v.w-.g.s Unterhaltungsblatt öes Vorwärts wie wirö öas Wetter! Trohdem der gute Geschmack es verpönt, über das Wetter in Gesellschaft zu sprechen, drängt sich doch keine andere Frage wie die nach seiner voraussichtlichen Gestaltung so häufig auf die Lippen, ncrmeiltlich wenn, wie dies in den letzten Iahren der Fall, mit sel- tcner Beharrlichkeit die Jahreszeiten vertauscht, die Winter zu mild, die Sommer zu kühl, Frühling und Herbst nur der Tummelplatz sich jagender Wetterstürze sind. Kein Wort prägt sich dem die Prognosen der öffentlichen Wetterdienststellen verdrießlich studierenden Auge seit Iahren besser ein, als die fatalen„von West herannahenden Depres- fionen". Jeder wurde durch die der Wetterprognose meist voraneilen- den Regenbögen auf das nachdrücklichste belehrt, daß eine Depres- s i o n schlechtes Wetter bringt, aber da gerade über keinen Gegen- �tand weniger allgemeine Kenntnisse verbreitet sind als über die noch Zunge Wissenschaft der Meteorologie, wird es wohl auch nur wenige geben, denen dieser Zusammenhang und die Vorbedingungen eines Wettersturzes ganz klar sind. Mit dem Wort Depression bezeichnet der Wetterkundige ein Tief- druckgebict, und bezieht sich damit auf die Barometerangabe, die im Falle tiefen Druckes eben niedrigere Zahlen aufweist als die„Normal- TW-Millimeter", die dem Meercsniveau entsprechen. In Wirklich- ■feit ist aber damit ausgedrückt, daß in der Gegend, deren Luft Nei- jpmg zur Bildung eines Tiefdruckgebietes hat, diese wärmer ist als in der Umgebung. Das hat seine durch die Naturgesetze festgelegten Folgen. Da warme Lust größeren Raum einnimmt als die gleiche Gewichtsmenge kalter Luft, wird sich die in Frage kommende Luft- faule ausdehnen und zioar in der Richtung, wo sie am wenigsten Widerstand findet, das heißt in diesem Fall nach der Höhe zu. Es wird dadurch von ihr in der Höhe Luft nach allen Seiten hin ab- fließen; das hat wieder zur Folge, daß sich das Gewicht der warmen Luftsäule verringert, das der kälteren Gegend, wohin die Lust ge- flössen ist, vermehrt. Der Druck der Luft wird also im warmen Ge- biet sinken, ringsum steigen. Ein Tiefdruckgebiet ist von hohem Druck umgeben. Die Wetterkarten, die in jeder Stadt ausgehängt sind, stellen das graphisch dar, indem sie die Luftdruckunterschiede von je 6 Millimeter von Beobachtungsort zu Ort durch Limen(Isobaren) verbinden. Man erkennt auf einer solchen Karte also, daß ein Tief- druckgebiet etwa um Island, seinem beliebtesten Sitze, lagert. Und die Wetterdienststelle erfährt aus den ihr alle paar Stunden zugchen- den telegraphischen Berichten der anderen Stationen, daß dieses Mi- nimum", d. h. die allbeliebte„Depression" nun gegen Europa zu wandert. Danach bemißt sie ihre Prognose. Eine solche herannahende Depression hat ihre Vorzeichen und ihre Folgen. Der entstandene Luftdruckunterschied sucht sich auszugleichen, die Luft gerät in Strömungen, die wir sehr wohl kennen, als Wind bezeichnen und die, wie leicht einzusehen, desto heftiger sein müssen, je größer die Druckunterschiede, also in unserem Fall, je tiefer die Depression ist. Bei dieser Luftströmung meldet sich aber ein zwestes Naturgesetz. Die