Hr. 199.- 1916. Unterhaltungsblatt ües vorwärts Freitag, 25. August. Hanöels-�-Soot �DeutschZanö�. Wir konnten gestern sckon mit dem Tclegrcnnm über die An- kunfl der.Deutschland" einige kiiZher geheim gehaltene Zahlen über die Abmessungen dieses Unterseebootes geben. Zu ihrer Aeranschau- lichung sei gesagt, daß die Abmessungen von KS Meter Länge und 3.9 Meter Breite fast genau denen entsprechen, welche ein preußisches Normal-Binnenschiff m Größe von 600 Tonnen hat. Fahrzeuge dieser Art nennt der Schiffer Plaucr Maßkäbnc, die Berliner nennen sie Eibkäbne, der Hamburger Oberländer Kähne. Da? größere De- plazenrent deS I7-Boolcs erklärt sich daraus, daß dasselbe als See- schiff eine etwa L0 Zciilimetcr größere Breite und einen Tiesgang von 4,50 Meter haben konnte, während die Tauchticse der Binnen- schiffe nur etwa 1,80 Meter beträgt. Beim Bau der„Teutschland" galt eZ eine ganze Reihe von technischen und wirtschaftlichen Anforderungen zü vereinen. Die Rentabilitätsforderung verlangte ein möglichst geräumiges, das heißt ein großes Schiff, die kurz bemessene Bauzeit— daS Boot mußte noch während deS Krieges sertiggestellt werden— ermöglichte nur die Herstellung eines Fahrzeuge? von der Größe, wie diese sonst etwa in unserer Kiifteiifahrt üblich ist. Gegenüber Schiffen von normaler Bauart mußte die.Deutschland" den Nachteil haben, daß sie einmal den Ausorderuugcn siir große Fahrt entsprechen mußte, die man sonst an Fahrzeugen dieser Größe noch nicht zu stellen Pflegt, andererseits aber außerdem noch Versieisungen gegen den Wasser- druck in größerer Tiefe eingebaut erhielt, die natürlich für ein über Wasser fahrendes Schiff durchaus nicht notwendig sind. Dadurch wird der Raum für die nützliche Zuladung gegenüber dem Geiamldeplaccmcnt noch weiter beschränkt. Lorteilbaft konnte das Schiff allerdings abschneiden gegenüber den KriegS-Unterseebooten. Da die„Deutschland" feindlichen Angriffen nicht durch Schnelligkeit zci entgehen brauchte, wie dies bei einem über Wasser fahrenden Schiffe der Fall sein muß, weil sie sich durch Untertauchen unauffind- bar macht, kam es aus große Geschwindigkeit nicht so an. Während von den Kriegs-H-Booten ein schlanker Körper mit feinen Linien verlangt werden muß, den starke Maschinen so rasch treiben, daß er einen Posidampfer einzuholen vermag, konnte die„Deutschland" sich eine gewisse behäbige Breite und eine rundliche Fülle des Rumpfes zulegen. Die schwächeren Maschinen sparen nicht nur an eigenem Gewicht, sondern auch an Liaum für den Brennstoff, oder aber sie geben bei gleichen Bunkcrräumcn für den Betriebsstoff einen erheb- lich größeren Aktionsradius. Dieser>sl bei der„Deutschland" so groß, daß das Schiff die Reise über den Ozean ohne Nachsüllnng hin und zurück machen kann. Das hat einmal den Vorteil, daß das Schiff überreichlich mit Betriebsmaterial versorgt werden kann, wodurch eine größere Sicherheit gewährleistet ist, sowie daß der in Amerika übernommene Brennstoff nicht nur für die Rückreise, sondern auch für die neue Ausreise reicht. Auf diese Weise wird auch unser heimisches Brenustoffmaterial geschont. Zur weiteren Sicherheit und Wirtschaftlichkeit tragen noch die beiden sechSzylindrigen Dieselmotoren bei. Der Sicherheit dienen sie insofern, als beim Versagen einer Maschine das Schiff seine Fahrt mit der anderen fortsetzen kann. Wirtschaftlich ist daS Doppel» schraubcnsystem, weil das Schiff mit einer Schraube nicht etwa nur die Hälfte, sondern zirka vier Fünftel seiner größten Geschwindigkeit zu erreichen vermag. Läßt mau imr eine Schraube arbeiten, so vermag mau bei halbem Breiinstoffverbranch den AktiouS- radiuL des Fahrzeuges sehr erheblich zu vergrößern. Die Germania- werft in Kiel, welcher der Bau der HandelS-II-Boote übertragen wurde, hat— offenbar um möglichst