g'- i�- m- Unterhaltungsblatt öes Vorwärts Die Kriegsaus Heilung in Köln. Auf dem rechten Rhemufer be? Köln stehen noch die dom Regen zweier Jahre verwaschenen Bauterr der Deulschcn Werkbund- ausstellung von 1914, die eine Schau deulscher Tüchligkeit und Geschmacksbildung werden sollte. Mars Har ste vorzeilig geschlossen und nun, da er seit 24 Monaten die Stunden regiert, trägl das Gelände am Rhein eine ganz andere SÄau: die Ausstellung für Kriegsfürsorge in Köln. Sie will zeigen, wie die mit der höchstentwickelten Technik zerfetzten Menschenleiber durch die modernste ärzllich-technische Kunst wieder zu möglichst großen und wertvollen Arbeitsleistungen geheilt und ausgerüstet werden können. Darüber hinaus tritt die Ausstellung, die beansprucht, als die bisher vollkommenste dieser Art angesehen zu werden, auch an die großen volkswirtschaftlichen Fragen heran, die durch die Ein- gliederung der vielen Hunderlrausenden von Kriegsbeschädigten in das Wirtschaftsleben aufgeworfen werden: das Siedelungs- Problem, die berufliche Ve>r Wendungsmöglichkeit der Kriegsbeschädigten, den Ausbaut der Sozialvers iche- r u n g u. a. m. Die Ausstellung bleibt aber doch fast ganz in der ärztlich-tech- nischen Seite bis zur Berufsausbildung der Kriegsbeschädigten stecken. Sie ist darin allerdings von der Darstellung Mittelalter- licher Eisenfäuste an, wie deren eine Götz von Berlichingen trug, bis zur neuesten Armlugel, die mir ihrer Beweglichkeit nach allen Seiten sogar die Natur zu übergipfeln sucht, von weitreichender Voll- kommenheil. Die Ausstellung wirkt besonders anschaulich durch einen konseguent durchgejührien Plan: an Modellen, Gips- figuren, Einrichtungen und Apparaten verfolgt man das Geschick des Verwundeten vom Gefechtsfelde mit den hilfs- bereiten Sanitätern über den Truppenverbandplatz und das Feld- lazarett durch den Lazarettzug zum Heimatlazarctt und darüber hinaus durch die verschiedenen Phasen der ärztlichen und technischen Fürsorge bis zur Wiederaufnahme dcS Berufes. Gegenstände von teilweise hohem künstlerischem Wert als Erzeugniste der wieder- gewonnenen Arbeitskraft bilden den Abschluß. Das Ganze soll dem ausgesprochenen Zwecke dienen, auf alle, die einen lieben Angehörigen draußen in Gefahr wisten oder ihn schon verstümmelt sehen, beruhigend zu wirken. Es ist gewiß ein Trost, daß die Wissenschasl. die durch die Mastcnopfer dieses Krieges offensichtlich zu einer rapiden Höherentwicklung der Heilung Kriegsbeschädigter gekommen ist, das Los der Opfer sehr zu mildern vermag. Wer aber auch nur mit einer Spur gesunder Denkkrafl und menschlichen Empfindens die Modelle grauenhafter Verwun- düngen sieht, wird den leidenschaftlichen Wunsch hegen, daß die ärztlich technische Kunst recht bald aushören kann, sich auf diesem Gebiete zu betätigen. Man sollte die heranwachsende Jugend unter ernsten Vorträgen durch diese Räume führen, um ihr wenigstens eine schwache Ahnung der Schrecken eines modernen Schlachtfeldes zu geben. Die von Kriegsbeschädigten bedienten industriellen Werk- st ä t t e u der Ausstellung lassen leinen Zweifel darüber, daß die durch den Weltkrieg Verstümmelten unter gewissen Voraussetzungen auch qualifizierter Arbeil zugeführt werden können. Ueber das Problem, wie die Kriegsbeschädigten unterzubringen find und wie sich Kapital und freie Arbeit dabei verhalten werden, enthält die Ausstellung allerdings noch so gut wie nichts. Nur ein Plakat mit einem Verlrage zwischen den freien Gewerkschaften