i.t M.- i9i6 Unterhaltungsblatt öes vorwärts M., s?.« �as Jubiläum öer elektrischen Kraft- Übertragung. Die deutsche Elektrotechnik kann in diesem Jahre ein bedeut- sames Jubiläum feiern; es ist gerade 25 Jahre her, daß die erste elektrische Kraftübertragung der Welt vorgeführt wurde. Es war auf der großen elektrotechnischen Ausstellung, die 1831 in Frank- furt a. M. veranstaltet wurde, da bildete den Mittelpunkt des Ganzen ein Transparent, das von 1000 Glühlampen beleuchtet wurde, und der dazu nötige Strom wurde gewonnen in dem 170 Kilometer entfernten Neckarstädtchen Lauffen, wo ein Wasserfall die Dynamo- Maschine antrieb. Wir können uns heute kaum noch vorstellen, welchen Eindruck diese Vorführung auf die Mitwelt machte, der Raum schien ausgeschaltet, die Entfernung vernichtet zu sein. Heute freilich ist das nichts Bedeutendes mehr; ein Netz von Ueber- landzentralen bedeckt ganz Deutschland, sie alle nehmen ihren Aus- gang von jenem Frankfurter Versuch, der ZOO Pferdekräfte zu über- tragen vermochte. Eine solche Kraftübertragung ist nur möglich unter Verwendung einer sehr hohen Spannung, denn um Elektri- zität auf große Entfernung zu befördern, �bedarf es einer ent- sprechenden Kraft und dies ist eben die hohe Spannung. Ursprung- lich hatte man beim Bau der ersten Elektrizitätswerke nichts weni- ger im Sinne als eine Uebertragung auf solche Entfernung, man wollte ganz, bescheiden nur die nächste Umgebung versorgen, dazu genügte aber schon eine recht niedrige Spannung, etwa 65 oder 116 Volt, wofür die Elektrizitätswerke ursprünglich gebaut wurden. Der Bedarf an elektrischem Strome nahm aber in einer Weise zu, wie man es sich nicht hatte träumen lassen, deshalb wurden immer stärkere Kabel in den Straßen der Städte erforderlich, bis schließlich eine Grenze kam, über die hinaus eine Verstärkung nicht mehr wirtschaftlich gewesen wäre. Da mußte man sich denn helfen, indem man die Spannung weiter erhöhte, aus 226 Volt ging, wo- mit heute wohl die meisten Städte versehen sind. Aber auch dabei war es nötig, die Werke mitten in der Stadt zu bauen, auf dem teuren Boden der Geschäftsstraßen, wodurch die Wirtschaftlichkeit der Werke sehr litt, außerdem der Strompreis entsprechend hoch blieb. Wollte man billigen Strom haben, so galt es weit draußen, an der Bahn, noch besser an einem Flusse, ein Werk hinzustellen und den dort erzeugten Strom in die Stadt hineinzuleiten, wo er nur zu verteilen war. Die Frankfurter Ausstellung zeigte den Weg, der dabei zu gehen war. Es mußte der Strom in Form des Wechselstroms erzeugt werden, weil dieser sich in ganz einfachen Apparaten, den Transformatoren beliebig in seiner Spannung er- höhen und auch wieder herabsetzen ließ. Es wurde also in einer Dynamomaschine zunächst ein Strom von noch niedriger Spannung erzeugt und in einem Transformator auf hohe Spannung gebracht, mehrere 16 666 Volt gewöhnlich. Durch unter- oder oberirdische Leitungen wird dieser Strom in die Stadt geführt, hier abermals in einen Transformator geleitet, nun aber in der Spannung ver- mindert, so daß man ihn so in die Häuser einführen kann. So konnte man nicht nur an Boden sparen, sondern auch Naturkräfte ausnützen, die bei ihrer abgelegenen Lage sonst sich hätten schwer ausnützen lassen, z. B. Wasserkräfte im Gebirge, Torfmoore, Graunkohlenfelder. Dabei sind die städtischen Werke im Laufe der Zeit immer mehr verschwunden und haben sich in Umformerstatio- nen umgewandelt, die nur die Spannungsverminderung des von draußen kommenden Stromes besorgen. Es ist ja bekannt, daß auch die Berliner Elektrizitätswerke bald durch ein auf den Bitter- felder Braunkohlenfeldern stehendes Werk gespeist werden sollen, woran man so recht sehen kann, welche