Erde dreht sich in 24 Stunden um ihre Achse. Durch diese Rotation werden die Luftströmungen von ihrem geraden Wege abgelenkt; sie fließen also nicht direkt in das Tiefdruckgebiet hinein, sondern um dessen Kern herum, so daß der tiefe Luftdruck immer zur linken Seite des Windes bleibt. Diese Winde bringen kühlere Lust herbei; in dieser muß sich steim Aufsteigen natürlich der Feuchtigkeitsgehalt der Luft im Tief- deuckgcbiet ausscheiden, denn nur warme Luft kann viel Feuchtigkeit aufnehmen. Es ist daher in einer Depression stets trübe und reg- ucrisch.----------- Schon aus den bisherigen Kenntnisien wird man sich nun eine ganze Reihe von Tatsachen, die unser herrschendes Wetter kennzeich- neu, verständlich machen können. In Mitteleuropa, im engeren in Deutschland, sind wir in der sowohl glücklichen wie unglücklichen Lage, daß die Depressionen in den meisten Fallen nordwärts von uns von West nach Ost ziehen. Glücklich ist diese Lage deshalb, weil uns die Erscheinungen dadurch nur zum Teil streifen; unglücklich für uns ist daran, daß dadurch dauptsächlich südwestliche Winde erzeugt werden, die uns. weil sie vom Atlantischen Ozean her mit Feuchtigkeit gesättigt sind, mit Regen überschütten. Die Vorgänge im einzelnen spielen sich dabei in folgender Reihen- folge ab: befindet sich die Depression noch über dem Atlantischen Ozean, so sangt sie in südöstlicher Richtung die Lust an sich. Wir haben dadurch trockenes, im Sommer warmes, im Winter sehr kaltes Wetter, da die Luft aus den großen Steppengebieten Ungarns und Südrußlands uns einen Hauch des StcppenklimaS beschert. Zugleich damit sinkt der Luftdruck. DaS sind, namentlich im Sommer und den sich ihm anschließenden Jahreszeiten, die un- wahrscheinlich schönen Tage, an denen keine Wolke das Himmels- Erzählungen eines alten Tambours. 42) Von Edmund Hoefer. „Einige Tage darauf hatten wir ein Gefecht in der Gegend von Antwerpen und als wir abends verlesen wurden, fehlte unter den übrigen auch der Leutnant Frohnreich. Mir war, als ob ich einen Schlag vor den Kopf kriegte. Die letzten Tage hatte ich ihn nur flüchtig gesehen und über die Historie mit der Christine nicht mehr an seinen unsinnigen ifllan und Vorsatz gedacht. Nun war's richtig. Aber glauben mochte ich immer noch nicht daran, half daher unter den Toten und Verwundeten nach ihni suchen und war, wie das alles ich unisonst zeigte, in einer Verzweiflung, als ob er wirklich chon verloren sei, und das war er in meinen Augen so wie o. Denn sagt selbst, wohin konnte sein Streich führen, wenn nicht zur Entdeckung, zu Schimpf und Schande? Mein einziger Trost blieb, daß er am Ende doch vielleicht wirklich gefangen worden. Am folgenden Morgen sprach ich jedoch mit Moski, der nach Steinsolls Verwundung und seit Richard Offizier geworden, sein Bursch war..Du hast Unglück mit deinen Herren!' sagte ich. Er sah mich starr an und meinte dann; ,Na. Ralow, du spielst gut Komödie! Hätt's nicht ge- glaubt, daß du so ehrlich ja sagen und nein denken kannst.' — ,Du bist nicht recht klug,' sprach ich erschrocken, daß er auch was ahne oder gar wisse,.was denkst und willst du nur? Er lachte aber, scheuerte sich die Nase und redete erst nach geraumer Zeit weiter:.Ich möchte bloß die Augen sehen, welche sie über ihn daheim machen!'