Nr. 129.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Zouvkbknd, 3. Illm. Die Mückenplage. Das lleberhandnehmen der blutsaugenden Quälgeister, das sich jetzt wieder i» zahlreichen Gegenden Deulschlands, darunter auch in der näheren und weiteren Umgebung von Berlin so unangenehm fühlbar macht, haben die Fachleute schon seit längerer Zeit voraus- gesehen. Durch die zum Teil recht heftigen Ueberschwemmungen. die im letzten Winter u. a. das Spree- und Havelgebiet heimgesucht haben, wurden mit dem Wasser auch die Mückenlarven weit ins Land hineingetrieben, und nun, da die warme Zeit angebrochen ist, hat sich auch glücklich die leidige Mückenplage eingestellt. In der nord- deutschen Tiefebene und der Nheingegend bringt der Frübsommer, namentlich wenn er feucht ist, verhältnismäßig häufig diese unan- genehme Erscheinung mit sich, während in Süddeutschland aus- gesprochene Mückenjahre viel weniger beobachtet werden. Die gemeine Stechmücke sOulex xlpiwrs) gehört zu jenen Tieren, die man so ziemlich überall aus der Erde antrifft. Sie ist in den heißesten Ländern, wo sie mit anderen ihrer Art den Sammelnamen der Moskitos führt, ein ebenso gefürchteter Blutsauger wie in Erön- land, wo sie während der wenigen Sommcrwochen bisweilen zur fast unerträglichen Qual für Mensch und Nennlier wird. Wie wenig lältc- empfindlich sie ist, zeigt auch ein Bericht Sven Hcdins, der in Tibet bei einer Temperatur von 10 Grad Kälte noch Mücken und sogar in größeren Mengen antraf. In Form eines zierlichen, winzigkleinen Flosses legt die Mücke im ersten Frühjahr ihre Eier ins Wasser. Schon nach wenigen Tagen kriechen die kleinen, mit bloßem Auge kaum sichtbaren, fuß losen und an den Seiten»uit langen Schwimm- haaren versehenen Larven aus. Sie bleiben jedoch auch weiterhin im Wasser, obgleich sie Luftatmcr sind und daher von Zeit zu Zeit in einer ganz charakteristischen Stellung, mit dem Kops nach unten, Atem schöpfend an die Wasseroberfläche kommen. Auch dir nach etwa drei Wochen ausschlüpfende Puppe bleibt iin Waficr, ebenfalls fast immer an der Oberfläche hängend und bei der leisesten Erschütterung des Wassers pfeilschnell in die Tiefe schießend. Erst nach weiteren zehn Tagen entschlüpft der Puppe die fertige Mücke. Als die eigentlichen Misietäter, das heißt Blut« sauger, kommen nur die Weibchen in Beftacht, die zur Ausbildung ihrer zahlreichen(bis zu 3) Eier der kräftigen Blut- Nahrung bedürfen, während die Männchen sich mit allerhand Pflanzensäflcn begnügen, also in diesem Falle Vegetarier darstellen. Da die ausgebildeten Tiere überwintern, kommt es vor, daß wir ist mitten im tiefsten Winter Mücken antreffen. Sie sitzen während Jer kalten Jahreszeit ganz gemütlich in warmen Schlupfwinkeln— Kellerwändcn oder Decken, dunklen Bäumen u. dergl.