schnell liefern zu können � die beiden Dieselmotoren ohne Umsteuerung geliefert, weil sie auf diese Weise vorhandene Modelle benutzen konnte. Nun kann man ein Schiff auf keine andere Weise so wirksam„bremsen", als wenn man die Schrauben rückwärts arbeiten läßt. Dies auch ohne Umsieuerung der Maschinen und ohne Wendegetriebe in der Kuppelung zu er- reichcn, gelang ans genial einfache Weise. Jedes Iliilersecboot be« darf bei den: heutigen Stande der Technik noch einer Elektromotor- anlöge zur Unterwasicrfohrt. Bei der„Deutschland" sind Diesel- Maschine und Elektromotor mit der Schraubcnwelle derart gekuppelt, daß die Auswechselung beider AnlnebSarlcn fast augenblicklich vor sich gehen kann. Stoppt das Schiff ab, so wird die Dieselmotor- anlage nnsgeschaltcl und die weiteren Manöver, also vor allem das Rückivärtsschlagen der Schraube, erfolgen nun mit Hilfe der Elektro- motoren. Diese Iverdcn natürlich durch eine Batterie getrieben, deren Auffüllung während der Ucberwaüerfabrt erfolgt. Die Kapazität der Batterie ist bei den modernen Unterseebooten so groß bemeffen, daß sie für etwa 12 Stunden Unterwasserfahrt ausreicht. Während der Dauer von 12 Stunden wird es dem Unterseeboot gemeinhin gelingen, sich von etwaigen Verfolgern frei zu machen, dn eine solche Tauchdaucr es immer ermöglicht, den Augenblick des Wiederauf- täuchcns in die Zeil der dimkelstetl Nacht zu verlegen. Der Maschinenraum liegt auf der„Deutschland", Uniersccbotcn, hinten. wie bei allen Durch den vor dem Maschinenraum liegenden Ladcraun� führt ein Tunnel zur Zentrale, in der alle für die Bedienung des Schiffes bei der Unterwasserfahrt erforderlichen Einrichtungen vereinigt sind. Die vor der Zentrale liegenden beiden Abteilungen enthalten unten die Akknmulatorcn- und oben die Wohnräume für die Mann- schasten. Durch den vorderen Laderaum führt wiederum ein Tunnel nach dem Bugraum, in dem verschiedene Antricbsmolore unter- gebracht sind. Bug-»nd Heckraum sind außerdem noch für Wohn- zwecke nutzbar gemacht. lieber der Zentrale ist ein geräumiger Kommandoturm mit Seh- röhr angcordiict! ein zweites Sebrohr fuhrt nach der Zentrale. Auf dem Kommandoturm befindet sich eine NavigationSplaltform, die erfahrungsgemäß auch noch bei verhältnismäßig schlechtem Wetter verwendbar ist. Die Besatzung deS Bootes besteht aus 20 Köpfen. Mit Rücksicht auf die lange Reisedauer ist ans eine gute Unterbringung der Mann- schaff besondere Sorgfalt verwendet worden! die einschlägigen gesetz- licken Bestimmungen wurden sinngemäß beobachtet. Auch sonst, wie zum Beispiel m bezug auf Materialstärken, die Ausrüstung mit Booten, Ankern und Ketten, sowie in bezug auf den Freibord und die Schotlencintcilung sind die Vorschriften deS Germanischen Lloyds und der SeeberufZgenossenschaft berücksichtigt worden. Selbstver- ständlich sind auch die übrigen auf Untersecboien üblichen Sicher- hellseinrichiungen, wie Telcphonbojcn, Lustaussrischungscinrichtung u. dcrgl. vorgesehen. Die„Deutschland" sowohl nIS ifir Schwesterschiff„Bremen", deren Rumpf von der Flcnsburger Schiffbau-A.-G. hergestellt wurde, sind mit Funkcntclegraphiccinnchtung von guter Reichweile ausgerüstet. Nach den bisher in die Ocffentlichkeit gelangten Mitteilungen hat Kapitän König die„Deutschland" ans ihrem 4200 See- meilcn langen Kurse nur 100 Meilen tauchen lassen, ein Beweis, daß er und seine Mannschaft sich in die Eigenheiten dieses neu- artigen SchiflsthvcS ganz außergewöhnlich rasch eingearbeitet haben. Wer je eine Ozeanreise gemacht Hai, weiß ja, daß die großen Handelsstraßen der See nicht in dem Maße von Schiffen wimmeln, wie etwa die Berliner Fciedrichstraße von Fuß- gängern. Die Gefahr, gesehen zu werden, ist also siir ein Unter- sceboot auch aus der Wasseroberfläche nicht allzu groß. Immerhin mußte