—.Moski!' rief ich drohend,.wenn du nur davon atmest—'—.Prrr!' machte er,.sachte, sachte, Alter. Kümmere du dich um deine An- gelegenheiten.' Und nachdem er noch eine Zeitlang ge- schwiegen und geraucht, ging er mit den Worten davon:.Ich hab's mir eigentlich so zur Fastnacht ausgerechnet, meinst du nicht auch? Adje für heute.' Nun diesmal konnte ich wenigstens seine Gedanken leider gut genug vcrfolgeu und. wenn ich's überlegte, daß auch er davon wisse, der jedenfalls bei Leo nach dessen Rückkehr wieder eintrat, stiegen mir die Haare zu Berge und ich sann Tag und Nacht, was ich tun und lassen sollte und konnte. Das war denn eben kauni was anderes als den Mund halten und Geduld haben." � Der Alte schwieg und starrte lange regungslos in den beginnenden Abend.„Gott weiß." bemerkte Reinbold nach einiger Zeit,.es ist Euch doch manches Schwere über den blau trübt und die Welt so friedfertig und vollkommen erscheint, als seien die feinen zarten Schäfchcmvolken, die nach Tagen solcher Naturpracht hoch und fern am nordwestlichen Firmament daher- segeln, nur die Dekoration eines Schäferspiel?, nicht aber die Vor- boten nahenden Unheils. Die sich nähernde Depression sendet nämlich Federwolken vor- aus. Diese bestehen aus Eiskristallen, weil sie in außerordentlicher Höhe schweben. Sie stammen aus der Luftströmung, durch die sich die in die Höhe steigende Luftsäule des Tiefdruckgebiets oben mit der kälteren Umgebung vermischt. Darum schweben sie in einer Depression in großer Höhe sowohl voran wie hintennach, was der Volksmund schon längst weiß, wenn er sagt:„Schäfchen künden und beenden das schlechte Wetter." Das nächste Stadium, woraus der wetterkundige Nawrfround auch ohne Prognose das Heranziehen einer Depression erkennt, sind die Mondringe, das Morgenrot und das Drehen der Winde. „Der Mond hat einen Hof," ist der volkstümliche Ausdruck für die Mondringe, die so wie das besonders auffällige Morgen- und Abendrot auf der Bildung von Dunstwolken in höheren Regionen beruht. Dagegen pflegen Liese nun langsam einsetzenden vertikalen Luftströmungen die unteren Dunstschichtcn zu entfernen, so daß nn. mittelbar vor dem Eintritt schlechten Wetter? die Fernsichten be- sonders rein zu fein pflegen. Ein untrügliches Zeichen aber ist rS, wenn der Wind rasch von seiner südöstlichen Richtung nach Süden, Südwest und Westen dreht. Im Winter wird es dadurch wärmer, weshalb plötzliches Mildwerden allgemein als Vorzeichen eines Schneefalls gilt. Im Sommer bringt die atlantische Luftzufuhr Abkühlung mit sich, für die allerdings auch anderweitig rasch gesorgt ist, da mit den West- lichen Winden die tieferen Wolken erscheinen und nur zu bald der Regen einsetzt. An ihm bewahrheitet sich wieder die Volksweisheit, wenn sie sagt:„Strenge Herren regieren nicht lange." Denn vollzieht sich dies alles rasch, setzen auch mächtige Regengüsse ein, dann pflegt die Depression auch rasch abzuziehen, bereitet sich die Verschlechterung dagegen sehr allmählich vor, dann pflegt uns der zur Geduld er- ziehende„Landregen" oder im Winter