— und kommen dann au sonnigen Tagen gern ab und zu einmal an§ Tageslicht. Mückenstiche sind eine Plage, die selbst den geduldigsten Menschen in gelinde Verzweiflung versetzen kaum Den kräftigen Mundwcrkzeugen, Ober- und llnkiefer, kleine» scharfen Dolchen, die in dem von Ober- und Unterlippe gebildeten, rinnenförmigen Rüssel liegen, widersteht ja kaum der Lederhandschuh, geschweige denn die feine menschliche Haut! Und mir dem Stich allein ist es erst noch nicht getan; denn die Mücke gießt, um sich das Blut zu.würzen', obendrein noch ein Tröpfchen Gift in die Wunde, und eben dieses Gift verursacht uns dann das unleidliche Jucken. Trotzdem soll man die Mücke, wenn sie sich einmal festgesogen hat, nicht verjagen, sondern warten, bis sie den Rüssel von selbst wieder herauszieht, weil der in der Wunde steckenbleibende Rüstet sie viel schwerer heilen läßt. Wollen wir also den Mückenstich bekämpfen, so müssen wir bor allem die Wirkung des seiner Zusammensetzung nach übrigens ziemlich komplizierten Mückeugistes unschädlich machen, und dies geschieht denn am besten durch Einreiben des Stiches mit absolutem Alko« hol, Salmiakgeist, Seifenschaum oder einer sehr verdünnten Lösung von Karbolsäure, und zwar womöglich unmittelbar nach dem Stich? eine kleine Menge von irgend einem dieser Mittel kann man ja leicht auf jedem Spaziergang mit sich führen. Weniger angenehm sind jene Mittel, die dem Stich vorbeugen, also die Mücken überhaupt von uns abhalten sollen. Theoretisch genommen, wäre dieS natürlich das bessere Teil; in der Praxis hat die Sache dagegen ihre zwei Seiten. Hier kommen nämlich hauptsächlich stark riechende Sub- stanzen in Betracht, die indes nicht nach Jedermanns Geschmack sind. Am besten wirkt Nelkenöl, das, gemischt mit einem Fett, auch als Salbe benutzt werden kann; ferner Zitronenöl, Petroleum, Kampfer oder auch Zigarrenrauch, der aber die kleinen Verbrecher gewöhnlich nie ganz abschreckt, wenn er auch meist am leichtesten bei der Hand ist. Sehr wichtig ist der Vernichtungskampf noch zur Zeit der Winter- ruhe der Mücken oder während ihrer Larvenzeit. Im ersten Falle muß man ihre winterlichen Schlupfwinkel im Hause, Keller u. dgl. aufsuchen und die Tiere durch Absengen ihrer Ruheplätze verbrennen, im anderen Falle auf die Wasteroberfläche, auf der sich die Larven und Puppen aufhalten— was aber natürlich nur bei stehendem Wasser, wie Pfützen z. B.. geschehen kann— ein paar Tropfen Petroleum gießen, das sofort das Wasser überzieht und die Tiere infolge Luftabjchlusses tötet. Darüber hinaus bleibt uns nichts anderes übrig, als uns ins Unvermeidliche zu schicken. Wie sagt doch Wilhelm Busch so hübsch und treffend: Fortuna lächelt, doch sie mag Nur ungern unS beglücken; Schenkt sie uns einen Sommertag, So schenkt sie uns auch Mücken. Kleines Zeuilleton. Montis Gperetten-Theater:«,Gnkel öernharö�. Das Kleine Theater eröffnete bei Monti sein Sommer- gastspicl mit einem Familienstück von Arnim Friedemann und Hans K o l t o w. Onkel Bcrnbard, Inhaber der berühmten Würzburgerschen Firma, läßt die Tochter seines kratzbürstigen Prokuristen Roienberg, daS Malchen, das im Kontor den jungen Leuten bis zum dichterisch begabten Lehrling herab, den Kopf verdreht hat, auf sein Zimmer rufen. Sie soll fortan, allen zudringlichen Blicken entrückt, in diesem Heiligtume weiter tippen. Das ist die Einleitung zu einem regit- lären Heirotsantrag des alten Herrn, den das Mädel mit allen An- zeichen schuldiger Beglücktheit entgegenuinimt. Die biedere Onkel« haftigkeit, in die der kluge Alte seinen Antrag kleidet, scheint ihr zu Herzen zu gehen. Das peinlich Unklare und Unwahre der Szene wurde durch