Bt. 190.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Iieustag, ih. August. Die Munitionskolonne. Wir erhalten folgende Schilderung: Kolonne ist zum Befehlsempfang sowie Entgegennahme der. Post angetreten. Die Geschäfte sind erledigt. Der Wacht- weifter gibt� die Zeit an; die Uhren werden gleichmäßig gestellt. Abtreten. Hier und da wird noch ein Imbiß eingenommen, dann — die treue Gefährtin aller im Felde stehenden Männer— die Pfeif; angeraucht. Gruppenweise stehen Fahrer und Kanoniere deiiaanmen und unterhalten sich. Krieg— Feinde— Heimat bieten Stoff in Hülle und Fülle.--- Plötzlich verändert sich das Bild. Befehle werden von Or- donnanzen übcrbracht.„Zwanzig Wagen fertig machen; in Feuer- stcllung der Batterie fahren."„Sechs nach Batterie N., 14 nach Stellung N. N." Lebhaft geht das Anspannen vor sich. In 20 Minuten Abmarsch. Wenige Worte werden gewechselt. Die Wahrer hr.e Kanoniere kennen ihre Funktionen genau. In ganz kurzem Zeit steht die Kolonne marschbereit. Die. nach Batterie N. fahrenden 6 Wagen werden von einem Unteroffizier geführt. Nach kurzer Inspizierung gibt derselbe das Kommando zum Abmarsch. Ruhig setzt sich die Kolonne in Bewegung. Im Schritt gehts aus dem Lager hinaus und weiter fsi demselben Tempo werden Chausseen oder Landwege passiert. Das. Wagengeraffel ubertönt den Kanonendonner mit Ausnahme der schweren Einschläge oder der Abschüsse in unmittelbarer Nähe. Dort noch ein feindlicher Flieger, der infolge hereinbrechender Dunkelheit und scharfer Beschießung seine Tätigkeit einstellen muß. Im schnelleren Schritt bewegt sich die Kolonne vorwärts. Berg- aufwärts gehts. Die Pferde schnauben; jedoch brav erfüllen die Arbeitstiere ihre Pflicht. Bergabwärts. Die hinten auf den Wagen sitzenden Kanoniere ziehen die Bremsen an. Die Pferde können sich für kurze Momente verschnaufen. Doch nur für ganz kurze Zeit, denn schon setzt sich die Kolonne in schnellere Bewegung. In rasendem Trapp wird eine vom Feinde ständig unter Feuer gehaltene Straßenkreuzung passiert. Fest sitzen die Fahrer im Sattel. Krampfhaft halten sich die aufsitzenden Kanoniere auf rhreu. Sitzen, das Auge nach vorn gerichtet, die Hand an der Bremse. Allmählich verlangsamt sich das Tempo. Ein dem Feinde weniger, bekannter Waldweg wird betreten. Ruhiger und ge- räuschloscr wird die Fahrt, desto kräftiger jedoch der Kanonendonner vernehmbar. Wir passieren ein schon längst von der Zivilbevölke- rung geräumtes vollständig zerschossenes Dorf. Viele Häuser sind buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Trümmer- und Schutt- Haufen bezeichnen ihr ehemaliges Dasein. Fast geisterhaft ragen hier und dort Reste von Mauerwerk in die Höhe. Ein tieftrauriger Anblick ist es, die Verwandlung blühender Ortschaften in Schutt- Haufen. Das Dorf ist passiert. Noch ein Blick zurück— ein kurzer Gedanke an die hier heimatlos gemachten Menschen, und weiter gebts. Die Pferde holen kräftiger aus. Das Tempo wird wieder lebhafter, es steigert sich bis zum Trab. Ueber tiefe, von Granateinschlägen herrührende Löcher gehts hinweg. Wir sind dem Ziel nahe. Fast nichts ist zu sehen. Und doch sind wir an einer derjenigen Stellen, die Tag und Nacht von den furchtbarsten «kämpfen heimgesucht