Nr. 198.- 1916. Unterhaltungsblatt des vorwärts !" ovnrrstltg, 24. AuguS. Zucker aus Kartoffeln. TnS einst so stark bekämpfte Saccharin wird jetzt amtlich der- teilt � die Sützkrafl des Saccharin? soll uns leichter über die not- wendigen Einschränkungen im Zuckcrverbrauch hinwcggleiten lassen. Es ist teuer, sogar recht teuer bezahlte Illusion, es ist sozusagen zum Fenster hinaus geworfenes Geld, denn das Teersiitz besitzt bei völliger sonstiger Harmlosigkeit nur den siiszen Geschmack, nicht aber den Nährwert des Zuckers. Kaum wird es jemals bisher eine Zeit gegeben haben, wo man so viel mit Nährwertcinheiten, mit Geldnährwerten im Haushalt gerechnet hat, wie heute. Da soll man in einer Zeit, in der man sozusagen in Kalorien lebt, der reinen Geschmackseinpfindung Opfer bringen? Nun besitzen wir den Kartoffelzuckcr, der zwar nicht die gleiche Süstkraft wie Rübenzucker, aber vollen Nährwert hat; wenn man Saccharin und Slärkezucker vereinigte, müßte sich also ein voll- werligcr Ersatz für Zucker schaffen lassen. Um sich über die prak- tische Durchführbarkeit dieses Gedankens zu vergewissern, wandte sich ein Mitarbeiter der„Allgcm. wissenschnitl. Berichte' an Professor Parow, Abteilungsvorstcher im Institut sür Gärnngsgewcrbe in Berlin. Prof. Parow, der viel über Kartoffeln und ihre Verwertung gearbeitet hat, gab die Ausführbarkeit dieses Gedankens ohne lvenercS zu und billigte die Vergesellschaftung von Släikczucker mit Saccharin, um Magen und Zunge gleichzeitig zu befriedigen. Der Slärkezucker wird, wie schon sein Name besagt, durch Ilmwandlung von Kartoffelstärke in Zucker, und zwar in Dextrose gewonnen. Die Umwandlung kann mau erreichen durch die Einwirkung von Enzymen oder Säuren. Wenn man Kartoffelstärke mit Säure kocht, die Säure nachher in Form von Salzen ausfällt und das Produkt ein- engl, so erhält man Stärkesirup oder Kapillarsirup, der schon seit langem in unserer Nahrungsmittelindustrie sehr geschätzt ist. Außer Dextrose evlhält dieser Sirup nur noch Dcxirin, also beides Stoffe, die vollen Nährivcrt besitzen, ja Professor Kellner sah die Dextrose in ihrem Nährwert der Sacharose— dem Zucker der Rübe— als überlegen an. Nun ist der Siärkcsirnp nicht so süß wie Rübenzucker. aber gerade diese Eigenschaft in Verbindung mit seiner Fähig- keit, das Auskristallisieren zu verhindern, macht ihn in der Nahrungt-mittelindustrie besonders beliebt. Läßt er doch gerade bei Marmeladen den Fruchtgeschmack besser hervortreten und erzeugt bei Likören die Sämiglcit. Stärkesirup war auch das Gc- beimnis der angeblich den unseren überlegenen englischen Mar- meladen. In Friedenszeitcn erzeugte die deutsche Slärkeindustrie etwa SOO 000 Doppelzentner, doch wäre es auch im Kriege möglich, die Menge ohne weiteres auf das Doppelte zu erhöhen. Tatsächlich ist aber, und das erscheint ans den ersten Blick recht befremdlich. bisher die Erzeugung eingeschränkt. Ter Siärkesirup wird gewonnen aus den Nachprodukren der Stärkefabriiation, und dieser Erwerbs- zweig litt an Karioffelmangel. Man hat, so meinte Profeffor Parow, in der Sorge, dem Volke genügend große Mengen Speisckartoffeln sicher zu stellen, die Wirk- iamkeit und den großen wirtschaftlichen Wert der Kartoffelstärke- sabriken ganz falsch eingeschätzt. Während man ursprünglich von dem