Hr. 121.- 1916. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Mtwch. 24. Mai. tzemik?bsen a!s Mensch. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages. In eineiig 1888 in der dänischen Zeitschrift„Tilskueren* erschienenen Aussatz.Ibsen in Berlin" erzählt der Verfasser von dem begeisterlcn Empfang, den der nordische Dichter bei seinem Besuch in der deutschen Reichshaupistadt gefunden Kalte. Ibsen sagte und schrieb damals, es sei sein sehnlichster Wunsch, das;„einmal die Zeit kommen möge, da er kein fremder mehr in dem grotzen germanischen Hause sein werde." Der Wunsch mag der heutigen Generation be- fremdlich und unverständlich erscheinen, aber man mutz sich gegen- wärtig halten, datz vor dreitzig Jahren Ibsen und seine Dramen bei unS noch heftig umstritten waren. Das deutsche Theaterpublikum hat allerdings wohl trotz den heftigen Pretzfehden, die die dramatischen Bestrebungen Ibsens auslösten, und ungeachtet des Hcimats- duslcs seiner Werke zu keiner Zeit daS Gefühl gehabt, datz da von der Bühne herab ein Fremder in einer fremden Sprache zu ihm redete. Wie hätte der Dichter ihm auch fremd sein können, dessen Mutter, Grotz- und Urgroßmutter Teulsche waren, der in der Schule Deutsch gelernt hatte und es ohne jeden Anklang sprach, der in München seine zweite Heimat gefunden hatte. Solange Henrik Ibsen in München wohnte, war er täglich abends zwischen CVs und V1/« Uhr im Safe Maximilian zu finden, wo er mit unfehlbarer Regelmäßigkeit am zweiten oder dritten Tischchen rechts vom Eingang Platz nahm, um ein Glas Bier oder ein Gläschen Kognak vor sich, sofort zur Zeitung zu greifen, über die er jedoch zumeist hinaussah, wenn er nicht in starrer Unbeivcglichkeit mit nach innen gekehrtem Blick dasaß, die Lippen eingekniffen, die linke Hand auf dem Schenkel, die rechte aus dem Marmorlischchen ruhend, und die Finger gekrümmt, als hielten sie die Feder l Das tvar die Zeit, in der er die ergreifendsten jener Seelcngemälde schrieb, in denen der unbestechliche Wahrheitskünder die Bühne zum Tribunal wandelte, mit unerbittlich bohrender Logik das Recht sucht und der sozialen und moralischen LebenSlüge erbarmungslos das Urteil spricht, jener LebenSlüge, mit der er den modernen tragischen Charakter schuf und ihm das Kainszeichen ausdrückte. Es ist der germanische Ticfsinn, der den nordischen Magier befähigte, die Tages- fragen, die ihm von außen zugetragen wurden, zu Lebensfragen zu vertiefen und damit dem modernen Drama zum Lichte der Bühne zu verhelfen. DaS ist die geschichtliche Bedeutung seines Werks. Wie sehr es dem Menschen Ibsen aber ernst war mit dem Programm, das der Dichter Ibsen in seinen Dramen cnlwickelt hat, das bclvcist über- zeugend eine Episode, die Gunnar Helberg in seinen persönlichen Erinnerungen an Ibsen erzählt. Es war in den siebziger Jahren in Rom, als Ibsen, der damals mit den Plänen zu„Nora" be- fchäsligt war, in der Generalversammlung de-, artigen skandinavischen Vereins zur allgemeinen Ueberraschung ganz plötzlich den for- wellen Antrag stellte, den Frauen das Stimmrecht zu verleihen. Man war umso peinlicher von diesem Vorgehen überrascht, als ja der Antrag praktisch vollständig gegenstandslos bleiben mußte. Aber mit