üt. 202.— 1916. Unterhaltungsblatt des Vorwärts pww /lus öer Sommesthlacht. ... Und nun fahren wir schon eine Stunde im Dunkeln, links und vor uns am nahen Horizont aufzuckende rote Blitze, fable Leucht- kugelhelle. Es grollt und donnert, als gewittere es allseitig um uns. Dem Hügel mit der Baumreihe vor uns geht es zu. Es scheint, als sei er ein Vulkan, so umzucken ihn Flammen in allen Abstufungen, vom grellsten Gelb bis zum trübsten Rot. Dazu Fauchen und Donnerhallen, dag man fürchtet, er werde bersten, in Rauch und Flammen verschwinden. Aus dem Dunkel unseres in der Tiefe liegenden Weges kommen uns Munitionskolonnen entgegen. Kurz vor dem Hügel biegen wir rechts ab, fahren weiter parallel dem Feuer. Nach und nach merkt man aber an dem Sausen der Granaten, daß man dem Kampfplatz näher gekommen ist. Noch eine halbe Stunde, während der wir noch ein paar- nial die Richtung wechseln. Wir halten vor einem in Ge- holzen steckenden Dorf, das sich massig, geheimnisvoll dunkel vom Grellrot des Feuers abhebt. Krachend, schmetternd tönen aus ihm die Einschläge der Granaten, in der Dunkelheit unheim- lich nahe scheinend.„Batterie Trab!* Die Tiere, die Un- heil wittern, legen sich zögernd, stampfend ins Geschirr; die Peitsche mug sie zur Ordnung bringen. Hochstämmige Linden und Elchen umsäumen den Weg. herabhängende zerschossene Zweige streifen das Gefährt, das Geschütz hopst über einen abgeslbossenen Ast. schars biegt es um ein tiefes Granatloch. An den ersten Häusern jagen wir vorbei. Unheimlich gähnen die dunklen Fenster, Ziegel fehlen, manchmal ist ein Loch in Dach und Mauer gerissen. Je mehr wir vorwärts kommen, desto stärker sind die Zeichen der Verwüstung. Raalsch— raatsch I Zwei Blitze zucken purpurn auf, zwei schwere Granaten sind rechts der Straße in die Häuser gefahren. Und so geht es weiter, einem Aufschlag folgt nach kurzer Pause der andere, glücklicherweise alles rechts und links der Straße in die Häuser; auf die Straße sind die Engländer schlecht eingeschossen. Verbogene Eisenträger, eine kahle Mauer ragen gespenstisch gen Himmel, Brandgeruch steigt in die Nase. In scharfem Trabe zieht die Batterie weiter. Halbrechts führt der Weg aus dem Dorf heraus. Freies Feld liegt vor uns, über dem die Sprengseuer platzender Schrapnells am Nachthimmel aufflammen. Weil links schießen Flammengarben von der Erde auf, Einschläge schwerer Geschofle. Leuchtkugeln steigen hoch, einzelne Bäume umgießt ihr bleiches Licht; ein Wäldchen am Horizont, ein zerschossenes Haus wird sichtbar. Batterie haaltl Nanu, hier ist doch leine Stellung? Wir fahren auf freiem Feld auf. „Bis zum Tagwerden müssen die Geschütze verschwunden sein,' heißt es. Schnell werden die nötigen Sachen von den Protzen heruntergeholt, das Schanzzeug abgeschnallt und dann geht's ans Eingraben. Bis lOll Meter vor uns kommen die Sprengstücke heran, unweit links, wo in emcr mit Bäumen bestandenen Senkung die Feldbabngleise nach vorn führen, schlagen unaufhörlich Granaten ein. zucken Schrapnells zwischen den Bäumen auf.