durchaus richtigen Gedanken ausgegangen war, die Kartoffel- stärkefabriken in ausgedehntem Maße zur Erzeugung von Brotstrcck- Mitteln heranzuziehen, hat man leider infolge Verkennung der Be- deutung der Slärkeindustrie für die Volk'ernährung diesen Gedanken zur gegebenen Zeit nicht so zur Ausführung gebracht, als eS für alle Teile richtig gewesen wäre. Unter allen Umständen muß einer Erhöhung der Brotration das Wort geredet werden, damit ein Fehlen von Kartoffeln durch Brot ausgeglichen werden kann, wie eS in Berlin infolge der Kartoffclknapphcit bcreiis geschah. Hiermit ist besonders den ärmeren Bevöllerungsklasjen weit mehr gedient al§ durch Kartoffeln, deren Nährwert und Schmackhafligkcir bekanntlich durch das Auskeimen und das Einschrumpfen in den letzten Frühjahrsmonatcn ganz bedeutend herabgemindert wird. Hieraus erhellt, wie ungeheuer wichtig eS für die Volksernährung ist, dafür zu sorgen, daß die Kartoffelslärkefabrrkcn ausgiebig arbeiten können. Nebenbei wird außerdem in derKartofsclkleic ein ausgezeichnetes und billiges Futtermittel gewonnen, und gleichzeitig trägt' die Förde- rung der größtmöglichen Herstellung von Kartoffelstärkcm'ehl dazu bei, größere Mengen des von den Nahrungsmittelindustrien(Marmeladen- industrie, Zuckcrwarenindustrie usw.) so sehr benötigten Stärkesirups zu gewinnen und dadurch die Nachteile der bestehenden Zuckerknapp- heil zu mildern. Das vergangene Jahr hat gelehrt, daß die bei der Stärkefabrikation entstehenden Nachprodukte geeignet sind zur Herstellung eines gesunden Volksnahrungsmittels, des Stärkesirups. Je größer die Gewinnung von Stärkemehl ist, desto größer ist die Entstehung der Nachprodukie und die Möglichkeit, durch gesteigerte Stärkesirupherstellung der Nahrungsmittelindustrie den Juckermangrl weniger fühlbar zu inachen. Es ist zu erwarten, daß in diesem Jahre die verhängnisvollen Irrtümer der Vorjahre nicht wiederholt werden. Da wir auch eine große Kartoffelernte zu erwarten haben, so dürften die Stärke- sabriken wohl in die Lage versetzt werden, große Mengen in Dauer- waren umzuwandeln. Schon 12 Stunden nach Einbringung der Kartoffeln in die Fabrik kann sie in Slärkezucker verwandelt sein. Die Hauptarbeit leisten die Maschinen, aber sie müssen von fach- kundigen Händen bedient werden. Die HeereSverwaliung wird es sicher ermöglichen können, diese Hände während der Kampagne frei- zumachen. So kann dann die Kartoffel nicht nur der Streckung des Brotgetreides dienen, sondern im Verein mit dem Saccharin den Zucker vollwertig ersetzen._ Jn Görz. Seit die Italiener das zerschossene Görz besetzt haben, sind sie in ihrem Siegesjubel rein aus dem Häuschen.„Gorim e' nostra!" (Görz ist unser!) heißt eS überfchwänglich in den die ganze Seiten- breite einnehmenden Ueberschriflen der italienischen Zeitungen, die mit nicht zu überbietender Weitschweifigkeit alle möglichen Einzel- Heiken des Kampfes um die geräumte Stadt breittvetcn, und die sich geberdcn, als hätte Eadorna Wien und Budapest zugleich cinge- nommen. Sachlich mutet in all diesem exaltierten Gehabe allein an, was Luigi Barzini im„Corricre della Sera" über den Eindruck berichtet, den er von einem Besuch in dem schwer geprüften Görz davongetragen hat. Seine Wahrnehmungen schildert er in folgen- dem Stimmnngsbild: „Ueber den Kiesgrund