das überaus anmutige Spiel einer jungen Anfängerin. Margarethe Schön, die die im Stücke der hübschen Tippmamscll nachgesagten Verheerungen ganz glaubhaft machte, wejent- lich gemildert. Taktfest weltgewandte Unbesangenheit und eingeborene Koketterie verband sich überzeugend mit dem Ton sicherer Verläßlichkeit und HerzenSwänne. Der zweite Alt bringt im Jettchen- Gebert- Stil Genrebilder aus dem Rosenbergichen Heim, wo Würzburger als osfizieller Werber vor- spricht. An den Haaren herbeigezogene Mißverständnisse müssen herhalten, einen Schein von Handlung vorzutäuschen. Doch Herr Lupu P i ck verstand eS, in der tragikomischen Figur des kindisch gewordenen und dabei als oberstes Familienbauvt streng respektierten Großpapas durch gemütliche Charakteristik das Publikum in guter Laune und bei Lachlust zu erhalten. Im dritten Akt, dem aller- dürftigsten, hat Malchen sich die Sache, die auch ihren Eltern nicht geheuer vorkam, überlegt. Ein junger Reisender dünkt ihr nun lockender als der millionenschwere Onkel. Und auch der ist wieder zur Vernunft gelangt. Da den Autoren zur bühnenmäßigen Lustspieldcckung dieses Verlegenheitsrückzugs schlechterdings nichts einfallen will, wird der Rosenbergsche Clan nochmals ausgeboten. Da« Fräulein, das beim Chef erscheint, um abzusagen, schleppt ihre ganze Familie dazu mit sich! Die Rollen des Onkel Bernhard und des kolerischen Prokuristen waren durch die Herren Harlan und L i o u gut besetzt._ dt Seneöix im Kleinen Theater. Der Sommerfahrplan der Bühnen hat eingesetzt; im Kleinen Theater spielt Max Benedix. Wir haben viel Benedix im Theater, sintemalen der alte Routinier, der von seiner Schauspielertütigkeit her alle Kniffe des Handwerks kannte, in seinen Nachfolgern und Erben weiterlebt, ober von den Stücken des BühnenbeherrjcherS von ehemals ist der jüngeren Generation wenig mehr geläufig. ES war deshalb eine Sückprobe nicht ohne Belang, die emmal zeigte, was dem breiten Spießbür�ertheaterpublikum vor 50 Jahren fleficl. »Die Hochzeitsreise' stellt die Bekehrung emeS pedantischen Professors, der seine weit- und weibfremden Junggesellen- gewohnheiten mit in die eben geschlossene Ehe hinubernehmen will, zu einem artigen Pantoffelhelden dar. Eine harmlose Szene aus den»Fliegenden Blättern'— belebt und aufgefrischt durch Dora C a l v o S anmutige Resolutheit und Paul V i I d t s leise karikieren- des Spiel. Da? zweite Stückchen:„Die Dienstboten' saus dem so- genannten.HauSthealer') ist einst das Entzücken der Herrschaften gewesen, die sich auch einmal au dem Treiben der Dicnstbotcu unter sich im Theater ergötzen wollten. Derselbe Geist der Kleinbürger- lichkeit, der in Benedixens bürgerlichen Komödien herrscht, tummelt sich auch in dieser Küche, in der drei Paare dienstbarer Leute sich verklatschen, lieben, gegen einander intriguieren und sich schließlich finden. Die Welt der Herrschaften wirkt nur von außen als Schicksalsmacht herein— und der zum guten Ausgang unentbchr- liche Zufall eines LotteriegewinneS gibt zweien dieser Paare die gute bürgerliche Grundlage, um sich in kleinbürgerliche Existenzen zu ver- wandeln. Die enge Welt des kleinen Egoismus wird durch kein Klassenschlaglicht erhellt. Man denkt in der Küche im Grunde wie in der guten Stube— nüchtern und praktisch. Gute Milieustimmung und die charakteristische Besetzung der Typen verhalf zu Erfolg bei der auch eine gewisse Hammelkeule— o, Fleischeslust— wacker mitspielte. Die guten und die schlechten Paare waren alle indtpiduell ausgestaltet. Besonders prägte sich der an Eiuzelzügen reiche solide Kutscher Paul B ild ts und die lraunr- gläubige Köchin Alice T o r n i n g§ ein.