gr ao-m Unterhaltungsblatt ües vorwärts Wenn öas Korn blüht. Mit midern Augen als vor dem Kriege betrachtet mancher heute das tägliche Brot und die Ackerfrucht, die es liefert; in den trockenen Frühlingswochen des vergangenen Jahres hat auch der Städter gelernt, von welch entscheidender Wichtigkeit günstiges oder un- günstiges Wetter für die Ernte des Jahres ist, und wie dem Wetter, so schenkt er jetzt auch dem Werden, Wachsen und Reifen des Kornes fcu'ne Aufmerksamkeit. Jetzt steht die Zeit vor der Tür, wo das Korn blühen soll, und wer in der Blütezeit zu früher Morgenstunde in die Felder geht, kann mit eigenen Augen sehen, wie innerhalb ganz kurzer Frist die Blüte sich erschließt, um ihre Pollenckörner auszuschütten, die andere Blüten erreichen müssen, damit aus ihnen die Körner werden. Feine Wölkchen schweben in der Morgensonne über dem Kornfelde. Es ist der Blütenstaub, den die Staubgefäße ausschütten.�„Bei beginnender Blütenentfaltung, die gewöhnlich an einem sonnigen Morgen zwischen ö und 7 Uhr eintritt," so heißt es in Worgitzkys klassischer Schilderung der Roggenblüte,„sehen wir die beiden Blütenspelzen nach oben zu auseinanderweichen und rn dem Zwischenraum drei braungrüne Staubbeutel hervorlugen. Sie haben in aufrechter Stellung, dicht aneinander gefügt, in dem Hohlraum zwischen den Spelzen ihre EntWickelung durchgemacht. Mit erstaunlicher Schnelligkeit vollzieht sich jetzt der Abschluß ihres Wachstums, denn um t bis li4 Millimeter Länge verlängert sich der Staubfaden in einer einzigen Minute, so daß wir an einer jungen Aehre das Herausschieben der Staubgefäße aus den Spelzen fast mit den Augen verfolgen können. Sowie die Staubbeutel voll- ständig nach außen treten, erschlaffen die anfangs steifen Fäden, die Beutel kippen nach unten um und hängen nun, an den äußerst feinen, weißen Fäden pendelnd, über die Aehre herab. Die Auf- dängung ist eine so empfindliche, wie sie kein PräzisionSmechaniker feiner herzustellen vermöchte; unser leisester Atemhauch reicht hin, die Staubbeutel der vor uns befindlichen Aehre in beständige» Schwingungen zu erhalten. Mit der großen Empfindlichkeit steht im Einklänge die kurze Lebensdauer der Staubgefäße; schon nach einigen Stunden sind die Beutel entleert; ihr glatter, feinkörniger Vollen ist in alle Lüfte zerstäubt und spätestens am Abend desselben Tages fallen ihre leeren Hülfen ab." Erst wenn die Staubbeutel schon längst ihre Tätigkeit begonnen daben, tauchen an der gleichen Blüte zwischen den beiden Spelzen am Grunde beiderseits die Narben in Gestalt zweier weißer Feder- che» hervor, die über dem kleinen, behaarten Fruchtknoten sitzen. Wie fängt es nun die Blüte an, daß sie sich in so rascher Zeit so verändert? �Die geheimnisvolle Kraft, die bei solchen Pfanzenbe- wegu ngen tätig ist, ist in der Regel das Wasser, und so ist es auch bei dieser Blüte: vor dem Fruchtknoten sitzen zwei kurze, spitzige weiße Perigonschuppen, die durch Wasseraufnahme anschwellen und dadurch �>ie Blütenspelzen rechtzeitig auseinandertreiben, so daß erst die Staubgefäße und später die Narben hervordringen können. Bei den anderen, zu den Gräsern gehörigen Getreidepflanzen, die wan bei uns baut, ist der Vorgang ähnlich; nur die Maisblüte ist bekanntlich vollkommen anders(zweihäusig). „Es wallt das Korn weit in die Runde, und wie ein Meer dehnt es sich aus."