werden. Da— in unmittelbarer Nähe schlägt mit lautem Krach eine Granate ein. Eine breite schwarze Rauch- und Staubwolke zeugt von der Wirkung der inneren Ex- plosivstoffe. Scheu springen die Pferde zur Seite, und weiter gehts dem Ziele zu. Jetzt schwenken die Wagen links ein. Etwa 60 Meter vor uns ein etwa 20 Meter hoher Wall. Die Feuer- stellung der Batterie N. Die Kanoniere der Batterie springen herbei. Jeder einzelne weiß, was eine Sekunde länger hier ver- weilen bedeuten kann. Die Körbe mit Geschossen fliegen von Hand zu Hand. Ausgeladen. Das Leermaterial wird eingeladen. Fertig zum Abmarsch. Die Fahrer sitzen im Sattel. Die Kano- niere springen auf den Wagen. Ungeduldig ob der fortwährenden Abschüsse und Einschläge fern und nah legen sich unsere Pferde mit doppelter Kraft ins Zeug. Nun heißt es: Festsitzen und Halten, bis>vir die allergefährlichste Feuerzone passiert haben. In rasender Fahrt gehts über diejenigen Stellen, welche ständig vom Gegner unter Feuer gehalten werden. Da— zweimal Hintere!»- ander ein grelles Aufleuchten— der Atem stockt--. Etwa 10 Meter hinter der Kolonne explodierten zwei Schrapnells. Sie haben nichts geschadet. Bange Gedanken——, kommen noch mehr? Immer rasender wird die Fahrt.——— Jedoch nur Minuten gehts in diesem Tempo. Eine andere Munitionskolonne begegnet uns, und die Fahrer müssen genau parieren, um Zu- sammenstöße zu vermeiden. Trotzdem so sehr wenig gesprochen wird, geht alles glatt ab. Nach einer Stunde wird die Fahrt ruhiger, und jeder einzelne kann bei einem Pfeifchen Tabak, welches im Moment sehr begehrt ist, seinen Gedanken nachgehen.— Im gleichmäßigen Schritt gehts bis zum Lager. Ich sitze hinten auf einem Wagen. Die beiden Vorderpferde des folgenden Wagens kommen mit ihren Köpfen fast dicht an mich heran. Ich streichele beide. Sie sind vollständig naß. Die Reiter steigen zum Teil ab und laufen neben ihren Pferden. Einer kommt zu mir herauf. Wir sprechen über die Arbeitsleistung der Pferde. Mit Stolz spricht er von seinen Pferden. Durch das Kommando„Auf- sitzen" wird unsere Unterhaltung abgebrochen. Noch einmal setzt sich die Kolonne zum Trab in Bewegung und bald darauf sind wir daheim. Froh, für heute den opferheischenden Eisensplittern ent- gangen zu sein— legen wir uns auf unser Lager mit dem Ge- danken: Was wird uns der morgige Tag bringen—--?(z) jäger,„Weinreisenden in Kunst', spürsinnig, schon für bescheidene Aufmerksamleiten und Trinkgelder dankbar und zu jeder Winkel- krämerei bereit. Alle diese Gruppen miteinander ihre Aufsätze und Berichterstattungen überwachten Hirnes, keuchend, fiebernd zu Papier bringend, im Banne der unseligen„Machtkrilil", ohne innere Anteilnahme für Organe von Reklameprotzen und Jnseralcnjäger», die, sobald die Anzeige von etwas Neuem ihren Erlfertigkeilsdrang aufpeitscht, den ehrengeachteten Fachmann mit seiner unbequemen Sach- lichkeir beiseile schieben und durch den zungenfertigen Reporter er« setzen, die jenen, wenn er sich in ihrem Dienst verbraucht hat, brutal zur Tür hinausstoßen und dem verschämten Bettel überantworten.' kleines Feuilleton. Neue große Oämmerungsstörung. Am 6. August bat, wie Artur Stentzel-Hamburg in der„Astro- nomischen Zeitschrift' mitteilt, in