- r. Der verjchwuvöene Bouillonwürfel. Um gleich vorzubeugen, die Hausfrau braucht keine Angst zu haben, sie wird auch in Zukunft die mit Recht so beliebten Würfel weiter benutzen können, sie braucht sich auch keine Vorräte emzu- hamstern, und dennoch wird der Bouillonwürfel verschwinden, aber unter neuem Namen wieder entstehen. Der Bund Deutscher NahrungSmittelfabrikanien und Händler verhandelte kürzlich in der Handelskammer zu Nürnberg über den Bouillonwürfel. Neben den Erzeugern der Ware waren auch zahlreiche Behörden, Korporationen wie Ilnteriuchungkämter vertreten. In KricgSzeitcn ist der Bouillonwürfel ein sehr begehrter Gegenstand geworden; der Fleischextrakr, woraus man ihn herstellte, war aber knapp. Das war für die Nahrungsmittel- untersuchungSämier Anlaß, sich vielleicht mehr als sonst mit diesen Würfeln zu befasse» und für manche Fabrikanten, (wir bekommen hier auch Auslandsware) ein bißchen weniger von dem teuren Stoff in den Würfeln zu verarbeiten. Das erste, was die Versammlung tat, war, daß sie den Namen verdeutschte. Der Franzose verstehi unter Bouillon jede Abkocdung. ob Fleisch oder Gerbrinde, alles ist Bouillon. Wenn der Franzose das meint, was wir Bouillon nennen, dann spricht er von vonsomms. Also wurde beschlossen, in Zukunft nicht mehr von Vouillonwürieln, was weder deutsch noch richtg ist, sondern von Fleischbrühwllrfcln zu sprechen. Gleichzeitig wurde beschlossen, daß diese Fleischbrühwürsel mindeslenS 7,5 Proz. Fleischextrakt enthalten müßten und nicht über 65 Proz. an Kochsalz ausweisen dürsten. Um nicht etwa findigen Köpfen eine Hintertür offen zu lassen, wurde ausgesprochen, daß eine Bezeichnung als Brühwürfel oder ein Phantasiename nichiS an diesen Anforde- rungen ändere. Eine Ware, die diesen Bestimmungen nicht entspricht, ist als Ersatzware zu bezeichnen. Es mag auffällig lein, daß mitten im Kriege solche Beschlüsse, die zweifellos eine Erhöhung der bisherigen Ansprüche an Fleischbrühwürfel darstellen, gefaßt werden. Aber die Bestimmungen sollen ja auch für den kommenden Frieden gelten, und die Behörden haben es in der Hand, für die Knegszeit die Herstellung solcher Würfel durch entsprechende Verfügung zu ver- hindern. Denn es gibt zu denken, daß die Menge Fleischextralt, di«. eine mittlere Fabrik von Fleischbrühwnrseln im Jahresdurchschnitt benötigt, eine Abgabe von 1 Million Mark an daS Ausland bc- deutet. Und Nährwert im landläufigem Sinne kommt dem Fleisch- extrakt nicht zu,— er ist etwa dem Kaffee oder Tee gleichzu stellen—, und man kann sehr gute„Würfel", natürlich nicht Fleisch- brühwürfel, auch ohne Fleisch herzustellen. Notizen. — Vorträge. Die Gesellschaft für positivistische Philosoph!» veranstaltet am 5. Juni, VU Uhr abends, im Berliner Rathaus« iVürgersaal) eine GedüchtniSsitzung für Ernst M a ch. Professor Petzoldt hält die Gedenkrede. — Anna Schramm, eine unserer populärsten Berliner Schauspielerinnen, ist am Donnerstag in Steglitz gestorben. Sie hat von Kindesbeinen an dem Thealer angehört, ein rechtes natur« wüchsiges Theatertalcnt. 