»it. 148.— 1916. Unterhaltungsblatt des Vorwärts Arme Tante viktorine! Vor der Kiefer, an der bei uns hier draußen der Tages- b e r i ch t zu kleben pflegt, muß ich manchmal an sie denken. Arme Tante Viktorine— denk ich dann. Und— arme Familie Dubois; was müßt Ihr lange auf Tante Vikwrines Besuch warten, den langersehnten, vielversprochenen..... Mancher wird dieses Mitgefühl verrückt finden; wenigstens wenn er hört, daß Tande Viktorine durchaus nicht etwa mit mir verwandt ist,— daß ich sie vielmehr nie gesehen habe-- uni> daß sogar stark zu vermuten ist, daß sie überhaupt nicht leiblich existiert. Mitgefühl für eine Tante, die gar nicht existiert?— Es ist so; doch das zu erklären, muß ich ausführlicher werden. »» « Sonntag. Von draußen schnatterte das Gefangenenlager her- ein. Verwaschene Gloria von Kakhi und Himmelblau, von roten Hosen und Turkoherrlichteit schlenderte durch meinen Fensteraus- schnitt. Ich saß am Brettertisch der Holzbarack« über dem dicken Stoß der Postkarten und Briefe und fraß mich müde durch die eintönige Stilistik der Gefangenenpoft durch. Und las zum hundcrstenmal, was irgend eine kleine Frau Margot oder Mimi oder Juliette ihrem Jean-Äaptiste oder Bnatole mitzuteilen hatte, dkon mZore— mein Angebeleterl Ich ergreife die Feder, um Dir zu schreiben, daß es mir gut geht und ich hoff« dasselbe von Dir.... So fingen sie ja Wohl beinahe alle an. Und mein fugend- licher Optimismus hatte schon lange schlapp gemacht, der da aus diesen Briefen nationalpsychologrsche Auflchlüsse, interessante Funde erhofft hatte. Im Anfang, ja— da war ich noch manchmal entzückt gewesen. Da waren doch einzelne Briefe.— voll einer Eleganz, die in zarten Wellen wunderschönste Gefühle dahintrug. Kein Zweifel— echtfranzösische Anmut. Dachte ich-- bis ich merkte, daß auch diese wunderschöne Gefühlszierlichkeit nur ein Schema war, ein Klischee, ein Angelerntes. Steifgepreßte Stilblüten aus irgendeinem Schulbuch, in dem Oberlehrerkunst die Glückwünsche zur Hochzeit des Onkels Bernard, zum Namenstag der Frau Patin und zu allen anderen wichtigen Familienfesten geölt und gesalbt hatte. Freilich: viel hätte ich auch eigentlich nicht erwarten dürfen. Ich mußte doch, daß Mimis und Juki« zierliche Feder zitterte, wenn sie an mich dachten. Daß ich der Mann mit dem bösartigen Ge- sicht, dem riesigen Schnauzbart und dem ungeheuren Säbel war, der ihnen beim Schreiben immer über die Schulter guckte. Der deutsche Zensor: Kein Wunder, daß sie so beengt waren, die kleinen Frauen, die da so kläglich unterschrieben:.�u pauvre petite femme gui est di seule.... Oder: Deine arme kleine Ratte. Oder: Dein kleiner Hase. Eine Deutsche hätte geschrieben: Deine kleine Maus. Nun: Maus oder Hase oder Ratte, ich weiß nicht, ob der Unterschied beträchtlich ist____ 1 Und auch sonst alles, wie überall heute in Enropa. D i e Schicksale von heute,�— unter der dünnen Haut der fremden Sprache das Allgemein-Menschliche,— Geschehnisse der blutigen Alltäglich- keit von heute, durch fremde Namen zufällig und äußerlich trivolo- riert. Trivial zu lesen, nicht wahr, daß Armand Bidcaur einen Arm, Vater Morel seine drei Söhne verloren habe. Daß Juliette („Du kennst sie sicher; au» der Rue Zola; mit dem goldblonden Haar") vom Tod ihres Bräutigams ohnmächtig umgeworfen worden sei. Daß das ganze Departement entrüstet sei, daß man den dicken Brauer Pinfon noch nicht eingezogen habe, einen so großen und