das„Matschwetter" nicht er- spart zu bleiben. In jedem Fall nähert sich das Schauspiel des Vorüberganges einer Depression seinem Ende, wenn die Winde nach Nordwesten drehen und böig wenden, womit eine besondere Abkühlung verbunden zu sein pflegt. Nun folgt noch das Nückseitenwetter. Unter diesem Ausdruck versteht der Meteorologe die Rückfälle in Gestalt von Regenschauern, das Aprilwetter, das den Vorüberzug einer Depression zu beschließen pflegt. Allgemeine Regel hierbei ist, daß die Wendung zum Besseren viel rascher einzutreten pflegt als die Wetterverschlechte- rung. Der Luftdruck steigt wieder an, die Wolkendecke zerlöst sich und hoch über ihr schweben wieder Federwölkchen. Das großartige Naturphänomen ist beendet und die Babn ist wieder frei— für die nächst« Depression, denn nach hundert- jähriger Erfahrung in Westeuropa ist dort nichts so veränderlich wie das Wetter._ H. Falkenfcls. kleines Feuilleton. Die Massenspeisung üer Hamburger krlegsküchen. Unter den verschiedeneu Formen der Masscnspeisungen haben sich die der Hamburger Kriegsküchen sehr gut bewährt, lieber ihre Einrichtung gibt ein interessanter Aussatz Aufschluß, den Ober- stabsarzt Dr. Moritz Fürst in der„Deutschen Medizinischen Wochen- schrift" veröffentlicht. Alle Küchen bereiten das Essen nach dem- selben, genau festgelegten Küchenzettel. Das Essen, das ohne jede Prüfung der Bedürftigkeit abgegeben wird, kann an Ort und Stelle verzehrt werden, wird aber meistens abgeholt. Der Preis für die Portion zu% Liter betrug zunächst 1ö Pf., womit die Kosten ge- deckt wurden. Die Portion wurde dann auf einen Liter und der Preis auf 20 Pf. erhöht. Die Kosten werden jetzt schon lange nicht mehr durch die Einnahme« gedeckt; der Durchschnittspreis für die Portion beläust sich auf 33— 85 Ps„ so daß 13—15 Pf. bei jeder Portion von der Hamburgischeu Kriegshilfe zugesetzt werden. ES wird jetzt in Hamburg in 79 Kü ch e n stir etwa 115 000 Menschen täglich gekocht. Wie sehr die Massenspeisungen an Ausbreitung zugenommen haben, geht daraus hervor, daß im Dezember 1915 670 403 Liter, im Föbruar 1916 909 033 Liter und im März 1916 1 778 073 Liter ausgegeben wurden. Während es zunächst nur einen fleischlosen Tag in der Woche gab, wird seit Eintritt der Fleischkitappheit zweimal wöchentlich frisches Fleisch und einmal Fleischkonserven gegeben, wobei die Menge von 100 auf 60 Gramm ermäßigt ist. Alle Lebensmittel, HalL gekommen, Ralow, wie's nicht einem jeden zu teil wird. Doch ich denke, das ist auch recht gut, denn es wäre nicht ein jeder damit fertig geworden." Der Alte lächelte trüb.„All mein Lebtage," erwiderte er,„bin ich kein Windbeutel gewesen und den Herzensschlüssel hatt' ich meist verlegt: von Freunden Hab' ich nie viel gewußt und das viele Zärtlichtun, das Hände- drücken und all die großen Worte nimmer leiden können. Gradaus und für mich bin ich durch die Welt gegangen und wer mitwollte, konnte mitkommen, ich hatte nichts dawider; gezogen Hab' ich aber fast niemals einen Menschen und kaum jemals einem gesagt: komm mit und bleibe bei mir. Ihr nennt das vielleicht sündlichen, törichten Hochmut,— sei es darum, ich bin einmal so. Und wenn so