Nr. 193.- 1916. Unterhaltungsblatt öes vorwärts Freitag, 18. August. Der lchte Traum. Die Schwester warf noch einen besorgten Blick auf den Kranken. dessen bohle Wangen hockgerölet waren und dessen Brust sich schwer hob. Dann wandle sie sich einem anderen Lager iru, aus dem ein leises Stöhnen kam und beugte sich liebevoll über den wunden Menschen in den gerwühlten Kissen. Die Nachmiltagssonne fiel weist über die Dielen des Saales und huschle gagbast und scheu über die Betten. Der Kranke mit den hohlen und fieberheisten Backen blinzelte verloren in die matten Strahlen, die wie zarte Hände über seine feuchten Haare strichen. Er versuchte mühsam, seine verworrenen Gedanken zu ordnen, Klarheit iir den dunklen Wirrwarr zu bringen, der unter seiner Schädeldecke unaufhörlich brodelte. Er mühte sich vergebens. Die ruhelosen Gedanken schwirrten durcheinander, die Bilder hetzten sich. eine qualvolle Unruhe zermürbte ihn und warf ihn im Bett hin und her. Es war ihm immer, als habe er etwas verloren, das er suchen müsse, aber er konnte nicht finden, wo, und wustte nicht, was es war. Plötzlich hatte er die unklare Vorstellung, er liege an einem kühlen See. Er wollte untertauchen, dort unten suchen, lies in der wohltuend er� frischenden Flut, wollte baden, nast werden, sich trocknen lassen an der Sonne, rein werden, aufatmen, lief, Waldduft einatmen wie in der Kindheit.— Erinnerungen, blitzhaft, tauchten auf, tauchten unter, Vorstellungen von Erlebtem mischten sich bunt mit Fieberträumen und krankhaften Gebilden seiner Phantasie. Und inimer fühlte er feinen Körper, lastend, schwer, bleiern, wollte ihn abschütteln, frei sein, schweben, schweben in den blauen Himmel, zu dem die Sonnenstrahlen in tollem Wirbel tanzten durch das halbgeöffnete Fenster. Von dem Geiübl des Daseins befreit sein, oder einen roten Mund in wilder Lebensgier, unersättlich, küssen, auf Berge steigen und in die Täler winken und grüsten, wo die Brüder die Sense im reifen Korn schwingen, die Sense... o Bruder Tod... Bruder--- da blieben seine irrenden Augen plötzlich starr aus einen Punkt gerichtet, er lag ganz still, seine Stirn glättete sich, seine Brust wurde ruhiger... er schälte mühsam aus dem nebelhaften Vorüberziehen von vergangenen Eindrücken und traumhaften Wünschen sein letztes Erlebnis. Es war ein klebriges, taufrisches Feld, das sie überquerten. Die Sonne witterte man irgendioo hinter den blendenden Wolken ver- steckt.„Als schritte man durch Blut," dachte er damals, er wustte es wieder genau, hörte wieder das Grollen der Geschütze und das Zischen der Kugeln. Trostlos zerfetzte Bäume starrten in der Ferne wie Erbarmen heischend zu dem stummen, verhängten Himmel. Es ging vor. Dies, nur dies, war in das Bewustlsein aller gepreht, auch in � seins wie hineingehämmert. Es. ging vor. Er wustte weiter nichts. Die Welt versank allmählich. Damals— wie lange war es her... sagten die Kameraden, beim Ausrücken aus der heimatlichen Kaserne, als die Musik spielte: Jetzt geht es ran an den Feind! Unklare Vorstellung.. grausige Wahrheit geworden... Kamerad, Mensch... WaS ist Dir?