— Der Batterie« chef will, nachdem er seine Anordnungen getroffen hat, zur Beob« achlung. Vor der Batterie soll, von dieser aus unfichtbar, ein Dorf sein und am Rande dieses Dorfes die Beobachterstelle. Hilfs« beobachter mit einem Scherenfernrohr und Telephonisten, die Kabel- rollen am Koppel, gehen mit ihm. Die Telephonisten legen Telephonleitung zur Beobachtung. Durch hohes, längst schnittreifes Gras, das, feuchr vom Tau, die Glieder frösteln macht, geht es vor« wärls, dorthin, wo die Geschofle krepieren. Klatsch— da liegen wir alle im Gras, raschelnd fahren die Schrapnellkugeln durch die Halme über uns hinweg in den Boden. Eiliger geht es weiter. Mit wahn« sinniger Munilionsverschwendung legt der Brite ein weit aus« holendes Sperrfeuer hinler die deutsche Stellung. Brrrr--- rollt der Draht von der Trommel ab, mühsam halten wir Tele- phonisten Schritt mit den schnell Ausschreitenden. Der Morgen graut langsam, langsam enthüllt sich die Gegend, schon kann man das Dorf erkennen. Wir find auf der Causiee angelangt, die, von rechts kommend, in das Dorf führt. Herrgott, was liegt denn da? Eine Wagendeichsel zeigt zum Himmel, ein Knäuel von halb und ganz zertrümmerten, an- und ausgebrannten Munitionswagen auf der Straße, da« zwischen Pferdeleiber, noch wenig aufgedunsen, sie können kaum einen Tag dort liegen. Und was da zwischen den Pferden steckt, das sind Menschen— Kameraden! Schußloch neben Schußloch um die Wagen, umhergeschleuderte Artilleriemunition, Fetzen von Wagen« blech, Speichenholz, Pferdekörpern. Auf der Straßenseite liegt noch einer der Braven, die versucht haUen, durch das feindliche Sperr- seuer hindurch ihren Kameraden in der Batterie Munition zu bringen, durch einen feindlichen Flieger gesehen und darauf von der übermächtigen Artillerie zusammengeschossen wurden. Brrr— schneller surrt die Kabeltrommel, eilig drängen alle weiter, fort von der grausigen Mahnung. Weiler, hinaus aus dem Feuer, das aus Straßen und Wiese liegt. Hinaus? Nein, hinein geht's, denn in dem fast ganz zerschossenen Dorfe kracht und brüllt es noch schlimmer als hinten. Ueber der Straße liegen, im Dämmer schon erkennbar, 8] �ans Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. Das Kind lag in einem eigenen Bettchen, aber es hatte nur einen Strohsack unter sich und kein Bettuch. Dieses Liegen auf den groben Werggarnen Ueberzügen mußte für den kleinen zarten Körper, der geschwollen und durch den Ausschlag sehr empfindlich geworden war, sicherlich sehr schmerzhaft sein. Und es war sonderbar, so oft Jan sah, wie sich die Kleine in ihrem Bettchen aufgeregt hin und her Warf, mußte er an das Schönste denken, was er auf der Welt sein eigen nannte, nämlich an sein Sonntagshemd. Er besaß nur ein einziges, das aus weißer glänzender Leinwand war und eine steife Hemdbrust hatte. Dieses Hemd war so schön gearbeitet, daß es für den Hüttenbesitzer auf Duvnäs gut genug gewesen wäre. Jan hielt es hoch in Ehren. Alle seine anderen Hemden waren ebenso grob wie die Bettbezüge, auf denen die kleine Klara lag. Aber es war sehr unrecht, wenn er jetzt an dieses Hemd dachte. Katrine würde ihm nie erlauben, es zu zerreißen, denn es war das Bräutigamshemd, das sie selbst ihm genäht hatte. Katrine tat auch wirklich alles, was sie konnte. Sie hatte Pferd und Wagen von Erik in Falla entlehnt, hatte das Kind in Tücher und Decken gehüllt und war damit zum Doktor ge- fahren. Das war sehr brav von Katrine gewesen; aber einen Nutzen von dem Besuch beim Doktor konnte man nicht wahr- nehmen. Weder die große Arzneiflasche, die sie aus der Apotheke mitgebracht hatte, noch irgendeine Von den anderen Vorschriften des Doktors hatte irgendeinen Erfolg gehabt. llnd bann quälte Jan noch ein Gedanke: Wenn Eltern einmal so ein merkwürdiges Kind geschenkt wird wie die kleine Klara Gulla, dann müssen sie auch bereit sein, das Beste, was sie besitzen, für dieses Kind zu opfern. Sonst dürfen sie dieses Kind am Ende gar nicht behalten.... Aber es war nicht so leicht, eine Frau wie Katrine dazu zu bewegen, dies zu verstehen. Während das Kind so krank dalag, kam eines