Ar. 75. Abomiement»- Krdingungen: Äbounenieniz- Drei« pränumerando! Pisrteljährl. ZLO Md, monarl> Ivöchentltch W Psg. frei ins Haus. linusl»« Stummer 5 Pffl. Sonntags« ?!utniner mii IIIuBtlctier Sonntags« Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Poft- Abannemeni: ZL0 Marl pro Quartal. Eingetragen i» der Post- ZeitungS- Preisliste für lS00 unter Er. 7971. Unter Kreuzband für Detitlchland und Oesterreich-Nngaru 2 Marl, für dal übrige Ausland S Marl pro Monat. Erscheint täglich außer Montag«. Vevlinev Volksbl�kk. 17. Jahrg. Die Insertions- Gebühr deträgt für die fechSgefpallene Kolonel» zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gemerlschaftliche VereinS- und Verfammlungs- Anzeigen 20 Pfg. „Kleine Knlcigen" jedes Wort S Psg. (nur das erste Wort fett). Inserate für die nächste Nummer müssen biS 4 Uhr nachmittags in derExpedilion abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen biS 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr vormittags geöffnet Fernsprecher! Smt I, Hr. 1508. Telegramm-Adresse: „Sorialdemostrat Serlin-- Centvawrgan der socialdemokratisthen Partei Deutschlands. Krdalktivn: S�. 19, Veullz-Straste 2. Freitag, den SO. März 1900. Expeditwn: SW. 19, Veutlz-Strasze 3. Bezugs-Anladimg. Mit dcm 1. April cröffnen wir ein neues Aboiuicmcnt auf dc» Mit scinciit lvöcheutlich fünfmal erschcincndcit Nnterhaltnttgsblatt und dcr �onutagS-Bcilage »»Die Neuv Uvrlt". J»> Unteihaltuiigöblatt bringe« ivix Leo TolstojS ncucu Roma» ..AnferZkelzung." Neu hwzillretcilden Abonnenten wird dcr bisher erschienene Teil des Romans„Auferstehung" nachgeliefert. Für Berlin nehmen sämtliche Z citun g s sp ed it eure sowie unsere Expedition, Bcnthstr. 3, Bestellungen entgegen znm in o Ii a t l i ch e n Preise von I Mark lt> Pfennig frei ins Hans. Für außerhalb nehmen sämtliche P o st a n st u l t c n Bc- stellungen znm Preise von it Mark 30 Pfennig für die Monate April, Mai, Jnni entgegen.< Eingetragen ist der.Borivärts" in dcr Post-Zcitimgslistc unter Nr. 7071.) Die Nediiktioil des„Vsttvärts". Komödie. Die Budgetkommission hat am Donnerstag in langer und bcdeiitnngsvoller Sitzung die Gencraldebatle über die Marine Vorlage forlgeführt, um die Beratung schlicjjlich bis nach den Lster- fcrien zu vertagen. Zunächst wurde festgestellt, dah die Einnahmen des Reichs unmöglich zureichen köniien, wenn außer den Kosten dcr Mariuevorlage auch sonst die Ansprüche an den Reichssäckel für HecreS-, Kolonial- zc. Aufgaben ähnlich wachsen würden wie bisher. Sodann provozierte ein Brief des Frcihcrrn v. Stninm, den Abg. v. Kardorff vortrug, eine eingehende Besprechung dcr mono- polistischcn Ausbcutiuigswirtschaft dcr Waffen-, MnnitionS-.undPanzer- platteu-Fabrikantcn. Trotz der AblengintligSversitche des Frei Herrn v. Stumm wurden seine gewinnreiche Beteiligung an den Tillingcr Werken, sowie die kolossalen Profite, die er und Krupp ans der Panzerplatten-Fabrikation ziehe», festgestellt, und damit die kiirzlichcn Blätterineldiingen über diesen Gegenstand bestätigt. Die Debatte gipfelte in der Besprechung der D e ck u n g S- frage. Die Regicrung hat die Kostendeckung in dcr Weise vor- geschlagen, daß 769 Millionen auf Anleihe genormnen werden, während der übrige weit größere Teil der Ausgaben aus den laufenden Einnahincn gedeckt werden soll; sollten die laufenden Einiiahincn nicht zureichen, so soll dcr Aulcihcbctrag erhöht werden. Das heißt, die Gesaintlast des Marinevergnügens soll das arbeitende Volk tragen. Denn die Reichs- einnahmen fließen fast ausschließlich aus den indirekten Abgaben, Zöllen und Verbrauchssteuern auf die Lebensmittel des täglichen Bedarfs; auch die Zinslast für die gewaltig anschwellende Schulden- mnsse soll wie bisher ans dieser indirekten Abgabe gezahlt werden. Daß die Regierung für dieses ungeheuerliche Steueransinnen keine Mehrheit im Reichstag findet, haben bereits die Debatten bei der ersten Lesung dcr Vorlage im Februar gezeigt. Das C e u t r u ni verweigerte eine solche„Lösung" dcr Deckungsfrage. In der Budget- kommission ging nun die Beratung dahin, ob sich neue Steuer n auffinden lassen, die nicht die unteren Volksklassen belasten. Die Konservativen und N a t i o n a l l i b e r a l e n, die früher ein Eingehen auf die Stcuerfrage abgelehnt hatten, weil sie „nicht brennend" sei und der Zukunft überlassen bleiben könne, erklären jetzt ihre Bereitwilligkeit, sich an der Erledigung dieser Frage zu beteiligen, da sonst eine Mehrheit für das Gesetz nicht vorhanden sei. Die Abgeordneten vom Centruin hatten die Führung dieser Stcucrdcbatte. Es zeigte sich weitgehende lleberein- stiinniung unter den bürgerlichen Parteien hinsichtlich Verdoppelung des L o t t e r i e st e in p e l s und Einführung einer Steuer auf Saccharin, durch welche auch die Z u ck e r st e u e r eine Steigerung erfahren würde. Für diese beiden Steuern erklärte auch der Reichs- S ch a tz s c k r e t ä r die Geneigtheit der Regierung. AuS diesen Steuern sind aber nur geringe Erträge herauszuschlagen; sie genügen nicht im entferntesten für die bevorstehende Steigerung des Marine-Etats. Es wurden deshalb noch mancherlei andre Steiterarten angeregt: Steuer auf Eisenbahnkarten für die erste und zweite Fahrklasse, Konnossement- steucr, Erhöhung der Börsensteuer. Doch keiner dieser Vor- schlüge fand allgemeine Zustimmung. die meisten stießen n»f schwere Bedenken bald bei dieser, bald bei jener Partei; dazu konnte auch keine derselbe» erklecklich hohe Steuersumincn in Aussicht stellen. Die Regierung gab keine bestimmte Erklärung ab, sondern versteckte sich, besonders hinsichtlich der Steuer auf Konossemcnte(Urkunde über Inhalt dcr Schiffsfracht) hinter der Notwendigkeit, zuvor umfassende statistische Berechnungen vorzunehmen. Wäre aber auch die Regierimg bereit,? von diesen Steuer- Vorschlägen den einen oder den andern sich zu eigen zu machen, so würde auch damit nicht viel geholfen sein. Das alles sind Lappalien gegenüber den Riesensummcn des Marinegesetzes. Die CentruinS- abgeordneten brachten nun eine Erbschaftssteuer auf größere Vermögen in Vorschlag. Frhr. v. T h i e l m a n n erklärte, mit dieser Stcucrart hätten bisher die Regiertmgen sich nicht befreunden können und er stellte keine Möglichkeit einer Siiinesändcruiig dcr Regierung in Aussicht. Ucberhanpt verhielt sich dcr Rcichs-Schatzsckrctär gegenüber dem Verlangen, daß es Aufgabe dcr Regientng sei, selbst weitere Steuer- vorschlage zu machen, durchaus ablehnend. Darauf gab der Abgeordnete Gröber dcr Regierung in schroffer Betonung zu verstehen: Wenn die Regicrung uns nicht Vorschläge macht durch welche die Vermehrung dcr Marinekostcn ohne Aufnahme neuer Anleihen zu ermöglichen ist, so ist für uns die Vorlage unannehmbar! Die Regierung hat nun über Ostern Zeit darüber nachzudenken ob und wie sie das Verlangen des Centrums befriedigen will. Das Schicksal der Lorlage bleibt bis dahin im Un- gewisse n. Wird die Regierung der Not gehorchend den Steuer- wünschen des CentrumS entgegenkonnncu? Wird das Ccutrum cS auf eine Reich stagsnuflösung ankommen lassen, oder ivird „patriotischer Sinn" nnd das Sehnen nach fortdauernder Regienings giinst die schwarze Partei zu einem neuen Kuhhandel mit der Regierung verführen? Dcr Kuhhandel ist ständige Einrichtung dcr CcntrumSpolitik und es ist wohl möglih, daß die jetzige Haltung deS Ccntrums in der Stcuerfrage sich schließlich nur als ein S ch c i n m a n ö v e r hcransstcllcn wird. Zeigt doch für eine eindringlichere Betrachtung schon jetzt das Verhalten der CentrumSpartei, daß da nur Komödie gespielt wird. Das Centrum~ nnd andre bürgerliche Parteien ahmen ihm nach— rühmt sich des Schutzes der Nnbcmitteltcu gegen die ungeheuren Stcncranschlägc. Aber alle Forderungen, die es an die Regierungen stellt, bedeuten nur eine Schonung der nntercu Volkskaffen für den Fall, das; die bestehenden Rcichsstcncrn nicht zur Deckung deS wachsenden Marine-EtatS zureichen. Die cigent- liche H a u p t s u in m c, die der MarinismuS fordert, soll f ü r d c r ebenso wie bisher gedeckt werden aus den Verbrauchssteuern und Zöllen, die auf die arbeitenden Klassen drücken. Einige Dutzend Millionen sollen ans den wohlhabenden Kreisen„zusammengekratzt" werden, die Milliarden werden auch künftig aus dcr Not des arbeitenden Volks gepreßt. Es soll der Schein erweckt werden, als wolle man die Flottenbegeisterung von den Flottenbegeistertcn zahlen lassen. In Wahrheit bedrückt man die arbeitenden Klassen, die Gegner des Flottcnunfngs, mit ungeheuren Mehr lasten behufs Zahlung für diesen Unfug. Von einer Rcichö-Eiukoinmciistcucr, die gleichmäßig und in gehöriger Progression die Wohlhabenden und Reichen trifft, die genügend große Snnnncn ergicbt, um die G c samt kosten dcr Marincvorlagc zu bestreiten, vor dieser einzig rationellen und einzig gerechten Steuer weichen das Ccntrum und die übrigen bürgerlichen Parteien unter Vorbringuug von allerlei Nichtigkeiten voll Entsetzen zurück. Sie erweisen sich, eingedenk ihrer ober st en patriotischen Pflicht des Geldsack-SchutzeS! «• * Bericht aus der B u d g e t k o ni in i s s i o n. Zur Debatte steht die Frage nach den bis zum Jahr 1929 zu erwartenden sonstigen Reich sausgaben, die am Mittwoch durch den Staatssekretär Thiclmann eingeleitet worden war. Abg. Gröber: Nach seiner Meinung lönne nian die Einnahmen einer ferneren Zukunft noch weniger schätzen wie die Ausgaben; ein Ver- gleich mit der Vergangenheit sei hierfür wenig zuverlässig. Wegen dcr Ausgaben wird man thunlichst zuverlässige Ermittelungen anstellen müsse», das sei früher z. B. bei den Militärvorlagen gc- schchcn und werde auch jetzt möglich sein. Er bezweifle, daß nian ohne Anleihen werde auskommen können, Ausgaben für Schiffe seien aber nach Meinung seiner Partei zur Uebcmahine auf die Anleihe n n g c c i g n e t, und man werde sich bemühen müssen, einen Weg für die Deckung zu finden, der die Anleihe vermeide. Abg. Müller-Fulda bemängelt gleichfalls, daß man nur eine Uebcrsicht dcr Einnahmen für dw letzten fünf Jahre bekommen habe, diese fünf Jahre seien zufällig sehr günstig gewesen, greife man weiter zurück, so komme man zu einem viel ungünstigeren Steigerungsdurchschnitt, während die Ausgaben sehr viel höher gestiegen seien. Inzwischen habe man um dcr Bilanz willen erhebliche Schulden machen müssen. Wenn auch die Frage zu S im Augenblick schwer zu beantworten sei, so werde man dies doch bis zum Wicderzusammentritt dcr Konimission ermöglichen können, und er bitte darum, daß dies geschehe. Für einen Teil der verlangten Angaben seien sichere Grundlagen ja vorhanden, für andre lasse sich die Steigerung voraus- sehen, z. B. für die Kolonien. Alles weise aber jedenfalls auf erhebliche Mehrausgabe» hin. welche eine günstige Beurteilung dcr Finanzlage erschwerten. Ehe mau sich jetzt über so große Ausgaben für die Flotte schlüssig niache, müsse mau ein sicheres Programm für die Zukunft haben. Staatssekretär Thielmann erwidert, daß er eine eingehendere Ermittelung in Aussicht gestellt habe, wenngleich eine Garantie für die Zukunft nicht übernommen werden könne. Die Ausgaben für die Kolonien köiuie man nicht schätzen, daS hänge doch auch sehr vom Reichstag ab. Abg. Bebel: Die Fragen, die das Centrum an die Regierung gestellt hat, erinnern mich an diejenigen Fragen, die man bor Jahren an uns über den ZnkunftSstaat gestellt hat. Wir lehnten es damals ab, die Neugier zu befriedigen, und heut ist die Regierimg in der Lage zu erklären, daß sie nicht bis 1929 die Gestaltung dcr Verhältnisse voraussehen kann. Allerdings ist es ein merkwürdiger Widerspruch, daß die Regierung gerade bezüglich der Marine doch so weit in die Zukunft vorausschauen will. Das ist Znknnftsmustk; da weiß niemand, was sich bewähren wird, Ivos nicht. Konnte man doch 1893 nicht einmal auf 2 Jahre hinaus richtig prophezeien. Die Finanzlage bietet keine günstige» Zlussichtc». Die letzten 3 Jahre zeigen wohl eine jährliche Durchschnittssteigerung dcr Ein- nahmen von 39 Millionen Mark, aber daS waren Jahre der Pro- spcrität nnd sie können nicht als Regel gelten; wenn die Wirtschaft- liche Krisis komnit, so wird sie Rückschlag üben ans die Einnahmen des Reichs. Die Ausgaben aber steigen derweile mit un- heimlicher Schnelligkeit, die S ch u l d e n l a st ist ganz kolossal angewachsen. Und für die koimnenden Jahre ist ein weiteres Steigen der Armcc-Ansgabcn außer Zweifel. Die 7999 Mann sind noch im Rückstand, diese Rechnung wird Ihnen sicherlich bald präsentiert werden; andre Militärforderungcn werden nicht ausbleiben. Auch die Marinc-NiiSgaben werden noch hinausgehen über das, was die jetzige Vorlage fördert. Wird es denn bei de» bisherigen„Flotten- stütz punkten" bleiben? Man will ja überall einsetzen und ncna Punkte gewinnen. Wir können gar nicht wissen, was alles für Anforderungen an uns herantreten werden. Schließlich soll doch auch ciimial etwas für Knlturaufgabe» ausgegeben werden. Jntcrcssnnt war es mir, gestern ans den Ausführungen deS Herrn Staatssekretärs zu cnttichmcn, daß die Bierstcncr als Quelle wesentlich höherer Einnahmen anzusehen sei. Und doch fällt die Biersteucr unter die Klausel des Z 3 des Flotten- gcsetzcS. Staatssekretär Thiclmann; Ich habe nicht eine Erhöhung dcr Bicrstener in Aussicht gestellt. Ich habe die Bicrstener nur als eine Znkmiftsrrscrve für eine be- sonders schwierige Situation bezeichnet. Staatssekretär Tirpitz: Ich möchte Herrn Bebel erwidern, daß dem Marine-Amt nichts davon bekannt ist, daß weitere Flottenstützpunkte in Aussicht ge- nommen sind.(Abg. Bebel: Ja, Sic haben darüber auch gar nichts zu sagen!) Abg. v. Kardorff(fk.): Blicken Sic doch auf England. Dort bringt man die neuen Steuern sofort auf. Auch wir müssen uns mit dein Mut, zu zahlen, ausrüsten. Es geht nun mal nicht ohne neue Stenern; wir werden schon solche Stenern finden, die selbst Herrn Bebel genehm sein könncii. Abg. Biising(natl.) betont, die BindungSklausel des alten Gesetzes werde durch die Novelle k c i n c s>v c g s b erü h rt; bezweifle man das, so müsfr es hier klargestellt werden. Wolle man sie aufheben, so lasse sich weiter reden,' aber man müsse darüber Klarheit schaffen. Die Debatte wendet sich zu Frage 9: „Sind die verbündeten ötegiernngen geneigt, die alsbaldige Anlage eines N i ck e l st a h l- P a n z e r p l a t t c n- W e r k§ ziir Herstellung des gesamten Panzermaterials für die deutsche Kriegs- flotte auf Rechnung des Reichs in Erwägung zu ziehen?" Abg. v. Kardorff(freikous.) verliest einen Brief d c s Freiherr» v. S t u m m, wonach dieser mit der Panzerplatten-Fabrikation gar nicht beschäftigt sei. Beim Dillingcr Werk sei er nur mit eiiicm Achtel dcr Aktien' beteiligt und seine Thätigkeit beschränke sich ans gelegentliche Raterteilung und den Vorsitz im AnfsickitSrat. Von den hohen Gewiimen. die in der Presse an- gegeben würden, sei keine Rede. Dcr Verkaufspreis deSPlattemiiatenalS für die Ncubantcn dcr Vorlage werden nur 113 Mill. Mark betragen und höchstens die Hälfte davon könnte Uiitcrnehmergewiim fein. Die riesigen Unkosten und die häufigen Berbeffernngen des Materials bceiiiflußten den Gewinn in hohem Maße. Wolle die Marine ihm das neue Objekt anbieten, so werde er dasselbe imi des hohen Risikos willen a b l e h n e n. Die Preise der Panzer seien stehen- geblieben trotz Steigerung dcr Löhne nnd deS Materials. Abg. Müller-Fulda(C.): Die Angabe v. StmnmS fei doch nicht ganz zutreffend. Er habe die Ersatzbauten nicht nntbcrechnet; diese inbegriffen wird die Ausgabe für Paiizermaterial 269 Millionen betragen, der Gewinn also sich auf 13V Millionen stellen. Die Zeitnngs- Nachrichten sind also ziemlich richtig. Die Frage ist nun, ob der Staat nicht solche Panzerplatten selbst fabricieren und so viel Geld sparen könnte? Ferner ist zu fragen, ob die Platten dcr alten Sänffe nicht noch gebraucht werden' können. Lassen sich nicht aiidre Industrielle für die Fabrikation deS Panzermaterials heranziehen? Staatssekretär Tirpih: Die alten Panzerplatten hat man bisher nicht wieder bcrwcrten können mit Rücksicht auf die inzwischen eingetretenen technischen Vcr- bcjserimgcn. Die Ilebcrnnhme dcr Fabrikation auf den Staat bedeute eine nngchenrc Vermehrung und Erlvcitenmg des ganzen Bcr- waltungskörpcrs, die Konkurrenz niit der Industrie werbe dieses Unternehmen sehr kostspielig machen; ein solches Unternehmen passe nicht in das ganze staatliche VerwaltmigSsystem. Ob Krupps Ver- dienst wirklich so groß sei, lasse sich in keiner Weise feststellen; die Preise seien nicht zn hoch; vergleiche man dieselben mit sonstige» Preisen dcr Eisenindustrie, so gelange man zu dcm Schluß. daß die Gcivinnangaben der Presse übertrieben seien. Für die Steuerzahler iverde die Verstaatlichung der Fa- brikalion nicht vorteilhaft sein, denn im ganzen arbeite die Privatindustrie überall billiger. Gerade im gegenwärtigen Moment könne die Marine das Risiko dcr Verstaatlichung nicht Übernehmen, jedenfalls werde er dazu nicht raten können.' Die Marine werde aus dem ihr bewilligten Geld machen, was sie nur irgend könne. Bewillige der Reichstag die Novelle, so werde diese Sicherheit allein hie Preise drücken, denn dadurch werde die Amortisationsquote ge- ringer. Seien die