susi-m Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Heurigen-Tppen. Ein Wiener Bild von Rudolf Müller(Wien). „Sö kennan den„Uncircd*(ein buckliger Stegreissänger) net?" sagte verwunderl ein mir bekannter Hieferschwanzelhändler(Metzger). „Unglaublich I... Ganz Wien kennt den„Ungrad" und grab Sö sollten eahni net kenna? Sö san do a ka fader ZipfT— Ich niußie beschämend gestehen, datz ich noch nicht Gelegenheit hatte, den Herrn kennen zu lernen.— Um meine Unwissenheit zu be- mänteln, fügte ich schüchtern hinzu, datz ich wohl den Her- mann Bahr. Schnitzler, Karl Kraus, den Stürgkh und den Schönaich persönlich kenne.... ,A Paperlapap", fiel er mir ins Wort.„Nix kennan S', nix hab'n S' g�sehnl Den„llugrad" müssens S' g'hört hab'n, hernach kennan S' sag'n, daß S' wos g'schn hab'n. I sog' Jhna. Fürschten und Grof'n ziag'n eahm noch, wia de Fliag'n dem Honigtops, dos ganze.bessere Wean" is draatzt bei eahm."—.Nun, wo ist denn der Tausendsasa zu sehen und zu hören?"—.Wo denn sunst als drautzt bei der Murrin in Grinzing, glei neben dem Straszenbahnhof." Ich versprach morgen hinauszukommen..Also guat, na, do werden S' spitzen aus Weixlnl Wenn S' mi net glei find'n, srag'n S' nur nach mir, mi kennr durt jed'S Kind. Fufzehn Jahr' ziag i durthin, wo der.Ungrad" singt, wo er is bin i a z'find'n."— Am vereinbarten Abend trat ich die Reise zur Murrin nach Grinzing an. Gleich neben dem Bahnhof stehen Zeugl(Wagen) auf Zeugl, Autos und Omnibusse vom Kobenzl. Ein von der Sonne vergilbtes Plakat und die Gigs sagten mir, datz hier das.bessere Wien" sich versammelt hat und ich am richtigen Orte wäre. Als ich in den Garten eintrat, trug ein Sänger, der gut seine drei Zentner hatte, eine Parodie auf die fleisch- und fettlosen Tage vor und dann„'s wird schöne Maderln geb'n" als Extradraufgabe. Mit einem ungeheuren Applaus schlag dieser Caruso seine Hedulie, während die Gäste jauchzend mitsangen. „Es wird a Weinerl geb'n und mir werd'n nimmer leb'n", ist die Losung des Abends. Ein Gesurre und Gesumse, dazwischen winselt die Heurigenmusik schmachtend heraus. Endlich hat mich mein Bekannter erblickt.„Warum denn so spat", schallt er mich aus.— ,'s geht bald auf achte und Sö hab'n das fchöne Entreeliad verpatzt." „Was bekommt man hier zu trinken?" fragte ich.—„Aber frag'n S' net so dalkerl, an i Kronen Wein, der andere ist a 'Panisch."— Dann sab ich mich ein wenig im Kreise um und mutzte gestehen, datz hier wirklich das„bessere Wien" seinen Sammelpunkt hat. Auf den Tischen lagen ganze Ladungen von Rindsbraten, Hendln, Gansln, Schinken. Alles fchmatzte und kaute, trank und jubilierte.—„Mir scheint, heut' ist ein fleischloser Täg", bemerkte ich,„und hier..."—„Aber red'n S' do ner so g'schwoll'n daher. Beim Heurigen(neuen Wein) gibt'S kane fleischlose Tag' net. IZöS werd'n S' glei seg'n." Damit überreichte er mir ein mit Freflalien gefülltes Paket.