Tages die alte Finnen-Knrin ins Haus. Wie alle Finnen verstand sie sich auf die Krankheiten bei den Tieren, und sie Mar auch dichte grau-weiße Sprengwolken, Schutt und Mauerbrocken fliegen bald hier, bald dort hoch. Vorsichtig an einer Straßenseite, über Schutthaufen und Einschlaglöchern kletternd, schreitet der Batterie- lrupp vorwärts. Nirgends mehr ist Leben in den Häusern, doch von irgendwoher geben scharfe Schläge der eng- lischen Artillerie Antwort. Trübselig schaut ein steinerner Knabe aus dem Garten eines vollkommen zertrümmerten Landhauses auf die Verwüstung um ihn her. Ein paarmal noch tönt des Hauptmanns kurzes:„Was passiert?*, wenn alle vor einer nahen Granale auf dem Bauche liegen. Gott sei Dank, glücklich sind wir alle durchgekommen. Nun noch ein paar Schritte bis zum Laufgraben und iu diesem ein kleines Stück bis zum Beobachtungs« stand. Das Feuer brüllt weiter, Tag und Nacht, zeitweise etwas ab- flauend, um dann plötzlich zu großer Stärke zu erwachen. Die Granaten erwischen doch hin und wieder mal einen von unserer Batterie, zuerst einen Beobachtungsunteroffizier, dann zwei Kano- niere.-- Seit nachts drei Uhr hat englisches Trommelfeuer mit einer un- geheueren Heftigkeit eingesetzt. Selbst die Balken des meterlief unter der Erde befindlichen Unterstandes zittern. Wie schneller, entfernter Trommelwirbel von vielen Trommeln hört sich das Ar- tillerieseuer im Unterstande an; im Freien löst es sich auf in ein unentwirrbares, sich überstürzendes Tongemisch von Donnern, Heulen, Knallen, Zischen, Surren und zerreißendes Prasseln. Mit allen Kalibern hämmert der Engländer auf Laufgräben und Stellungen, legt er Sperrfeuer ans das Hintergelände. Vier bis fünf feindliche Flieger ziehen in der Lust, nur durch geringes Ab- wehrfeuer behindert, dahin.— Am Scherenfernrohr steht der Batterie- sührer. Es wird früh acht Uhr, neun Uhr. Da versagt plötzlich die direkte Verbindung zur Batteriestellung. Der Telephondraht ist zer- schoflen. Ein Telephonist muß trotz des heftigen Feuers hinaus, die Leitung zu flicken. Eine halbe Stunde später springen gelbe Ge- stalten aus den englischen Gräben, versuchen in die deutschen zu gelangen. Dichte Reihen folgen. Ueber alle möglichen Stäbe wird das nach hinten gemeldet. Da zeigt sich, was die an der Stelle ge- ringe deutsche Artillerie leistet. In schneller Folge liegen die dicken Wattebäuche der Haubitzen und die leichten weißen Federwölkchen der Feldkanonen über den englischen Linien. Die ersten Reihen stutzen, man sieht viele stürzen, die anderen fliehen zurück; da kommen neue Reihen aus den Gräben, drängen sie wieder vorwärts— Maschinengewehre tacken, lebhaft knallen die Gewehre. Die Infanterie wehrt sich tapfer. Viele Körper decken den Boden vor unseren Gräben, wütend feuert die englische Artillerie auf die rückwärtigen Gräben. Jäh springen die gelben Gestalten immer wieder an. Die deutsche Anillerie schießt, was aus den Rohren geht, schießt, trotzdem sie von den englischen schweren Kalibern stark besunkt wird. Doch weniger dicht werden die Sprengwolken über den englischen Stellungen,{z) _(Schluß folgt.) kleines Ksmlleton. Gesunöheitskontrolle Erwachsener. Während in Deutschland dank der immer mehr ausgedehnten Anstellung von Schulärzten die Schuljugend, auch die gesunde, einer regelmäßigen ärztlichen Untersuchung unterzogen wird, wodurch Krankheiten, die noch nicht bekannt geworden, festgestellt und der Behandlung zugeführt werden, fehlt eine solche bei Erwachsenen. Lediglich in Amerika ist eine solche von Lebensversicherungsgesell- schaften