— Diese schönen Worte hat Gottfried Keller für den Anblick des Kornfeldes gefunden, wenn es im Winde wogt. Schwerer und schwerer wird die Aehre, wenn die Körner schwellen, und dennoch hält sie selbst dem stärksten Winde stand, ohne zu knicken. Der Roggenhalm, wohl der längste Getreidehalm, der gut C Meter lang werden kann, ist bei einem Durchmesser von höchstens eurem halben Zentimeter im Verhältnis stattlicher als der höchste Baum. Bäume, deren Höhe 3 bis 400 mal so groß wie der Durch- messer ist, gibt es nicht. Getreidehalme bestehen gewissermaßen aus einzelnen Stockwerken zwischen den einzelnen Knoten; die untersten Stockwerke sind klein, nach oben zu werden sie größer und das längste ist- das Dachgeschoß, das in der Aehre endigt; wie fest dle Getreidehatme sind, davon kann man sich leicht selbst überzeugen, wenn man versucht, sie zu knicken. Die Blätter, die zum Teil die Halme umschließen, verstärken den festen Bau, was dem Halme aber seine eigentliche Festigkeit verleiht, das sind die Baststränge, die ihn durchziehen, und die man sogleich erkennt, wenn man einen Halm durchschneidet. Noch ein Rätsel bieten die meisten Getreide- arten: die Aehren sind borstig, stachelig. Wozu dienen diese Grauneu, die an den Spelzen sitzen. Man braucht sich nur eine abgepflückte, begrannte Getreideähre an die Haut zu bringen, um die Antwort zu sinden: die Grannen stechen ganz empfindlich, und so bildet das Grannenkleid der Aehre einen wirksamen Schutz gegen Tiere, die etwa Lust haben sollten, sie zu verspeisen, denn die weicbe Schnauze des Pfanzenfresscrs ist natürlich weit empfindlicher als die menschliche Haut. Erzählungen eines alten Tambours. 81j Von Edmund H o e f e r. „Es war dennoch eine bängliche Nacht, indessen verging sie ruhig. Gegen Morgen hörte der Regen auf, es fror gelinde, die Straßen wurden wieder gangbar und blieben dennoch ziemlich leer. Es gingen wohl mehr Leute als sonst umher, aber meistens nur einzeln, und wo sie einer der häufigen Patrouillen begegneten, wichen sie schweigend aus. Die Bürger schickten Deputationen an den Magistrat, um die Gefangenen loszubitten, und an den Konimandanten, daß er die Tore öffne und die Landleute zum Markt in die Stadt lasse. Der Magistrat wies sie an die Militärbehörde, der Kommandant schlug ihnen ihre Gesuche ab und ermahnte sie ernstlich zur Ruhe. Er wisse recht gut. sagte er, daß ihnen Unrecht geschehen, daß sie Unerträgliches getragen; ihm tue das leid, und er wolle bessern, wie er könne. Aber mit Gewalt lasse er sich selbst das Rechte und Billige nicht abtrotzen, und wenn die Stadt darüber zu Grunde ginge. Sie wollten verständige Leute sein, so sollten sie ihm denn sagen, was sie sich bei all diesen Unruhen gedacht hätten? Und wäre das Militär wirklich mit Gewalt aus der Festung gebracht, ob sie denn geglaubt hätten. cS sei damit für immer fort und sie seien für immer straflos? Sie seien indessen auch mit dem Pöbel verbündet: ob sie wüßten, daß der ihnen allen über den Kopf wachsen könne? Ihm und seinen Sol- baten sei nicht bange. Im schlimmsten Fall ziehe er sich ins Fort und schieße die Stadt ganz gemächlich in Grund und Boden. Sie sollten also vernünftig sein und auch bei andern auf Vernunft sehen. „So sprach er, und es war mächtig gewesen. Mein Haus- Wirt, der mit der Deputation gegangen war, meinte, so habe ihn noch keine Predigt'durchdrungen; das sei alles so klar und bestimmt herausgekommen; ein Kind Hab' es begreifen können. Sie gingen denn auch ganz geschlagen davon, und besonders die Pö'bclgeschichte war ihnen grausam zu Kopf ge- stiegen. So liefen sie nun umher, sprachen und baten, was sie konnten, da trotz der einstweiligen Ruhe niemand an ihre Fortdauer glaubte. Aber es war nun einmal wieder zu spät. Das ist ein verfluchtes Wort, und ich denke, wie das oftmals uns im Kopf und im Herzen ertönt von dem Klange müsse des Herrn Urteil im letzten Gericht sein. »Es war ein trüber Tag, ein solcher, wo wir schon kleines Zeuilleton. v'r ewig' �akob. Mit einem halben Lächeln denk' ich dran: wie oft ist das