ein armer oder störrischer Teufel sich doch einmal anschließt und doch einmal sagt: Komm mit, du I— da meint er's denn auch gewaltig ernsthaft, und wenn's ihm da schief geht, fühlt er's dann weh tun durch und durch bis in das Tiefste seines Leibes und Lebens, es wird schier unleidlich und vergessen und ver- winden kann er niemals wieder." Er legte die Pfeife auf deu Tisch, kreuzte die Arme und schaute mit stillen ernsten Augen in die Ferne, wo der Fichtcnhügel mit der krummen Tanne sich vom goldduftigen Abendhimmel schwach und dunkel abhob.„Viermal bin ich ein Narr gewesen," fuhr er fort, „einmal bei meinem Kapitän, dem ich damals beim Auf- stand das Leben rettete und hernach getreulich zu Tode pflegte. Zum zweiten und dritten bei den beiden, von denen ich jetzt erzähle, die ich so fest an mein Herz genommen, wie's mir noch uiöglich war, und die der Teufel nun zusammen holte, 's mag ihm so wohl bequemer gewesen sein. Und endlich bei dem, der dort drüben an der Tanne eingeschaufelt ward, bei dem Rolof, meinem Schwesterkinde. Na, das war auch noch was anderes, denn der war ja aus meiner Verwandt- schast, und das ist dann immer schon ein Haken mehr. Ja, ja, das Leben ist für manchen ein bitterer Trunk, und rnein's war kein süßer." Er schüttelte abbrechend den Kopf und trommelte mit den Fingern einen Marsch auf dem Tisch. Die Zuhörer waren lange still und mochten ihn nicht stören, bis der Feldwebel endlich wieder anfing:„Ja, Ralow, Ihr habt mancherlei erlebt; und doch, wenn man Euch ein- mal um ein Stück Geschichte bittet, wollt Ihr nie damit heraus und redet, Ihr wißt nichts, bis es dann doch kommt." Der Alte nahm die Pfeife vom Tisch, blies die Asche aus und begann sie neu zu füllen.„Hm ja," versetzte er,„das ist einmal so. Bald hat man einmal den alten Kram ganz und mit Ausnahme von frischem Gemüse und dergleichen, werden van einer kaufmännischen-Zentrale beschafft. Die Essenmarken werden schon am vorhergehenden Tage ausgegeben, so daß jeder die von ihm gewünschte Nahrungsmenge ohne Gedränge und langes War- ten in Empfang nehmen kann. An Ort und Stelle sollen nur die- jenigen essen, die in der Mähe arbeiten und während der Mittags- pause nicht nach Hause gelangen können. Man will das häus- liche Leben am Familientisch nach Möglichkeit dadurch aufrecht' er- halten, daß man das Essen in der Hauptsache mitgibt. Ter Ver- fasscr kommt auf Grund der hier gemachten Erfahrungen zu. dem Resultat, daß ein großzügiger Betrieb von Kriegsküchen nur dann gesichert ist, wenn ein bedeutender Geldzuschuß geleistet wird. Tic Zusammenarbeit ehrenamtlich tätiger Männer und Frauen mit den Vertrauensleuten der Arbeitervereinigungen und Gewerkschaften ist unbedingt notwendig. Ebenso ist eine einheitliche Leitung und eine sehr häufige genaue Kontrolle der Küchen durch die'Zentral- leitnng erforderlich. Vor allem aber muß in den Kriegsküchen wirklich gut gekocht werden, und jede Küche muß danach streben, dem Geschmack ihres Publikums nach Möglichkeit entgegenzu- kommen._ Trlanontheater:„Was öie Leute sagen/ Die Autoren(Toni Impekoven und Otto Schwarz) nennen ihre drei Akle ein„lustiges Stück". Eine Bezeichnung, die