und deni Zentralverband deutscher Konsumvereine erinnert an die für die Kriegsbeschädigten wie ihre gesunden Arbeits- kameraden so wichtige Frage, unter welchen Bedingungen die ver- stiimmelten Kriegsteilnehmer in den Arbeitsprozeß eingespannt werden sollen. Jedoch sollen diese Probleme auf dem vom 21. bis 26. August in Köln tagenden Kongreß für Kriegs« besch ädigtenfürsorge behandelt werden. In der Ausstellung selbst kommt die volkswirtschaftliche Seite des Problems nur durch einige Musleranlagen von Siede- lungen für kriegsbe schädigte Bauern, ländliche Handwerker und Industriearbeiter zum Ausdruck. Sie erheben sich nicht nur nicht über die zahlreichen Siedelungsthpen, die im letzten Jahrzehnt auf vielen Ausstellungen zu sehen waren, sondern bleiben, was die schöne Form betrifft, sogar dahinter zurück. Zwischen üppig blühende Gärten sind Häuser von fast ärmlicher Einfachheit und fast fröstelnd wirkender Nüchtern- heil hingesetzt. Dagegen hat man sich bei dem Bau und bei der Einrichtung der Häuser mit Liebe und Verständnis Muhe gegeben, den Schwächen des Kriegsbeschädigten durch Anord- nungcn, die der Bequemlichkeit dienen, entgegenzukommen. Den vielen, denen eine Ausstellung für Kriegsbeschädigtenfür- sorge nicht.interessant"' genug ist, bat man durch einige Schützen- 11 Jan$ Heimweh. Etne Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. I. Das klopfende Herz. So alt Fan Andersjon in Skrolycka auch immer wurde, nie wurde er es müde, von dem Tag zu erzählen, an dem sein kleines Mädchen zur Welt kam. In aller Frühe war er aufgebrochen, die Hebamme und noch andere Helferinnen zu holen; aber dann hatte er den ganzen Vormittag und noch ein gut Stück in den Nachmittag hinein auf dem Hanklotz im Holzschuppen gesessen und hatte gewartet, gewartet. Draußen regnete es in Strömen, und auch Jan Andersfon blieb nicht ganz verschont von dem Regenwetter, obgleich er sozusagen unter Dach saß. Es drang als Feuchtigkeit zwischen den undichten Wänden zu ihm herein, und jetzt eben schleuderte der Wind auch noch eine ganze Sturzsee durch die türlose Schuppenöffnung. „Ich frage mich eben, ob wohl irgend jemand meinen kann, ich freue mich über die Ankunft des Kindes?" murmelte er, und zugleich stieß er mit dem Fuß so heftig nach einem kleinen Holzscheit, daß es bis in de� Hof hinausflog.„Das größte Unglück ist's geradezu, das mir hätte widerfahren können. Als Katrine und ich heirateten, geschah's nur, weil wir es überdrüssig geworden waren, noch länger als Knecht und Magd bei Erik in Falla aus und ein zu gehen. Wir taten's, weil wir die Füße unter den eigenen Tisch setzen wollten, aber doch gewiß nicht, um Kinder zu bekommen." Er verbarg das Gesicht in den Händen und seufzte tief. Die Kälte und die Feuchtigkeit und das lange peinliche Warten hatten allerdings das Jbrigc zu seiner schlechten Laune, beigetragen, ober die eigentliche Ursache waren diese Unannehmlichkeiten keineswegs. Es war ihm vollkommen Ernst mit seiner Klage. „Arbeiten," dachte er,„arbeiten muß ich alle Tage vom Morgen bis zum Abend, ober bisher hatt' ich dann wenig- stens bei Nackit Rübe. Nun wird das Kind wahrscheinlich reibt viel schreien, und dann bekomm ich auch da keine Ruhe mehr." grabenstellungen und durch viele Trophäen von der Front Rechnung gelragen. In friedlichen Zeilen pflegte man bekanntlich für diesen Teil des Publikums die Ausstellungen mit Vergnügungsparks zu versehen, und das geht bei einer solchen tiefergreifenden Schau denn doch