starken Mann.... Vom Krieg selbst sonst keine Silbe; die geringste Spur von Mutlosigkeit peinlich unterdrückt; mein fran- zösischer Kollege war streng. Und so hätte ich nie erfahren, was die Schreiber meiner Briefe vom Kriege selber dachten, hofften,-- wäre nicht Tante Viktorine gewesen. »» Tante Viktorine...... Aus dem Nebenzimmer, durch die Bretterwand, mußte das beiße, zäbe Diskutieren der belgischen Studenten, die da Tag für Tag die Deutschen a»S Brüsicl warfen, Belgien» Unabhängrgkeit wiederherstellen, Tag für Tag. Ich aber saß und wunderte mich. Nanu?— Ich hatte doch in Frankreich nie bemerkt,-daß der Name Viktorine so häufig sei?— Und nun mußte jede dritte Fa- milie bald eine Tante Viktorine haben,— und wenn schon keine Tante, so doch sicher eine Base, denn jeden Augenblick war in meiner Gefangenenpost von einer Viktorine die Rede. Etwa so: „Tante Viktorine läßt Dich schön grüßen. Sie ist augenblicklich sehr bettlägerig, hofft aber, uns doch noch besuchen zu können." Eine andere Tante Viktorine hatte— merkwürdigerweise— ebenfalls die Absicht, ihre Familie zu besuchen;„jedoch kaum warum! 41 Von Leo T o l st o i. VI. Der gutmütige Oberstleutnant erwirkte die Genehmigung der obersten Behörde. Aus Orenburg wurde ein römisch- katholischer Geistlicher verschrieben und Migurskis wurden ge- traut. Die Frau Bataillonskommandantin war Brautmutter, ein Schüler trug das Heiligenbild, und Brshosowski, der pol- nische Verbannte, war Schaffer. So sonderbar es auch scheinen mag; Albina liebte ihren Mann leidenschaftlich, kannte ihn aber gar nicht. Sie wurde erst seht mit ihm bekannt. Natürlich fand sie an dem leben- digen Menschen aus Fleisch und Blut eine Menge Alltägliches und Ilnpoetisches, das dem Bilde, welches sie in ihrer Ein- bildung trug und ausgestaltete, nicht entsprach. Dafür fand sie aber, gerade deswegen, weil es ein Mensch aus Fleisch und Blut war, viele einfache gute Züge an ihm, die ihr abstraktes Ideal nicht besessen hatte. Sie hatte durch Bekannte und Freunde von seiner Tapferkeit im Kriege gehört, kannte seine männliche Entschlossenheit bei Verlust seines Vermögens und seiner Freiheit und stellte sich ihn nur als Held vor, der stets ein höheres, heldenhaftes Dasein führte; in Wirklichkeit er- wies er sich aber trotz seiner ungewöhnlichen Körperkraft und Tapferkeit als ein sanftes Lamm, als ein höchst einfacher Mann, der gutmütige Scherze machte, um dessen, von einem blonden Backen, und Schnurrbart umrahmten, sinnlichen Mund, der schon in Noshanka ihr Entzücken gebildet hatte, ein Kinderlächeln spielte, und der sich niemals von seiner Pfeife trennte, was ihr besonders während der Schwanger- schaft sehr zur Last fiel. Migurski lernte ebenfalls erst jetzt Albina kennen und lernte in ihr zuerst das Weib kennen. An den Frauen- zimmern, deren Bekanntschaft er vor seiner Verheiratung ge- macht, konnte er die Frauen nicht kennen lernen. Und was er an Albina als Weib kennen lernte, setzte ihn in Verwunde- rung und hätte ihn in bezug auf das weibliche Geschlecht ent- täuschen können, wenn er nicht für Albina, gerade für Albina, ein besonderes Gefühl der Zärtlichkeit und Dankbarkeit emp- funden hätte. Er empfand für sie als Weib ein Gefühl freundlicher, etwas ironischer Herablassung; dagegen empfand vor dem Herb st. Die Gesundheit ließ— kuriosermaßen— bei allen Inhaberinnen des Namens Viktorine sehr zu wünschen übrig. Die Tante Viktorine der Familie Aurel Dubois in Arles „würde ihre Gesundheit höchstens nach einer äußerst langwierigen Operation wiedererlangen. Sie hätte zwar den Arzt Dr. Anglais; aber es hieße, daß er nicht viel von Medizin verstehe... Da— als er dies las— da mußte der deutsche Zensor in der Holzbaracke doch lachen, ehe er tolerant den Stempel„Geprüft" draufhieb.