führt mich mein Weg zwischen Bauern- Häuschen, Hütten, Obstgärten hin. Allmählich wandeln sich die Häuschen zu eleganten Villen, der Landweg wird zur städtischen Straße. Ich bin in Görz. Alles ist geschlossen, ist schweigsam und liegt in wclwcrlorener Stille. Man könnte meinen, daß die Stadt seit Jahren von der Bevölkerung verlassen sei. Aus den von Bäumen umsäumten Straßen wuchert das Unkraut längs der Bürgersteige und der Mauern. Ein drückendes Schweigen brütet über allem. Hier und da ein abgedecktes Dach, ein bis auf die von Kugeln durchlöcherten Mauern heruntergebranntes Hans. In manchen Vorgärten haben sich Pflanzen und Blumen auf die Wanderschaft begeben und jedes freie Plätzchen in Besitz genommen. Ihr kriechen- der Griffel hat die Straßen ausradiert. Ilcberall klammern sie sich mit hartnäckigem Trotz, jede Stelle besetzend, die der Mensch zwischen sich und sie als Grenze gesetzt hatte. Die niedrigen Fenster, die seit Monaten keine Menschenhand mehr geöffnet hat, verstecken sich hinter einer flammenden Girlande blühenden Oleander?. Eines der Fenster aber im Erdgeschoß eines von der Blumenmaske freien Hauses ist weit geöffnet. Jcki schaue in daS Zimmer, ob ich vielleicht irgendein menschliches Wesen entdecke. Nichts als ein paar Leichen, die in der Mitte zerstreut liegen. Ein militärisches Motorrad saust wie ein von der Sehne geschnellter Pieil über die Straßenkreuzung. In der glühenden Schwüle des flimmernden beißen Sommcrtags steigt von den verstaubten Räumen der einförmige Gesang zirpender Heimchen hernieder. ..Haltestelle der Straßenbahn" liest man ans einem vorspringenden Schild, wodurch mir erst zum Bewußtsein kommt, daß unter der dichten Staubschicht der Straße Schienengleise rosten. Nach und nach sind die Gebäude größer, moderner geworden. In schnür- gerader Linie reihen sich unzäblige Fenster an den weihen Mauern. Ich bin im Mittelpunkt der Neustadt. Hier, wo alles noch vom Leben der Menge, von Bewegung, von Handel und Wandel er- zählt, wirkt die Einsamkeit und die Kirchhofsruhe noch tragischer. Alle die leblosen Dinge atmen den Hauch des Todcsschreckens, der die Paläste mit den toten Augen und die Läden, aus deren Schwelle der Staub schichtweise liegt, in den lähmenden Bann der Todes- starre zwang. Plötzlich aber sehe ich nnch einem geöffneten Knffcehause gegen- über, einem eleganten Cafe mit einem Gewimmel von Etsiziercn, die, von einem Kellner in weißer Leinwandjacke bedient, gierig ihren Durst stillen. Ganz hinten sitzt der Wirt aus einer Bank. Man bekommt hier herrliche Limonade für weniges Geld. In Görz gab es wohl keine Seife, dafür aber Zitronen im Ucbcrfluß, und es find unsere Zitronen, die aus Italien über die Schweiz hierher kamen. Das erste, was in Görz wieder zum Leben erwachte, war das Kaffeehans. Am Morgen, als kauni die Schießerei in den Vorstädten aufgehört hatte, öffnete es pünktlick seine Pforten. Ken- seits des großen Platzes in der Altstadt fühlt man hinter den Mauern das vorsichtige Regen eines Lebens, das im Verborgenen und mit nock nicht besiegtem Mißtrauen lauert. Hinter einer Tür taucht ein Kinderkopf aus, und hinter den Vorhängen des Fensters lugen neugierige Frauenaugen, angelockt dnrck das Geräusch der Schritte, die in der Totenstille über das glühendheiße Pflaster dahinstampfcn. Hier wohnt die arme Bevölkerung, soweit sie der Heerbann verschont hat. Morgen werben sich die Türen wieder öffnen, und durch diese dunklen, gewundenen Gäßchen des alten Vciiezianerviertcls, das ans dem Hügel des Schlaffes der Grafen von Görz so malerisch hingcbcttet liegt, wird wieder das alte Leven fluten."