Entfernungen dabei über- brückt werden' können. Je größer die zu überwindende Entfernung, um so größer wurde auch die Leistung, die däs Werk zu erzeugen hatte, wonach man ja sowieso strebt, denn die Elektrizität, wie jedes andere Er- zeugnis, wird um so billiger, in je größeren Mengen sie gewonnen wird. Aus beiden Gründen mußte die zu verwendende Spannung ständig steigen; wurde zur Zeil der Frankfurter Ausstellung noch die Spannung von 17 666 Volt, die zeitweilig auf 36 666 Volt ge- steigert wurde, als etwas Unerhörtes bewundert, so sind wir heute gewöhnt, Spannungen von 166 666 bis 266 666 Volt als etwas ganz Normales zu betrachten. Daß die Amerikaner schon eine ganze Anzahl Anlagen mit solchen Spannungen im Betriebe haben, ist daher zu verstehen, daß dort eben die Entfernungen viel größere sind als bei uns, aber auch in Teutschland findet man schon mehrere Anlagen mit Spannungen von 166 666 bis 116 666 Volt. Da ist in erster Linie zu nennen die Anlage Lauchhammer, die seit über fünf Jahren schon im Betriebe ist, dann die im Bau befindlichen, nun durch den Krieg unterbrochenen Anlagen Pfalzwerkc und Murgwerk, ebenso das bedeutende Rheinisch-Westsälische Elektrizi- tätswerk, das den gesamten Jndustriebezirk umspannt. Die Größe einzelner Werke geht ins Phantastische, z. B. wird das Murgwerk bei vollem Ausbau über 166 666 Pferdestärken erzeugen, und das Erzählungen eines alten Tambours. Löf Von EdmundHoefer. .Während des Septembers hatten wir dazumal schöne Zeit. Wir marschierten ein bißchen, neckten den Feind ein bißchen, blockierten Wittenberg ein bißchen, rangierten die Rekonvaleszenten und sonstigen Nachschuß ein. aßen und tranken so gut wir konnten und besorgten unsere kleinen häuslichen Angelegenheiten, die in den letzten vier Wochen in arge Unordnung geraten tvaren. Die Offiziere fingen wieder an, Hasen zu hetzen, Partien zu spielen, Besuche in der Nachbarschaft zu machen und was dergleichen mehr ist. Kurz, alle Welt verfiel auf Ueberflüssigkeiten, und die Herren Kommandeurs gar auf Paraden. „Eine solche hatten wir denn einmal auf den Nachmittag auch vor, und ich saß morgens bei meinem Bauern vor der Tür, flickte meine Uniform und putzte die paar noch übrigen Knöpfe. Da kam ein alter Kamerad daher— er hieß Moski,— der gewöhnlich bei irgend einem Offizier Bursch war und sich so eine Nebeneinnahme machte. Bis zur Schlacht diente er beim Major Reitern, seitdem der ins Lazarett gekommen, beini jungen Steinsoll. „Nun besuchte er mich, setzte sich zu mir und nahm, um nicht müßig zu sein, meine Schuhe vor, die auch auf ihren Arzt warteten. Dabei rauchten wir sehr viel Tabak. da er seinen Beutel Gott weiß wie rund gefüllt hatte, arbeiteten und schwiegen. Denn gesprächig war er äußerlich wenigstens nicht. Das heißt, er war eine seltsame Natur. Wenn er was ganz kurz gesagt hatte, sprach er drinnen weiter, so daß nur er selbst es hörte, und wenn dann nach einer Weile wieder ein Wort laut ward, mochte es für ihn zwar ganz richtig und all Ort und Stelle sein, für den Zuhörer lag es aber oft weit abseits und kein Teufel konnte daraus klug werden, was es sollte. Wer kennt alle Schleich- Wege in einem menschlichen Kopf und kann den Gedanken nachlaufen? Und das verlangte der Tor gerade von seiften Zuhörern und wenn es nicht so ging und er erklären sollte, ärgerte er sich und ward grob, so daß nicht viele bei ihm aushielten. Na, wir zwei beide kannten unsere Weise und kanien noch ganz leidlich miteinander aus. Nun flickte er denn und ich putzte. neue Werk, das die Gesellschaft der Berliner Elektrizitätswerke aus den Bitterfelder Braunkohlenfeldern erbauen will, fängt gar»vor- läufig" mit 135 666 Pferdekräften an. Die größten Zahlen müssen natürlich die