•.. Em Röcheln... Blut... lebloser Körper... er dachte, wohin entflieht deine Seele? er rannte, spürte plötzlich die Schwere der Palronen... sah aufzuckende Ranch- Wölkchen... warf sich nieder... rannte... warf sich nieder... Dann�war er nicht mehr er selbst. Er lug irgendwo... etwas Schweres über ihm, das zuckle und warm war und rieselte... er hob die Hand... er rist die Augen auf... Tag blendete... seine Hand war rot... ein Mensch lag über ihm... er rist seine ganze Kraft zusammen und zerrte sich vor unter dem schweren lastenden Leib... ein Stöhnen entquoll ihn: und dem Fremden bei dem plötzlichen Ruck... Dann, er wustte nicht, wachte er, träumte er, lebte er, traf ein gehauchtes Wort iein Ohr. das er nicht ver- stand, nicht verstehen konnte, das er nicht cber begriff, als bis eS sich immer wieder wiederholte, wie Bitte, Hilferuf, Sehnsucht, Seg- nung... äs 1'sau... morr lrers... vnon fröre...(Wasser... mein Bruder). So wen war er mit seinen Gedanken gekommen, da packte ihn wieder die Unruhe, etwas Verlorenes zu suchen, peitschte ihn auf, dast er im Bett jäh emporsuhr... Die Schwester lief zu ihm. �„Wissen Sie,_ was aus ihn: geworden ist, wissen Sie..." schrie er ihr fast entgegen. Sie legte ein ieuchles Tuch um seine heiste Stirn und drückte den Ermatteten sanft in die Kissen zurück. Traum kam, tiefer Traum, tiefe Ruhe. Sein friedloses Gesicht wurde friedlich... Er sah im Traun: ein goldenes Seil, gedreht aus Buchslaben. Er buchstabierte, mühsam, lallend mit schweren Lippen, suchte die merkwürdig verschlungen Zeichen zu entziffern: hf. 0,?l, F, E, E, E,®, rnon fröre... es war ein unendlich langes Seil, zu dicken Knoten oftmals verschlungen, auf denen ebenfalls dies Wort stand. Es hing vom Himmel herab, blau strahlender Kuppel, herab in das kämpfende Menschengewimmel über der zer- stampften Erde, es irrte über den Schlachtfeldern hin und her, wie von einer unsichtbaren Hand geleitet, und zuckende Hände von Sterbenden, Verröchelnden griffen nach ihm, mit der letzten Anspannung ihrer Kräfte erhaschten es oft, zogen sich an ihm hinauf, hinauf... er konnte nicht sehen, wohin, aber es mustle eine Ställe seligen Friedens sein, das ahnte, wustte er, eine Stätte der Zuflucht und des Ausruhens nach dem Leiden der Erde, eine Stätte der Sehnsucht und unaussprechltcher Lcebe. Und auch er, winziger Körper in dem rasenden Gewimmel aufeinander prallender, junger, bald zerfetzter Menschenleiber griff nach dem Seil, er sah seine blutige, gereckte Hand, und der Körper über ihm, der so schwer, so schwer lastete, das er ihn fast erstickte, hob auch eine Hand, die wie seine aussah, und griff auch nach dem schwebenden Seil... beide haschten es... es schlvebie über ihnen, tvar plötzlich weit über anderen Teilen des riesigen Schlachtfeldes, schwebte über Leichcuhügeln und Hauten Verstümmelter, und seine Knoten mit den goldenen Buch- staben von mou fröre leuchteten zu ihnen, bis cS wieder selbst da war. ganz nahe, und der Fremde über ihm es erhaschte, festhielt, es liefer zog zu seiner eignen, nach dem Seile lastenden, aber so kraft- losen Hand, sie fest uin das Seil schlost, an dem sie beide, von wunderbarer Macht getragen, hinaufglitten, wohin... wohin... Tie Sonne war verschwunden. In trübem Lichte lag der lange Saal. Em Aechzen verklang und verging mit dem letzten schmalen Sonnenftreifen, der gerade über das Bett des jungen, fieberheisten Kranken gefallen war, und den nun Schalten dunkel überwuchien. Der junge Mensch lag ruhig in seinem Bett, fein heistes Gesicht war weist geworden, die eingefallenen Wangen