— Oooh,— Mimi, Juki, Margot, Vater Dubois, Mutter Bideaux,—: habt Ihr ihn wirklich für so harmlos gehalten, daß er Euch nicht hinter Eure kleinen und ach, so schrecklich raffinierten Schliche kommen würde? Auch er wußte doch, daß JBiktorine— lies: la victoire— der Sieg heißt. Und dachte sich lächelnd, wenn auch nicht ohne Mitgeftihl, sein Teil, wenn so viel von Tante Vik- lorine» angegriffener Gesundheit die Rede war. Und so viel von ihrem— immer erhofften, immer versprochenen, nie erfolgenden - Besuch..... «• » Ja,— Juki, Mimi, Margot,— soll ich Euch etwas verraten? Ich bin kein Arzt,— aber soviel verstehe ich von Medizin. Tante Viktorine wird in Frankreich nie gesund werden. Die„dicke Luft" bekommt ihr nicht, glaubt es mir. Und sie wird Euch darum auch nicht besuchen können. Aber glaubt mir auch,—: wenn ich auch nur ein Boche bin, so tut Ihr und Tante Viktorine mir doch aufrichtig leid— und ich kann Euch manches nachfühlen. Denn seht—: ich habe sogar zwei Tanten,— und wenn die eine, Tante Viktoria, unS auch öfter besucht,— sie wohnt nicht sehr weit,— so Hab ich die andere, Tante Friede, doch schon lange nicht mehr gesehen. Und warte auf ihren Besuckj. � Kleines§euilleton. Das erste Eifenbahnfrachtstück in Deutschlanö. Wenn man an die ungeheuren Gütermengen der verschiedensten Art denkt, die jetzt Tag und Nacht auf Eisenschienen an die Front rollen, wird man sich nicht leicht einen Begriff von den schwierigen und bescheidenen Anfängen des WarentranSportS auf unseren Bahnen machen können. Bei der ersten deutschen, die im Jahre 1835 zwischen Nürnberg und dem benachbarten Fürth in Betrieb genommen war, hatte man freilich neben der Personenbeförderung auch di« von Gütern in Aussicht genommen, ließ jedoch den Gedanken bald wieder fallen. weil die Schwierigkeiten zu groß erschienen. Am 17. Mai 1838 stellte Andreas Jakob Hartmann den Antrag auf Benutzung der Ludwigsbahn zum Waren- und Gütertransport. Wie wir dem fesselnden. Büchlein„Modernste Kriegswaffen— alte Erfindungen" von F. M. FeldhauS-Leipzig entnehmen, wurde ihm vom Direktorium eine abschlägige Antwort zuteil. Daran war außer anderen Be- denken hauptiächlich der Mangel an TranSporiwagen schuld, aber einen Versuch machte man trotzdem kurze Zeit darauf mit der Güter- besördcrung, wenn auch in sehr bescheidenem Ilmfanae. Dem Bier- brauer Lederer wurde nämlich am 11. Juli 1833 gestattet, mit den ersten nach Fürth gehenden Wagen zwei Fäßchcn Bier an den Wirt mit der Eisenbahn gegen Vergütung von S Kreuzern für das Fäßchen unter der Bedingung zu senden, daß der Wirt bei Eintreffen der Wagen sein Bier sofort abholen lasse. Ein Direktorialkommissar sollte Sorge tragen, daß dieser kleine Anfang des GiiteriranSporlS in gehöriger Ordnung vor sich gehe,„um solchen dielleicht später- hin' in» Große ausdehnen zu können", wie- es in der Direktorial- Verfügung hieß. Ein wie riesenhafter Aufschwung seit dem Tage, an dem die beiden Fässer Bier au« Nürnberg vor achtzig Jahren al« erste Frachtstücke den Gütertransport auf der ersten deutschen Eisenbahn eröffneten t_ der Geburtenrückgang