Amerikaner aufweisen; ein an den Stromschnellen des Mississippi erbautes Werk erzeugt die ungeheure Leistung von zirka 466 666 Pferdekräften! Die innere Aenderung, die die Elektrizitätswerke in der Zeit und unter dem Einfluß der ständig steigenden Spannungen durch- gemacht haben, ist nicht geringer als die äußere. Früher war das ganze Werk ein kleiner Maschinensaal, heute sind es hohe Hallen, in denen Maschinen stehen, von denen oft eine einzelne Leistungen von 36 666 bis 46 666 Pferdekräften hat..Die hohe Spannung ver- langt nach Itaum, damit die Menschen sich ungefährdet bewegen können; deshalb wurde die Schalttafel bald, zum Schalthause, das dann von dem Maschinenhause ganz getrennt wurde. Deswegen besteht ein modernes Elektrizitätswerk meistens aus einer ganzen Reihe nebeneinanderliegender Gebäude, die die Maschinen und Kessel, die Schaltapparate und auch wohl die Transformatoren um- fassen. Von ihnen gehen die Fernleitungen aus, die meistens ober- irdisch laufen, da man in Kabeln die höhen Spannungen schlecht leiten kann. Als die gewöhnlichen stehenden Isolatoren, die sich aus der bekannten Telegraphcnglocke entwickelt hatten, den Dienst versagten, erfand man die Hängeisolatoren, die zu mehreren unter- einander hängend, die höchsten bisher verwendeten Spannungen zu isolieren vermochten. Bisher hat die Entwicklung noch nicht einen Augenblick stillgestanden; wenn man sich am Ende wähnte, wurde immer ein neuer Weg eingeschlagen, der zu neuen Zielen führte, und es ist nicht abzusehen, wohin uns diese Entwicklung noch treiben wird.' Dipl.-Jng. H. Kleines Feuilleton. Ms öen letzten Tagen von Kut-el-Miara. Ein englischer Offizier, der die Belagerung von Kut-el-Amara mitgemacht hat und der jetzt als seiddienstunfähig in seine Heimat entlassen wurde, gibt in der„Times" eine ausführliche Schilderung von den Zuständen, die in der belagerten Festung in der letzten Zeit herrschten. Die wirtlichen Entbehrungen der Garnison fingen bereits Mitte Februar an, so erzählt dieser Augenzeuge. Besonders schlimm war es, als auch für das Lazarett keine Milch mehr zu bekommen war. Da mischte man für die Kranken Getreidemchl oder Reis- wasser, aber Ende April ging auch die Gelreiderafton zu Ende. Die Truppen waren bei der Uebergabe der Festung so erschöpft, daß die Regimenter, welche die Frontlinie hielten, dort 14 Tage geblieben waren, ohne abgelöst zu werden. Sie waren zu schwach, um ihre Ausrüstung selbst zurückzutragen. Während der letzten Zeit der Belagerung starben täglich durchschnittlich 8 Engländer und 21 Inder vor Erschöpfung oder Hunger. Alle Tiere, die bei der Ar- tillerie, Kavallerie oder auch beim Transport gebraucht worden waren, waren bereits verzehrt, als die Festung fiel. Zuerst mußten die Artilleriepferde daran glauben, dann die Maultiere, die man bei den Feldbatterien verwendete. Eins der letzten Maultiere, das geschlachtet wurde, hatte an drei indischen Feldzügen teilgenommen und trug ein Gedenkhalsband um den Nacken. Mehrmals hatte der Ärmeeschlächter sich geweigert, dieses Tier zu töten, endlich mußte er sich aber dazu entschließen. Im allgemeinen zogen die Soldaten daS Fleisch der Maultiere dem der Pferde vor, und das Maultierfett zeigte sich als vorzügliches Braten- fett und ebenfalls verwendbar als Lampenöl. Zum Kochen brauchte man während der ganzen Zeit der Belagerung rohes Oel. das beim Verbrennen dicken Rauch verursachte; so konnte man die Regiments- koche schon von weitem daran erkennen, daß sie schwarz berußt wie Schornsteinfeger aussahen. Schlimm war besonders der Mangel an Tabal. Als Ersatzmittel rauchten die Soldaten schließlich die Blätter der Zitronenbäume oder Ingwer oder gedörrten Tee- grus. Es war ein Segen, daß eine große