, zwar noch immer trübselig, aber doch nickst mehr so kalt und hart. Die Ordonnanz brachte mir den Bescheid, es sei alles in Ordnung und ich möge ihn jetzt nach der Wache zurückbringen. Unterwegs sagte er: ,Es ist vorbei, Ohm. ich trete also in Dienst.' Das waren seine einzigen Worte und ich erfuhr weiter nichts, mochte ihn auch nicht fragen. Am Nachmittag kam er aus dem Arrest, ward meiner Kompagnie zugeteilt, am andern Morgen ein- gekleidet, am Tage drauf mußte er schwören und vom nächsten Montag an rxerzierte er mit den andern Rekruten. Das rührt hauptsächlich daher, daß die Zellulose nicht nur Festigkeit und Schmicgsamkeit verbindet, sondern daß sie als chemisch verbindungsfähiger Körper eine Reihe von Umsetzungen eingeht und scheinbar ganz neue Stoffe mit ganz anderen Eigen- schaften bildet wie das Ausgangsmaterial. Man hat z. B. nur nötig, ein Blatt gutes Rohpapier, das im wesentlichen aus einem Filz feiner Zellulosefasern besteht, durch starke Schwefelsäure zu ziehen und nachher gut zu wässern, so hat das Papier plötzlich ganz andere Eigenschaften erlangt. Es quillt auf, seine Poren schließen sich, es verliert seine weiße Farbe, wird durchscheinend und hornig und ist wasserdicht und fettdicht ge- worden. Mit anderen Worten— aus dem Papier ist künstliches Pergament geworden, das mit all seinen wertvollen Eigenschaften im Haushalt und in der Technik ausgedehnteste Verwendung findet. Behandelt man aber eine reine Zellulosefaser, z. B. Baumwolle, mit einem Gemisch starker Schwefel- und Salpetersäure unter ganz bestimmten llmständen, so verändert sie ihr Aussehen wenig oder gar nicht. Dafür hat die Faser aber chemisch eine tief- greifende Veränderung erfahren. Aus der harmlosen Baumwolle ist ein stark wirkender Sprengstoff, die Schießbaumwolle geworden, die in der Friedens- und Kriegstechnik heutzutage unentbehrlich ist. Behandelt man die Schießbaumwolle mit bestimmten Lösungs- Mitteln, wie z. B. Alkohol und Aether, so löst sie sich darin zu einer dicklichen Flüssigkeit auf, die als Kollodium allgemein bekannt ist und zum Verschluß von Wunden, in der photographischen Technik und auch sonst viel verwandt wird. Setzt man derartigen Kollodium- lösungen Stoffe, wie z. B. Kampher, zu, so gelangt man zu durch- sichtigen Substanzen, die sich beliebig walzen, pressen, bohren lassen, die man bemalen und färben kann und aus denen viele Gebrauchs- gegenstände hergestellt werden. Es ist dies das Zelluloid, dem leider neben seinen vielen Vorzügen der Nachteil der Feuer- gefährlichkeit anhaftet, was ja bei seinem Ursprung aus der explo- siven Schießbaumwolle weiter nicht verwunderlich ist. Aber auch hier hat sich die Technik, bor allem die deutsche, nicht zufrieden gegeben, ehe es ihr nicht gelang, Stoffe herzustellen, die die guten Eigenschaften des Zelluloids besaßen, ohne mit seiner hauptsächlichen schlechten, der Feuergcfährlichkeit, behaftet zu sein. Man ersetzte die Salpetersäure durch Essig- und Ameisensäure und gelangte so zu Produkten, die heute viel verwandt werden, be- sonders zu Zwecken, bei denen die leichte Entflammbarkeit des Zelluloids stören würde, z. B. in der �Filmindustrie. Tatsächlich sind auch die früher so häufigen Bräirde in Kinematographen- theatern seit Einführung dieser neuen Stoffe recht selten geworden. Aber