»r 208-1916 Nnterhaltungsblatt öes Vorwärts Der Hühnerhabicht. Von Hermann Lön s.�) Der letzte Hof im Dorfe, der hart an der Landstrahe liegt, ge- hört dem Anbauer Jürn Brinkmann. Es ist nur ein kleiner Hof, aber er nährt seinen Mann. Und er nährt auch die Frau, die zu einem richtigen Manne gehört. Jürn Brinkmann steht bei seiner jungen Frau auf der Diele und sieht zu, wie sie Karloffelpuffer bäckt. Er ist rechtscbaffen hungrig, denn er hat schon drei Meilen hinler sich. Er ist nebenbei noch Jagdaufseher über die große Gemeindejagd und hat vor Tau und Tag das Bett verlassen und abgespürt, ob er nicht endlich für den Pächter den braven Hirsch bestätigen kann, der im Buchen» Walde steht. Schmunzelnd steht er neben seiner glatten Frau und sieht zu, wie sie die Puffer wendet. Die Herbstsonne fällt aus die Diele, und die Hühner gehen an den Wänden enilang und picken die letzten Fliegen fort. Da schreit eine alle Henne plötzlich schrill auf, alle anderen Hühner tun dasselbe und rennen unter die alte Haferkiste, verstecken sich hinter Körben und Mollen, und mitten auf der Diele flattert schreiend der Hahn um- her und schlägt mit vier Flügeln. Ja, mir vier Flügeln. Frau Brinkmarin ist so entsetzt, daß fie den Puffer aus der Pfanne in das Hcrdsemr fallen löht, und ihr Mann macht vor Verwunderung den Mund.auf, daß die schöne neue Pfeife hinfällt und in Scherben geht. Und dann springt er zu und greift einen Besen und schlägt damit nach dem seltsamen, glüh- äugigen, bunten Vogel, der aus dem Hahne reitet, u»b er trifft nur zu gut, denn da liegt der Hahn und zuckt nur noch einmal mit den Beinen, und daneben liegt, mir der Pfanne in der Hand, die junge Frau, denn der Habicht, der dem Schlag auswich, flog ihr unter die Röcke und dann Brinkmann an der Nase vorbei zur Diekentür hinaus. Am folgenden Tage ist Sonntag, und da geht Brinkmann nach- mittags in den Krug und erzählt die Geschichte von den Kartoffel- puffern und dem Hahn und dem Habicht. Das gibt ein herzhaftes Gelächter in der Runde, und man beglückwünscht ihn zu dem Hübnerbratcn. Und dann erzählt der Vorsteher auch eine Habicht- geschichte. .Ja/ sagt er,.das ist nun meist vierzig Jahre her, aber ich weih das heute noch genau so, als wenn es gestern war. Damals waren die Habichte noch häufiger und brüteten in den Vorhölzern und nicht dahinten in der Wildnis. Das war an einem schönen Maimorgen, da hütete ich mit meiner Schwester, die jetzt in Neu- mühten verheiratet ist, die Gänse auf dem Anger beim Dorfe. Miteins schreien die Gänse los und rennen wie unklug hin und her, und da hat ein Habicht ein Gössel und will damit fort. Meine Schwester schreit und ich haue nui der Peitsche hin, und meine Schwester schreit, denn ich baltc sie getroffen, und derHabichl lätzt das Gössel los und fliegt weg. Na, wir nehmen das Gössel auf, das am Tolgehcn war, und wie wir da so stehen und es in der Hand haben, da schreien die Gänse wieder, und da ist das Lori von Habicht wieder da und geht mit einem anderen Gössel ab. Ja, es sind freche Lörke, die Habichte/ Nun ist die Uhr aufgezogen, und jeder weih eine Habichts- geichichte. Der Müller erzählt, wie früher, als er noch eine eigene Jagd bejagte, ihm der Habicht ein Feldhuhn, das er gerade ge- schössen hatte, dicht vor dem Hunde forlnahm. Kordes gibt die Ge- schichte zum besten, die sich vorletzten Sommer auf seinem Hofe be- geben bat. Da kam ein Habicht an, jagte die Tauben in den Schlag, kroch hinterher und kam mit einer Taube wieder heraus..Kinder", sagte Kordes,„das ging so schnell, daß ich gar nicht dazu kam, den Schlag