Gelvinne wirklich so hoch, so würden sich Kon- kurrcntcn von selber finden. Abg. Graf Stolberg(k.) Unsre Lage gegenüber dcm Panzcrflotten-Monopol ist'gewiß unangenehm. Aber das vorgeschlagene Mittel der Verstaatlichung ist nicht durchführbar. Krupp' muß' auch für das Ausland liefern. wenn er das Unternehmen auf der Höhe halten soll. Das kann aber eine staatliche Werkstatt nicht. S(b.q. Bebel? Gegen diese Verstaatlichung bin ich durchaus, denn dadurch würden nur Mehrbetvilligungeu an Kriegsschiffen criuachioii. Tie Marinev e rwaltung besiuder sich da allerdings in einer, schwicrigeu. Lage, sie ist geradezu in der Geivalt eines ungeheure» Pvlypcn, der seine Fanganne ausstreckt,' ans denen sie sich nicht befreien kann. ES besteht ein Monopol ftir alle Militär- nud Marincliefcrnngen, ein großer Ring, dessen Mitglieder den Getvstin wechselseitig unter sich verteilen! sie geben sich Abfiildungcn, dautit einer den andern nicht unterbietet. Tic Mariuevertvctltuug muß die Preise bewilligen, die ihr diktiert werden. Freiherrn v. Stuunns Brief bestätigt, ums iit der Presse gesagt worden ist. Herrn b. Stunmis Bczichnngcn zuin Dillinge» Werk sind sehr innige, er ist Borsitzeuder des LerivaltnugsanSschusses, er trifft in allem die oberste Entscheidung. Dillinger-Werk n»d Krirpp halten die Preise hoch. Wie ist es denn mit den Gösch ü tz preisen? Krupp soll erst 4800 M. für das Geschützrohr gefordert und dann, als Konturrenz austraf, auf lgäl) M. herabgcgangcn sein! Man betrachte doch die Riescnprostte der Waffen- nild Mnuitionsfabriken, die in einem Verband sich zusammengeschlossen haben. Ta sind Dividenden. von 18 nud 24 Proz.? dabei verbessert man die Atrien, um Heu wirtlichen Profit zu verschleiern. Tie iv i r k I i ch c n Dividenden dieser Fabriken gehen wahrscheinlich iibcr 50 Proz. hinaus. Abg. Richter: Was die„Freisinnige.Zeitung" über Dillingcn und Herrn von Stumm gebracht, erhalte er aufrecht, er habe darüber zuverlässige Erlnudignngen einzuziehen vermocht Das entscheidende sei. daß die einzigen Werke, welche Panzerplatten lieserlen, sich koaliert hätten und mm jede Konkurrenz beseitigt sei: die Heeres- und Flotienverwaltung stehe hier machtlos unter der Herrschaft eines„Klüngels". Eine Kon- lurrenz tverde man herbeizuführen verinöge». wenn mau nur recht wollte. Die Arinoevcrwaltiing sei in dieser Hinsicht viel eifriger bemüht als die Märine. Durch die Novelle erlange die Frage eine ungeheure Bedeutung: der Staatssekretär möge seine Därlegungeii in die Form einer Denkschrift fassen, damit man in der Ocffcntlich'keit der Sache ans dcit Grund gehe» könne. Daß die Berstaatlichnng für die Marineverloalrung unbcgucm sein werde, glaube er wohl, aber das genüge nicht, nm von dcur Gedanken von vornherein abzustehen. Abg. v. Kardvrff lucist ans Krupps Verdienste nm die deutsche Industrie hin: das Werk habe schwere Zeiten durchgemacht, man möge ihm seine jetzige Blüte gönnen. Staatssekretär Tirpitz: Die Lage der Marine in der vorliegenden Frage sei viel schwieriger als diejenige der Armee, ihre Objekte seien sehr viel größer, er müsse es ablehnen, daß die Marine sich weniger um' die Konkurrenz bemühe, als jene. Was sie habe thim können. sei geschehen, er werde tveilcr gehen, sobald die Sachlage dies gestatte: auch er müsse Krupps Verdienste um Deutschlands Industrie rühmend hervorheben und bestätigen, daß das Werk anfangs nur ungern an die Panzerfabrikation herangetreten fei. Abg. Prinz Arenbcrg(CT.) vermag einem staatlichen Werk nicht das Wort zu reden im Hinblick auf das Risiko und die technischen Fortschritte. Das Beanitenpersonal werde gar nicht zu bezahlen sein, denn man könne hierin mit der Privatindnstrie in keiner Weise konkurrieren. Abg. Pansche stiatl.): Auch ihm scheine möglichste Klarstellung erwünscht, hierin stimme er Richter zn. Er glaube nicht an die so großen Profite. Zahle das Ausland etiva weniger, seien dort die Schiffe billiger? Dann möge man doch einmal im Ausland bauen, das werde den stärkste» Druck auf den„Klüngel" und die„Polhpenarme" ausübe». Krupp und ähnliche Firmen seien durch ihre Leistungen groß geworden. Gegen Siaatsfabrilcn tverde er sich so lange als möglich wehren, da sie theurer nnd nicht bester arbeiteten. Staatssekretär Tirpitz will versuchen, größere Klarheit zn schaffen, obwohl dies schwierig sei. Andre Staaten zahlten leine geringeren Preise als wir, für England könne er dies im Augenblick bereits nachweisen, dort sei das Panzermaterial etivns teurer. Abg. Miiller-Fuida(G.): Nach einer Aeußerung des englischen Ministers Goschen losten die englischen Kriegsschiffe 20 Proz. weniger als unsrc. Das wäre bei der Flottcnvorlage eine Ersparnis von 25 Millionen, dafür könnte» wir s ch o n w i c d e r 10 große Schiffe baue u. Staatssekretär Tirpitz: Tie Aeußerung Goschens keime ich lvohk. Wenn die englischen Schiffe billiger sind, so liegt dies vielleicht daran, daß Eiiglands Industrie älter und leistungsfähiger ist. als die uusre, und das Material in Eisen und Kohlen bequemer zur Hand liege. Wenn Utlsre Industrie wie zur Zeit immer mehr erstarke, iviirde die günstigere Konkurrenz ivahrscheinlich ans die Preisbildung von Ein- jlnß sein. Abg. Bebel: Ein Vergleich zlvischen Inland und Ausland sei schwer. Ter Ruhm, daß wir die besten Waffen fabrizierten, sei problematisch, das internationale Kapital habe diese Fabrikation großgezogen. Er wundere sich über Paasches Auffassung, der„Klüngel" sei gar nicht in Abrede zu stellen. Redner lveist dies im cinzelneii nach und vcr- langt Auskunft, ob K r u p p s Schießplatz nicht Staatscigentnin und an die Firma verpachtet sei. Abg. Graf Stolberg: Wenn das Inland ivirtlich abnorm hohe Preise fordere, möge man es mit dem Ausland versuchen. Staatssekretär Tirpitz: Man habe ein Torpedoboot in England bauen lassen, dasselbe sei teurer und weniger gut gewesen als die deutschen: die auswärtige Industrie werde man außerdem nicht so gut überwachen können, wie dies im Inland möglich sei. Abg. Paasche lveiidet sich gegen Bebel, dessen Angaben er zurüFznweise» versucht. ■ Die von Müller-Fulda angegebenm englischen Preise erklärten sicki zum Teil auch ans der sehr sorgfältigeren viel deutschen Arbeit, wie dies auch das von dem Herrn Staatssekretär angeführte Torpedoboot erkennen lasse. Die deutschen Schiffe Iviirde» danerfähiger sein. Abg. Frese hält die Diskussion für an sich dankenswert, er hoffe, daß die Re- gicrung den gegebenen Anregungen Folge leisten tverde. Die An- »ahme der Novelle werde die Konkurrenz anregen und steigern, die Regierung möge derselben die Wege ebnen. Die englischen Preise seien nicht billiger, wenn»lau gleich gute Arbeit tvie in Deutschland fordere. Für staatliche Fabriken habe er wenig übrig, c6 sei besser, mit der Privatindnstrie zu arbeiten. Hierauf wird dieser Punkt verlassen, und es tritt eine Pause bon einer Stunde ei». Ilm 2 Uhr wird die Sitzung wieder aufgenommen bei der Frage 10: „Welche neuen Steuern schlagen die verbündeten Re- gieruiigm unter Anfrcchtcrhaltung des im Artikel 8 des Gesetzes vom 10. April 1898 festgestellten Grundsatzes zur Deckung der Kosten der geplanten Flottenverstärkung vor?" 0 Abg. Miillcr-Fulda iE.): Die bloß negative Festsetzung des 98 er Gesetzes könne nicht mehr genügen, da große Steigerung der Ausgaben sicher sei. Wenn auch mir ein größerer Teil der Vorlage angenommen iverden sollte. so geht es mit den bisherigen Einnahmen nicht mehr. Sollten ivir etwa neue Steuern schließlich doch nicht brauckicu. so können wir sie ja wieder aufheben. iHeiterleit.) Wenn die Regierung uns jetzt keine Siencrvorschläge macht, so entstehe der Schein, als ob sie sich mit ihre» wahren Stcucrpläncn nicht herbortrauc, z. B. mit einer Tahakfnbriiär- oder Bicrstener. Staatsjelretär Thiclmann: Bis jetzt schienen neue Steuern nicht nötig, doch könne mau die Frage immerhin akademisch c kö rt er n. Zunächst scheine der Lottcricstciilpcl ein passendes Objekt: gegen dessen Vcr- dvppclung ivürden die verbündeten Älegieriiiigen nichts einwenden. Maßgebende Juristen erachteten das S p i e l v e r b o t in fremden Lotterien nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch für w c a fällig, die Erhöhung des LotieriestempelS werde also eine Freizügigkeit der Loose nach sich ziehen. Daß die Spiellnst darunter leiden werde, sei wohl nicht zu befürchten. Dieser Stempel scheine demnach eine gute Reserve. Ein zweites Objekt sei das Saccharin, die Besteuerung des- selbe» � scheine wünschenswert, das Erträgnis vermöge er nicht zu schätzen, wahrscheinlich werbe'sich dadurch der Zucke rverbranch erhöhen. Diese beibeuJDbjctte, die etwa 20 Millionen pro Jahr geben würden, deckten c i n st w eilen den Mehrverbta u ch. Weitere Vor- schlnge könne er zur Zeil nicht machen. Ob sich eine Steuer auf Ä o u n o s s e m e u t c einführen lasse, könnten erst statistische Erhebungen ergeben. Für diese Session könne er al>o Vorschläge nicht in Änssich'l stellen, doch schließe dies eine akademische Erörterung nicht aus. Abg. Graf Stolberg findet, daß hier die Rollen zwischen Regierung und Reichstag um- gekehrt seien: da indcffen die Decknnqsfrage als Voraussetzung der Vorlage erscheine, habe er gegen die Erörterung derselben nichts. Auch er schla ge den Lotteriestcnlpel und das Saccharin als Steuer- objelre vor. Er ivnnsche, daß die ganze Dccknngsfrage einer Snb- l o in m ission überwiesen werde. Abg. v. Kardorff bemerkt zur Bindnngsklausel, daß diese nach seiner Meinung von unrichtigen Voraussetzungen ausgehe. Die ganze Nation in ihrer Gesamtheit bilde die„starken Schultern", und den Hauptvorteil von der Novelle hätten die Arbeiter; die Landwirtschaft werde darunter leiden. Er halte neue indirekte Stenern für ganz erwünscht, docki sehe er von Vorschlägen ab. da er die Stimmung des Reichstags kenne. Er schlage eventuell einen Fahrkartenstempcl s ü r die erste und z w e i t e K l a s s e der Eis e n b a h» e u vor; derselbe werde 25 Millionen bringen; die Einzelstcmteii würden sich fügen können und müssen. Abg. Müllcr-Fulda ist bezüglich der indirekten Steuern andrer Ansicht. Tie Fahrkarten- steuer werde man beim Widerstand der Bundesstaaten nicht durch- führen könne». Gegen Lotterie- und Sacchariusteuer habe er nichts. Auch eine K o n o s s e in cur st euer werde man ausarbeiten iöiiiicn. wenn auch statistische Grundlagen schlten. Wenn man lange Statistiken machen wolle, so entstehe der Zweifel, ob die Regierung überhaupt die ernste Llbsicht hat, die Stcncrsrage zu fördern. Indem diese Steuer den Handel treffe, falle sie auch auf die Jntercsseiiteii der Flottciworlagc und sei auch dadurch empfchlcnstvert. Auch ein Stempel ans SÄisfs- f a h r k a r t c ii seß nicht ohne Belang nnd ein gutes Stenerobjekt; ebenso könne man den B ö r s e n st c in p e l noch besser ansgestalien und daraus größere Erträgnisse erzielen:'ans diese Weise iönnc man dem Fiskus cinen Auteil an dem Kiirsgewiiin sichern. Endlich sei der U in s a tz in Kuxen immer noch steinpclfrci, diese Lücke könne man ohne weiteres ausfüllen; insgesamt seien so 36 Millivncn mehr leicht zu erzielen. Abg. Büsiilg ist bezüglich der iiidirekten Stenern der Ansicht v, Kardorffs. Tie ganze Nation sei an der Flottcnvorlage beteiligt, deshalb solle man die Stenern nicht b e s o n d e r e n I n t er e s s eu te n auszulegen versuchen. Bezüglich der Deckimgöfragc an sich sei er mit dem Staats- sekretär des Rcichssctiatzamts ciiiverstqtiden. Dieselbe sei nicht dringlich. Eine Stellungnahme zu eiiizclnen Projekten behalte seine Partei sich vor. Er sei gegen jede Erschwerung des Handels, man werde durch eine schwere Bestruermig den Scehaiidcl von Teutschland ablenken, ivährcnd eine niedrige Befteuerimg nichts einbringe. Für einen Fahr- kartcnstcmpcl zur See und zu Land sei er durchaus zu haben, derselbe werde gute Eiiilünfic mit sich bringen und sei technisch höchst ein fach. Für die wohlhabenden Leute»verde dieser Zuschlag keine Rolle spielen. Der B ö r s e Ii st e m p c l entspreche n i ch r seincii Auffasmiigen. eine Bc- steucrung ausländischer Papiere werde Gegenniaßregclii nach sich ziehen: diese Steuer biete ancki große technische Schwierigkeiten. Wolle man in die Dockuugsfrage hineinsteigen, so möge man ziinächsr eine Subkonunissio» berufen. Abg. Gröber(E.) kritisiert die Büsingschen Darlegungen. Es gebe allerdings besondere Jiiteresscnte» der Flottcnvorlage. die auch eine besondere Belastung vertragen können. Die Erörterung sei doch nicht r e i n a k a- d ein lsch aufzufassen. Wir machen unsre Stellung.zmii ganzen Gesetz abhängig von der DertungSfragc. Wir wollen nicht, daß der allgemeine Massenverbrauch getroffen tverde. Verschieben wir aber jetzt die Entscheidniig. dann»verde man später bei jedem Steuer- Vorschlag alle möglichen Schwierigleitcn vorschützen und es wird zur Erhöhung der Matritnlarbeiträge lommen. Wir wollen so hohe Anleihen auf jeden Fall wer mieden sehe n. Wir verlangen einen ernsthaften Versuch, die Kosten ans laufenden Mitteln zu decken. Redner bespricht hiernach die einzelnen regelrechten Stcucrpläiie und lehnt seinerseits den Fahrkartcnstempel ab, der beispielsweise für Württemberg keinen Syinparhien begegnen würde. Bezüglich des BörsensteinpelS ist er der Ansicht von Müller-Fulda, auch gebe es noch L u r n s a r t i k e l, welche höheren Zoll tragen kömiten. Alle diese Steuern würden aber dem Bediirstns nicht ensprechcm man brauche eiuc groffc Ergäiizuiigostcucr..yicr biete die isteucr- Verfassung des Reichs ihre großen Schrieri gleiten. als geeignetes Objekt erscheint eine Reichs-Grbschastostcnrr, beschränkt aus größere Veriiiögcn und die reine Bereicherung, doch müffe mau andrerseits auch die Descendenten heranziehen, in andren Staaten bringe eine solche Steuer ganz bedeutende Erträgnisse. Staatssekretär Thielmanu erwidert, ohne ausreichendes staristischcs Material könne die Ver- waltniig keine zuverlässigen Steuerprojcltc ausarbeiten. Er habe die Projekte geiiaimt, welche bisher erwogen seien und aus welche die verbündeten Negierungen eingehen würden: hierzu gehöre auch der Stempel für Secpasingc: ein Stempel ans Landpassage sei ihm neu. Die R e i ch s- Er b sch a s tS st eu c r sei vieljaeli erwogen. doch habe sie wenig Zustimmung gefunden. Es fehle dem Reich eine Organisation für ihre Erhebung, dieselbe treffe die Landwirtschaft, wie immer die Steuer veranlagt werde, am schwersten. da ihr Vermögen nicht liquide sei. Der Erbe werde das Geld für die Steuer aiisnehmeii müssen; namentlich deshalb wolle Preußen daraus nicht eingehen. Abg. Frese hält eine Verinögcnsstcucr nicht für undurchführbar: die Erbschafts- Heuer sei für ihn' gleichfalls nicht unanuehnibar. Bei nenen Stenern müsse man deren j o e i a l p o l i t i s ch e Wirkung in erster Linie in Betracht ziehen, dies spreche gegen die indirekten cstenerii. Gegen eine K o n o s s e m e n t st e u c r sei' man in Vre in c n schon deshalb nicht damit der Behnnptniig die Spitze abgebrochen werde, der Handel»volle nur die Vorteile, nicht aber die Lasten der Flotte tragen. Er denke cttva an l'v Proz. für Konosiemeiite; viele M 1 1 l i o n e n muffen Sie allerdings nicht daraus ziehen tvollen. Abg. Bebel: Es herrscht allseitiges Einversiändnis, daß§ 8 des 98er Gesetzes volle Gültigkeit behält,' daß neue Steuern aus de» Masjenverbrauch auch infolge dieser Vorlage nicht gelegt werden dürfen. Nun ist die Frage, ob es angemessen sei, die Interessenten, die den größten Vorteil haben, besonders zn besteuern. Ich halle dieses Verlangen für unberechtigt. Wenn die Flotte das Land schützen soll, so ist das eine allgemeine Angelegenheit der Gesamtheil. Wie alle die Armee bezahlen, so auch die Flotte. Aber natürlich muß dabei dem Grundsatz Rechnung getragen werden. der aller Stenergejetzgevnng zn Grunde liegen soll, daß die- jenigcn, die das meiste besitzen, die am meisten inter- essiert sind an der Allstechterhaltniig des Ganzen, auch am' meisten beitragen müssen. Dann kann aber nur eine Einkommen- vczw. Vcrmögenösteucr in Betracht kommen, wie wir sie stets ge-: fordert haben. Man sträubt sich hiergegen anfs heftigste, man sagt,' es sei midnrchführbar, aber lv c n n mau n u r w o l l t c, ginge es recht gut. Tie'Stenern, die Sie hier vorgeschlagen haben, sind teils ohne rechten Ertrag, teils nn gerecht. Herr Frese will die Opfer-' willigteit der Kanshcrrn damit beweisen, daß sie eine Steuer auf Koiinoffemcnte sich gefallen lassen wollen. Aber er sagt selbst sofort: Sic darf aber nicht hoch sein. Fürst Bismarck nannte das einmal eine„Anstandsstencr". Wenn Sie die Stenern auf den Verkehr legen, so wälzt der Kaufmann sie doch wieder ans das Publikum ab, das sie dann ini Preise der Ware mit bezahlen muß. Die Fahrlartenfteuer laim ich nicht billigen, sie würde den Geschäftsmann, der im Berufe oft reisen muß. im- gerecht belasten; wir wünschen Tarifermäßigimgcn auf der Eisen- bahn, aber nicht Verteuerung. Ich warne auch vor Verdoppelung' des L o t t e r i c st e m p e I s, denn wenn damit zugleich das Verbot.. auswärtige Lose zu verkaufen, fällt, wenn die �Freizügigkeit" der Lotterien kommt, dann wird eine ungeheure lieber-> schwemmiiiig mit Loosen stattfinden: eine heftige Konkurrenz der Lottcrieanstnlteii