Ibsen war nicht gut Kirschen essen und deshalb inußte man Wohl oder übel seinen Antrag, den er mit einigen Worten be« gründete, zur Debatte stellen. Es folgte dann die Abstimmung, in der, wie nicht anderes zu erlvarlcn war, der merkwürdige Antrag gegen Ivenige Stimmen abgelehnt wurde. Ibsen war außer sich und verlangte, daß die Abstimmung wiederholt werden solle. Und als dies als unmöglich bezeichnet wurde, trat er in starker Erregung air jeden der Anwesenden heran mit der Frage:„Haben Sie dafür oder dagegen gestimmt?' Die meisten entzogen sich durch die Flucht der indiskrelen Frage, rnd Ibsen verließ wutschnaubend das Lokal, um grollend sich wochenlang den Freunden fern zu ballen. Aber bei dein alljährlich stattfindenden Gesellschaftsabend der Kolonie erschien er in unladcligenr Gcscllschaflsanzug, mit Orden geschmückt, nahm einen Augenblick Platz, stand aber dann plötzlich aus. trat an einen großen Tisch und begann angesichtö der tanzenden Paare eine Rede zu halten, in der er mit furchtbarem Ernst auseinandersetzte, daß er dem Verein einen großen Dienst babe erweisen wolle», indem er den neuen Ideen Eingang zu ver- schaffen versucht habe, von denen sich niemand frei machen dürfe, selbst nicht hier und in diesem Verein, in dieser, wie er sich aus- drückte,„geistigen Staubatmosphäre". Und wie war sein Ge- schenk ausgenommen worden? Wie ein verbrecherisches Attentat! Und welche Stellung hätten gerade die Frauen dazu eingenommen, die Frauen, für die ja doch sein Geschenk gerade bestimmt gewesen war. Sie hatten gegen ihn gewühlt und gehetzt.„Was sind das für Frauen I" schrie er.„Sie sind schlechter als die niedrigsten Geschöpfe, schlechter als der Auswurf der Menschheit, unwissend, unverständig. unmoralisch, ans demselben Niveau stehend wie die niedrigsten, die elendesten, die..." Hier fiel eine Gräfin in Ohnmacht und wurde hinausbefördert. Ibsen fuhr aber unbekümmert um den Zwischenfall fort und berauschte sich förmlich an seiner Bcredtsantkeir über die Schlechtigkeit der Menschen im allgenreinen und die Vcrworsenheit der Frauen im besonderen, über ihren beständigen Widerstand gegen neue Ideen, die die Menschen größer, reicher und besser zu machen bestimmt seien. Und als er fertig war. ging er hinaus, nahm seinen Ueberzieher und verschwand still und ruhig in der Nacht. Zu derselben Zeit, als die technischen Erfindungen und neuen naturwissenschaftlichen Entdeckungen im Brennpunkt des allgemeinen Interesses standen, lieble es Ibsen, über diese Dinge mit einer Unverfrorenheit zu reden, die im vollständigen Mißverhältnis zu seiner sonstigen Zurückhaltung stand und umso peinlicher auf die Anwesenden wirkte, als seine Darlegungen von keiner Sachkenntnis getrübt waren. Er sprach, wie Heiberg behauptet, von Flugmaschinen und Elektrizität mit einer Sicherheit, die auf die Laien ihren Eindruck nicht verfehlte, den Sachverständigen und Fachleuten aber eine Gänse- haut über den Rücken laufen Uetz. Man schwieg in peinlicher Ver- legenheit und aus Schonung für den großen Dichter; aber Jens Peter Jacobsen konnte doch nicht umhin, oft bedenklich den Kopf zu schütteln, wenn sich Ibsen auf sein besonderes Fach, die Botanik, verirrte. Jacobsen läckielle dann mit