(z) kleines Feuilleton. Galsworchps internationale Irieöensliga. Während das ossizielle England nack wie vor sein Schlagwort vom„Krieg bis zum äußersten' wiederholt ncbmcn dock mr in- vjsizicllcn England die Stimmen über die kiiiiftige friedliche Ge« staltniig der Wclr ständig an Zahl und Deuilichkeil zu. Großes Anfschcn erregt in der englischen Presse ein Vonrag, den der auch in Tcntickland- bekannte englische Dramatiker und Romanschriftsteller John Galsworthy im Rahmen einer Versnminlnng zur Beratung über das nationale Leben der Alliierten in Sirarfotd-on-Avon hielt. Charailcrisiert war diese Rede durch den Titel„Die Insel der Seligen', und nach längeren Ausführungen über die lobens- werten und tadelnswerten Eigenschaften der britischen Rasse ging Galsworthy zu dem Hauptthema über, das zum ersten Male einen britischen Weltfriedenstraum enthülle, der den Theorien Henry Fords kaum nachsteht:„Wie," so fragt Gatsworihy,„iverdcn die Staatsmänner das Problem des Friedens belrackten? Werden die- jentgen, deren Pflichl es ist, die Welt in vernünftiger Weise wieder- herzustellen, über genügenden Weitblick verfügen und sehen, daß sich eine Gelegenheit bietet, wie sie noch niemals da war und wahr- schcinlich auch niemals wiederkehren wird: nämlich den Frieden der Welt durch einen gerechten Gcrickishof der Nationen zu gewähr- leisten? Wie immer die einzelnen Punkte des künftigen Friedens sich gestalten mögen, er kann keine Dauer haben, wenn er nicht durch eine internationale Liga garantiert wird. Das Rückgrat einer solchen Vereinigung aber heißt Parteilosigkcit, und wir müßien ihren Ilrielts- spruch anhören und anerkennen, auch dort, wo er sich nicht mit den Sondcrintercssen unseres Landes deckt. Eine solche Liga müßie dem Wunsch entspringen, nicht mir für uns, sondern für die ganze Weil ohne Ausnahme Glück und Vernunft wiederherzustellen w Was wird aus öen gesunkenen Schiffen! DaS Schicksal gesunkener Schiffe ist nicht so einfach, wie es auf den ersten Blick erscheint. Gelangen sie nur in geringe Tiefen— 40—00 Meter— so besteht die Möglichkeit, sie durch Tancher heben zu lassen. Sonst aber unterliegen ihre Teile und ihr Inhalt all- mählichen Veränderungen, wie Dr. A. Neuburger in Reclams .Universtim' im einzelnen ausführt. Nur Gold und Platin bteiben gänzlich unverändert und merkwürdigerweise auch das Wachs, das sich noch in einem wieder gehobenen Wikingerschiff ganz im allen Zustande erhalten hatte. Eisen und Kupfer lösen sich mit der Zei: unter dem Einflüsse des ChlorsalzeL des Meerwasiers völlig ans. Von den dicken Panzern und den riesigen Geschützen der KriegSungetüme von heute wird am Boden des Meeres keine Spur bleiben. Eher haben noch die hölzernen Schiffsrümpfe Aussickr, späteren Jahrtausenden oder Jahrmillioncn Kunde zu geben. In größeren Tiefen, wo sie nicht mehr durch Pflanzen und' Tiere zcr- stört werden, dürften sie verkieseln. In kallhalligen Ablagerungen aber hinterlassen sie nur Abdrücke, die ihre Form