Ladung warmer Kleider der englischen Roten- Kreuz- Gesellschaft gerade noch in die Festung gekommen war, ehe General Townshend eingeschlossen wurde. Die einzelnen Abteilungen des englischen Heeres sahen wenig von einander während der Belagerung. Von Anfang an strich in- direktes Maschinengewehrfcuer und ein wahrer Hagel von Granaten Tag und Nacht über das ganze verteidigte Gebiet. Die Truppen verließen ihre Unterstände nur, wenn es sich darum handelte, irgendeine wichtige Arbeit zur Verteidigung zu unternehmen. Nur selten brachten Spiel, Exerzieren oder Vergnügungen etwas Abwecksselung in das Einerlei des Festungslebens. Nur die beiden Bataillone auf dein rechten Ufer des Flusses hatten von Zeit zu Zeit Muße, um Hockey, Cricket oder Fußball zu spielen. Auch suchten sie durch eifriges Fische» eine Bereicherung für den Küchenzettel zu erlangen. Besonders schlimm war das Arlillerie- feuer Ende März, wo an einem Tage in schneller Folge mehrere „,Na/ sagt' er mit einemmal..das ist nun auch vorbei.' — ,So?' fragte ich, denn sagen mußte nian was, sonst ward er auch grob.— ,O, es lvar Knall und Fall,' sprach er nach einer langen Pause weiter.— ,So?' meinte ich, und als er wieder nach einer Pause die Achseln zuckend murmelte: ,Je nun, wer das wüßte I'— versetzte ich:.Nun, Moski, du weißt es doch?'—.Woher?' fragte er, indem er auf- und mich sauer von der Seite ansah,.denkst du, daß ich an den Türen horche?'— ,Hm,' machte ich, und er schwieg.— ,Gar zu dicke Freundschaft taugt nichts,' fing er endlich wieder an und schüttelte seinen Kopf wie ich zur Antwort den meinen. ,Es soll übrigens ein schmuckes Dämchen sein,' war seine nächste Rede.—.Weiß nicht!' antwortete ich achselzuckcnd. — ,Na, Gotts Sapperment,' brach er aus und riß den Draht durch die eben auf den Schuh gesetzte Flecke, daß mir um mein armes Leder himmelangst wurde. ,Du kennst sie ja doch, Tambour.'— ,Ei, zum Kuckuck, so nenn' ihren Namen,' sagte ich ärgerlich über den Fluch. ,Der Teufel kann aus deinem Kauderwelsch klug werden.'— ,Das Fräulein von Pochlitz auf Lindenberg bei S. kennst du aber,' sprach er mürrisch. ,Wer sollte sonst zwischen ihnen Unfrieden stiften können?'—.Zwischen wem?' fragte ich und war auf seinen Grimm ganz gefaßt, der jetzt denn auch a ternpo hervorbrach..Heiland Millionen Schock Granaten und Donner- Wetter I' brauste er auf..Zwischen wem? Wer ist denn gestern abend zusammengekommen und hat sich wie unsinnig gezankt, wenn nicht mein Leutnant und dein Frohnreich. Und als der Obersäger ging, blieb er in der Tür stehn und meinte: Ueberleg's dir, Leo. Willst du mich mit Gewalt los sein, so sei es. bedenke indessen später, daß nicht ich die Schuld trage. Darauf erwiderte Meiner ein so greuliches Wort, daß Frohn- reich zurücktrat und die Tür wieder schloß. Als er dann später nochmals öffnete, lvaren beide ganz alteriert und Frohnreich sprach: Adieu also, danach passen wir nicht mehr für einander l und der Leo versetzte: Haben's lange nicht niehr getan, adieu. Damit war es aus und vorbei.'— ,So 1' sagte ich endlich ganz nachdenklich auf diese lange Rede,.also die sind nun richtig auseinander. Hm, hm, hm.' Es ging mir mächtig im Kopf herum. Aber Moski fuhr fort: ,Und natürlicherweise,' redete er,.ist es ein Weibsbild, das zwischen die beiden geraten, denn das ist einmal immer so, Ivo zwei Mannsleute auseinander kommen. Und daß es das Fräulein von Pochlitz ist, denk' ich ganz sicher. Kennen tun sie sich tausend Granaten von den Türken abgeschickt wurden. Sonst be' schränkte sich der Artilleriekampf meistens auf ein abendliches Bombardement, das gewöhnlich zwischen vier und sechs statt- fand. Die meisten Geschosse waren auf die Stadt und das Fort ge- richtet, auf dem die