pas- siert! Piiirnh-- zischt etwas über den Sand der Briistoehr, der unvorsichtige Kopf schrickt blitzschnell hinunter... und rächt sich mit einem sakramentslästerlichen Fluch für den Schrecken(und die Blamage des Schreckens). Und von irgendwoher kommt— meist aus dem riesig-fchwarzen Urwald eines Hotzenwälder Kriegsbarts— ein breites Lachen—;„Hoho— Owacht, Owacht, Büeble. D'r ewig' Jakob klepft widd'r." Du lieber Gott—; wie oft ist das passiert. Sieben Monate lang,— so lang wir dort droben im Elsaß lagen,— so lang lag uns auch d'r ewig' Jakob gegenüber. Weit vorm französischen Graben hate er sich eingenistet. Hinter die rauchigen Trümmer der niedergebrannten Mühle gedeckt. Und strich von da oben unseren Graben ab. Tag für Tag. Sieben Monate lang. Und nicht ohne Erfolg.... Was haben wir alles versucht, ihn stumm zu machen. Und wie oft ist es auch geglückt. Wie oft trug einer von den Unsrigen stolz die Fernrohrbüchse durch den achtungsvollen Graben—:„D'r ewig' Jakob?— Der het u s k I ep f t. Mitte durch d' Brmscht hawi 'ne verwüscht."— Und wirklich schwieg d'r ewig' Jakob, schwieg den ganzen Tag, die ganze Nacht. Nur freilich,— am andern Morgen ging der kalte Hohn im Graben herum—:„Hesch's au scho g'heerl? D'r ewig' Jakob klepft scho widd'r. Mitsamt se i'm B r u s ch t s ch u ß..." Oft ist das so gegangen. Schkießlicb war es ein Kompagniewitz geworden, daß man sich erzählte—;„Das ischl doch« ganz e gott- Verdeckeiter Chaib, d'r ewig' Jakob. Siwwe Kopffchüss' hol'r scho, vier Bruftschüss", sechs Armschüss un e Glasaug'-- un klepft a 1 1 i w i h I n o..." (Und es läßt sich nicht leicht ein höherer Grad der Hochachtung denken, als mit den Worten„gottverdeckclter Chaib" ausgedrückt wurde.) Nun sind wir schon lang aus dem Elsaß fort,— d'r ewig' Jakob hat uns noch aus der Stellung hinausbegleitet mit seinem: piiiiii— pcng,— aber ich muß noch manchmal an ihn denken. Und cs ist sonderbar—: obwohl ich wußte, daß das nicht ein einziger war, daß das vielmehr viele, viele waren, die immer wieder den lebenden oder toten Vorgänger ablösten,— obwohl ich das wußte, wie das schließlich jeder mußte—: trotzdem hat er auch für mich nur als ein einziger Kerl existiert. Und wenn ich auck nur seine verfl.... paar Mauertrümmer vor mir sehe, wenn ich an ihn denke-- er ist mir auch heute noch eine Person. OÄer— wer weiß—; vielleicht auch mehr als nur eine Person... Und heimlich staune ich über die heilige Einfalt, die einen Spitz- namen suchte-- und ein Symbol fand. (r) OswaldErbacher. deutsches Theater:-§amilie Schimek". Das alte, mit sicherem Augenmaß für momentane Lacherfolge entworfene Kadelburgsche Stück feierte bei Eröffnung der Sommer- spielzeit im Deutschen Theater mit P a 1 1 e n b e r g in der Figur des Zawadil eine über Erwarten fröhliche Auferstehung. Diese Rolle, die der Autor, insofern abweichend von den ausgefahrenen Gleisen des Genres, mit einer Fülle individueller, wenn auch karika» turistisch übertreibender Züge ausgestattet, wuchs durch die Dar- stellung des Künstlers zu einer markigen Charakterkomödiengestalt. Hineingefügt in den ganz anspruchslosen und gebrechlichen Rahmen eines vielfach mir recht billigen Spaßen hantierenden Schwankes stellt sich die Pallcnbergsche Leistung seinen besten zur Seite, ge- mahnt an die quellend saftige Farbengebung seines berühmten Rai- mundschen Menschenfeindes. Er schuf hier die denkbar höchste Potenzierung des Z'widerwurzentums. Die gesträubten roten, ins Violette schimmernden Haare, das quadratisch eckige, verärgert blasse Antlitz, die hinter buschigen Brauen drohend vorlugenden Augen, die gravitätisch dünkelhafte, durch ein rund vorspringende« Bäuchlein noch unterstrichene Haltung, der