aber die Führung der„Deutschland" damit rechnen, daß daS Fahrzeug von feindlichen Kaperschiffen g e s u ch t werde. Es galt daher für das Schiff, vorflchtigerweise nicht nur allen Kriegsschiffen, sondern auch den Kauffahrteischiffen aus dem Wege zu gehen, die seine Anwesenheit eventuell ja drahtlos weiter melden konnten. Dazu gehörte eine unausgesetzte Aufmerksamkeit im Ausguck, bei einem io niedrig gebauten Fahrzeug eine starke Anforderung an die dnmit Betrauten. Ein wahres Glück, daß sich die großen Dampfer nicht nur durch ihr hohes Ucbcrwasserswiff mit den Ausbauten, sondern vor allen Dingen lange vorher durch ihre niächtigen Rauchfahnen verraten. Da galt es für das kleine, niedrige, nur lvcnig aus dein Wasser ragende Schiffchen, den großen Brüdern durch geschickte Kurs- änderungen möglichst weit vom Leibe zu bleiben. Die Navigation wurde dadurch naiürlich nicht leichter, daß man die gerade Linie so oft verlassen und den Kurs komplizieren mußte. Und wie den Kon- struktenren der„Deutschland" gebührt auch ihrer braven Mannschaft ein reichlicher Anteil an der Bewunderung, welche das hier gc- leistete technische und seemännische Meisterwerk notwendigerweise wachrufen muß.___ kleines Zeuifleton. Unterricht einer Taubbiinöen. In der medizinischen Sektion der schlcsischeu Gesellschaft für Vaterländische Kultur stellte Dr. Phil. Ludwig Eohn-BreSlaii eine zwanzigjährige laubblinde Patientin vor, der er in wenigen Wochen das Schreiben und Lesen der Blindenschrift und die Taubblinden- Fingersprache beigebracht und sie damit vor seelischer Verzweiflung gerettet halle. Die Patientin war als normal sehendes nnd hörendes Kind ausgewackien. Vor einigen Jahren eniivickelte sich bei ihr ein Kleinhirngeschwür, das nriprünglich zu Hörstörungen in Gestalt von Reiz- und Lähmungscri'chcinungen und bei weiterem Fortschreiten zu völliger Zerstörung des Gehörs und der Sehkraft führte. Die Unglück- liche'war dadurch, wie wohl begreiflich, in einen Zustand tiefster Depression geraten und äußerte iviedcrholt Selbstmordabsichten, da sie den Zustand absoluter Untätigkeit und des Abaeschnillenseins von der ganzen übrigen Welt, den ihr Augenleiden bedingte, nicht mehr ertragen konnte. So kam sie zu Dr. Cohn, der, selbst Rind, Blindenuirterrichl gibt. Natürlich war es weit leichter eine solche Patienlin zu unter- richten als eine der von Jugend auf Gesichts« und Gehörssinn gefehlt hätte, denn jene halte auS ihrer sehenden nnd hörenden Zeit her noch eine Reihe von Kenntnisien, die anögenützr werden konme. So be- herrschte sie die gewöhnliche Druck- und Schreibschrift. Sie bekam nun Leseunterricht, indem man ihr ein Alphabetenschema borlegte, das oben in erhabener Schrift die lateinischen Buchstaben und unten die Blindenschrift zeigte. Nach vier Wochen konnte sie diese Schrift lesen und schreiben. Gleichzeitig erhielt sie Unterricht in der Tanbblindensingersprache, die aus verschiedenen Klopfzeichen ans die cinzeinen Stellen der Hand besteht. Nach diesem Alphabet, das schon von dem taubblindcn Dichwr Hieronymus Lorm benutzt wurde, wird beispielsweise der Buchstabe A durch ein leises Klopfen auf die Junenseite des Daumens ausgedrückt, der Buchstabe L durch Bestreichen des unter dem Zeigefinger befindlichen Hand- ballens usw. Endlich lernte die Patientin auch noch die großen la- teinischen Buchstaben in Taselformcn schreiben und konnte nach zehn Wochen als fertig ausgebildet entlassen werden. Rührend erschcinl es. daß sie nach diesen, Unterricht, der ihr gewissermaßen wieder die Pforten zur Außenwelt erschlossen halte, äußerte:„Ich glaube, ich werde noch einmal ganz glücklich". Serliner Theater:„Der Hias*. „Der Hins" ist ein von einem Feldgrauen cutworfcues und von Feldgrauen dargestelltes KriegSspiel. Der Hias selber, ein im Grunde