engtische Fahne ein gutes Ziel bot. Große Verwüstungen richteten die lüriischen Flieger an. die immer von neuem ihre todbringenden Grüße aus der Luft aus die Festung heruntersandten. Bei der Uebergabe der Festung zeigten sich die Türken durchaus als edelmütige Sieger. Türtische Offiziere gaben jedem englischen Soldaten beim Auszug aus der Festung eine Hand voll Zigaretten, und alle Engländer, die in türkische Gefangenschast geraten sind, sind des Lobes voll über die ihnen zu teil werdende gute Be- Handlung._(z)' Papierteuerung wahrenö öer franAö'sijchen Revolution. Die gewaltige Steigerung der Papierpreise in Frankreich gibt dem Professor Marion Gelegenheit, zum Trost der von der Papier- not Betroffenen im„Correspoudent" vergleichsweise an die uner- hörten Papierpreise zu erinnern, die zur Zeit der französischen Revolution und ersten Republik bestanden. Diese Preise waren umso ungeheuerlicher, als sie durch den wachsenden Mißkredit der Assignaten, des einzigen Zahlungsmittels, das damals im Umlauf war, noch wesentlich empfindlicher wurden. Im Monat Ventosc des dritten Jahres der Republik bezahlte mau beispielsweise im Departement Gironde für das Ries Papier durchschnittlich 386 Franken. Da seltsamerweise das Stempelpapier keine Preissteige- rung erfahren hatte, so war der seltene Fall zu beobachten, daß die Schüler ihre Aufgaben auf Stempelpapier machten, und daß der Liebhaber seine Freundin auf Stcmpclpapicr zum Stelldichein bestellte, da man dieses bei der Behörde ungleich billiger erstand als mau anderes Schreibpapier beim Händler kaufen konnte. Endlich versuchte man, mit einer gesetzlichen Handhabe der wahnwitzigen Steigerung einen Riegel vorzuschieben. Der Versuch erwies sich indessen vergeblich; statt der erhofften Verbilliguug erfuhr der Preis vielmehr nur noch eine weitere Steigerung. Bald kostete das Ries Papier 456 Franken, und eine Flasche Tinte wurde willig mir 66 Franken bezahlt. Kein Wunder, daß der„Mouiteur" sich ge- nötigt sah, seinen Abonnementspreis um nicht weniger ais 256 Frauken für das Vierteljahr zu erhöhen. Bei der Gelegenheit wies Professor Marion zur Veranschaulichung der damaligen Lebensverhältnisse darauf hin, daß in jener Zeit das Rfund Brot 26 Franken und der Zucker 466 Frauken kostete. Was die Lebenshaltung damals verschlang, beweist die mitgeteilte Rechnung über ein ftugales Frühstück, das der Wohlfahrtsausschuß am 4. Bru- maire des Jahres 4 der Republik gab. Auf dieser Rechnung sind die Kosten für eine Pastete unt 866 Franken, für einen Hecht nr.l 1666 Franken angesetzt, und ftir das verbrauchte Salz wurden nicht weniger als 126 �Franken in Rechnung gestellt. Daran gel messen hätte man allerd.rgs heute kaum einen Grund, sich über die teuren Zeiten zu beschweren. Notizen. — Kriegergrab mal und Kriegerdenkmal. Die gleichnamige Wanderausstellung der städtischen Kunsthalle zu Mannheim hat nunmehr seit Jahresbeginn die Städte Mannheim, Berlin, Halle, Brüssel passiert; ihre Eröffnung in Köln und Leip- zig steht bevor. Auf Grund ihres Inhalts wird im Einvernehmen mit der Heeresverwaltung ein illustriertes Werk herausgegeben. das die besten modernen und historischen Entwürfe vereinigen soll. In Verbindung mit der Wanderausstellung ist eine Beratung�- stelle für künstlerische Kriegerehrruig(Städtische Kunsthalle, Manu- heim) eingerichtet, die unentgeltlich zur Verfügung steht. — D a u e r b u t t e r. Gerado die geringe Hatibarkeil der Butter ist es, die die Regelimg des Bntterverbranchs erschwert. Nach den Arbeiten von Prof. Weigmann, einem der beksnntesten Fachteulc, bietet es aber technffch keine sehr großen Schwierigkeiten, eine Butter herzustellen, die auch bei nicht günstigen Lagcrungsbedingnngen eine Haltbarkeit