nicht an._ W. S. kleines Feuilleton. Johann hmrich Jehrs. Als einen„Meister der Kunst, das holsteinische Volk in seiner heimischen Sprache zu zeichnen, wie ihn die Heimat nicht zweimal aufzuweisen hat", hat Klaus Groth den eben dahingegangenen Dichter Johann Hinrich Fehrs bezeichnet. Bis zu seinem 76. Jahre hat Fehrs warten müssen, bis der Ruhm ihn fand; von da an freilich, nach der Veröffentlichung seines großen geschichtlichen Romans„Maren", hat man ihn nicht nur in seiner Heimatland- schaft in eine Reihe mit Fritz Reuter, John Brinckmann und Klaus Groth gestellt und ihn als den größten plattdeutschen Dichter der Gegenwart, als den Meister des Dorfromans gefeiert. Kein Ge- rrngerer als Theodor Storm hat die Begabung Fehrs schon er- kannt, als dieser mit seinem Erstlingswerke, einer hochdeutschen Dichtung, hervortrat, und mit dem Lobe, das er Fehrs spendete, hat er Recht behalten: aus dem Bauernjungen, der am 16. April 1838 in dem Dorfe Mühlenbarbeck geboren wurde, ohne viel Schulbildung heranwuchs, als Hütejunge lange Stunden hinterm Knick auf den Weiden verträumte, um sich schließlich als Lehrer sein Brot zu ver- dienen, ist ein großer Menschenschilderer geworden, der wie kein zweiter die Menschen seiner Heimat in voller Lebenswärme, ihre Landschaften mit ihrer ganzen Stimmung in seinen Dichtungen festzuhalten wußte. Alle Färben und Töne beherrschte er dabei, den derben Humor seiner Bauern, die holden Stimmen der Kinder, den grauen Ernst, die tiefe Tragik, und zugleich war er ein Meister der Sprache— seiner niederdeutschen Sprache, deren erstaunlichen Reichtum einem beim Lesen seiner Dichtungen so recht aufgeht. Der junge Lehrer wurde Leiter einer Mädchenschule; nebenbei fing er an, allerlei zu Papier zu bringen, was er auf dem Herzen hatte, erst eine plattdeutsche Novelle, die die tragische Geschichte des schwächlichen Bauernjungen.Lüttj Hinnerk" beschrieb, dann ein Gedicht, bald ein lyrisches, auch wohl ein episches, allerhand Märchen, Fabeln und Kindergeschichten, bis er an seinem Lebens- abende mit dem großen geschichtlichen Romane„Maren" seinem Werke die Krone aufsetzte. Maren, ein„Dorp-Roman ut de Tid von 1848 bis 1851" ist die Geschichte einer Friefin, die einen unge- liebten holsteinischen Bauern heiratet, um durch dessen Reichtum ihrem Bruder die Rückgewinnung des durch widriges Geschick ver- lorenen alten Ansehens zu ermöglichen, und nun in zäher Er- zieungsarbeit durch Frauenklugheit und Frauengüte aus dem be- schränkten Egoisten einen leidlich brauchbaren Menschen macht. Das ganze holsteinische Dorflebe» mit dem Hintergrunde der Er- Hebung Schleswig-Holsteins gegen Dänemark hat hier in reichster Ausführung seinen Niederschlag gefunden. Ueber dem Prosadichter Fehrs soll aber der plattdeutsche Lyriker nicht vergessen werden. Mißerfolge in üer Polarforschung. Nachdem mit Nansens berühmter Forschungsreise eine Zeit be- deutender Erfolge in der Erforscbung sowohl am Nord- wie Südpol eingetreten war, hat sich in jüngster Zeit unverkennbar eine Wendung nach der ungünstigen Seite hin vollzogen, und gerade die letzten Jahre baben eine recht große Zahl von bedauerlichen Fehlschlägen in der Polarforschung gebracht, auf die F. Mewius in einem Auf- satze von„Ueber Land und Meer" hinweist. Was das Gebiet des Südpoles betrifft, so ist ja Shacklerons jüngste Expedition voll- kommen zusammengebrochen. Im nördlichen Eismeer wurde W. Stefansson, der 1913 mit Unterstützung der kanadischen Regie- rung