seinem klugen und liebens- würdigen Lächeln und flüsterte dem Nachbar ins Ohr, daß er viele kleine Jungen kenne, die besser in der Botanik Bescheid wüßten, als der große Ibsen. Entgegen der allgemeinen Annahme, die in Ibsen einen gräm- lichen, dem Verkehr abgeneigten Sonderling und Einsamkeitsmenschen sah, beiont Heiberg, daß man unbeschadet des Dranges zur Einsam- keit des Hausherrn kaum ein Heim finden konnte, wo es sich so an- genehm und behaglich leben ließe wie in Ibsens Haus. Ganz be- sonderS vergnüglich war es, Ibsen im Verkehr mit den vielen alten Damen zu sehen, die sich in seinem Hause zusammenfanden. Er setzte sich zu ihnen und erzählte ihnen von seinen Erlebnissen, seinen Büchern, seinen Reisen mit einer Lebhaftigkeit, die die ZuHörerinnen entzückte._ Kleines Feuilleton. Schtvvzeröiitsch unö hochüeutsch. Wenn seit Kriegsausbruch in der Schweiz sich so manches zu- getragen hat, was besonnene Männer hüben wie drüben nicht billigen konnten, so ist es doch wieder erfreulich zu beobachten, mit welchem Freimut, Ernst und Nachdruck mehr als ein Deutsch- schweizer gerade in dieser Zeit den innigen Zusammenhang der dcutschschweizer Kultur mit der deutschen Gemeinkultur bekannt und rühmend hervorgehoben hat. Zu ihnen gehört der Schweizer Dichter Otto von Greycrz, dessen schöne Worte über das Verhältnis von Schwyzerdütsch und Hochdeutsch„Die Schweiz im Krieg", das neueste Kricgshcft der„Süddeutschen Monatshefte", veröffentlicht, und die uin so mehr ins Gewicht fallen, als Greyerz auf sein heimisches Schwyzerdütsch von Herzen und mit Recht stolz ist. Er hat recht, wenn er die Ehrwürdigkcit des Schwyzerdütsch rühmt, das in der Schweiz im alltäglichen Verkehr von Hoch und Niedrig, von Gelehrt und Ungelehrt gesprochen wird; recht hat er, wenn er für das Hochallenianische das Wort Goethes besonders in Anspruch nimmt, daL vom Deutschen im allgemeinen gesprochen war:„Wert und Würde der Ahnherren treten rein und schön aus unserer Sprache hervor", denn die Schweizer Sprache hat so manches Stück schönen, uralten Sprachgutes aufbetvahrt, das dem Gemeindeutschen verloren gegangen ist. Und vollends kann Greyerz mit gutem Fug den un- endlichen Reichtum de« Schwyzerdütsch rühmen, das eine unendliche Anschmiegsamkeit sür die zallllosen Bedürfnisse des täglichen Klcinlcbens hat, wie jede Mundart. Er darf sich aus das Wort Grimms berufen:„Die schweizerische Volkssprache ist mehr als bloßer Dialekt, wie es schon aus der Freiheit des Volkes sich begreifen läßt. Noch nie hat sie sich des Rechts begeben. selbständig aufzutreten und in die Schriftsprache einzuflietzcn, die freilich aus dem übrigen Deutschland mächtiger zu ihr vor- dringt." Aber Greyerz sieht neben den Vorzügen seiner Mundart auch deren Mängel, die sie ungeeignet machen zur Wissenschaft und zur höheren Politik, da ihr das Vermögen der begrifflichen Abstraktion und der streng logischen Gedankenverbindung abgeht.„Ganz unumstritten steht darum die deutsche Gemeinsprache da, als Organ der Wissenschaft, der Staatsberatung, des Gottesdienstes und der erhabenen Dichtung", so bekennt er die Unciitbehrlichkeit des Hochdeutschen für den Deutschschweizer, der lein Schwyzerdütsch spricht.