üer weißen Raffe. Die Veröffentlichung der letzten englischen Geburtenstatistik, die einen erheblichen Rückgang an Geburten aufweist, wird in der Londoner Presse vielfach besprochen und mit der Frage in Zusammen- hang gebracht, ob überhaupt ein Geburtenrückgang der weihen Nasse zu beobachten sei. Während die Geburtenzahlen in England und Wales von 1840—1880 keine Verminderung zeigte und sich auf 35 Proz. unter 1000 Menschen belief, nahm sie seit 1880 ab, bis zu fast ein Drittel der genannten Zahl, nämlich 23,8 Proz. Hierbei wurde bemerkt, daß die Geburleuziffern in den vcrschicdcneit Teilen de« Landes verschieden sind. Dabei zeigte sich überraschenderweise oft auf dem Lande eine größere Abnahme als in der Stadt. Bei der Besprechung der Frage einer Verminderung der weißen er für Albina als solche nicht nur zärtliche Liebe, sondern direkt Entzücken, das Bewußtsein einer untilgbaren Schuld wegen ihres OpferS, daS ihm unverdientes Glück berschaffie. Migurskis waren glücklich durch ihre Liebe. Indem sie sich gegenseitig mit aller Kraft liebten, hatten sie unter den fremden Menschen das Gefühl zweier im Winter verirrten frierenden Wesen, die sich gegenseitig erwärmen. Zu dem frohen Leben Migurskis trug auch die Teilnahme der gut- mütig- verdrießlichen, komischen, in alle Mannsleute der- liebten Kinderfrau Ludwika bei, die ihrer Herrin sklavisch, mit Selbstaufopefrung ergeben war. ZNigurskis waren glück- lich auch mit Kindern. Nach einem Jahr wurde ein Knabe geboren. Dann nach anderthalb Jahren ein Mädchen. Ter Knabe war das Ebenbild der Mutter: dieselben Augen und dieselbe Ausgelassenheit und Grazie. Das Mädchen war ein gesundes, hübsches, kleines Tierchen. Unglücklich waren Migurskis aber wegen des Fernseins von der Heimat und namentlich wegen der drückenden Bcgleit- umstände ihrer unangenehmen, erniedrigenden Lage. Be- sonders Albina litt unter dieser Erniedrigung: er, ihr Josch der Held, das Ideal eines Mannes, mußte vor jedem Offizier stramm stehen,«Griffe klopfen, auf Posten ziehen und un- weigerlich gehorchen. Außerdem erhielt man sehr niederdrückende Nachrichten aus Polen. Fast alle nahen Verwandten und Freunde waren entweder verbannt oder hatten alles verloren und waren ins Ausland geflohen. Und Migurskis selbst sahen kein Ende ihrer Lage voraus. Alle Versuche, die Begnadigung, oder wenigstens eine Besserung ihrer Lage herbeizuführen, ein Avancement zum Offizier zu erreichen, schlugen fehl. Nikolai Pawlowitsch hielt Besichtigungen und Paraden ab, ließ exer- zieren, besuchte Maskeraden, spielte mit Masken, jagte ohne zwingende Veranlassung in Rußland umher— von Tschugu- jew nach Noworossisk. Petersburg und Moskau—, schüchterte die Bevölkerung ein und hetzte die Pferde ab, und wenn ein Verwegener sich einmal erdreistete, untertänigst um Linderung des Loses der verbannten Dekabristen und Polen zu bitten, warf er sich in die Brust, heftete seine zinnernen Augen auf einen xbeliebigcn Gegenstand und sagte:„Sollen Weiter dienen. Noch zu früh." Als ob er wüßte, wann es nicht mehr zu früh und wann eS Zeit wäre. Und alle ihm nahe- stehenden Persönlichkeiten: Generale, Kammerherren mit! ihren Frauen, die iti seinex Umgebung ihr. Brot fanden,! Rasse suchen die„Daily News" vor allem die Ursachen einer solchen Erscheinung berauszufinden. Die Behauptung, daß«ine Per- Minderung der Ebeschließungen dafür verantwortlich sei, wird ab« gelehnt, ebenso daß im