leider mehr die Absicht als daS Vollbringen charaklerisiert, was indessen der Freundlichkeit der Aufnahme nicht Abbruch tat. Kleinstädtischer Prüderie und Heuchelei wird lvieder einmal ordentlich heimgeleuchtet. Eine zigarettenrnnchende und auch sonst emanzipierte Same, der ihr Vermögen beliebige Extravaganzen gestattet, hat es sich in den Kovf gesetzt, einen Predigtamlskandidaten, der unter der Onkel- und Tantenschaft des traurigen Nestes elend versimpeln müßte, als Ehemann zu kapern niid zum großen Musiker zu machen. Um die Unmöglichkeiten durch historische Distanz zu mildern, und wohl vor allem, weil das damalige 5kosiüm noch immer auf der Buhne gern gesehen wird, ist die Geschichte in die Biedermeierzeit zurückdatiert. Der betreffende Jüngling, der die Ver- Ivandten mit einem gleichfalls anderweit verlieblen Büschen durchaus verleben möchten, wartet mit der Enthüllung seiner rebellischen Gelüste des dramatischen Effektes wegen ausgerechnet bis zum Verlobungsfest. Die drei alten Onkel, der spindeldürre Apotheker, der donnerwetiernde Förster und der ölige Bürgermeister, offizielle Hüter der gulen Krähwinkler Sitten, die auf ein galantes Abenteuer hoffen, marschieren nach einander in der Wohnung der Fremden auf, um sich als mächtige heimliche Beschützer zu empfehlen, und werden samt und sonders in dem gleichen Raum versteckt. Heilfroh, daß die Blamage nicht an die große Glocke kommen soll, gratuliert man am Schluß' dem neuen Paare. Die Hauptrolle loar durch die Damen Rohrs, Heinrich, Einödshofer und die Herren Weiglin, Bathe, Zirkner und Berger vertreten. dt. Nottze«. — Peter Baum, ein stiller, feiner Dichter, der semen Träumen lebte, ist gefallen. Das große Publikum kennt ihn nicht. Seiner Werke sind wenige, und leins ist zwingend. Aber in seinen Freundeskreisen ist die Erinnerung lebendig an einen sehnsuchst- erfüllten, der Kunst hingegebenen Menschen. — E i n Knopfmuseum. Ein„Knopfmnseum", das das gesamte„wissenschaftliche, technologische und sonstige Knopsgehiet" aller Völker und Zeiten umfaßt, hat Heinrich Waldes, der Pimlier des Druckknopfes in Prag-Wrschowitz angelegt. Die Grundlage dazu bildeten die Sammlungen, die Waldes seit Johrzebnten zusammen- getragen hat. In dem eigentümlichen Museum sind sie nun ge- ordnet, übersichtlich vereinigt, und der Allgemeinheit zugänglich, ge« macht worden. — Ein Requiem für die Toten des Krieges. Im Nachlaß von Max Reger findet sich, wie Georg Stern in einem außerordentlich tvarmherzigen und verständnisvollen Nachruf auf den großen Tonschöpser mitteilt(„Sozialistische Monatshefte", 10. und 11. Heft), ein Requiem für Chor, Soli und Orchester auf den Hebbel- sSen Text„Seele, vergiß sie nicht, Seele, vergiß nickt die Toten" (Opus 144 Nr. 2).