wird einreißen. Sie. wettern gegen den Spiel- teufel, der Kaiser erläßt Verordnniigeii gegen das Spielen, und hier wollen Sic von Staatswegcn diese häßliche Erscheinimg fördern. Sie sollten doch wenigstens moralischere Mittel anwenden für Ihre herrliche Flotie. Abg. Paasche konstatiert gleichfalls die Aufrechterhaltmig der Bindungsklauscl. man müsse jedenfalls die leistungsfähigeren Schultern nach Maßgabe ihrer Kraft treffen. Um Steuern ans Borrat handle es sich hier nicht, man müsse im Hinblick aus die Anleihewirtschaft jedenfalls neue Steilerquellen erschließen. Die Anleihepläne_ der Novelle per» horrcscicre er, habe man entsprechende Steuern, so tverde man auch zur Schuldentilgung gelangen. Steucrobjekte seien, das beweise die � heutige Debatte, ausreichend vorhanden. Redner votiert seinerseits für' Konnossement- nnd Börsensteuer, auch der See-Fahrkartenstempel sei ein paffendes Objekt; eine Luxusstcucr. z. B. auf Sekt werde 5 Millionen eiiibriligcii, besondere direkte Stenern seien daneben nicht, nötig und gegenüber der Steuerverfassnng des Reichs nickst durchführbar. Abg. Graf v. Klinckowström(£.): Die direkten Reichssteuern köinie er nicht gutheißen, vor allem nicht die Erbschckstsstcner, welche die Landivirtschaft in unerträglicher Weise treffen werde. Gegen die übrigen Projekte habe er nichts ein- zuweiidc». Abg. Richter meint, daß die heutige Debatte dem Lande die Augen über die wahre Bcdcntiiiig der Vorlage öffnen werde. Er bespricht die ein- zelnen Vorschläge. Stenern ans Vorrat enthielten dicsclbeii jedenfalls, dagegen eine R e i ch S v e r m v g c» s st euer vermeide, diese Klippe. weil man sie jetzt nur principicll beschließen imd später quotisieren töniic: sie bilde die beste Barrikade zum Schutz der schwachen Schultern imd man lönne sie tvie die Biiihiiiigsjlailsel inS Gesetz mifiiclpiicn. Eine ErbsckastSfteiicr schließe die Qliotisienmg aus und sei deshalb weniger praktisch. Abg. Prinz Arenbcrg? Die Biudruigsklansel sei coiillilio sine qua für die Annahme des Gesetzes. Die Erbschaftssteuer habe g�ße-psychologische Lorzüge. in Belgien empfinde sie iiieinand ajs eine Last, auch die Landwirtschaft werde sie tragen köniicii, wenn sie nur technisch richtig behandelt werde. Wiste man iminnehr, daß der Reichstag die Anleihe nicht wolle, fo könne das Schatzamt sich über neue Srenerprojekre schlüssig machen: er hoffe beim Wiederzusainmentritt der Kommission die Vorschläge der verbündeten Regierungen zu hören. Abg. Singer konstatiert gegenüber einer Bemerkung de- Abg. Paasche. daß er nicht für Erhöhung des Lottcriesiempels eingetreten sei. Er habe viel- mehr das Verbot der Lotterien befürwortet. Am besten ist eine Einlominenstcuer, denn Lcrinögens- niid Erbschaftssteuern treffen viele lückir, die ein erhebliches Vermögen haben und beitragen köniicii; da seien zum Beispiel die Flottrnprofcssorcn. die von ihrem Einkommen gewiß gern etwas für die Flotte ab- geben würden.(Heiterkeit.) Meine Partei lehnt es ab, in eine Sudkommission zn gehen. Wir denken nicht daran, das neue Steuerbouqnct mit znrcchtznmachcn. da wir schon ans principiellcn Gründen die Vorlage völlig ablehnen. Abg. Gröber: Auch ich bin gegen eine Subkominiifion. Es ist Sache der Regierung, uns eine Slcuervorlage zu machen. Auch uns sind die besprochenen Stenern durchaus nicht sehr angenehm, auch nicht die von mir vorgeschlagene Erbschaftssteuer lZnrus)- Jawohl, die ganze Vorlage ist mir gar nicht spm- pathisch! Wenn die Regierung nicht irgend einen gangbaren Weg in der Stenerfrage findet, so werden sie d i e K o n s e q u e n z e n erleben! Damit wird die Beratung über die Stenerfrage geschlossen. Tie Erörtcnmg des Restes des Müller- Fuldaschen Antrags wird dem Wiederziisammentritt der Kommission vorbehalten, welcher am 25. April stattfinden soll._, Z)olitifche Aebevfiihk. Berlin, den 29. März. Abgeordnetenhaus. Tas preußische Abgeordnetenhaus besprach am Donnerstag zunächst die Interpellation B a e n s ch A ch m i d t l ei n(st.): „Welche Maßregeln gedenkt die Regierung zur Beseitigung der immer schwerer empfundenen Mißstände und Ungerechtig- leiten in Bezug auf die U n t e r h a I t u n g SP f l i ch t der Volksschulen zu ergreifen?" gast alljährlich hat sich das Haus über die Frage der Schnlunterhaltungspflicht unterhalten und die Regelung dieser Angelegenheit gefordert. Die Ansichten gingen nur insoweit auseinander, als die liberalen Parteien und die Frei- konservativen ein besonderes Gesetz verlangten, während die Konservativen und das Centrum darauf bestanden, daß diese Frage im Rahmen eines allgemeinen LolkSschulgesetzcs auf konfessioneller Grundlage geregelt werden möge. Das Ccntrum beharrte auch heute wieder auf dieser Forderung. während die Konservativen erklärten, zwar ihren principiellen Stand- Punkt nicht geändert zu haben, aber doch mit einer bc- sonderen Regelung der Schulunterhaltinigbpflicht einverstanden zu sein. Minister S t u d t erklärte, die Regierung sei bereit, im nächsten Etat 19 Millionen zur Verfügung zu stellen, um bestehende Härten auf dem Gebiet der Schnluntcrhaltungs Pflicht zu mildern. Außerdem»verde die Regierung eine Statistik der Gemeiiidcbelastungcn für öffentliche Zlvecke aus- stellen. um zu sehen, ob große Ungleichheiteil in den vcr- schiedenen Gemeinden bestehen. Sie»verde dann erlvägcn, ob ein»veitereS gesetzliches Vorgehen notwendig sei, um über- Haupt die gesamten öffentlichen Lasten der Geineindcn und damit auch die Schillunterhaltungspslicht zu regeln, aber sie müsse an der Ansicht festhalten, daß die Schulen don den Kommunen zu unterhalten seien und daß der Staat nur da eiliziitreteu habe, Ivo es»virklich notwendig sei. " fcr Debatte traten neue Momente nicht zu Tage/ Hierauf nahm das Haus in dritter Lesung die Sekunda r- bahn- Vorlage" an. erledigte in erster und zweiter Lcstmg den Geseycntwurf, betreffend die Erweiterung des Stadtkreises Stettin, und in zweiter Lesung den Eesctzenyvurs, betreffend 3lender»ng der Krcisordnnng für die Provinzen Ost- und West- Preußen, V r a n d c n b u r g, P o m m e r n. Schlesien und Sachsen. Ein hierzu gestellter Antrag der Frei- sinnigen bezweckte, daß für die Kreise Teltow und Nicderbarnim die Beschränkung des Z 89 der Kreisordnung i» Fortsall kommen soll, wonach im Kreistag die Zahl der ftäd ischen Abgeordneten die Hälfte der Kreistagsmitglicder nicht überschreiten darf..Der Antrag wurde ab- g c l e h n t. Schließlich gelaugte noch-- der Gesetzentwurf be- treffend die Po l'i ze ive r w ä l t u n g in den Stadtkreisen Eharlotten b ur gi Schön ebcrg und R i x d o r f zur Annahme unter A b l e h n u n g c i n e s A u t r a g s Kreit- l i n g(frcis. Vp.) und Genossen, woiiach der Bezirksausschuß zu Berlin um zwei Mitglieder aus den Gemeinden Eharlotten- bürg, Schöneberg und Rixdorf verstärkt werden soll, die bei denjenigen Entscheidungen mitwirken sollen, die polizeiliche Angelegenheiten aus den Vororten betreffen. Bei der Beratung dieses Gesetzentwurfs lieferte Abge- ordnctcr Tr. Arendt wohnt. Recht und Gerechtigkeit gegen jeden zu üben ohne Ansehen der Person und des Standes. Man wird ohne weiteres zugeben, daß diese Redensarten des Ministers absolut nichts gegen die Behauptung nnsreS Genossen Bebel beweisen. Ilm so mehr hat der Minister Veranlassung, das Dunkel, das über den Thiitern schwebt, endlich zu lichten, damit die Ocffcntlichkeit erfährt, von wem die That begangen ist. Wie erinnerlich, sprechen alle Hin- stände der uhat für einen in der Trunkenheit verübten Studentenstreich. Morgen wird daS Haus noch einige kleinere Vorlagen beraten und dann in die Ferien gehen.— Tic Etatsbcratnng im Hcrrcnhausc. Tos Herrenhaus hat. am DoinierStäg die Beratung de» SiaatShaushalts begonnen, für die volle zwei- Sitzungen in Slu-ssicht genommen sind. Auch das ist noch Zeitverschivendung. Teiur das Herrenhaus hat nur das Recht, den Etat im gauzcu auzimehmen oder abznlchneu, es darj aber leine Position andern.-In diesem Jahre hat das Hans versucht, seine Neckitc zu criveitcru, indem es mit großer Mehrheit die Regierung in Form einer Resolution er- suchte, zur Wahrung der Etatsrechte de» Herrciihanses darauf Bedacht zu nehmen, daß Ncnänlagcn. für welche erhebliche Aufwendungen in mehrfachen IahrcSbcträgcn erforderlich iverdcn, nicht nur durch Einstellung in den Etat. sondern durch besondere Gesetzentwürfe- dem Landtage vorgelegt werden. Was das HauS mit dieser Resolistwn bezweckt, darüber sind sich die Herren offenbar selbst nicht recht klar, denn daß es wirklich, wie Herr v. L e v c tz o w ineintc, einmal in die Bersnchnng kommen könnte, den ganze» Etat abzulehnen, davon kann doch bei einer so patriotischen Körperschaft keine Rede sein. Ziemlich scharf ivicö Minister Dr. v. M i q u c l auf das Unsinnige einer solchen Resolution hin, aber vergebens, die Hcxrcn bcharrte» auf ihrem. Kopf, um der Regierung auch einmal zu zeigen. daß sie keine bloße Ia-Sagc- Maschine bilden. Daß die Regierung dieser Resolution Folge geben wird, ist nach der Miguelschen Erllärmig ausgeschlossen. Sonst habe» die Herren an dein Etat nichts auszusetzen. Nur darüber wurde charaktcristischcrioeise in der Kommission Klage geführt, i daß nicht genug für Pferderennen ausgeworfen sei. Tie Regierung hat denn auch versprochen, den hierfür ausgeworfenen Prämienfonds von 31Q OÖO, auf Äst) QOO M. zu erhöhen. Bei einen, so weitgehenden Entgegenkommen der Regierung ist es lein Wunder, daß das Hans l sich dankbar crivie-s und von einer Generaldebatte Abstand nahm, obwohl Graf Mirbach erklärte, man dürfe ans dem Schweigen seiner Freunde nicht etwa den Schluß ziehen, als seien sie mit allen Vorgängen der letzten Zeit einverstanden. Eine große Anzahl von Special» Etal-s wurden gleichfalls debattclos erledigt, nur beim Etat der direkten Steuern entspann sieb eine intercssante Debatte über angebliche Härten in der Steuerveranlagung. Graf von K I e i st- S ch>n e n z i» und Graf Mirbach jammerten um die Wette darüber, daß es jetzt nicht mehr so leicht ist, den FiskUS zu hintergehe», ivie vor dem Erlaß des neuen Einkommen- stcucr-Gcsetzes. Letzlercr machte der Regierung sogar allen EriisteS den Vorschlag, sie möge den Wert der Güter in Zulunft nach der Höhe der gezahlten' Einkommensteuer bemessen. Ein wahrhaft genialer Plan! Dann können die Herren Agrarier den Staat doppelt beinogcl», einmal bei der Dellaricrung ihres Ein- konmimS und zweitens bei der Veranlagung zur ErgänzungS- steiler. Leute wie' der Führer des Bundes der Land- wirre, Freiherr v. Wangcnhcinr', würden dann zum Beispiel überhaupt keine Stenern bezahlen. Einkommensteuer bezahlt dieser Herr bekanntlich schon heute nicht, und da ihm sein Gut angeblich nichts einbringt, so dürste er auch nicht zur Ergänzungssteiler herangezogen werden. Man sieht, die Junker verstehen sich anfö Geschäft. Aber der Finanzininister, so gern er auch sonst seinen Freunden einen lleinen Dienst erweist, kann ihnen in dieser Beziehung nicht helfen. Mit einer Energie, die man lange nicht an ihm bemerkt hat. wenn es galt. agrarischen Hochmut einzudämmen, wies er nach, wie gerade die Reichen durch allerlei Schliche den Staat zu betrügen suchen, z. B. indem sie mit erwachsenen Kindern Scheinberträge über AlimeiitatioiiSpflichicn und dergleichen abschließen. Die Klug- hcit, mit der sich die Steuerzahler ihren Verpflichtungen zu entziehen suchen, sei gewachsen, aber die Unannehmlichkeit, Steuern zu zahlen, könne er ihnen nicht nehmen. Freitag wird die Etatsberatung sorigesetzt.— Eine halbe Kraftprobe. Paris, 27. Marz. Die Interpellationen über die Nicdermctzelimg streikender Neger- arbciter auf der Insel Martinigue wurden— so paradox es klingt— von den militärisch-kapitalistischen Parteien zn einem iicncn A n g r i f f aus das Ministerium benutzt. Und zwar glaubte die Opposition unmittelbar bor der Abstimmung die allgemeine Politik des Mi- »isterinmS in Frage stellen zu dürfen, um cS desto sicherer zu Falle zu bringen. Aber auch diesmal kam cS nur zu einer halben Kraftprobe, weil der eigentliche Gegenstand der Debatte doch rein gar nichts mit der allgemeinen Politik des Ministeriums zu schaffen hat. Aus der Debatte und den boraufgcgangciien Erörterungen in der Presse gehr mit Sicherheit folgender Thalbestand hervor: Tic Regerarbeiter der Rahrznckcr-Plamagcn tcidcn seit Jahren an niedrigen Löhnen, trotzdem die ursprüngliche Ursache der Lohn- Herabsetzung, der Fall der Znckerpriise. längst verschwunden ist. Die Löhne sind' gesunken von 2 auf 1 Franken und sogar auf 75 Centimes. Daneben wurden die Löhne durch da-?'Triick-Shstem weiter gekürzt. Die Arbeiter griffen schließlich zum Streik. Wie berechtigt ihre Fordcrnngcn waren, zeigt die Entscheidung des Schiedsgerichts, die eine Lohnerhöhimg von'öu Prozent festsetzte. Der Streik verlies überall durchaus ruhig. Während aber die meisten Plantagenbcsitzer sich ans schiedsgerickitljche Lerhandlnngen einließen, wendete sich der Unternehmer Liailtier in der Gemeinde Franaois an die Militär- gewalt, um dein Streik ein Ende mir Schrecken zu bereiten. Alle ilmstäiidc der Metzelei vom 8. Februar zeigen bis znr Evidenz, daß es eine kühl berechnete in i l i t ä r i s ch- k a p i t a l i st i s ch e M o r d t h a t iv a r. Der Lieutenant K ahn, der, nebenbei gesagt, mit seinen 2ö Soldaten beim Unternehmer einquartiert ivar, ließ auf die unbelvaffnetcn Streikenden feuern, ohne daß diese auch mir Miene gemacht hätten, gclvaltthntig vorzugehen. Der Maire Clämcnt, der sich an Ort»nd Stelle befand,»iid dem allein gesetzlich das Recht zustand, den Gebrauch der Waffen aiizuordiicn, ist selbst nur zufällig den Gewehrsalven entgaiigen. Lieutenant Kahn gab den Mordbefehl nicht nur c i g c u m a ch t i g ab, sondern er unterließ sogar die gesetzlich vorgeschriebenen d r e i iii a l i g c n Ä>l f f o r d e r n» g c n zum A u s e i n a n d c r- gehe ii. Die Salven wurden abgegeben buchstäblich hinter dem Rücken de» Moires, als dieser gerade daran war, die Streikenden -Nim Auseinandergehen zn überredo-n. Der galvimiertc Mörder stellte das Feuer erst ein, nachdem 0 Tote und 11 meist schwer Verwundete gefallen ivaren.... Bor den militärischen Nntcrsnchern log er sich dann mit der Behailptmig heraus, er hätte im Zustand der Notwehr gebändelt, indem die Arbeiter die Bajonette seiner Soldaten er- griffen hatten und er selbst mit einem Messer bedroht worden wäre. Da-s war phlistsch niiiiivglick, da die nächsten der unter dem Gewehr- fcncr Gefallenen fünf Meter- von den Soldaten entfernt waren. Dies der Tbatbcstand. Die Berantworimig der Regierimg hebt erst mit der Verfolgung. der Blutthat an. Nachdem die gleichzeitigen Discipliiiaruiitcriiichiingcn der civilcn l»id der militärischen Lokal- behördcn widerspriichSvoile Resultate geliefert hatten(die beiden Bcbörden suchen die Schuld ans einander obziiualzeiis, verfügte die nictroposttaiiischc Regiernng eine gerichtliche Untersuch n n g. Selten ist die demagogische Heuchelei der militaristisch- kapita- listischen Opposition so drastisch zum Ausdruck gekommen, ivie im gegebenen Fall. Einerseits suchte sie in ihrer Presse mid in der Kammer den Hauptschuldigen, Lieutenant Kahn, reinzuwaschen ziun höheren Ruhm der Armee und der Ziickerbaronc, die Auftraggeber des LieiilenailtS. als die Wohltbätcr der Negcrarbcitcr hinziistellen zinn böhercn Ruhm des Geldsacks; andrerseits aber gebürdete sie sich als die Rächerin des vergossenen Proletarierblnts und forderte zur Sühne des Verbrechens die Ersetzung des gegenwärtigen Ministers durch die Verteidiger und Beschützer der Ber- brcchcr!... Ferner ist es bezeichnend, wenn auch keineswegs überraschend, daß die nationalistiscki-nntiscmitischcn DrehfuSbetzer ihre Sympathien dem s ü d i s ch c n Offizier Kahn zuiveiiden— so verlangl es die Logik der„Armee- Ehre" und der politischen Silmition. Die Parteien, die die rebellischen afrilaniichcii Massen- mörder, V o u I e t und E h a n o i n e, im Namen der„Armee- Ehre" in Schutz genommen, vergessen gern den jüdischen Ursprung des westindischen Negerin örders. der im Dienste des UntcrnchincrtiimS auf den Maire. den Vertreter der Civilgcivalt, geschossen hat. Nur die fieberhafte Ungeduld der Opposition und ihre Furcht vor einer offenen„allgemein-politischcu" Attacke ans das Ministerium machen es erklärlich, daß sie in letzter- Stunde versucht hat, sich der Leichen der westindische» Arbeiter als eines Sprnngbrett-Z zur Er- grcifnng der Rcgierimgögewalt zu benntzen. Der Angriff wurde abgeschlagen und das Mmistcrium fand, wie wir berichtet haben, eine, beachtenswerte Mehrheit. Aber c-s ist doch zweifelhaft, ob die Opposition c» bei ihrer Niederlage bewenden lassen wird. Die Mclincschcn Republikaner beabsichtigen, endlich doch »och dem Ministerium eine offene Generalschlacht anzubieten. Vorläufig aber haben sie, wie der„GauloiS" verrät, noch keinen geeigneten Interpellanten gefunden. Mit andern Worten, sie sind noch unschlüssig darüber, durch welches Manöver die gegenwärtige Kammermehrheit ihren Abschen, gegen eine unter Melincs Segen znstandckoinmciide Regierimg vergessen könnte, und sei es auch mir für die Dauer der Abstimmung. Dieser Abscheu ist in der That der stärkste Schirm des Ministeriums Waldcck-Rousseaii. So wurde auch dessen Sieg in der gestrigen Schlacht mit den Rufen der Linken begriigt:„Nieder mit Meliiicl"— O Deutsches Weich. Ein agrarisches Zuchthaus-Gesetz. Ein Ausnahmegesetz gegen die Landarbeiter ist dem Geracr Landtag zugegangen. Es lautet: H 1. Landwirtschaftliche Arbeiter, welche widerrechtlich den Antritt der Arbeit verweigern oder die Arbeit verlassen, werden ans Antrag des Arbeitgebers, nach dessen Wahl, mit Geld- strafe bis zu 80 M. destraft oder von dem Gemeindevorstaiide des Arbeitsorts dem Arbeitgeber zwaugsweise zugeführt. Der Antrag dc-s Arbeitgebers auf Bestrafimg oder auf Zu- führung des Arbeiters ist mir innerhalb einer Woche nach dem vertragsmäßigen Antrittstagc beziehungsweise nach dem Verlassen der Arbeit statthaft. Die Zurücknahme des Antrags ist zulässig. Die beschlossene zwangsweise Zuführung kann in dringlichen Fällen durch ein dagegen erhobenes Rechtsmittel nicht aufgehalten werden. Die Kosten der Zuführung fallen dem schuldigen Arbeiter zur Last. Der Antragsteller ist jedoch vcr- bunden, diese Kosten verlagSwcise für den Arbeiter zu entrichten. g 2. Wer landwirtschaftliche Arbeiter zur widerrechtlichen Verweigerung des Antritts der Arbeit oder zum widerrechtlichen Verlassen der Arbeit verleitet, wird mit Geldstrafo bis zu ISO M. bestraft. Derselbe ist dem Arbeitgeber für den daraus entstandenen Schaden verantwortlich: er haftet neben dem Arbeiter als Gesamt- schuldner.