gutmütiger nicderbaverischer Kraftmensch, der mit Hilfe eines vcr- liebten Franzosenmädchens(bei einer Deutschen wäre cS wohl Landesverrat gewesen) a»S der Gefangenschaft entwischt und mit den Kameraden seinen vor ein französisches Kriegsgericht zitierten Offizier befreit, fand einen frisch naturwüchsigen Vertreter. Ein Festlag irn Lager gab Gelegenheit zur Vorführung von allerhand kleinen Spielen und Künsten, darunter einen flotten baherischcn Schuhplattler- tanz. Die im Film vorüberziehenden Erstürmungsszenen riefen dann wieder die Erinnerung an all die surchlbareu Leiden wach. Das Publikum verhielt sich uucrschöpslich berfallsfreudig. Die Nach- richt von der glücklichen Ankunft des Unterseeboots in der Weser- miindung wurde mit dem Gesang des Liedes:„Deutschland, Deutsch« land über alles" aufgenommen. ät. künstliches Grunöwaster.. Wo daS natürliche Grundwasser— besonders für die Wasser- Versorgung großer Städte— zu mangeln beginnt, ist man neuer- dings'dazu übergegangen, Grundwasser liinsttich zu schaffen. Der dabei verfolgte Zweck leuchtet ohne weiteres ein: da" Grundwasser ist in jeder Weise viel reiner als daS Oberflächenwasser ans Flüssen und Seen nnd als Trinkwasser zu gebrauchen. Auch Berlin ist zur Erzeugung künstlichen Grundwassers übergegangen, da daS natürliche in den Sommerinonaten nicht mehr ausreichte und die Bcr- Wendung des OberflächenwasscrS aus dem Müggelsee nur nach allzu kostspieligen Reinigungsverfahren zulässig war. Wie der „Prometheus" berichtet, werden in der Nähe des Müggelsees Bersickennigsteiche eingerichtet, in denen daS Waffer immer auf einer Hohe von 20 Zentimeter gehalten wird. Fünfmal im Jahre werden die Teiche abgelassen und der Boden autgcbrocheu und zun, neuen Versickern durchlässig gemacht. DaS versickernde Wasser strebt nickt aus dem kürzesten Wege zum Grundwasser, sondern breitet sich trichterförmig aus und hat so Gelegenheit, sich in den durchflossencn Bodenschichten völlig zu reinigen. Berlin erhält jetzt bereits zu vcr- bältnismäßig geringen Kosten jährlich 4—4,5 Millionen Kubikmeter kiiustlicheö Grundwasser, das von guter Ouaiität ist. Notize«. — Ein Jubiläum der Unterseetelcgraphie. Die Kabelverbindung zwischen Europa und Amerika konnte Anfang August ihr 50jährigeS Jubiläum feiern, ein Gedenktag, der in dieser ereignisreichen Zeit bisher wenig Beachtung gefunden bat. Bei dem ersten Versuche der Kabellegung'im Jahre 1857 mußte das Kabel in zwei Teile zerlegt werden, da zum Transport deS ganzen Kabels kein Fahrzeug in der ganzen Welt aufgetrieben werden konnte. 1866 wurde die Kabcllegung durch daS große englische Schiff„Great Eastcru" bewerkstelligt. Am 4. August waren die Arbeiten beendet, und bereits am folgenden Tage vollzog sich der erste Austausch der Telegramme. Am 2. September gelang eS dem„Grcal Eastcrn", auch ein bei früheren Versuchen zerbrochenes Kabel wieder aufzu- fangen und völlig instand zu setzen, so daß bereits im Herbst des Jahres 1866 zwei Unterseekabel in Tätigkeit waren. Bei AuS- bruch des Weltkrieges war ihre Zabl aus 18 gestiegen. — Ein neuer Karte ubpief wird in der„Papier- Zeitung" beschrieben. Bei dem üblichen Kartenbriefe muß beim Oeffnen die Lochreihe durchrissen werden, und das bietet bei den billigeren Papiersorten Schwierigkeiten, so daß häufig Teile des Briefes mitabrcitzen. Bei dem neuen„Zugbrief" genügt, wie eben schon der Name sagt, ein Zug, um dem Empfänger den In- halt des Schreibens vor Augen zu führen. Die Einlage zcr- schneidet mit einem Zug den äußeren Umschlag. Ein weiterer Vorteil ist, daß die Einlage die doppelte Größe der üblichen Karten- bricfe hat. öj Jam Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selms Lagerlöf. Ter Mann war nicht nur der Küster, sondern auch der Schutlehrer, und er hatte Zeit seines Lebens