von Jahren besitzt. — Eine merkwürdige Universität ist die Ruskin- Universität in Florida. Ihr Ideal ist die Gleichstellung der drei H, Haupt, Herz, Hand. Sie will die Studenten statt zum buch- mäßigen zum praktischen Lernen erziehen, sie will jede polizeiliche Bevormundung beseitigen und unterhält wirtschaftliche Betricvc, wie Schuhfabrik oder Gärtuereien, wo die Studenien gegen Stun- denlohn arbeiten. Kein Student, der nicht durch seiner Hände Arbeit sein Brot verdienen kann, keine Studentin, die nicht alle praktischen Hauswirtschaftstennftiisse besitzt, erhält ein Diplom. Joi merkwürdigen Gegensatz zur Beseitigung jeder polizeilichen Bevor- mundung steht die Porschrift, daß den Studenten jedes Rauchen und Trinken untersagt ist. alle und zusammen sind sie bald in Lindenberg, bald in S. alle Tage gewesen. Das erzählte mir des Majurs Reitknecht, der dort gedient.'—.Möglich,' meinte ich gcdanken- voll, ,sie sind bekannt und verwandt; die alte Pochlitz ist des alten Steinsoll leibliche Schwester.' lind so plauderten wir bald, bald schwiegen wir, bis er mir mit einem mürrischen Wort die fertigen Schuhe zuwarf, aufstand und ging. Da hatte ich Zeit zum Nachdenken. „Und ich dachte ernstlich nach, denn die Geschichte ging mir gar nahe, näher als sich's sagen läßt. Ein Freund ist immer ein gutes Ding, im Kriege aber mehr als Gold Ivcrt, und nur daher hatte ich mich auch endlich ganz zufrieden in diesen Verkehr der beiden gefunden. Wie sollte ich nun den Zusammenhang erfahren, wann kriegte ich den Richard ordent- lich und ohne Zeugen zu sehen und zu sprechen, da die Jäger in einem andern Dorf im Quartier und außerdem auch noch meistens auf Vorposten waren? Würde ich ihn wieder mit dem andern vertragen können und dürfen, ohne daß er sich was zu vergeben brauchte? Das dachte ich nun herein und hinaus, um und um, und mittlerweile ward's Mittag, ich aß, ich zog mich an, ich machte die Parade des Regiments mit und trat hinterdrein mit den übrigen zum Appell an, alles nach Gottes Willen, denn ich selbst wußte kauni, was ich tat, ich war fernab von all diesen Alltäglichkeiten. „Nach dem Appell blieben wir noch zusammen, die siebente Kompagnie unter dem Kapitän von Haideck ward zu einem besonderen Nachtdienst bestimmt und sechs fteiwillige Jäger unter dem Oberjäger Frohnreich zum Mitgehen kom- niandiert. Aha! dachte ich, denn da der Leo bei der Kom- pagnie stand, so lvaren sie ja beide zusammen und ich wußte nun, was ick zu tun hatte. Auf einem solchen Nachtmarsch mußte sich Gelegenheit finden, mit dein Richard zu reden, sei es während des Marsches, sei es auf einem Ruheplatz. vielleicht mutzt' ich sie auch auseinander halten. Datz ich aber selbst dabei zu sein hoffte, hing so zusammen. Wir hatten bei Demiewitz nicht nur viele Offiziere und Musketiere, sondern auch viele Spielleute und besonders Tamboue», ver- loren, denn schonen tat sich niemand, �ei der siebenten und achten Kompagnie war keine Trommel illch. im Gang ge- blieben und bisher ihnen auch noch keine wieder zugeteilt; es ging hie und da ein bißchen konfus her. Haben mußten sie aber doch eine bei einem solchen Unternehmen, und da rechnete ich auf mich.(Forts. Forts.) MMs-A: Gelb! Gelb! sbaren Sle, wenn Sie in? Leihbaus Rosenthaler Tor< Linienstraße 203/4, Ecke Rojenthaler- srraße, lausen. Im Versatz gewesene Anzüge, Paletots, Ulster sowie neue Maßgarderoben zu staunend billigen Kriegspreisen. Silberne Uhren 3.—, goldene Damcnuhren 8.—, Eold« waren, Brillanten, Fahrräder. Aus Uhren dreijähriger Garantieschein. Eigene Werlstatt. Sonntag L— 10 geöffnet. � oÜ Sie und Ihre Angehörigen, besonders auch ►%. die Kinder, wirklich gut sehen können. 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