aufbrach, um längs der Küste Alaskas bis zum arktischen Archipel Nordamerikas zu fahren, mit seinem Schiffe„Karluk" durch Sturm ins Packeis getrieben und zu einer unfreiwilligen Fahrt nach der sibirischen Küste gezwungen, wo das Schiff in der Nähe der Herald-Jnsel unterging. Stefansson glückte es später, bis ins Gebiet des Mackenziestromes zu kommen und längs des Bankslandes eine Schlittenreise über da? Eismeer auszuführen, wobei er eine neue Landmasse entdeckte, deren nähere Erforschung im Frühjahr dieses Jahres geschehen sollte. Insoweit hat Stefansson also immerhin etwas ausgerichtet. Dagegen hat die 1913 vom Naturhistorischen Museum in New Jork ausgesandle Ex- pedinon, die unter Leitung des Profestors Machillan steht, gar nichts erreicht, soweit die Hauptaufgabe in Betracht kommt: das.Crocker- land", das Peary auf seiner letzten Nordpolfahrt gesehen haben will, Nach diesem Gedankengang überkam ihn noch größere Verzweiflung. Er nahm die Hände vom Gesicht und rang sie so heftig, daß die Gelenke krachten. „Bis jetzt ist auch alles ganz gut gegangen, weil Katrine, gerade wie ich auch, auf Arbeit ausgehen konnte. Aber jetzt muß sie ja daheim bleiben und das Kind warten." Er starrte geradeaus in die zunehmende Dunkelheit hinein, mit einem Ausdruck, wie wenn schon die Hungersnot über den Hofplatz dahergeschlichen käme und ins Haus ein- dringen wollte. „Ja, ja," sagte er, und jetzt schlug er, wie um seine Worte zu bekräftigen, mit beiden Fäusten hart auf den Hau- klotz.„Ja, ich sag' nur so viel, wenn ich damals gewußt hätte, daß dies hier die Folge sein würde, als Erik in Falla zu mir kam und sagte, ich dürfe mir ein Haus auf seinem Grund und Boden bauen, und mir überdies auch noch alte Balken zum Bau überließ, wenn ich das damals gewußt hätte, so hätt' ich alles miteinander ausgeschlagen und wär' meiner Lebtage in der Stallkammer auf Falla geblieben." Das waren starke Worte, er fühlte es wohl; aber er hatte keine Lust, sie zurückzunehmen. „Wenn es je geschehen sollte...," begann er wieder; denn er war nun so weit, sagen zu wollen, es wäre ihm gar nicht unlieb, wenn dem Kind auf irgendeine Weise etwas zu- stieße, ehe es das Licht der Welt erblickte. Aber er kam nicht dazu, diesen Gedanken auszusprechen: denn eben jetzt drang ein piepsendes Stimmchcn durch die Wand an sein Ohr, und da hielt er jäh inne. Der Holzschuppen war mit dem Wohnhaus zusammen- gebaut, und als er hinhorchte, drangen die piepsenden Laute immer wieder zu ihm heraus. Jan Andersson wußte natür- lich sofort, was das bedeutete, und nun blieb er lange ganz still sitzen, ohne ein Zeichen von Kummer oder Freude an den Tag zu legen. Schließlich zuckte er leicht die Schultern und sagte: „Ja, setzt ist's also gekommen, und jetzt werd' ich doch Wohl in Gottes Namen ins Haus hinein dürfen und mich wärmen." Aber auch die'e Erleichterung wurde ihm nicht so�schnell zuteil, sondern er mußte abermals Stunde um Stunde warten. Der Regen strömte noch immer mit gleicher Heftigkeit hernieder, der Wind nahm zu, und obgleich es erst dem Ende war nicht zu finden, und die Expedition, die in Smithsund ihr Scbiff verloren hat, sitzt noch inrmer hilflos bei Etah, nahe dem Smilhsund. Ein besonders trauriges Stück Nordpolforschung bilden die letzten russischen Unternehmungen.... Marineleutnant Sedow, der zum Nordpol selbst wollte, kam mit Mühe und Not zum Franz-Josef-Land. von wo er seine Schlittenreise zum Pol begann. Bald aber warfen ihn die Strapazen nieder, und er fand