üt. 192.- 1916. Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Donnerstag, 17. August. Das Ratft! öee Wunöheilung. Der Krieg schlägt leider diele, diele Wunden. Beinahe selbst- dcrständlich will es erscheinen, dast die deutsche Wisscnschasl gerade in diesen Zeilen sich nicht nur damit begnügt, Wunden �u heilen, sondern sich vielleicht noch mehr als sonst in die iheorelische Seite dieser Vorgänge verliest. In der„Münchner medizinischen Wochen- schrift" veröffentlicht Dr. S. Bergel-Berlin Untersuchungen, die geeignet sind, das� Rätselhafte des Wundheilungsprozesses auf- zuklären. Eine einfache Schnittwunde, deren Ränder aneinander- liegen, heilt ohne ärztliches Zutun, wenn sonst keine Schädlichleiten hinzukommen. Die unmittelbare Folge einer Wunde ist der Austritt von Blut, aber schon nach kurzer Zeit hört diese Blutung auf, es bildet sich das, was der Laie als Blutgerinsel bezeichnet, die Wund- ränder verkleben sozusagen miteinander. Schon dieser Vorgang einer Blutgerinnung ist ein ganz wunderbarer, denn Blut ist ein ganz besonderer Saft. Wenn Blut die Gefähe verläßt, dann gerinnt es zu einer gelatinösen Masse durch Abscheidung eines Eiweißlörpers. � Dieser Eiweißkörper ist der Farbstoff oder das Fibrin. Es ist klar, daß die Gerinnung dieses Eiweißstoffes, wenn er aus dem Organismus heraustritt, eine biologisch hoch« wichtige Einrichtung ist, die den Sinn hat, den Körper vor dem Verlust diese? lebenswichtigen Saftes, der eben dicker ist als Wasser, zu bewahren. Darüber hinaus aber spielt das Fibrin auch bei der Wundheilung selbst eine sehr wichtige Rolle. Den experimentellen Nachweis hierfür erbracht zu haben, ist ein Verdienst Dr. Bergels. Die Annahme, daß die Wundränder ohne Zwischensubslanz einfach miteinander verwachsen, widerspricht den anatomischen Befunden. Diese ergeben, daß selbst bei genauester Anpassung der Wrindränder� aneinander in dem Wundspalt eine dünne Fibrinichicht vorhanden ist. daß kurze Zeit nach der Verletzung Leukozyten(weiße Blutlörperchen) in die Wunde einwandern, daß schließlich eine Bindegewebswucherung eintritt. Das sind die anatomischen Vor- gänge, die allen Wundheilprozessen gemeinsam sind. Es erhebt sich nun die wichtige Frage, wodurch diese Hcilvorgänge ausgelöst werden. Gelingt eS diese Frage zu beantworten, so wird dadurch nicht nur das Rätsel der Wundheilung und. der Knochenbildung seiner Lösung näher gebracht, sondern eS eröffnen sich auch für die Heilung verheißungsvolle Ausblicke. Rein theoretisch betrachtet, kann nun die Heilung ausgehen von den verletzten Geivcbsbcstandteilcn oder den durch die Verletzung in die Wunde ergossenen Substanzen oder von beiden. Diese Frage war nun der experimentellen Untersuchung zugänglich. Wenn einer der m Betracht kommenden Substanzen, so sagte sich Dr. B., die Fähigkeit innewohnt, die Wundheilungsvorgänge unter biologischen Verhältnissen anzuregen, so mußte es gelingen, diese Substanz zu isolieren und durch Einspritzung derselben genau die gleichen anatomischen Veränderungen künstlich zu erzeugen. B. hat daher die einzelnen Bestandteile des Blutes gesondert und in Mischung miteinander geprüft. Er hat sowohl Blutserum als auch die roten Blutkörperchen wie Fibrin einerseits und defibriniertes Blut und Vollblut andererseits Tieren injiziert und die dadurch verursachten Veränderungen makroskopisch wie mikroskopisch