Nr. 176.- 1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Soaußlif uiJ, 29. luli. Schatze aus Mfällen. Als im Jahre 1856. also vor 66 Jahren, die von der Preuhi- schen VerWallung bei Stagfurl abgeieuflen Schächte„Manieuffel" und„von der Heydt" die Steinsalzablagerung erreichten, fand man nicht sofort das gesuchte reine Steinsalz, sondern eine 40 Meter dicke Salzschicht von bunter Färbung und bitterem Geschmack. Weil man sie abräumen muhte, wn zu dem begehrten Steinsalz zu kommen, nannte man sie Abraumsalz und stürzte sie als wertlos_ auf die Schutthalde. Hier lagen sie so lange, bis ein Chemiker auf die bunten Steine aufmerksam wurde und sie näher untersuchte. Dabei fand er, dah die sortgeworfenen Abraumsalze das damals sehr seltene und deshalb wertvolle Kali in verhältnismäßig großen Mengen und in leicht löslicher Form enthielten. Bald entstanden Anstalten zur Verarbeitung der Kalisalze. Diese lausten den Salzgruben nicht nur die auf der Halde liegenden Mengen ab, sondern veranlatzten sie auch, solche besonders zu gewinnen und zu Tage zu fördern. Es dauerte dann gar nicht mehr lange, bis die Steinsalzförderung, um derentwillen allein die Schächte abgeteuft waren, vollständig ein- gestellt wurde, um nur noch die werlvolleren Kalisalze zu gewinnen, Das weggeworfene Gestein war damit zur Grundlage einer neuen Industrie geworden, die beute, nach 66 Jahren, mindestens 166 666 Mann beschäftigt, ohne damit den Höhepunkr ihrer Entwickelung er- reicht zu haben. Kam früher ein Fremder zum ersten Male in die deutschen Steinkohlenbezirke, so fielen ihm hier weniger die Schachttllrme und die sonstigen Bauten der Kohlenzechen auf, als vielmehr die alles überragenden Berghalden. Diese bestehen aus den„Bergen", die beim Abteuien der Schächte, beim Auffahren der Qucrschläge und bei den sonstigen Gesteinsarbeiien in der Grube fallen. Da man für sie keine nutzbare Verwendung hatte, bildeten sie unnützen Schutt, der als wertlos sortgeworfrn wurde und sich mit der Zeil zu hohen Bergen auftürmte. Bei den neueren Zechenanlagen sieht man diese Schutthaufen nicht mehr und auch bei den älteren sind sie zumeist in der Abnahme begriffen und stellenweise schon verschwunden. Dies bat seinen Grund darin, daß sich mit der Zeit Verwendungszwecke für die Berge gefunden haben. Zuerst fand man, daß das Haufwerk mancher Berghalden sich vorzüglich zur Herstellung von Ziegelsteinen eignet. Man legte deshalb bei ihnen Ziegeleien an. In diese werden die Haldcnberge mittels Koller- gängen und Kugelmühlen zu feinem Pulver zerkleinert, das mit etwas Waffer angefeuchtet in Kniehebelpresien unter starkem Druck zu Steinen geformt wird, die dann in großen Kammerösen fertig- gebrannt werden. Der auf diese Weise verarbeitete Schutt bildet allerdings nur einen kleinen Teil der beim Grubenbetrieb fallenden Berge. Es mußten deshalb noch andere, abnahmcfähigere Verwendungszwecke gefunden werden, wenn die das Landschaftsbild verunz>erenden Steinhaufen verschwinden sollten. Solche stellten sich auch zur rechten Zeit ein. Gerode als die Halden auf manchen Zechen derart anwuchsen, daß man um Platz sür sie in Verlegenheit kam, machten sich die durch den gesteigerten Abbau der Kohlenflöze hervor- gerufenen und von den Werken zu vergütenden Bodensenkungen bei der dichten Bebauung der Erdoberfläche derart bemerkbar, daß sie oft den ganzen oder doch einen großen Teil des Ueber- schusses der Zecken aufzehrten. Man mußte deshalb aus Mittel und Wege bedacht sein, diesem abzuhelfen. Als das einfachste und sicherste erschien das vollständige Wiederausfüllen der ausgehauenen Grubcnräume. Angestellte Versuche waren von gutem Erfolge und ergaben noch weitere wesentliche Vorteile, durch welche die größeren Kosten des Versatzbaues reichlich ausgeglichen winden. So konnten die Flöze ohne die bisher unvermeidlichen, oft bis zur Hälfte der anstehenden Mssse betrogenden Kohlenverluste vollständig abgebaut werden, iderncr sank der Verbrauch an- Holz und Ksblen zum Ausbau der Grubenräume ganz wesentlich. Durch Ausfüllen der ausgekoblten