zuzumachen/ »Ja/ spricht der Halbmeier Meyer,»fix find die. Biester man *) Am 29. August hätte Hermann Löns seinen 59. Geburts- tag ferern können.., Aber bei Ausbruch des Krieges hatte er sich gleich als Kriegsfreiwilliger gestellt und war bereits im September 1914 gefallen. Sein Gedächtnis wird noch lange lebendig bleiben durch die Anschaulichkeit und Lebendigkeit seiner Naturschilde- rungen. Wie kein zweiter hat er verstanden, Eindrücke aus der Landschaft als Erlebnisse darzustellen und seine intimen Tier- beobachtungen in Novellenform zu kleiden. Die besten seiner Tier- schilderungen bringt jetzt R. Voigtländers Verlag in Leipzig unter dem Titel:.Aus Forst und Flur" heraus.(Preis 4 M., geb. 3 M.)„Der Hühnerhabicht" ist dieser mit Momentausnahmen illustrierten Sammlung entnommen.— Erst nach Löns Tode er- schien auch„Das Tal der Lieder"(bei F. Gersbach in Han- nover; Preis 1,59 M.), stimmungsvolle norddeutsche Städte- und Landschaftsbilder.— Den Dichter und Menschen Löns würdigt aus naher Anschauung Traugott Pilz in einem warmherzigen Gedacht- nisbuche.(Verlag E. Diederichs, Jena.) U]?ans tzeimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. Agrippa. Tie kleine Klara Gulla war ein zu merkwüMges Mädchen. Als sie noch keine zehn Jahre alt war, wurde sie sogar schon mit Agrippa Prästberg fertig. Wenn man sich nur vorstellt, wie dieser Agrippa aus- sah, mit seinen gelben rotgeränderten Augen unter den buschigen Brauen, mit der entsetzlichen Nase, die einen Höcker neben dem anderen aufwies, mit dem dichten Stoppel- bart, der ihm wie lauter Borsten um den Mund stand, mit den tiefen Runzeln auf der Stirne, mit dem langen hageren Körper und mit der zerlumpten Soldatenmütze ans dem Kopf, so muß man zugeben, daß sich jeder vor ihm fürchten konnte, der mit ihm zu tun bekam. � Eines Tages saß das kleine Mädchen ganz allein auf der breiten Steinstufe vor der Haustür und aß sein Butterbrot zum Abendessen. Da sah es einen großen Mann des Weges daherkommen, und es währte nicht lange, da erkannte die Kleine, daß es Agrippa Prästberg war. Aber Klara Gulla verlor darum den Kopf noch lange nicht. Zuerst brach sie ihr Butterbrot mitten durch und legte die beiden Stücke aufeinander, damit sie keine Fettflecken machen konnten, und fuhr damit unter ihre Schürze. Und auch dann lief sie weder davon, noch versuchte sie, sich ins Haus einzuschließen, denn einem solchen Menschen gegenüber hätte das doch nichts genützt, das wußte sie wohl, sondern sie blieb ruhig sitzen. Das einzige, was sie tat, war, daß sie das Strickzeug ergriff, das Katrine auf der Steinstufe hatte liegen lassen, als sie vor einer Weile fortgegangen war, um Jan sein Abendbrot zu bringen, und so eifrig zu stricken anhub, daß die Nadeln laut klapperten. Anscheinend saß sie ganz ruhig und zufrieden da, aber heimlich schielte sie nach der Gittcrpforte. Und richtig, sie hatte sich nicht getäuscht, Agrippa kam gerade darauf zu! Eben war er dabei, den Haken der Gittertür loszumachen. Klara Gulla setzte sich auf ihrer Steinplatte zurecht und breitete ihre Röcke aus, denn jetzt war sie diejenige, die Haus »nd Heim zu bewachen hatte, das fühlte sie ganz deutlich. So viel wußte die Kleine natürlich wohl, daß Agrippm einmal, und ganz barbarisch stech sind sie auch. Das mögen so an fünf Jahre her sein, da treffe ich meine Ente mit ihren Jungen auf dem Bache und jage sie nach Hause. Na, ich warf und schrie und trampelte am Uter enilang, und da fliegt etwas über meinen Kopf hin, mitten zwischen die Enten, nimmt eine junge Ente vom Wasser auf und fliegt damit nach