unter« sucht. Beim Fibrin zeigte sich der gewünschte Erfolg. Man hat ja schon verschiedentlich dem Fibrin eine Rolle bei der Wundheilung zu« geschrieben, aber diese erstreckt sich mehr darauf, daß es die Blutung zum Stehen bringen und vor allem die Wundränder mechanisch mit« einander verkleben sollte. Bisher ist niemals der experimentelle Nachweis erbracht worden, daß unter den Bestandteilen des Blutes nur das Fibrin die Fähigkeit besitzt, aktiv den Wundheilungsprozetz auszulösen, daß es die Ursache, der Anreiz und die Vorbedingung sür die Bindegewebsneubildung ist, und daß es die Fähigkeit besitzt, zur Kuochenneubildung anzuregen. Den Nachweis, daß ohne Fibrin keine Wnndheilung, ohne Fibrin keine Knochenneubildung möglich iil. Hai Dr. Bergel erbracht. Er konnte weiter den Nachweis führen, daß es dabei keinen Unterschied zwischen körpereigenem und körpcr fremdem Fibrin gibt. Man kann also im Fibrin das biologische Anregungsmittel des Wundheilungsprozesses erblicken, und es ist klar, daß sich daraus für die Praxis weitgehende Schlüsse ergeben. So hat Dr. B. durch Fibrin Wunden günstig beeinflugen können, wo andere Mittel ver« sagten._ Das Leben im �I-Doot. Von einem Teilnehmer an einer O-Boot-Fahrt wird geschrieben: Bekannt genug ist es ja, daß das Hauptmerkmal des O-Boot-Lcbens die Enge ist. Wenn man aber einige Zeit darin haust, erscheint einem das gar nicht mehr so schlimm. Im allgemeinen dürfte ein mitielmäßig großer Unterstand freilich bedeutend geräumiger sein als der Raum, der hier einem Dutzend Menschen als Schlaf« und Wohnraum, als Feldküche und außerdem noch als Torpedoraum dient. Daneben, nur durch einen Vorhang getrennt, liegt der Wohn- räum der Offiziere, etwa 2 Meter lang und nicht ganz so hoch, ge- rade so breit, daß zwischen den beiden Schlafsofas ein Tisch Platz findet. Soweit also ganz bequem für diese drei Herren, nur müssen sie sich's gefallen lassen, daß jeder von uns, der in den Maschinenraum will, bei ihnen durchgeht und ihnen auf den Pedalen berumtrampelt. Und daö mit den schweren Scestiefeln, die wir hier ständig tragen! Aber daran gewöhnt man sich. Im Boot herrscht natürlich keineswegs stets eine vorzügliche Lust. Es läßt sich Petroleum-, Schmieröl- und etwas Benzingeruch feststellen, abgesehen von diesen Beimengen aber ist die Luft ziemlich rein. Manchmal ist sie freilich etwas dicklich, man könnte sie ganz gut in Stücke schneiden und einem anderen an den Kopf werfen, aber das wäre gegen die Kameradschaft, das tun wir nicht. Das Essen ist im allgemeinen sehr gut und wäre noch besser, wenn es keinen Alarm gäbe. Alarm beißt: alle Mann auf Tauchstationen. Und dieser Alarm hat die schon von Fr. Th. Bischer gewürdigte Tücke des Objektes in vollstem Maße. Mir Vorliebe kommt er Mittags, wenn man gerade essen will. Tränenden Auges sieht man den dampfenden Hammelkohl, oder was es sonst für Herrlichkeiten gibt, kalt und immer kälter werden; wenn er die größtmöglichste Annäherung an den absoluten Nullpunkt, die praktisch zu erreichen ist, erreicht hat, dann kann man gewöhnlich essen. Gerne kommt der Alarm auch zu Zeiten, wenn man im tiefsten Schlafe liegt, dann rattern die Klingeln los, und automatisch springt man aus der Koje auf seine Tauchstation. Das Schlafen ist ja auch eine sehr nützliche Beschäftigimg, inso« fern, als man dabei nicht friert, denn im Wohnraum ist es oft sehr kalt. Zwar