St. 139.— 1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts iiiiiiiiiiiiiiiiiiHiifMirWMiiiMüw........... 1 1 n■wiHBaBMBBMaMBMMBBüMMi&yj.iMiawBBMLiMWMMJMirosagawMMi Zur vorgesihichte unserer /lrmierungs- bataillone. Wir lesen im„M i l i t ä r- W o ch e n b l a t t": Daß wir Armierungstruppen in so großer Zahl, wie es sich als notwenbig erwiesen hat, im jetzigen Kriege aufstellen mußten, hat vor dem Kriege wohl niemand bei uns gedacht. Aber der Er- folg liegt nicht an letzter Stelle in der Anpassungsfähigkeit an die Verhältnisse, wie sie sich aus der veränderten Lage ergeben. So hat der Stellungskrieg zu der Notwendigkeit gefiibrt, unmittelbar hinter den fechtenden Truppen und in enger Verbindung mü ihnen besondere Truppen auszustellen, denen der Arbeitsdienst in taktischem Sinne zufällt. Wir brauchen über ihre vielseiitgen und wichtigen Aufgaben nicht weiter zu sprechen, denn sie sind bekannt und bilden ein Ruhmesblatt in der Geschichte unseres Heeres. Anfangs sahen die Armierungstruppen selbst mit einer gewissen Enttäuschung auf ihre Aufgabe. Auch oei den fechten- den Truppen wie in der Heimat war man geneigt, sie nicht ganz als voll gelten zu lassen. Aber diese Ansichten haben sich durch die Taten des Krieges in das Gegenteil gewandelt. Heute zollt man dem verantwortungsvollen, mühsamen, verlustreichen Dienst der Armierungstruppen unbeschränkte Anerkennung. Weniger bekannt dürfte es sein, daß die Armierungstruppen im heutigen Sinne erst eine ganz kurze Geschichte haben und im wesentlichen auf die Japaner zurückgehen. Der Russisch-Japanische Krieg 1304/05 ist in seinem Hauptteil ebenfalls ein Stellungskrieg gewesen, wenn auch bei weitem nicht in dem riesenhaften Um- fange, wie wir ihn heute auf allen Fronten durchleben. Immer- hin standen die Japaner vor einer neuen Erscheinung und such- ten ihr mit der ihnen eigenen Erfindungsgabe nach Möglichkeit gerecht zu werden. Hierzu gehörte, daß man die fechtenden Trup- Pen mit allen Kräften zu entlasten strebte und hinter ihnen eine neue Truppe schuf, die ihnen unter den Eigentümlichkeiten de» Stellungskrieges den Arbeitsdienst abnahm. Hierdurch wurde der letztere in eine einheitliche und sachgemäße Hand gelegt, die fech- teude Truppe aber für ihren eigentlichen Zweck, den Kampf selbst, geschont. So entstanden die Hilfstruppen der japanischen Infanterie und Artillerie, die sogenannten Arbeiterkompagnien. Zuerst deckte sich diese Einrichtung nicht ganz mit dem Begriff, den wir heute mit den ArmicrungSbataillonen verbinden, denen«S zufällt, Befestigungen und Wege zu bauen und tabtisch-technische Aufgaben zu lösen. Bei den Japanern ging der Grundgedanke der Arbeiter- truppen davon aus, daß die fechtende Truppe das letzte Gewehr an den Feind bringen müsse. Ordonnanzen, Hilfskrankcnträger, Be- dienungsmannschaften der Feldküchen waren Arbeitssoldaten. Als sich die Notwendigkeit ergab, für die fechtende Truppe besondere Kräfte für Erdarbeiten, Wegebau, Herstellung von Unterkunfts- räumen usw. zu schaffen, erweiterte man die Einrichtung. Man stellte die Leute in besondere Kompagnien zusammen, so daß zuletzt pedcs Jnfantecke- und Artillerieregiment je eine Kompagnie zu 800 bis 400 Mann besaß. Der Ersatz bildete sich aus solchen Leuten, die wegen geringer körperlicher Fehler nicht zum Dienst mit der Waffe geeignet waren. Als unerläßliche Vorbedingung wurde an- gesehen, daß jeder Angehörige dieser Truppen unbestraft und i* moralischer Hinsicht einwandfrei war. Zweifelhafte Bestandteile wurden sorgsam ferngehalten, denn die Japaner verlangten die höchsten Ansprüche von ihren Arbeiterkompagnien. Für sie war eine gediegene Ausbildung vorgeschrieben, um sie zu einem zuver- lässigen Hilfsmittel auch in schwierigen Lagen auszubilden. Nament- lich wurde auf eine unerschütterliche Mannszucht und eiserne Ge- fechtödisziplin gehalten. Hierzu trat ein« gründliche Sonderaus- bildung der Leute im Dienst als Hilfskrankenträger, im Heran- schaffen der Munition, im Lagerbau, im Verpflegungsnachschub, namentlich aber in der Ausführung von Erdarbeiten. Die Führer wurden unter ausgesuchten Offizieren, meist aus dem inaktiven Stande, und aus zuberlässigen Unteroffizieren ausgewählt. Be- waffnet war die Mannschaft mit Revolver und Karabiner.