grausig scharfe Ton der Stimme ver- einigten sich zu dem Eindruck von etwas unnachahmlich Provozierendem und Komischem. Gleich sein Erscheinen weckte, eh er noch den Mund geöffnet. Stürme der Heiterkeit. Ein unerschütterlicher Glaube, was er rede, sei Gold, malte sich in jedem seiner Worte. Wenn er sich einmal zur Anerkennung herabließ, klang es nicht geringer un- verschämt, als wenn er raunzte. Dem Bild des aufgeblähten Dummkopfes, das Pallenberg im ersten Akt zeichnete, gab er im zweiten Aufzug, der das Zawadilfche Patronat im Heim der von selbst düstcr drein schauen, und wie er uns zu jedem Unheil akkurat zu paffen scheint. Der Himmel war dicht bezogen, hin und wieder schneite eS zwar ein wenig— dort zu Lande nennen sie's krümeln— meistens aber war es trocken und der Wind kam in scharfen, rauen Stößen die Straßen entlang, schüttelte die Bäume auf dem alten Markt und pfiff um die Kirckenecken. Um weitere Aufregung zu vernteiden, waren wir Soldaten nicht versammelt, aber wir durften unsere Quartiere nicht verlassen und sollten immer parad sein. Tore und Wachen, Gefängnisse und Zeughaus, die Ställe der Kürassiere und der Artillerie waren stark besetzt, bei den Kirchen standen Posten, bei der Hauptivache zwei Ge- schütze, dabei die Kanoniere mit brennender Lunte. Genug, es war alles parat, denn man traute dem Frieden nicht und man tat recht daran. „Nachmittags, um die Zeit der letzten Dämmerung, da brach es aus, da füllten sich die Straßen wie mit einem Schlage; es war, als ob sich jeder Pflasterstein in eine heulende Bestie verwandelte. Es waren nicht Haufen, es wogte wie ein einziger Strom; dazu Fluchen und Singen, Schreien und Toben, Heulen und Brüllen, hier ein Vivat, dort die Fenster zerschlagen. Woher es kam, das wußte keiner. Eben waren die Straßen noch leer, und jetzt mußten die Patrouillen mit gefälltem Bajonett sich ihren eiligen Rückweg bahnen. „Ihr kennt— g nicht; aber ich sage euch, zu einem Straßenkampf gibt es absolut kein passenderes oder nichtswürdigeres Nest, je nachdem. Es ist eine ziemlich große Stadt, altertümlich gebaut; die engen Straßen quälen sich sozusagen krumm und winkelvoll zwischen den hohen, steinernen Giebel- Häusern hin; Vorsprünge, Erker, Kellerhälse, hohe Stufen vor den Türen machen sie noch enger, ein Dutzend Kirchen sind von ummauerten Kirchhöfen umgeben, die zu ebensoviel Schanzen dienen können, und alte Klostergcbäude kann man als Zita- bellen gebrauchen. „So war's, und da es dunkel ward, brumniten zwei Kanonenschüsse von der Hauptivache und riefen zum Sammeln. Und das ivar gut. denn obgleich unsere Trommeln Alarm schlugen und die Trompeten zum Aufsitzen gellten, war das vor dem Lärm kaum zu hören. So aber stand unsere Kom- pagnie nach zehn Minuten vor dem Quartier unseres Kapitäns parat und brach auf. Zu gleicher Zeit jedoch knallten aus der Gegend des hohen Tors anhaltende reguläre Flinten- schüsse. Das Volk griff dort die Wache an. um sich des Tors zu bemächtigen; da floß das erste Blut. Dann knatterte es vom Gefängnis herüber, dann gingen ein paar Palissaden- SchimekS, seine Erziehungsgrundsätze und die imposante Frechheil seiner Gaunereien schildert, neue und vertiefte Perspekliven. � Die Verlegenheiten, in die der Vormund wider Willen durch ein harm- loses Abenteuer mit dem hübscheu Mündel und daS Othello- temperament vor deren Bräutigam hineingerät, gelangten vor allein in dem Spiel der Herreu I a n n i n g s und G ü 1 st o r f f zu ainü- sanier, flotter Wiedergabe. DaS Publikum erwies sich äußerst bei- sallsfreudig._ dt. Deutsches Opernhaus;, Das Nachtlager in Sranaüa�. Seit ihrer Uraufführung in Wien, Mitte Januar 1834, gehört diese romantische Oper Konradin Kreutzers zum eisernen Bestände aller deutschen Bühnen. Und wird es. trotz des verblaßten Interesses an dem in die.mondbeschienene Zaubernacht" der Ro- mantil getauchten Texte, dank ihrem tatsächlich überquellenden Mc- lodienreichtum auch wohl bleiben. Wie ja denn gleichfalls eine Reihe seiner herrlichen Männerquartette und-Ehöre(Der Tag des Herrn, Tie Kapelle usw.) noch heute volkstümlich sind und geru ge- sungen werden. Aus der Partitur der Oper selbst strömen uns ja eine Anzahl schönster Gesänge entgegen.