—„Zum Wein g'hört a knusp'rigS Gansl, als wia zu der Supp'n daS Salz." Mir gegenüber kamen neue Gäste an, zwei Herren, zwei Damen. Nobel über nobel. Lange Fingernägel, große Boutons, Ringe, das zu mindestens 5000 Kr. Die Sänger erkannten die Gäste und -».Achten nach der Art der Animiermädeln ihre Komplimente und schleppten von irgendwo Tisch und Sestel für die Herrschaften herbei. Auch mein Begleiter lüftete von weitem vor den Ankömm- lingen den Hut.—„Wer ist denn das?* fragte ich.—„Pst. Sö werd'n S' bald erfahr'n, i hab'S den„Ungrad" scho zund'n. Der wird an pfefferten Slehgreif auf se singa."— Die Viere nahmen Platz. Zwei Pakete wurden geöffnet. Ich traute meinen Augen nicht: eine ganze Rindszunge, mehrere Stücke Filets, Ganjerln, Henderln, Schinken, Käse und Butter türmten sich auf l Ein ganzer Monatsgehalt von mir lag lecker vor den Vieren mit dem gesegneten Appetit. Meine Neugierde ließ mir keine Ruhe und ich bat den Bekannten, mir zu sagen, wer denn der„Fürschl" sei. Mein Begleiter ließ sich erweichen, lehnte sich über den Tisch, legte die Hand vor den Mund und wispelte mir geheimnisvoll ins Ohr:„Dös ist der Engelhart."—„Wer und was ist denn dieser Engelhart?"—„Na hör'n S'," sagte mein Nachbar,„Sö kennan ja rein neamd' in Wean." Ich mutzte mir den Vorwurf gefallen lassen.„Der Engelhardt ist eb'n En�elhart, der Hoffleischhacker I"— Dabei sah er sich um, ob er durch diese Indiskretion nicht etwa eine Majestätsbeleidigung begangen habe. Dann erklärte er mir weiter, datz der Dicke rechts mit die säubern Dudeln(Mädeln) der Herr Kruspelspitz sei.„A grotzer Schlang!", und er hob die Finger wie zum Schwur.—„Der durt an der Eck'n is da? Schwarzscherzl, der führt heut' a harbe Kund- Zur tot erklärt. 36) Von Ernst Wichert. Es war gesagt: ihr Gemüt ttmrde ruhiger. Auch seine Leidenschaft schien sich abzustillen. Wie er so mit geschlossenen Augen zurückgelehnt dasaß, nahmen seine Züge allmählich einen starren, frostigen Charakter an: er ähnelte mehr als je seiner Mutter. Annika erschrak, als sie, durch sein Schweigen besorgt gemacht, zur Se'te blickte. Er mochte innerlich mit schweren Entschlüssen ringen; manchmal zuckten die Augen- lider und die Lippen so eigen. Sie kniete neben dem Stuhl nieder und küßte seine welk herunterhängende Hand. Er zog sie zurück.„Annika— 1" „Vergib mir, Konrad I" Er versuchte zu sprechen, aber der Ton versagte ihm. „Du darfst auch nicht Dein Testament machen," fuhr sie mit inständiger Bitte fort.«Ich kann nichts von Dir an- nehmen, da ich Dir nichts gebe, und mein Kind— das Du lieb hast, ich weiß es wohl— � mein Kind hat nun wieder seinen ersten Vater und wird nicht Not leiden. Und Du wirst diesen Schmerz überwinden und vielleicht nach einiger Zeit selbst wünschen, von mir frei zu sein; so sollst Du Dir nicht die Hände binden." Er schüttelte heftig den Kopf. „Laß mich ziehen, Konrad I" Es war ein schwerer Kampf.„Und wenn ich Nein sagte?" antwortete er rauh. Sie sah mit ihren großen blauen Augen recht ernst zu ihm auf.