dem Bruche". Der Schuhmacher Mertens, der die Fischerei in dem Bache gepachtet hat, meint:„Das ist noch gar nichts. Ich habe einmal ein Stück mit einem Habicht erlebt, das geht über den grünen Klee. Wir sitzen am Sonntag vor der Tür rmd sehen den Kindern zu, die mit»en jungen Katzen spielen. Unsere Berta wirft einen Ball hin und die kleinen Katzen laufen hinterher. Da kommt wie ein Ungewitter der Habicht über den Zaun, nimmt die schönste Katze, eine dreifarbige, auf, und ehe wir noch recht wühlen, was los war, war er heidi." Endlich nimmt der alte Schäfer, der wegen seines Gliederreihens nicht mehr hütet, das Wort.„Manchmal kommt aber auch solch Habicht eklig zupasse. Das habe ich vor zehn Jahren zu Pfingsten erlebt. Da stand ich aus der Heide bei meinen Scknucken und sah, wie ein mächtig großer Habicht einen alten Haien fing. Er konnte ihn aber nicht gleich totkriegen, und der Hase ging mir ihm in einen Wacholderbusch, Und dann kam der Hase auf der anderen Seite wieder zum Vorschein und machte, daß er fortkam. Von dem Habicht sah ich nichts. Das wunderte mich und da ging ich nach dem Busch, und was meint ihr wohl, was ich da fand? Da lag der Habicht dreiviertel tot, und das Eingeweide hing heraus, weil ihm ein Bein berausgerisscn war, und das abgerissene hing noch fest an einem Zweige von dem Strauche. Der Habicht hatte sick festgehalten, und der Hase war so im Schutz, datz er ihm das Bein aus dem Leibe ritz." Gerade will der Tischler mit einer Habichtsgeschichte aufwarten, da kommt die Wirtin hereingestürzt und meldet, datz soeben der Habicht vor ihren Augen ein Huhn gegriffen und nach dem Busche geschleppt habe. Alles, was frisch auf den Beinen ist, springt auf und läuft nach dem Busche. Aber man hat es falsch angefangen, denn als man beim Busche ist, streift der Habicht mit dem H»»hne über die Wiesen ab. Ganz tief fliegt er, denn das Huhn ist schwer, aber er bringt es doch über den Bach bis in die Kiefernbesamung. und dort fällt er mit ihm ein und kröpft weiter. Zwei Tage später findet der Jagdaufseher die Federn. Die Knochen hat sich der Fuchs geholt. Mitten im großen Bruche liegt ein Stück Wald, da? ist von selbst angeflogen. Kiefern, Fichten, Birken und Erlen wachsen da wild durcheinander, und darunter sind Weiden und Faulbaum, Porst und Brombeeren dicht durcheinandergefilzt. Dort hat das alte Habichtweibchen seine Schlafstatt. In einer dichtkronigen Fichte, dicht an den Stamm gedrückt, hockt es mit stummem Rücken da und verbringt die Nacht. Wenn das Rotwild unter ihm her zieht, oder die Rehe an dem Graben entlangziehen, der Fuchs über den Alt- weg schleicht und der Hase dahinhoppelt, das vernimmt es alles, ohne datz es sich dadurch stören lätzt. Die Nacht geht aus dem Walde, der Nebel fällt in das Gras, die Sonne bestrahlt den Wipfel der Fichten. Da ordnet der Habicht sein Gefieder, schüttelt sich und streicht aus seinem Verstecke. Er fliegt den Altweg entlang, schwenkt dicht über dem Boden her an der Kante des Bestandes hin, zieht das Hauptgestell entlang und biegt in ein Quergestell ein. Wo er sich blicken läßt, warnt der Häher, erschallt das Angstgeschrille der Drosseln, melden Rotkehlchen und Meisen. Das Rotwild macht lange Hälse, die Rehe verb-ffen, und der Hase macht einen Kegel und fährt in den dichten Busch. Am Rande des großen Holzschlages steht eine Eiche, breitästig und kraus. Dort schwingt sich der Habicht ein. Die gewaltigen gelben Griffe nnt den nadelscharfen, stahlfarbigen Krallen um- klammern den Ast dicht am Stamme. Hochaufgerichtct, ganz steil. sitzt er da, ab und zu geht