18kl kam sie ans Berliner Wallner- Theater, wo sie zusammen mit Helmerding und Keusche in der damals in der Blüie stehenden Berliner Posse Triumphe feierte, Ihr Berliner Humor, ihre Frische und Natürlichkeit gaben ihr ein Relief, das weit über die vedeuiung der von ihr gespielten Soubrettenrollen hinausreichte. Nach allerlei Schicksalen kam sie nach langjährigen Gastspielen 1888 wieder nach Berlin, zunächst ans Wallner-Theater und dann ans igt. Schauspielhaus, in dem sie bis 1018 im Fache der komischen Alten den allen Ruhm einer heiteren und seinen Spielerin neu belebte. — Die mißlungene Expedition Sbakletons. Der englische Südpolarsorscher Shnkleton, über den in den letzten Monaten beunruhigende Nachrichten umliefen, ist in einem Boot in Port Stanley auf den Falllandsinseln sSüdamerika) eiugelroffeu. Er berichtet über seine Expedition:«Unser Schiff(die„Endurance'j wurde am L7. Oktober 1015»ritten im Wedellmeer zergnetscht und trieb hierauf 700 Meilen weit im Eise bis zum 0, April. Arn 16. April landeten wir auf der Elefanteninsel. Am 21. April ließ ich 22 Mann in einer Eishöhle zurück und begab mich mit 5 Mann in einem Boot von 22 Fuß Länge nach Südgcorgien um Hilfe, Als ich die Insel verließ, waren alle wohl, brauchten aber dringend Hilse. Erzählungen eines alten Tambours. 30j Von Edmund Hoefer. Da hieß es: der ist schlimm, den muß man totschlagen! oder: der ist ein Freund der armen Leute, den wollen wir voran haben I Und unter den letzteren ward vorzüglich der Gelbgicßer genannt; den grüßte jeder, dem klang hie und da wohl ein Hoch nach und abends brüllten sie ihm vor seiner Tür Vivat auf Vivat. „Kurz, ich versichere euch, es war akkurat wie jetzt hier bei uns. Es ging ein Summen und Brummen durch die Stadt, wie es im Bienenstock tönt, wenn die Frühlingstage kommen und daS Flugloch noch bedeckt ist. Daß etwas kom- men werde, schien gewiß. Und es mochte mancher in Sorge sein, denn ja, das Volk war vielfach geschoren und gedrückt worden. Wir freilich schauten ruhig drein. Wir waren zu- sammen an die viertausend Mann, und da meint man's denn wohl mit dem Teufel aufnehmen zu können. Wir konnten freilich nicht wissen, daß der auch geschäftig war, und daß wir mit ihm wirklich zu tun kriegen würden. „Es war eigentlich verboten, in der Stadt zu schießen, allein es hatte sich bisher niemand daran gekehrt, und unsere Herren Offiziere machten sich im Gegenteil wohl einmal das Pläsier, aus ihren Fenstern nach einem gegenüberstehenden Hause zu schießen, und da die Herren gute Schützen waren und man überhaupt nicht gern gegen sie klagte, so liefen nur selten Beschwerden ein und noch seltener erfolgten Strafen. So fiel es denn auch am Morgen des Tages, von dem ich sprechen will, dem Wildenstein ein, einmal wieder fein Vis-a-Vis, den schwarzen Hahn, zu belagern, wie cr's nannte. Er schoß also mit einem halben Dutzend seiner Frühstücksgäste aus Pistolen nach einer Stelle zwischen den oberen Fenstern, wo