„Dann muß ich auf Gottes Barmherzigkeit rechnen!" „Du wolltest—" Er las in ihrem Blick, daß sie zum Aeußersten ent- schlössen war. Nach einer längeren Pause stillen Nachdenkens schob er den Stuhl zurück und stand wieder auf, indem er ihr zugleich die Hand reichte und sie von der Erde erhob. Er ließ sie zur Seite treten und durchmaß das Zimmer mit eiligen Schritten. Endlich blieb er mit dem Rücken gegen Annika stehen und fragte:„Und wann wolltest Du fort?" „Morgen, Konrad— wenn Du mich nicht mehr brauchst." „Eilt es so?" „Es eilt." � Sie dachte an Peter Klars Drohungen. Er setzte seinen Gang fort, wohl mehrere Minuten lang; dann trat er vor sie hin und sagte augenscheinlich mit schmerz- schoft aus, d'rum Hot er sei Alte mitg'nommen. Ui jegerl, die wird eahm z'wider sei I Und den Kampl durt, seg'n S''n, den Stark'n mit dem feschen Frau'nzimmer, des is der Herr„Knochenmann" vom zehnten Hieb. Der kann's Jhna forma... Der gibt jed'n hunderl dur. Und seg'n S' den durt, ichläg in der Laube?"... Da unterbrach ich seine Rekognoszierungsrcise durch das Reich der weitzen und schwarzen Scherzet, der Hieferschwanzel und Kruspetspitze und meinte,„mir scheine, als ob hier die ganze Rind- und Borstenvieh verarbeitende Menschheit da wäre."—„A na, alle net l Nur die Schwären san beut' herrautzt. Na ja", meinte er, „de mach'n jetzt a Ries'ng'schäft, do Hot jeder seine fünf bis sechs Spitäler zu bedienen. So wos gibt aus I"— Auf einmal geht durch die Reihen ein Rauschen und Raunen, wie in einer Lindenallee zu Pfingsten. Pst! Pst! Pst! Alles reckl die Hälse. Viele stehen auf, dann tritt Ruh« em.„Der„Ungrad" kommt dran", sagt freudig erregt mein Gegenüber und klatscht in die Hände.— Ein kleines, unscheinbares Männchen mil einem großen Höcker besteigt einen Sessel und überschaut die atemanhaltende Menge. Eine Stecknadel hätte man in dieser lautlosen Stille fallen hören können. Denn der Liebling, Lehrer und Verkünder einer Welt- anschauung sprach zu seinem„bcsieren Wien". Nach Ablauf der etwas zu langen Kunstpause Hub eine undefinierbare, krächzende Stimme einen Schüttelvers an, der mir buchstäblich die Gänsehaut über den Rücken trieb.— Ich erfuhr aus dieser Rezitation, datz Herr Engelhart wirklich die Güte halte, unter uns zu weilen, datz auch Herr Graf Hardegg sich unter die Bürgerlichen mischte, daß ein Schauspieler, ein Hofrat, ein Negierungsrat, ein Kricgsstiefellieferant, teils mit ihren eigenen, teils mit fremden Damen sich im trauten Kreise traut zusammen- fanden. Als das kleine, höckerige Männchen vom Sesiel stieg, da wollte der Applaus und Jubel kein Ende nehmen. Herr Ungrad mutzte sich zu einer Draufgabe entschlietzen und besang zum Gaudium der Anwesenden den Bulli des Herrn Engelhart, der sich ganz unge- ziemlich hundemätzig benommen hatte. Dieses geistlose Poem löste mehrere Freudenstnrme aus. Das„beffere Wien" klatscht, schreit und schwelgt vor Glückseligkeit und Entzücken. „Alsdann", sagte mein Aussührer,„so a Hetz' war no net da. Hob' i Jhna z'viel versproch'n? Wos sog'n Sö ungläubiger Thomas jetzt zun,„Ungrad"?"—„Ich mutz gestehen, der Mann ist Euer zweiter Lueger."—„Sö, do hab'n S' den Nag'l auf'n Kopf troff'n, dös is richti wahr!"