der Kopf hin und her, und überallhin blicken die gelben Mörderaugeu. An den Brombeeren pflücken die Rehe; die kümmern ihn nicht. Aber das rote Ding, das da in langen, ängstlichen Sprüngen über die Blöße kommt, das ist etwas für ihn. Er lätzt sich vom Aste bis dicht auf den Boden fallen, flattert hastig, schwenkt gewandt um die Birken, steigt über das hohe Brombeergestrüpp, datz der Sprung die Rehe entsetzt nach allen Seiten auseinandcrprescht, und stötzt blitzschnell nach dem Eichkätzchen. Das macht einen Satz und birgt sich in den Dornen. Aber der Habicht gibt die Jagd nicht auf. Er macht eine Schwenkung um den Busch, futzt vor ihm, und im Sitzen fährt sein rechter Griff in den Busch, faßt>as Eichkätzchen bei der Keule und reißt es heraus. Der zweiie Griff faßt es in den Nacken, und schlaff und leblos hängt es in seinen Krallen, während er damit in den Bestand streicht. Dort kröpft er es auf dem Wurfboden einer Fichte in aller Muhe, streicht den Wiesen zu und nimmt Unterschlupf in einer krausen Kiefer, von der er weiter Auslug hat. Wandernde Häher flattern ängstlich von dem Forste her; ein ganzes Dutzend ist es. Der vorderste will sich gerade nach der Fahrt über das freie Wiesenland in das Rand- gebüsch stürzen, da bricht der Habicht aus dem Busche. Einen gellenden Angstsckirei stößt der Häher aus, alle seine Brüder fallen nicht stahl und auch nicht zuschlug, so lauge man ihn nicht „Greppa" nachrief oder ihm ein Butterbrot anbot. Auch blieb er niemals lange in einem Hause, wenn nicht das Un- glück es wollte, daß sich eine von den großen Kastenuhren aus Dalarna im Hause befand. Agrippa lief im Dorf herum und besierte die Uhren aus, und wenn er in ein Haus kam, wo er eine von den alten Kastenuhren entdeckte, dann ruhte er nicht, bis er das Uhr- werk herausnehmen durfte, um nachzusehen, ob ihm nicht etwas fehle. Und es fehlte immer irgeiDwo. Er sagte, er sei geradezu gezwungen, die Uhr vollständig auseinanderzu- nehmen. Nachher konnte es mehrere Tage dauern, bis er sie wieder zusammengesetzt hatte, und so lange mußte man ihm Unterstand gewähren und ihn füttern. Das schlimmste an der Sache war aber, daß eine Uhr, die Prästberg in die Hände gefallen war, nachher niemals mehr so gut ging wie vorher. Mindestens einmal im Jahre mußte sie von Prästberg nachgesehen werden, sonst ging sie überhaupt nicht mehr. Der Albe gab sich Wohl Mühe, seine Arbeit redlich und gewissenhaft zu vollbringen, aber es half alles nichts, die Uhr ging nicht mehr richtig. Darum war es auf alle Fälle am besten, wenn man seine Uhr wohl vor ihm hütete. Das wußte Klara Gulla sehr ge- nau; aber jetzt sah sie keinen Ausweg, die große Hausuhr zu retten, die drinnen im Zimmer tickte. Prästberg wußte, es war eine Uhr im Hause, und lauerte schon lange auf eine Gelegenheit, sie näher zu untersuchen: aber so oft er sich früher gezeigt hatte, war Katrine zu Hause gewesen und hatte ihn verhindert, an die Uhr zu kommen. Als der Mann am Hause angelangt war, blieb er vor dem kleinen Mädchen stehen, stieß seinen Stock hart auf den Boden und leierte herunter: „Hier kommt Johann Utter Agrippa Prästberg, Seiner königlichen Majestät und der Krone Trommelschläger. Hat im Kugelregen gestanden und fürchtet sich weder vor Engel noch Teufel. Ist hier jemand zu Hause?" Klara Gulla brauchte keine Antwort zu geben. Der Alte ging ohne weiteres an ihr vorbei ins Haus hinein und richtete seine Schritte sofort nach der großen Kastenuhr. Das Mädchen lief ihm eilends nach und versuchte ihm auseinanderzusetzen, wie gut die Uhr gehe. Sie gehe weder vor noch nach und