so gur erkennen lassen werden, wie wir es bei den Versteinerungen unserer Kalk- steine gewöhnt sind. Sollten Mcerestiefen von heute im Wandel der Zeiten wieder Festland werden, so können spätere Geologen manche Spuren dieses Krieges wieder ausgraben und studieren, wie wir etwa die Saurier der Kreidezeit. Notize». — Der Verband der Freien Volksbühnen eröffnet seine diesjährige Spielzeit am 3. September mit Nackmitiagsvor- stellnngen in folgenden Theatern: Volksbühne, Lefsing-Tbeater, Deutsches Knustler-Theater, beide Schiller-Thcater, Deutsches Opern- bauS. Tie Abendvorstellungen in der Volksbühne beginnen am 4. September mit.Schluck und Jan' von Hauptmann. Für die weitere Spielzeit sind vorgesehen:.Meister Olaf' von Strindberg,.Die Macht der Finsternis' von Tolstoc",„Ein Wintermärchen' und.Macbeth' von Shakespeare..Die ver- sunkene Glocke' von Hauptmann,„Tausend und eine Nackt' von Brachmann.„Die Kroitprätendenten' von Ibsen. � Ferner finden Abendvorstellungen im Lessing- und Deutschen Künstler- Theater statt.— Die MittagSkoiizcrtc werden fortgesetzt.— Au- Meldungen zur Mitgliedschaft in der Geschäftsstelle Linienstr. 227. — Vorträge, lieber die Durchführung der Einheitsschule in Berlin spricht Johannes Tews am Freitag, den 2Z. August, 8 Uhr. im Berliner Lehrervereinshause am Alexanderplatz. — Die Wandgemälde KaulbachS im Treppenhause de? Berliner Neuen MuseumS, die feit Jahren durch Wandriffe und Schmutz entstellt waren, werden wieder aufgefrischt. Diese großen historischen Gemälde, die uns heute wenig mehr sagen, haben einst in der Geschichte der deutschen Malerei Epoche gemacht. ?ans Heimweh. E'.ne Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. Aber als die kleine Gesellschaft seinen Augen entschwunden war und er sich wieder an seine Grabarbcit auf Erik in Fallas Brachfeld gemacht hatte, da überkam ihn plötzlich eine furcht- bare Angst. Wie, wenn nun Erik in Fallas Pferd durchging? Oder wenn der Pfarrer das Kind in dem Augenblick, wo es ihm von der Patin übergeben wurde, fallen ließe? Oder wenn die Mutter in Falla das Kind in so viele Tücher und Decken gehüllt hätte, daß es erstickt war, wenn sie mit ihm am Pfarrhaus ankämen? Jan sagte sich selbst, es sei sehr unrecht, wenn er sich solche Sorgen mache, da er ja Erik in Falla und dessen Frau als Gevatterlcute habe. Aber die Angst ließ ihn nicht loS. lind plötzlich hielt er es nicht mehr ans; er stellte den Spaten weg und machte sich, wie er ging und stand, auf den Weg nach dem Pfarrhaus. Er nahm den Richtweg über die Hügel und lief aus Leibeskräften. Und richtig, als Erik von Falla in den Wirt- schaftshof der Pfarrei hineinfuhr, war Jan AndcrSson von Skrolycka der erste Mensch, de» er erblickte. Es ist ja ganz und gar nickt schicklich, daß Vater oder Mutter dabei find wenn die Kinder getaust werden, und Jan sah auch gleich die Unzufriedenheit der Gevatterleute, weil er nach dem Pfarrhof gelaufen war. Enk winkte ihn nicht zur Hilfe beini Pferd herbei, sondern spannte selbst aus, und die Mutter von Falla nahm das Kind hoch auf und ging, ohne ein Wort zu Jan zu sagen, die Anhöhe hinauf und in die Pfarrküche hinein. Da die Gevatterleutc Jan offenbar nickt sehen wollten, wagte er es nicht, näher herbeizukommen. Aber als die Nach. barsfrau an ihm vorbeiging, klang ein