eingerichtet, die hier ebenso wohl dem Interesse der Unter- suchten wie der Gesellschaften entspricht, da letztere ja an der Verlängerung des Lebens der bei ihnen Versicherten ein er- hehjliches materielles Interesse haben. Es wird daher neuerdings auch bei uns die planmäßige periodische Untersuchung anscheinend gesunder Erwachsener namentlich auch in bezug auf die Folgen des jetzigen Krieges gefordert, u. a. von Prof. Florschütz in Gotha und Stadtrat Gottstein in Charlottenburg. Letzlerer hebt hervor, daß erst die planmüßige Durchuntersuchung sämtlicher Angehörigen eines bestimmten Lebensabschnittes über die Ausdehnung der Krank- heitsanlagen und über deren spätere Weiterentwickelung Licht der- breite. Nur die Jndividualuntersuchung zahlreicher Fälle durch plan« mäßige Untersuchung ganzer Altersgruppen während verschiedener Lebensalter wird für die Bekämpfung der Tuberkulose wichtige Fragen einer Lösung näher bringen. Nur durch planmäßige der- artige Untersuchungen dürfte es möglich sein, in Zukunft auch der Verminderung der Erkrankungen durch vorbeugende Kuren in den Kreis der Krankheitsbekämpfung zu ziehen. Die wichtigste Folge der planmäßigen Gesundheitsfürsorge ist die Möglichkeit, alle Untersuchten bei der ersten Abweichung vom Normalen der ärztlichen Fürsorge und Behandlung zu überweisen. Die Aussichten auf Ge- nesung sind ja um so günstiger, je früher die Behandlung eingeleitet wurde. Wenn bisher die Aufgabe des Arztes ausschließlich die Be- Handlung der Kranken gewesen ist, so wird ihr in den nächsten Jahren die Erhaltung der Gesundheit gleichstehen. In den besseren Schichten I war bisher schon durch die hausärztliche Untersuchung gesorgt. Für die Erhaltung der Gesundheit bedarf es der periodischen Massen- Untersuchung der Gesunden, die bei der erwachsenen Bevölkerung so- sort nach dem Kriege im Anschluß an die soziale Versicherung durch- geführt werden sollte._ Statistisches aus Rumänien. „Zum Gebrauch im praktischen Leben und zur Vorarbeit für die friedliche Durchdringung fremder Länder' hat der Verlag von F. A. Perthes in Gotha eine kleine Länder« und Völkerkunde heraus- zugeben beschlossen. Besonderem Interesse wird das Buch über „Rumänien" begegnen, das der Professor an der Universität Graz Otto von Dungern geschrieben hat. Die Gesamtfläche Rumäniens einschließlich der im Jahre 131? nach den Balkankriegen von Bulgarien abgetretenen 7726 Quadratkilometer beläuft sich auf 133 073 Quadratkilometer, d. h. ein bißchen mehr als ein Viertel der Fläche des Deutschen Reiches. Auf diesem Gebiete wohnen rund 7>/z Millionen Menschen, so daß auf den Quadratkilometer 51 kommen. Unter dieser Bevölkerung sind laut Zählung vom Jahre 1833 nach ihrer Nationalität etwa SVa Millionen Rumänen, 108 000 Oesterreicher und Ungarn, 21000 Türken, 32 000 aus anderen Balkanstaaten, 8000 Deutsche und 267 000 Juden. Diese Zusammensetzung macht zum Teil das Schwanken in der Politik des Landes verständlich. Von den Bekenntnissen ist neben dem griechisch-orthodoxen, dem 5>/z Millionen anhangen, und dem römisch-katbolischen, zu dem 150 000 gehören, das evangelische nur durch 23 000 vertreten; kaum mehr als die Hälfte der 15000 Mo- hammedaner, 13,1 Proz. der Bevölkerung, wohnen in den Städten, 81,6 auf dem Lande. Rumänien hat eine einzige Großftodt. die Hauptstadt Bukarest mit 311 000 Ein- wohnern. Bukarest hat auch eine Universität, die 1307/03 von 1280 Studierenden besucht war und 1303/10 einen Jahres« bausbalt von IVs Millionen Mark hatte. Die zweite Universitäls« stadt Jafly ist zugleich die zweitgrößte