Durchschnitt das Alter zur Zeit der Ehe- ichließungen sich erhöht habe. Auch körperliche Veränderungen, die im Lauie der Jahre durch die geänderte Lebensweise hätten vor sich gehen können, werden nicht als Ursache anerkannt. Ebenso wendet man sich gegen die Vermutung, daß die Art der Ernährung eine Schuld au dem erwähnten Rückgang der weißen Rasse tragen lönne, und schiicßlich auch dagegen, daß die zunehmende wisscnschafltiche und sonstige Bildung der Frau eine Veranlassung für die genannte Erscheinung sei. Bielmehr erkennt das Blatt den Hauptgrund in dem in den begüterten Klassen befolgten System, aus BequemlichkeitZ- oder sonstigen Rücksichieit möglichst wenig Kinder zu haben. Daß zumindest in England diese Ursache maßgebend ist, erkennt man aus einer Statistik, nach der auch die Zahl der Ver- heiraiungen unter den Bemittelten geringer ist, als unter den Un- bemittelten, weiterhin aber unter den verheirateten Männern aller Klassen die vermögenden weitaus iveuiger Kmder haben als die Unverniögenden. So entfallen auf 1000 ungelernte Arbeiter 218 Kinder, auf 1000 gelernte Arbeiter 158 Kinder, auf 1000 Arbeiter eines höheren GradeS 153, auf 1000 des einfachen Bürgertums 132 und auf 1000 der vermögenden Mittelklasse und der reichen Leute nur IIS Kinder. Da aber diese Erscheinung in allen europäischen Staaten zu beobachten sei, schließt da« Londoner Blatt hieraus auf einen allgemeinen Gcbtirlmiickgang der weißen Rasse, an dem das egoistische Verhalten der vermögenden Klaffen die Hauptschuld trage. Die kupferstecherkunft im Aussterben. Die Entwicklung der Vervielfälligungskunst in der Neuzeit scheint das meist so' hoch angesehene Kupferstechergewerbe so stark zurückzudrängen, daß man fast von einem Aussterben dieser Kunst reden kann. Der Hochsitz dieser Kunst ivar seit Albrecht Dürer Nürnberg. In jedem Jahrhundert hatte Nürnberg tüchtige Kupfer- stecher aufzuweisen. Nach einem Hinweise der„Papierzeitung" gab eS 1826 in Nürnberg 03 Kupferstecher, davon 40 Figuren-. Bildnis- und Landschastsstecher und 17 Schrift- und Landkarten- stecher. Das Nürnberger Adreßbuch für 1916 verzeichnet aber nur noch 6 Kupferstecher. So hat die Ausgestaltung der graphi- scheu Technik bewirkt, daß zwar die Zahl der Kupferstecher eine sehr kleine geworden, daß aber unendlich viel mehr Menschen als früher sich an den guten Reproduktionen erfreuen können. Krieg und Diamanten. Auf Grund einer eingehenden Ilmfrage in den Kreisen der Diamantenhändler und Diamantschleifer berichten die„TimcS" über die Wirkung, die der Krieg im Handel und in der Industrie der Diamanten anögeübt hat. Nack der Auskunft des„London Diamond Syndieate" und der„Premier Company", die in der Diamanten bearbeitenden Industrie das anS Transvaal stammende Rohmaterial liefern, herrsckt zurzeit ein großer Monge! an diesem Rohprodnkl, der auf das durch die Einziehungen bedingte Fehleu an Arbeits- kräfien in den Minen zurückzuführen ist. Eine bemerkenswerte Einzelheit berichten die holländischen Industriellen, die erlläreu. daß in Verfolg der Entwertung der Geldkurse sich in den Iveiieste» Kreisen dcS Publikums die Neigung verschärft hat, ihr Kapital in Diamanten anzulegen. Diese Neigung gründet sich auf die Tal- fache, daß der Diamantenpreis nur geringfügigen Verschiebniigeu unterliegt, daß der Kauf von Diamanten somit die sicherste Kapitalanlage bedeutet. Infolgedessen hat auch der Diamanten- markt von Amsterdam