auch abgesehen von diesen speziell photogeaphischen Zwecken verwendet man das Zelluloid und seine Ersatzstoffe im auSgedehn- testen Maße für viele Zwecke, für die sonst Holz, Stein, Hart- gumnii oder Metall herangezogen werden mußten. Doch es bleibt nicht dabei. Läßt man eine Lösung der Art etwa wie das Kollodium aus feinen Oeffnungen unter hohem Druck austreten, so verfliegt und verdunstet das Lösungsmittel an der Luft. Es bleibt ein feiner Faden von hohem Glanz und ziemlicher Festigkeit, der sich färben, spinnen und weben läßt, etwa so wie ein Seidenfaden, und Gewebe von großer Schönheit liefert. Dies ist eine Art der Kunstseide, die in den letzten Jahrzehnten zu Schmuckgeweben der verschiedensten Art ausgedehnteste Verwendung gefunden hat, besonders, seitdem es gelungen war, ihr durch ge- eignete chemische Behandlung ein gut Teil ihrer Feuergefährlichkeit zu nehmen. All die genannten Stoffe waren aus der Einwirkung von Säuren der verschiedensten Art auf das Ausgangsmaterial, die Zellulose, entstanden. Läßt man hingegen Alkalien, den chemischen Gegenpol der Säuren, auf die Faser unter bestimmten Bedingun- gen wirken, so bilden sich Verbindungen, in denen die Zellulose längst nicht so verändert ist wie bei den vorher beschriebenen Pro- dukten. Es gelingt so, Lösungen herzustellen von zähflüffigem Charakter, die in vieler Beziehung dem arabischen Gummi und dem Dextrin ähneln, auch als Klebmittel Verwendung finden können, die aber bei geeigneter Behandlung wieder reine Zellulose abspalten. Je nach der Art des Vorgehens wird diese teils als weißes Pulver, teils als glasklares Häutchen ausgeschieden von einer Festigkeit und Elastizität, die praktischen Zwecken durchaus genügt. Aus derartigen Körpern bestehen z. B. die durchsichtizen, verhältnismäßig sehr billigen Blätter, die als Ersatz für das teure und derzeit kaum erhältliche Guttaperchapapier sich bestens be- währen, die auch zum Verpacken leicht verderbender oder stark riechender Stoffe, ferner zu künstlichen Wurstdämncn verwandt werden. Ja, sogar Billardkugeln, die doch mechanisch in hohem Maße beansprucht werden, lassen sich als Ersatz für elfenbeinerne aus derartigem Material herstellen, ferner Gebrauchsgegenstände, „So war die Geschichte denn wie hundert andere, nur mit einem andern Anfang, der freilich nur wenigen bekannt war; daher ward auch nicht viel davon geredet, und nur unser Major hatte den ersten Mittag ans der Parade gemeint, nian mache so viel Umstände mit dem Racker, als ob's ein Junker und nicht eben nur ein Racker wäre. Nun, das war so seine Art und ich nahm's ihm weiter nicht übel, dürft' es auch nicht einmal. „Es begann nun eine Zeit, von der ich nur wenig zu sagen weiß. Sie verfloß, wie sie immer bei gewöhnlichem, wenn auch strengem Dienst vergeht, in den täglichen Uebungcn, Sorgen und Unterhaltungen. Mit dem Rolof ging es ganz gut. Ich hatte, wie ihr euch denken könnt, mit seinen näheren Vorgesetzten, dem Feldlvebel, den Unteroffizieren und Kor- poralen ein Wort gesprochen, und die Folge davon Ivar, daß sie ihn zwar recht tüchtig, aber doch weniger rauh vornahmen, als es sonst zu der Zeit bei unseren Rekruten der Fall zu sein Pflegte. Und der Rolof war ja auch ein Wunder- sames Menschenkind, bei dem es keines herben Wortes, geschweige denn einer