noch liefer, sein ruhe- loser Blick war starr, die Hände, die immer voller Unrast an den Kissen zerrten, zwei weiste, kalkige Hände, waren merkwürdig steif nach oben gereckt mit gekrümmten Fingern, als wollten sie etwas Unsichtbares haschen, greifen das über ihnen hing... Die Schwester beugte sich erschüttert über den jungen Toten. Hans Gathmann. Die jährliche pilZwarnung. Nachdem im Laufe des Jahres schon aus verschiedenen Teilen des Landes Nachrichten über Pilzvergiftungen eingelaufen waren, sind kürzlich auch in eineni Vororte von Berlin drei Mitglieder einer Familie einer Pilzvergiftung erlegen. Eine Statistik der Pilz- Vergiftungen im vergangenen Jabre, die G. Dilirich in den Berichten der Deutschen Botanischen Gesellschaft veröffentlichte, ergab, dast in Deutschland im Jabre 1915 nicht weniger als 248 Personen nach dem Genust von Pilzen erkrankt und 85 von ihnen(darunter 52 Kinder) gestorben sind. Diese Zahlen treffen sicherlich nicht alle Vorkommnisse, da viele Fälle dieser Art teils nicht in die Zeitung koinmen, teils nicht richtig erkannt werden. Mögen diese Zahlen nun auch gegenüber der Gcsamtbevölkerung glücklicherweise sehr gering erscheinen, so sind sie doch sehr viel gröster, als z. B. die Todesfälle durch Blitzschlag. Während nun aber zahlreiche Personen an einer ganz übertiiebenen Blitziurcht leiden, wird gegenüber den Pilzen nicht selten eine unverantwortliche Leichtfertigkeit beobachtet. Ein erheblicher Teil der Schuld trifft gewisse, alljährlich erscheinende Zeilungsartikel, in denen die Pilze als billiges Volksgericht gelobt werden, und die Unterscheidung der wenigen Giftpilze als gar nicht so schwierig hingestellt wird. So lasen Ivir in einem solchen Artikel erst kürzlich wieder den Rat erteilt, sich die nötigen Kenntnisse auS Büchern anzueignen, wenn man keinen Sachverständigen an der Hand habe. Dast es möglich ist, sich ans noch so gut illustrierten Büchern allein so weit über die in Betracht koizjntenden Pilze zu unterrichten, dast jede Gefahr der Pilzvergiftung ausgeschlosseu wird, must Schreiber dieser Zeilen aus das bestimmteste bestreiten, und zwar auf Grund seiner mehrjährigen Beobachtungen bei Pilz- sammlern„aus frischer Tat". En: anderer Teil der Schuld ist auf eine Art Aberglauben zurückzusübren, der gewisse Kennzeiche» als sichere Anzeichen der Giftigkeit oder Estbarkeil von Pilzen aufgestellt hat. Viele Frauen im Volke legen ein besonderes Gewicht darauf, ob.ein silberner Löffel beim Kochen mit de» Pilzen anläuft, ob die Pilze selbst nach dem Aufbrechen blau anlaufen usw., und es muh immer wieder von neuem betont werden, dast diese Hausmittel weiter gar nichts beweisen, als eben den betreffenden Aberglauben. Viel günstiger wirkt der verbreitete Brauch, das erste Abkoch- Wasser wegzugietzen, aber er schadet auf der andern Seite wieder dadurch, weil geglaubt wird, dadurch jeden giftigen Pilz zu ent- giiten. Aber gerade gegenüber dem giftigsten von allen, den: Knolleii- blälterschwamm, versagt das Mittest Dieser Pilz wird in der Regel mir deni Champignon verglichen. Nachdem nun aber wohl schon jeder Schuljunge weist, dast die Lamellen, die zarten Blättchen aus der Unlerseile des Pilzhutes, beim Champignon bald schokoladen- braun anlaufen, WaS sie bei dem Giljtpilz niemals tun, ist die Ge- fahr dieser Verwechselung sehr gering