— 8-t. Durch wiffentliche Annahme kontraktbrüchiger Arbeiter zieht sich der Arbeitgeber eine Geldstrafe biS zu 150 M. zn.— 84. Landwirtschaftliche Arbeiter, welche die Arbeit- geber zu gewisse» Handlungen oder Zugeständnissen dadurch zu bestimmen suchen, daß sie eine kontraktwidrigc Einstellung der Arbeit oder eine Verhinderung derselben bei ciiizelneii oder mehreren Arbeitgebern untereinander verabreden, werden mit Gefängnis bis zu einem Jahr bestraft. Die Anstifter unter- liegen der gleichen Strafe, auch wenn sie keine landwtrt- schastlichen Arbeiter sind.— A.°». Uneinbringliche Geldstrafen iverdcn nach den im Reichsstrafgesetzbnch§§ 28 und Ltz für die Uebertrciungen gegebenen Borschriften in Haft umgewandelt. Das ist nichts als der unerhörte Versuch, da-s Zuchthausgesetz in den Einzelsiaatcn durchzuführen, wie das schon anderwärts versucht worden ist— allerdings ein Zuchthau Sgesctz agrarischen Charakters, das die Koalition der landwirtschaftlichen Arbeiter- mit Gefängnis bis zu einem Jahr Gefängnis bedroht. Das Vorgehen der Eiiizcljlaatcn mahnt dazu, daß der Reichstag endlich, ivie c-Z die Verfassung fordert, da» gcsamic Koalitionsrccht von Reichs wegen regelt.— Gegen das RcichStagö-Wahlrecht erklären sich die Krupp- scheu„Berliner Neueste Nachrichten", indem sie- ans Anlaß der Diätenfragc schreiben: „Wer den Zustand imsrcs Reichstags ernst prüfend betrachtet, kömmt viel eher zu. dem Ergebnis, daß unser Reichö-Wahlrecht mangelhaft und angesichts völlig veränderter Zeituerhältniffe refonnbedürftig sei, als zu dem Ergebnis der Abhilfe durch Diäten. Die Aufhebniig des Diätenverbots ohne Reform dc-s Zieichs-Wahlrechts, ohne entsprechendc Korrelate für die Zusammen- sctzung dc-s Reichstags, wäre eine Gefahr für das Reich. Nicht nur wegen Zunahme der Sacialdcmakratcn und der Berufs- Parlamentarier, sondern auch weil damit.-die letzte Gelegenheit ans der Hand gegeben würde, mit Hilfe des Reichstags eine Aeudernug seiner Znsammcusctznug durch Reform des RcichS-Wahlrcchts zn ermöglichen." Das sind dieselben Kreise, die für das größere Flotten- Deutschland Begeisterung zu erwecken suchen. Im Jnnerii des Reichs fordern sie die Unterdrückung des VoWtvillenS- nm etlicher Kapitalisten willen.— Amerikanisches Fleisch. Gegenüber den agrarischen Dar- stellniigcn, als ob Amerika nur minderwertige Fleischware in den- Handcl bringt, schreibt die Cciitralstclle für Vorbereitung von Handelsverträgen der„Voss. Ztg.",„daß die großen Schlacht- Häuser in Ehicago den Vichhandch in den Vereinigten Staaten. fast ausschließlich in ihren Händen haben, daß sie.infolgedessen in der Lage sind, die b e st e Ware zu schlachten, die heranwächst, Ware, die häufig eine Qualität besitzt, die hier nur selten erreicht wird".— TicFlcischbeschan-Jntcrpcllation im preußischeiiAbgeordneten- hanse wird einstweilen nicht zur Verhandluiig kommen, da das Haus bereits am Freitag in die Ferien geht.— Bcnedctti. Der Tod des ehemaligen französischen Gesandten in.Berlin erinnert an die Zeit der Einser Depesche. Benedetti sollte, so' lautete die L— cgeiide Bismarcks, in seiner Unterredung zn Ems den. alten Wilhelm beleidigt haben. Darauf kam dann die„Redaktion" jener Depesche, wobei das iirsprüngliche FricdeiiSsignal in eine Kriegsfanfare iiingcnndcrt wurde. ,Jii Wirklichkeit sind, wie Bismarck auch' in seinen Memoiren offen zugicbt, die Unterhandlungen zwischen Bcnedctti und Wilhelm I. in durchaus höflicher Form geführt worden. Bismarck, der den Krieg wollte, weil er ihn brauchte, bc- klagte geradezu die Friedlichkeit der Uiiterhandlimgen. Bei dem König war die Nciginig, wichtige Fragen persönlich zwar nicht zu entscheiden, aber doch zn verhandeln, zn stark, imt ihm eine richtige Benntzinig der Deckung zu ermöglichen, mit der die Majestät gegen Zu- oringlichleitei!, niibeqncme Fragestellimg und Zninntinig zweck- inäßigcriveise umgeben ist. Daß der König sich nicht mit dem ihm in so großem Maße eignen Gefühl seiner Hoheitsbollen Würde der Bcncdcltischen Allsdringlichkeit von Hanse aus entzogen hatte, daran lag die Schuld znin großen Teil in dem Einfluß, den die Königin von dem benachbarten Koblenz her aus ihn ausübte. So schreibt Bismarck in seinen Erinncruiigen— das heißt ans Bismarcks Stil in da-s Deutsch der Wahrheit übersetzt.: Die Einser Depesche war nicht die Wirkung Bcuedettischer Beleidigungen, sondern im Gegenteil die Folge der für Bismarcks Pläne allzu große» Versöhnlichkeit der Unterhandlungen.— Ausland. Schweiz. Goldwährung in der Tchtveiz. Bern, 28. März. Der Nalionalrat lehnte mit großer Mehrheit einen Antrag ans Ein- sührimg der Goldwährimg ab, nachdem der Bundesrat erklärt hatte, der Antrag sei inopportim. Ein Gesetzentwurf betreffend Ein- führung der Goldwährung s�e i p o r b e r c i t e t, werde aber nur vorgelegt iverdcn, wenn die Schweiz anS dem lateinischen MünzbMld austreten wolle, wozu heute kein Anlaß sei.— Frankreich. Minierarbeit gegen da» Ministerium. Krantz besuchte am Mittwoch Lockroy, dann Sarricu, imi für den iiächsteii Sturm aufs Kabinett den Bundesvertrag mit den Radikalen zu schließen. In den Palais Bourboii-Wandelgmigeii behauptete man abends, dies sei gelungen', die Bclastmigsprobe des neue» Blind- nisscS wird die Wahl des Arbeitsansschuffes der Kammer sein, in diesem waren bisher die S o c i a l i st e n und Radikalsocialisten angemessen vertreten, die vereinigten Melimstcn und Radikalen Sarrienscher Färbung planen iinii den Ausschluß der S o c i a- listen ans dein Arbeitsausschuß.— England. England und die Tclag'vabai. Nach einer Meldimg des „Berliner Tagebl." geht in der Londoner Eittz das Gerücht, daß die britische Regierung alle durch das Börner Schiedsgericht festgestellten Ansprüche an Portugal anSzahleu»md dagegen die Tclagoabai als Sicherheit übernehmen ivill, bis das Därlehn zurückgezahlt ist. Oblvohl dieses Gerücht nicht offiziell bestätigt ist, soll eS sich doch in Kreisen, die meist gut unterrichtet sind, erhalten.— Italien. Durch ein Maulkorb-Gcsetz soll die Obstruktion in der Kammer zitm Schweigen gebracht werden. Der GeschäftSordnungs- Ausschuß soll„Reformen" ans- arbeiten: diese sollen in der Kammer eingebracht, jedoch nicht diskutiert, sondern es soll über sie mir abgestimmt werden. Damit glaubt man der lästigen Obstruktion Herr zu werden. Die Sitzung der Depiltierteiilamincr am Donnerstag war wieder eine sehr lebhafte; über den Verlauf liegen folgende Nach- richten vor:,. Bei Beginn der Sitzung erklärte Ministerpräsident P e l.l o n x ans eine Anfrage des Socialistcn Turati, er habe die in Mai- land geplante Versammlung zu Gitziste» der Konstituante und alle ähnlichen au andren Orten beabsichtigten Versanimlungen untersagt. weil dieselben eine Kundgebung gegen die StaatScinrichtungcn und gegen die Kammer bedeuteten.(Beifall auf der Rechten und im Ellntrmn, Unruhe auf der äußersten Linken.» Turati erklärt sich durch die Antlvort nicht befriedigt und behält sich vor, seine Anfrage in' eine Interpellation umzuwäudcl». Im weiteren Verlaufe der Sitzung wird dann die Debatte übet den Antrag Cambray- Digntz wieder aufgeliomiiieu und der vom Ministerpräsidenten Pellonx gestellte Antrag bezüglich der von dem GeschäftSordnungs-Ausschutz auszuarbcitendcii Rcformborschläge angenommen. In der Begründung- seines Antrags weist Ministerpräsident Pellonx zunächst auf die Acußernng des Kammer- Präsidenten hin, der sich gegenüber der aufrührerischen Haltung eines Teils der Kammer siir machtlos erklärt habe; er erinnert ferner an die Zwischenfälle der letzten Sitzungen. Es sei jetzt Zeit, fährt dann Pellonx fort, der überaus traurigen Perioden des politischen Lebens in Italien ein Ende zu machen.(Lärm auf der äußersten Linken.) Wenn es eine Angelegenheit gebe, bezüglich welcher, die Kanimer das absolute EntscheidungSrcckt habe, so sei es ihre Geschäftsordnuiig. lFortdaucrnder Lärm auf der äußersten Linken.) Pellonx verliest die einschlägigen Artikel der Verfassung und der Geschäfts- ordnung und fügt hinzu, daß die jetzige Debatte nicht in der bis- hcrigcn Weise fortgesetzt werden könne ohne ernste Gefährdung des parlamentarischen Lebens. Er beantrage daher, die jetzige Debatte au unterbrechen und morgen mit der Beratung der lvirtschaftlichen Maßnahmen zn beginnen. Inzwischen solle der Gcschäftsordnungs- Ausschuß für die ani nächsten Dienstag stattfindende Sitzung seine Vorschläge zur Geschäftsordnung ausarbeiten. Nach Annahme dieses Antrags erhebt sich auf der äußersten Linien ein heftiger Lärm. Der Präsident bedeckt sich und hebt unter dem Beifall der Rechten und des Centrums die Sitzung ans. ** Nach der Sitzung der Dcputiertcnkammer unterzeichnete die äußerste Linke eine Resolution, in ivelcher sie in heftiger Weise Ein- spruch erhebt gegen das Verhalten des Präsidenten der Dcputiertein kammer, der die Abgeordneten Fern und de Nicolo über die Er- ilärung des Ministerpräsidenten Pelloux nicht habe sprechen lassen Auch eine Anzahl von Abgeordneten der Linken faßten eine ähnliche, aber in mildere Forin gekleidete Resolution.— Pelloux hat die Mitglieder der Kammermojorität für heute abend zu einer Ver- sammlung eingeladen.— Polizei- und Pfaffenarbcit im Königsmörder-Prozcst. Es wurde von vornherein vermutet, daß Acciarito gar keine„Mit- schuldigen" habe, sondern zur Angabe Unschuldiger als Mit- schuldiger gepreßt worden war. Das wird jetzt nach einem dein „B. T." zugehenden Telegramm bestätigt. Vor dem Schwurgericht in Teramo, Ivo zur Zeit der Prozeß gegen die angeblichen Spießgesellen des Königsmörders Acciarito spielt, machte letzterer am Mittwoch als Zeuge überraschende Aussagen. Acciarito erklärte nämlich, daß seine sämtlichen früheren Enthüllungen über seine an- geblichen Komplicen ihm t>oin ZnchthauS-Direktor und Kaplan unter Drohungen und Versprechungen in die Feder diktiert worden und total erfunden seien; die heute vor Gericht stehenden Leute seien schuldlos. Die Polizei habe ihn übrigens veranlassen wollen. auch noch andre unbequeme Persönlichkeiten, wie den anarchistischen Schriftsteller M c r l i n o, als Komplicen zu bezeichnen, er habe sich aber hartnäckig geweigert. Tpanie«. Madrid, 2g. März. Die Handelskammern des ganzen Landes beabsichtigen nächsten Sonntag eine Massenkundgebung gegen die neuen Steuer n.— Türkei. Konstantiuopcl, 29. März. Die Frage wegen der Abgrenzung und Bezeichnung des Gebiets russischer Vorzugsrechte für den Bau von Eisenbahnen in den an Rußland grenzenden klcinasiatischen Territorien ist»och nicht geregelt. Der armenische Patriarch beharrt auf seiner De- Mission. Inzwischen ist die Wahl des Katholikos von Sis, welche die Ursache der Demission bildete, auf den ö. April vertagt worden.— Asien. Russischer Borstos? in Korra. Rußland verlangt von Korea die Erlaubnis, Truppen in M a s i m p o landen zu dürfen. Die Bewegungen der russischen Flotte sind bedrohlich. Korea fordert, daß die Mächte intervenieren. Japan überwacht den Vor- gang nüt Spannung. In Tokio fanden Konferenzen im Kriegsamt statt. Japan ist seit vier Wochen auf Rußlands Vorgehen vor- bereitet. Am 22. Februar erhielten acht Kriegsschiffe Befehl, sich von Dokosuka nach Kure zu begeben, von wo Korea innerhalb 12 Stunden zu erreichen ist.— Genosse Dr. Wassilieff, der langjährige und überaus erfolg- reich thätige Arbeitersekretär der Arbeiterschaft in Bern, beabsichtigt in gleicher Eigenschaft nach Basel zu gehen. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. — Für den persönlichen Gott gedachten die Frommen in Glauchau in Sachsen zu streiten mit der besonders aus- gesprochenen Absicht, die Ungläubigen zu bekehren. Der dortige evangelische Arbeiterverein kündigte einen Vortrag an mit dem Thema:„Der Glaube an einen persönlichen Gott".' Dem Vortrag sollte eine freie Aussprache folgen und es wurden dazu insbesondere Gegner eingeladen. Es war also klar: es sollte ein Feldzug gegen den Unglauben werden; die Herren Pastoren erhofften einen glänzenden Triumph für ihren Gott. Doch die Polizei ist klüger; sie lebt nicht in Wölkenkuckucksheim, sie treibt nüchterne Realpolitik. Sie hat zu der Durchschlagskraft der Pastoralen Argumente für das Dasein des persönlichen Gottes offenbar ebensowenig Zutrauen, wie Herr Schwein bürg zu der Intelligenz seiner kapitalistischen Auftraggeber, und kurz und gut, der Vortrag wurde verboten. Warum, sagt die nachfolgende Begründung: „Da der Verein auch NichtMitglieder, insbesoudre Gegner ausweislich des im hiesigen Tageblatt erlassenen Inserats ein- ladet, und die hiesige söcialdcmokratische Partei, wie eine Notiz in Nr. äs der„Volksstimme" ausdrücklich ankündigt, sich an der Diskussion der weiteren Vorträge beteiligen will, ist zu be- fürchten, daß die öffentlichen Vorträge des Evangelischen Arbeitervereins nur dazu beitragen werden, die der letztere» Partei zur Zeit unmögliche Agitation n> i e d e r zu entfachen und den hier erst mühsam b c r g e st e l l t e n Frieden unter den Parteien zu gefährden. Einer freien Aussprache der Mitglieder des Vereins innerhalb desselben, also unter Ausschluß von Nichtmitgliedern, stehen Bedenken nicht entgegen. Der Stadtrat. Hinkelmann, Stadtrat." Gesetzliche Gründe sind für das Verbot allerdings nicht geltend gemacht, denn söcialdcmokratische Agitation ist nichts Ungesetzliches, aber der evangelische Arbeiterverein wird sich wohl daniit bescheiden. Der Vorgang ist übrigens nicht ganz neu. Schon vor mehreren Jahren, als noch das Socialistengesetz den Parteigenossen in der Umgebung Dresdens jede öffentliche Bcthätigung unmöglich gemacht hatte, kam dort ein Pastor auf den Gedanken, in öffent- licher Diskussion das Dasein Gottes zu beweisen, und hatte dazu auch die Ungläubigen eingeladen. Zuerst legte ihm die Polizei auch keine Hindernisse in den Weg; als sie jedoch gesehen hatte, daß er schlecht dabei abschnitt, legte sie ihm nahe, das verfehlte Beginnen zn unterlassen und sich auf die Kreise seiner leichter zu überzeugenden evangelischen Männer und Jllng- linge— die evangelischen Arbeiter waren damals noch nicht er- fiinden— zn beschränken._ MomntunAles. Aus der Gewerbcdcputation deS Magistrats. Gegen die am S. März vollzogene Wahl der 168 Vertreter zur Jnnungs- Versammlung der hiesigen T i s ch l e r-Z w a ng s i n n u n g war von 27 Jnnungsmitgliedern Protest erhoben und die Ungiiltigkeit der Wahl beantragt worden, weil der aus 28 Teilhabern bestehenden Tischlerei-Genossenschaft Ostend, Grünerweg 66, auf Veranlassung des die Wahl leitenden MngistratsassessorS das'Wahlrccht nicht zuerkannt wurde, obwohl die betreffenden Genossenschafter bei der ersten, für ungültig erklärten Wahl als wahlberechtigt anerkannt wurden, und von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht hatten. Die Gewerbcdeputntion beschloß in ihrer letzten Sitzung am Mittwochabend, die Wahl für gültig zu er- klären, da die gewählten Vertreter mit einer Mehrheit von ca. löv Stimmen über die gegnerischen Kandidaten gesiegt haben und somit die Zulassung oder Nichtzulassung der 23 Genossenschaftsmitglieder keinen Einfluß auf das'Wahlresultat habe. Die in der Sitzung anwesenden Magistratsassessoren plaidiertcn dafür, daß die Deputation die Zurückweisung der 28 Genossenschaftsmitglieder als gesetzmäßig zu- lässig erachten sollte. Dieser Auffassung traten Stadtrat Dr. Münsterberg, Bürgerdeputierter T u tz a u e r und Stadt- verordneter B o r g m a n n entgegen, die rechtliche Zurückweisung von Genossenschaftsmitgliedern von der Wahl sei mindestens sehr anzuzweifeln und eine definitive Entscheidung dar- über von prinzipieller Bedeutung. Wolle man die Ent ziehung des Wahlrechts, soweit es sich um Mitglieder solcher Genossenschaften handelt, als gesetzlich zulässig erklären, dann dürfe man auch die betreffenden Mitglieder zu Beitragsleistungen für die Zwangsinnung nicht heranziehen.