handgreiflichen Erinnerung an seine Pflicht bedurfte. Schritt, Tritt und Wendung, Schließen und Richten schienen ihm angeboren und nur ein bißchen vergessen; die Griffe mit dem Gewehr, Laden und Schießen nach militävifchen Regeln lernte er spielend und war endlich in kürzerer Frist, als man jemals gehört, mit allem fertig. Am Tage, da er inS Regiment eingestellt wurde, war er der schmuckste Kerl, den ich in meinem Leben gesehen. Donner- Wetter! sauber und zierlich wie eine Puppe, wie aus dem Ei geschält. Alles saß wie gegossen, ohne daß er sich Mühe dabei gegeben, es flimmerte und blitzte, ohne daß er auch nur zur Hälfte so viel geputzt wie ein anderer. Dafür waren auch seine Vorgesetzten zufrieden mit ihm, vom Korporal an, der ganz behagnch lächelte, bis zum Kapitän, der ihn den schmucksten Kerl im Regiment nannte. Der Major freilich sagte kein Wort bei seiner Inspektion, der Oberst aber befahl, ihn, wenn er sich gut führe, zu Ostern als Ordonnanz bei ihm zu kommandieren. Da ward Rolof rot vor Vergnügen und ich hätte bald einen Satz vor Freude gemacht, denn zu Ordonnanzen wurden nur die besten Leute, und zwar be- sonders die genommen, die bald beurlaubt oder entlassen werden sollten. Kurz, der Blitzjunge hatte auch hier alle im Sack und das Glück dazu. „Der Tag ging ebenso lustig zu Ende wie er begonnen, denn ich hatte ihm an dem Abend einen Schmaus angerichtet, wo wir so ein Dutzend halb lustiger, halb doch respektqbler wie Türgriffe, Messerschalen usw. Ebenso wie ans kollodium- ähnlichen Lösungen hat man auch den Alkali-Zcllulosen Fäden ge- zogen, die eine ziemlich hohe mechanische Festigkeit besitzen. Schon früher hatte man aus Baumwollresten, die sonst nicht verarbeitbar waren, derartige Fasern und Fäden hergestellt, die gefärbt und. versponnen als Ersatz für den immer teurer werdenden Bindfaden gute Dienste leisteten. Aber erst der Krieg hat unS die zielbewußte Ausnützung dieser Dinge nähergelegt. Ich erwähnte bereits vorhin, daß auch �das Holz zmn größten Teil aus Zellulose besteht. Man hatte früher auch diese Zellulose in ziemlich großem Umfange gewonnen, sie allerdings im wesentlichen in der Papierfabrikation, in kleinerem Maßstabe zu Verbandmitteln verarbeitet. Jetzt, wo die Baum- wollzufuhr uns abgeschnitten ist und wo wir mit unsern noch im Lande befindlichen Vorräten sparsam wirtschaften müssen, hat man die Methoden der Zellnlosegewinnung aus Holz und die weitere Verarbeitung des so erhaltenen Materials derart vervollkommnet, daß wir nunmehr imstande sind, vieles aus Holz herzustellen, wo- für man früher Baumwolle und ähnliches für unumgänglich noi- wendig hielt. DaL Holz wird fein zerkleinert(geschliffen), und man gewinnt aus ihm auf chemischen Wegen die reine Zellulose, eine wattcähnliche, schneeweiße Substanz, die nun beliebig vcr- arbeitet werden kann. All die hübschen, in den verschiedensten Farben prangenden Bänder, mit welchen heutzutage Pakete vcr- schnürt werden, bestehen aus solchen Fäden. Der Versuch, ein der- artiges Band unter Gewaltanwendung zu zerreißen, zeigt am besten, wie groß die Festigkeit der künstlich aus sprödestem Material gewonnenen Faser ist. Nun ist der Schritt zum eigentlichen Ge- webe nicht mehr weit. Derartige Fäden lassen sich eventuell unter Beimischung ganz geringer Mengen von Baumwollgarn