Stadt des Landes, zählt aber nur 75 000 Einwohner. Dann folgen die beiden, in letzter Zeit oft genannten Hafenstädte Galotz und Brat'la mit 72 000 und 65 000. In der Wirtschaftsübersicht finden wir den Staatsvoranschlag 1311/15 für Einnahmen und Ausgaben mit i86lls Millionen Mark, wobei von den Ausgaben auf das Ministerium der Finanzen 188,«des Krieges 73J/5 und des Kultus und Unterrichts 17%) Millionen ent« fielen. Die Staatsschulden beliefen sich am 1. April dieses Jahres auf 1.68 Milliarden Mark. Die Ausfuhr überstieg im Jahre 131? mit 532� Millionen die Einfuhr um 6OV5 Millionen. Von der Gesamtausfuhr Rumäniens kamen auf Deutschland 7,08, auf Oester- reich-Ungarn 11 Proz, von der Gesamteinfuhr auf Deutschland 10,3, auf Oesterreich-Ungarn 23,12 Proz. Die Insel öer Vögel. Ein wahres Paradies für Vögel scheint die durch ihre geschützte Lage als Brutort besonders geeignete Insel Mermert, eine der kleinsten unter den südfriesischen Inseln, darzustellen. Wie die „Ornithologische Monatsschrift' berichtet, übertraf das Brutergebnis des Jahres 1315 alle früheren auf dieser Insel erzielten Erfolge. Die Zahl der Gehege hat sich von 1330 auf 5887 gesteigert. Im Jahre 1315 sind 17 000 Jungvögel mehr ausgebrütet worden, als im Vorjahre. Bis zum 20. Juli betrug die Zahl der nachgewiesenen Nester 3108 für die Silbermöwe. 1500 für die Brandseeschwalbe, 715 für die Küstenseeschwalbe, 213 für die Zwergseeschwalbe, 71 für den Austernfischer, 13 für den Seeregenpfeifer und 35 für die Brand« gans. Auch die seltensten Exemplare waren vertreten. Und zwar 8 Nester der Sturmmöwe, 7 Nester der Stockente, 5 Nester der Rot- schenkel, ebenso viel für die gelbe Bachstelze, 3 für Krickenten und eines für das grünfüßige Teichhuhn. Besonders reich haben sich die Brandseeschwalben entwickelt, deren Zahl sich im Jahre 1315 um das Siebenfache erhöht hat. Die auffallende Zunahme der Entenartcn ist auf das Schießverbot auf den Watten und angrenzenden Gebieten zurückzuführen. Stare überwinterten wie stets in geringer Zahl. Ganz ausgeblieben ist diesmal nur die weiße Bachstelze, von der zum letzten Male vor zwei Jahren zwei Paare auf der Insel gebrütet halten._ Notize». — Ein Verba nd zur Förderung deutscher Theaterkultur wurde in Hrldesheim begründet. — Reifenpanzer für Automobilräder. Wir müssen heute dahin streben, die Abnutzung der Gummireifen auf das äußerste Maß zu beschränkcu. Diesen Zweck erfüllen Reifenstahlpanzer, die von einer Düsseldorfer Firma erfunden wurden. Nach dem„Pro- metheus' bestehen sie aus einem Stahldrahtgeflecht, welches als Mantel über die Lausfläche des Gummireifens gezogen wird. Diese Panzer können auch über zerrissenen Gummireifen, an deren Ver- wendbarkeit man nicht mehr geglaubt hat, befestigt werden. Ver- suche, auch in sehr schwierigem Gelände mit großen Geschwindig« keilen, haben ausgezeichnete Ergebnisse gezeitigt. Mr nicht zu Ende mit ihrer Weisheit, wenn es sich darum handelte, Gerstenkörner am Auge oder Wurm am Finger oder allerlei Geschwüre zu besprechen. Für andere Krankheiten jedoch wollte man nicht gerade seine Zuflucht zu ihr nehmen. Man hielt es gewissermaßen für unrecht, wenn man von einer Hexe für andere als kleine Leiden Hilfe verlangte. Als die Finnen-Karin ins Zimmer trat, sah sie natürlich sofort das kranke Kind, und Katrine erzählte ihr auch, daß es das Scharlachfieber habe, aber weder sie noch Jan baten sie um einen guten Rat. Die Finnen-Karin sah indes wohl, wie ängstlich und be- unruhigt die Eltern waren, und als sie von Katrine mit Kaffee bewirtet worden war