„Mit dieser letzten Eigenschaft schwebt sie uns allen wohl am ehesten vor, wenn wir Deutsch- schweizer sie den anderen Sprachen der Welt voranstellen. Sie gibt uns das, was unserer Mundart fehlt und niemals in ihr zum Aus- druck kommen kann: den Adel des Gedankens und den Hochschwung des Gefühls. Darum find wir ihr in tiefer Dankbarkeit ergeben. Schwärmerischer und ergriffener hat diesen Dank niemand aus- gesprochen als der Schweizer Dichter Lcuthold in seiner Ode„Die deutsche Sprache". Willig erkennt der Schweizer das Hochdeutsch als die„Sprache der Dichter und Denker" an; er ist für ihren sprach- lichen Wohllaut durchaus nicht unempfänglich:„Da nun die deutsche Gemeinsprache, kunstvoll gebildet, wie zum Beispiel auf der Bühne, sich durch Reinheit der Vokale und Stimmhaftigkeit gewisser nach norddeutscher Art ausgesprochener Konsonanten vor unserer Mundart auszeichnet, so wissen wir ihren Wortlaut auch zu schätzen. Wo immer wir ein schönes, reines Hochdeutsch zu hören be- kommen, haben wir da? Gefühl eines reineren Wort.'langes, einer edleren Anmut." Am tiefsten verpflichtet endlich sind nach Greyerz die Schweizer dem weitherzigen Verhalten der deutschen Schriftsprache gegen- über landschaftlichen Mundarten; die deutsche Literatursprache war und blieb bis heute aufgeschlossen sür jede kraftvolle Mundart und jedes wirkliche Talent, das aus ihr schöpfte, und ganz besonders gilt dies für die schweizerischen Schriftsteller, die in Jeremias Gotthelss und Gottfried Kellers Bahnen fortfahren, aus deni alten Erbteil ihrer Mundart die deutsche Schriftsprache zu bereichern." Eine Jorschungsreise nach öer Gsierinsel. Das Britische Museum hat während des Krieges die wissenschaftliche Erforschung der Osterinsel durchgeführt, zu der es im Frühjahr 1lll3 ein Forschungsschiff ausgesandt hatte. Die„Maua" eine eigens sür diesen Zweck gebaute Schonerjacht mit Hilfsmaschinen, hatte im Früh- jähr 1913 Southampton verlassen, warimJanuarlSl�anderchilenischen Küste und kam am 29. März an ihrem Vestimmungsorte, der Osterinsel, an. Nach dem Berichte, den eine Teilnehmerin der Forschungsreise in der „Times" veröffentlicht, ist die Ausbeute der Forschungsreite außer- ordentlich reich und wertvoll; die merkwürdigen Terrassen oder Be- gräbnisplätze, auf denen die gewaltigen Statuen stehen, fassen die ganze Küste ein. Es hat sich herausgestellt, daß die Anzahl dieser Statuen bedeutend größer ist, als man nach allen bisherigen Be- richten annehmen konnte. Jede ist einzeln gemessen und untersucht worden. Das wichtigste der ganzen Untersuchung war der kleine erloschene Krater, aus dessen Gestein die Statuen ausgchauen sind; zwischen 100 und 200 liegen noch in verschiedenen Zuständen der Bearbeitung da und auf dem Hange sind etwa 80 innerhalb und außerhalb des Kraters aufgerichtet, davon die meisten zum großen Teile durch Geröll verschüttet. Die Hauptarbeit der Forscher bestand in der Ausgrabung dieser Statuen, zu der die Hilfe der etwa 250 Köpfe zählenden polynesischen Bewohner der Insel nötig war. Das gesamte wissenschaftliche Ergebnis der Forschungen über- trifft die Erwartungen bei weitem. Außer den archäologischen Funden erzielt« man insofern ein wichtiges Ergebnis, als sich heraus- stellte, daß