� Ihre Verwendung erfolgte auf Anordnung des Regiments- führer, der ihnen je nach der Lage die Aufgaben vor, in und nach dem Gefecht überwies. Als der Krieg mit der Zeit das Gepräge des Stellungsiampfes angenommen hatte, wurden die Arbeiterkompag- nien in den Divisionen zu Bataillonen zusammengezogen. Hier fiel ihnen die Aufgabe zu, Baugeröte für die Befestigungen heran- zuschaffen, letztere selbständig anzulegen, Wege herzustellen und sonstige technische Arbeiten zu leisten. Erzählungen eines alten Tambours. 40j Von Edmund H o e f e r. „Und mit der hing cS folgendermaßen zusammen," fuhr Ralow nach einer laugen Pause ernsthaft fort. Die Falten und Furchen der hohen Stirn zeigten sich noch tiefer als sonst und um den Mund crschicucn die Züge eisenhart und fest.„Als wir Anno zweiundneunzig nach Frankreich marschierten, lief dem Kapitän d'Armcs von unserer Kompagnie ein sauberes junges Mädchen nach, guter Leute Kind, aber in den schmucken Burschen verliebt bis über die Ohren. Unser Oberst liebte eine solche wilde Wirtschaft nicht, ließ sie zu- sammengebcn und erlaubte, daß sie als Marketenderin bei uns blieb. Sie ward uns lieb, und als sie während des Feldzugs ein Kind gebar, stand die Kompagnie bei ihm zu Gevatter,— der Kapitän von Steinsoll, der Feldwebel und ein Tambour, das ivar ich. Nachher in der Garnison nährte sie sich ehrlich mit Waschen und Nähen, bis nach einigen Jahren ihr Mann starb und sie ihm wie ein getreues Weib auch auf diese Kampagne alsbald nachfolgte. Da erinnerten sich ihre Eltern zum erstenmal, daß sie eine Tochter gehabt und noch eine Enkelin hätten und wollten die Kleine zu sich nehmen. Allein die ließen wir nicht von uns, sehten ihr Paten zu Vormündern und sorgten dafür, daß, wenn die das Regiment verließen, ihre Nachfolger auch hierin an ihre Stelle traten, ließen sie erziehen, sammelten ihr eine Aussteuer und hielten sie als unser aller Kind. So ward sie in Ehren groß und Anno dreizehn, da sie etwa neunzehn Jahre zählte, marschierte Christine, wie sie hieß, als Marketenderin mit uns aus. Sie hatt' eS so gewollt, und uns lvar es ganz recht, denn wir hingen alle an ihr und waren stolz auf sie, das ganze Regiment, obgleich sie sich zur fünften Kompagnie hielt, bei der ihre drei Vormünder standen. Die ivaren damals der Kapitän Arbesser, der Feld- wcbel Wulff und ich, der's von Anfang an gewesen und geblieben. „Nun, leider Gottes, war sie ein Frauenzimmer und hatte als solches ein empfindliches Herz, bis dato sich aber von dem Liebesunsinn noch frei erhalten. Ein Freiwilliger war ihr einmal nachgegangen und ihr ein wenig zu nah gekonimen. da hatte sie ihm selbst handgreiflich die richtigen Wege gezeigt. und da wir's erfuhren, bewirkten wir's, daß der damalige Major Reitern dem jungen Menschen auseinandersetzte, wie es mit der Christine stehe, und daß sie so gut wie die Fahne die Ehre der Kompagnie, des Bataillons und Regiments sei. Dann bewarb sich ein Zweiter um sie, ein Unteroffizier von. „Die militärisch geschulten Arbeitersoldaten," schreibt Bronsart v. Schellendorff, ein Augenzeuge beim japanischen Heer im Kampfe gegen die Russen,„haben sich ausgezeichnet bewährt. Kaum ein mit den Waffen dienender japanischer Soldat braucht seinem Berufe, dem Kampf