leises Piepsen aus dem Bündel heraus an Jans Ohr, und nun wußte er wenigstens eins, das Kind war unterwegs nicht erstickt. Er fühlte wohl, wie töricht er sich benahm, weil er nun nicht schnurstracks wieder heimging; aber jetzt war er ganz fest überzeugt, daß der Pfarrer das Kind fallen lassen werde, und so konnte er nicht anders, er mußte dableiben. Eine Weile wartete er auf dent Wirtschaftshof, dann ging er nach dem Wohnhaus und trat in den Flur. Es ist so unpassend wie nux möglich, wenn der Vater des. Kindes bei der Taufe mit zum Pfarrer kommt, namentlich wenn er solche Gevatterlcute für sein Kind hat, wie Erik von Falla und Erik von Fallas Frau. Ms nun die Tür zu der Amtsstube des Pfarrers aufging, nachdem eben die heilige Handlung begonnen hatte, und Jan Andersson van Skrolycka sich in seinem schlechten Arbeitsanzug vorsichtig ins Zinimer hereinschob und also keine Möglichkeit mehr war, ihn wieder hinauszuschicken, da gelobten sich die beiden Gevatterlcute in ihrcni Herzen, sobald sie nach Hause kämen, Jan wegen seines unpassenden Benehmens ordentlich die Leviten zu lesen. Alles ging bei der Taufe, wie es sich gehörte, ohne den kleinsten Zwischenfall, und Jan Andersson hatte durchaus keine Entschuldigung für sein Eindringen. Gerade vor Schluß der Handlung öffnete er die Tür wieder und schob sich sachte in den Flur hinaus. Er sah ja, daß alles ohne ihn wohl und gut ablief. Nach einer kleinen Weile kam Erik in Falla mit seiner Frau auch auf den Flur heraus. Tie wollten wieder in die Küche gehen, wo die Mutter in Falla das 5i'ind aus allen überflüssigen Tüchern herausgeschält hatte. Erik in Falla ging voraus und machte seiner Frau die Küchentür auf; aber als er dies tat, stürmten zwei junge Katzen in den Flur herein, und gerade vor den Füßen der Mutter in Falla kugelten sie übereinander; dadurch stolperte die Mutter in Falla und war aus dem Punkt, zu Boden zu stürzen. Sie kam in ihren Gedanken gerade noch so weit:„Jetzt stürz' ick mit dem Kinde hin, und es fällt sich zu Tode, und ich werd' unglücklich Zeit meines Lebens," als sie von einer kräftigen Hand erfaßt und aufrecht gehalten wurde. Und als sie sich umsah, so war der Helfer in der Not niemand anders als Jan in Skrolycka, der im Flur geblieben war, ganz wie wenn er gewußt hätte, daß man ihn hier braucken würde. Aber ehe sich die Mutter in Falla wieder von ihrem Schrecken erholt hatte und etwas zu Jan sagen konnte, war er verschwunden. Und als sie mit ihrem Mann nach Hanse gefahren kam, stand er wieder draußen bei seiner Grabarbeit. Nachdem das drohende Unglück verhindert worden war, hatte er gefühlt, daß er nun ruhig nach Hause gehen konnte. Aber weder Erik noch seine Frau sagten etwas zu ihm wegen seines unpassenden Benebmcns. Statt dessen lud ihn die Mutter m Falla zum Kaffee herein, in dem erdigen, lchm-. bespritzten Anzug, in dem er da draußen ans dem herbstlich feuchten Brachfeld seine Arbeit verrichtete. Das Impfen. Als das kleine Mädchen von Skrolycka geimpft werden sollte, hatte niemand etwas einzuwenden, daß ihr Vater Jan mitging, als er selbst die Absicht kund tat. Das Impfen sollte eines Abends Ende August vorgenommen werden, und als Katrine von Hanse wegging, war es schon ganz dunkel. Sie war deshalb sehr froh, jemand bei sich zu haben, der ihr über