Deutschland eine neue, sehr starke optische Störung der Dämmerung begonnen. Stentzel hatte an diesem Tage in' Hamburg abends eine auffallende Rolfärbung der noch vorhandenen dichten Wolkendecke beobachtet; seit der am 7. August eingetretenen günstigen, klaren Witterung zeigen sich täglich am Morgen- und Abcndhimmel Farbenspiele von einer Pracht und Großartigkeit, wie sie nacki der durch den Krakatau- ausbruch von 1883 in den Jahren von 1883 bis 1886 sowie nach der Katastrophe von Martinique in den Jahren 1902 bis 1903 ver- ursachtcn Dämmerungsstörung von Stentzel vereinzelt nur noch nach dem Vesuvauöbruch von 1907 beobachtet worden sind. Die Für- Hungen beginnen abends bereits kurz nach Sonnenuntergang, er- reichen 30 Minuten Nack, diesem ihr Maximum und Ivährcn bis zum völligen Verschwinden IV2 Stunden. Etwa 15 Minuten nach Sonnenuntergang leuchtet oft ein Purpurlicht, zuerst noch gelblich, 20 Mi- nuten nach Sonnenuntergang aber schon intensiv karminrot auf und erstreckt sich dann über einer intensiv gelben Schicht von 20 Grad Höhe fast bis zum Zenit. Etwa 3 Stunden 30 Minuten nach Sonnen- Untergang bildet sich an Stelle des schnell absinkenden Purpurlichtes über der glänzend gelben Schicht eine lebhafte grüne Färbung. Die untere Schicht wird weiter orange,'orangerot und 50 Minuten nach Sonnenuntergang feuerrot, um schließlich immer sattere, dunklere Töne anzunehmen und als braunroter Saum zu verschwinden. Morgens im Osten ist der Verlauf der Erscheinungen natürlich umgekehrt. Die gleichen Dämmerungserscheinungen sind übrigens während der letzten Tage auch im mittleren Norddeutsch- land, vermutlich in ganz Mitteleuropa wahrzunehmen gewesen, und die geschilderten Färbungen des Horizonts zeigten sich um so ausgeprägter, je klarer der Himmel war. Auch diesmal kann es sich nur um die Zerstreuung und Brechung des Sonnenlichtes in vulkanischen Staub- und Gasniasscn handeln, die durck, irgendeine große Eruption bis in die höckfften Höhen der Atmosphäre cmporgeschleuderr worden sind. Sicherlich hat irgendwo auf der nördlichen Halbkugel vor kurzem ein gewaltiger Vulkan« ausbruch stattgefunden; es ist wohl anzunehmen, daß früher oder später die Kunde davon zu uns gelangen wird. Infolge des Krieges liegt ja der Nachrichtendienst besonders aus exotischen Ländern sehr im argen. Bei der gegenwärtigen heiteren Witterung sollte niemand versäumen, nach Sonnenuntergang sein Augenmerk auf das prächtige Farbenspiel zu lenken._ Theaterkritiker. Ein guter und dazu unabhängiger Kenner unserer Kunst- Verhältnisse, Paul Marsop, veröffentlicht von Zeit zu Zeit ketzerische Betrachtungen, die den Vorzug haben, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Im 2. Augustheft des„Kunstwart' beschäftigt er sich mit der deutschen Theaterkritik und kommt dabei zu folgenden Ergebnissen:„Die Mehrzahl der heutigen Kritiker besteht aus Männern der Feder, die dazu verurteilt sind, nach meist unrein ge- stimmten Zeitungsverlags-Pfeifen zu tanzen und bei jämmerlicher Besoldung allerhand Nebenerwerb zu suchen, Aushilfsbeschäfli- gungen, denen nachgehend sie oft genug mit ihrer kunst- richterlichen Betätigung in Widerstreit geraten. Sodann haben wir die buntgescheckten