verspinnen. aus dem Gespinst lassen sich auf besonderen Webstühlen Gewebe herstellen, die in ihrem chemischen und mechanischen Verhalten reinen Baumwollgeweben recht ähnlich sind. Das Ausgangs- Material war, wie geschildert, das Holz. Und so wird eS weiter nicht mehr sonderbar scheinen, daß mancher in seinem Beruf ein Paar Unaussprechliche trägt, deren Stoff vor gar nicht so langer Zeit noch irgendwo als mächtiger Fichten- oder Kiefernstmnm im Walde stand. Oer Setrieb öer Kriegssefangenenpost in Deutsthlanö. Mit der gleichen Sorgfalt, wie sie die deutsche Feldpost an- wendet, um Deutschlands Söhnen im Felde ihre nach dielen Millio- neu Stücken zählende Feldpost zuzustellen, wird die Post der Kriegs- gefangenen in Deutschland behandelt; nur ist es natürlich eine viel schwierigere Aufgabe, die ans dem Auslände kommenden, in zahl- losen Fällen mit ungenügender oder falscher Aufschrift versehenen Sendungen in die richtigen Hände zu bringen. Bon amerikanischcc Seite ist unlängst ein fesselnder Einblick in den Betrieb der Post für die Kriegsgefangenen innerhalb Deutschlands gegeben worden. Er findet sich in einem der wöchentlichen Berichte über die Zustände in Deutschland während des Weltkrieges, die die amerikanische „Association of Commerce and Trade"(Berein für Handel und Gc- werbe) veröffentlicht. Von drei Seiten bekommt Deutschland die Post für seine Kriegsgefangenen zugesandt, und nach drei Seiten verschickt es auch die Sendungen der Kriegsgefangenen; die Schweiz hat dKe Vermittlung für Frankreich(mit den Kolonien), Serbien und/ Monte- ncgro übernommen, die Niederlande erweisen Großbrita'/nien dc/i gleichen Liebesdienst, während über Schweden die K'üegsgefiin- gcnenpost Rußlands geleitet wird. Man sollte annehmen, die Ab- sender gäben sich mit der Aufschrift den Sendunge� die- größte Mühe, damit ihre Angehörigen die für sie bestimmte Host so rasch wie möglich bekommen. Allein, das ist nicht der Fall, und namen:- lich die aus Frankreich kommenden Sendungen mar/sen Schwierig- keiten. Da kommen Brief an, auf denen die Numr�er oder sonstige Bezeichnung des Kriegsgefangenenlagers fehlt; ja, es kommt nicht selten vor, paß die Aufschrift etwa lautet:„An Armand Martin, Kriegesgefangener in Dentschland." Die Franzosen haben frei- lich keine Verlustlisten, und so kommt es oft vor, daß sie durch einen derartigen Brief feststellen wollen, ob ein lange vermißter Sokdat etwa in deutsche Kriegesgefangenschaft geraten sei. Die Oberleitung der KricgeSgefangenenpost hat in der Tat mustergültige Einrichtungen getroffen, mit deren Hilfe auch die Briefe mit der unzureichendsten Aufschrist ihrem Ziele zugestihrt werden können. In Berlin befindet sich die Hauptstelle stir diese Kriegsgefan- genenpost; nach dem amerikanischen Bericht ist dort eine Karten- Gesellen zusammen waren. Und der Rolof war, wie man sagt, unsere Seele. Denn auch seine Heiterkeit schien er in � den zwei oder drei Monaten allmählich wieder gefunden zu haben und brachte nun alle damit auf die Beine. Er tvar voAer Einfälle und Streiche, doch tvgren weder dumme noch böse dabei, er lachte, er neckte, trödelte und tollte, er tat seinen Dienst wie einen Zeitvertreib und war der Liebling aller, der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Nur zu- weilen, wenn wir in der