und ihr Jan ein Stück Roll- tabÄ geschenkt hatte, sagte sie ganz von selbst: „Diese Krankheit zu heilen, steht nicht-in meiner Macht, aber ich will euch lehren, wie ihr selbst erkennen könnt, ob die Krankheit zum Leben oder Tod führt. Haltet euch wach bis Mitternacht, dann macht aus dem Daumen und Zeige- finger eurer linken Hand einen Ring und betrachtet da hin- durch das Kind. Dann gebt wohl acht, was neben ihm im Bett liegt, und ihr werdet erfahren, was ihr zu erwarten habt." Katrine dankte ihr aufs herzlichste; denn es ist am besten, wenn man sich mit solchen Leuten gut stellt. Aber es fiel ihr keinen Augenblick ein, das zu tun, was ihr angeraten worden war. Auch Jan legte kein Gewicht auf den Rat der Finnen- Karin. Er dachte an nichts als an das Hemd. Wenn er es nur gewagt hätte wogen Katrine! Aber er konnte sie unmöglich bitten, ihn das Bräuti- gamshemd zerreißen zu lassen. Er begriff sehr wohl, daß dem Keinen Mädchen dadurch nicht geholfen würde, und wenn es doch sterben mußte, dann war das Hemd rein weggeworfen. Als es Abend wurde, ging Katrine um die gewohnte Zeit zu Bett, aber Jan hatte nicht die nötige Ruhe, sich schlafen zu legen, sondern blieb wie gewöhnlich in seinem Winkel sitzen. Er sah, wie die kleine Klara sich in ihrem Bett vor Schmerzen wand, denn der Strohsack, auf dem sie lag, war zu grob und zu hart, und Jan dachte, wie herrlich es wäre, wenn er ihr ein kühles, weiches, glattes Lager zurechtmachen könnte! Das Hemd lag frisch gewaschen und ungebraucht iu der Kleidertruhe. Zu wissen, daß es dort lag, tat Jan im Herzen weh; aber es wäre ja auch nicht recht gegen Katrine gewesen, wenn er ihr Geschenk zu einem Bettuch für das Kind ver- wendet hätte. Aber wie es auch sein mochte, als die Uhrzeiger sich der Mitternachtstunde näherten und Katrine im tiefsten Schlafe lag, ging Jan zu der Kleid ertvuhe hin und nahm das Hemd heraus. Zuerst riß er die steife Brust ab, und dann teilte er den Rumpf in zwei Teile. Den einen schob er sachte unter den kleinen Körper des Kindes und den anderen breitete er zwischen das Kind und die warme, dicke Decke, mit der es zu- gedeckt war. Dann kauerte er wieder in seinen Mnkel zusammen und wachte bei der Kloinen wie zuvor. Er hotte noch nicht lange so gesessen, als die Uhr zwölf schlug. Fast ohne sich bewußt zu sein, was er tat, hielt er die Finger der linken Hand wie einen Ring vor die Augen und schaute nach dem Bett hinüber. Und siehe! auf dem Bettrand saß ein kleiner nackter Engel Gottes. Er war von dem groben Strohsack zerkratzt und zerstochen und hatte sicher die Absicht gehabt, sich auf und davon zu machen. Aber jetzt drehte er sich um und befühlte das feine Hemd, strich mit beiden Händen über die Leinwand, und plötzlich schwang er die Beine'wieder über den Betttand herauf und legte sich wieder nieder, um weiter über das Kind zu wachen. Aber an dem einen Bettpsosten kam zu gleicher Zeit etwas heraufgekrochen, das schwarz und unheimlich aussah, und als es sah, daß der Engel Gottes im Begriff war, fort- zugehen, streckte es den Kopf über die Bettstatt herauf und grinste vor Freude darüber, daß es nun ins Bett hinein-, kriechen und sich an den Platz des Engels legen könnte. Als es dann sah, wie der Engel Gottes seine Nachtwache wieder aufnahm, verrenkte es alle seine Glieder, wie wenn es die gräßlichsten Höllenqualen erleiden müßte, und dann zog es sich auf den Boden zurück. Am nächsten Dag war die Keine Klara auf dem Wege der Besserung. Die Krankheit war gebrochen. Darüber war Katrine über die Maßen floh, und so hatte sie nicht das Herz, etwas über das zerrissene Bräutigamshemd zu sagen, obwohl man sich denken kann, daß sie meinte, sie habe doch einen recht verrückten Kerl zum Manne. foigto: Äewteehe« Ttiewtor. Letzte S Auftührungen. 