Streber, Amerikanisten, Glücks- Nasenkrankheiten und Tuberkulose. Behinderte Nasenatmung ist der Entstehung der Tuberkulose günstig, die an der rechten Lungenspitze zum Ausbruch kommt. Es ist bekannt, welche wichtige Rolle die Nasenhöhlen bei der Respi- ratio» spielen. Die Luft, welche wir einatmen, streicht zuerst durch die Nase und wird nach und nach erwärmt, der Temperatur des Körpers entsprechend; wird aber die Luft zuerst in der Mundhöhle aufgenommen, so ist die Erwärmung eine unvollständige, da die Luft, ohne die Nasenhöhle zu passieren, oirett in die Luftwege gelangt; nach verschiedenen Autoren ist die Luft mit Wasserdämpscn dabei vermischt, bis zur Sättigung; endlich bildet die Nase infolge ihrer Vibration und dem Nasenschleim, welchen sie absondert, eine Art von Filter und hält die Mikroben zurück, namentlich die Tu- berkelbazillen. Theoretisch also begünstigen normale Nasenlöcher die Zufuhr feuchtwarmer und reiner Luft. Ein Zeichen einer behinderten Nascnatmung ist das Offen- halten des Mundes, wenn der Patient schläft. Wotzilka hat in seiner Arbeit über„Behinderte Nasenatmung und Lungentuber- kulose" schätzenswerte Beiträge zu dieser Frage geliefert. Dieser Autor hat eine Statistik zusammengestellt über Nasenkrankheiten bei 100 Schwindsüchtigen(die erwiesenermaßen tuberkulös waren) und bei 100 Nichttuberkulösen. Bei erstercn zeigte sich ein Prozent- satz von 45 verschiedenen Nasenkrankheiten. Von den Nichttubcr- kulösen kommen nur 13 Proz. auf Nasenkrankheiten. Also fast die Hälfte der Tuberkulösen war mit Nasenleiden behaftet. Marmelaüe mit Salz. Durch Zusatz von Salz kann man, wie ein englischer Hhgicniker mitteilt, dreiviertel des Zuckers bei der Herstellung von Marmelade sparen. Jede Fruchtart benötigt eine spezielle Verteilung von Salz und Zucker, was im Einzelfall erst durch Proben herauszufinden ist. Der Zuckerzuiatz schwankt dann zwischen drei Sechzehnteln und sechs Sechzehnteln des Fruchtgewichtes, so daß bei diesem Verfahren durchschnittlich drei Viertel des bisher gebrauchten Zuckers erspart werden. Der unraffinierte, braune Zucker bewährte sich bei den Versuchen am besten. Der Frucht- geschmack und das Aroma sollen durch den Salzzusatz beson- ders gut den Marmeladen bewahrt bleiben. Die natürliche Süße der Frucht wird dadurch dem Geschmack zugänglicher gemacht, während dabei der Salzgeschmack selbst ganz verschwindet. Der einzige Unter- schied des Verfahrens gegenüber dem früheren besteht darin, daß die Marmeladen sehr gründlich einzukochen sind. Notizes. — Fritz Stcinbach ist in München gestorben Ein seit Jahren bestehendes Leiden hatte ihn bereits voriges Jahr gezwungen, sich aus der Oeffentlichkeit zurückzuziehen. Das deutsche Musikleben verliert in ihm einen feiner tüchtigsten Konzertdirigenlen. Stein- bachs Name ist vor allem mit der berühmlen Meininger Hofkapelle verknüpft, die er von 1886—1902 als Nachfolger von Hans von Bülow ruhmreich leitete. Damals wurde namentlich durch die Gastreisen der Kapelle sein Name in Deutschland weit und breit bekannt. Steinbach war der berufenste Interpret von Johannes Brahms, dem er besonders auch in Berlin zum Durch- bruch verhalf. Von 1903—14 war Steinbach in. Köln als Direktor des städtischen Konservatoriums und Leiter der Gürzenich-Konzerte tätig. Steinbachs Eigenart als Orchcsterfeldherr zeichnete sich durch einen Zug ins Große, aufs Ganze aus. Das Konzerlpodium hol subtilere, kompliziertere und raffiniertere Meister des Taktstockes ge- sehen, aber selten einen, dem so die Kraft des Fortreisiens und die Kunst der Gesamtwirkung gegeben war. Steinbach, der aus dem Bader Lande stammte, ist 61 Jahre alt geworden. 