— Dann traten die anderen Primadonnen auf und sangen— nein, das ist zu höflich— krähten einen Schmachtfetzen nach dem anderen in die lauwarme Sommernacht hinein. Eine förmliche Herzausmisterei fand statt. Das fünfzig Jahre alte „Fiakerlied" schlug den Rekkord, der ganze Garten gröhlte vor überschäumendem Jubel mit. Männer wiehern, Weiber mäckern, es wird gekost, geliebt, gcfresien und gesoffen.„Verkauft's mei G'wand, i fahr' in Himmel," so schreit mein Begleiter. Während sich Behörden, Gelehrte, Politiker, Aerzte usw. ab- mühen, nachdenken, Vorträge halten, Bücher schreiben, wie das Volk, wie das Reich sich zu verhalten hat, um die schwere Heimsuchung zu überdauern, lauscht das„beffere Wien" beim 4 Kronen Wein schalen, stumpfen Witzen.— Wiens Ernährungs- politiker führen hier das Wort. Das Handwerk hat noch einen goldenen Boden; es leibt und lebt noch.—„Es ist noch was, stellt noch was vor und hat was." Aus feiner Mitie wird der Gemeinderat, der Stadtrat entnommen, der die Verwaltung führt und dem öffentlichen Leben den Pulsschlag gibt.—„Wir haben's ja, wir können'S uns leisten, der„Ungrad" ist ihr politischer Lehrer und die Murrin die Erziehungsanstalt. Neben mir sitzt einer, der einen Schwung in die Sach' bringt. Hat a sesche„Godl"(Mädel) bei sich, er greift hinein ins volle Menschenleben und wo er's find', da halt' er's fest.—„Nur net sad sei, mir san mir! Seg'n S', so was gibi'S nur bei unS in Wean, im g'mütlichen Wean, mit seinen goldenen Herzen,'s gibt nur a Kaiserstadt, gelt Maderl? Gib mir a Busserl." Jawohl, so ist Wien. „Wenn a der Wein a wengerl teurer iS, ma mutz aber a an G'schäftssinn hab'n und leb'n und leb'n lassen.„Sö, des is ka Wurzerei. O na! Helf' Gott, datz's wahr is!" Bei dieser Betrachtung fiel mir Ferdinand jtürnberger, der echte Oesterreicher, der gute Wiener ein, der seine Landsleute aus dem ff verstand und einmal sagte:„Ein Philister ist ein hohler Darm, mit Furcht und Hoffnung angefüllt, ist ein Mensch, der die Kraft verloren hat, jugendlich im Erleben der Gegenwart aufzu- gehen, der vollends unfähig, sein kleines Selbst vor einem Höheren zu vergessen.. licher Ueberwindung:„Du bist fähr aufrichtig gewesen, Annika, sei es auch jetzt. Liebst Du Peter Klars noch jetzt?" Das Blut schoß ihr in die Stirn.„Ich bin Deine Frau," antwortete sie. „Liebst Du Peter Klars noch jetzt?" wiederholte er ein- dringlicher. „Beim allmächtigen Gottl Es ist nicht darum, Konrad." „Weiche mir nicht aus— sei aufrichtig. Bei Deiner Seligkeit, nur jetzt keine Lüge: Du liebst ihn noch?" Sie legte die Hand aufs Herz.„Weil Du die Wahrheit hören willst— aber er soll es nie mehr erfahren," unterbrach sie sich lauter und lebhafter;„er mag glauben, daß ich ihm auch im Herzen untreu geworden bin, und das soll meine Buße sein." „Du liebst ihn." Sie schwieg und wagte nicht einmal die Augen zu ihm aufzuschlagen. Er betrachtete sie lange, wie sie so vor ihm stand, ganz ein Bild in Traurigkeit aufgelöster Resignation. Er grollte ihr und hätte ihr doch zu Füßen fallen und sie um Liebe bitten mögen, um einen heißen Abschiedskuß wenigstens, um eine Sekunde Seligkeit für ewige Entsagung. Fort, ihr Träume! Er wendete sich ab und sagte kalt:„Es ist gut, Annika— Du kannst gehen." Sie wollte seine Hand ergreifen und an ihre Lippen ziehen; er ließ es nicht zu.