hat jeder Mann seine elektrischen Heizkörper, aber sie werden vorsichtshalber gerne auf der Werft abgegeben, erstens sind sie dorr vollkommen sicher vor Beschädigungen, und zweitens ver« brauchen sie keinen Strom. Wer friert, kann ja in den Maschinen- räum gehen, dort ist es meist warm genug, genügt das noch nicht, so kann er sich auf den Dieselmotor setzen und den Jndikatorhahn öffnen, die 1ö Zentimeter lang herausschlagende Stichflamme wird ihm schon genügend einheizen... Daran, daß man tage« und wochenlang nicht au? dem Zeug herauskommt und sich nur noch in der Erinnerung wäscht, gewöhnt man sich schließlich, weniger angenehm ist, daß man die ganze Zeit über dem blauen Zeug auch noch das Lederzeug tragen muß. DaS haben die Militärsoldalen nicht nötig und das macht sehr viel aus. Am Ende einer langen Fernunternehmung hat man dann auf allen sichtbaren Körperteilen so eine dicke Dreck- Fettschmicre, in die man ganz bequem Schützengräben bauen könnte. Dabei verliert man aber durchaus nicht seinen Appetit. Das Leben in den wachfreien Stunden ist recht vergnügt, der Humor gebt uns so bald nicht aus, ebenso wenig wie das Grammophon aufhört zu spielen. Wenn das Boot aufgetaucht fährt, geht man gern an Deck, um sich den Seewind um die Ohren pfeifen zu lasten, der besorgt das gewöhnlich so energisch, daß man froh ist, wenn man wieder runter kommt. Man freut sich, wenn man in den Hafen kommt und freut sich, wenn man wieder ausläuft, weil man doch immer wieder hofft, daß einem was vor's Rohr kommt. Dann ist doch die Mühe nicht umsonst gewesen... Kleines Zeuilleton. Die Grchestermaschine. Beim Beginne der Winterspielzcit wird ein großes Tcheater in Chicago seinen Besuchern mit einer Ueberraschung aufwarten, die selbst für amerikanische Begriffe etwas Ungeheuerliches dar stellt: an diesem Theater hat man nämlich während der Spiel Pause eine„Orchestermaschine' eingebaut, die alles in den Schat tcn stellt, was man bisher von Musikinstrumenten gekannt hat. Vereinigt sie in sich doch alles, was sich an Musik- und Geräusch- Werkzeugen nur ersinnen läßt: sie umfaßt eine ganze Riesenorgel, alle Werkzeuge der amerikanischen Militärkapellen(die bekanntlich sehr geräuschvoll sind!), ein gewöhnliches Opernorchester mit unge- mein reichem Schlagzeug, dazu Kirchcnglocken, Nebelhörner, Fabrikpfeifen, Vogelstimmen, das Gesumm von Bienen und dazu Werkzeuge, die das Galoppieren von Pferden, den Donner des Ge- witters, das Heulen des Sturmes sowie alle übrigen nur erdenk- lichen Naturgeräusche lebenswahr hervorrufen. Zur Bedienung dieser Orchestermqchine reichen— so berichtet ein amerikanisches Fachblatt— die Kräfte eines einzigen Nienschen aus. Dieser Orchestermaschinist sitzt vor einem pultartigcn Gebäude, das eine entfernte Aehnlichkeit mit einer Orgelbank hat; es gehören dazu, gerode wie bei der Orgel oder Harmonium, Manuale und Pedale, BBRnBHPHOnBHneBBBBBaBBHBBI ferner Registerzüge, doch alle diese in viel größerer Anzahl, und dazu kommen noch andere zahllose Tasten, Hebel und Züge. Im ganzen sind es-13 Tasten(wenn man Tasten als Ausdruck für alle Arten der Anschläge zusammenfassend benutzt), die mit den Füßen getrieben werden, 160 Registcrzüge und 107 andere Tasten. Viele hiervon sind allerdings doppelt zu zählen, da sie sich beim An- schlage auf zwei Tiefen einstellen können und dabei ganz der- schiedene Töne auslösen. Die