in diesem Kirch- spiel gewohnt. Er hatte schon die Mütter geimpft nnd unterrichtet, war Zeuge ihrer Konfirmation und ihrer Hochzeiten gewesen, und nun sollte er ihre Kinder impfen. Das war das erste, was die kleinen Weltbürger mit dem Manne zu tun bekamen, der später eine so große Nolle in ihrem Leben spielen würde. Ter Anfang stellte sich günstig an. Eine Mutter nach der anderen kam herbei, setzte sich auf den Stuhl neben dem Tisch und hielt ihr Kind so, daß der Lichtschein auf dessen nacktes linkes Aermchen fiel. Und während der Küster immer weiter redete, setzte er die drei Schnitte in die glänzende weiße Haut, ohne daß das Kind einen Laut von sich gab. Tann ging die Mutter mit dem Kind zum Feuer hin und hielt sich eine Weile in der Nähe der Flammen ans, um den Jnipsslofs eintrocknen zu lassen. Inzwischen dachte sie an das, was der Küster zu ihr und ihrem Kind gesagt hatte; nämlich, daß es groß uttd schön sei nnd dem Hofe zur Ehre gereichen und ebenso tüchtig werden solle, wie sein Vater und Großvater, ja vielleicht noch tüchtiger. So ging es still und ruhig weiter, bis die Reihe an Katrine von Skrolycka war. Als sie niit dem Kinde herbei- kam, schrie und wehrte sich die kleine Klara und schlug um sich. Katrine versuchte sie zu beruhigen, und der Küster sprach sanft und freundlich mit ihr, aber sie war und blieb von wilder Angst beherrscht. Katrine mußte sie wieder wegtragen und versuchen, sie zu beschwichtigen. Taraus wurde ein großer starker Junge geimpft, der nickst einen einzigen Schrei hören ließ; aber als Katrine dann mit der Kleinen wieder herbeikam, erneute sich der vorherige Auftritt. Sie konnte das Kind nicht dazu bringen, so lange stillzuhalten, daß der Küster auch nur einen einzigen Schnitt machen konnte. Außer der tleinen Klara war kein Kind mehr zum Impfen da. nnd Katrine war ganz außer sich, weil sich ihr Kind so schlecht aufführte. Sie wußte nicht/ was sie tun sollte, als plötzlich Jan ganz rasch aus der Dunkelheit bei der Tür hervortrat. Er nahm das Kind ans den Arm, nnd Katrine stand von dem Stuhl ans, um ihm Platz zu machen. „Ja, versuch Tu, ob's Dir besser geht!" sagte sie mit leicht verächtlichem Ton in der Stimme, denn sie hielt den kleinen abgeschafften Knecht Erik in Falla, den sie geheiratet hatte, in gar keiner Hinsicht für besser als sich selbst. Aber ehe Jan sich setzte, warf er die Jacke zurück, und nun zeigte es sich, daß er drüben in der Dunkelheit seinen einen Hemdärmel weit hinaufgekrcmpelt hatte. Er streckte den nackten Arm vor nnd sagte, er möchte selbst gern geimpft werden und er fürchte sich vor nichts so sehr wie Bor den Pocken. Als die kleine Klara den nackten Arm sah, wurde sie plötzlich ganz still und sah ihren Vater mit großen klugen Augen gespannt an. Sie sah auch aufmerksam zu, wie der Küster die drei roten Striche in den Arm machte. Dann sah sie von dem einen zum anderen und merkte da recht wohl, daß es dem Vater gar nicht schlecht erging. Als Jan Andersson fertig war, wendete er sich an den Küster nnd sagte: „Jetzt ist die Kleine ganz ruhig, nun könnt Jhr's viel- leicht noch einmal versuchen, Küster." Ja. der Küster versuchte es noch einmal, und diesmal ging es ausgezeichnet. Die kleine Klara saß die ganze Zeit mit derselben altklugen Miene da und stieß nicht einen ein- zigen Schrei aus. Auch der Küster schwieg, bis er mit seiner Arbeit fertig war, dann sagte er: „Wenn Ihr das nur getan habt, um das Kind zu be- ruhigen, Jan, dann hätten wir ja nur so tun können, als wollten wir---" Aber da fiel Jan ein: „Nein, nein, Küster, das war nicht gegangen. So ein Kind wie dieses gibt es gar nickst mehr. Dieser Kleinen kann man unmöglich etwas weismachen, was nicht wirklich so ist." Der Geburtstag. An dem Tag, wo das kleine Mädchen ein Jahr alt wurde, war ihr