— An gleicher Stelle wird das überaus reiche Werk des mit 43 Jahren Gestorbenen aufgeführt. Er hat geschassen: über 200 Orgelstücke, an 240 Einzelliedcr, 150 �-cnpslla-Chörc, 14 große Gesangswcrke mit Orchester, über 180 Klavierstücke, 62 Kammermnsikwerke und 11 große Orchesterwerke. — Die Shakletonsche Südpolexpedition zu retten die— 22 Mann stark— auf der Elefanteninsel zurückblieb, ist von Buenos Aires der Dampfer„Montevideo" abgegangen. Er wird Shallelon auf den Falklandinseln an Bord nehmen und dann die durch den Südpolarwinter erschwerte Fahrt nach der Elefanteninscl versuchen. gar vergessen, bis er denn durch Zufall wieder zu Platz kommt; bald paßt die Historie uns nicht und bald paßt diese nicht in diese Stunde. Es lvill alles seine Zeit und seinen Ort haben. Und somit da ich diese einmal angefangen habe, will ich sie auch weiter erzählen. „Wir standen dazumal also in der Gegend von Breda, warteten auf unsere Alliierten und deckten die Belagerung von— Gorkum, glaub' ich, heißt das Nest. Ter Dienst war nicht schwer, die Quartiere nicht schlecht und so wurden wir ziemlich breit und rund dabei und das Korps bekam wieder ein ganz reputierliches Ansehen. Auch die Regimenter komplettierten sich durch allerlei Nachschuß und Rekonvales- zenten, und zwischen den letzteren traf denn auch eines schönen Tages der Herr von Steinsoll bei uns ein, den Arm zwar noch in der Binde, sonst aber gesund und frisch und soviel ich bemerken konnte unverändert. Nur schien er mir noch ein bißchen vornehmer und hochmütiger als sonst, hielt sich mit drei oder vier anderen ähnlich Gesonnenen zusammen und ließ das andere Pack links liegen. Er trug jetzt auch richtig einen einfachen Fingerring, wie ihn die Brautleute tragen, und Moski bestätigte mir dies auf meine Frage; er schreibe an die Helene Pochlitz, sagte er. Frohnreichs Verschwinden habe er bereits gewußt, sich aber doch noch weitläufiger danach erkundigt und niit seinen neuen Frcun- den allerlei höhnische und spöttische Bemerkungen darüber ge- macht. „Mit mir kam er nun zwar nicht weiter in Berührung, warf mir jedoch einmal im Vorbeigehen ein hartes grobes Wort hin. und obgleich mir das sehr egal war, ließ es iriicO doch nachdenken, was er eigentlich gegen mich haben könnte? Da fiel mir denn gar nichts anderes ein. als daß er, da er mit dem Richard auseinander gekommen und der Christine nachstellte, auch gegen mich feindlich auftreten zu müssen vermeinte, der ich mit den beiden so eng verbündet war. Vielleicht mag er sich auch imierlich geschämt haben, daß er so loar, wie er war, nicht schlecht, sondern nur bodenlos leichtsinnig und voll von alten Narrheiten, und daß ich das ivissen mochte, darüber ärgerte er sich denn ivieder. Und vielleicht fürchtete er auch etwa noch immer, ich könne darauf fußen, daß ich ihn als Kind gekannt und infolge davon einmal unbescheiden werden. Da wollte er sich denn sicher- stellen. Liebster Gott! Ich habe mich noch nie einem Menschen aufgedrängt und immer gewußt, was ich schicklicher- weise zu tun hatte.(Forts. Forts.) Deutsches Theater. Allabendlich 8'/» Uhr: Die Familie Schimek. JKammepspiele. Sonntag 8'l, Uhr: Erdgeist. Montag 8: Marquis r. Kelth. ferbaiü] der Freien FoIksUnen Sonntag, den 18. Juni 1916; Nachmittag? S Uhr: DoUSbühne, Theater am Bülowplatz: Der Biberpelz. Deutsches Opernhaus: Der WUd- schütz. Lelsing-Theater: Komödie der Worte. Abend» 8'/i Uhr: DoUSbühne, Theater am Bülowplatz: Montag bis Mittwoch: Robert und Bertram. Voiksibüiuie. Allabendlich 6'/, Uhr: Robert und Rertram. Bonntag nachm. 