35s Zur tot erklärt. Von Ernst Wichert. Machen's die Menschen denn viel anders?' meinte Annika. Es war ihm heute alles wie neu, der Hahn, der gra- vitätisch unter seinen Frauen einherstolzierte und sich den kleinen Wurm, den er eben mit Mühe ausgekratzt hatte, vor der Nase fortschnappen oder womöglich vom Schnabel weg- picken ließ; die Tauben, die sich auf dem Dach des Stalles sonnten und so kokett ihre Bücklinge und Knixc machten, wenn der Täuber verliebt gurrend um sie herum scherwenzelte. Annika niutzte oft vom Spinnraü aufsehen, um sich irgendeine neue Merkwürdigkeit zeigen zu lassen. Ihre Gedanken waren freilich nicht dabei, aber sie lächelte doch und ließ es wohl auch geschehen, daß er seine Hand auf die ihre legte, oder sich an ihre Schulter lehnte, wenn sie hinaussah, oder sich über sie beugte und mit seinen Lippen ihr blondes Haar berührte. Sic hatte das Gefühl, als ob sie heute alles vermeiden müsse, was wie Unfreundlichkeit aussehen könnte, da sie ihn: ja noch eine so schwere Stunde bereiten wollte. Aber gerade diese Nachgiebigkeit erheiterte seine Stimmung noch mehr; er sprach davon, daß sie nächsten Sonntag zusammen zur Kirche gehen wollten, und daß er sich dann der Wirtschaft wieder ernstlich annehmen werde. Das Leben im Kruge werde ihnen freilich wenig behagen, aber er habe auch schon daran gedacht, das Geschäft ganz seiner Mutter zu überlassen und für sich ein neues Häuschen hinter dem Torf auf den Krugländereien zu erbauen, dort, wo der Fluß gerade auf seiner Seite ein so schönes, mit Laubholz bestandenes Ufer habe, das zum Garten gezogen werden könne. Er wollte sich dann nur mit der Landwirtschaft abgeben. Annika wurde immer ängstlicher, je lustiger und glänzender diese Seifenblasen aufstiegen; ihre Gutmütigkeit sträubte sich dagegen, sie mit grausamer Hand zu zerstören. Und doch durfte sie seine Hoffnungen nicht noch mehr wachsen lassen; sie war in schlimmster Verlegenheit. Endlich enthob sie ein Zufall der Notwendigkeit, selbst eingreifen zu müssen. Konrad hatte sich wieder behaglich ins Fenster gelehnt und erzählt, mit wie verschiedenen Empfin- düngen er hier schon im Laufe der Jahre über das Haff hin- geschaut habe, und daß die Linde in letzter Zeit tüchtig ge- wachsen sein müsse, da sie früher eine weitere Umschau ge- stattete, jetzt aber die Nehrung mehr und mehr verdecke.