gegen den Feind, entzogen zu werden. Ich bin der Ueberzeugung, daß diese Arbeitersoldaten bei ihrer vortrefflichen Mannszucht sogar eine Niederlage des Heeres überdauert hätten, ohne davon zu laufen." Es ist heute noch lehrreich, mit dieser Äeußerung eines Augenzeugen auf japanischer Seite die Verhältnisse bei den Russen zu vergleichen. Es liegen eine Menge russischer Urteile vor, die sich über die Schwäche der fechtenden Truppen infolge zahlreicher Abgänge für Nebenzwecke bitter beklagen. So wirb zum Beispiel berichtet, daß in den Kämpfen bei Mulden fast ein Viertel der russischen Gefechtsstärken für Nebendienste außerhalb der Front von der Z«hl der Kämpfer verloren ging. Allein von einer Division wurden in der Stadt Mulden selbst 40 Offiziere und fast 2000 Mann gesammelt, die sich hinter der Front befanden, um alle mög- lichen Nebenaufgaben zu lösen. Was hierbei wirklich berechtigt war oder nur dazu diente, um eine Entschuldigung für das Verlassen der Truppe herzugeben, kann man sich denken. So zerbröckelte sich die fechtende Truppe durch Kommandos beim Nachschub, durch Arbeite» auf den rückwärtigen Verbindungen und für alle möglichen anderen Zwecke. Als während des Nusfisch-Japanifchen Krieges und nach seiner Beendigung von den japanischen Arbeiterkompagnien die Rede war, hat man sie vielfach mit Strafabteilungen und mit Truppen zweiter Ordnung verwechselt, namentlich auch geglaubt, daß sie für die Zwecke eines europäischen Heeres unvcrwendbar feien. Hier galt tzpmals die Gleichstellung aller Truppen als ein unbedingte? Gebot. Als jedoch nähere Nachrichten über diese japanischen Aufgebote ein- trafen und die Frage näher geprüft werden konnte, ergab sich, daß sie mit den Arbeiter- oder Strafabteilungen anderer Heere gar nichts gemein hatten. Sie wurden vielmehr gerade als gute Sondertruppen gewürdigt, die sich bei den Japanern vollen An- sehens und einer berechtigten Würdigung erfreutem Indessen war man der Meinung, daß sich eine solche Einrichtung kaum auf ein europäisches Heer übertragen ließe. Der Weltkrieg hat das Gegenteil gezeigt. Der Zwang der Ver- Hältnisse führte dazu, jedes Mittel in Bewegung zu setzen, um die Kampfkraft de? Heeres zu erhöhen und zu erhalten, namentlich den veränderten Ansprüchen des Stellungskrieges gerecht zu werden. Wenn unsere heutigen Armierungstruppen sich auch nicht ganz mit den japanischen Arbeitstruppen decken, so ist es klar, daß letztere die Vorläufer der jetzigen Armierungstruppen gewesen sind. Solche Einrichtungen auszubauen und auf die eigenen Verhältnisse fach- gemäß zu übertragen, ist die 5lunst unserer Organisation gewesen. >-<_ j. kleines Zeuilleton. 10 Pf. Einwurf: Dann beginnt öas Gefecht! In der Metrovoltheater-Pafsage zu Berlin sieht ein Schaukasten- automal. Feldgraue Däumlinge liegen im Unterstand und Schützen« grabe» gegen blaubcfrakte und rotbehoste FranzöSlcin, die eine Festung verteidigen. Das Ganze ist allerliebst und jeder Vorüber- gebende kann sich davon überzeugen, wie niedlich ein Welilneg ist. Aber der Automat— sonst wäre er ja keiner— verspricht noch höhere Genüsse, denn an seinem oberen Rande trägt er einen nickel- hungrigen Schlitz und darüber hängt ein Schild, ans dem mil großen Buchstaben zu lesen ist:.10 Pf. Einwurf: Dann beginnt da? Gefecht I So ist in Berlin für alle gesorgt. Für 10 Pf. kann jedermann seinen eigenen kleinen Krieg haben. Wirf einen kleinen Nickel— er kann auch Eisen sein— in den Schlitz, dann kommt ans einmal, wie der Berliner sagt, Leben in die Bude: die Kanonen knallen ihre Stöpsel los, und es wird gehauen, gestochen u»d geschossen, daß es nur so eine Freude ist. Es dauert gar nicht lang, dann sind alle Franzosen tot und gefangen, die Deutschen marschieren in die Festung