dort oben ein kühles Grab, wäbrend es seinem Schiffe„Phoka" gelang, glücklich Archangel zu erreichen. Brusilow dagegen, der mit einer Jagdgesellschaft an Bord der ,St. Anna" durch die Nordost-Passage fahren wollte, geriet, als er das Karische Meer hinter sich hattq, ins Packeis und trieb nordwärts bis zur Höhe des Franz-Josef-Landes, wo ein Teil der Besatzung das Schiff verließ, um Land zu erreichen, aber bis auf zwei Mann umkam. Daß Brusilow mit dem Rest seiner Begleiter samt der„St. Anna" sein Ende auf dem großen Friedhof der Arktis gefunden hat, kann keinem Zweifel unterliegen. Und ebenso sicher ist auch die Rusanowsche Expedition, hie erst mit Staatsunterstützung Kohlen- felder in Spitzbergen belegte und dann auf eigene Ver- aniwortung zu Forschungszwecken zum Franz- Josef- Land fuhr. ein Opfer des verhängnisvollen Polareises ge- worden. Größeren Wert als Forschungsunternehmen halte die mit den Eisbrecherschiffen„Waigatsch" und„Taimyr" ausgerüstete Expedition, die in den letzten Jahren Forschungen im Fahr« wasser der Nordost-Passage ausfiihrte und nördlich von Nowaja Semlja ein neues Land entdeckte. Indes mußte auch diese Unter- nehmung schließlich 1915 ihre Schiffe im Stich lassen. Was der Däne Knud Rasmusten bei seiner neuen Forschungsreise am grön- ländischen Nordland erreicht hat, dürfte günstigstenfalls wohl diesen Herbst bekannt werden. So ist es im ganzen eine Reihe von Mißerfolgen, die die jüngsten Jahre der Polarforschung gebracht haben. Indes bereitet Roald Amundsen für 1917 seine Nordpolarreise vor und bei der außer- ordentlichen Umsicht und Erfahrung, die Amundsen besitzt, darf man hoffen, daß seine Unternehmung die Reihe der Fehlschläge in er« wünschter Weise unterbrechen und zu neuen Erfolgen führen werde. Eine 104jährige Regkmentssirafe. Genau vor 164 Jahren hatte das 12. englische Lancerregiment. das damals den Feldzug in Spanien mitmachte, ein Kloster ge» stürmt und dessen Weinkeller geplündert. Als Wellington von der Vergewaltigung erfuhr, sprang er sofort in den Sattel, ritt zum Tatort und sprach dem Regiment das Urteil, daß es so viele Jahre lang, wie es Weinflaschen gestohlen, getrunken oder zerbrochen hätte, für die Untat Buße tun solle. Nach Ausweis des Pater Keller- meisters hatten die Soldaten 164 Flaschen Wein entwendet. Seit 164 Jahren hat seither das 12. Lancerregiment jeden Abend in Parade gestanden, mit der Musik an der Spitze, wobei diese, wie es Wellington seinerzeit befahl, die spanische und russische Hymne, den Zapfenstreich, den„Marsch des Prinzen von Wales" und endlich„God save the King" spielte, während das Regiment präsentierte. Selbst im gegenwärtigen Kriege hat das Regiment diese Bußparade abgehalten, und es ging nicht eher zur Ruhe, be- vor nicht die Parade und das Spiel der vorgeschriebenen Stücke vor sich gegangen waren. In diesen Tagen endlich hat die Strafzeit, die Wellington dem Regiment in Spanien vor 164 Jahren zuerkannt hatte, ihr Ende erreicht._ Rotize». — Vorträge. In der Alrania" gelangt am Montag, Donnerstag und Freitag ein Vortrag„Der Grotzglockner, Gastein und die Salzburger Alpen" zur Darstellung. Dienstag, Mittwoch und Sonnabend wird der Vortrag„Aegypten, der Suezkanal und der Weltkrieg" wiederholt.