nach zweijähriger schivercr KrisiS seine belebte Haltung wieder angenommen; der mit der Diamanten- bearbeitnng betraute Arbeitersiainiii, der in FriedenSzeiten au» 11000 Mann bestand, und nach Ausbruch des Krieges auf wenige hundert zusammengeschrumpft war, hat sich allmählich wieder bis auf 9000 Köpfe gesteigert. Nach der Annahme der„TimcS" hat man nach Beendigung des Krieges mit einem starken Wiederaufleben des DiamanIcnhandelS zu rechnen. Schon beute ist die Zahl der Diamantenhändler, die aus Deutschland und Oesterrcick-Ungarn die holländischen Märkte besuchen, um dort ihre reiche Kundschaft zu versorgen, in stetiger Zunahme begriffen. Notizen. — Thcaterchronik. Im Deutschen Opern Hause geht die Wintcrspiclzeit am 4. Juli zu Ende. Gleichzeitig erlischt auch die Gültigkeit der Gutscheine der Abonnenten. — K U n st ch r o n i k. Bei Paul Cassirer wird Dienstag, den 27. d. MlS., eine Sommernusstellung eröffnet. — Vorträge,„lieber den Denkvorgan a" spricht Prof. Schleich am Mittwoch, den 28. Juni, abends 8'A Uhr, in der Treptow-Sternwarte. wurden durch den ungewöhnlichen Scharfblick und die Weis- heit dieses großen Mannes geknickt. Im allgemeinen war MigurSkis Leben dennoch eher glücklich als unglücklich. So verbrachten sie fünf Jahre. Plötzlich brach unver- hofftes, schreckliches Leid über sie herein. Zuerst erkrankte das Mädchen, zwei Tage darauf der Knabe: er fieberte drei Tage lang und am vierten war er ohne ärztliche Hilfe(die konnte nian hier nicht haben) tot. Zwei Tage nach ihm starb auch das Mädchen. Albina ertränkte sich rntr deshalb nicht im Ural, weil sie sich den Zustand ihres Mannes bei der Kunde von ihrem Selbstmord nicht ohne Entsetzen ausmalen konnte. Aber es wurde ihr schwer, weiterzuleben. Früher stets tätig und sorg- sam, überließ sie jetzt alle Besorgungen Ludwika, saß stunden- lastg untätig da, starrte schweigend den Gegenstand an, ans den gerade ihr Blick fiel, oder aber sprang plötzlich ans, lief in ihre Kammer und weinte still vor sich hin, ohne auf die Trost- Worte ihres Mannes und Ludwikas zu hören, indem sie nur den Kopf schüttelte und bat, fortzugehen und sie allein zu lassen. Im Sommer ging sie zum Grabe der Kinder, saß dort und zerriß sich das Herz nnt Erinnerungen an das, was ge- Wesen war und was hätte sein können. Besonders quälte sie der Gedanke, daß die Kinder hätten am Leben bleiben können, wenn sie in der Stadt gewohnt hätten, wo ärztliche Hilfe er- reichbar gewesen wäre.„Warum, warum?" dachte sie.„Jos6 und ich wollen ja nichts, als daß er so leben kann, wie er ge- boren ist und wie seine Ahnen und Urähnen gelebt haben, und ich möchte nur mit ihm leben, ihn lieben, meine kleinen Würmer lieben und sie erziehen." „Da wird er plötzlich Qualen ausgesetzt, verbannt, und mir nimmt man. was mir teurer ist als die ganze Welt. Warum das, wofür?" fragte sie die Menschen und Gott. Uno konnte sich nicht vorstellen, daß es hierauf eine Antwort geben könne. Ohne diese Antwort aber gab es kein Leben mehr, und so stockte ihr Leben. Ihr armes Verbanntenleben, das sie früher durch weiblichen Geschmack und durch Kunst verschönert hatte, wurde jetzt nicht nur für sie, sondern auch für Migurski unerträglich, der ihretwegen litt und nicht wußte, wie er ihr helfen sollte. (Fortj. folgt.) SozialßemokratisElieFWalilverein f. il. SJerLReichstagswalilkreis. 