es unter den Einwohnern der Insel noch eine lieber- lieferung gibt. Manche darunter konnten sich noch der Zeit vor der Ankunft der Missionäre entsinnen, die ins Jahr 1804 fällt. Vorher bildete den Mittelpunkt des Eingcborcnenlebcns eine Zereinonie, die daS Auffinden des Eies eincS bestimmten wandernden SeevogelS zum Ziel hatte; dieser Tag bildete den Anfang des Jahres und das Jahr wurde nach dem Finder genannt. Ueber die steinernen Denkmäler war aus den Ueberliefcrungen der Einwohner nur sehr wenig zu entnehmen. Es war zwar noch ein alter Mann am Leben, der etwas von der Schrift der Osterinsel wußte, allein er war schwer krank und starv während des Aufenthaltes der Forscher auf der Osterinsel. Bei der Ueber- setzung inußte man zuerst durch daS Spanische hindurch, bis sich schließlich eine Möglichkeit bcrausslellle, unmittelbar miS der polynesischen Sprache zu übersetzen. Nach lümonatigrm Aufenthalt verließen die Forscher im August 1915 die Insel. Der Weltkrieg war längst ausgebrochen, allein sie hatten davon wenig gemerkt. Einmal hatten sie einen Besuch des„Prinz Eitel Friedrich" gehabt, auch das Geschwader, das bei den Falllandsinseln unter- gegangen ist, hat der chilenischen Insel einen kurzen Besuch abgestattet. Die Tätigkeit der Forscher ist aber anscheinend durch den Krieg über- Haupt nicht berührt worden._ Notizen. — Der V o l ks ch o r hat soeben seinen 12. Jahresbericht (für daS Jahr 1915/1S> erstattet. Der nach Ausbruch des Krieges gefaßte Beschluß, die Chortätigkeit fortzusetzen, ist getreu unter Auf- bietung großer Opfer durchgeführt worden. Der Volkschor ist der Berliner' Arbeiterklasse erhalten geblieben, obwohl die männlichen Mitglieder fast ganz verschwunden sind und auch den weiblichen die Teuerung die Mitarbeit erschwerte. Der Konzcrtbetrieb konnte un- eingeschränkt aufrechterhalten, ja noch erweitert werden— und alle Konzerte waren bis auf eins völlig oder nahezu ausverkauft. Die Eintrittspreise waren dabei von 50 auf 30 Pf. ermäßigt. Der Be- such der Proben war noch besser als in Friedenszeiten. Das zeugt für den guten Geist im Chor, der jeden seine Pflicht tun heißt, Ivo er auch steht, und bürgi dafür, daß in künsligen Zeilen der Chor wieder zu voller Blüte erstehen wird. Erzählungen eines alten Tambours. 22] Von Edmund H o e f e r. „.Nolof—' sagte ich, und weiter ging es nimmermehr. Er schlug die Augen auf, sah nrich an, bewegte leise den Kopf und sprach:.Wieder da, Ohm/ Und das war auch das Ganze. Es rührte sich kein Muskel in seinem eisen- harten Gesicht, und zum erstenmal merkt' ich's, das; er seinem Vater ähnlich sah, freilich wie ein Laub im Frühjahr, wo's noch frisch und grün ist, dem alten, das der Herbst dürr und grau gemacht hat.— Indem fuhr der Wagen weiter zur Wache, ich ging stunipfsinnig hinterdrein, drückte ihm, da er hcruntergehobcn und hineingeführt wurde, noch die Hand, und dann dürft' ich ihn nicht lvciter sehen. Denn er war kein Deserteur allein, er tvar auch ein Verbrecher, und ich will euch gleich sagen, wie das gekommen, und wie ich es am Abend vom Unteroffizier seiner Begleitung und nachher von ihni selbst erfahren habe. „Einige Zeit vor diesem Elend hatte man, was man längst hätte tun