Zäune und Gräben und alle anderen Schwierigkeiten auf dem elenden Weg hinnberhals. Tic Kinder sollten in Erik in Fallas Haus geimpft wer- den, und die Mutter in Falla hatte auf der Feucrstclle ein Ricsenfcuer angezündet, das ihrer Meinung nach neben einem dünnen Talglicht ans einem Tischchen, wo der Küster seine Arbeit verrichten sollte, zur Beleuchtung vollständig ausreichte. Die Leute von Skrolycka fanden es, wie alle die anderen Anwesenden, ungewöhnlich hell im Zimmer, aber trotzdem war es nicht heller, als daß die Dunkelheit wie eine grau- schwarze Mauer vor den Wänden stand und das Zimmer kleiner erscheinen ließ, als es in Wirklichkeit war. Und in dieser Dunkelheit konnte man einen Hansen Weiber unter- scheiden init Kindern, die nicht älter als ein Jahr waren und die noch auf dem Arm getragen, geschweigt und auf jede Weise versorgt werden mußten. Die meisten waren dabei, ihre Kleinen aus den Tüchern und Umhüllungen herauszuschälen. Dann zogen sie ihnen die bunten Kattnnkittclchen ans und lösten die Bänder, mit denen die Hemdchen zusammengebunden waren, damit nachher, wenn der Küster zum Jmpstisch rief, der Oberkörper des Kindes leicht entblößt werden konnte. Es war merkwürdig still im Zimnier, obgleich so viele kleine Schreihälse hier beieinander waren. Das gegenseitige Anstarren schien ihnen offenbar Vergnügen zu machen, und so vergaßen sie alles Lärinen und Schreien. Und die Mütter verhielten sich auch still, um besser hören zu können, was der Küster sagte, der die ganze Zeit über mit ihnen redete. „Es gibt für mich wirklich nichts Angenehmeres, als wenn ich so zum Impfen umherziehe und mir dabei alle die hübschen Kinder betrachten kann," sagte der Küster.„Nun wollen wir sehen, ob das ein seiner Jahrgang ist. den Jbr bier bieten könnt,______________(Forts, folgt.) Dectsohes Theater. fetzte 8 Aufführungen: 81/, Uhr: l>ic Familie Schlmek. (Schwank.) Kaimnerspiele. Letzte 8 Aufführ.: S1!,: Die Liebesinsel. (Lustspiel.) Toik�bülme. Theater a. BDIowpl. Letzte 8 Aufführung. S'/.�: Der Jongleur (Gesangsposse.) Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. KönipgrätzerStr. 6 Lhr; Ein TranmMpici. BCemödienhaus 81;, Uhr, z. 125. M.; Der 7. Tag. Serliner Theater 81/< Uhr: Gastspiel: Der HiaS. Sessing-Theater. Allabendlioli S1/. Uhr: Lumpacivagabundus Sommerpr. Keine Vorverkaufsgeb. Deutsch. Künstler-Theater. S'/. Uhr: Die selige Exzellenz. URANIA Tanbcnstr. 48/40. 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Salzburger Alpen. Theater am Donnerstag, den 24. August Deutsches Opernhaus, Charlottenb, 8Utr: MipOU. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater s'/.u.: Das Dreimäderihaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. 81/. Uhr; Wachsmanns Hühnerhof. Kleines Theater u.; EliesanatOFiam. Komische Oper S1/. U.:.Der selige Balduin. Lustspielhaus s'/jU.: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater «'/. u.: DieGroßherzoginv.CepoIst Bcsidcnz-Theater Gastspiel Maximas RenA. s'/.u.: Frieflen im Krieg. Schlllcr-T. Charlottenb. 8 Uhr: 1�-88�11!�. Thalia-Theater s1/. u.: Blondinehen. Theater am Xollendorfpl. 8«/. u.: Immer feste druff! Theater des Westens 8v, u.: Das Giücksmädel. Trlanon-Theater 8'/. u.: Die Slroliwilwe. Rose=Theater. S'�U: Die Welt ohne Bänner. Gastspiel Atwiu Neust. Gartenbükne: Bs gibt nur ein Berlin. Walhulia-Theuter. S'/.U.: 4'fa Uhr: Eartcn.