sich zwei Ständer kreuzten und schon oft den Zielpunkt ab- gegeben hatten. Ein Unglück konnte eigentlich dabei nicht passieren; denn die Gegend war überall nicht sehr belebt und nun des vielen Schnees wegen fast ganz verlassen. Die paar Weiber zwar, die mit Krautwerk und Lebensmitteln fünfzig Schritt davon zwischen den Schneewällen saßen, machten bei jedem Schuß einen Diener, allein das vermehrte nur noch die Lust der Herren und sie ließen sich nicht stören. Ich kann euch das alles zwar nur erzählen, wie ich's selbst gehört, aber berichten muß ich davon, da es zu meiner Geschichte not- wendig gehört. Als sie so im besten Jubel sind, tut sich gegenüber dicht bei ihrer Scheibe ein Fenster auf, ein Mann legt sich hinein, betxachtet sich höchst gemächlich die lustige Bande, den Ständer an seiner Seite, zuckt auch nicht, als in demselben Augenblick eine Kugel neben ihm einschlägt. Gleich darauf aber kommt der Hausknecht gelaufen und grüßt vom Wirt und der Fremde sei ein vornehmer Herr und habe sich über das Schießen in der Stadt höchlich verwundert; er bitte also ganz gehorsamst, sie möchten ihre Hebungen jetzt einstellen. „Was einstellen!" ruft da der Herr von Wildenstein;„was vornehmer Herr! Ein Ellenreiter ist's, der sich ein Ansehen gibt. Wartet, den will ich erschrecken." Und damit reiht er dem Reitknecht, der frisch geladen, daS Pistol aus der Hand, winkt mit seinem Hut spöttisch zum Fremden hinüber, ruft „aufgepaßt!" gibt Feuer und drückt ab. Damit hatte der Teufel das Spiel gewonnen. „Gott weiß, wie es kam, hatte er zu tief gehalten oder schwankte seine Hand, genug, die Kugel riß einem vorüber- gehenden Mann den Hut herunter und schlug dann gerade durch das Wirtshausschild, eine Spanne breit unter dem Fremden. Der beugte sich kaltblütig vorüber, untersuchte das Loch mit dem Finger und zog sich dann zurück. Auf dem Platz aber strömte die Menschheit zusammen; eS hieß, der Mann, dessen Hut getroffen worden, sei verwundet. Dem war nicht so, es war ihm kein Haar verletzt; aber hätten sie ihn erschossen, es wäre nicht schlimmer gewesen. Denn ich sage euch, ihr Leute, es war der Gelbgießer, wiederum der Gelbgießer. „Da wurde selbst der Wtldenstein, der aus dem Fenster gesprungen war, erst blaß und dann rot. Er trat auf den Meister zu und sagte ihm, wie leid ihm der Vorfall tue usw. Der Meister aber fragte, öb er ihm einbilden wolle, daß dies ein Zufall gewesen? ,Ja/ meinte er,.Zufall, daß es durch den Hut und nicht durch den Kopf ging, wie eS sollte. Ich weiß wohl, daß ihr adeligen Buben euer Mütchen an uns Bürgern kühlen wollt. Aber bei GotteS Donner, ihr Herrn, nehmt euch in acht, wenn wir daS Spiel umkehren! Und wir wollens umkehren!' Darauf wird ein anderer Offizier auch wild und schreit zornig: ,He Wildenstein, gib dem Kerl ein Stück Geld für seinen Hut, denn das will er, und dann lassen wir die Kanaille laufen.' Und der Herr langt in die Tasche, holt em Goldstück hervor und jagt lächelnd: ,Da, nehint, Meister, und geht in Frieden.' Der Gelb- gießer aber hebt nur die Hand, schüttelt sie drohend und geht stolz davon. Und zu gleicher Zeit erhebt daS Volk umher, das sich wer weiß wie so schnell zusammengefunden, für ihn ein rasendes Vivatrufen