„Geh, geh!" rief er,„ich will allein sein." Annika fühlte, daß sie gehorchen müßte. Sie verließ langsam schweren Herzens das Zimmer. X. Draußen vor der Tür blieb sie stehen und überlegte, was zu tun sei. Die Kisten und Kasten mit Betten, Wäsche und Hausgerät, die sie am Hochzeitstage von der Nehrung mit- gebracht hatte, standen noch ungeöffnet auf dem Boden. Die Kleidungsstücke, die sie aus einer verschließbaren blauen Lade genommen hatte, waren bald wieder verpackt. Bei der Nach- barin, in deren Hause sie die erste Nacht zubrachte, hoffte sie leicht ein paar starke Fischerknechte zu ermitteln, die ihr das Gepäck ans Wasser tragen könnten. Das kleine Boot, das zur Klarsschen Fischerkate gehörte und am Hochzeitstage das Ge- päck aufgenommen hatte, mußte noch auf dem Haken liegen; sie konnte es nun zur Rückfahrt benutzen. Freilich erinnerte sie sich, damals gehört zu haben, daß sich in demselben wie in dem zurückgelassenen zweiten Boote ein Leck gezeigt habe; die schadhafte Stelle war aber vielleicht zu verstopfen, ohne datz kleines Zeuilleton. Sozialismus und Persönlichkeit. Einem Brief, den Romain Rolland als Beitrag zur Jaurös- Nummer des Wockenlilaues„Le Populaire" an Gen. Jean Longuet gesandt hat, entnehmen wir folgende Betrachtung: „Der einzige Gegenstand, auf den ich heute hinweisen will, ist die Bedeutung, die die Persönlichkeit in der modernen Gesellschaft behält. Seit einem halben Jahrhundert legt der Sozialismus ihr allzu wenig Gewicht bei. Er gibt sich den Anschein, zu glauben, datz heute nur die großen Gemeinschailsströme, die mächtigen namenlosen Menschenströme und ihre Gefetze zählen. Aber die Geschichte der vergangenen zwei Jahre hat gezeigt, datz die kollektiven Kräfte blind und unsicher bleiben, von ihrem Wege abgelenkt werden und sich rückwärts wenden, oder in Gefahr kommen, sich gegenseitig zu vernichten, wenn sie nicht durch starke Geister gelenkt werden, die ihnen Auge, Stimme. Vernunft und Glauben sind. Weit entfernt davon, die Rolle des Individuums zu Nichte zu machen, mutz der Sozialismus seine Kraft verhundcrt- fachen. Denn er braucht Menschen, die in sich alle zerstreuten Energien des Volkes konzentrieren und sie auf ihrer Bahn in einem mächtigen Bündel bewuhtgcwordenen Lichts projizieren. Ein solcher Mensch war Jaurös. Und das Unglück der Zeit war, datz er einzig war."_ öilse und öle heiratsabenöe. Benjamin Bilse, der bekannte Konzertleiter, dessen Name für populäre Konzerte sprichwörtliche Bedeutung erlangt hat, ward vor einem Jahrhundert— am 17. August 1316— in Liegnitz geboren. Er hatte nur die einfache Schule früherer Musikanten durchgemacht. Er war beim Stadtmusikus seiner Geburtsstadt in die Lehre ge- gangen, aber er hat sich doch zu tüchtigem Können als Musikleitcr emporgeschwungen. Nachdem er sich in Wien bei den Walzerdirigenteu Lanncr und Slrautz weitergebildet hatte, kehrte er nach Liegnitz zurück, um StadtmusikuS zu werden, und auch dort schon