8V, LThr: IMe Familie Schlmcb. (Schwank.) Kamm erspiel«. Letzte 8 Aufführungen. 81/, Uhr: Die Liebeslneei.(Lustspiel.) Volksbühne. Theater a. Blilowpl. Letzte 3 Aufführungen. 8'/, ühr: Der Jongleur.(Gesangeposse.) Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. KöniggrätzerStr. 8 Uhr:£ln Tranmsplcl. Komödienhaus 8»/, Uhr:»er 7. Tag. Berliner Theater 8V, Uhr: GaMikl: Der HiaS ' LesLlng-Tkestsr. Usut» dis Donnersc. gesohloBuen. Freita«: FeBF l-fvl. öentschÄstlsr-Theater. Heute bis Donnerst, geschlossen. Freitag, z. 1. M.: FLklöll. URANIA Tanbenstr. 48/4®. 8 Uhr: Bei der Kaiserlichen Marine in Flandern. Theater am Dienstag, den 29. August. Dentscbcs Opernbaas, Cbarlottcnb. 8 uhr: Boeeacelo. Frledrlch-Wilhclmstfidt, Theater Km.: Das Dreimäderlliaus. Gebr. Herrnfeld-Ttieater. 81/« Uhr: Wachsmann» Hühnerbof. Kleines Theater 8'/. v.- Ehesanatoriam. Komische Oper 8i/, Uhr: Die schine Kubaaeria. Lustspielhaus 8'/. u.: Brauchbar& Fix. Metropol-Theater 8'/. tt.: Die Kaiserin. Itcsldcnz-Thcatcr Gastspiel Maxlma» RraA. 8»/su.: Frieden im Krieg. Schlller-T. Charlottenb. s uhr. ÄU-HeidelbeFg, Thalia Theater sv. tt.: Blondineben. Theater am Siollendortpl. Geschlossen. In Vorbereitung: Blaue Jas gen». Theater des Wcsteaa Wiederorflftnung 2. September: Die Fahrt Ins Glück mit Guido Thielscher. Triaaea Theater 8V. u.: Die Strohwitwe. Der ffias im Berliner Theater. TUttwoch, den SO. Angast, nachm. S'J, Ohr, —— zu bedeutend ermäBIgtan Preisen.—— »onneratag, den 31. August, abends 8V, Ohr: ■ Letzte VorMtciloag.——— -Verdun- am Zoo. Oer franzSsisehe Festungekiieg plastisch dargestellt. TSglioh von 10— 8 geöffnet . Eintritt 60 PI• _ Soldaten u. Kinder 25 Pf._ r Possen-Ttieater- LlnlenstraBe a. d. FnedrlchstraSo. Täglich SV, Uhr: Qebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. Verwaltungsstelle Berlin. N 54, Linienstr. 63-85. Telephon: Amt Norden 185, 1239, 1987, 9714. Curenu geiffnet von 9—1 Uhr und von 4— 7 Uhr. Mittwoch, den 30. August 1916, abend» 8'/, Nhz: Mitglieder-Versammlung der Gold- und Silberarbeiter und verwandten Bernfsgenoffen d» Gewerkschaftshause, Eugelufer IS. TaffeSordNung: verdaudS« und Branchenangelegenhett«. 2. Verschiedenes. ---------------- Mitgliedsbuch legitimiert. Zahlreiches uud Pünktliches Erschciueu wird erwartet. 122/1»ie Ortsverwal torig. DonnerStag, de« 31, August, abends 8 Uhr: Kranchen- Versammlung der Motor- und Automobil- Zlhtoftr iu de« Mufiker-Festsäleu, Kaiser-Wilhclm-Str. 31. Tagesordnung: 1. Vortrag. L. Diskussion. 3. Branchenanlegenhette«. Zahlreiches«ud pünktliches Erscheinen wird erwartet. »ie Ortsverwaltoug. RosesTheater. SV.VL-WlolVoltohne K&nuer Gastspiel Alwin Neust. Gartenbilhne: Bs gibt nur sin Berilu. �Vaihsils-Iheatel-. sv.u.:Md.8i'MuIgeI(e!iIUei! 4V. Uhr: Garten-Aorstellung. BelcbLbaiien-Ibeater. Stettiner Sänger. Sctilppers Heimksfir MUilärische Humoreske von Horst. Ansang 8 Uhr. Für Militärper- jonen freier SinlrÄ zu den Sielt. Sangern. V©igt-Tlieater. ßadstr. 58. Badstr. SS. war Täglich Das Mädel ohne Geld. Epstklassisjes fariett-Propn. Anfang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. TSgl. 8Uhr. Sonnt 31/, u. 8 U. Drittletzter Tag: mit R. Steldl, Anna MDIItr-Llocin, Otto Reutier usw. Casino-Theater. Lothringor Str. 87. Täglich 8'/, Uhr. Einzig in seiner Art in Groß-Berlin. 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