brauche durchaus nicht nachgesehen zu werden. mit ein, aber ehe er den Busch hat, wirft der Habicht sich nach unten, legt sich in der Luft halb auf den Rücken, tchlägt mip dem linken Fange den Häher von unten, Wendel und stiebt mit seiner Beute in das Unterholz. Hinter ihm her kreischen die anderen Häher. Nachmittags geeist er vor dem Dorfe noch eine Elster und ein Hermelin._(Schtutz folgt.) kleines Feuilleton. „Die Wilöente� im LeMg-Theater. Während die Muse der Heiterkeit und der Genius der Experi« mentierlust sonst die wieder eröffneten Theater erfüllt, bekennt sich das Haus Brahms seiner Tradition getreu zur großen, ernsten Kunst: es hat am Sonnabend Ibsens„Wildente" neu einstudiert heraus- gebracht und würdig die große Linie gewahrt. Kaum in einem anderen Drama Ibsens ist Menichengestalirmg mit so vollendeter künstlerischer Objekiivuät durchgeführt, wie in diesem allseilig be- leuchteten Problem der Lebenslüge. Der Dichter tritt nirgends hinter dem Vorhang hervor, um Partei zu nehmen. Er ist der Vivi- sektor, der am lebendigen Präparat die feinsten Motive bloßlegt; er ist der unparteiische Zuschauer, der wie im Rahmen alltäglichen Geschehens seine Menschen in mannigfaltiger Weise Stellung zum Problem nehmen und das Schicksal sich gestalten lätzt. Und doch ist in dieser scheinbaren Natürlichkeit die größte Kunst und in deren Ausschnitt aus der Wirklichkeit die sicherste Komposition. B a s s e r m a n n war Hjalmer Ekdal, die interessanteste Ber- lörp erring des in vielen Facetten spiegelnden Charakters. Das naive Selbstgefühl, die mit unfehlbarer Sicherheit er« folgende Selbststeuerung des anpassungsfähigen, sich � jeden Augenblick widersprechenden und demaskierenden Selbstsüchtlings, die liebenswürdige Selbstverständlichkeit seines LebenSlünsilerlums, sie sind alle in diesem beweglichen Temperament Basiermanns lebendig. Sein Widerspiel— Theodor L o o s als Gregers Werle— arbeitete mit scharfer Charakteristik den Seelendetektiv und das Ferment des Enthüllers heraus, aber blieb doch die letze überzeugende Menschlich- keit des blinden Fanatikers in manchem schuldig. Jlka G r ü m i g gab die Gina schlicht und resolut. Die Hedwig verkörperte Charlotte Schulz, herb nordisch, aber voll der ganzen Problematik des Pubertätsallers. Wenn noch einige Groteskheiten zum Beispiel des sonst vortrefflichen alten Ekdal(Kurt Götz) gemildert worden, kann diese Aufführung uns an die Zeiten zurückversetzen, da intime Menschengestaltung das Höchstziel unserer Bühnen war.— r. Schiller-Theater Charlottenburg:„Kater Lampe". Der vielbeschriene Dachhase, dem sogar im vergangenen Jahre unsere Hofbühne ein wirtlich Dach geboten hatte, hielt nun auch im Schiller-Thcater seinen Einzug. Vom Helden des Stückes hören wir gar vieles— wir sehen und riechen ihn aber erst, nachdem er seinen Katzengeist aufgegeben. Er bat wirklich den Tod durch die Hand der Obrigkeit verdient, obschon er nicht offiziell herbeigeführt wurde, denn welche Ungelegenheilen hat er den Vertretern der Staatsgewalt: dem Gemeindesürschteher, seinem Gemeindediener und dem Bezirksgendarmen bereitet I Tiefer als deren Kummer und ein- dringlicher als manche volkswirtschaftliche Abhandlung berühren uns die eckt gezeichneten Typen der Einwohner des armseligen erz- gebirgiscben Spiclwarendorfes, die von den Hungerlöhnen der Heim- und Kinderarbeit leben müssen. Und so lustig das Stück unseres allzu früh dahingegangenen Freundes Emil Rosenow anmutet, so ernst ist sein sozialer Hintergrund. Die Darstellung war flott und abgerundet. In erster Reihe machten sich darum