wußte er durch Reichhaltigkeit des Programms, in denen bereiiS in den sechziger Jahren Namen wie Wagner, Berlioz, Liszt zu finden sind, sich auszuzeichnen. Dann zog er mit einem eigenen Orchester durch die Lande. Im Dezember 1867 siedelte er dann in daS damalige Berliner Konzerthaus in der Leipziger Straße über, und hier wirkte er bis zum Jahre 1884. In diesen siebzehn Jahren hat Bilse für die musikalische Unterhaltung und musikalische Volksbildung der Berliner zweifellos viel Gutes geleistet. Besonders berühmt waren die„ H e i r a t s- A b e n d e" im Bilseschen Konzerthaus; so wurden die DonnerStagS-Konzerte genannt, bei denen in harmloser Weise Bürgeriamilicn mit ihren Töchtern sich einfanden, um bei der musikalischen UnterhaUung Bckannischafl mit jungen Leuten anzuknüpfen. Diese„Heirals- konzerte" sind oft in Berliner Romanen und Erzählungen geschildert worden. In den 70er Jahren, wo sein Orchester auf der Höhe seines Ruhmes stand, wurden diese musikalischen Heirals- Vermittlungen von ihm auch im Sommer ausgeübt, wo er in dem großartigen, der Gründerzeit seine Entstehung verdankenden Etablissement der„Flora" in Charlottenburg jeden Nachmittag Konzerte veranstaltete. Damals war fein erster Konzertmeister der nachmals so berühmte Violinvirtuose Eugene Dsaye und sein erster Cellist Anton Helling. Beide waren die Schwärmerei aller Backfische, besonders Nsahe mit den langen blonden Haaren; aber auch Bilse selber war der Liebling der Damen, die ihn täglich durch Blumenspenden auszeichneten. Nachdem sich Bilse 1885 nach Liegnitz zurückgezogen hatte, kehrte er noch einmal zu einem kurzen Gastspiel 1887 nach Berlin zurück, um das 4000. Konzert im Konzerthaus zu dirigieren, wobei er dann in mannigfacher Weise gefeiert wurde. In Liegnitz ist er hochbetagt tm Jahre 1S02 gestorben. Notize». — Reinhard Sorge, ein junger Dichter, ist gefallen. Er hatte schon mit seinem Erstling, dem Drama„Der Bettler", die Aufmerlsamkeit literatischer Kreise erregt; die Kleist-Slistung verlieh ihm ihren ersten Preis, und das Deutsche Theater in Berlin nahm daS Drama an. ES bereitet jetzt die Luftührung des in seiner Komposition kühnen, in seinem Weltgesühl von tiefem Ringen er- füllten Stückes vor. Später hat der Dichter noch ein allbiblisches Drama„König David" versatzt. es einer förmlichen Reparatur bedurfte. Jedenfalls war eine Besichtigung nötig, und sie beschloß, dieselbe nicht zu der- schieben. Als sie in Gedanken vertieft den Hof verließ und die Dorfstraße nach dem Flusse zu einschlug, saß Peter Klars an der Ecke der Scheune aus dem Grabenrande und sah seinem Knaben zu, wie er ein Korkschiffchen auf. dem flachen Wasser am Faden hin und her zog. Sie bemerkte die beiden nicht, aber den munteren Augen des kleinen Peter entging nicht leicht etwas, das sich in der Nähe regte und bewegte.„Die Mutter!" rief er überrascht und wollte ihr mit einem Freudengeschrei nacheilen, als sein Vater ihn schnell beim Arme faßte, zwischen seine Kniee zog und ihn bedeutete, zu schweigen.