ein, und dann— sonst wäre es ja kein Automat— kehrt alles wieder in den alten Zustand zurück. DaS Hübsche ist, daß die Geschichte immer wieder von vorn beginnen kann. Wirf nochmals einen?!ickel in den Schlitz, dann brüllen gleich wieder die Geschütze, es wird gehauen, gestochen usw. und zum Schluß ist alles wieder wie zuvor. Und so fort, so lange die Nickel reichen. unscrcr Kompagnie, und das war gut; er meint' es ehrlich, wollte sie gleich heiraten und nach dem Feldzuge in seine Heimat führen, Ivo er ein Mühlenwesen und sein gutes Auskommen hatte. Damit waren wir alle zufrieden, nur sie selbst nicht. Und so trösteten wir den Mann und bemerkten ihm, er möge nicht nachlassen, kein Baum falle auf den ersten Streich. So verging die Zeit, und es ist be- greiflich, daß wir in all dem Kriegs- und Siegslärm nicht mehr an sie dachten, als sich von selbst und im täglichen Verkehr ergab. Wir waren gewohnt, sie auf sich selbst achten und sich selbst ehren zu sehen. Sie war zwar in der letzten Zeit sehr still geworden und auch ziemlich abgefallen, hatte jedoch auf unsere Fragen immer erklärt, es ginge ihr ganz wohl und gut; und da wir nun alle nicht gerade dick und rund waren, so meinten wir, die Strapazen möchten wohl dem zarten Dinge ein wenig zusetzen, sorgten daher für warme Kleidung und gutes Fuhrwerk und baten den Doktor, hin und wieder einmal nach ihr zu sehen. An was Unrichtiges dachten wir nicht im Traum. „Nun könnt ihr euch den Schreck vorstellen, den ich über Richards Erklärung kriegte. Gleich morgens nahm ich sie ins Gebet, und als ich ihr die Historie auf den Kopf zu sagte, gestand sie denn auch ohne viel Umschweife ein, daß sie den Leutnant Stcinsoll lieb habe, ihn oder keinen wolle und sich über seine Verwundung und Abwesenheit schier zu Tode gräme. Mein Reden und Schelten brachte sie nur zum Weinen, und da wir den Tag Ruhe hatten, holte ich mir den Feldwebel, ging mit ihm zun: Kapitän und beriet mit beiden, was zu tun. Zu Grunde gehen durfte daS Kind nicht, und nach langem Hin- und Herdenken schien es uns das Beste, sie zu bereden, daß sie gleich den Unteroffizier zum Manne nehmen möchte, damit er als Ehemann sie schütze und nach Leos bald zu erwartender Rückkehr durch alle Fähr- lichkeitcn leite. Ich holte sie herbei, der Kapitän sprach väterlich und ernstlich mit ihr über die ganze Sache, stellte vor, schalt und tröstete und machte sie endlich mit unserem Plan bekannt. Sie sagte schlankweg nein und blieb dabei trotz all unserem Reden, Fluchen, Ermahnen und Bitten. Leo ließe nicht von ihr und sie nicht von ihm,— das war ihr Reden, Schluchzen und Weinen. „Ihr werdet vielleicht fragen", sprach Ralow nach einer kurzen Pause weiter,„wie es möglich gewesen, daß die törichte kleine Kreatur sich dies alles so fest in den Kopf setzen konnte. Allein das war gar nicht so unnatürlich und es wirkte da vielerlei zusammen. Zuerst war das Kind von uns allen immer auf Händen gelragen und honoriert, was es wünschte, erhielt es, was es sagte, geschah, wenn irgend möglich, es hatte eine große Gewalt über uns und mochte! So ging's, konnte es noch lange gehen. In Paris gibt es gewiß auch so einen Automaten, denn der gute Geschmack im Kriege ist inlernational. Nur ist es dort natürlich umgekehrt, dort werden die Deutschen eriÄosscn mid gefangengenommen— und dann kehrt alles wieder in seinen allen Zustand zurück. Jüngst aber ging ein Herr durch die Berliner Passage, der gerade ans dem Schützengraben gekommen war, besah sich das Ding, und weil er vom Felde her den derben Ton gewohnt war, schiinpsie er über den lästerlichen Unfug. Weil er aber außerdem ein Jour- nalist, also von berufswegen ein neugieriger Mensch war und für seine Zeitung darüber etwas schreiben wollte, warf er einen Nickel