Manuale sind, wie bei der Orgel, stufenartig in vier Reihen angebracht; hinter und über ihnen liegt im Halbkreise eine Doppelreihe von weiteren Tasten. Das Spielen der ganzen Maschine erfordert keine körperliche Arbeit, wohl aber große Umsicht. Alles wird dabei natürlich elektrisch ausgelöst, und in dem eigentlichen Orchesterräume, der gut und gern als Ma- schinenraum bezeichnet werden kann, sind zahllose Hilfsmaschinen untergebracht, darunter ein elektrischer Motor von acht Pferdekräf- ten, der den Wind für die Orgelpfeifen und die Blasiustrumente erzeugt. Die kleinste der Orgelpfeifen ist etwa �eine Spanne lang, die größte 32 Fuß. Was das bedeutet, veranschaulicht viel- leicht am besten die Angabe des Fachblattcs, daß die kanadische Regierung im Küstendienste etwas kleinere Instrumente als Nebel- hörner verwendet, deren Ton 50 Kilometer iveit vernehmlich ist. Die Erfolge der künstlichen Fischzucht. Die Fruchtbarkeit der Fische ist bekanntlich ungeheuer groß; es werden sür ein Fischindividuum von einzelnen Forschern bis zu Hunderttausenden von Eiern angenommen. Da aber die Befruch- tung der Fischeier oder des Rogens in den allermeisten Fällen erst nach ihrer Ablage ins Wasser erfolgt, so wird der Reichtum an Eiern bei weitem nichi sür die Artcrhallung nutzbar, sondern nur ein ge- ringer Prozentsatz— ein Forscher veranschlagt ihn mit 8 Proz.— dient seinem Zweck. Die hieraus sich ergebende Beschränkung der natürlichen Ausbreiiung ist für die Lebensbedingungen der zur Entwickelung gelangenden Fiichindividuen von günstiger Wirkung, wenn nicht übermäßiger Fischfang die Entwickelung hemmt. Beim Verbrauch großer Fischmengcn für die mensch- liche Ernährimg muß daher weitgehender eine Bcfruchiung auch der übrigen Fischeier, die eine Erhöhung der Fischergebnisse zur Folge haben würde, sich als wünschenswert erweisen. Dies und die zu- gleich ermöglichte Pflege und der Schutz der Brut und Jungfische gegen die Fährnisse der ersten Lebcnsperiode hat die Methoden der künstlichen Fischzucht hervorgerufen, deren Anwendung sa heute all- gemein verbreitet ist. Interessant sind die Prozcntangaben über die dabei zur Entwicklung gebrachten Eier, die auch hier ein Ansteigen der Ergebnisse erkennen lassen. Die 155 Fischzuchtanstalten der Schweiz des Brutjahres 18S8/99 haben 41 983 500 Stück Eier ein- gesept und 32 905 200 daraus entwickelte Fische gezählt, also sind 78,38 Prozent der Eier befruchtet und zur Entwicklung ge- bracht worden. Eine entsprechende Angabe für daö Jahr 1915 läßt sild, wie dies Albert Heß in der Natuwissenslbafilichcn Wockcnschrift auch tut, aus den Berichten der schweizerischen Jnspcklion für Forstwesen, Jagd und Fischerei berechnen. Die Zahl der Fiscki- zuchtanstalten ist unterdessen auf 212 gestiegen. Interessant ist weiterhin dieselbe Betrachtung für die einzelnen Fischarten. Vom LackiS wurden 93,8, von der Seeforelle 91,2, von der Bachforelle 89,9, vom Bachsaibling 100,0, vom Karpfen ebenfalls 100.0, von der Aesche dagegen nur 72,9, vom Hecht 70.9 Proz. der eingesetzten Eier befruchtet. Der Durchschnitt für die Gesamtheit dieser und noch anderer Arten beträgt dann 82.2 Proz., bedeutet also eine Ver- befferung der Ergebnisse der künstlickien Befruchtung, die bei einzelnen Arien mit 100 Proz. sogar zur vollkommenen Lösung der gestellten Aufgabe wird._ Notizen. — Theaterchronik. Im Berliner