verdient Artur Menzel als waschechter, aber un- gewaschener, beschränkter„Fürschiand", Otto Letroe als Landbrief- iräger und trinlfroher Gastwirt Ulbrich, Paeschke als schneidiger Gen- dorm, Fanny Wolff als resolute Frau Seifert und Wilhelm Krüger als angsterfüllter Gemeindediener. Auf Regie und Ausstattung war gehörige Sorgfalt verwendet._ m. Notize». — D i e Rettung der Shackleton- Expedition. Nach Londoner Telegrammen aus Punta Arenas(an der Südspitze Südamerikas) sind alle Mitglieder der Shackleton-Expcdition gerettet worden und wohlauf. Es ist also Shackleion, nachdem der Versuch wiederholt mißlungen, jetzt doch geglückt, durch das Eis nach der Elefantcninscl vorzudringen und die dort zurückgelassene Mannschaft zu befreien. Wenn nun auch die unter so großen Erwartungen unternommene Expedition völlig mißlungen ist und die Durchquerung der Antarktis gar nicht in Angriff genommen werden konnte, ist wenigstens die Mannschaft gerettet. Shackleton hatte sich nach Ver- tust seines Schiffes in oer Wedellsce nach der Elefanteninsel durch- geschlagen, von dort vermochte er mit wenigen Gefährten Patagonien zu erreichen und dann an die Rettung der Zurückgelassenen gehen. „Wie kann eine Uhr recht gehen, die nicht von Johann Utter Agrippa gerichtet worden ist?" sagte der Alte. Prästberg war so groß, daß er den Uhrkasten öffnen konnte, ohne auf einen Stuhl zu steigen. Im nächsten Augen- blick war das Zifferblatt und das Werk herausgehoben und auf den Tisch gelegt. Klara Gulla ballte die Faust unter der Schürze und Tränen ttaten ihr in die Augen, aber es stand nicht in ihrer Macht, ihn zu hindern. Prästberg hatte es sehr eilig, zu ergründen, was der Uhr fehlen könne, ehe Jan und Katrine nach Hause kommen und sagen könnten, sie brauche nicht nachgesehen zu werden. Er hatte ein Bündel mit Werkzeug und Schmierbüchsen bei sich; schnell riß er es auf, verfuhr aber dabei so hastig, daß ein Teil des Inhalts auf den Fußboden hinunterfiel. Klara Gi»lla erhielt den Befehl, alles, was hinunter- gefallen sei, aufzulesen. Und wer Agrippa Prästberg je ge- sehen hat, sieht gut ein, daß sie gar nichts anderes tun konnte als gehorchen. Sie kniete auf dem Boden nieder und reichte ihm eine kleine Säge und einen Meißel. „Liegt sonst nichts drunten?" rief der Alte.„Du solltest froh sein, wenn Du seiner königlichen Majestät und der Krone Trommelschläger einen Dienst erweisen darfst, Du verflixte Häuslerdirn!" „Nein, es liegt nichts mehr drunten, soviel ich sehe/ ant- wortete Klara Gulla; sie war so niedergeschlagen und unglück- lich, wie noch nie in ihrem Leben. Sie sollte doch für Vater und Mutter das Haus behüten, und nun ging es ihr so schlimm. „Na und wo ist denn meine Brille?" fragte Prästberg. „Die muß auch hinuntergefallen sein." „Nein— n," antwortete Klara Gulla.»Hier unten liegt keine Brille." Und mit einem Male regte sich eine leise Hoffnung in Klara Gullas Herzen. Wie, wenn er ohne die Brille nichts an der Uhr machen könnte, wenn er die Brille verloren hätte? Gerade in diesem Augenblick entdeckte sie das Brillen- futteral. Es war hinter das Tischbein gefallen. Der Alte kramte und suchte eifrig zwischen den alten Rädchen und Uhrfedern, die er in seinem Bündel hatte. Ach, vielleicht ging noch alles gut und er fand die Brille nicht! „Es bleibt mir nichts anderes übrig, ich muß selbst auf den Boden knien und suchen," sagte er.»Steh auf, Häusler» mädel!" Eortj. folgt) Eia wirfsebafiiieber Aufschwung unssress Handels u der Industrie wird die Folge dieses Krieges sein. Eine tieJigreifende Aondo- rung unseres gesamten öffentlichen Lebens steht bevor und unzählige Stellen werden neu zu schaffen sein. Es werden daher überall geprüfte und geschulte Kräfte psueht sein. Beamte, Lehrer, Angestellte d. Handels u. d. Industrie sollten nicht versäumen, fetzt ihre Vorbereitungen zu treffen. Das beste Alittel, rasch u. gründlieh, ohne Lehrer, durch einfachen Selbstunterricht auf ein Examen vorzubereiten, die Einf.