Dämmerung einmal vor unserem kleinen Ofen saßen, einsam und schweigend, da man nicht imnier Gesellschaft hat und nicht immer reden kann, wenn dann die kleinen Torfflammen bläulich durcheinander schlüpften und zuckten und von draußen die Sterne durch die gefrorenen Fenster flitterten, da kam's denn wohl einmal über ihn mit Trübsinn und Heimweh. Sobald das aber geschah— und ich merkte es gleich, da ich ihn selten ans den Äugen und nie aus dem Kopfe verlor— fuhr ich mit diesem und dem schnell dazwischen und ließ nicht nach, bis ich den Erinncrungstcufel wohl oder übel ausgetrieben hatte. Schlimmer war es noch, als er einigemal Bekannte, vielleicht Schmuggclgenossen, aus unserer Heimat traf, die sich wie Kletten an ihn hingen. Allein er sagte mir ehrlich selbst zuerst davon und ich brachte ihn unschwer dazu, sie laufen zu lassen. Das Uebelste fürchtete ich erst vom Früh- jähr, ivenn das Wetter aufgeht und die Schiffahrt beginnt; denn so ein regulärer Seehund fern von der See ist wie ein Zugvogel in Gefangenschaft: sie merken beide ihre Zeit. Allein ich hoffte auch, daß wir dann aufbrechen, tiefer ins Land ziehen und ihm so seine Grillen Vertrieben würden. „So verging die Zeit und wir waren bereits in den letzten Januartagen des Jahres 1806. Der Winter tvar bis dahin scharf gewesen, der Schnee gehäuft und der Frost hatte, ohne auszusetzen, seit Monaten die Erde gebärtet und den Fluß mit fester Decke bedeckt. Nun aber sprang das Wetter mit einem Male um, es gab ein Paar trübe Tage mit lauem Wind aus Südwest und warmem Regen, der Schnee ging weg wie geleckt, das Eis begann zu knacken und das Wasser stand hoch darüber. Am nächsten Tag war es Frühlings- Wetter, es taute mit Macht, dabei war der Himmel blau, die Sonne strahlend, und Baum und Gesträuch' schauten so lustig drein, als ob sie jeden Augenblick die Knospen heraus- schicken möchten. Ihr seht mich an und wundert euch, weil ich das noch so genau weiß. Äber ich weiß auch noch das Datuni, ihr Herren, und es hat nicht den Anschein, als ob ich's je vergessen werde. Es war am siebcnnndzwanzigsten Januar und, wo ich nicht irre, cm Montag.(Forts. solgt-J fammluttg vorhanden, Sie etwa 1 200 000 einzelne Blätter zählt. Hierauf sind etwa 900 000 Russen und 300 000 Franzosen, Belgier, weiße und farbige Engländer verzeichnet. Auf jeder Karte steht der vollständige Name des Gefangenen, sein militärischer Dienst- grad, sein Truppenteil, Regiment, Kompagnie usw., sowie seine Heimat; ferner ist das Kriegsgefangenenlager oder das Lazarett angegeben, indem er sich befindet. Die Ausfüllung dieser Karte geschieht für jeden Gefangenen in seinem Kriegesgefangenenlager, und zwar sind es selbstverständlich französische Soldaten, die die . Karten für französische Soldaten ausfüllen usw. Merkwürdiger- weise findet sich in der Kriegsgefangenenpost der Russen, bei denen die Kunst des Schreibens und Lesens doch lange nicht so verbreitet ist, wie bei ihren Verbündeten, die größte Sorgfalt bei den Auf- schriften. Es gehen täglich rund 3000 Sendungen mit unvollstän- digen Aufschristen ein. Bei allen Sendungen an die Kriegsgefan- genen stehen die Postkarten der Menge nach obenan. Im ganzen gehen täglich in der Berliner Hauptstelle 30 000 Briefe und Karten mit russischer Aufschrift ein, während im ganzen Monat 