sollen, eine Kompagnie Füsiliere nach unserer Heimat gelegt, da die Steucrbcdicntcn dem Schmuggel nicht mehr wehren konnten und sich auch kaum noch Leute finden mochten, die willig dorthin in ihren offenbaren Tod gingen. Dann war alles eine Zeitlang still gewesen, sei es des Militärs, sei es des starken Eises wegen. Endlich aber fand man den Oberkontrollcur am Galgen; am Tage darauf kehrte der Jan zurück und am Abend erschien mit dem dort früher beginnenden Tauwetter ein Schiff, tvclches sich so weit wie möglich in das Eis hineinschob und sein Signal gab. Zu Boot konnten die Schmuggler nicht hinaus, aber sie nahmen Schlitten und kamen gegen zivei llhr nachts mit voller Ladung zurück, unter Anführung des Jan, der schon seit Rolofs Gefangcnnehmung seine alte Vorsicht nicht mehr ganz anwendete. Sie wurden entdeckt, angegriffen und unter- lagen endlich nach einem schweren Kampf, der die engen Straßen mit Toten und Verwundeten füllte. Unter den letzteren war auch der Jan. den man meiner Schwester beinah schon kalt ins Haus brachte, wo er denn keine Stunde darauf starb. So fand der seinen Lohn. Er hatte das Ende reichlich verdient, und Ivär's auch nur um seinen Sohn, den er ganz auf dem Gewissen hatte. „Da wissen die Weiber nicht was zu tun. Sie schicken einen Boten ab, um das Unglück uns anzuzeigen und uns zu Rai und Hilfe herbeizuholen. Der Bursch, den sie senden, ist Roloss Kamerad und denkt, es sei besser, wenn er den Jungen allein mit und später ganz davon bringen könne. Da er spät abends hier anlangt und einen Soldaten nach Rolof van der Kerken fragt, muß der zu allem Unglück ant- lvortcn: ,Dcn sprecht Ihr heut nicht, er schildert in der Sternbastion/ Hei I denkt der Bursch, das trifft sich gut, macht sich hin und braucht nur ein Wort zu sagen, und der Rolof ist Feuer und Flamme, und sie gehen auf und davon. „Als er nun gegen die Nacht ins Haus sprang, fand er den Sarg des Alten mitten im Zimmer auf den Stühlen aufgestellt und die WcibSlcute umher blaß und heulend. Allein zum Fragen und Reden>oar wenig Zeit; denn kaum hatte er der aufschreienden Mutter und Liebsten von seiner Desertion gesagt und daß er sogleich wieder weiter müsse, so hörten sie auch schon die Schläge an der Tür, die der Bursch zum Glück noch ins Schloß geworfen. Am Morgen schon tvar der Kurier angelangt, den man ihm von hier nachgesendet. Das Haus war bewacht, den Hcrcinschlcichcnden hatten trotz des Dunkels zwanzig Augen gesehen. ,Da sind sie l' schreit seine Mutter. ,Aufs Eis l aufs Eis!' ruft die Marie und schleppt ihn fast zum Hinterfcnstcr. Allein dort stehen Wachen. Sic stürzen nach der Seite, wo der kleine Hof zwischen diesem und dem Nachbarhause gegen Straße und Garten von hoher Brctterlvand umschlossen ist; da steigen die Soldaten eben herüber. Sic eilen in den verborgenen Raum. wo der Jan die Schmugglcrwaren ausstellte: da bricht die Tür unter den Stößen und ein ganzer Haufe quillt herein, voran der Kapitän der Kompagnie. „Ich fliehe nicht!, schreit Rolof, stößt die aufkreischenden Weiber zurück und reißt des Jan doppelläufige Flinte von der Wand, an den Kopf..Zurück, oder ihr seid des Todes!'— .Herunter mit der Flinte!' ruft der Kapitän vorspringend; ,ich bin Dein Vorgesetzter, du Hund, und befehle dir, dich zu ergeben!'