geworden. Dafür ist eine andere, sehr gefährliche Verweckiselnng häufiger gelvorden, auf die auch in der oben erwähnten Statistik eingegangen wird, nämlich die Verwechselung des estbaren Grünlings mir dem Knollenblätter- schwamm. Dieser bei Berlin leider sehr häufige Giftpilz glänzt inetstens durch die verführerische Weiste der llnschnld, oft genug aber ist er auch oberwärls grünlich überlaufen, io dast er für den nicht sattelfesten Pilziammler gefährlich ivird. ES sind im abgelauienen Jahre allein achtzehn Personen durch diese Verwechselung umS Leben gekommen. Es ist schon richtig, was man immer von neuem zu lesen bc- kommt, dast die Zahl der Giflpilzarten zieinlich beschränkt ist, allein die Zahl der Individuen ist sehr grost,»iid bisweilen sieht man in eineni Walde fast nichts als Knollenblätterickiväinnie. Auch der Giftreizker ist in vielen Wäldern bei Berlin lehr häufig, und ivir haben einen Mann getroffen, der ihn als estbaren Reizker cinge- sammelt hatte. Man must ferner berücksichtige», dast die kundigen Pilzsammler früh aufstehen und die Wälder abgrasen. Koinmen nachher die Neulinge, dann ist die Gefahr für diese um so gröster, weil eben die ungeniestbaren Pilze fast allein stehen geblieben sind. Diese Zeilen sind nicht gcichrieben, unr den Genust von Pilzen zu beeinträchtigen. Der Genust der cstbarcn Pilze verdient an sich jede Förderung. Aber einige Grundregeln must sich jeder Pilzjrcund einprägen: Aus Büchern und Abbildungen allein lernt man keine völlig sicheren Unterscheidungen zwischen estbareu und giftigen Pilzen. Man must sich unbedingt durch eine» erfahrenen Pilzkenner ein- führen lassen. So lange, bis eine Gelegenheit dafür da ist, soll der Neuling die Hände von den Pilzen lassen. Hat er eine kleine Anzahl schließlich sicher kennen gelernt, io ioll er bei dicscn bleiben, und niemals auf eigene Faust die Zahl der zu sammelnden Pilz- arten vermehren, mögen sie auch»och so verlockend aussehen. Rat- schläge, wie man Giftpilze mit Hilfe von silbernen Löffeln und ähnlichen Talismanen fernhält, bore man geduldig an(denn der Etteiler solcher Ratschläge ist unkuricrbar!), befolge sie aber ittchl. kleines Feuilleton. Der Krieg und Sie Musik. Artur Nikisch ist über die Wirkungen die der Krieg aus die Musik haben kann, besragt worden. Er hat darauf nach dem„Berl. Tagebl." geantwortet: „Ich glaube nicht an einen unmittelbaren Einfluß des Krieges auf unsere schaffenden Tondichter und würde einen solchen Einfluß für sehr bedauerlich halten. Man kann bisher nicht sagen, dast der Krieg auf die Musik seine Wirkung geltend gemacht hat, und dabei wird es hoffentlich bleiben. Natürlich gibt es bereits eine llmnaiie von Tonstücken, die sich auf den Krieg beziehen, aber diese Be- ziehungen sind meistens rein äußerlicher Art, und für die Kunst kommt dergleichen Nicht in Betracht. Selbst unsere Komponisten mit klangvollstem Namen aber haben mit ihren Werken, die im Zusammenhang mit dem Kriege entstanden siqd, vollkommen versagt. Diele Werke sind allesamt wenig, erfreulich und können niemanden ernstlich besriedigen." Der anerkannte Orchcsterleiter, dem über diese Dinge sehr wohl ein begründetes Urteil zusteht, verneint also eine schöpferische Ein- Wirkung des Krieges auf die Musik. Erfreulicherweise bestreitet er aber auch andererseits eine ver- flachende Wirkung des