12 000 Pakete aus Rußland anlangen. Die deutsche Kriegsgefangenenpost — die bayerische und württembergische ist hier nicht mit einbegrif- fen— hat monatlich 4 500 000 Postsendungen von den Kriegsgefan- genen innerhalb Deutschlands und 7 000 000 Sendungen an die Kriegsgefangenen in Deutschland zu bewältigen. In dem dem Bericht vorangehenden Monat Februar haben die russischen Kriegs- gefangenen 3 400 000 Briefe und Postkarten empfangen und ab- gesandt, Franzosen und Belgier 7 200 000 und Weiße und farbige Engländer 1200 000. Das macht abgerundet 12 Millionen Sen- düngen in einem einzigen Monat.(z) kleines Zeuilleton. Ein neues Wüö. Die Verfügung des preußischen Landwirtschaftsministers über den jagdmäßigen Abschuß junger Saatkrähen zugunsten der Volks- ernährung ist mancherlei Bedenken begegnet, da man vielfach eine Vernichtung der Saatkrähen, die durch die Vertilgung von Insekten- larven, Maikäfern, Regenwürmern und anderer schädlicher Tiere hohen Nutzen stiften, befürchtet. Wie unberechtigt aber solche Bedenklichkeiten sind, beweist eine einfache Bercchtumg G. Nörigs aus dem Jahre 1898, auf die er selbst jetzi wieder im neuesten Heft der„Deutschen Landwirtschaft- lichen Presse" hinweist. Da die ministerielle Verfügung nur für die Staatsforstbeamten verpflichtend sein kann, so kommen als sichere Unterlage für den Ertrag aus diesem Vorgehen nur die Staats- forstreviere und Gebiete, die sonst staatlicher Aufsicht unterstehen, in Betracht. Die damaligen Erhebungen über den Saatkrähen- bestand fanden ebenfalls nur über dieseS Gebiet, aber hier mit ziem- licher Genauigkeit, statt. Die Vögel leben häufig in größeren Verbänden kolonienweise zu- sammen: derartige Niederlassungen wurden in Preußen in den unter- suchten Revierteilen 179, im übrigen Reich 213 gezählt, die Zahl der Nester damit aus 135 110 beziehungsweise 00 040, im ganzen also auf 200 000 Stück veranschlagt. Die Zahl der Nester dürfte sich seither nicht wesentlich verändert haben, so daß für die obige Zahl ein Zu- wachs von 800 000 Saatkrähen angenommen werden darf. Bis- her wurden ohnehin schon Hunderttausende der jungen Vögel abgeschossen, ohne daß aber von einer Verwendung die Rede hätte sein können. Man kann daher ohne Schaden für die Erhaltung der Art eine halbe Million Krähen innerhalb weniger Wochen auf den Markt schicken und diesem damit eine wesentliche Bereiche- rung zukommen lassen. Erfordernis ist nur die sorgfältige Behand- lung. genau wie bei anderen Wildvögeln, besonders das gründliche Auskühlen de» warmen Tierkörpers und die Entfernung der Ein- geweide vor der Verschickung. Falls die neue Nahrung Anklang fände und auch die Privatwaldbesitzer sich dadurch veranlaßt sähen, im Sinne der ministeriellen Verordnung zu handeln, so könnte die Zahl der erlegten Vögel fast verdoppelt werden, ohne daß damit eine Gefährdung ihres Bestandes verbunden wäre. Ein Zeichen öer Zeit. Von verschiedenen Seiten wurde schon auf die Bedeutung der Gewinnung von Bluteiweiß hingewiesen. So haben die bekannten physiologischen Chemiker Prof. Salkowski-Berlin und Prof. Hos- meister-Stratzburg, jeder ein Verfahren zur Gewinnung von ent- färbtem Bluteiweiß bekanntgegeben. In der.Münchener Med. Wochenschrift" kommt Salkowski nochmals auf diesen Gegenstand zurück. Für die Oeffentlichieit