ist den Schlitz. Und nun geschah ein Wunder. DaS Gefecht begann— nicht. Die Kanonen gingen nicht loS, es wurde nickt geschossen, nicht ge- hauen und nicht gestochen, nichts rührte sich. Rütteln, Fußlriue. Alles blieb still. Der Automat war kaputt! Ein Zaungast, der sich aus die kostenlose Sensation gefreut batte und nun tief enttäuscht war, wollte durchaus den Pasiagewärlcr holen. Er bestand auf seinem kleinen Krieg, den ein anderer be« zahlt hatte, er wollt» unter allen Umständen Blut sehen. Aber der Nickelspender wehrte ab. Denn obwohl er ein Journalist war, also ein Mann, der von Berufswegen nicht an Wunder glaubt, war es ihm bei längerem Hinsehen so gewesen, als ob die Deutschen und die Franzosen einander auf einmal ganz frenndlich anblicklen.„Lassen Sie dock," sagte er ganz ernst,„einmal mußte eS doch so kommen." Sagte guten Abend und g r n g.(2) Wie bereitet man kiiMichen Honig! Die Notwendigkeit, das mangelnde Fett durch andere streich« bare Mittel, die auch dem Geschmack nach ein Ersatz zu sein ver- mögen, zu ersetzen, hat der Herstellung von Kunsthonig eine große Bedeutung verliehen. Wichtig ist schon des Preries wegen gerade die Herstellung im Haushalt selbst. Auf Grund wissenschafrlicher Ucberlegungen und Erkenntnisse über das Wesen des Bienenhonigs und seines Verhaltens zu anderen Substanzen bat Profcsior Th. Paul ein solches von jedermann herstellbares Rezept entworsen, das er in der München«:„Medizinischen Wochenschrift" bespricht. Aus« gangspunkt ist der im Bienenhonigmagen auftretende Vorgang der „Inversion", durch den der Rüben« oder Rohrzucker in gleiche molekulare Mengen von Trauben- und Fruchtzucker gespalten ivird. Bei lünsilicher Erzeugung des Vorgangs sind„Säuren" nötig, deren Wasierstoffion in'wässeriger Lösung srei und damit wirksam wird; je stärker, d. b. konzentrierter die ursprüngliche Säure ivar, nm so schneller stellt sich der erwünschte Erfolg ein. Noch weiter wird er durch eine Erhöhung der Temperalur gesteigert, er vollzieht sich z. B. bei 100 Grad über 4000mal schneller, a!s bei Zimmer- temperatur. Von solchen Sänren erscheinl neben der sehr teuren Weinsaure die Zitronensäure, die anch jetzt noch verhältnismäßig leicht zu beschaffen ist, auch ans gesirndheillichen Rücksichten am geeignetsten. Auch die Art de? Erhitzens ist wichtig, sie geschieh! besser in Glasgesäßen als in Emailletöpfen. Daraus läßt sich im wesentlichen die nachfolgende Vorschrift zur Bereitung von Kunsthonig im Haushalt ableilen; das erwähnte Honigaroma ist in Drogerie» und Apotheken meistens erhältlich, muß aber vir noch inil Weingeist verdünnt werden:„Man übergieße SPfnndZucker mit'/«Lstler Wasser und fuge den ausgekochten und durch ein Haarsieb gegossenen Sasl einer großen Zitrone hinzu. Dann erhitzt man unter ständigem Ilmrührcn mit einem Holzlöffel bei gelindem Feuer langsam bis zum Kochen, erhält unter fortgesetztem Rühren 10 Minuten lang in ganz schwachem Sieden und schäumt, wenn notwendig, ab. Bei starlem unter längerem Koch rli bekommt der Kunsthonig einen sogen.„Bonbongcschinack". Ilm ihm einen angenehmen, dem Honig ähnlichen Geruch und Ge- schmack zu erteilen, fügt man der halb erkalteien Masse und gutem Umrühren eine kleine Menge Honigaroma hinzu. Das Färben oc- fchieht mit Hilfe von sogen. Karamelzucker, der in der Weise bereitet wird, daß man etwas von der Masse in einem Kaffeelöffel über offenem Herd erhitzt, bis sie eine lief dunkelbraune Farbe au- genommen hat, und den gebildeten Farbstoff in einem Eßlöffel Wasser auslost."