„Ein Schütz' bin ich", oder der wundervolle Chor„Schon die Abcndglockcn klangen"— dies- mal wirklich dustig vorgetragen— dürften sogar noch die Oper überdauern. Um die Ouvertüre sowie namentlich um das Orchesterspiel mit dem schönen, von Konzertmeister W a g h a 1 t e r edel auSgesührtcu Geigensoli im zweiten Akt steht es nicht anders. Die Spiel- und musikalische Leitung haben Mühe und Kunst- geschmack aufgewendet, um dem Kretitzerschen Werke eine würdige Aufführung zu bereiten. Die Besetzung kann glücklich genannt werden. Holger B ö r g e s e n in der Rolle des.Prinzen-Jägers entwickelte neben einem loeichen Bariton besonders ein feines Spiel. Wenn für die Partie der Gabriele nur Gesang, nicht auch Empfin- dung und Mimik vonnöten wäre, dann härte Lulu K a e s s e r eine sehr lobenswerte Leistung vollbracht. Die Vertreter der Hirten, allen voran Rudolf La u b en th al, desgleichen der Chor, gaben gutes. Die Oper wurde entbusiastisch aufgenommen. BeifallSbezeugungen inmitten der Handlung sollten jedoch als störend unterlassen werden. et. Ein Jubiläum der üeutschen Dampfschiffahrt. Die deutsche Dampfschiffahrt kann im Jahre 1916 ihr hundert- jähriges Jubiläum feiern. Zwar liegen die ersten Versuche mit Dampfschiffen noch einige Jahre weiter zurück, aber erst seil 1816 sind dauernd Dampfschiffe in deutschen Gewässern in Fahrt gewesen, wenn auch zunächst nur ganz vereinzelt. DaS erste Dampfschiff war, wie in„Prometheus" ausgeführt wird, die„Weser, deren Maschine man jedoch noch vom Auslande bezog, waS ja überhaupt lange Zeit bei deutschen Dampfern noch üblich war. Die„Weser" wurde 1816 von einem Schiffbauer Johann Lange in Vegesack hergestellt. Im Herbst 1816 lief ein zweites Dampfschiff, die„Prinzessin Charlotte von Preußen", bei einer kleinen Werft in der Berliner Gegend vom Stapel. Die„Prinzessin Charlotte von Preußen" war bereits ein erfolgreiches Fahrzeug, das eine ganze Reihe von Passagierfahrlen in der Berliner Gegend ausgeführt hat. Mit ihr wurden auch noch im Jahre 1816 die ersten Versuche zum Schleppen von anderen Fahrzeugen vorgenommen, die befriedigend ausfielen. In England waren damals bereits mehrere Dampfschiffe in Fahrt, und auch der Rhein wurde im Jahre 1816 zum erstenmal durch ein englisches Dampfschiff befahren, während auf der Elbe zur gleichen Zeit ein anderes englisches Dampfschiff einen regelmäßigen Verkehr zwischen Hamburg und Cuxhaven ausnahm. Man glaubte damals in Deutschland, daß mit der Verbreitung neuer Schiffe die Kahn- schiffer schnell brotlos werden würden, sa. man gab sogar der Mei- nung Ausdruck, daß durch die Dampfschiffe die Kohlenvorräte her Erde in wenigen Jahrzehnten verzehrt sein könnten. Heute, nach hundert Jahren, steht die Kahnschissahrt immer noch als ein äußerst wichtiges Glied im Verkehrsgewerbe da. und die Sorge um ein Auszehren der Kohlenvorräte ist zunächst um einige Jahrhundeue. zurückgestellt._ Notrze». — Theaterchronik. In den Kammeripielen beginnt der Wedekind-Zhklus am Freitag mit einer Neueinstudierung des „Marquis von Keith". Außer diesem wird der„Erdgeist" und „Sunson" aufgeführt. Ferner sind geplant:„Hidalla".