Räume wurden, neben den beim Betriebe fortwährend fallenden Bergen, in erster Reihe die angeschütteten Haldenmassen herangezogen. Der Bedarf an Versatz ist dabei so groß, daß stellenweise die Halden schon ganz abgetragen sind und man gezwungen war, silb nach anderen Bezugsquellen umzusehen. Viele Zechen haben deshalb Sand- und Lehmberge sowie die Halden aller einaegangener Zechen angekauft, um sie mittels Seilbahnen, Rohrleitungen, Schiffen oder Eisenbahnen den Schachtanlagen zuzu- führen. Auf diese Weise sind die früher als lästiger Schutt beiseile geworfenen Berge zu einem werlvollen Schatz geworden, den man sorgiam hütet, während man sie noch vor etwa 26 Jahren nicht allein umionst abgab, sondern auch noch gern die Abfuhrkosten und selbst mehr zahlte, wenn man sie nur los wurde, Aehnlich wie den Zecken ging es den Hochofenwerken. Auch diese waren gezwungen, umfangreiche Halden von als unverwertbar geltenden Schlacken anzuschütten, welche die Werksanlagen oft wall- artig umgeben. Diese Halden wachsen seit etwa 15 Jahren eben- falls nicht weiter an. sondern verschwinden immer mehr. Die aus den Hochöfen kommenden Schlacken gelangen nicht mehr zur Halde, sondern werden zu Schlackensand, Schlackensteinen oder zu Dünger verarbeitet. Die alten Halden werden zu ähnlichen Zwecken aus- genutzt. Vielfach wird ihr Schutt den Steinkohlenzechen zugesandt, um dort als Versatz an Stelle der gewonnenen Kohlen die Erdober- fläche zu stützen und vor dem Einsturz zu bewahren. Sie gelangen also wieder in den dunklen Schoß der Erde zurück, dem sie vor ihrer Wanderung und Verwandlung durch den Hochofen im Gemenge mit den Erzen, den Kohlen oder den als Flußmittel dienenden Zuschlägen entnommen waren. Nach der Entdeckung des Goldborkommens in Amerika ergoß sich eine wahre Völkerwanderung aus aller Herren Länder über die Fundorte. Die Goldgräber wühlten das goldhaltige Erdreich auf und wuschen mit Hilfe von Waffer das Gold aus. Die durchgearbeiteten Massen wurden als wertlos in die Wasserläufe abgelassen oder zu Schutthausen aufgeschüttet. Bei den einfachen Arbeitsverfahren und den meist mangelhaften Einrichtungen war das Ausbringen an edlem Metall ein sehr unvollständiges, so daß em verhältnisniäßig großer Teil in dem Schutt zurückblieb. Nachdem mit Hilfe dieses Raubbaues die ergiebigeren Fundstellen ausgebeutet waren und neue von gleichem Erträgnis nicht mehr in Aussicht standen, ging man dazu über, den schon einmal verarbeiteten und als wertlos beiseite geworfenen Goldsand ein zweites Mal vorzunehmen. Da hierbei verbesserte Verfahren und vollkommenere Wascheinrichtungcn zur An- Wendung gelangten, so war die Ausbeute nock ganz gut, stellen- weise sogar besser als bei der ersten Durcharbeitung. Die Abfälle wurden wiederum als imbrauchbar fortgeworfen, und zwar anscheinend diesmal wohl für immer. Aber auch dies war nicht zutreffend. Neue Fundstellen wurden immer seltener. Der Goldhunger der Menschen aber größer. Eine Folge davon war das Suchen nach neuen und verbesserten Gewinnungsverfahren. Das erfolgreichste ist wohl bis jetzt das Chaniiverfahren, welches die Verarbeitung selbst ganz armer Golderze gestattet. Mit seiner Hilfe ging man an manchen Orten nochmals an die Auswaschung des schon zweimal durchgearbeiteten Sandes. Es wurde also bereits zweimal als wertlos Fortgeworsencs wieder als brauchbar an« erkannt und einer nochmaligen Nachlese unterworfen. Ob dieses un- fehlbar das letzte Mal gewesen ist, läßt sich mit Sicherheit nicht be- haupten._ kleines Feuilleton. ffillpkip Oberschönewcide, /.Illfllillllllvllv, Tabbertftraße 10. Gesucht: Ein 222/16' zuverlässiger Heizer und Maschinist für eine liegende Componndmaachlnc mit Kondensation von 459 PS.— Meldungen: Hammerwerk Kiedersehonbausen fr* Ä Auch Sonntag vormittag zwischen 10 und 12 Uhr. Gute Werkzengsehlosser werden als Meister und Vorarbeiter für die Werkzeugmachern unserer Werkzeug- maschinenfabrik und Granatendreherei gesucht. Vllbelrn Hegenscbeidt G. rn. b. H., Hallbor. 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