— Ueber„Die Photographie im Dienste der Volkskunde" spricht Frl. Rose Julien in der Treptow- Sternwarte am Mitoooch, den 23. August, abends 8% Uhr. — B a c o n als Prophet. Ein Jahr nach dem Tode von Francis Bacon, dem berühmten Philosophen, erschien 1627 seine Schrift über die neue Atlantis, in der er ein Phantasieland zu schildern versuchte. Was im Laufe der Jahrhunderte an Erfin- düngen tatsächlich verwirklicht worden ist, ist zum großen Teil be- reits in diesem Phantasiebild vorgeahnt. Uns berührt am merk- würdigsten heute eine Stelle, in der er einen uralten Bewohner dieses Wunderlandes von den Errungenschaften seiner Landsleute folgendes sagen läßt:„Wir haben den Vogelflug nachgeahmt, und wir haben auch Schiffe und Boote, die unter Wasser gehen können. Sie halten die stärkste See aus." August zuging, war die Lust so rauh wie an einem Novembertag. Und um das Maß vollzumachen, verfiel Jan Andersson nach einer Weile noch auf einen Gedanken,'der ihn noch niedergeschlagener machte, als er schon vorher war. Er fühlte sich allmählich mißachtet und zurückgesetzt. „Drei verheiratete Frauen sind außer der Hebamme bei Katrine drinnen," sagte er halblaut.„Die hätten sich doch wirklich die Mühe machen können, oder wenigstens eine von ihnen, herauszukommen und mir zu sagen, ob es ein Junge oder ein Mädel ist." Er horchte nach der Hauswand hin und hörte, wie auf dem Herd Feuer gemacht wurde. Dann sah er die Frauen an der Quelle Wasser holen; aber keine schien ihn auch nur zu bemerken. Da schlug er plötzlich die Hände vors Gesicht und wiegte den Oberkörper hin und her. „Mein guter Jan Andersson," begann er,„wo hapert's denn eigentlich bei Dir? Warum geht bei Dir alles schief? Warum bist Du immer so niedergedrückt? Ach, warum hast Du denn nicht ein schönes junges Mädchen heiraten können, sondern nur die alte Stallmagd Katrine bei Erik auf Falla?" Er war ganz aufgelöst vor Kummer. Zwischen den Fingern quollen ihm sogar ein paar Tränen hervor. „Warum bist Du im Dorf so wenig geachtet, mein guter Jan Andersson? Warum wirst Du immer vor anderen zu- rückgesetzt? Du weißt, es gibt andere, die ebenso arm sind wie Du und ebenso schwach bei der Arbeit, gerade wie Du auch, aber keiner wird so übersehen wie Du. Wo hapert's denn nur bei Dir, mein guter Jan Andersson?" Das war eine Frage, die sich Jan Andersson schon oft gestellt hatte, aber immer vergeblich. Er hatte auch gar keine Hoffnung, daß er je die Antwort darauf finden würde, und wenn er alles in allem betrachtete, so haperte es vielleicht überhaupt nirgends. Vielleicht war die richfige Erklärung, daß Gott und die Menschen ungerecht gegen ihn waren? Als er bei diesem Gedanken angekommen war, nahm er die Hände vom Gesicht und versuchte, eine kecke Miene auf- zusetzen. „Wenn Du je wieder in Dein eigenes Haus hinein- darfst, dann wirst Du nicht einen Blick aus das Kind werfen, mein guter Jan Andersson." sagte er.„Du wirst nur stillschweigend an den Herd gehen und Dich wärmen." (Forts, solgt.) Deutsches Theater. letzte 12 Aufführungen; 8ll, 1?dr: Die Familie Sichlmök. Johannes Nepomuk Zawadil; Has Pailenberg. lianimersplele. AUabendL S'/j Uhr: Die liebeslnsel. In der Hnuptrolle; Hofburgschau- spieler Arnold Korfi. TolbsbUUne. Theater a. Bttlnwpl. letzte 12 Ausführung S'/}: Derlongleur (Thomas Meck: Hans WaOmann.) Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d, KöniggrätzerStr, s Uhr; Ein Traamspiel. Komödienhaus 8V. Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater b'/jU.; Wenn zwciHochzeit machen! Lessing-Tkeatsr. AUabendlleh 8llt Uhr: Lumpaclvagabundus. Sommerpr. KeineVorverkanisgeb. fleutsch. Künstler-Theater. S'y. Uhr; Die selige Exzellenz. 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