— Die Deputation be- schloß, eine principielle Entscheidung ihrerseits abzulehnen und stellt es den Einsendern des Wahlprotestes und den betreffenden Gcnosscnschafts- Mitgliedern anhcim, durch eine Beschwerde an den O b e r p r ä.s i d e n t c n von Berlin die Streitfrage, ob Mitglieder von Genossenschaften verpflichtet sind, der Zwangs iilnnng beizutreten oder nicht, zur Entscheidung zu bringen. Mit der Errichtung einer Fahrschule für Kutscher be- schäfligen sich die Behörden seit längerer Zeit. Inzwischen haben sich mehrere Privatunternehmer, darunter der Thierschntzverein, bereit erklärt, ihrerseits eine Fahrschule zu errichten unter der Bedingung, daß diese Schule von der Stadtgcmeinde subventioniert werde. Die Verhandlungen haben ergeben, daß das Interesse der Stadtgemcindc niehr gewahrt wird, wenn diese die Schule selbst errichtet und verwaltet. Die Deputation beschloß daher, beim Magistrat die Errichtung einer städtischen Fahrschule zu beantragen. Die Innung der Barbiere. Friseure und Perrückenmacher beabsichtigte, zum 25 jährigen Jubiläum des Bundcsvorsitzenden Herrn Wollschlägcr auS der Jnnungskasse den Betrag von 1006 M. zu entnehmen und erbat hierzu die Zustimmung' der Gewerbe cputntion. Die Deputation beschloß nach kurzer Debatte, diese Znstim- m u n g nicht zu erteilen. Einem Tapezier ergehilfen, welcher die Fachschule für Tapezierer nnt bestem Erfolg besucht hat und beabsichtigt, zn seiner weiteren praktischen Ausbildung eine Reise durch ganz Deutschland zu unternehmen, bewilligte die Deputation zu diesem Zweck aus der Heisen- Stiftung einen Zuschuß von 109 M. Ebenfalls 199 M. aus derselben Stiftung wurden einem jungen Bauhandwerker als Beihilfe zum Besuch der Baugcwcrkschule bewilligt. 26 Schülern hiesiger F a ch s ch n l e n bewilligte die Deputation Beihilfen von je 39 M. aus dem für Ausstellungen von Lehrlings- arbeiten angesammelten Fonds. GvntevkMstfkliches. Berlin und Umgegend. Der Ausstand der Schneider in der Hcrrcn-Massbranche nimmt allem Anschein nach cincn günstigen Verlauf, indem eine ganze Reihe maßgebender Geschäfte aller drei Klassen bereits be- willigt hat und weitere Bewilligungen für die nächsten Tage in Aus- ficht stehen. Die Arbeiter sind fest entschlossen, auf ihren Forderungen zu bestehen, werden jedoch einer Einladung der Arbeitgeber- Kommission behufs einzuleitender Vergleichsverhandlnngcn, welche für morgen abend festgesetzt sind, Folge' leisten. Deutsches Reich. Die Maler und Lackierer in Leipzig haben durch eine Vereinbarung niit der Innung den Minimal-Stundenlohn auf 48 Pf. festgesetzt. Vom 1. April 1991 lritt eine Erhöhung auf 59 Pf. ein. Bisher betrug der Minimallohn 43 Pf. Zum Streik der Weber in Kupferdreh. Elf Wochen lang standen die Weber der Firma ColSmann im Streik. Der Kampf richtete sich gegen den Versuch, die Organisation zu zertrümmern. Die Arbeiter sollten die Organisation aufgeben. Sie fügten sich aber dem kategorischen Gebor nicht, eine Anzahl erhielten deshalb die Kündigung, die andern legten freiwillig die Arbeit nieder. Die oft angeknüpften Verhandlungen scheiterten jedesmal an der Forderung der Fabrikanten: sämtliche Arbeiter sollten aus dem Verband austreten. Der reiche Fabrikant gab nicht nach, zn seinem Schaden allerdings. Von den über 259 Ausständigen waren schließlich nur noch ca. 199 vorhanden, die übrigen hatten auswärts Beschäftigung gesunden oder waren sonst untergebracht. Vor einigen Tagen liabm die Kommission die Verhandlung mit Colsmann wieder auf. Um den Schein zu retten, gab ColSmann, der noch immer auf Austritt aus dem Verband bestand, den Leuten zu verstehen, sie könnten nach Aufnahme der Arbeit ja machen was sie wollten, aber vorher sollten sie ivenigstens ihren Austritt aus dem Verband erklären. Das heißt soviel als: tretet heute der Form halber aus, morgen könnt Ihr ja wieder eintreten. Von den noch Ansständigen resp. am Ort anwesenden Streikenden erklärten sich 79 zur Ausnahme der Arbeit unter de» gestellten Bedingungen bereit. Sie werden also formell ans dem Verband austreten, um nach Wiederaufnahme der Arbeit sich der Organisation wieder anzuschließen. Die übrigen Streikenden verzichten aber überhaupt darauf, bei der Firma Coldmann wieder in Arbeit zu treten, sie werden Änpferdreh verlassen. Ausland. Aus der Schweiz. In Pruntrut(Kanton Bern) streiken die Tischler wegen Maßregelung organisierter Kollegen bezw. wegen Wortbruchs der Unternehmer.— In S t. Gallen flehen die Monteure von S t i ck e r e i m a s ch i n e n in einer Lohn- bewcguug mit folgenden Forderungen: 169—239 Franks pro Maschine, Vergütung der Reisespesen; im Tagelohn 19 Fr., Stundenlohn 1 Fr. wie' bisher. Entschädigung der Wartefrist nach freiem Uebereinkommen mit dem Maschinenlieferanten.— Die Zifferblattmacher(Uhren- arbeiter) in Chauxdefonds, Lode und St. Immer haben durch zwei- tägigcn Streik den Zehnstundentag errungen. Bernfökongrcffe in der Schweiz. Außer dem während der Osterfeiertage in Wintcrthur stattfindenden allgemeinen Gewerkschafts- kongresse werden daselbst noch die Metallarbeiter, Schneider, Stein- Hauer, Eigarrenarbeiter und Parkettbodenleger ihre Verbandstage abhalten, ferner die Schuhmacher in Luzern und die Lithographen in Basel. Der Krieg. Wichtige Nachrichten liegen heute nicht vor. Daß aber der Mut und die Siegeszuversicht der Boeren ungebrochen ist. geht aus zwei Aeußerungen der Präsidenten Krüger und Steijn hervor. Der letztere erklärte in einem als Antwort auf die Proklamation des Feldmarschalls Roberts erlassenen Rund- schreiben, die Politik Englands in Afrika habe gegenüber denen, welche sich ihr widersetzten, stets den Grundsatz„äivickv et impera" befolgt. Vor Beginn der Feindseligkeiten habe man ver- sucht, den Or ante- Freistaat für sich zu gewinnen. um ihn von Transvaal zu trennen und so die Annektierung beider Republiken zu erleichtern. Die Burghers seien niemals von ihren Führern irregeführt worden. Nunmehr suche der Feind sie abermals zu entzweien, indem er eine Belohnung für Verräter und Memmen aussetze. Die schmachvolle Verwüstung von Eigentum in Jakobsdaal und die Verhaftung von Burghers in Bloemfontein zeige, welches Maß von Vertrauen man den englischen Ver- sprechungen entgegenbringen dürfe. Die Hauptstadt sei zwar vom Feinde besetzt, die Schlacht aber nicht verloren, man müsse im Gegenteil in diesem Augenblick den größten Kampfes- mut beweisen. Und der New Dorker„World" wird ans Pretoria gemeldet, Präsident Krüger habe in einer Unterredung mit dem Berichterstatter deS Blattes am 7. Februar gesagt, so sicher wie es einen Gott der Gerechtigkeit gebe, so sicher werde die Vierkleur von Trans- vaal siegreich sein; die» könne einen Monat und könne drei Jahre dauern, aber ein a u drer Au s g an g s ei unm ö gli ch. Der Präsident fügte hinzu, Transvaal werde kein Eigentum verletzen; die Minen feien so sicher wie in den Händen ihrer Besitzer. Uebrigcus würde er, wenn der Mond bewohnt wäre, nicht verstehen, daß ihn John Bull noch nicht annektiert habe. *# » An Kricgsnachrichten verzeichnen wir die folgenden: „Daily Chronicle" meldet aus Bloemfontein vom 26. d. M.: General French berichtet, Olivier und Grobler gehen mit 6999 Mann nördlich, um sich den Transvaal-Boeren anzuschließen. Feldmarschall Robert» telegraphiert aus Bloemfontein, daß General Clement bei der Besetzung von Fauresmith in einem Grubenschachte einen Neunpfünder und ein Marcini- Maximgeschütz sowie eine große Menge vergrabener Munition aufgefunden habe. Roberts fügt hinzu, daß die Einliefcrung der Waffen durch die Boeren allmählich fortschreitet. Gleucoe» 27. März. Im hiesigen Boerenlagcr traf ein Schreiben des Generals B u I l e r ein mit der Ankündigung von der bevorstehenden Freilassung des deutschen Arztes Dr. A l b r e ch t, welcher bei Ladysmith gefangen genommen worden sei. weil er zwei seiner Patienten, Bocrenoffizierc. habe entkommen lassen, obwohl sie ihr Ehrenwort gegeben, nicht flüchten zn wollen. Ferner sollen den Boeren die zur holländischen Ambulanz gehörenden Gegenstände, die elf Waggons füllen, wieder zugestellt werden. Einer späteren Meldung aus London zufolge ist Dr. Albrecht bereits frei- gelassen und zu den Boeren gesandt' worden. London, 29. März. Präsident Krüger übernahm an Stelle des verstorbenen Generals Joubcrl das Oberkommando über sämtliche Boerenstreitlräfte. ** » Imperialistische Heistsporne. Nottingham, 29. März. Bei dem heutigen Frühstück der libc» ralen Delegierten hielt Herbert Glndstone eine Rede, in welcher er sagte, nahezu alle Liberalen seien einig darin, daß es die Pflicht der Regierung sei, eine Wiederholung des Krieges unmöglich zu machen. Es sei wichtig, der Welt zu zeigen, daß die britische Macbt die vor- herrschende in Südafrika sei, die britische Flagge müsse über ganz Südafrika wehe». ** * Mommscn über den Krieg. Ucber da» gute Recht der Boeren hat sich Professor M o m m s e n. der berühmte Historiker, in einem Brief geäußert, der an den Professor Sonnenschein in Birmingham gerichtet ist- und die Antwort bildet auf eine von diesem ergangene Anfrage. Professor Mommscn schreibt: Außerhalb Englands ist nicht eine einzige Stimme zur Per- teidignng Ihres südafrikanischen Kriegs laut geworden. Es ist der Fall Dreyfus, gegen England gerichtet. Glauben Sic, daß diese allgemeine Entrüstung unbegründet ist? Viele Ihrer besten Lands- leule teilen die Ansicht des Kontinents, aber der Kriegszustand läßt sie schweigen—„right or wrong, my country!" Die Boeren- regiernng mag Anlaß zn Klagen gegeben haben, allein diese sind nicht die Ursache, sondern der Vorwand des Kriegs. Wer an die Diamantfclder und die Besetzung Kimbcrleys denkt, wird schiverlich Lord Salisburys Versicherung:'„Wir suchen kein Territorium, wir wollen keine Goldfelder" ernst nehmen. Jamcsons Raubzug wird heute allgemein verurteilt, aber wollen Sic behaupten, daß nicht wenigstens ein Teil Ihrer Regierung an diesem skandalösen Ver- brechen beteiligt gewesen ist? Wollen Sie behaupten, es wärt, wie es sich gebübri hätte, vom Parlament und von rechtswegcn bestraft worden? Sie möchten England von Cecil RhodeS und seiner Bande trennen, aber vergeblich. Hatte England nach jenen Vor- gängen und nach der Art, ivie sie offiziell behandelt wurden, irgend welchen Anspruch auf Glauben an seine guten Absichten? Glauben Sie allen Ernstes, ein Volk wie die Boeren haben eine» Eroberungs- krieg gegen das britische Reich fuhren wolle»? Sic dachte» an ein Jahrhundert von Unrecht und Misscthate» und versuchten Notwehr. leider vergebens. Fortan werden die Holländer am Kap ein zweites Irland bilden, und der Rächer wird früher oder später kommen. Glauben Sie mir, jeder Freund Englands trauert über solche Siege. Theodor Mommsen. Ulaifi�idifc« und Depeschen. 29. März.(Privatdepcsche Künstlcrschaft ist hier ein des„Vorwärts".) Aus Gocthebuiid gegründet Breslau, Anregung der worden. Frankfurt a. M., 29. März.(B. H)' Die„Franks. Ztg." meldet ans Berlin: In dem Befinden des Dr. Lieber ist gestern eine Verschlimmerung eingetreten. Frankfurt a. M., 29. März.(B. H.) Die„Franks. Ztg." meldet aus München: Die neue» Rcichs-Postbcstimninnge» über Briefporto«. werden vom 1. April d. I. ab auch in Bayern eingeführt. Pilsen, 29. März.(W. T. B.) Auf der„Pankraz-Zeche" in N ü r s ch a u haben ungefähr 399 Förderer die Arbeit eingestellt. Dux, 29. März.(B. H.) Da neuerlich tvieder in einzelnen Bezirken des Brüxer Reviers der Streik ausgebrochen ist, ist der Befehl zur Zurückziehung des Militärs ciiistweilcn aufgehoben worden. Bern, 29. März.(W. T. B.) Wie die„Schweizerische Tele- graphcn- Agentur" meldet. lautet das Urteil des Schiedsgerichts in der Dclagoabahn-Frage dahin, daß Portugal 15 314 999 Franks zu zahlen hat. London, 29. März.(W. T. B.) Dem„Reutcrschen Bureau" wird aus Peking vom hentigen Tage gemeldet: In den ersten Berichten über das Gefecht zwischen den„Boxers" und den kaiserlichen Truppen bei Ven-Chiu ist die Bedentung dieses Gc- fechts offenbar übertrieben ivorden. Die„Boxers" wurden zerstreut. Auf ihrer Seite wurden 8, auf Seite der kaiserlichen Truppen 2 Mann getötet. Demselben Bureau wird auS Tientsin gemeldet: Eine große Zahl hiesiger KuliS begeben sich nach Niutfchwaug, um an der Mandschurei- Eisenbahn zu arbeiten. London, 29. März.v i» s k i unter seinem Zengeneidc folgcndciinaftcn dar: Am 2. Dezember v. I. hat er als S t r c i t p o st c u vor der M i l i l ä r c f f c l t e n- F a b r i k v o n B e ck e r u. Co., Alexander- strafte 27b, gestanden. Ter Schntzmaiin Bloch ist ans ihn zu- gekommen, hat ihn am Arm gepackt und ihn aiigeruscn:„Wenn Sic nicht weggehen, sistiere ich Sie!" Stawinsti hat nun nach seiner Ans- sage den Schntzmaiin nach dem Grunde seines Borgehens gegen ihn gefragt, woraus ihn der Schntzmaim Bloch festgeiivnimcn hat. In der Wachstube des 22. Polizeireviers, Holz in arkt st raste, angekommen, hat StawinSki seinen Hut ans den Tisch gelegt und sich vor ciiicin an dct Wand hängenden Spiegel daS Haar glatt gestrichen. �Taranf hat der Schntzmaiiii Bloch ihn angefahren:„Wie können Sic sich so etwas niitcrftehcn und alsdann ans ihn ein- geschlagen. St. hat nach seiner Aussage eine große Zahl von Fall st schlage» gegen den Kopf erhalten, ist zu Falle gekommen n»d hat dann, mit dem Gcfick'l»ach iiiiten auf der Erde in halbkiiiccndcr Stellung liegend, weitere F a u st f ch l ä g e erhallen. In dieser Sitiiation hat er um Hilfe gerufen, dann hat er auch in seiner halbliegciiden Stellung die Beine von 4 bis 0 Schnplenten gesehen, die durch das Zimmer gingen. Diese Bcainten sind i o f o r t wieder hinaus- gegangen, und nachdem Zeuge nnt dein Angeklagten Bloch wieder allein im Wachtzimmer war, hat dieser weiter g c- s ch lag eu. St. hat bcincrtt, daß während dessen 2 B c a m te in der offen mi Thür ftundcii. Bloch ist darauf hinaus- gegangen. St. hat infolge der erlittenen Misthandlungen aus der Nase und im Gesicht geblulet. Ein Schutz- mann hat ihn deshalb aufgefordert, sich zu waschen, St. hat sich aber dessen geweigert, weil er dem Polizei- lieutenant die Spuren der Mißhandlung zeigen wollle. Bald darauf habe Bloch in Gemeinschaft mit Ulrich den Zeugen gegen dessen Willen waschen wollen. St. hat sich dagegen gesträubt, dann hat ihn Bloch niedergeworfen und ihm die Arme scstgchaltcii. Hierauf ist der Beamte auf des Zeugen Körper niedergekniet und Ulrich hat ihm mit einem nassen Handtuch das Blut aus dem Gesicht gewaschen. Als später der Polizeilicutciiant P a l m in die Wachtstubc trat, hat St. diesem den Borfall gemeldet. So die Aussage des Mißhandelten. Polizeilicutenaut Palm hat iiim die Angelegenheit untersucht und darüber ein P r o t o l o l l»ufgenomnieii, ans welchem in der Gerichtsverhandlung solgendcs festgestellt wurde: Bloch hat zu- gegeben, er sei durch ein polnisches Schimpstvort. welches StawinSki ihm zugerufen habe, so in Erregung geraten, daß er den letzteren gewallsam auf eine Bank geworfen habe. Tie Schutzleute Kinzel und Schröder haben gesehen. daß StawinSki Blut an der Rase und im Gesicht hatte, letzterer hat de» St. aufgefordert, sich zu waschen. Schutzmann Heinz! e hat den St. im Wachtzimmer in halblniceudcr Lage gc- sehen und wahrgenommen, daß St. im Gesicht und aus der Nase blutete.— Bor Gericht sagen biese Beamten als Zeugen aus, daß sie derartige Wahmehmungen nicht gemacht hätten, auch die Ange- klagten bestreiten die ihnen zur Last gelegten Strafthatcn. Bloch will den St. nur aus die Bank niedergedrückt haben. Polizellieiiteiiant Palm sagt als Zeuge aus. er habe gesehen, daß slawiiisli Blutflecke an der Hand und am Kragen hatte, aber von Verlctzmigcn habe er nichts bemerkt. Polizeilvachtmrister jt n b_c hat noch, bevor StawinSki den Lieutenant Anzeige erstattete, von St. die Meldung erhalten, daß er von Bloch geschlagen sei. Zeuge Wach tm e i st e r K u b e bekniidct. er habe darauf zu St. gesagt: Sic sind wohl verrückt! Tann sei er in doS Wach- Schlcsien 1700 000 To.) 154 000 M., nno dem DiirchgaiigSverkehr Elbe— Obcrsprce-Berlin jöOO 000 To.) 02 500 M. und aus dem Orts- verkehr 1400 000 To.f 240000 M. zusammen also 480500 M.. wobei Einnahmen aus den Hafcnlagcrplätzen und aus der Einrichtung eines elektrischen Treidclbetriebes, zusammen 350 000 M., außer Ansatz gc- blieben find. Wenn auch der Kanal ursprünglich mir die Abwässer der süd- liehe, i Vororte Berlins abzuleiten bestimmt war, so hat sich nach einem Gnlachten des Ccntralverciiis zur Hebung der deutschen Fluß- und Kaualschiffahrt doch sehr bald die Ilebcrzeugung Bahn gebrochen, daß ein dringendes höheres Interesse sich befriedigen läßt, wenn der Kanal, wie beschlossen ist, zu einem Großschiffahrtswege ausgestaltet würde. Alle als Anlieger in Frage kommendeii Ortschaften erhalten durch den Kanal iiniiiittelbaren Anschluß an die großen Wasserstraße» im Osten und Westen, und zwar nach Herstellung deS Nhcin-Wcsci- Elbc-Kanals sogar bis zum Rhein, also in beiden Richtungen bis zu den äußersten Grenzen Preußens. ziminer gegangen, habe auf dem Fußboden einige frische Bluts- tropfen in der Größe eines Fünszigpfeiinigstücks gesehen und die- selben mit den F ü ß e n vcr w i s ck, t.