Krieges auf den allgeineinen Musikgeschmack. Er glaubt nicht, dast die ernste Musik Schaden-nehmen wird zu- gunsten der Operette etwa. Vielmehr stellt er fest:„An allen Orten, wo ich ernste, klassische Musik, Bach, Mozart und Beethoven zu Gehör gebracht, habe ich eine ganz besondere Hingabe und an- däcktige Stimmung des Publikunis bemerkt.' Man kann erfreulicher- iveise mit Besiinimtheit sagen, dast die Vorliebe für das leichte Genre in der Musik nicht zugenommen hat." Notizen. — Theaterchronik. Im Theater in der Königgrätzer Straße gelangt im Lause des September als erste Neuinszenierung der komincnden Spielzeit Henrik Ibsens„Wildente" zur Aus- sührung. — Charles G u c u x f. Vor einigen Tagen starb in einer Vorstadt von Brüssel der belgische Volksdichter Charles Gueux, eigentlich Charles Guillaume, der aber den Namen Gueux(Bctttcrl angenommen hatte, um seine Zugehörigkeit zum Volke darzutun. Seine Lieder wurden in allen sozialistischen Kreisen gesungen, und er war der anerkannte Dichter des arbeitenden belgischen Volkes. Lange Jahre war Gueux von schweren Leiden heimgesucht, die ihn: nur geringe Zeit zu dichterischem Schaffen übrig ließen, doch benutzte er die kargen Freistunden, die ihm seine Krankheit und seine Beschäftigung in der Redaktion des sozialistischen Blattes„Le peuple" gewährte, um seine„Geschichte des revolutionären Liedes" fertig- zustellen. Zur tot erklärt. Von Ernst W i ch e r t. 38] Er hoffte im Kruge oder im Dorfe nochmals mit Annika zusammenzutreffen und sie beruhigen zu können. Aber auf dem Hofe erfuhr er, dast sie den kleinen Peter abgeholt habe und mit ihm fortgegangen sei. Von den Ztachbarn hatte niemand sie beinerkt. Annika hatte den Kleinen auf den Arm genommen und ihn durch das Pförtchen neben der Scheune hinausgetragen auf die Wiese, wo die vielen schönen Blumen wuchsen, von denen er ihr täglich einen Strauß ins Krankenzimmer hinauf- gebracht hatte.„Im Wald ist's noch viel schöner," hatte sie ihm gesagt, als er verweilen wollte;„Du kennst den Wald noch gar nicht." Sie faßte ihn bei der Hand und führte ihn durch die Kornfelder und die Wiescnraine um das Dorf herum nach dem Birkenwäldchen, das sich so anmutig am Flustufer hinabzog. Dort war sie ganz ungestört. Sie wollte ja nichts niehr, als sich noch einmal ihres Kindes erfreuen und von ihm Abschied nehmen. Auf dem eiligen Gange vom Haken nach dem Kruge hatte sie ganz eigene Gedanken gehabt; so plötzlich sie ihr gekommen waren, so sicher fühlte sie sich doch darin. Sie sagte sich, daß sie doch allein die Schuld an allem Unheil trage, weil sie nicht fest den Weg gegangen sei, den ihr das Herz gewiesen, und daß nun noch mehr Unheil folgen werde, wenn der Streit der beiden Männer um ihren Besitz sich fortspinncn dürfe. Konrad werde sich in Geduld� fügen, aber in Sehnsucht hinkranken und auf seine geheimen Wünsche doch nicht verzichten. Und Peter Klars— er fügte sich nicht; jetzt war es gewiß. Wohin war es schon mit ihm gc- kommen? Sie hatte gehofft, beide Männer zum Verzicht zu vermögen, aber schon war kein Zweifel, daß sie sich arg täuschte. Wenn ihnen keine Hoffnung mehr blieb, einander abzuringen, was keiner dem anderen gönnen wollte, dann reichten sie viel- leicht einander die Hand zur Versöhnung und gedächten auch ihrer in Frieden. Es war ihr nicht anzumerken, was in ihr vorging. � Mit