„Ich will ihr mein Schiffchen zeigen," meinte er kleinlaut,„wie es im Wasser schwimmen kann." Der Matrose stand auf, nahm ihn bei der Hand und führte ihn nach dem Hofe.„Geh jetzt in den Stall zu den Pferden," sagte er,„ich will die Mutter rufen gehen." Der Junge war damit zufrieden. Peter Klars folgte Annika in einiger Entfernung. Sie bog, immer eilig vorwärts schreitend, von der Dorf- straße ab nach dem Treidelstege, der am Fluß entlang nach dem Haken führte, in dessen Ausbuchtung wirklich das Boot, halb aufs Land hinaufgezogen, lag. Sie versuchte, es ganz aufs Trockene zu bringen, aber ihre Kraft reichte dazu nicht aus. In dem tieferen Teil, der vom Fluß bespült wurde, hatte sich Wasser angesammelt, auf welchem der hölzerne Aus- schöpfer schwamm. Sie stieg hinein und machte sich an die Arbeit, es zu entfernen. Erst jetzt, da er ganz nahe an sie herantrat, bemerkte sie den Matrosen. Sie richtete sich erschreckt auf und sah ihn mit ängstlichen Blicken an.„Warum bist Du mir gefolgt?" fragte sie nach einer Weile ernst. Er lächelte unheimlich.„Weil ich Dich schon längst zu sprechen hatte," antwortete er scharf.„Die Alte hütet Dich vor mir, Witz ein Drache seinen Schatz— und es mag Dir auch wohl gefallen beim Krüger. Wie?" „Er ist krank," sagte sie,„Du weißt es." „Und lag doch heute schon im offenen Fenster und plauderte ganz munter— bis ich ihn fortscheuchte. War's nicht so?" Sie nickte schwermütig.„Darum bin ich hier," erwiderte sie leise. Er sah sie fragend an.„Was soll geschehen, Annika?" Sie schwieg. (Forts, folgt.) Denttfehe« Tlieatori AUabendUch 81/, Uhr: Die Familie Schlmek. Johannes Nepomuk Zawadil: Max Pallenbers. KaninierMpieie. Mittwoch, Donnerst., Freitag, drei letzte Aufführungen: 8'/, U.; Der Floh im Panzerhaus. Sonnabend, erste Aufführung; Die Liebesinsel(Lustspiel). In der Hauptrolle: Hofburg- Schauspieler Arnold Korff. Sesslng-Theafer. Allabendlich 8llt Uhr: Lnmpacivagabnndns. Sommerpr. KeineYorverkanfsgeb. Deutseh. Künstler-Theater. Allabendlich S'l, Uhr: Die selige Exzellenz. Volbsbühne. Theater a. BUlowpl. Allabendlich S'/o Uhr: Der Jongleur. (Thomas Meck: Hans WaCmann.) Dir. Kcinhard-Bernauer. Thealer i.«f. EConiggrätzerStr. S'/i Uhr: Kameraden. iComIklienhaus iP/, Uhr: Der 7, Tag. Bertiner Theater BVo: Wenn zwei Hochzeit mnchc»! iimwut Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Aegypten, der Snezkanal und der Weltkrieg. Walhalla-Theater. s'/.tuDas Warenhaus-Fräulein. fit Uhr: Garten-Aorsfellung Theater am Mittwoch, den 16. August. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. 8 uhr: Boeeaceio. Friedricb-Wilbelmstädt, Tbeater L'/.u.; Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. S'l, Uhr: Wachsmanns Hiibnerhof. Kleines. Theater s'i. u.: Ehesanalorium. Komische Oper S'l, U.: Der selige Baldaln. Lustspielhaus ß'/aü.: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater ev.u.: DieGpoßberzopy.lSeroIst Residenz-Theater Gastspiel Mazimus Reni. fi.v.: Frieden im Krieg. Schlllor-T. Chnrlottenb. 3 uhr. Alt-Heidelberg. Thalln-Thester u.