— Dr. Zadel hat StawinSki am Abend des fraglichen Tages u n t c r s u cki i und fest- gestellt, daß derselbe Vcrlctzniigcn nä Gesicht hatte, die Nase war gc- Ichwollen, das Nasenbein empfindlich, am Kopf befanden sich Striemen und BlutkrUsten. Der Staatsanwalt hielt die den Aiigetlagten zur Last gelegten Strafthatcn für erwiesen, meinte aber, der Angeklagte Bloch habe sich durch d a S Glätten der.Haare seitens des S i st i c r t e n mit R c ck> t gereizt g'c f ü h l t. Ter Fall sei deshalb milde zu beurteile». Er beantrage gegen Bloch 0 Wochen, gegen Ulrich 14 Tage Gefängnis. Rechtsanwalt Heine kam nach einer eingehenden Würdigung der BcivciSanfnahme zu dem Schluß, daß, obgleich einige der Zeugen wenig, andre gar nichts gesehen haben wollte», der That- bestand der Aiillage erwiesen sei, sowohl durch die Angaben, welche die Beamten dem Polizeilientenaiit zu Protokoll gemacht haben, als auch die positiven Bekundungen des Zeugen StawuiSp, die im wesentlichen glaubwürdig seien. Ivenn aiicki dieser Zeuge als Beteiligter im einzelne» übertreiben möge. Zlecbtsaiiwalt H eine beantragte, dem Angeklagten Bloch eine Buße bon 3 M. aufzuerlegen, als Ersatz für die dein Zeugen StawinSki erwachsenen Kosten dcS ärzilichei! Attestes, Rechtsanwalt L n b sc y n S I i. als Verteidiger des Angeklagte» Block, bemühte sich, die Streikenden im allgemeinen imd den Zeugen Stawinsti im besondren als arbeitsscheue Elemente hinzustellen, die es sich angelegen sein lassen, Schutzleute zu reizen»stv. Diese Auslassungen führten zu wiederholten Entgegnungen seitens des Rechtsanwalts H eine. Der Gerichtshof verkündete nach kurzer Beratung: Ein Vergehen im Amt seitens des Angeklagten Bloch sei erwiesen, diesem seien aber mildernde Ü m jt ä» d e zugebilligt. weshalb ans eine Geldstrafe von 10 M. sowie an- eine Buße von 3 M. erkannt wurde; den Vorgang im Waschraum bielt das Gericht nicht für er- wiesen, daher wurde der Angeklagte Ulrich freigesprochen. Auch dies gelinde Urteil kennzeichnet unsre Justizziiüünde und rechtfertigt die Frage, wieviele Monate Gefängnis wohl ein Arbeiter b e k o in in e n hätte, der einen Streit- b r e ch c r annähernd so malträtiert haben würde, wie der Schutz- mann den aus st ä n d i g c n Arbeiter! Tic Prozcftvcrhandluugcn gegen den Bankier August Sternberg begänne» gestern im kleincn Schwurgcrichtssaal vor der achten Straskammer des Landgerichts I. Den Vorsitz führt Land- gerichtsdircktvr 25 e im a im, die Anklage vertritt Staatsanwalt Dr. R o m e n. die Verteidigung führen Justizrat Dr. S c I l o. Justizrat Dr. Kleinholz und Rechtsanwall Dr. H e i n c m a n n. Der Zudrang der Zeugen und des Publikums zum Vcrhandlungs- saal war sehr groß. Der Chef der Kriminalpolizei. Geheimer Rat D i e t c r i c i, wohnt der Verhandlung bei. Der Äiigellagtc ist im Jahre l852 in Frankfurt a. M. geboren. Wie sich anS de» Vorhaltnngen des Vorsitzenden crgicbt, ist St. im Jahre 1884 wegen Vergehens gegen 8 240 I. des Handelsgesetzbuchs zu 14 Tagen Gc- fängnis und im Jahre 1886 wegen desselben Vergehens zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden. Beide Strafen sind im Wege der Gnade in 1400 M. und 4000 M. Geldstrafe umgewandelt worden. Im ganzen melden sich beim Anfrnse 100 Zeugen, von denen 23 von der Aiiklagebehördc, 77 von der Verteidigung vorgeladen worden sind. Unter de» Bclaslnngszciigcn befinden sich die Mädchen Frida W o y d c und Marie Fo nrn ay o», der Kriminalkommissar v. Treskow und mehrere Kriminalbeamte. Eine Bclastungszciigiii, die Schauspielerin Fräulein Klara F if ch e r in Paris, ist nicht zur Stelle, sie wird aber nach der Milteilling dcS Kriminalkommissars v. TreSlow noch an Gcrichtsstclle erscheinen. Auch unter den EntlasuuigSzellgen bc- siudeii sich mehrere kleine Mädchen, teilweise mit ihren Eltern. Einige erwachsene Mädchen sitzen in Haft, zwei von ihnen werden— aneinander gefesselt— aus. KottbnS vorgeführt. Der Zeuge Dir. Luppa wird aus der Unter- silchuiigShaft vorgeführt. Ferner befinden sich unter den Entlaftungs- zeuge» der Regi'crungsasscssor Graf v. W a r t e n S l e b c u. an den Iustizrat Dr. Scllo die telegraphischc Ausfordernng zum Erscheinen vor Gericht nach seinem oberschlesischcn Gute gerichtet hat, ferner der Rektor Hertel, der Lehrer K l c w e. der Direktor vom Privat- dclektiv- Bureau„Jus", mehrere Privatdetektivs, Schriftsteller Rittcrhaus und Frau aus Babclsbcrg. mehrere Kriminalschutz- leute u.a. Auch ein Taubstuminer ist alSZeuge geladen, dermitcrBeihilfc der Dolmetscherin für Taubstumme. Frau Schenk, sein Zeugnis ab- legen soll. Als Sachverständige für einen Aiitlagefall sind Gerichts- physikus Dr. Stürmer und der Nervenarzt Dr. Albert Moll geladen. Iustizrat Dr. S e l l o erklärt, daß er auf einc Zeugin Äuguste W e n d! c r alias Auta Fischer Bezug nehme. Da sich diese in' einer Konditorei in der Nähe des KriminalgcrichtS anfhalteii solle, bitte er, sie von dort holen zu lassen. Dr. Nomen: Gegen diese Zeugiii schwebe seit einiger Zeit ein Erinittlungs- vorfahre» wegen Beihilfe zur Begehung unzüchtiger Hand- klingen. Er beauftragte den Kriminalkommissar v. TreSlow die bis dahin nicht erreichbar gewesene Zeugin sofort zu verhaften und vor- zuführen. Angelt. S t c r n b c r g bittet, die Zeugin vorläufig nur als Zeugin vorznffihrcn, denn in diesem Falle würde sie ihre Aus- sagen sicherlich nnbefangen machen, während, wenn sie � unter dem Verdacht der Beihilfe verhaftet würde, zweifellos befangen sein würde. Die äußerst sorgfältig gekleidete Zeugin wird in wenigen Minuten zur Stelle gebracht und vom Gericht ihre vorläufige Festnahme verfügt. Sic ftvird nach Feststellung ihrer Persönlichkeit in eine Zelle abgeführt. Nach dein EröftuuiigSbcschlnß wird Stcriiberg beschuldigt, in den Jahren 1807—1800 durch mehrere selbständige Handlungen mit der Marie Erhard und Frida W o h d c, beide Hilter 14 Jahren alt, im- züchtige Handlungen vorgenommen und die am 8. Oktober 1884 geborene Marie F o n r n a tz o n verführt zu haben. Nach Verlesung des AnklagebeschlnsseL beantragt Staatsanwalt Nomen den A u s- i ch I ii ß der O e f f e n t l i ch k e i t w ä h r e n d d c ganzen Dauer der Verhandlung. Der Gerichtshof beschließt nach diesem Antrag. Der Ziihörerraiim wird geräumt. Gine verhängnisvolle Prellsteingeschistitc, die am Dienstag schon die vierte Straflamincr des Landgerichts I beschäftigte, wurde gestern nach nochmaliger dreistündiger'Verhandlung zum Abschluß gebracht. Im November 1898 wurde in der Nähe deS Easo Bauer, Unter den Linden, ein Prellstein durch ein durchgehendes Schlächter- Fuhrwert zertrümmert. Ein großes, über ceistnerschweres Stück des Steins blieb längere Zeit hindurch liege». Es wurde häufig von den dort haltenden Droschkeiikntschern zu einem Schabernack gegen einen ans dein Bock eiiigcschlafencn Kollegen benutzt, indem man es heimlich in dessen Droschke' legte. Dies geschah auch bei dem Troschkenfuhrherrrn Max Abraham ans Nen-Wcißensee. Er fand den steinernen Fahrgast, als er mit seiner Droschke nach Hause gekommen war, ipars ihn ans den Hos und ließ ihn liegen. AnS allerlei Anspielungen, ob er sich einen Denkstein setzen lassen wolle nsiv., schloß Abraham, daß seine Kollegen ihm den Streich gespielt hatten. Im Oktober v. I. er- stattete der Anhrhcrr Höhn' bei der Polizei die Anzeige, daß Abraham, mit dem er sich inzwischen verseindet hatte, das Prellstein- siiick gestohlen habe. Dabei sollte Höhn sich selbst dabei be- tciligt' haben. als der Stein in Abrahams Droschke hineingelegt wurde. Gegen Höhn wurde Anklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben. Der Prellstein lag gestern dem Gerichtshof vor. Tcr Aiigeklagie bestritt feine Schuld und führte den Bclastiings- zeugen eine Anzahl Zeilgen entgegen, welche nach Ansicht des An- llägers so nnglanblvnrdige Angaben machten. daß der Staats- anwalt ihre Aussagen protokollieren ließ inii dem Bemerken, daß er gegen diese Zeugen wegen Verdacht de-, Meineids vorgehen würde. Der Angeklagte Höhn wurde für übersührt erachtet und zu drei Ri analen Gefängnis verurteilt. Der verhängnisvolle. Prell- stein soll an Gerichtsstelle in Verwahrung bleiben, um noch in späteren Berhaiidliuigcn als Beweisstück zu diciicn. Ter Bovtott ist keine rechtswidrige Handlung und vcr- pflichtet nicht zum Schadensersatz, so entschied das Reichsgericht m einer Hamburger Sache, die aus der Zeit des 18V8cr Hamburger B ä ck e r st r c i' k L herstammte und N/e Jahre zu ihrer Erledigung bedurft hat. Als bei jenem Streik die Arbeiterschaft sich auf feiten der Gesellen stellte und über diejenigen Bäckenneiftcr den Bvhkott verhängte, die die Forderungen der Gesellen nicht bewilligen wollten, suchten die vereinigten Bäcker- iunnugen von Haniburg-Altona-WandSbeck diese Maßnahme dadurch wctt zu machen, daß sie die Mühlenbcsitzcr, Mehlhändler und Mehl- maller vcranlaßtcn, sich mit ihnen solidarisch zu erklären und dann über die Bäckermeister, die die Forderungen der Gesellen b c- willigt hatten, einen M chlbvykott zu verhängen. Die Wiehl- liefcranten verpflichteten sich bis auf zwei Firmen sämtlich, diesen Mehlboylott durchzuführen, cvent. für jeden Sack trotzdem gelieferten MehteS eine Konventionalstrafe von 10 M. zu zahlen. Einige Wiehl- firmen traten jedoch von dieser Vereinbarung bald zurück, was ihnen ja nach 8 102 der Gcwerbc-Ordniuig zustand. Unter ihnen befand sich der Mehlmaktcr Sch. Er wurde von den Bäckerninungen ans- gefordert, die festgesetzte Konvciitionalstrafc zu zahlen, weigerte sich dessen aber unter Hinweis auf 8 102 der Gewerbe- Ordnung und wurde nun seitens der Bäckerinmingcn boykotiierl. Durch' diesen Boykott will er erheblichen Schaden gehabt haben. Er hat die Boykottkommission der Bäckerinnnngcn deshalb auf Zahlung von 2000 Mark Schadensersatz verklagt. Seiner Klage wurde vom Hamburger Landgericht st a t t g c g e b e». Dieses führte in seinen Entschcidungsgründe» aus: Jeder Gewerbetreibende habe das Recht, sich frei zu bcthätigen, nur die erlaubte Konkurrenz seitens der Gclverbcgenossen müße er sich gefallen lasse». � Der Boykott fei aber ein willkürlicher Eingriff andrer in die Jiitcreffensphärc cincS Gc- werbekreibeudcii und stelle mit scineni Zweck, den Geiverbebctricb jemandes tcillvcise oder ganz zu imterbiiiden. eine rechts- widrige Handlung dar, die zum Schadensersatz verpflichte. Das alo Berufungsinstanz aiigernfene hanseatische Ober- landesgericht nahm einen andren Stmidpnnlt ein, hob das lldcit des Vordcrrichtcr-5 onf und luicä den jlläqcr kostenpflichtig ab. c�ch. Icgtc Revision ein und licsi geltend niachei», die Verhaugung des DoiikotlS stelle sich als eine VcrrufSerkläning im Sinne des 153 Gcivcrbc-Lldnnug. sonnt als eine strafbare Handlung dar und verpflichte zum Schadensersatz. Ter VI. Civilscnät des Reichsgerichts hat die Revision jetzt abgewicscn. Ter Ncstauratcnr Granic«. Friesenstr. 2l. teilt u»S zu dein nm 21. Marz veröffentlichten Gerichtsbericht mit, dasilin seinem Lokal niemals Tauienbcdicnung gcivcscn sei. Im Militärbcfrriuugöprozcsi zu Elberfeld kam am Mittwoch, als am elften Vcrhaudlnngstagc, das Zeugeiiverhör loesciltlich zu Ende. Ter Erste Staatsanwalt beantragt gegen Dr. i c l 2 Jahre, gegen Sackermann, VorlingShaus und Borger je Il/Ä Jahre Gefängnis und Ehrverlust, gegen Friedrichs, Hüls feit., Putsch feit., je drei Monate, gegen Hüls jnn.. Hott, Sicpcr jBater und Sohne) und die beiden Ufer fvivic die beiden Pag und Garschagen je vier Monate, gegen Blombach acht Monate sowie gegen die beiden Hönnekiivvel, BrccS und Mühlhoff sechs Monate Getängnis. Tic Rechtsanwälte Tr. Graf und Flucht beantragen die Freisprechung von Te. Ziel, Sackcrmann und Borger. Tas Urteil wird wahrscheinlich Moni a g gesprochen. Ans dev F'rnuenbrivrgtttttt. Verein für Frauen tmd Mädchen der Zlrbcitcrklafsc. wlontag, den 2. April, abends 8' Z Uhr, in den„Atminhallen". ÄonimandaiNenslr. 20: Bortrag des Herrn Tr. Blaschkv über „Profiiuilion". Gaste wilitoniincn. Ter Vorstand. Handclöturse für Frauen. Im schweizerischen Nationalrat gab es vorige Woche eine Auseinandersetzung über Fra neu recht und iv e i b l i ch e Konkurrenz und zwar anläßlich der Beratung der LiindeSsnbveittivncn zur Förderung der BenisSbildiiiig. Spccielt handelte es sich dabei»in die Bclhätignng der Frau auf dein Ec- biete dcS Handels. Die kaustiiäninschen Bcrcinc, die für ihre UntcrrichtStursc vom Bunde Uiiterslüpnng erhalten, sind angewiesen worden, dieselben auch den weiblichen Haiidclsbcflisscncii zugänglich z» innchcii, wogegen sie sich aber mit eutcr Gegcneingabe an die Behörde zn wehren suchten. Einen Der- trctcr dieser engherzigsten Konkiirrciizfnrcht fanden die Kanflcute in dein Züricher Alichdcmotrateu Tr Amsic r, für den überhaupt alle sociale» Aiigelcgciihcitcii spanische Dörfer sind. Ihm schloff sich der bekannte Tr. Tecnrtiiis an und zlvar von dem Standpunkt ans, daff man die billige nnd hcrabdrückende Konkurrenz der Frau nicht nach noch von oben herab stärken sollte. Als ob sie dann ohne diese Unterstützung nicht existierte. � Unter den Redern, loclchc das Recht der Fra» auf ordentliche Berufsbildung vertraten, befanden sich n. n. E u r ti- St. Gallen und unser Genosse G schwind saus dein Kanton Basei-Landj.. Eurti bezeichnete den Widerstand der lauf- männischcn Vereine gegen die Zulassung der Frauen zu den Knrscn nts Jiitvlcraiiz. Etsrcnlicheriveisc ivurde schliefflich inil großer Mehrheit im Sinne der Znlassiuig der Frauen bcschloffcn.— Äiooinles. Kapitalgewinn und Arbeitslohn. Ein Beispiel der immer steigenden Gewinne des Kapitals liefert der Geschäftsbericht der Schlesifchcn Aktiengesellschaft für Bergbau und Zinlhiittenbctrieb in Lipine für das Geschäftsjahr 1899. Dieses seit 1872 mit einem Grnndlapital von 23'/- Millionen Mark arbeitende Unter- nehnren hat seit seinem Bestehen stets ntit anständigen Gewinnen gearbeitet, besonders aber seit 1888 macht es itttmer steigende Riescu- gctvinne. Die Dividende betrug in den Jahren 1888—1898 jäbrlich: 9 Proz., 13 Proz.. 18 Proz., 18 Prvz., 15 Proz.. U Pro-., 12 Pro-,.. 9 Proz, 11 Proz.. 15 Proz.. 18 Proz." Biel riesiger aber mar der Gewinn im Jahre 1899 und zlvar Ivi sentlich infolge erhöhter Verkaufspreis«. Ter Rohgewinn belief sich ans v,f> Millionen Mark, der Remgetvimi auf 7,33 Millionen Mark. Dalwn bekommen die Aktionare als Kapitaldividende von 27 Proz. dne Smmne von 0 352 830 M. Die Dividende beträgt demnach in den 12 letzten Geschäftsjahren 17ö Proz. Das ist der reine Kapilalgclvinn, für den die Empfänger keinen Fmger zu rühren brauchen. Die Gesellschaft bezahlt aber auch au- ständige ArbeilSlöhne; zlvar, man verstehe irnS recht: ivaS sie ihren Kohlcngräbcrii. Hüttculentcn ec. bezahlt, darüber deckt der Geschäfts- dcricht den Mantel der christlichen Liebe: man ivciff mir allgemein, daff die Löhne dieser aruien Sklaven in Obcrschlcsicn 900 M. im Jahre kaum erreichen, bei der Mehrzahl sogar weit darunter bleibe». Dagegen erfahren wir. was die Herren An f s i ch t S r ä t e für ihre mühevolle und anfreibendc Thätigkeit bekouiinen. Der Anteil des AnssichtörntS an dem diesjährigen Rebbach des Werks belief sich ans 413 362 M. In diese Summe teilen sich 13 Herren, so daff ans jeden der rcspctlable JahreSvcrdicnst von 31767 M. entfällt. Wie anstrengend die Thätigkeit eines AufsichtSratSmitglicdS solcher Gesellschaft ist. dafür spricht die Thalsache, daff z. B. einer der Herreu, der Obcr-Bcrgrat a. D. D r. W achter gleichzeitig in sieben Aktiengesellschaften AnfsichtSrat ist. Der Bankier Ludwig D e l b r il ck in Berlin V. vermochtc sogar diese segensreiche Tbätig- teil gleichzeitig bei 1,? Aktiengcjclltchasten auszuüben nnd der Bank- dircttor Froinberg in Breslau gar bei 17 Eesellschnflcn. Tic Herren werden vielleicht nicht in jeder dieser Gesellschaften 30000 M. im Jahre für ihre„Arbeit" bekommen, sicher aber in jeder soviel, daff jeder Arbeiter gern eine Anzahl Jahre dafür arbeitete. Unter den Herren Anfsichtsräten befinden sich auch einige feudale Herren, so ein Rittergutsbesitzer».Lübbecke, der ReichstagS-Abgeord» nctc Prinz Heinrich zu Schönaich-Earolath nnd der Herr Reichstags- Abgeordnete v. Kardorff, dieser sicher nur studienhalber. Die Jiiteriiationalirät dcS Kapitals wird dokumentiert durch die Thatfachr, daff im Anfsichtsrat auch drei Pariser Herren sitzen, nämlich der Herzog v. Granimont, der Marquis de Bconvoir und der Präfekt a. D. Salles. Tie erste öffcntlichc Poltsbibliothck mit Lesehalle ivird am 1 April in Magdeburg von der Stadt errichtet werden. Die Be- Nutzung ist iineiirgeltlich und jcdernimi» gestattet. Personen, die dein Verwalter nicht als vcrläfflich bekannt sind, intisjen allerdings von einer als zuverlässig bekannten Person empfohlen werden. Geöffnet ist die Lesehalle von 11 bis 3 und von 0 bis 10, Sonntags von 11—2; des Sonntags sollte sie länger geöffnet sein, da viele Arbeiter nur den Sonntagiinchmittag zum Besuche werden verwenden können. In der Auswahl der Bücher nnd Zeitschriften soll völlige Unparteilichkeit in politischer»» d religiöser Hinsicht gelten. Kostenlose Pccrdignng der einheimisch verstorbenen Einwohner bat die Stadtverordneten-Bersammliing in Höchst a. M. beschlossen. TaS ist llnsre» Wissens der erste Fall dieser Art in Deutschland. Städtische Subveiitioniermig von Arbeiterorganisationen Ter Züricher Groffe Stadtrat hat ciiicn Beitrag von 3000 Fr. an die dortige ArbcilStammer nebst Arbeitersetretär beschlossen. Vor einem Jahr bcivilligle dieselbe Behörde eine Sub- oeniion von 2000 Fr. an die ArbeitSkannner. Vevsammlungen. Ter sorialdcmotratischc Wahlvcrci» für den 6. Pcrliucr Reichstags- Wahlkreis hielt am TicnStag bei Zimmermann in der Badstraffe eine von cliva 300 Genossen besuchte Versainmknng ab. Redacteur S t r ö b e l referierte über:„Das Liebäugeln der bürgcr- lichen Nntionalökonomen mit der Arbeiterbewegung nnd die Stellung der Socialdcmokratic." Ter Vortragende ging davon aus, daff das gelegentlich zur Schau getragene Wohlwollen der Katheder- focialisteu für die Arbesterbcwegung von der Socialdemokratie »nit gröffter Vorsicht ausznuchmcn sei. wenn man nicht eine gewisse Berivirrmig>» die Arbeiterlrcise hineinbringen und eine Verwischung ünsrcr Ailschannngcii vermeiden ivolle. Redner behandelte die Stellung Sombarts. Der Mann, der noch vor vier Jahren von den vereinigten Kulturstaaicn Europa-? schwärmte, habe sich thatsächlich zu einem Chauvinisten ersten Ranges und zum Wcktntachtspolitster gemausert. Das brauchte uuS nicht auf- z»regen, ivcmi es nicht nntcr deii Sockäldemokralen uiid miter denen, die sich Soeialisten nenne», sonderbare Käuze gäbe, die imvcrkcimbar BkaiiscrmiaSsyuiptomc zeigten. So Erich Rothcr in den„Socialist. MonatSheftcu" und Schippcl in seiner vorgeblichen Kritik Brentanos. Hoffentlich werde Schippcl bald einmal offener reden.