_ Notizen. — Vorträge. Uebcr„Kut-el-Amara und Mesopoiamien" (das alte Paradies und die neue Kornkammer Mitteleuropas) spricht dm Sonnabend, 17. Juni, abends 8 Uhr, Dir. Dr. Archcnhold im Beethovensaal. Köthener Sir. 32. sich also nach und nach schon ein»venia einbilden und heim- lich sich jedem Manne im Regiment für ebenbürtig halten. Ja, ein rechtes, tüchtiges junges Mädel ist das anch inr Grunde und niemand unter dem Himmel ist über ihm. Zum zweiten hatte sie nie in ihrem Leben was Nebleö erfahren und konträr war ihr bis dato nie was gegangen, so daß sie leichtiglich glauben mochte, dergleichen sei gar nicht tn der Welt. Endlich — so ein junges Herz ist ein seltsam Ding, leichtgläubig über die Maßen und vertrauensvoll, daß man eigentlich darüber lachen müßte; das wird so leicht beschwatzt, und was es mag. das glaubt es, und was eS glaubt, das nimmt es. in seinen innersten Kern, wo denn kein Teufel es wieder herauszuholen vermag. DaS merkten wir jetzt, als wir vor ihr standen und auf sie einredeten. ,„WaS denkst du dir eigentlich bei der Sache?' fragte der Kapitän endlich ganz ernstlich..Was soll nur daraus werden? Bist du denn wirklich töricht genug, zu glauben, daß er es ehrlich meint?' Sie hatte, wie gesagt, bis dahin wenig mehr getan als geweint und geschluchzt, nun jedoch richtete sie sich ganz gehörig auf und sprach ebenso ernst und fest: ,DaS ist keine Torheit, sondern das ist mein Leben. Ich glaub' so, Herr Kapitän, ich lebe und sterbe darauf, daß er es ehrlich und ernst meint, denn er hat mir von selbst und hundertmal geschworen, daß ich sein bleiben solle, daß er nicht von mir lassen werde. Und wenn er so schwört— muß ich darauf nicht Leben und Seligkeit bauen?'—.Woher so ein junges Ding nur all den Glauben kriegt!' sagte der Kapitän kopfschüttelnd. ,Dcr Teufel soll mich holen, wenn ich'S verstehe. Aber Glanben hin und her,— ich sage dir, meine Tochter, du irrst dich. Der Major von Steinsoll, sein Vater, gibt das im Leben nicht zu, seine Frau ebensowenig und seine Tochter auch nicht. Die würden schöne Gesichter schneiden. Das glaube, darauf baue, denn das ist das Rich- tige.'— ,So ist's,' schoben wir andern ein, ,der Herr Kapitän hat ganz recht.'— ,Nem,' entgegnete sie fest und warf den kleinen Blondkopf auf, ,Leo hat mir oft genug von den Seinen erzählt, wie gut die seien und wie lieb sie ihn haben. Die geben nach, wenn wir sie recht— recht sehr bitten. Sein Vater ist ja mein richtiger Pate.'—.Papperlapapp,' meinte der Kapitän ärgerlich, ,das ist alles dummes Zeug, wie'S ein wilder Bursch wohl einer törichten Dirne vorredet. Wir kennen die Leute auch, Christine, und die Welt dazu, darin geht es anders her, als du dir ausphantasiert. Du aber, du Soldatcnkind, du Herzblatt und Stolz deines Re- giments, willst du dich ducken, schuhriegeln und über die Achsel ansehen lassen? Hast du gar keinen Hochmut und keine Ehre im Leibe?' (Forts, folgt.) Sozialdemokratischer Wahlverein Neukölln. Am 18. Juni verstarb unser Parteigenosse Keos'N KäiKvn' Kottbuser Damm 93, 1. Bezirk. Ehre seinem Andenken k � Die Beerdigung findet am Sonnabend, dcii 17. Juni, nach- mittags 4 Uhr, von der Kapelle des slädlischen FricdhoscS in griedrichsscldc aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 238/1 Iter Vorstand. Dentseher Holzarbeiterverhand. Zahlstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht. dafi unser Kollege, der Tischler Franz Hill Kleine Andrcasstrafie 17 im Alter von 70 Jahren starben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Freitag, den 16. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des Friedhofes der Pius- tve- meinde in Wilhclmsbcrg aus statt. ge- Den Mitgliedern serner zur Nachricht,'flasj unser Kollege, der Tischler Keos'V KZttsn Kottbuser Damm 98 im Alter von 6ö Jahren gc- starben ist. Ehre seinem Andenkens Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. Juni, nach- minags 4 Uhr, von der Kapelle des städtischen Friedhoscs in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 87/19 Die Drtsverwaltnng. DemscherMetallarheiter-Verbanil Verwaltungsstelle Berlin. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Kollege, der Former ?el!or 8e!iiIIer Lichtenberg, Kronprinzenstr. 34 am 12. Juni gestorben ist. Ehre seinem Andenken Z Tie Beerdigung findet am Freitag, den 16. Juni, nach- mittags 3 Ubr, von der Leichen- balle des städtischen FricdhoseS in Marzahn aus statt. Rege Beteiligung wird erwartet. �»eknrf. Den Kollegen serner zurl Nachricht, dag unser Kollege, der j Klempner Hermann Sclränicke 1 am 10. Juni an Lungenleidend j gestorben ilt. Ehre seinem Andenken! j 118/7 Tie OrtSverwaltung. Verharrt der Gemeinde- u. Staats- arbeiter. Filiale Groß-Berlin. Den Mitgliedern geben wir hiermit Nachricht vom Tode der Kollegin Wen nette LnsZe von der Parloerwaltung(Revier Treptow). Ehre ihrem Andenkens Beerdigung am Montag, den 19. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle deS Emmaus« Kirchhoscs in Neukölln, Hermann- strafic, aus. Um rege Beteiligung bei der Bc- staltung der Kollegin ersucht 88/14 die Ortsverwaltung. Allen Bclanntcn die traurige Nachricht, dafi mein lieber Mann und guier Vater, der Steinbild- Hauer 119A Emil Löffler plötzlich verstorben ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 17. d. M.> nach- mittags 8>/„ Uhr, aus dem städtischen Fricdhos m Friedrichs- selbe statt. Verband der ireien Gast- und Schankwirte Deutsehlands. Ortsvcrwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser langjähriges Mitglied. der Kollege Blumcnstr. 19(Bez. 4) am 12. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken s Die Beerdigung findet beule Freitag, dcnlö.Juni, nachmittags 4�/2 Uhr, von der Halle des Zentral- sricdhofes in Friedrichsselde aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 74/7, die Ortsverwaltung. Zentralverhand der Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bezirk 36. Den Berussgcnosscn zur Nach- richt, dafi unser Mitglied WHKsIm Kusig am 13. d. M. an einer Krcbskrank- heit verstorben ist. Ehre seinem Andenken s Die Beerdigung findet am sonn- abend, den 17. d. M.. aus dem Friedhos in Köpenick statt. Um rege Beteiligung ersucht 5/912 I>er Vorstand. Gewidmet zum Sterbetage unseres lieben nnvergcfilichen Sohnes und Bruders (jsoz'a Böhl geb. 8. April 1893, gefallen am 16. Juni 1915. Es ist so schwer dies zu vcrstehn, Dafi wir Dich sollen nicht mehr wiedersehn. Dem Auge entrissen, Dem Herzen geblieben. Ruhe sanst Du lieber Sohn und Bruder in Frieden. Die trauernden Eltern und Geschwister. 41A Am Mittwoch, den 14. Juni, vormittags 10'j, Uhr, verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine treusorgende, inniggeliebte Frau 829t Kutjnste Krause Äe Im tiescn Schmerz Albert Krause, Gatte. Frida Blohm, Schwägerin. Die Beerdigung findet Sonn- abend, nachm. 4 Uhr. von der Leichenhalle des Paulskirchhojs, Scestrage. aus statt. Allg.ßrantjkn-u.Sterbekaffe dn Metfittiirtikittt V. a. G., Hamburg. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 17. Juni. abends 8st, Uhr, bei Heinrich. Gr. Franljurterstr. 30: Uilgliellerversammlung Tagesordnung: Kassenbericht. Wahl der OrtS- Verwaltung und Verschiedenes. 8S8b die Ortsverwaltung. Aligememk Klünken- und Aterbkklljst der MeWürbkiter (B. 0. G.. Hamburg) Filiale»orlln 5. Sonnabend, de» 17. Juni, abends&'/, Uhr. bei Thiel, Ruckerstr. 7: Mgljedrr-Versammlung. Tagesordnung: 118/9 Wahl der Ortsvcrwaltung. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Wige Schmitrseift (Ersatz) zum Scheuern und Hände- waschen, 10 Psd.