heiterem Gesicht spielte und scherzte sie mit dem Knaben, suchte ihm Blumen oder kleine bunte Steinchen, sang ihm Lieder, erzählte ihm Märchen, half ihm die schlanken Birkenstämme binaufklettern, oder versteckte sich hinter dem dichten Wachotderstrauch und ließ sich suchen. Der kleine Peter hatte keine Ahnung, daß geschieden sein sollte. Erst als er nach einigen Stunden müde ivurde und auf ihrem Schöße ein- schlief, wehrte sie den Tränen nicht und bat Gott laut und inbrünstig, daß er sich des Kindes gütig annehmen und es vor so schwerem Kummer bewahren möchte wie der ihre. Und dann, als die Sonne untergegangen war und der Wald dunkelte, schlug sie ihr Tuch um den Knaben und trug ihn nach Hause. Sie brachte ihn sorgsam zu Bette, ohne die Magd, in deren Kammer er gewöhnlich schlief, aus der Ruhe zu stören, küßte ihn noch einmal herzlich und ging hinaus. Auf dem Hofe nahm sie von dem dortigen Vorrat eine Stange und machte sich mit derselben aus den Weg nach dem Haken hinaus. Sie begegnete unterwegs niemand. Dann schob sie mit Aufbietung aller Kräfte das Boot in die Flut, stieg ein und stieß es mit der Stange vom Ufer ab. Sie stand niit den Füßen im Wasser, aber sie achtete nicht darauf. Die Stange immer wieder auf den flachen Grund setzend und sich weiter fortschiebend, brachte sie das kleine Fahrzeug bald auf das offene Haff hinaus, über dem ein dichter Nebel lag. Nach wenigen Minuten war nur noch eine dunkle Masse bemerkbar, die mehr und mehr verblaßte und hinter der Nebelwand ver- schwand. Ueber Konrad Hi lg ruber kam in dieser Nacht kein Schlaf. Er hatte gehofft, Annika würde sich doch noch einmal ein- finden und sich gütlich zusprechen lassen; da sie aber nicht kam, mußte er's für gewiß halten, daß sie schon den letzten Abschied genommen hatte und sich von ihin nicht mehr sehen lassen wolle.„Sie wird zur Nachbarin gegangen sein," dächte er,„wo sie schon die erste Nacht zubrachte; ich war unfreundlich gegen sie, und sie hat Grund, mich zu meiden." Er legte sich hin, aber der Husten quälte ihn und trieb ihn wieder auf. Wie wird das Leben sein ohne sie—? überlegte er tausendmal; wenn Klars billig wäre, es gäbe vielleicht doch einen Ausgleich. Früh am nächsten Morgen verließ er sein Zimmer und den Krug, um den Matrosen aufzusuchen. Es war sein erster Ausgang. Er erfuhr, daß Klars niit Handwerkszeug, Holz und Nägeln nach dem Haken hinausgegangen sei, um das Boot instand zu setzen, aus dem Annika hinüberfahren wollte. Kon- rad entschloß sich, ihm zu folgen. Schon eine Strecke vor dem Haken kam Klars ihm ent- gegen, offenbar sebr eilig und aufgeregt. Er stutzte, als er Konrad auf sich zuschreiten sah, und blieb stehen.„Wo ist Annika?" rief er ihm entgegen. „Ich weiß es nicht," antivortete Konrad, mühsam atmend, „sie war die letzte Nacht nicht im Kruge." „Nicht im Kruge—! Aber Ivo sonst?" „Wahrscheinlich im Nachbarhause. Sie wollte heute naa) der Nehrung übersetzen." „Ganz recht, das wollte sie. Aber das Boot ist fort." „So wird sie schon gefahren sein und ihre Sachen nach- kommen lassen." „So früh? lind ihre Sachen sind noch im Kruge?" „Ich glaube wohl." „Und das Kind?" „Es schläft noch. Tie Magd besorgte sein Frühstück, a!S ich ging." Klars sah finster grübelnd zur Erde.„Sonderbar— io früh— und ohne Abschied— und ohne das Kind—? Das Boot war leck." „Tie Fischer werden es untersucht haben," meinte Kon- rad.