Theater beginnt am 23. August ein Gastspiel bayerischer Feldgrauer. Sie werden zu- gunsten des Roten Kreuzes ein aus dem Feldleben erwachsenes Spiel„Der Hias*, das bereits in einer Reihe von Städten ge- geben wurde, aufführen. — K u n st ch r o n i l. Die Führungen in der Großen Berliner Kunstausstellung durch ausübende Künstler haben reges Interesse ge- funden. Donnerstag, den 17. d. M., 11 Uhr vormittags, führt Maler C Kahser-Eichberg, Montag, den 21. d. M., 11 Uhr vormillaa». Maler Wilhelm Beckmann. — Nickel in der Türkei. In Akkoya, 50 Kilometer vcn» Schwarzen Meer-Hafen Jneboli, soll nach der„Zeitschrift sür angc- wandte Chemie' eine Nickelgrube entdeckt worden sein, die eine un- gemeine Ergiebigkeit verspricht. Die neuentdeckte Nickelgrube be- findet sich im Bilahet Rastamuni, da? auch die größten Kupferininen der Welt besitzen soll. Seitens der türkischen Regierung ist auch be- reit« eine Ausschreibung sür die Erwerbung dieser Nickelgrube verfügt worden. Zur tot erklärt. Von E r n st W i ch e r t. 37) „Besinnst Du Dich, wie wir auf dieser Stelle zum ersten- mal als Brautleute zusammentrafen?" fing er nach einer Weile wieder an.„Es war, wie ich Dir gesagt hatte, daß ich Dich zum Weibe haben wolle, und wie Du mir die Hand ge- geben hattest, daß nichts in der Welt uns trennen solle. Da liegen noch die Steine, auf denen wir saßen, als die Sonne schon untergegangen war, und wir meinten's gewiß damals beide treu, und wer uns gesagt hätte, daß wir uns so einmal wieder hier treffen sollten—" Seine Stimme bebte; er kehrte sich mit einer raschen Wendung ab und zog den Hut tief über die Stirn. „Ich weiß alles," versicherte sie schmerzlich. Peter Klars wendete sich wieder zu ihr und ergriff ihre Hand.„Geh nicht mehr zurück zu Konrad," sprach er halb bittend, halb drohend.„Ich ertrag's nicht." Annika entzog sich ihm nicht.„Ich halte, waö ich ver- sprachen habe," sagte sie freundlich.„Morgen fahre ich nach der Nehrung." Er horchte auf.„Morgen— und allein?" „Allein— wenn Du mir das Kind nicht mitgeben willst, Peter." Er fuhr wild auf.„Soll ich mich auch von ihm trennen? Nimmermehrl" Annika senkte demütig den Kopf.„Wie Du willst— ich muß zufrieden sein." „Du kannst Dich trennen von dem Kinde?" rief er. „Annika I Hast Du kein Herz in der Brust? Von dem Kinde trennen I Und wem zu Liebe? Dem Krüger, der Dich über- listet hat, daß Du mir untreu wurdest. Soll er nun auch noch Mutter und Kind scheiden? Nein, Annika I Wir gehören zu- einander— mag er's wissen! Es ist kein Vergleich möglich zwischen uns. Sei mein, Annika, wieder ganz mein— und er wird die Hoffnung aufgeben, Dich doch noch gelvinnen zu können; er wird selbst das unselige Band lösen, das dann nur eine lästige Fessel für ihn ist. Aber Du mußt den Mut haben, Deinem Herzen zu folgen, und auf den Pfaffen nicht hören, der nur der reichen Krügerin zum Mund spricht. Was die Leute sagen, was kümmert uns das? Wir brauchen sie nicht. Und die meisten werden auf unserer Seite sein. Mut, Annika! Es kann noch alles gut werden." Sie schüttelte den Kopf.„Es kann nicht gut werden— so nicht, Peter." Er ließ sich auf den Bord des Kahns nieder und suchte sie an sich zu ziehen.