3 Uhr(kL Pr.) Der Itibcrpciz. Theater für Sonntag, den 18. Juni. Berliner TTheater. 3 Uhr: Ulancnstreiche. Andersen. s'i.v.: ä Andersen. Deutsches Opernhaus, Charloftenb, 3 Uhr: Der WlidBchUta. 8 Uhr: Der Rettclstudcnt. Fr)cdrlch-W ilhe! mstädt. Theater 8>(» u.; D. Breimäderlhaus Kleines Theater S'/j Uhr: Maria Magdalene. ...„ Die Hochzeitsreise. 8/«U.: j)|e Dienstboten. Komische Oper S'l, U.: Der selige Baldnln. Lustspielhaus 8»/. u.: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater ß* tt.: DieCrßierzislnv.GEroIsl Montls Operetten-Theater Gastsp. des Kleinen Th. s'/i r.: Onkel Bernhard. Residenz-Theater a'i. u.: Fliegende Blätter. Schiller-Theater O s uhr: Alt-Heidelberg. Scblller-T. Chnrlottenb. 8 uhr: Der Dornenweg. Thalia-Theater 8'/. u.: Elondinchen. Theater am Mollendorfpl. v»® tt.: Immer feste druff! Theater des Westens i Uhr: Heimat. ■1.9 u.- Das Gltlcksmädel. Trlanon-Theater 1 Uhr: PtarrerT. Kirchfeld 8',. TT.: National-IheaterfÄ" S'l, u. S'/, AI« Ich noch int FiBgelklelda. NB. DeS allabendlichen Raffen. andrang» wegen empfiehlt es stch, die Billetts rechtzeitig zu besorgen. Kasse geöffnet von 10 Uhr ab. Kvse-Tkeater. S's.Uhr: Gastspiel Aiwm Nouß: Des Königs Itcfehl. Gartenbuhne: Es gibt nur ein Berlin. Reichshallen-Theater. Siettiner Säetgerk Schippers Heimkehr. Anfang 8 Uhr. Komodienhaus Schiffbauerdamm 25 Der 7, Tag- Gr. Gerl. IM Alt-Moabit. Tflgl. Militär-Konzert. Eintritt 50 Pi. 2 Heute Torstollrsn O S'l, und 8 Uhr." Nehm. id. Erwachs. 1 Kind frei. In neiden Vorstellungen das ungekürzte Programm: Der Zug nach dem Balkan Variete-Bevue in 6 Stationen Dazu die neuen Juni-Spezialitäten. Sessing'Theater. Direktion: Victor Bamowsky. 8'/, Uhr; Schwarzer JPeter. (Albert Bassermann.) Nachm. 3 Uhr: Komödie der Worte. Deutsch. Rünstier-Theater. Allabendlich S'l, Uhr: Dl© selige Exzellens. URAN IA TaÄtr- Sonntag 4 Uhr(halbe Preise): Der Isonzo und Oesterreichs Adrlakllste. 8 Uhr: Bei der Kaiserl, Marine in Flandern. Montag 8 Uhr: Del d. Kaiserlichen Marine In Flandern. Wnlhalla-Theater. S?UH?- Der Slucksschmitd. 4 Uhr: Garten-Vorftellung. ZümirsiZ-?A!ÄZt Monte lö Torstellnngen A'l, und 9 Uhr. Das herrliche Eisballett Irsu Fantasie. Naohn. kl. Freite, abd.ä.S, 4M., T olgt-Theater. Badttr. 68. Badstr. 58. KST" Täglich"WlZ J�g@r'l@fechen. Gr. Pojse m. Ges. u. Tanz w 4 Allen von ü. Treptow. Erstklassige« Varletö-Programm. Ansang b'l, Uhr, Sonntags 4 Uhr. Heute: Gr. Militär- Konzert. Zo0 25 Pf, A<,na Aqnarlnm. je Z. 8aer EaiIstr.2ßprÄ,e. Moderne Herren- und Knaben-Anzüge. Eleg. Paletot«, Ulster Joppen i.jed.PreisIag. Gr. Stofflager z. eleg. MaBanfertigung Billigste, feste Preise. I lauft stob. Ball Nchs.' Münzen- I hdlg., Berlin, Wilhclmstr.4S/47 U.T Friedrichstr., Weinbereiwea, Morttzpla«, Hasenhelv«: U. d. Linden, lgeinickendorterttr.: SchuhpalastPimUSi fyatt oustsps-i mit Ernst Lubltscb Zl- und Else Konter. U.I Äuttftrllenoamra, Zlollendorsplotze Nie wandernde perle. •ht Kriminalroman von Paul Rosenh&yn'. mit Lu Synd, Emil Albes, Elnar Bruun, Max Ruhbeck, [ Kurfvrften damin. Nollendorspt., Moritzpk., Haseuheid«'. Wie du rair— so ich dirl [ Keizend.Luttipietm. 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