„Was kommt es freilich darauf noch an," fügte er hinzu,„habe ich sie jetzt doch hier bei—" Er unterbrach sich plötzlich und zuckte schmerzlich zusammen. Es mußte auf dem Hofe irgend etwas vorgegangen sein, was seine Empfindungen schroff ablenkte. Annika warf einen scheuen Blick durch das Fenster und be- merkte Peter 5klars. der nach dem Kruge gegangen kam. Der kleine Peter lief ihm aus der Haustür laut jubelnd entgegen und hing sich an seinen Arm. Konrad richtete sich auf und trat einen Schritt zurück. Er war kreidebleich und offenbar einer Ohnmacht nahe. Ein heftiger Hustenanfall brachte ihn wieder zu sich; Annika stand auf, führte ihn auf seinen Lehnstuhl und schloß daL Fenster. Sie sprach kein Wort dabei. Auch er schwieg einige Minuten imd sah verstört vor sich hin. Dann erhob er sich und machte einen Gang durchs Zimmer, vermied aber das Fenster. Annika bereitete sich still auf die Erörterung vor, die nun unvermeidlich schien. „Ist Peter Klars— noch immer hier— im Torfe?" zwang er sich endlich mühsam zum Sprechen. „Er ist hier," antwortete sie leise und zaghast. „Und wie lange— gedenkt er noch zu bleiben—* „So lange ich hier sein werde."— Er stand still und blickte halb überrascht, halb erschreckt zu ihr hinüber. Das Wort schien ihm im Munde zu er- sterben; er machte noch einige Schritte bis zum Lehnstuhl und ließ sich wieder darin nieder. Annika trat zu ihm und legte ihre Hand auf seine Schulter.„Es greift Dich zu sehr an," sagte sie mitleidig, wir wollen heute lieber nicht darüber sprechen. Du mußt erst ganz gesund werden." Er wendete ein wenig den Kopf nach ihr und stützte ihn an ihren Arm.„Heute nicht— also morgen doch, oder über- morgen— wenn ich gesund bin— dann gewiß." Sie schwieg. „Besser gleich jetzt!" fuhr er nach einer Weile fort.„Die Marter wäre nicht zu ertragen. Ich bin gesund— ich fühle mich kräftig genug— ich kann hören, was ich einmal hören muß—' Sie wischte ihm mit einem Tuche den kalten schweiß von der Stirn, mit zitternder Hand, denn sie selbst war so erregt, daß sie sich nur mit Mühe aufrecht hielt. Da sie nicht Ant- wort gab, entschloß er sich zu einer Frage, die am nächsten zu liegen schien:„Was verlangt Peter Klars?" „Frage nicht, was er verlangt," sagte sie mit erzwungener Ruhe.„Er ist sehr unglücklich, und die Unglücklichen haben wohl das Recht, nur an sich zu denken. Er hat eine Frau verloren, die er liebte." „Verloren?" „Verloren!" antwortete sie mit großer Bestimmtheit. „Und ich—?" rief er, indem er sie leidenschaftlich an sich) zog,„und ich, was habe ich dadurch gewonnen? Ist meine Liebe nichts? Du bist meine Frau geworden— willst Du's nicht mehr sein?" Sic machte sich sanft von ihm los, ohne sich ihm jedoch ganz zu entziehen.„Ich glawbte ja, daß er tot sei," sagte sie kaum vernehmbar. „Aber jetzt lebt er— und Du bereust—?" „Tief— tief, daß ich ihm untreu war." Er sank in die Lehne des Stuhls zurück und deckte die gefalteten Hände über die Augen.„Warum geht's jetzt nicht niit mir zu Ende," wimmerte er. Dann aber raffte er sich wieder auf, erhob sich und rief:„Aber nein! Ich lasse Dich ihm nicht! Du bist mein, ob er lebt oder nicht— mein! Und ich will mein Recht vertreten, weil ich Dich liebe. Er ist glücklich gewesen, ich will's auch sein! Warum ich nicht? Wir sind Mann und Weib. Annika— wer will uns scheiden, wenn nicht der Tod? Ja, der Tod kann's vielleicht bald, er klopft schon mit seiner Knochenhand an mein Herz; noch ein Griff und es steht still. Aber so lange es noch schlägt, soll es für Dich schlagen, Annika, und niemand soll es hindern— niemand! Keine Gewalt kann Dich von mir reißen, wenn ich Dich haben will. Und ich will— ich