Vater auf Erik in Fallas Brachfeld bei seiner Grab- arbeit. Er versuchte sich klarzumachen, wie es früher gewesen war, als noch niemand da war, an den er bei seiner Arbeit ans dem Felde denken konnte, damals, wo er auch noch nicht das klopfende Herz in der Brust gehabt hatte, wo er noch keine Sehnsucht verspürt hatte nnd nie beunruhigt gewesen war. „Wie merkwürdig, daß ein Mensch ans diese Weise leben kann!" sagte er nnd verachtete sich dabei selbst. „Ja," fuhr er fort,„das ist das einzige, worauf's an- kommt. Wenn ich so reich war wie Erik in Falla, oder so stark wie Börse, der dort drüben seinen Acker umgräbt, so war das gar nichts im Vergleich zu dem klopfenden Herzen in meiner Brust." Er sah zu Börse hinüber, der ein ungeheuer starker Mann war und ungefähr doppelt so viel Arbeit bewältigen konnte als er. Während nun Jan zu Börjc hinübersah, siel ihm auf, daß dieser an diesem Tage lange nicht so weit gekommen war wie sonst. Sie bekamen von Erik Stücklohn, nnd Börse übernahm immer mehr als Jan; aber beide wurden trotzdem immer ungefähr zur selben Zeit fertig. An diesem Tag aber war Börje merkwürdig laugsam vorwärts gekommen, ja er hielt nicht einmal gleichen Schritt mit Jan, sondern war weit zurückgeblieben. Aber Jan hatte auch seine ganze Kraft eingesetzt, um möglichst rasch zu seinem kleinen Mädchen heimzukommen. An diesem Tag sehnte er sich noch viel mehr nach ihr als sonst. Sic lvar abends meist schläfrig, und. wenn er sich nicht beeilte, konnte sie möglicherweise schon fest eingeschlafen sein. Als Jan fertig war, sah er, daß Börse sein Stück tämu halb fertig hatte. Das war in all den Jahren, die sie nun zusammen arbeiteten, noch nie vorgekommen, und Jan ver- wunderte sich auch so darüber, daß er zu Börje hinging. Börje stand in dem Graben nnd plagte sich eben, eine hartnäckige Erdscholle herauszuheben. Er lvar ans einen Glasscherben getreten nnd hatte dabei eine tiefe Wunde im Fuß davongetragen. Es war ihm nickst inöglich, den Stiefel anzubehalten, nnd nun kann man sich wohl denken, wie schreck- lich das sein muß, wenn man mit einem verwundeten Fuß den Spaten in die Erde hineinzwingen soll. „Solltest Tu nicht lieber aufhören?" fragte Jan in Skrolycka. „Nein, ich muß durchaus heut fertig werden," erwiderte Börje,„denn ich bekomm ja kein Korn von Erik in Falla, ehe öas ausbedungene Stück fertig ist. Und wir haben daheim kein Roggenmehl mehr."(Forts, folgt.) DcTitKchcR Tlicntcr. Letzte 7 Aufführungen: 81/, Uhr: Die Familie Mchlnick. (Schwank.) Kainmerspiele. Letzte 7 Aufführ.: 8ll,: Die Liebesinsel. (Lustspiel.) Volksbühne. Theater a. Bülowpl. Letzte 7 Aufführung. 8'/,: Der Jongleur (Gesangsposse.) Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. KöniggrätzerStr. 8'/, Uhr; Kameraden. Komödienhaus 81/. Uhr: Der 7. Tag. Berliner Theater 8'l4. Uhr: Gastspiel: Der Hias. Sessing-Theater. Allabendlich 8'/, Uhr: Lumpacivagabundus. Sommerpr. Keine Vorverkaufsgeb Deutsch. Künstler-Theater. S1/, Uhr: Die selige Exzellenz. URAKiA Tanbenstr. 48/4!). 8 Uhr: Der Großglockner, Gastein und die Saizburger Alpen. Theater am Freitag, den 25. August. RcHidcnz-Tbeatcr Gastspiel Maximus RenA. sv, u.: Frieden im Krieg. 8chiIIer-T. Charlottcnb. 3 uhr: Alt-Heidelberg. Thalia-Theater sv. u.: ßiondinchen. Theater am Xollendortpl. s v. u.. immer feste druff! Theater des Westens 8V. u.: Das Giücksmadel. Trlanon-Theater «v. u.: Die Strohwitwe. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. 8Uhr:Doccaceio. Friedrich-Wilhelmsfädf. Theater «v.u.: Das Dreimäderliiaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. S'f. Uhr: Wachsmanns Hühnerhof. Kleines Theater ev. u.: Ehesanatorium. Komische Oper 8Uhr:Z.l.H.: Dieschönc Kubanerin. Lustspielhaus 8v,u.:Drauciibar& Fix. Metropol-Theater 8v,u.iDieGrflßhfirzogin?.GeroIst RosesTheater. S'/.U.: Die Welt ohne Ränncr Gastspiel Alwin Neust Gartenbiihne: Bs gibt nur ein Berlin. Walkaiia-Iiieater. 