ist es von Interesse zu hören, wie man heute auch mit Verfahren, die in wissenschaftlichen Blättern für die Allgemeinheit bekanntgegeben wurden, Geschäfte macht. S. schreibt: „Es hat sich, wie ich erst kürzlich ersehen habe, hier und angeblich auch in anderen Großstädten eine Gesellschast unter der Be- zeichnung„Fleischersatzzentrale" gebildet, die mein Verfahren ge- schäftlich verwertet. Daß daS Verfahren dasselbe ist, davon habe ich mich persönlich in einer Berliner Volksküche überzeugt... Es liegt mir daran festzustellen— obwohl dies aus dem Vorher- gehenden vielleicht schon ersichtlich ist— daß ich zu dieser Gesell- schaft in keinerlei Beziehung stehe. Leider haben die Gutachter, an die sich diese Gesellschaft gewendet hat, nicht gewußt, daß dies Ver- fahren von mir herrührt, vielmehr das Verfahren, das von der Ge- sellschaft als Geheimverfahren verkauft wird, für eine, Erfindung ge- halten. Hätten sie die Quelle des Verfahrens gekannt, so würde dadurch für die gememeinnützigen Unternehmungen viel Geld erspart worden sein."_ Das Einkochen von Irüchten ohne Zucker. Vielfach ist die Sorge geäußert worden, daß in Zeiten der Zuckerkarte das Einkochen von Obst unmöglich wäre. Es wurden auch Befürchtungen laut, daß dadurch wieder die Obsternte nicht entsprechend ausgenutzt werden könnte. Glücklicherweise sind beide Bedenken hinfälug, denn, wie Fr. G. Sauer in der„Pharmazeu- tischen Zeitung" nachweist, ist das Einkochen von Früchten ohne. Zücker nicht nur möglich, sondern bringt sogar noch mancherlei Vor- teile, denn zunächst vergrößert der Zucker die Einkochmenge, also auch den Bedarf an Gläsern, dann aber sollen die Früchte ihre natürliche Form, ihre ursprüngliche Farbe und ihren Duft und Geschmack besser behalten als die mit Zucker eingekochten. Auch zum Einkochen der Früchte ohne Zucker kann man sich der üblichen Konservengläser, soweit die Gummiringe noch brauchbar sind, be- dienen. Für kleinere Früchte sind auch alle Flaschen, die durch K»rke verschlossen werden, benutzbar. Zwecks gründlicher Reini- gung werden Gläser, Flaschen und Korke in Wasser mit 1 Proz. Salzsäure geweicht. Ebenso sollen sämtliche Früchte einige Mi- nuten in solchem säurehaltigen Wasser liegen, denn hierdurch werden die in den Schalen haftenden Bakterien zerstört. In die Gefäße wird zunächst 2 Zentimeter hoch gut abgekochtes, erkaltetes Wasser gegeben und nun die rohen Früchte recht fest eingeschichtet. Die offenen Gläser werden in einem Kessel mit wenig kaltem Wasser gesetzt und diese langsam auf 70 Grad Celsius erwärmt. Dann werden die Gefäße vollständig verschlossen und nun etwa eine Stunde in Wasser von 05 Grad Celsius erhitzt. Vor der Ver- Wendung gießt man den Fruchtsaft ab, löst darin den Zucker unter Erwärmung und legt in den warmen Zuckersast die Früchte, die nach dem Erkalten gleichmäßig süß schmecken. Will man statt des Zuckers Sacharin verwenden, so mutz man bedenken, daß das Sacharin ein Erwärmen nicht verträgt, da es sich dabei zersetzt. Notsze». — Vorträge. In der Treptow-Sternwarte spricht omDienZ- tag. den 23. Mai, abends 7 Uhr, Dr. Archenhold über„Stern- Haufen und neue Sterne". — Kunstchronik. Hugo Vogel hat jetzt ein 19 Meter langes und 8 Meter hohes Wandgemälde„Prometheus bringt den Menschen das Feuer" in der Berliner Charils vollendet, das das größte Wandgemälde in Berlin ist.