22. Abteilung. Bezirk 776. Am Sonntag, den 25. Sinti, verstarb unser Genosse, der Revolverdreher Hermaiin Lau Kameruner Str. 14. Ehre seinem Zlndenke»! Die Einäscherung sindet am Donnerstag, den 29. Juni, nach- mittags 3 Uhr, im Krematorium, Gerichtstrajze 37/!!8, statt. Um rege Beteiligung ersucht VorKtand. SozialdEmokratiSEherWahiverein für Berlin-SEliöneberg, Bezirk 6. Am 24. Sinti verstarb nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied, der Schuhmachcrincister ICarS B©S8ack im 4(). Lebensjahre. 15/10 Ehre seinem Zlndeiikeiil Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 27. Juni 1916, nachmittags 4 Uhr. von der« Dalle des 2. städtischen Fried- »ofcs Schöncbergs(Blanke Hölle), Eythstragc, auS statt. Um rege Beteiligung ersucht Treffpunkt für Mitglieder des „Schönebcrger Frauenchors" um u..4 Uhr aus obigem Friedhos. Veriiani! il.Geniein!le-ii.Staatsarli, Filiale OroB-Berlln. Den Mitgliedern geben wir ferner Nachricht vom Tode des Kollegen. Schöning vom Röhrensystem. Ehre seinem Andenken: Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 27. Juni, nach- Mittags ll'/jUbr, von der Leichenhalle des Zcntral-FriedhofeS in Friedrichsfcide aus statt. Um rege Beteiligung bei der Bestattung des Kollegen ersucht 33/17 Die Drtsverwaltung. DeiHseIief Bnfihliinilemrhsnil. (Zahlstelle Berlin.) Den Mitgliedern die traurige Nachricht, dag unser Mitglied, der Liniierer Kurt Strobei nach langer Krankheit verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet morgen Mittwoch, den 28. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Thomas> Kirchhofes, Hermann- straffe, aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet 24/2 Die OrtSverwaltung. DeutsEtier Transportarbeiter-Yertanil. Bezirksverwaltung GroB-Beriin. Den Mitgliedern zur Nachricht, das; unser Kollege, der Keller- arbeit« Hermann Scbiebler von der Firma Janz, ütlcrander- straffe 26, am 23. d. Mts. im Alter von 50 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andentcn! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 27. Juni, nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- halle des neuen Jakobi-Kirchhoscs in Nculöll!t,Hermannstr.,aus statt. 66/1 Bio Bezirksverwaltung. Zentral-Verbanil der Töpfer u. Berufsoenossen DeulseMands. Filiale GroB-BeFlln. Am Freitag, den 23. Juni 1916, verstarb unser Mitglied, der Töpfer Paul LUck (Bezirk Neulölln) im Alter von 48 Jahren an Kchlkopstrebs. Ehre seinem Andenke»! Die Beerdigung findet am Diens- tag, den 27. Juni, nachmittags Zt/z Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Neuköllner Fried- Hajes, MariendorserWeg. aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Borstand. Am Sonnabend, den 24. Juni, verstarb nach schwerem Leiden meine liebe Frau und gute Mutter Frida Geldner geb. Hövers im 39. Lebensjahre. Jin Namen der Hinterbliebenen Der trauernde Gatte Baui tieldner und Sohn. Die Beerdigung sindet am Mittwoch, den 28. Juni, nach- mittags sllfir, von der Halle des (Kemeinde-�riedhoTeS VnFriedrichS« lülbfc aus itfllt._ Am Freitag, 23. Juni, verstarb nach langem, schwerem Leiden unsere innigst geliebte Tochter und Schwester Margarete Grumm im 19. Lebensjahre. Um stilles Beileid bitten Bio trauermlen Hinterbliebenen, Berlin, Liebigstrnffe 45. Die Beerdigung findet am Dienstag, 27. Juni, nachmittags 21/, Uhr, von der Leichenhalle des Marius- Friedhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. 