„Kammer- sänger" und„Stein der Weisen". Wedektnd spielt die Hauvtrollen. — Bened ix hieß mit Vornamen Roderich und ist 1873 ge- storben. Er kann also trotz all seiner unausrottbaren llnsterblichkett nicht gut als Max Benedix im Kleinen Theater gespielt haben, wie unser Theaterbericht in Nr. 129 melde!. Es muß dort richtig heißen: im Kleinen Thealer spielt man(nicht: Max) Benedix. schuppen in hellen Flammen auf und leuchteten über die Stadt. Drauf fingen Plötzlich die Sturntglockeu an, erst van einem Turm, dann von zweien, dreien, endlich schier von allen, da die einzelnen Posten leicht überwältigt tvaren. Und dazu das Gebrüll und Geschrei, als ob die ganze Hölle in den Mauern wäre, dazu das Dunkel der Straßen, denn wo ordnungsmäßig Lichter an den Fenstern erschienen, schlug das Volk die Scheiben ein. Es war ein satanischer Wirrwarr, und da mußten wir mitten durch. „Jni Anfang ging es erträglich. Die uns in unserer festen Masse aufniarschiert sahen, wie wir luden und dann das Gewehr im Arm fest vorwärts gingen, die ivichen scheu aus, drückten sich an die Häuser, sprangen in die Quergassen. Doch je weiter wir kamen, desto schlimmer ward's, und endlich ging es gar nicht weiter, so hatten sich die Massen zu- sammengekeilt. Rings wurden hundert Knüttel geschivungen. tausend Stimmen lärmten, brüllten und tobten, daß es das Glaubliche überstieg. Da springt der Kapitän vor>— ich Hab' euch bereits von ihm erzählt, er war ein Löwe vor dem Feind— er schwingt seinen Degen und schreit mit so mächtiger Stimme, daß es wie ein Trompetenstoß durch den Lärm fährt:.Wollt ihr uns Platz machen, ihr tollen Leute — Ein baumstarker Kerl stürzt auf ihn zu, packt ihn um den Leib, reißt ihn abseits ins Getümmel..Fort mit ihm!' brüllten sie; das alles geht wie ein Blitz. Nun, wir hatten ihn lieb und zu säumen war auch nicht. So schreie ich denn: .Heran, fünfte Kompagnie!' werfe die Troinmel auf den Rücken. reiße den Säbel heraus und fahre ihm hauend und stechend nach. Zu Boden lag er schon, aber ich brauchte meine Waffe, schaffe ihm bald Luft und schlage um mich wie der an- geschossene Eber, bis er sich aufrafft, bis rechts und links die Kanaillen vor unseren Bajonetten stürzen. Kaum ist der Kapitän auf den Beinen, so schlägt er inir lachend auf die Schulter, reißt mir den Säbel ans der Hand, denn sein Degen war am Gefäß abgebrochen, ruft:.Fällt's Gewehr! Kein Schuß, meine Burschen! Eisen, Eisen! Vorwärts Tambour! Sturmmarsch! Hurra!' Und da die Bestien sich wieder zu- saminengedrängt, gebe ich dem einen einen Fußstoß, haue einem anderen den Schlegel um die Ohren, schlage wieder ein paar Takte, und so geht's durch, wie Gott tvill, die Straße entlang auf den alten Markt. Da kommt lins eine andere Kompagnie entgegen und nimmt den Hansen vor»ns aus, allein er stäubt auseinander wie Spreu, und wir hatten keine Zeit, ihin nachzulaufen. (Lortj. folgt.) Berliner Sclineiilerei-lieoosseiisclialt(E.G.iil1i.B.) gegrftndet von organisiarten Sebseidergahitfen Berlin X. Brinenslf. 185(am mscnMer Ter|. Großes Lager fertiger Anzüge und Sommer-Paletots, Sport-Anzüge, Loden-Pelerinen. Kinder-Anzüge in allen Größen. Lieferant der Konsnm-Genosseascbaft Berlin and Umgegend sowie des Arbeiter- Radlahrerbundes. Beate geöffnet von 8— lO vormittags, 2— v nachmittags. An den beiden Pfingstfcicrtagen bleibt unser(üeschlKt geschlossen.�/ Cigaretten. Vor der SteuererhShrmg• !'/. Pf. 100 StQck 0.80 M. Gute Qualitäten, eigenes Fabrikat Verkauf u. Versand v. 100 Stück an, bei 20 M. franko gegen Nacbn. Sendungen ins Feld nur gegen Voreinsendung des Betrages. Keine Preislisten u. Stückmuster. Cigarettenfabrik L. Liebermann. Berlin X SO, Chausseestr. 86, Fabrikgebäude, Hof 1 Tr. 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