— Im zweiten Teil seines Vortrags bebmidelte Redner den G c>v e r k s ch a s t S p o l i t i k c r S on» b a r t. 1806 habe dieser die Gelvcrtschaftsbcivegung und die politische Belvegmig die beiden Aciiic der Arbcilcrbcircgimg genannt, jetzt verlange er. daff die Gcwcrk- schatten sich von der politische» Bwegung völlig treiuieii sollten. Diese Ansicht sei leide r auch in Partei- uud GeivertschaftStretse eilige- drititgcit. Sie werde im„K orrespondent" und im Organ der Glasarbeiter vertreten, Bruns von der„Breslaiicr VoliSlvack'!" habe mehnuals solche Anschaniuigcu zum besten gegeben, ähnlich hällen sich auch Molken- bnhr und Bebel gcänffcrt, nnd im Geschäftsbericht des Partei- Vorstandes sei, vermutlich von Auer, derselbe Standpunkt vertreten worden. Im Gegensatz zu den Gcuaiintcit hält Redner die so- genannte Neutralisiernng der Geiverlschaften für sehr gefährlich tZn- siinimnngsrnfcs nnd befürchtet von ihr eine Acrwässcrtmg der ganzen Arbeiterbewegung. Die Pflege dcS socialistischen Geistes muffte den Gelverkschasten erhalte» bleiben, so weit es unsre rückständige politische Gesetzgebung zulasie. Redner führte dies noch näher ans nnd schloff nnl einem wannen Aufruf zum Festhalten an den Lehren von Karl Marx.(Lebhafter Beifall.) In der sehr langen nnd zeitweilig änffcrst lebhaften Debatte stimmten A r c n d s c e. G u t t in a n n, D a n u e n b e r g e r und B r n tt o im wesentlichen dein Rcfcrciitcn zn. Einige von ihnen wandten sich anfferdem gegen Tarifgeineiii- schalten nnd gegen die Taktik der großen Verbände. B a n g c r m a n n trat dagegen siir vollständig unpolitische Gewerkschaften ein und widersprach den Bcsürchttingcn Ströbels, während W n n d c r s c e es überhaupt vcrlvarf, gewerkschaftliche Strcilsrageit im Wahlverein zu erörtern. R o h r I a ck ivandte sich gegen die Redner, die jedes gemeinschaftliche Vorgehen moderner Gcivcrlschaftcu mit den Hirsch-Diwckeriaucrn verurteilt hatten. Nachdem S t r ö b c l in feinem Schluffivort einige Miffvcrsiänduisse ans- geklärt hatte, trat Schluß der Versammlung ein. Vier Prolrslversainmlnngcn gegen die Warcnhansstcncr fandcn nm Mittwoch wieder ans Beranlassung dcS AnsschtiffeS der Warenhaus-Angestelllen statt. In der Vicloria-Braiicrci in der Liitzowsiraffc referierte vor einem sehr zahlreichen, ans Domen und Herren beslchcndcit Publikum, der Deccrncnt der Ccntralslellc für die Vorbereitung von Handels- vertrügen. Tr. Borgins. Redner kcmizeichnete die wirtschaftliche Gc sctz.gcbnng in T cntichland als eine solche, die der Enllvicklmig Fesseln an- zulegen bemüht ist. Ter Detailhandel, der in seiner heutigen Form erst als Produkt der indnstriellcn Eniwicklnng entstanden ist, wehre sich jetzt gegen diese Entwicklung. Die von der Konknnciiz der Waren- rcnhanscr bedrängten Kleinhändler wollen cS mit den Bazarcn so inachen, ivie seiner Zeit die Weber in Langeiibiclan mit den Maschinen, die sie zerschlugen, iveil dieselben die Handarbeit ver- drängten. Finanzminister Miqucl habe im Abgeordnetenhaus gesagt, daS Gesetz solle die Entwicklung nicht hindern, sondern mir ver- langsamen. Redner glaubt, daß die WnrcnhanSstcucr den Bazarcn nicht schade, sondern deren Entwicklung sogar fördern werde, den» der Geschäftsinhaber, dessen Reingewilm von 10 000 M. durch die Steuer atif 7000 M. herabgcdrückt ivird, werde Natürlich bestrebt sein, den Betrieb derart zn vcrgröffcni. daß sein Gewinn trotz der Steuer der gleiche bleibe, oder womöglich noch steige. Die Masse deS Volks sei es. die auch diese Steuer tragen tniisse. sei es als Kvnsnmeiileit. als Angestellte der Warenbätiscr, oder als Arbeiter solcher Fabriken,' die für Warenhäuser arbeiten. Redner ist der Meinung. daß die Regierung dem Eittivnrs in der Form, die ihm die Koiiimission gegeben hat, nicht zustimmen werde. Sollte sie aber dennoch diese Absicht haben, ja sei es Pflicht aller Gegner des Gesetzes, mit einem energischen, cntschiedciten„Nein" zu aiitivorten. tLebhafter Beifall.)'Nachdem die DiSftission eine Zeit lang zwischen Gegnern und einzelnen Anhängern der Waren- hanSstcncr geführt worden war, nahm die Versainmlmig eine Rcsointion an, welche von der Regierung und dem Abgeorductcnhanse die A n l e h n n n g des Gesetz- c n t iv ii r f S fordert. In der Ivcitcrcn Dislnistan nahm auch der Reichstags-Abgeordnete Richard Fischer daS Wort. Er legte treffend, und oft von lebhaftem Beifall nntcrbrochcii. die Etfmde dar. loclchc die Socialdcmokratic veranlassen, dem Warenhansstencr- Gesetz ablehnend gegenüber zn stehen. Es sei Wahnsinn, wenn man von der Gesetzgebung erwarte, daß sie die ivirtschaflliche Entwicklimg nnfhalten könne. Wenn da-s Gesetz die kleinen Exisienzei! schütze» soll gegenüber dem Großkapital, dann müßten doch die Anhänger dcS Gesetze? deficit AnSdchnnng auf alle Groß- betriebe, besonders auch auf die industriellen, verlangen. Warum da? nicht geschieht, die Antwort liegt nahe: Keine Rcaiernng lömie ans solche Vorschläge eingehen. Herr v. Miqnel wisie auch ganz gut, daß dies Gesetz nicht die Wirkung hat. die die MittclstandSverlretcr erwarten. Gegenüber der Behauptung eines DiSkililionSrcditers: Die WarenhauSiithalicr würden die Steuer nicht auf die Angestellten abwäkzcii. meinte Genosse Fischer, eine solche Gefahr sei i» der That zu t'esnrchten. Habe doch da? KanfhanS von Jordan wegen des schlechten GeschästSgangS im letzten Jahre die sonst on die Angestellten gezahlten Gratisikationcn!c. abgeschafft. Daß übrigens die Angestellten in sogenannten christliche» nnd patriotischen Häusern keineswegs besser dastehen, ivie daS Personal der viel verschrienen jüdischen Bnzar- inhabcr. beweise der Umstand, daß im Jordanschcn Geschäft Ver- känscriunen jahrelang für ein MonatSgehalr von 35 Mark arbeiten mußten, nachdem sie als Lehrmädchen 6 Monate lang nahezu lür nichts hatte Ihätig fein müssen. Seine Ansicht als Socialdemokrat— sagte der Redner— gehe ja dahin, daß Zwilchen Prinzipal und An- gcstcvlcn eine Znteresieii-Gcniciiischasr nicht vorhanden ist. Aber in der Frage der WarcnhaiiSstcner sei das Interesse beider bis z» cinein geiviffen Grade ein gemeinsames. Den Widersinn dieses Gesetzes erkenne man. wenn man bedenkt. daß es den- jenineii mit hoher Steuer bestraft, der es versteht, einen großen Umsatz zn erzielen, indem er am einteilten Artikel nur einen kleinen Prosit macht, während ans der andren Seite die Gcschästslenle be- gtuiftigt werden, die durch größeren Profit im ciiizelncii das Publiknin in höherem Maße ausbeute». Nachdem der Redner mit wenigen Worten die Stellung der Socialdcinokratie zur lopitalistischcn Enl- ivickelnng gekennzeichnet hatte, schloß er mir der Mahmuig an die Handeldangcstcllten. einig zusammen zu halte», nicht mir in der vorliegenden Frage, sondern auch bei jenen Gelegenheiten, wo es gilt, ihre Interessen auch gegenüber den Prinzipalen zu schützen.— Nach einem kurzen Schlußwort deö Referenten war die Lersammlung beendet. Im K o n z e r t h a n S Sanssouci tagte eine von etwa 1000 Personen besuchte Versammlung. Hier hatte Stadtvcrord- n e t e r R v s c n o w das Referat übernonimen. In der Diskussion sprachen außer einer Reihe von Gegnern der Warenhansstencr auch einige..dcnlsch-iiationale" HaiidluiigSgchilfcn für die- selbe. Zwei Mitglieder� des Ecntralvcrbands der Haiidlungs- gchilfen waren cö besonders, die den..deutsch-iiativnalcn" Herren«Utgegriitraleii. Eine Protestresolution wurde gegen die Stimmen der„Deutsch-Nationalen" aiigcnommcii, die sich ver- gcbcns bemühten, durch wüsten Lärm die Bersammkrma Zu stören. In den G e r m a n i a- S ä l e n in der Ebansscestraße. wo etwa 2000 Personen cuilvefend waren, referierte Ztcdactenr u. Gcrlach. Auch hier wurde die Protestrcfollition gegen die Stimmen einer Schar von Aiitisemiten augenomnien. Aus den Reihen der letzteren ivurde eine Resolution für die Waren- hansstcucr eingebracht. Der Einbringer der Resolution hatte die Unverfrorendeit, dieselbe„im Nanten der Socialdemokratie" zu niitcrzcichncii. Das Gebahren dieses Herrn fand seitens inchrcrer nnsrer anwesenden Partcigcnosicii die gebührende Zurückweisung. Schließlich gelang es den radanlnstigcn Elementen der„Deutsch- Naüonaleir", dir Versaqimlung während der Schlnßansfi'lhnmgc» des Referenten zur polizeilichen Anflösimg zu bringen.. In der Vcrswnmlimg im Lolal des Herrn Keller, Koppenitraße, sprach Privatdocent Dr. P reu ff. Redner Ivurde vielfach dural Zwischennise unterbrochen und mußten einige Ruhestörer aus dem Saal verwiesen werden. In der Di-skiission�lehitten die Handlung?- gehilscn Maaß nnd Grätz die geplante Steuer ab und wurde schließlich mit großer Majorität die Resolution angenommen. Eine öffcntlichc Schlächter-Bersammlnug fand am Sonntag. den 25. März, in Fenersteins Festsälc» statt. In erster Linie ivurde da über die an die Kommission für Arbciterstatistik zu sendende Petition verhandelt tmd deren Abschickniig beschlossen. Ferner wurde miter Gewerkschaftlichem der Wunsch ausgedrückt, die Zeitung„Ter Fleischer" für die Mitglieder des Verbands der Schlächtergesellen gratis zn verabfolgen und dafür den Monatsbeitrag ans 60 Pf. zn erhöhen. Von der Wahl einer Äommilsion, die bei den Meistern vorstellig werden sollte wegen der Abschaffung der SonntagSkiiiidignng wurde Abstand genoinmen, da die Angelegenheit einstweilen auf andre Weise erledigt worden ist. Trotzdem diese Versammlung nicht gerade gut besucht war, indem zur selben Zeit noch eine Vcrsammlinig des Vereins„Arbeiterschntz" tagte, winden doch eine größere Anzahl Aufnahmen für den Verband der Schlächtergesellen bewirkt. ES scheint auch hier mit der Organisation zwar langsam aber stetig vorwärts zu gehen. Tic Schildermaler hielten am Montag eine öffentliche Ver- sainnilung ab, in der nametitlich die Lohn- nnd Ärbeilsverhättniiie bei der Firma Grund u. Co. euicr lebhaften nnd läiweren Be- sprechung unterzogen wurden. Das Verhalten einiger Kollegen, die nicht nur für niedere Löhne, sondern aus eignem Antrieb mit vielen llebetstiniden arbeiten, ivurde lebhaft getadelt. Im übrigen wurden alle Schildermaler ersucht, nicht nur siir«eseitigug der llebelstäiide in dieser Branche zu sorgen, sondern sich auch der hier bestehenden Organisation anzuschließen. Ter Eentralvcrband der Zimincrer tagte am Sonntag in den„Ariniithallen". Eingangs hielt Genosse Agster einen Vortrag über Arbeiterkrankheiten, woraus Leonhard über die Konferenz der Vertreter sämtlicher Zahlstellen der Provinz Brandenburg Bericht erstattete. Die Diskussion drehte sich besonders nm die Thatsacho. daß trotz der Erfolge der Organisation auf dem Lande iinmer noch eine große Anzahl Zimmerer abseits stehen. Als tkrsacheit wurden die vcrschicdenartigsieit genaiiiit, und zugleich an alle diejenigen Kameraden, die daS Zeug dazu haben, appelliert. sich organisatorisch zn bcthätigen. um zu noch weiteren Erfolgen zu gelangen. Zur Maifeier faßte die Versa, mnlimg keinen Beschluß, sondern' es wird allgemeiii als selbstverständlich gehalten, deii 1. Mai würdevoll durch ArbeitSnihe und Besuch einer Fest- Versammlung zn feiern, deren Jnsceiiierting von dein Bureau erwartet wird. Hieran f bewilligte die Versammlung den ausgesperrten Holz- arbeiten, 2000 M. niid sagte gegebenenfalls noch weitere Unter- stützt», g zu. Tie Korbmacher nahmen in der Versa», mlmtg am 26. März den Bericht über die Thätigkeit der Äcrlstatt-Kontrollkommission entgegen, worauf die Neuwahl derselben erfolgte. Die Lohn- belvegmig gab zu einer längeren Besprcchmtg Anlaß. Man be- fiirwörtete. eine Vcrsanimknng mit den Meistern abzuhalten, um eine Einigung herbeiznsühreii. Tic Troschkenkntscher hielten am Mittwoch eine Versammlung ab. Zunächst erstattete Isländer den Bericht über die Thätigkeit der Agitationskommiision im verflossenen Jahr. Das seit dem letzten'Ausstand der Droschkenkutscher eingeführte Berhancnsmänner- jlsttcn, hat sich sehr gut bewahrt. Außer den 13 besonderen Sitzungen haben 6 vffenltiche Bersammlnngen stattgefnndtn. Auch die Eiimahmcn haben sich gesteigert, so daff mit dem Bestand von 2220 M. vom letzten Jahre, ein Gcsamtbcstand von etwa 4390 M. vorhanden ist. Aug. Schulz bemerkt in Rücksicht auf die Anwesenheit einiger auswärtiger Kollegen, daff die Verhältnisse der Berliner Droschkenkutscher, infolge der regen Agitation unter denselben, besiere seien, als in andreudeutlchcn Großstädte». Dem Obmann dcrAgitationS- koimnissioii ivird Entlastung erteilt, tindbiermtf die Nciiwadl ver zeom- Mission von 10 Mitgliedern süralleBezirke Berlins vollzogen. Roscnblalt, Zeising nnd Schc'pe werden als Revisoren ernannt. Hermann Schulz erstattete einen sehr ausführlichen Bericht über seine und die Thätigkeit der Berliner Geiverkschasttkommission, woraus er wieder als Delegierter. Isländer als Stellvertreter zu derselben ernannt werden. Vom April ab soll eine rege Agitation zur Ab- ickiaffimg der weiffen und allgcmciiicn Einführung der schioarze» Hüte für Droschkenkutscher entfaltet werde». Ter Verein deutscher Schuhmacher hielt am 26. und 28. d. 5 Branchenvcrsainnrliiiigc» ab, welche sich sämtlich mit der Beratung des von der Tarifloiinnisstoi, ausgearbeiteten Einheitstarifs beschäs- tigteu. Wie aus de» Verhandlmigen hervorging, sind in der Ver- lincr mechanischen Schiihivaren-Juoustrie seit einigen Jahren in Be- zug ans die Löhne Miffstände cingeriffe», welche dringend der Regelung bedürfen, so sind namentlich die Löhne in der Filzschuh- brauche Kit den Jahren 1804 nm durchschnittlich' 3 ihres damaligen Betrags gesunken. Die Verschiedenheit der Bezahlung für ein und dieselbe Arbeit sowie die im», er wieder vorgciiomnicncn Lohn» reduzicrnngcn bilden eine stete Quelle von Differenzen zwischen Fabrikanten und Arbeitern. Dies zu beseitigen soll der Einheitstarif Vezivccken nnd hat die Kommission, nm einen Ausgleich zu finden. in viele» Fällen selbst davon Abstand genoinmen. die höchstbezahltcn Preise als Norm zn nehme». Die Vorschläge der Koiwiiission ivrrrdcu denn auch mit einige» klcincil Abänderungen, bis auf den Tarif der Maschiueiiarbeitcr nnd Putzer, welcher nicht zu Ende gc- führt werden konnte, angeuomrncn. Nachdem der Tarif fertiggestellt, soll derselbe von der OrtSvcrwaltlUig dcS Vereins deutscher Schuh- uracher dem Fabrikantctiverband unterbreitet werden, nnd ivird sich ja dann hcransstelleu, inwieweit die Herren Fabrikanten geneigt ji»d, ans die gemachten Vorschläge ciiizugehc». Eharlottcnbnrg. In einer Versammlnng der Handel-HilfS» arbciter sprach hier am 25. März est raub«über die Miffständc in einigen Betriebe». Redner beschäftigte sich mit den Verhältnissen bei Siemens n. HalSle. Westfahl n. Reinhold, Löwe und Zimmermam, u. Sohn. Der Anffordernng, der Organisation der Hilfsarbeiter bei- zutreten, wurde vielfach nackgekomnieii. Wannsee. Es geht überall vorwärts. Nach jahrelangem Be- mühen ist es der Arbeiterschaft gelnngen, in dem sasl ausschließlich mit Villen besetzten Vororte Berlins äm Wannsee ein Lokal zu Ver- sainmlrmgeri zu erhalten. Am Montag, den 26. März, abends 8 Ilhr, fand im Lokal Fürstcuhof die erste BolkSversmnmlnng sialt. Dieselbe war überaus zahlreich anch von Gegnern besucht. Aus der Tagesordnung stand die Klottenvorloge, zweitens die am 28. März d. I. statt- sindcndendeii Gcmeiuderatswahlen. Bevor man in die Tagesordnung eintreten konnte, mnßtcir �ic anwesenden Frauen, weil nach Anficht des überwachenden Gendannen die Frauen nicht zum Volke gehören. den Saal verlassen. Das Referat hatte der ReichskagS-Adgeordnele des Kreises, Fr. Znbcil, üventommen. Redner entledigte sich feiner Aufgabe in trefflicher Weite. In der Diskussion'meldet« sicki von den anwcscndeii zahlreichen Gegnern riicuraud. Tie gestellte Resolution fand einstimmige Annahme. Im zweiten Punkt der TageSordming: Beteiligung a>t den GemeindcratSwahle» reip. Aus» ftellnng eines Kandidaten für den Gcnicindcrat, kam es zn lebhaften AriSestiandersctznngen in erster Linie zwischen den antvescridon büvger- lichen Parteien selbst. Ter bisherige Vertreter Gastwirt schlichest innffte sich manchen Angriff gefallen lassen Die schwersten Angriffe gegen die Gemeindeverlretimg wurden von einem Gcmcindcfchnl- lehret geführt, der bemerkte, daß die Jiigciidcrziebcr iir betreff deS GchaltS schlechter gestellt seien, als der RnchNvächtcr und der Gcrncindedicner dcS Orts. Er schloß mit den Worten, gleichgültig. welcher Partei der zu wählende Vertreter angehört, nur uriparteiiich soll er seines Amts walten. Als Kandidat für die bevorstehende Wahl wurde hierauf Maurer Wätzle gegen eine Stimme ausgestellt. Rcinirkcndorf. Am 26. März sprach hier Reichstag-'' Abgeordneter R v s e n o lv über die reaktionären Bestrebungen der Agrarier. Tic Versammlnng zollte dem Redner lebhaften Beifall zu seiner trefflichen Kritik der agrarischen AuSbenwng. Ccffeittlldjc Versammlung gegen die Warenliaussieuer am fsmtng, den 30 Marz ct., abends S'/3 Uhr. im Böhmischen Brauhaus. Landsberger Allee II Tagesordnung:'!. Bortrag des Reichstags- Ab- geordneten Roscnow über: Unire Stellung zur BZarenhaussteuer. 