-Freiw.-Prü- fung n. das Abiiur.-Lxaiaen nachzuholen oder die fehlenden kauf- männ. Kenntnisse zu ergänzen sowie eine vortreffl. Allgemeinbildung sich anzueignen, bietet die Selbstunterrichts- Metheda„Rustia'V Ausfübri. 60 S, stark» Brosoblir« kosienlos durch Bonncss SHachteid, Potsdam Postfach 224. Sozialdemokralisetier Verein für den 2. Berliner Reichslagswahlkreis. Dienstag, den 5, September, abends SV, Uhr: General> Versammlung in der Viktoria-Brauerei. Lützowstraß« 112. TageSorhtttiNN: l. Die bevorstehende Reichskonforenz. Sivseront; Nejchstagsabgeordneter Genosse Eduard Bernstein. 2. Diskussion. 3. Wahl des Delegierten. �■■■..■■- Mitgliedsbuch legitimiert. Um regen Besuch bittet 207/1* Der Vorstand. g. g.: 0. N a c u S ulp j f i, SW. 47, KrettzScrgstrafte 79,' H.Pfau.BaafagisI ®/.u.:Der selige Balduin Metropol-Theater m- Die Kaiserin. ttesidcnx-Theatcr Gastspiel Maximus Renö. Frieden im Krieg. üatioDal-flifiatBrgs�c'kt�w; S Minuten von Jannowitz■ Brücke, — Untergrundbahn InsclstraBo.— Täglich'/,9 Uhr: ffaspis Mäteü!»...! Ausstattungsposse in 3 Akten. (ffn»nbeichreibllcher CFtfofa« Reichshalien-Tbeater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Militärische Hmnoresle von Horst. Aniang 8 Uhr. Für Tmitärper. Ionen freier Eintritt zu den Stelt. Sängern. \ oigt-Tlieater. Badstr. 58. Badstr. 58. Das Mädel ohne Geld. Erstklassiges Sariete-Propnm. Ansang 5 Uhr. Sonntags 4 Uhr. »cMlletr>TI»v«t«tr O 8 uhx: Dia Frau tom Maare. Soblllor-T. Cbarlottcnb. 8Ubr:Kater Umpe. Tballa-Theatcr 8'/< ü.. Blondinehen. Theater am Äollcndorfpl. 8... u.. Blaue Jungens. Theater des Westen« s Uhr; Die Fahrt ins ßlOck mit Guido Thielsoher. 3'/. Uhx: Wilhelm Teil. Trlanon-Theater s',. u.: Der ininei aal Erien. Neues Operettenhaus 8 Uhr; Der Soldat der Marie Sozialdemokratischer Wahlverein mr den 4. Berliner Reiehstagswahikr. Dienstag, den 5. September, abends tUM/a Uhr, in dcu Andreas-Festsälen. AndreaSstr. 21: General-Versammlung. Tagesordnung: Ttellnngnahme zur Rejchstonferenz«nd Böahl der Delegierten. Efulastkarte«nd NZitgsicvsbnch legitimiere«. Dor Vor«ta«d. 215M> F. A.: P. Hoffmann. Gubener®fr. 8. r WM RoseaTheater. Gastspiel Alwin Neuss. Sturmfalte.� >Vaihsiis-Theater. 8 uhr: Seemunnsliebeben. Operette i. 8 Akt, b. g. Fall u. Fr.Warnke. - Plisssis-Iliesles-s blnlsnstraüc a. d. Fricdrichttrade Täglich 8'/. Uhx t werd. sof. eingestellt, Bau Rauchstr. 16. fteid& Francke, Aktiengesellschast. Arbeiter f. Erdarbeiten B. gut. Lohn. Kussatz 4 Riefenstahl, Kiirfürstenstr. 143. Bauarbeiter verlangt Neubau C. Dorenz, Tempelhof, am Hasen, Ordens. melsterstraffe, zu melden beim Polier Krüger. i 150b» Tüchtigen Steinmetzen als Vorarbeiter sür Versetzen von Bordsteinen und Rinnenpjlaster nach auherhalb gesucht. Meldungen an die Held& Francke Aktiengesellschaft. Berlin SO 10, 11890 Am Köllnifcheit Park 1. r nd iirli für dauernde Bcsctaäftlsans; gesucht. Carl LindstrBm Aktiengeseilseliait, Berlin 0 17, <4r. Frankfurter Str. 137. Einrichter für Revolverbänke auf Messingzünder und kleine Teile dazu verlangt Mttllilwllrenfabrik 1?. fächert,«0�1�.22/223. Schraubemlrelierinnen auf Messing-Schlagbolzen verlangt Metawarenfabrik V. CJaebcrt,««phie»str. 22/223.