8v.u.:Weiri.SiegesgloEkM läuten U/j Uhr:(Sorten. aiorftctlunß. r Possen-Theater n LlnienstraBo a. d. FnedrichstraBe. Täglich 8'/. Uhr: Gebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. ßeicbshallen-Theater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Militärische Humoreske von Her st. Ansang 8 Uhr. Für MUifärpcr- joncn jreier Eintritt zu den Stell. Sängern. Admiraispaiasl. Das herrliche Eisballett antasie. O Uhr. 2.», 4 51. V olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. (*S£- Täglich-MW Das Mäilel ohne Geld. Erstklassiges Ifarietfi-Proirami. Ansang 5 Uhr. SenntazZ 4 Uhr. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 8'/, Uhr. Einzig in seiner Art in Greg. Berlin. Lerimer Humor in ernster ZeiL Meine gute Olle. Original-Posse in 3 Auszügen. Vorher ersthiassiger bunter Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Milchschulzen. r Verdünn am Zoo. Der französische Festungskrieg plastisch dargestellt. Täglich von 10—8 geöflnet. Eintritt 50 Pf.* _ Soldaten u. Kinder 25 Pf._ Thccte: v."Woc Tägl.8Uhr. Sonnt 3'/, u. 8 U. Nur noch bis 31. August mit R. Stoidl, Anna Müller-Lincke, Otto Reutter usw. GemerK schastsh ans. Tonntag. den 527. August 1916: Im herrlichen Nafnrgarten: Doppel-Uoiiäett und Gesangs-Vorträge der Äonzerlsängeiin L,isa Orletta. Sonntag mittag: Geflügelsuppe....... 0,20 Zanderfttet in Deistwein... 1,50 Slal. grün, mit Gurfensalot.. 1,50 Blumenkohl, Holl, falte Beilage 1,25 Perlbohnen mit Fetthering.. 1,— '/, Masthahn....... 2,50 Gänsebraten....... 2,50 Kompott oder Salat.... 0,25 Käse.......... 0,50 Speise......... 0,30 Gr. Bierläiibrr Mastriitenröften, a Port. m. Rotfohl 2.58 M. Altlllvv. Holländer Fetthähne(sür 3 Pest.) mit Zubehör, St. 5,00 M. Heute und morgen ein sehr billiger Schnellverkauf! Ein groger Posten Zhettgänse, a Psd. Ein groger Posten schwere, fette Bierländ. Enteil, a Psd. Ein groger Posten fetter Kapanne, a Psd...... Ein groger Posten Gänsepökelfleisch, a Psd...... 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Die schwarze Farbe, das Tange Transporte und nasse Witterung aushaltende feste Fleisch, die ungeheuere Fruchtbarkeit wird die „schwarze König Albert" bald zur begehrtesten aller Erd- beersorten machen, besonders seitens der Marktgärtner, die Massenerträge, Transportfestigkeit, raschen Absatz von einer neuen Erdbeersorte verlangen. Wo auch die„schwarze Ananas" auf dem Markte ausgestellt wurde, alles griff nur nach ihr und sie war überall sofort ausverkauft.— Die schwarze König Albert ist ein Findling, ein Findelkind; niemand weiß recht, wer ihre Eltern sind, sie war, wie vom Himmel gefallen, plötzlich da, diese schwarze Prinzessin, auf dem Felde der Vierländer Erdbeergärtner, zu deren größter Verwunderung, und die Vierländer nahmen sich dieser Neugeborenen herzlichst an, hegten sie und pflegten sie, und man steht jetzt voll Verwunderung vor diesem schwarzen Königs- kinde.dieserschwarzenAnanas, die bald durch ihre enormen Erträge den ganzen Erdbeerbau beherrschen wird.— 12 Pflanzen M. 1.75— 25 Pflanzen M. 3.—, 50 Pflanzen M. 5.—, 100 Pflanzen M, 9.—, 200 Pflanzen M. 14.—, 1000 Pflanzen M. 45.—. Die Aufträge werden der Reihe nach, in der sie einlaufen, ausgeführt, soweit, wie das beschränkte Pflanzenmaterial, da Neuheit, zuläßt. Verbindlich ist dieses Angebot bis 8. September. Blumengärtnereien Peterseim-Erfurt. 