-. Biondinehen. Theater am Nollendorlpl. s'i. u.: immer feste druff! Theater des Westen« s'i, u.: Das Giileksmädel. Trlanon-Theater s'i. u.: Die Strohwitwe. Der Hias. Rose�Theater. S'/.U- Die Welt ohne Männer klarten Kühne: Bs gibt nur sin Berlin. Heiebskaiieu-Theater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Militärische Humoreske ooit Hör st. Ansanz 8 Uhr. Für ZNilitärper« ionert jreier Eintritt zu den Ztett. Sängern. Casino-Theater. Lothringor Str. 37. Täglich S'l, Uhr. Einzig in seiner Art in Groh-Berlin. Berliner Humor in ernster ZeiL Meine gute Olle. Original-Posse in 3 Auszügen. Vorher ersthiastigor bunter Teil. 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Zionlo jür rückständige Mieten, Pachten usw...... Bankkonto......... Kassakonto........ Hypothekensorderungen.... Sparkassen-Guthaben..,. 103/20 1700,— 700,— 1 000,— 237 702,88 5 791,24 60 063,75 2 046,33 61 419,93 2 750,84 1 185 594,26 . Insgesamt Geschästsguthabeu. Dasselbe betrug am 31. März 1915.. 15 055,50 M. Verringerte sich im Lause d, Gcschästsjabrcs um 449,—„ Beträgt jomit am 31. März 1916 14 606,50 2)1. Haftsumme. Dieselbe betrug am 31. März 1915... Verringerte sich im Lause des Geschäftsjahres um.............> Mark Grundstück-Hhpotheken-Konto...... 119 700,— Grundstück-Hhpothekcn-Zinscnkonto..... 776,42 Hypothekenkonto........... 638 825,— Haus-Hypotheken-Zinscnkouto...... 265,— Reservejonds............ 7 897,52 Hilssrejervesonds.......... 44 168,53 Geschästsanteilkonto......... 14 606,50 Pflichtspareinlagenkonto........ 90155,30 Sparsondskonto........... 67 554,44 Dartednskonto........... 108 991,42 Schuldverschreibungskonto....... 17 600,— Schuldverschreibungs-Zinsenkonto.... 1 089,40 Konto für Rücklagen......... 30 000,— Erneuerungstonto.......... 32 916,74 Konto für WohlsahrtSzwccke...... 2 530,99 Gewinn- und Verlustkonto(Gewinn)... 8 517,— Insgesamt.. 1 185 594,26 Mitglied erbewegung. Am 31. März 1915 waren vorband, 657 Gen. 657 Anteile Eingetreten bis 31. März 1916. 28» 23» Wettere Betelligung..... 1 685 Gen. 686 Anteile 15 768 M. 312. Ausgeschieden am 31. März 1916: a) durch Kündigung. 35 Gen. h). Tod... 5. c), Uebcrlragung 2, 42 42 Beträgt sonnt am Schlüsse des Geschäsisjahres 15 456 M. Der Aufsichtsrat. Die Revisionskommission. A. Bendig, Vorsitzender. A. Langer A. Haese. E. Miersch. Verdieiben am Schlüsse des Geschäftsjahres, ... 643 Gen. 644 Anteile Der Vorstand. G. Dorner, Vors. P. Schlffke. F. Hoppe. 45 Meter weit im Busch • sitzt der Feind— nnd sieht mich nicht! Darum beherrscht die neue Original- 1025L* „Fe r n s c h e i n"-Taschenlampe den Markt. Muster Mk. 4.50. Wiederverkäufer Rabatt nach Bezügen. EleklFische KleinbeleuehUing, ßerliu, Ä"' für Heim und Wanderung im Auftrage der Zentralstelle für die arbeitende Jugend Deutschlands herausgegeben von Hermann Böse Das Buch enthält auf 280 Seiten 300 Volks- lieber mit Noten und eine Einführung in das Lautenspiel. 100 Lieder sind mit Akkord bezeich- nung versehen, natürlich durchweg mit ein- fachstenÄarmoniegängen. Klavier- undLauten- spielern wird diese Einrichtung willkommen sein. 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