will—' Er brach erschöpft zusammen. Nur sein brennendes Auge suchte das ihrige, aber sie hatte sich abgewapdt und weinte. „Wenn Du mich liebtest, Annika—" hauchte er leise hin. „Kannst Du mich nicht lieben?" „Ich habe Dir meine Hand gegeben," antwortete aus- weichend,„und Tu bist damit zufrieden gewesen; das hättest Du nicht sollen, Konrad." „Ich hoffte-- und Du wärest nicht kalt geblieben, ich weiß es, Annika, Dein Herz sprach schon für mich." „Es spricht auch jetzt für Dich," schluchzte sie,„lauter als Du glaubst— es bedauert Dich tief, es möchte zerspringen vor Schmerz, daß Du nicht glücklicher sein konntest, denn Du bist gut, Konrad. Aber ich kann Dir kein Glück mehr bringen— wahrhaftig nicht! Nur daß ich meiner Pflicht gegen Dich nicht untreu werden will, kann ich Dir versprechen, wenn es Deinen Verlust mindert. Ich werde Deine Frau sein, solange Du mich so nennen willst, ich werde keinem anderen ange- hören— keinem! Aber verlange nicht, daß ich bei Dir bleibe, es wäre mein— und Dein Verderben. Laß mich zurückkehren auf die Nehrung in mein einsames Haus. Ich habe Peter Klars gesagt, daß er keine Hoffnung mehr habe; aber er wird sie nur aufgeben, wenn ich micb auch von Dir trenne."(Forts, folgt.) Deutsches Theater. AUabendlioh 8'/. Uhr: Die Familie Schlmek. Johannes Nepomuk Zawadil: Max Pallenborg. Kammerspiele. Letzte Woche. Allabendl. S'/j U.: Oer Floh Im Pau/.crhuns. Volksbühne. Theator a. BUlowpl. Allabendlich S'/.Uhr: Der Jongleur. (Thomas Mock; Hans Waßmann.) Dix. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. ECönip�irätzerStr. 8 Uhr: Flu Tranmsplel. ICom�dienhaus H1!, Uhr: Der 7. Tax. B@r3msr Theater SVs: Wenn zwei.Hochzeit machen! Sessing-Theafer. Allabendlich 81/« Uhr: Lumpacivagabundus. Sommerpr. Keine Vorverkaolsgeb. ß8utsch.Jtönstler-71ieater. Allabendlich S1/, Uhr: Die selige Exzellenz. URANIA Tanbcnstr. 48/40. 8 Uhr: Von der Zugspitze zum Watzmann. Theater am Dienstag, den 15. August. Deutsches Opernhaus, Charlottenb. s uhr: Bsccaceio. Friedrich-Wilhclmstädt. Theater 8'/ Zucker Stutt gart- Botnang. WW totnn fie bei Ausgabe von privaten »Kiemen Anzeigen" die Abonnements» qulttung mit Gut- schein vorweisen. �Trauer- Magazin j gegrOndet 1896 iBrunnenstr. 56-57( Aus Wunsch Auswahlsendung. TeL Norden 8540.* {Blusen von 2,90 M.-m Röcke von 4.75 M.<«« I 1 Mastanserligung m 8®tmtben.| -«»0 Heines Werke ——— 3 Bänbe 4 ülorf- Bochhaudlung Vorwärts Vekdsni! tef Fabrikarbeiter j Deutsehlands. Zahlsteste Grost-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, > dag der Kollege Wilhelm Pohl (Bezirk Lichtenberg) am 12. August 1916 verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 15. August, nach- mittags 5 Uhr, von der Halle des FriedboieS Lichtenberg, Lück- strage, aus statt. 55/14 Rege Beteiligung erwartet _ Die Lrtsverwaltnng. Am Donnerstag, den 10. August, nachmittags l1/, Ubr, verstarb nach längerer Krankheit unser lieber Kollege, der Schristsetzerinvalide VsDisn Koksli geb. 29. Februar 1864 in Chor- tottenburg. 1102ö Wir werden dem Verstorbenen em gutes Andenken bewahren. Die Kellegen der Nerddeutcehen Buchdruckerei, Berlin. T57-, Als Opscr des Krieges starb am ThvhuS im La- zarelt am 9. August unser lieber Sohn, Bruder, Schwager.und Onlcl, der Ma- schinist Paul Lzaplewsk! geboren in Czerst W./Pr., im 29. Lebensjahre. 