133A Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres unvcrgeff- lichen Vaters Otto Krause sagen wir allen Verwandten, Freun- den und Bekaimlen unfern herz- lichsten Dank. 119A Frau Urause und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Tchlnabme bei der Beerdigung meiner lieben Mutter, Frau �xnes Henschel sage ich allen daran Beteiligten, ins besondere den Kolleginnen der 30. Verkaufsstelle, den Mtbewohnern der Konsumgenossenschast und Herrn Manasse für die trostreichen Worte aus diesem Wege meinen innigsten Dank. i39A Margarete Henschel. Zurückgekehrt Dr. diiksman ' l-andsberger Allee SO. Spesialarßt s für Haut-, Harn-, Frauenleiden. nerv. Schtväche, Beintrankc jeder »-rWiltf-hetii-biinn, FneKricbsIr, 81, Sprchst. 9-11,'/,6-t/�9, Sonntags w 9-2. Honorar mäff., auch Teilzahl» q— Separates Damenzimmer.— G Spezialarzt Dr. med. Wockenfnß, Friedrichstr. 123(Oranionb. Tor), für Syphilis, Harn- u. Frauenleiden— Ehrlich-Hata-Kur(Daner 12 Tag-e), Blutuntersuchung. Schnelle, sichere schmerzlose Hellung ohne Berliks- 222/6* Störung. Teilzahlung. Sprechstunden: 10— 1 und 6—8. o Haben Sie empsehle nach Mah passend acarbcitete Stiitzeinlagen sowie Brnchbandagen aller Art, Leibbinden. Stühkorsetts usw., Artikel zur Gcsundheits- u. Krankenpflege.* Pollmann, Kandagist, Berlin N, Lothringer Str. 60, Lieferant für Krankenkassen. 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Juni, abends S'/z Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-User 13: Mitglieder Nersammlung der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Bernfsgenoffen Tagesordnung: 1. Verbands- und Branchcnaugelegenheiten. 2. Verschiedenes. Kollegen l Da in dieser Bersammlung eine allgeincine Aussprache über die jestigen Löhne i» den oinzcliien Bücrkstätten stattfinden soll, ist es Pflicht der Kollege«, dafür zu sorge», das, jede Werk- statt vertreten ist. -�-=- Mitgliedsbuch legitimiert.'-�=- Donnerstag, den 29. Juni 1916, abends SVs Uhr, im Gewerkfchaftshans, Engel-Ufer Nr. 13, Saal 6: Uersammimtg der Graveure und Ziseleure. Tagesordnung: 1. Bericht über unsere Stattstik. 2. Branchcnaugelegenheiten. 3. Verschiedenes. Achtung! Achtung! Tonnerstag» den 29. Juni 1919, abends 9 Uhr» im Gewerkschaftshaus, Engel-Ufer Nr. 13, Saal 1-: versamminng aller in der GelbmetaAbranche beschäft. Kollegen u. Kolleginnen Tagesordnung: 1. Die augenblickliche Lage in unserer Branche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Qhne Mitglied sbuch kein Zutritt,—mm— Erscheinen aller Kollegen und Kolleginnen, auch derjenigen, die jestt in anderen Berufen tätig find, ist dringend notwendig. 119/2 Die Ortsverwaltang/. Verkäufe. Geld! Geld!(baren Sie, wenn Sie im Leihhaus Roienthaler Tor, Linienslraffe 203/4, Ecke Rosentbaler- straffe, kaufen. Int Versatz gewesene Anzüge, Paletots, Ulster sowie neue Maffgarderoben zu staunend billigen Kriegspreisen. Silberne Uhren 3.—, goldene Damenuhren 8.—, Gold- waren, Brillanten, Fahrräder. Aus Uhcru dreijähriger Garantieschein. Eigene Wertstatt. Sonntag 8— 10 geöffnet. Leibhans Moristpla« 58a! kaufen Sie spottbillig von Kavalieren wenig getragene sowie im Versah ge- welene Jackett-, Nockanzüge, Ulster, Paletots, Serie 1: 18—25, Serie II: 26— 36 Mark, gröfftenteils auf Seide. Eelegenhcitsläuse in neuer Mah- gardcrobc, enorm billig. Riesenboltcn Kleider, Kostüme, Mänlel. aus Seide, jetzt nur 20— 35 M. Extra-Angebot in Lombard gewesener Tepviche. Gar- dinen, Voriieren, Betten. 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