-Dose 4 M. per Nach». A. ISehloehaner, 222/5* Berlln-Sehönefaerg, Starnberger St 1. ReukersWerke - 5 Laave 4 Liart■ Buchhandlung Vorwärts WanderbQcher in die Umgebung von Berlin, ebenso Wanderkarten zu herabgesetzten Preisen sind vorhanden in der Buchhandlung Vorwärts Berlin SW. 68:: Lindenstrasse 3 Deufsclies Theater. AUabendlich 81/, Uhr: Die Familie Schlmeb. Kamm erspiele. Freitag und Sonnabend 8 Uhr: Gastspiel Frank Wedokind und Tüly Wedekind: Klarqais von Kelth. Volksbühne. Theater a. BDIowpl. Ällabeutllich 8l/4 Uhr: Robert und Rertram. SComödeenhaus Schiffbauerdamm 25 Des* 7. Tag. TSglich 81/« Uhr: Theater für Frei Berliner Theater. nu.: ä ÄndeFsen. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. 7 uhr: parslfal. Friedrich-Wilheimsfädt. Thealer 8'lu.: D. Dreimäderlhaus Kleines Theater „ Die Hochzeitsreise. j»ie Dienstboten. Komische Oper Der selige Baldoin Lusfspielhaus sv.tT: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater DieGröiEraopv.Gerolst Sessictg-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. AUabendlich. S1/« Uhr: Schwarzer Peter. (Albert Bassermann.) Deutsch. Künstler-Theater. Allabendlich 8l/4 Uhr: Die selige Exzellenz. URANIA Tanbenstr. 48/40. 8 Uhr: Bei der Kaiserlichen Marine in Flandern, ag, den 16. Juni. Tlontls Operetten-Theater Gastsp. des Kleinen Th. s-/.o.- Onkel Bernhard. Bcsldenz-Thcatcr s'/. u.: Fliegende Blätter. Schiller-Theater O s uhr: Ehrliche Arbeit. Schiller T. Charlottenb. s in-: Bilrgerlieli u. roniaiitisdi. Thalia Theater 8',, u.: Blondinehen. Theater am Xollendorfpl. >/a9u.: immer feste drall! Theater des Westens '1.9 u.: Das Glüeksmädel. Trlanon Theater z/im: ffas werdend. Leute sap |Jfrn)fllt«nn5ltfllf|3frlin. N 54, Fluienstr. 88—85 Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Bureau geöfinet von 9 bis 1 Uhr und von 4 biS 7 Uhr. Sonntag, den 18. Juni 1910, vormittags Uhr: Branchen-Versammlung der Eisen-, Metall- und Revolverdreher sowie Rundschleiser in den Mufikrr-Festsälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31, großer Saal. Tagesordnung: 1. Bericht über die allgemeine Lage. 2. Diskussion. Die Kollegen der Firmen: A. E. 05., R. Ä. 05.. Daimler. Berg. mann. Tchwarnkopff.(soerz. Samsonwerke. D. W. u. Wl.-F.. K ornbnsch, Borsig, Böertheim, L. Loewe sowie aller anderen Grofi- und Mittelbetriebe sind besonders eingeladen. mtgliedsbnch legitimiert! Rose=Theater. N/. Uhr: Gastspiel»Iwin NeuB; Des Königs Uclehl. Eartenbühne: Es gibt nur ein Berlin. Walhalla-Theater. Der(6tiidi5fii|inifb. Anfang S'l, Uhr: Im Garten, 41/2 Uhr: Vorstellung. Reiehsliallen-Tiieater. Steitiner Sänger. Schippers Heimkehr. Anfang 8 UTir. Admiralspalast. Das neue Eisballett �frau �antaste. Ani. O Uhr, 2, 3, 4 V oigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. KH.' Täglich iägerliebchen. Gr. Posse m. Ges. u. Tanz in 4 Akten von L. Treptow. Erstldaisiges Varietb-Programm. Ansang ö'/j Uhr, Sonntags 4 Uhr. Tägl. 8 Uh r. Sonnt. 31/, u. 8 U. Der Zug nach dem Balkan. Varietö-Revue in 5 Stationen von Otto Reutter ilusik von Panl I.lncke. Dazu die neuen Juni-Spezialitäten. ,3� I 'IS Qewerksehaftshans Im uralten idyllischen Naturgarten findet am Sonntag, den 18. Juni, bei schönem Wetter Kaffee-Konzert statt. Abends konzertiert die griechische Sarati-Kapelle und die Konzertsängerin Astra d'Elvira. Sonntag mittag Ochsenschwanzsuppe..... 0,25 Kraftbrühe mit Einlage... 0,20 Aal grün mit Gurkensalat.. 1,50 Schellfisch mit Senswnke... 0,80 Blumenkohl mit Eiercröme und kalter Beilage..... 1,00 Gänsekkcin, grün..... 1,00 Slbwemeschinken...... 1,60 Kalbsnicrenbraten..... 1,50 Gewerkschaststops..... 2,00 Kompott oder Salat.... 0,25 Käse mit Butter...... 0,50 Erdbeereis........ 0,40 Abend? ein grosser Posten Jettgänse, gebraten, mit Kompott a Portion L,öv M. Sonnabend kommt ein großer Posten Hamburger Fettgäuse, das Pfund zu 3,23 Bt. zum Verkauf. Möbel-Angebot. 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