und ein wütendes Rachegcschrei gegen die Offiziere. Die kamen kaum noch iuS Haus zurück, wo sie sich förmlich verbarrikadierten, und wenn sie nicht bald darauf eine Patrouille auf Befehl deS Kommandanten auf die Wache geholt hätte, so möchte bereits jetzt Blut gcflvsscn sein. Man mußte die Herren so schon hinten herum über Höfe und durch Nebengassen führen, denn vorne stand das Volk dicht gedrängt und wich und wankte nicht. Es sah überhaupt für die Arrestanten gar nicht gut aus, denn der Kommandant war halb rasend über den Vorfall. Der Fremde, der ihm die Sache angezeigt hatte, war Se. königliche Hoheit der Prinz Louis Ferdinand gewesen, der inkognito bei uns durchreiste. Mit dem Gelbgießer verhandelte man, daß er die Sache ruhen und sich begütigen lassen möge. Es lvar aber nichts aus ihm herauszubringen. Klagen»volle er nicht, sagte er, dabei käme doch nichts herauö. „So hielten sie denn den Gelbgießer für ruhig; aber in der Stadt»aar der Teufel los und die Aufregung stieg von Minute zu Minute. In dichten Scharen zog das Volk durch die Straßen, knickte hier ein paar Fenster, zerschlug da eine von den»venigen Laternen, holte sich aus einigen Läden Brot ohne Bezahlung, heulte, sang und schrie, fluchte auf Militär und Obrigkeit. Die Straßen waren voll, auf den Plätzen schwärmten sie wie die Bienen, in den Schenken floß das Getränk in Strömen, ohne daß man»vußte,»ver freihielt. Hie und da trieb freilich eine Patrouille einen Haufen auseinander, aber hinterdrein schloß er sich»vieder; auf einer anderen Stelle griff man auch einige der tollsten Schreihälse und Unheilstifter und brachte sie ins Loch; da schrien die anderen nur desto ärger. Und so wurde denn aar Nachmittag der Belagerungszustand proklamiert, die Brücken aufgezogen,, die Tore geschloffen,»vir Soldaten versammelt. Das KriegSgesctz herrschte; allein das Beste war, daß der Himmel es mit uns hielt. Ter Wind sprang nach Westen und brachte Tauivetter und schlveren Regen. Da hielten selbst die Tollsten nicht länger auf den Straßen aus, und gegen zehn Uhr war die Stadt ruhig und still. Nur der Regen rauschte gegen die alten Giebel und das Wasser rieselte ztvischen den hohe» Schncedämmen längs der Häuser. .(Fortj. jolgst) Frischer Urse! 12, 20, 30 pt Räucherwaren Bücklinge................. stact 20, 23?-. Flundern................. 25, 35?-. Lachsheringe______«««>- 45, 50?-. Schellfische_________ 50, S0?c Obermoseler.........«....n«ch. 120 fipfelwein...................... 65?-. Kunsthonig.....................?-°°ck52?-. Holländer Käse................ p-and 2.10 A.Dandorf&G Belie-Ailiinice-Strosse Gr. Frankfurter Strasse Brunnen-Strosse Kottkuser Danini Wilmersderfer Strasse Lebensmittel Zasendang ausgeschlossen r�' Ü IE1 »eeren....„�.lo BlDmenkohi.. �,25, 35 pt Gem. Marmelade HL Borte, leicht getSrbt so Pfnnd Pt Salat 3 10 Kopf Pt Zitronen 40 pt Dutzend Kirsclien Pfand 58 Pt Sardinen oei 78.93 Dose Pt Heringe in Tomaten, fl ac -- Dose A VS I Feigen Schachtel 55 Pt Pfund Datteln 1.10 Stachelbeeren unreif Pfund 38 Pt Rhabarber Stangen20 Pt Radies'cben Rettige Scbelliische 1 10 Bund Pt Bund 10 Pt Pfd. 65,75 pt Rotzangen Pfund 75 Pt Sonntag den 4. Juni von 2 bis 6 Uhr geöffnet Theater für Sonnabend, den 3. Juni. Berliner Theater. Ab Dienstag1, den 6. Juni: s'/.u.: loiiersen. Illaneiistreielie. Deutsches Opernhaus, Chaiiottenb. s uhr: Der Deltelsindent. Frledrich-Wilhelmsfädt. Theater s'/.u.: D. Dreimäderlhans Kleine» Theater „ I>le Hochzeitsreise. 