„Verstoße mich nicht," bat er.leidenschaft- lich,„verstoße das Kind nicht wegen einer so kalten Pflicht, von der das Herz nichts weiß. Nimm uns mit Dir, Annika! Ich hole den Knaben— ich setze das Boot instand. Wir fahren zusammen hinüber nach der Nehrung, kehren in unser kleines Haus zurück, in das Stübchen, das all unser Glück gesehen hat. Und dann mögen sie kommen, uns zu trennen! Ich werde mein Weib und Kind zu schützen wissen. Und jenseits ist die weite See! Wenn sie doch Macht über uns haben, dort sind wir frei. Wir steigen auf ein Schiff und wandern aus— die Welt ist groß, Annika, und überall, wo wir zusammen sind, ist unser Glück und unsere Heimat." Ihre Brust wogte stürmisch; sie atmete schwer und hastig. „Und können doch nicht wieder sein, was wir gewesen sind," preßte sie mühsam heraus.„Du vielleicht, aber ich nicht. Ich habe gesündigt, als ich Dir treulos ward, und eine Sünde nimmt die andere nicht von mir.„Laß mich allein hinüber!" Sein Gesicht verzerrte sich.„Es geht nicht," sagte er unwillig,„ich kann's nicht überwinden." Sie setzte sich auf die Nuderbank hinter ihn und legte die Hand auf seine Schulter:„Vielleicht, wenn wir Geduld haben, Peter—" „Worauf sollen wir warten? Wir haben schon Jahre verloren." „Ich darf's seinetwegen nicht wünschen— aber Konrad ist krank—" Er wendete schnell den Kopf seitwärts und prüfte sie mit einem Blick, der ihr blitzartig durch und durch ging.„Hast Du auch schon daran gedacht?" zischelte er nah ihrem Ohr. „Still— still!" bat sie ängstlich. Sie erriet ihn nicht, und doch war sein ganzes Wesen so unheimlich, daß sie irgend- ein Unheil befürchtete. Der Matrose rückte noch näher an sie heran, indem er ihr Handgelenk mit seinen Fingern wie mit einem Eisenringe umspannt hielt.„Höre— ," flüsterte er noch leiser.„Er ist krank � lehr krank— es ist kein Wunder, wenn kranke Men- . schen sterben; hat man mich doch bei gesundem Leibe für tot I erklärt. Mas kann es ihm nützen, daß er sich mit siechem Körper und gebrochenem Herzen noch ein paar Jahre quält—? Wenn Du wolltest—" Sie stieß ihn mit Gewalt zurück, daß er vom Bord des Kahns forttaumelte.„Peter—" rief sie entsetzt;„denk an Dein Seelenheil! Noch ein solches Wort, und wir sin-d auch im Herzen geschieden!" Der Seemann schöpfte eine Handvoll Master und goß sich dasselbe über das Gesicht.„Es macht mich wahnsinnig," lallte er.„Er oder ich!" Annika war aus dem Boot gesprungen und machte sich nun eilig auf den Weg nach dem Dorfe zu. Klars folgte ihr einige Schritte; bald aber sah er ein, daß er sie nicht mehr einholen könne.„Tollheit, ihr's zu verraten!" grinste er.„Das ist nichts für Weiber. Wenn sie mich freilich liebte, wie ich sie— aber das ist vorbei." Er lehnte sich wieder aufs Boot, nahm die kurze hölzerne Schaufel auf, die ihrer Hand entfallen wir, und setzte niecha- nisch ihre Arbeit fort. Das Wasser war bald ausgeschöpft, zog sich aber, wenn auch langsam, wieder hinein.„Das Boot hat ein Leck," sprach er vor sich hin,„sie darf darauf morgen nicht fahren. Es wird ihr auch nicht so eilig sein." Er nahm sich vor, nächsten Vormittag den Schaden auszubessern und kehrte langsam nach>dem Dorfe zurück. Es. war ihm recht schlecht zumute, er wußte sich vor Un- behaglichkeit kaum zu lassen. Er hatte sich erschöpft in Liebe und Haß und fühlte nun in seinem Inneren eine Leere, die er sich vergebens bemühte, durch irgendeine befriedigende Emp- findung auszufüllen. Annika war nicht gewonnen— sie war so gar nicht zu gewinnen. Was er aber bei ihr verloren, indem er voreilig seine schlimmsten Gedanken preisgab, machte ihn noch unruhiger.