130A Dies zeigen an Die trauernden Hlnterhlledenen. Berlin, Emdener Str. 45, im August 1916. 3 n�reienSiunden. Romane und Erzählungen für des arbeitende BolL Pro Hest 15 Pf. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenftrafie-Z. 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August, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- Halle des Pankower Kirch- Hofes IU, Schönholzer Heide, aus statt. �sedrüf. Den Mitgliedern ferner zur Nach- richt, dag unser Kollege, der Ee- schäftskutschcr Uilhehn Gernusks am Donnerstag, den 10. d. Mts., im Alter von 40 Jahren ver- storbc» ist. Ehre seinem Zlndenkcn! 67/4 Die Bezirksverwallunz. Turnverein„Fichte" Berlin. M. d. A.-T.-B. 15. Märmer-Ablcilung. I Allen Freunden und Bekannten! die neue traurige Kunde, daff! unser lieber Turngenossc, der| Vorturner Georg Orth am 27. Juli gesallen ist. 183/17 j Für uns war er ein treuer j 1 Freund, jür die freie Turn- 1 | belvegung ein tapferer Streiter. Ehre seinem Audeuke»! In schmerzlichem Gedenken zum Sterbetage unieres guten, braven, geliebten Sohnes, Bruders und Schwagers, des Untcrosfiziers k�ritT Bergan Inhaber des Eisernen Kreuzes (Grenadier-Regt. Nr. 4, 6. Koinp.)\ schwerverwtmdet am 14. August, gestorben am 15. August 1915 im l 27. Lebensjahre. 10ö4b j Deine trauernden Eltern. Paul u. Bernhard als Brüder. I Lydia und Jklrtur Perctti als 1 Schwester u. Schwager in Mailand, g ReutersWerke . 3 Lände 4 ISarf• Buchhandlung Vorwärts Vermietimgea. Zimmer. Möbliertes Zimmer vermietet Hossmann, Friedebcrgerstraffep, Ouci- nnfirtiika TTT 51)�� gebäuhe III. StellenuliZedore. Kinoaufnahnie. Säuglinge und Kinder bis zu 2 Jahren, sowie Hunds gesucht. Offerlen mit Adresse an SzaUt, V. 40, Fürtherstraffe 4. Packerinnc», tüchtige, zuin Ein- packen und Kontrollieren der Waren an unteren Kassen sofort gesucht. Meldungen nur von solchen Damer, «eiche bereits in ledhasten Detail- geschästcn als Packerinncn tätig waren, m der Zeit von 1— 2 Ubr mittags oder 7—8 Ubr abends. A. Jandors u. Co., Belle-Alliancc- straffe 1/2. 13iC Erschreiler iUctfte für ZünderdrrhtM per sofort gesucht. 167/3 1/ rirar. Werkzeugmaschinen- R-urger, fn sabrik, Kraulslr. 52. 2 bis 3 Parkettleger fteat-m Fr. Zielinski, Parkeltsabrik, Danzig. Bauarbeiter und Arbeiterinnen verlangt Neu- bau C. Lorenz, Deiitpclhof am Hafen. Zu melden beun Polier Krüger. 1100b» Possen-Theater L-lnlenstraBe an der Frledrlchstraßc. Gutschein Inhaber dieses zahlt auf sämtlichen Plätzen an allen Wochentagen die Hälfte des Kassenpreises. Gültig bis 31. Angnst 1916. Possen-Theater KdnlenstraBc an der Friedrichstraße. Gutschein Inhaber dieses zahlt auf sämtlichon Plätzen an allen Wochentagen die Hälfte des Kassenpreises. Gültig bis 31. Angnst 1016. { Possen-Theater lilnlenstraße an der Frledrlchstraßc. Gutschein Inhaber dieses zahlt auf sämtlichen Plätzen an allen Wochentagen die Hälfte des Kassenpreises. Gültig bis 31. Angnst 1916. «eranlwoiUtcher Äeoctleur; Alirejz ffiieUea isteuiMa, güs Den LnjertUenlxU vxrgiuw» Tb. Giostc, Berlin. Krück i4.>berlaa:>Lorivar� Buchdruckerei n. LerlagSantzaU Psul Singer ät Co, Berlin LJi*