8/»U: l»ie Dienstboten. Komische Oper S'/sU.: Der selige Baldnin. Lusfspielhaus s/.u: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater 8 uhr: flieGroBherzDginy.Cerolst. Hontls Operetten-Theater Gastsp. des Kleinen Tb. s?.u.- Onkel Bernhard. Nesiiienz Theater sn, u.: Fliegende Blätter. Schiller-Theater O s uhr: Ehrliche Arbeit. Schüler T. Charlottenb. s u�: Biirgerlieli d. ronaskseti. Thalia-Theater u.: Biondinchen. Theater am üollerdorfpl. Vi9 u.: Immer feste druff! Theater des Westens vu.: Kubinke. Trianen Theater 8-/. u... Tante Tus'chen. Dentsehes Thearer. Allabondlicb 8�/, Uhr: Die Familie Sehimck. Johannes Kepomuk Zawadü: Max Pallenberg. Kamm erspiele. Sonnabend, Sonntag. Montag; 81/, Uhr: Der Weibstenfel mit Lucia Höflich. Volksbühne. Theater a. BDIowpl. Sonnabend, zum 1. Male, 8 Uhr: Stöbert nndl Hertram mit Paul Biensf eldt u, Hans W aßmann. glomöffienbsus Schiffbauerdamm 25 Der 7. Tag. STca einstudiert: • H-.« >» � Operette i. 1 Abt?. Ose. Straus. Oscar II Lucy Sabo Kieselhausen sowie der große Varietö-Spielplan. Tägl. 8 Uhr. Sonnt. 3'/» u. 8 U. Heute: Der Zug nach dem Balkan (Berlin— Wien— Budapest— Sofia— Konstantinopel) fariotd-Bevue in 5 Stationen von Otto Reutter Musik von Panl IHnoko. Dazu die neuen Juni-Spezialitäten. Sessing-Theatsr. Direktion: Victor Barnowsky. 8 Uhr: Gespenster. (Albert Bassermann.) Sonnabend, Sonntag, Montag: Schwarzer Peter(Alb. Bassermann). Seutsoh. Künstler-Theater. S1/. U.: Die selige Exzellenz. URANIA Tanhenstr. 48/49. 4 Uhr(halbe Preise): Der Isonzo u. Oesterreichs AdriakDste. 8 Uhr: An den Grenzen von Sfld- tirol und Italien. Walhalla-Theater. 8'/. Uhr:(Kastspiel Alwin Neuß: Der Pfarrer vott Kirchfeld. Sonntag Gartenvorftellung. Kose-Tkeater. 8'/.uhr-gMg,ljiegMegbWt Morgen: Gartenvorftellung. Badstr. 58. Bad str. 58. Sonnabend, den 3. Juni: Goldener Soden. VolkSstück mit Gesang in 4 Aufzügen v. Leop. Elp u. Karl Wisel. Kasteneröffnung 7 Uhr. Ansang 8Uhr. Beichshailen-Thealer. ZM\m Sänger. „Ein Maien-Spuk." Studenten bild von Meyseh Ansang 8 Uhr. Für MUitärper« sonen sreier Eintritt zu den Stell. Sängern. Ab Oberbaumbrücke- FalckensteinstraBe Oampf.-Extraf. b. aufweil.jed.Sonnt.u. all 3Pfingstteiert. Wollersdorfer Schleuse bfl PL s0fuer 9 Uhr u. 2'/. Uhr nach Neu- Beringsdori§0„ l 20 Pj. Heederei Kieek, Falckensteinstr. 48. Ted Moritzpl. 8197. UM& Heftzer Fernspr. Königstr. 2062. Extrafahrten ab WaiSCDbrUCke. SÄS)» Teupitz roÄto8) 2,50 ---------- a„ �2 a Krampenburg. � 1,18 1 Hohenzollernkanal, Auch an den drei 1 Pflngatfelertagen/ Achtung t Ab 11. iuai Fahrten durch den Uuff'm- and Werbeinnioe. Admiraispalast. Das neueEisbsllett �antasie. Anf. O Uhr.«, 3, 4 31, Verkäufe. Zebu Prozent Rabatt Abonrienen Teppiche jetzt fabelhaft billig. Riesenlager. Grotze Frantsurtentrabe 125. im Hanse der Möbeisabril. Sonn- tags geöffnet.__ Gardinenreste, Fenster 8,75, 3,95, 4,50, 5,75 6,25 usw._ Gardinen. 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