—.Nein!' ruft ihm der Junge entgegen und drückt ab; der eine Schuß trifft den Offizier ins Herz, der andere wirft einen Soldaten nieder. Sie prallen zurück, sie lassen ihm Zeit die Flinte hinzuwerfen, den schweren Schiffssäbel und eine Pistole von den Nägeln zu reißen. Schießend und hauend fährt er aus sie, in sie hinein, treibt sie zurück, dringt durch die Tür auf die Straße, wütet wie der eingefleischte Teufel immer weiter, achtet nicht der Stiche, der Stöße und Schläge, die von allen Seiten auf ihn hageln, nicht des Bluts, des eigenen und fremden, das ihn dampfend um- spritzt. Er, der eine junge Kerl, schlägt sich gegen zehn, zwanzig, dreißig, gegen die ganze Kompagnie, waß weiß ich! Er jagt sie beinah' in die Flucht, denn rund herum drängen sie sich, wehren sie sich, verletzen sich selbst und die Haare steigen ihnen zu Berge, denn er rast, er ist wahnsinnig, ja! aber er ist ein Held, ein Held! Er allein, er allein, je länger, desto kräftiger, immer weiter durch die Masse, über Leichen, durch das Blut— Jesus, mein Gott!" schreit der Tambour rrnd springt auf und wirft bei der Erzählung des rasenden Kampfes selbst wie rasend die geballten Fäuste gen Himmel —„Jesus, mein Gott! so kämpft er, der eine, er allein, Rolof, allein, er, mein Herzblatt I Und alles schlägt auf ihn, und kein Satan steht ihm bei! Und ich alter, tauber, stumpfer Hund sitze zehn Meilen davon, denke mir das alles, alles! und fliege nicht herbei, um mit ihm zu siegen, zu sterben!" Der Alte bricht plötzlich ab, als ob ihm jetzt die Be- sinnung wiedcrkänic, er setzt sich langsam nieder, er stützt den Kops auf den Tisch mit einer harten, eckigen Bewegung und schweigt eine lange Weile, ohne daß seine bewegten Zuhörer ihn zu stören wagen. Als er dann nach einiger Zeit das Gc- ficht wieder erhebt, sind es die alten verwitterten Züge, ohne bedeutende Spuren der unniäßigcn Erregung. „Ja," sagte er,„ihr schaut mich verblüfft und ungläubig an, aber ich sage euch, die Leute bei mir zu Lande sind von sonderlichem Schlag; wenn die erst in Gang kommen, aber auch so recht in Gang, da sind es schier gar keine Menschen mehr, da sind es die leibhaftigen Teufel und führen Dinge aus, bei deren Ahnung schon einem andern die Haut zu schaudern anfängt. Der Unteroffizier, der es mir berichtete, meinte, er sei in einigen Schlachten gewesen und bei manchem Demele, wo man kaum die Augen habe auftun mögen vor Stichen und Hieben, allein ein solches Wüten habe er nie er- lebt. Die Kerle seien durcheinandergestürzt wie die Halme vor der Sense, und keiner habe gewußt, wo aus noch ein. Zuletzt, nachdem der Kampf schon einige Minuten gedauert, wirft ihm ein Steucrbcamter den Karabiner zwischen die Beine, daß er auf dem blutigen Boden ausgleitet und stürzt. Da hatten sie ihn denn.(Forts, folgt.) Dcnfschos Theater. Direktion: Max Bernhardt Mittwoch, Donnerstag: 8 Uhr: Die grüne Flöte(Ballett). Vorher; Die Lästigen. KammerHpiele. Mittwoch, Donnerstag: t1!, Uhr: Der eingebildete Kranke. Vorher: Ballett. TolhsbUhnc. Theater a. BDIowpl. Mittwoch, Donnerstag: S1!, Uhr: Die Mottenbnrger. Dir, Meinhard-Bernauer. Theater i.d.KöniggrätzerstraBe 7ä5 Uhr: Ein Trannisplcl. Komödienhaus S'l, Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theat. L>/, D.: Wenn zwei Hochzeit machen. I Sessing-Theafer. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uhr: Baamelster Solneß. (Albert Bassermann.) Donnerstag: Gespenster. (Albert Bassermann.) Deutsch. Künstler-Theater. 8'/. U.: Die selige Exzellenz. URANIA Tanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Im eroberten Warschau. Vorletzte Woche I Ansang'/zS Uhr. 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Z.)(Nachdruck verbeten) 246 487 KS 60 605 745 80 846 61 1132 87 271 876 76 976 2267(15 OflO) 404 677 638 802 3085 119 66 277 392(3000) 476 773(200 000) 915 4082 185(1000) 241 77 387 482 632 814 70 900 19 60 6195 417 1 8 675 704 76 877 957 93 6025 211 651 95 645 84 827 74 7261 319 88 672 612 17(600) 89 708 822(3000) 60(1000) 8024 86 101 279(600)£83 410 «07 865 9221 493 524 63 694 99 897 970 IO051 118 243 48 71 314 414 671 712 818 11061 77 265 319(1000) 805 60 1 2193 90 209 40 68 598 609 38 78(500) 878 80(600) 13270 566 73 95 625 29 805 916 60 1 4082 100 76 215 19 80 310 401 32 79 678 709 83 833 1 5132 35(10001 359 600 4 634 1 8025 108 28 281 92 336(1000) 621 77 675 918 46 77 17104 302 76 81 561 70 81 807 68 748 86 852 1 8062 124 72 74 452 989 1 9021 263 423 642 600 18 63(600) 73 20076 147 293 304 23 60 84(3COO) 631 602 768 21116 79 93 309 421 662 89 707(600) 2 2003 31 100 267 346 737 839 842 2 3001 143 78(500) 267 97 367 495 676 984 88 24609 80 898 979(3000) 2 5763 988 2 6035 98(3000) 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Mai ist die Nr. 7950 nur mit 1000 M. gezogen morden.— In der NgchmittggZjietzunz ist nachzutragen die Nr. 158 680 mit 508 LI- 7. Vrenßisch-Knddentsch» (298, Königl. Vr-nff.) Klassenlott-rke 6. Klasse 15. Ziehungstag 23. Mai 1916 Nachmittag Ans jede gezogen« Nummer sind zwei gleich hob« Gewinn« gefallen, nnd zwar je einer aus dt« Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen> n. I>. Nur die Gewinne über 240 M. find in Klammern beigefügt. (Ob Ii« Gewähr A. St.-A. f. Z.)(Nachdruck verboten) 8 231 401 31 694 834 928 81>266 311 99 663 79 737 64 91 979 45 2 071 293 319(600) 484(1000) 692 767 83 693 938 r)016 87 279 369(10 0 0 0) 624 821(1090) 60 4015 122 72 £57 85 365 400 47 72(SCO) 639 818 34 932 6271 368 401 667 723(606) 904 6051(600) 241 609 974 7 014(500) 120 546(600) "12 99 8(0 929 8063(500) 92 108 42 218 32 45 343 687 618 18 726(600) 69 837»023 83 192 288£33 81 416 35 64 604 620 68 63 747(1000) 94 863 >0059 89 164 241 453 84 f500) 683 678 708 998 11260 374 12060 62 104 11 447 631 37 1 3168 237 308 35 82 471 95(1000) 619 851 14006 95(600) 108 203 359 733 91>6024 148 76 81 213 69 326 607 736> 8143 206 372 413 630 62> 7012 300 477 6(5 703 905 1 8017(1000) 339 400 33 73 858 784 853 977>9228 63 737 63 979(3000) 2 094(600) 97 324 36 622 607 2)089 82 108 38 38 202 467(600) 94 606 68(1000) 70 757(1000) 650 63(600) 22104 (3000)408 95 845 904 39 68 75 23100 600) 4 234 686 634 41 68 733 805 87 2 4 217 460 733 98 818 927 20044(600) 442 608 28 62 707 69 2 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Th. Glocke. Berlin.. Druck u.Berlaa:Borwärttz Buchdruckerei u. BÄaLsanftaU Kaul Singer& Co, Berlin SW«