„Vielleicht ist's auch auf dem Fluß nach dem Torf ge- bracht zur Ausbesserung vor der Fahrt— und Annika noch daheim." „Vielleicht."— Er ging einige Schritte zögernd weiter und machte dann wieder Halt.„Und was willst Du hier?" „Ich suchte Dich." Peter Klars sah mißtrauisch zu ihm auf.„Mich?— Tu hast Grund, mir aus dem Wege zu gehen." Der Krüger trat näher.„Ich habe Dich nicht kränken wollen," sagte er mild.„Wir waren ja auch Freunde." „W a r e n—" „Und könnten noch jetzt freundschaftlich gegeneinander handeln und uns das Mißgeschick erleichtern, das uns bc- troffen hat— uns und ihr—!" Der Matrose wendete sich trotzig ab.„Was willst Du von mir?" „Mit Dir vernünftig wegen Annika sprechen, Peter." „Pah— vernünftig! Was heißt das? Ich kann nicht nachgeben." „Wenn Du Mitleid mit mir haben wolltest—" Es lag etwas in dem Tone, mit welchem diese Bitte sich äußerte, das Peter Klars nicht ungerührt ließ. Er zog die Augenbrauen finster zusammen und blickte, sich abwendend, zur Erde, ohne zu antworten. (Ochlust folgt.) Lesen Sie clles zweimal. Di-Nawr bat dem Menschen die Auam zegeven, damit er gut sehen kann, nicht aber damit er Be- schwerden davon haben soll. Die Augen aber dürfen am wenigsten ungestraft überanstrengt werden, denn viele Beschwerden, die anscheinend nichts mit den Augen ,u tun haben, können dennoch durch deren Uebdranstrengung hervor- gerufen werden, besonders Kopfweh, Nervosität, Schwindelanfälle und Uebelwerden. Nur gute Augengläser können Sie davor schützen. Aber die Hauptsache ist, daß Ihnen Ihre Gläser ganz genau passen und fest aber absolut richtig sitzen. Dafür garantieren wir Ihnen! Unsere modernen Formen sind überau» Ileid- sam. Vi« Atizettt>nt«rs«d>»«g ist kost««!»». Wir garantieren für Pasten der Gläser und was ebenso wichtig ist, für guten Sitz. Unsere Dienste aber gehen noch weiter, denn wir garan« tieren für unsere Einfassungen von M. 4.50 auswärts(ohne Gläser) 1. 2 und S Jahre und machen Ihnen in dieser Zeit all« Aepanat«»«»««»sonst. Ausgenommen davon ist Bruch der Gläser, der Horn- und der Schildpatt-Deile. Ja, selbst wenn die garantierte Fastung, sei eS auch durch Ihre eigene Schuld, so zerbrochen wird, daß eine Reparatur nicht mehr lohnt, so erhalten Sie gleichwertigen Ersatz umsonst. Sind"» die Augen, Qeh' za Ruhnke J OpiIl£.er Jten: WWSWN$(12 am Zoo. c. Am Alexander-Platz nebe» ilfchinger W Leipziger Str. tt». «a e Mauer-Etr. 1SJ\Y7 Friedrich. Str. 160, Ecke Mauer-Str. IN W• Dorotheen-Str. Friedenau: Spittelmarkt, eile W-ll-Etr. Link-Str.!, kikc?-t»d-««r.«tr. � Thaussee-Str. 72 SC),' 8 r iedri�ch-St r� 1 SO.' Juvaliden-Str. 1S4, Charlottenburg: Rhein-Str. 18, Eck« Kirch. gegenüber der Kaiser-Eich«. nahe Oranien-PIay Ecke Tnuben-Str. Ecke Lrunaea-Str. Tauentzien- Str. 15, Eck« Marburger Str. I oachim»th aler Str. 2, am Bahnhof L»o. tdenruelie» Dkerrter. �Ilabsnaiiob 8'/, lllbr: Hie familie dicliiinok. Johannes Nepomuk Zawadil: Max Pallenbers:. Kammerspieie. 8'/z Uhr: Letzte Aufführung: Der Floh im Panzerhaus. Sonnabend, Erstaufführung;: 8 U.: Die Liebesinsel(Lustspiel). In der Hauptrolle: Hofburgschauspieler Arnold Korff. Volksbühne. Theater a. Bülowpl. Allabendlich 8'/, Uhr: Der Jongleur. (Thomas Meck: Hans Waßmann.) Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. �öniggrätzerStr. 