„Man denkt's wohl," murmelte er unwillig vor sich hin,„aber man tut's deshalb noch nicht, und wenn ich ihr's sagte, so war's doch nur, als ob ich zu mir selbst sprach. Verdammt! Innen sieht's hell aus, wie ein Leucht- feucr, das den Hafen anzeigt, und wenn das Wort über die Lippen geht, ist's schwarz und häßlich zum Grauen. Freilich — wer kann für sich gut stehen? Wenn sie drüben ist auf der Nehrung— so nah, nur diese Wasserrinne trennt uns, und ich darf doch nicht hinüber— seinetwegen— I Und da steht er im Wege morgen und übermorgen und alle Tage— wer weiß, was geschieht?— Nein, es ist nichts für mich mit den Heimlichkeiten. Grad heraus ioll er mir Rede stehen, und dann wird sich's entscheiden zwischen uns!" (Forts, folgt.) Deutsches Theater. Allabendlich 81/, Uhr: Die Familie&chlinek. Johannes Nepomui Zawadil: Max Pallenbers-. Ii amm ersp ie 1 e. Donnerstag, Freitag, zwei letzte Aufführungen: S'/jU.: Der Floh im Panzorhaus. Sonnabend, Drstaiifnihrmig: 8 U.: Dia Liebesinsel(Lustspiel). In der Hauptrolle: Hofburg- Schauspieler Arnold Horfk. Voiksbüiinu. Tueater a. Bülawpl. Allabendlich S'/jUhr: Derlongleur. (Thomas Meck; Hans WaDmann.) Dir. Meinhard-Bcrnauer. Theater i. d. ICösilgsrätzerStr. 8 Uhr: Fia Trauunspicl. 8'/4 Uhr: Der 7. Tujj. U&rUnBi1 TSisats? 8V2: Wenn zwei Hochzeit machen! l LesswN-�KeNtsr. AUabsndlieh 8�/. Uhr: QumpseivsFsduntZns. Solnrnerpr. Feine Vorverkauf sgeb 9N!!5ck.MZt!8?'7!lZAt8r. Allabendlich 8'/. Uhr: OZs«sIZAS Exzellenz URANIA Xaabonstr. 48/49. 8 Uhr- Äetupten�erSaezkaual und der fellkrieg. Walhalla-Theater. 8'/4n.:Das Warenhaus-Fräulein. l'/a Uhr: Garteu-Norilelluug. Theater am Donnerstag, den 17. August Uesitlenzs-Theatcr Deutsches Operobaus, Cbarlottenb. 8 Uhr: MlgnOö. anH�g. frlsdricb-Wilhelnistädt. Theater 8j/4 u.; Das Dreimärisrüiaus. Gehr. Herrnfeld-Theater. S'lt Uhr: Wachsmanns Hühnerhof. liieincs XUoater 8j/« u.: Eliesanatorlum. Komische Oper 8'/. U.: Der selige Balduin. Lustspielhaus �u.fßraüclibar K Pix. Metropol-Theater 8i/Ju.:i!ieWliErzßpv.Gerolst Gastspiel Maximas Rcnö. sv, u.: FFieden im Krieg. Schlller-T. Chaclottenb. s uhr: ÄH-Heidelberg. Thalia-Theater sv. u.: ßlondinehen. Theater am iKollcndorfpl. «v. u.- immer feste draff! Theater des Westens sv. u.: Das GlQeksmädel. Trlanon-Xbeater SV. u.: Die Slroliwilwe. V olgt-TIaeater. Badstr. SS. Badstr. 53. WW" Täglich Um Ehre u. Liebe. Erstlteps larietfi-PruiiriniiE Ansang 5 llhr. SonntagZ 4 Uhr. Tägl. 8 Uhr. Lonnt. 3'/, u. 8 U. Nur noch bis 31. August mit R. Steidl, Anna Uülfor-Lincke, Otto Seutter usw. Casino-Theater, Lolhringsr Str. 37. Täglich 8»/. Uhr. Einzig in seiner Art in Grog-Berlin. Berfiner Humor In ernster Zeit. Meine gute Olle. Orlginal-Posse in 3 Auszügen. Vorher erstklassiger hunter Teil. Wehling-Loia Liehüoh- Runkel- Rappo Relehshallen-Theaier. Ststtiner Sauger. Schippers Heimkehr Militärische Humoreske von Hör st. Ansang 3 Uhr. Für SDiilitörper« ioiten freier Eintritt zu deu Stett. Sängern. s- Emsii'Ilisglss- LinieostraSa a. d. FnodrichstraBe. Täglich 81/. Uhr: Gebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. Admiralspaiast. Das herrliche Eisballett �frau �antaste. �Anf. 9 Chr. 2,», 4 M. RosesTheater, s-i.u.: Me Mttt ohne Wuuer Dartenbühne: Rs gibt nur ein Berlin. Zigaretten direkt ah Fabrik, völlig versteuert. 