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Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet am Sonnabend, den 26. August, nachmittags 3'/, Uhr, im Krema- torium in Treptow-Baumschulen- weg. Kiesholzstrage, statt Um rege Beteiligung estucht Her Yor.tand. Am 22. August ist unser lieher Mitarbeiter, der Korrektor Max Danker nach schwerer Krankheit im 57. Lebensjahre verschieden. Mehr als ein Jahrzehnt hat er in treue ster Pflichterfüllung unserem Geschäft gedient und war uns allen ein lieber, auf richtiger Kollege, dessen Andenken wir dauernd in Ehren halten werden. Geschäftsleitung und Personal der Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsantalt Paul Singer& Co. Die Einäscherung unseres am 22. August verstorbenen Mit- gliedes, Herrn Max Danker Berlin, Sebastianstr. 37/38 findet morgen Sonnabend, den 26. August, nachmittags 3'/, Ubr, im Treptower Krematorium, an der Kiesholzstrabe, statt. Ehr« feinem Andenke«! SoziaideinokratiscIierWatilvereiD 1.1 SJerl. Reichstagswatilkreis. 18. AbL Bez. 813a. Am Mittwoch, den 23. August, oerstarb unser Genosse, der Schuh- machermeister Louis Fuchs Bellermannstr. 15. Ehre feinem Andenken! Die Einäscherung findet am Montag, den 28. August, nach- mittags 4 Uhr. im Krematorium Gerichtstr. 37/38 statt. Um rege Beteiligung ersucht Hei- Vortitand. DeiitsetierMetaliaflieiter-Verbaiiil Verwaltungsstelle Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, dag unser Kollege, der Schlosser llernmim Krüger am 19. August gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 25. August, nach- mittags i'l, Uhr, von der Leichen- balle des Gemeindesriedhoses in Spandau aus statL Rege Beteiligung erwartet 121 Tie OrtSverwaltung. Deutscher Transportarheiter-Verhanl Bezirksverwaltung GroB-Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unsere Kollegin, die Boten- frau 67/9 Amalie Hagen von der Firma Vorwärts-Spedl- tion, Bärwaldstrasse, am DienS- tag, den 22. d. M., im Wer von 55 Jahren verstorben isL Ehre ihrem Andenke«! Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 26. August, nach- mittags 3 Uhr, von der Leichen- balle des Pasfions- Kirchhofes, Mariendors, Eijenacher Str. 62, aus statt. Um rege Beteiligung eriucht Die Bezirksverwaltung. Am Montag starb plötzlich an Herzschlag unser lieber Vater, Schwieger- und Erossvater, der Sattler 1144b Aibert Hanneniann im 85. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Sonn- abend, den 26. d. Mts.. nachm. 3'/, Ubr, von der Leichenhalle des Heiliglreuz-Kirchhoses in Marien- dors aus statt. Um stille Teilnahme bitten Berta Haiiuemann, Johann Hannemann nebst Frau und Kindern. Als Ovfer des Weltkrieges fiel am 13. August 1916 mein herzensguter Mann, unser treu- sorgender Vater, Bruder, Schwa- ger und Ontel, der Gefreite Frieiiricii Heidemann Grenadier-Reg. Nr. 1, 10. Komp., im Alter von 35 Jahren. Dies zeigen an die tiestrauetnde Gattin Luise Heidemann, Liesenstr. 10, nebst allen Verwandten. Der Tod schlägt tiefe Wunden, Das habe ich empsunden, Als Ich Dich verlor. Ich traure mit den Kindern, Den schmerz fann niemand lindern, Den uns Dein Tod bereitet haL Wär jeder so wie er, Gäbs feinen Krieg und NoL Ein Sohn des Voltes war er, Getreu bis in den Tod. _ Nube samt! fl07 snAreien Stunden. Romane und Erzählungen sür da« arbeitende Volk Pro Heft 15 Ps. Buchhandlung Vorwärts, Berlin EW. 68, Lindenstrasse& Verkäufe. PfandlelhhaiiS Hennannolatz 6. Jedermanns Kaujgelegenheil. Grosses Teppichlager, Gardinenlager. Wäiche- lager, Bettenlager, UhreNlager, Gold- lachen, Rielenauswahl Herrenanzüge. HerrenpalelotS, Herrenhosen. Ferd. Lassalles Reden und Schriften. Gesamtausgabe(3 Bände) ebunden statt 12,— für Mark 6,—. luchhandlung Vorwärts, Linden« ftrasse 3. Staunenerregend! Neue Pelz- ganiituren spottbillig I SfuntSfragen I Fuchsgarnituren I OpofiumstolaS I Müssen allerlei! Neue Betten! Pracht- teppiche! GardinenauSwahl! Plüsch- decken! Bettwäsche I Herrengarderobe I Uhrenverfaus 1 Schmucksachen I hauS Warschauerstrasse 7. Leib. 36K- Schäfer- Raimund. 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