8 Uhr; Ein Tranmsplel. IComödienhaus 8'/, Ulir: Der 7, Tag;. l@rläner Theater SVg: Wenn zwei Hochzeit machen! Lssswg-TkeAter. Allabendlich 8'/, Uhr: I-umpseivsAsdunttus. Sommerpr. EeineVorverkaufsgeb. öeatseh. Künstler-Theater. Allabendlich 8'/, Uhr: Die selige Exzellenz. URANIA Taubenotr. 4,8/40. 8 Uhr: Aegypten, der Suezkanal und der Veitkrieg. Gewerkschaftshans. Sonntag, den SO. August 1916: s» Künstler-Konzert. �Valkalls-Ikeatee. 8-,.n.:gg8 Wssente-Msikl. 4'ls Uhr:(Larten-Borstellung. Theater am Freitag, den 18. August. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb,' s ukr: Boccaccio. Fnedrich-Wilhelmstädt. Theater g'ftu.: Das Dreimäsierihaus. Gebr. Herrnfeld-Thealef. 81/, Uhr: Wachsmanns HQhnerhof. Kleine» Tbcater ua Ehesanatorium. Lustspielhaus 8v5tt.: Brauchbar& Fix. Komische Oper S1/, U.: Der»elixe Balduin. Metropol-Theater sv.u.: DieGroSberzogiPT.Ggrolst RcBldenz-Theater Gastspiel Maximus Bend. sv.tj: Frieden im Krieg. Scblller-T. Cbarlottenb. 8 uhr: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater s'uu.: Blondinchen. Theater am 9/ollendorfpl. 8v,u.: immer feste druff! Theater des Westens 8'/. v.-. Das GiQcksmädel. Trianon-Theater 81/« u.: Die Strohwitwe. Sonntag mittag: Blumenkohlsuppe..... 0,20 Bar«, grün....... 1,25 ftlschniayoiinaise...... i,— Bayerisch Kraut mit Bratwurst 1,25 Grüne Bohnen mit Lammfleisch 1,50 Ente mit Notkohl..... 1,50 Junger Hahn....... 2,— Kompott oder Salat.... 0,25 Käse mit Butter...... 0,50 Speise......... 0,30 Abends: Hente Ein großer Ein großer Ein großer Ein großer Ein großer Ein großer Ein großer Ein großer , Eine stettente mit Zubehör stir 4 Personen..«,00 M. ' Dieselben kommen auch schon Sonnabend zum Vertauf, in und außer dem Häuft. und morgen ein sehr billiger Schnellverkanf! Posten Fettgänse, a Psd......... 3,00—3,30 M. Posten Fettyähne, a Pfd......... 3,00—3,30, Posten Fettrnten, das Stück......... 6,00, Posten geräucherter Gänse, Keulen u. Brüste, a Psd. 5,00, Posten Gänsepökelfleisch, a Psd........ 3,50, Posten Enteuklein, das Stück........ 1,50, Nus der eigene« Räucherei: Posten Matrelen, das Pfund......... 1,60 M. 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Tempelhof. ist von Berliner Ttr. 86/87 nach Berliner Str. 92, Ecke Kaiser-Wilhelm-Straste bei Martin verlegt. 89/18 Die Ortsvcrwaltnnjp. Reicbshallen-Tbeater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Militärische Humoreske von H v r st. Ansang 3 Uhr. Für Militärper- svnen freier Eintritt zu den Sten. Sängern. n während i H des Krieges H Preis 40 Pf. 1=5 Ein Buch, das Auskunft!=? |B| gibt Uber Familienunter-|B| — Stützung, Wöchnerinnen. Unterstützung, Kaufver- H ®träga, Miete, Abzahlungs- JN5 geschälte, Arbeltswer.|B| ■ trag, Famlllenrecht, Ar- S5S beltervarslcherung, An- WB @ gestellten Versicherung, Zahlungsfristen u. v. a. Fragen, die das Rechtsverhältnis berühren V olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Gar- Zäglich Um Ehre u. Liebe. Erstklassiges Variete-Projrasa. Ansang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. Verantwortlicher Redakteur ja] Buchhandlung U Vorwärts n [g| Berlin, Lindenxlr. 3 ■BiawiiwiBi Zigaretten! 1.8PLGoldm.Mi0.14M. 3.0 Ps. GoIdm.Mill.L0M. 4.2 Ps. Goidm.Mill.2KM. 6.0 Ps. Goldm. 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Perlagsanstalt Paul Singer&(Ea, Berlm SW.