1,8 Pf. 1000 atck. 13,— IA 3 Pf. 1000 Stck. Ich— IB 4,2 Pf. 1000 Stck. LA— 10 0,2 Pf. 1000 Stck. 37,50 ID Versand u. Verkauf von 100 St. an geg. ifaohnahme; ins Feld nur gegen Voreineendzmg. Zigärettenfab.Wilh. Schnur Berlin N. 39. Chausseestr. 80. Tel.: Horden 11760. Geöffnet Werktags von 8— 6 Uhr.* Prima Würstchen 100 St. 17.50 100 St. 15.00 100 St. 12.50 Blutwurst, best. Ger. Schinken kg 600 Mottwurst kg 4.80 Kneblauchwurst kg 4.00 Kilo 3,40, von frischem, Nach»., Eilpoft-Veis. Zwickau i. Sa. 19 FOVEMJX RAUCHTABAKE Überall erhältRcb l.d.2. Beri. EeiehstagswaWkms. Bezirk 42. Am 10. August 1916 ertronf bei der Rettung einer Ertrwte»- den in Königsberg unser Genosse, der Photograph Moritz Bierich Steglcher Slr. 54, Landft.-Landlochr-Jns.-Neg. 3. Ehre seinem Andenken 1 Die Beerdigung findet heute Donnerstag, nachmittags 5 Uhr, aus dem Garnison- Friedhof, Hasenheide, statt. Um rege Beteiligung bittet 206/15 Der Borstand. KliteWiikMfei' Wa!ii?Eres d. ß.BeFÜeichstagswaMkreis. 22. Abt Bez. 772a. 3fachral. Am Sonntag, den 13. August, verstarb unser Genosse, der Dreher RaaZ SttimpS BarsuSstr. 16. Ehre seinem Andenke«: Die Beerdigung hat bereits am Mittwoch, den 16. d. Mts., statt- gesunde». 227/20 Der Vorstaad. ScziaidefflckralisdiEF WaMveraii! fieukßün. Am 13. August verstarb unser| Parteigenosse Wilhelm Sander Wemzütstr. 18, 22. Bezirk. Ehre seinem Andenken: Die Becrdigmig findet heute S den 17. Angusl, nachmittags j 4 Uhr, aus dem Gememdesriedhos, s Mariendorser Weg, statt. Der Torstaad. ÜKtsehii' HEtaliarheitEP-Vertam! i Verwaltungsstolle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht,! dag unser Kollege, der Klempners Wilhelm Kmemer Neukölln, Münchener Str. 30, am 6. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 121/12 Die LrtSverwattnng.| Ganz plöhkch und unerwartet starb am 11. August an Lungen- culzündung mein lieber Mann, der Former Paul Arndt ArmicrungSjoldat bei der Ar- mierungSersah-Komp. Soldin. D!eS zeigt in tiefem Schmerz an Frau llorio Arndt, I Siemeuöstr. 13. Die Beerdigung hat bereits stall- � gesunden. 130A � »au>«aj,, i in i i Danksagmig. Für die vielen Beweise der herz- tichen Teilnahme bei der'Beerdigung meines lieben Mannes und nnscres guten Valers, sagen wir allen Teil- nehmern. Verwandten und Bekannten sowie�dcm Verein der Fieten Gast- und Schaniwirte unseren tiesgesüht- ten Dank. Witwe Marie Schneider nebst Sofiaer:. AanKstguug. Für die oieioi Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes 13SA kMctirich Wasewitz sage ich allen daran Beteiligten aus diesem Wege meinen innigsten Danf. Cran Minna Wasewitz. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 83-85. Telephon: Amt Norden 135, 1239, 1987. 9714. Bureau geössuet von 9—1 Uhr und von 4—7 Uhr. Achtung, Eisendreher! Tonnerstag, den 17. August 1016, in den MufikersAeu, Kaiser-Wilhelm-Straße 31: vekttauenZwJiiner- Konferenz. Jeder Vertrauensmann musz anwesend sein. Achtung! Die Konferenz der Maschtncusrbeiter mld Arbeiterinnen findet in diesem Monat nicht statt. 121/13 IM« Drtsverwaltnajj. 41 im eit im Busch • sitzt der Feind— and sieht mich nicht! Darum beherrscht die naae Original- 1025L* „Fe s* bi s c e i rt"-Taschenlampe den Markt. Muster Mk. 4.59. Wiedarverkäufer Rabatt nach Beziig so. Eleklriselie Kleiubeleiielilaiig, ßsrlin, s�ol�v' Große Berliner Straßenbahü, Banptwerkstatt Blerstf. 9. 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