Äorttellung. -Possen-Theater- Linienstraße a. d. FnedrichstraBe. Täglich 81/, Uhr; Qebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. Reicbsliallen-Tlieater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Militärische Humoreske von Horst. Ansang 8 Uhr. Für MUitärpcr- sonen jreicr Eintritt �zu den Stett. Sängern. easinv-T'Keater. Lothringer Str. 37. Täglich 8'/, Uhr. Einzig in seiner Art in Grost-Lertm. Berliner Humor in ernster Zeit. Meiiie gute Olle. Original-Bosse in 3 Auszügen. Vorher erstklassiger bunter Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Milchschulzen. idmiralspalast. Das herrliche Eisballett j'antasie. Auf. 9 Uhr. 2,», 4 B. V oigt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. ■V Täglich"9(2 Das Mädel ohne Geld. Erstklassiges farietfi-Progranun. Anfang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. rYerdun-i Der am Zoo. franzosische Festungskrieg plastisch dargestellt. Täglich von 10—8 geöffnet Eintritt 50 Pf.* _ Soldaten u. Kinder 25 Pf.__ ßmlast Tficnfi-r- /!m Too Tägl. 8 Uhr. Sonnt 31/, n. 8 U. Nur noch bis 31. 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August 1914 entsprechend, wieder aus 41/2 Proz. festgesetzt. Sie betragen demnach für die 5. Klasse 1,35 M. pro Woche .. 4.. 1.08... .. 3.. 0,81... .. 2.. 0.54... ,, 1., 0,27 .. a. 0,18. Veranlassung zu der Erhöhung sind die fortgesetzten Steigerungen aller Bedarfsartikel der Kranfcnpflege, sämtlicher Bureauartikel, sowie die Erhöhung der Krankcnhaus-Pflcge- sätze.' 270/7 Der Vorstand. 0 Weber, SBorfibcnbcr. Westmann's Trousrmotszin Größte Answalil. Billigste Preise. L MohrenttraDe 37a (Kolonnaden) IL Or. Frankfurter Str. 115 (nahe Andreasstr.) Aoswahlstndungen sofort. Amt Zentrum 7890. Sonntas 12—2 Uhr ßcöffntL Prima Würstcheu 100 St. 17.50 Ger. Schinken kg 6.00 100 St. 15.00 Mettwurst kg 4.80 100 St. 12.50 Knoblauchwurst kg 4.00 Blutwurst, Kilo 3,40, von frischem, best. Rohflctsch, Nachn., Eilpost-Vers. Artur Schindler. Zwickau i. Sa. 19 SpeMtarzt| für Haut«, Harn-, Frauenleiden, nero. Schwäche, Beinkranle jeder -». Ehrlichchaiachiim, Friedtietelr, 81, s:S::. 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Glückwünsche zur Silberhochzeit am 24. August 1916 1131b ßmEinilitiezeDMEi'zll. Die Drisverwaiiung d. Zentral-Kranken- u. Sterbekasse der Tischler(E. H. 3), Zahlstelle Lichtenberg. * W \l/ iv 9/ 9/ «v iv V «/ K Am 22. d. M.. früh 5'/, Uhr. starb meine liebe Frau und unsere gme Mutter Klara Krüxer geb. Haase im 59. Lebensjahre. Dies zeigt ticslletrübt an Alex Krüger nebst Tochter Erna und Sohn Herbert Neukölln, Herrsurthstr. 19. Die Beerdigung findet morgen Freitag, den 25. August, nach- mittags 4 Uhr, von der Leichen- balle des neuen JakobikirchhoseS, Hermannstratze, aus statt. Vorwärts-Abonnenten erhalten 20 Prozent Rabatt, wenn sie bei Aus- gäbe von privaten .Kleinen Anzeigen' die Abonnements-«aal quittung mit Gut-~3bG! schein vorweisen. Verkäufe. Steppdecken! Große Posten stmili- seidener Steppdecken, auch doppcl- scittge, autzerordentlich billig I Riesen- auswabl in Tüllbettdecken, Tischdecken, Diwandccken. Schlaizimmer-Gardinen, Tevpichcn usw., sehr billige Angebole. 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