— Bei Paul Cassirer ist die Sammlung Julius Stern ausgestellt, die dort am Montag ver- steigert wird. Sie ist ein Spiegelbild der Berliner Sezession ftüherer Jahre und der französischen Impressionisten. Besonders gut vertreten ist Monet und Liebermann, daneben besonders reichhaltig Ludwig v. Hofmann. — Eine„Bildnis-Ausstellung" wurde in der Akademie der Künste am Pariser Platz eröffnet. Sie enthält einige Hunderte von Bildern szumeist Photographien) von„bedeutenden Persönlichkeiten", die vom vorbereitenden Komitee dazu ausersehen sind. Nicht alle haben der Einladung entsprochen, aber die Fürst- lichkeiten, Heerführer. Parlamentarier, Künstler, Gelehrten, Schrift- steller usw., die dem guten Zweck zuliebe ihr Konterfei einsandten, haben es zumeist mit Untenchrift und Wahlspruch versehen. Für Psychologen und Graphologen bietet sich da— abgesehen von den aktuellen Reizen— viel Stoff. Die Galerie bietet weiten Spiel- räum: vom Papste bis zum Holzbock. — Prelis Nachfolger. Ludwig v. Hofmann wird als Nachfolger Hermann Prell» an die Dresdener Akademie kommen. Beider Talente sind wesentlich dekorativ, und wenn auch Hofmann in der Sezession auszustellen pflegte, so ist er im Grunde wenig von dieser Bewegung beeinflußt. Er war kein Naturalist, kein Impressionist. Daneben find als Lehrer für Malsäle der Dresdener Georg Luehrig und der Berliner Sezessionist Robert Breyer in Aus- ficht genommen. — Kompositionen Rousseaus aufgefunden. Dem Bibliothekar des Pariser Konservatoriums ist es gelungen, unter den anonymen Werken seiner Sammlung ein Heft aufzufinden, das ver- schollene Kompositionen I. I. Rousseaus enthält. Es sind zwölf italienische Gondellieder, die während des Aufenthalts Rousseaus in Venedig 1743—44 aufgezeichnet und 1753 in Paris herausgegeben worden sind. Das Heft beginnt mit dem boshaften Satz:„Diese Liedchen sind für jene Leute komponiert, die, obgleich Franzosen, Geschmack an der Musik gefunden haben, ihren Charakter verstehen und singen lernen möchten".• — S t ä d.t.e, die durch den Krieg reich wurden. Den norwegischen Hafenstädten sind infolge des' Krieges die Millionen fast wie die Heringsschwärme zugeschwommen. So hat beispielsweise die sieuerzahlendo Bevölkerung der Stadt Stavanger sich' allein um 2000 Personen vermehrt, Das versteuerbare Ver- mögen stieg dort von 71 Millionen aus 93 Millionen Kronen inner- halb eines Jahres. Das steuerpflichtige Einkommen stieg in dieser Zeit von 12 Millionen auf 22 Millionen Kronen, also 83 Proz. Die Stadtverwaltung schwimmt infolgedessen geradezu im Gelde. — Auch die Schiefertafeln werden teurer. Be- kanntlich wurden in vielen Schulen aus Ersparnisgründen Schiefer- tafeln eingeführt. In der„Papier-Zeitung" lesen wir nun die folgende Bekanntmachung de» Verbandes der Schiefertafelfabriken. „Unaufhörlich andauernde Verteuerung aller Roh« und Hilfsstoffe sowie immer größer werdende LetriebSschwierigkeiten zwingen nnS, den bisher berechneten Teuerungsaufschlag mit sofortiger Wirkung von 10 auf 20 Proz. zu erhöhen. Alpatta-Mantei au» vorzüglicher War«, sehr«leg. Schnitt mit reich verzierten Schlössern und schmuckem Seiden» kragen 25.50 Popeline- Mantel .mit dem modernen Leber. kragen. 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