2. Freie Aussprache. »)Weize» ».'Roggen Marktpreise von Berlin am 28. März ITOV nach Eriniltlnngcn des tgl. Potizeiprästdinins. D.-Ctr. tö.ZOi 14.20 14.— la,— 14.20 13,40 4,50 6,90 40.- 45- 70,- 7- 1,60 1,20 Tonne 14.- 13,70 13,- 14,30 13,50 12.60 4,16 4,40 25- 25,- 30- 5,- 1,20 1- von Schweinefleisch Kalbfleisch vainmclflcisch Butter Eier Karpfen Aale tsander Hechle Barsche Schleie Bleie Krebse Ii--? 60 Siiick IbÄ per Sil) üvl 1.60 1,60 1.60 2,60 4- 2,20 3,- 2,50 1,60 1,80 3,- 1,20 12,- 1,- I,— 1,- T50 1,20 1,- 1,- 1,-- 0,80 1,20 0,80 4,- der Ccutralstclle der Prenh. Land- Fnttcr-Gerste Hafer gut mittel gering Richtslroh Scn -s) Erb sc» H)Tpeiscboh»eu Wüii'c» Kartosseln, neue Rindfleisch, Keule l dx da. Baiich» ") Ermittelt pro wirlschastslamiuern— Stotierungsstelle— und umgerechnet vom Polizei- Präsidium für den Doppclccntner. T) Kleinhandelsorcisc. Produktenmartt v o m 29. Marz. Am Getreidemarlt war das Geschait wenn möglich heute noch kleiner als gestern, da Unternehuiungslust gänzlich fehlte. Besonders essettive Ware war trotz reichlich vorhandenen Angebots absolut nicht nnterzubringen. Preise blieben nominell unverändert. Im Lieserungshandel»var die Tendenz fest, doch blieben auch hier die Um säye ohne Belang. Stimulierend wirkte» die höheren PreiSmeldungen des gesnuitcn Auslands, namentlich Oestreich-NngarNs und Ztordamcrilas. wenngleich man die Begründung der neuesten Hansjebewegung in New Jort und Ehicago für wenig stichhaltig hält und auch an den auf 20 Proz. geschätzten Miudcrertrag der zu erwartenden Ernte in Frankreich nicht recht glaubt. lzmustig beeinflußt wurde die Preisgestaltung»erner dadurch, daß man die bei uns herrschende Witterung mit ihren schärfen< Gegensätze» von Frost und Wanne für saatenfliflidigend hält, lieber die Beschaffenheit der inländische» Roggensaaten iverden bereits Klagen laut. Am Frühmarkt setzte Roggen 9,25—0,50, Weizen bis 0,75 höher ein und behaupteten mittags ihre höheren Preise. Hafer verbesserte bei- stillem Geschäft in fester Grundtendenz, da das inländische Angebot nachläßt und die PreiSsordewngen nicht ermäßigt werden. Mais lag sehr fest. Auch Rüböl anziehend. Am Zpiritusmarlt war 70cr loco mit 48,80 unverändert gefragt. Kartoffelsabrilatc. Feuchte Kartoffelstärke 10,50 M. Ia. reine Kartoffelstärke disponibel 19,75 M., April- Mai 20—20,50 M.?lbsallendc Prima- Qualitäten Stärke und Mehl disponibel 17,50—18,20 M. per 100 Kilogramm. Eier-Bericht vom 29. März. Normale Eier je nach Qualität von 2,70—3.05 M. per Schock. Ansioriiertc kleine Ware je nach Qualität von 2,45 bis 2,50 M. per Schock. Kalkeier je nach Qualität von— bis— M. per Schock. Tendenz: Gcschäftslos. KLitterungSnbersicht von, ÄS. Mär» 1900. iiiorgenS 8 Uhr. Weiler-Prognase für Freitag, de» 30. Mär» 1900. Zeitweise heiter, vorherrschend wolkig und kühl bei schwachen nördlichen s � &u Sä «?= Winden; keine erheblichen Niederschläge, Berliner > e t t c r b n r e a n. Briefkasten der Redaktion. Montag. TienStag «ud Tie juristische Tprcchstuude findet Freitag von 0—8 Illir abends statt. Thoms-59. oä I. Feldwebel(verheitaieis 100 M., ledig 90 monatlich. Bicefeldwcbel 90 bezw. 75 M. monatlich. Sekondelientenant 900 M. jährlich. Preinierlieutcnant 1080 M. Häuptleule II. Klaffe 2160 M., I. Klaffe 3600 M. Major 5400 M. jährlich. Bei einigen Regimentern, z. B. beim Garde du Lorps-Rcgiment, ist das Gchait etwas höher. a000. Das häusliche Gesinde ist in Preußen Nicht kraiikcnv ersicherungspflichtig; ein dahin gerichteter Antrag der socialdemo- kratischen Fraktion ist wiederholt abgelehnt.— Dreizehnjähriger Abonnent/ Die Höhe des Mietsstempcls richtet sich nach der Höhe des MietspreiseS; wie doch er in Ihrem Fall ist, haben Sie nicht angegeben. — E. L. I. 13. l.'.Ja. 2. Nein. 3. Gesetzlich bestimmte Sätze giebt es nicht. Die Rechtslage der vor dem 1. Januar 1900 geborenen unehelichen Kinder ist eine andre, als die der nach diesem Zeitpunkt geborenen. 4. und 5. Das ist zulässig, falls die Mutter hilfsbedürftig ist.— V.L. Ja. Briefkasten der Expedition. V. 19. Inserat kostet 3,20 M. Kür den Inhalt der Juseratc iiberuiiiiiiit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verautwortnug. Thenkev. Freitag, den 30. März. Lpernhaus. Taiinhäuser und der Sängerkrieg ans der Wartburg. Ankang 7'/z Uhr. Schaiispielhans. Kriemhilds Rache. Ansang 7V, Uhr. Tentsches. Schluck und Jan. An- fang 7-/2 Uhr. Lessing. Im weißen RößX Ansang 71/, Uhr Pcrliner. lieber unsre Kraft. Zln- fang 7>/z llbr Kienes. Im Erik. Ansang 7»'. Ufir Residenz. Die Dame von Maxnu. Anfang 71/2 Uhr. Wellen. Cavallena ruslicana. Die Regiinentstochtcr. Ansang 71/2 Uhr. SchiNer. Hinrich Lornsen. Ansang 8 Uhr. Thalia. Im Himmclhof. Anfang Ubr Luise». Ehrliche Arbeit. Ansang 8 Ubr. Central. Die Pnppe. Ansang ?'/. Uhr. Vellc-Alliance. Ciaarettenmädchen. Hieraus: Ein Stndentcnstreich. Anfang 8 Uhr. Carl Weift. Der Minenköiiig von Transvaal. Ansang 8 Uhr. Victoria. Dichter und Bauer. Zln- fang 8 llbr. griedritb- Wilhclmftädtitchcs. Die Jungsran von Orleans. Ansang 8 Uhr.» Wilhelm. Tie Cirkus-Fee. Ansang 8 Uhr. Mrtropol. Specialitäteiivorstellung. Tie verkehrte Welt. Anfang 8 Uhr. Apollo. Sveclakiläten- Borsteklimg. Im Reiche des Jndra. Anfang 7>/z Ubr. Palast. Lpecialitäte»- Vorstellung. Di« neue Herrin. Ansang 7'!, Ubr. Rcichshallen. SleUuier Sänger. Anfang 8 Uhr. Passage- Pauopllknm. Special!- läleli-Borslellung. Urania. Jiivalidenslr. 37/03. Täglich abends von ö-10 Uhr: Slernwarle. Tanbeustrafte 48/Ä9. Abends « Uhr:„Bon den Alpen zum Befuv". Im Hörsaal: Dr. P. Schwahn: „Gletscher und Eiszeit". Ui'snis Dniilionntraaiie 48/49. Im 1'ftsatsr sdencks 8 oluZ „Von Se» Milien zum Vesuv:' Im Höisal: Dv. 1». Schwahn; „Gletscher und Eisreit". In vullilcnstr. 57/0%; Tägl. Sternwarte. Nachmiltags 5—10 Uhr, ——■—IUI IUI I 'Passap-Panopticn; 35 Togo-Neger (28 llädchon, 5 Männer, 2 Kinder.) Vorstellung um 11, 12. 3'/2, 41;',, Z»/.. O'/o, 71/2, 9 Uhr. Von"7— iO'/j Ulm: Thfeätre väpi6t6. " CASTANS PANOPTICÜM 165. Fi-icdrichstr. 165. Im glänzend restaurierten Theatoraaal: Vorführung lebender Photographien in Lebensgrösse. Der englische diese nur noch kurze Zeit. In der Schreckensknmraer ■■ Hcinxe, der Mordor. UM Schiiiel'Ajtlitel tWallner-Thraler). Freitag, abendS 8 Uhr: Ulnrlch 1-«»>- mkoii. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Aus- zUgen von Erich Schlailjer. So u«abend.. abends 8 Uhr: ftchlldctc Kcnnchen. Sonntag, nackiuiittags 3 Uhr: Slacbelh. Sonntag, abends 8 Uhr: I>'c6«chHVcilci'. Thalia-Theater. fei. AmtIVa 6440. Dresdenentr. 73/73. Täglich: Rirsrnlocherfolg l Im HittimelHof. Thomas, Thteifchev. Helmerdiug. Juukennann, Paulmüller. Anfang 7% Uhr. Morgen und solgeiide Tage: Im Himmelhof.____ Belle- Alliance-Theater. Letzt« Borstellung J Wie,«er Operetten-Theater. tvühne ohne Männer). Tstrektor: Oothov-Oriluehe. Cigarettentttädchen. Sve rette in 1 B. Gothov-Gtünele. Gin Stndentenstreich. Operette in 2 Alt. v. Golhov-Grünele. Ansang 8 Ubr. Crnkvcil Tlzrntrr Direltion: loeö Terenerx. Zum l e tzt e n m a 1 e: Die P n p p e. (Q» l'onpscl. Operette in 3 Akten und einem Bor- spiel von Qrdoimcau und Swrgrß Musik von Ed. Aiidran. Sonnabend, dm 31. Marz, zum erstenuiale: Die Heiratslustigen. Baiideville in 3 Akten von Erik Meyer-Helninnd Soniitagnad/„ Uhr. . Rur nodi kurze Zeit!"MP Heute Freitag, den:j0. Mär; 1900, abends 7>/„ Uhr: P!!»«»«»,«?,- hii- «»«»i'kntlüeh,:!'«nln-�henel. Zum 141. Male: Die Camorra. Außerdem: Ainat«ir-Konkurrenzreitrn. 50 M. Prämie. Signor Farini, Jöiigleurseene im Easo. Debüt von Shadow Brothers, moderne Gladta- toren. Gigerl-Clvwn Daniels. Sportö- Akt. Polo-Sptele:c. Ia«tthn»«:r6t»'. 4u. Heute Freitag keine Solree. Nächste Borstellung Sonntag, den 1. April. ttoirmsQQs Wir von der Kavallerie. Nach der Soiree: VanzItHtniccheit. Palast-Theater früher Feen-Palast. Sitrgstr. 22. HM- Letzte Woche"ME die io erfolgreichen O Kniist-SpeclalUiUcii.■ Noch nie dagewesen! 1-t dressierte Zielen. Um 8 t/z Uhr: Stürmischer Beifall! Direktor Wilhelm Fröbcl in der Berliner Bolks-Operetic Oos neue Herrin. Anfang 7-/2 Ubr. Billet-Borvcrkanf v. II— I Uhr. Sonnabend: Letzter Familien-Frei- Tanz vor Ostern Zlbfchicds-Vor- ftcllnng des gesamten Specialitäten- Personals. JKsletisnailöu. Täglich: Stettiner Sänger Slnfang: Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Entrce 50 Pfennig. Borverkans 40 Pf. Orts-Krankenkasse der Klempner. Sonntag, den 8. April, vormittags 10 Uhr. Annenstr. 16: 230b Gtueral-VersaNmiung der Vertreter der Kassenmitglieder und Arbeitgeber»»srcr Kasse. TageS-OrdUiiiig: l. Berlefimg der Protokolle. 2. Be- ridtterstattnng des Rechnungs- Aus- schuffes u. Decharge-Erteilung. 3. Wer- schiedencs. Der Vorstand. Ortsülllilkenliilfft der iDiilder u. Tie Pnreauftnnde» von 6 bis 8 Nhr abends können am Sonn- abend, den 51. Mär», noch nicht abgehalten werden. 23/16 14er Vorstand. Uchtunii, Vereine! 1. Lstet'seiet'tllg grchr Taal siir ZW PelMeil frei. EnuliLcher Garten Alexauderstr. 37.[4018L- Cirkus Schumann. Doiinerstag, den 12. Avril: »»widerruflich lebte Vorstellung. Schluft der erste» Saison. Heute. Freitag, den 30. März, abends präcise ll/2 Uhr: Zum 56. Male: Doktor Faust. Eine roiiiantiich-phaiitastiiche Handlung in drei Abteilungen voui Hosballelt- meisler A. Siems. Außerdem; Die mehrfach prämiierten springenden Hunde des Mister Willes. Das Kartenspiel von den Tralchncr Rappbeugstcil. ta halancolr, zwei Rapphcngste. Im Salon, 4 Rapp- Hengste. Sardinla: Nicht der Hahn, sondern das Pferd im Korbe. Vonng Short, engl. BollbliU-Schuipierd und die Bulldogge:c. Sämtl. Original- dreffuren des Direktors N. Schumann. Ein musikal. Entree von 60 Damen. Ferner Austreten der neu engagierten Kunstkräste, sowie sämtlicher Clowns u. Augusts mit ihren neuest. Späßen. Sonntag, den 1. April(vorletzter Sonntag): 2 Borstell. Nachmittags Zt/2 Uhr: Zum letztenmalc: Im Weih- nachtsbazar, abends VVz Uhr: De. Kaust. Nachmittags 1 Kind frei. kslirräcker. 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Dies zeigt mit der Bitte UM stille Teilnahinc tiesbetrübt an Ottilie Fischer geb. Hörnickc. Die Beerdigung sindet Sonntag, den 1. April, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Kirchhofs der St. Nikolai Geuicinde, Prenzlauer Allee 7, ans statt. Dentzeker Melallarbeiier-Verband (Verwaltungsstelle Berlin). TodeS-Anzeige. Am Mittwoch, den 28. März, starb unser langjähriges Mitglied, d. Dreher Villy Fischer. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 1. April, nachm. 4. Uhr, von der Leichenhalle der Nicolai- ti. Marien- Gemeindc, Prenzlauer. Alice 7, anS statt. 112/2 Die Ortsverwaltung. Deutscher Dolzardetter-Verdaud. tVerwaltung Rixdorf.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am 27, März d. I. der Kollege Paul Tscbeusclmer verstorben ist.- Die Bccrdiginig sindet am 31. März, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle d. Neue» Nixdorser Kirchhofs aus statt. Um rege Beteitigimg biltet 87/4 Tie Ortsberwaltung. VettiissocialötmokrMtt iSast- inih-lsMtmrte Kcrlins und linigcgvnd. Am 27. März 1900 starb unser Mitglied, Kollege Albert Mitternacht. Die Beerdigung findet Freitag, den 30. März d. I., nachm. 3>/z Uhr. von der Leichenhalle des Kranlenhauses am Friedrichshain aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/5 Krr Vorstand. Am Mittwoch früh 7', Uhr entichlicf sanft nach kurzem aber schwerem Leiden mein innigstgclicbler Mann, der Werk- fllhrer[2l8b dar! Sebleokmann, im 29. Lebensjahre. Um stille Teiliiaimik bittet Mtnna Schledmann geb. Kupper. Die Beerdigung findet am Sonntag, den I. April, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Städtischen Kranken- Hauses Moabit, Birlenstr. 62/63, aus nach dem Johaimis-Kirchhos mPlötzen- sec statt._ Falbe 44 Elsassepstr. 44 (am Oranienburger Thor). Behandl. aller Haut-, Harn- n. Vtasenteiden ohiieBernfs- störung, okne sobäcki. Mittel u. elfte. Sprechst. 9 mvrg. bis 9 abends, Sonniag n. Donnerstag 9-3. 39708" WF Bei Vorzeigung der » Terbandskartcn 10 Proz. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin.) Vom 2. April ab befindet sich unser Verbands- bureau und Arbeitsnachweis im Gwerllschaftshaus, Engel- Uftr tZ. l!rcw. Telephon: Amt\'I1 Nr. 3358. Sonnabend, den 31. März, bleibt der Arbeitsnachweis Anncnstr. 39 des Umzugs wegen geschlossen. Musikinstrumenten-Arbeiter. Sonntag, den l. April, vormittags 10 Uhr. im Lokale des Herrn»rttäVr(„Sndost"), Waldemarstraste 75: Vennazen- Vevsammlung. Tagesordnung: X. Bericht über die Beendigung des Tischlerstreils Und die Handlungsweise unsrcr Fabrilnntcn während des ZtrcikS. Z. Verschiedenes.— Kollegen, die Tagesordnung erfordert es, daß jeder pünktlich erscheint._ 3ur die ausgesperrten Tischler gingen folgende Beträge ein: Mors V- Lo. 12,—. Tischlerei ttroth mit Budiker. 3. Rate 7,—. Durch Hemze 5,50. Werkstatt Wusterbarth u, Lohn, Alte.�akobstratze 2X,70. vom Kräng X.Oö. A. E. G., Saal 22, Krangüdcrschuß 4,10. Tischlerei Rothermund, l. Bierprozcnte 8,40: 2. Ueberschuß vom Kranz 2.50. lieber. schuß vom Märzkranz von den Drehem der Firnia Petzold u.(5a. 18,45. Ueberschuß»out Kranz von Manasse 3,-. Werkstatt Meyer, Waldemar- straße 7,20 M. Ich., Reichcubergerstraße 5,—. Sl. E. Ä.. Ober-Schöne- weide 69,15. Tittmar l,—. A. 05.©., Brunnenstraße, Ueberschuß vom Märzkranz 9,—. Bon den Arbeitern der„Union",(rlcttricitätS.Gcscllschaft, Äuttenstraßc 255,35. Durch Albert Rüder 3,—. Svohn, Tischlerei, samt- lickc Kollegen außer drei Arbeitswilligen 6.30. Schraubendreher von Lüben u. Busie 19,50.«Äciangvcreiu„Hoiintii!g"-A-ricdrichsbcrg 20,-. S.U. 5,—. Arbeiter- Radfahrer„Wanderer" Trebbin 11,30. Organisierte Buchbinder uub Lederarbeiter in Adlcrshof 4,—. Werkzeugmakchineil-Fabrik Kärger, Kranzüberschuß 3,15. Verband der Graveure für ein Referat des Genossen Dr. Fröiill 6,—. Firma Zpeherer, Kranzüberschuß 14,40. Durch Scholz 50,—. Zahlstelle Brandenburg 200,—. Verband des technischen Bühnen perlonalS 50,—. Tschacher, Rostoiierstraßc 6.05. 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S i tz n n g v o:n Donnerstag, d e n 29. März, n a ch in i t t a g s ö Uhr. In den AnSsckmB zur Vorheratnng der Vorlage wegen Um- gestaltnng und Unipflasternng des Schloßplatzes sind'auch die Siadtvv. Borgmann und Singer deputiert: Vorsitzender ist Sladtv. 5r v l l m a n n. Die Beratung des StadthanShalts-Etats fiir 1900 wird fort- gesetzt. Der Special-Etat der G c m e in d e s ch u l e n. über welchen Stadtv. Bruns namens des Etatsausschusses referiert, war in der vorigen Sitzung nicht erledigt ivorden. Vom Sradlv. Preuß ist in der vorigen Sitzung ein Antrag ein- gebracht worden, mit der definitiven Anstellung der technischen Lehrerinnen schneller vorzugehen, soweit sie voll Mchnstigt sind, d. h. dauernd 21 Stunden wöchentlich erteilen. Stadtschulrat Bertram hält es nicht fiir durchführbar, die definitive Anstellung bei sämtlichen Lehrerinnen schon im Etat für 1909 vorzunebmcii; es müsse schrittweise vorgegangen werden. Sladtv. Wallach: Man kann nur snccessive vorgehen. Von 699 technischen Lchrerinnc» werden nach Annahme des Etats im ganzen 179 angestellt sein. Stadtv. Schwalbe: Schon die Schwierigkeit, fiir die betreffenden Lehrerinnen die volle Stundenzahl zu beschaffen, wirkt dem Antrag Prenß entgegen. Stadtschulrat Bertram: ES sind möglichst wenig neue Damen angenommen, vielmehr ist die Stundenzahl der vorhandenen thunlichst vermehrt worden. Den jetzt angestellten 118 sollen im neuen Etats jähr 57 hinzutreten. Stadtv. P r e« ß: Ich trete dem Antrag Schwalbe bei, schon um damit dem Kollegen Wallach zu beiveiscn. daß ich nicht bloß tendenziös nach außen hin Eindruck mache» will. Der Antrag wird in der Fassung Schwalbe angenommen. Zum Hochbau-Etot, über den ebenfalls Stadtv. B r n n s berichtet, ist ini Ausschuß auf Anfrage erklärt worden, daß die Bau- deputation nach langer Beratung beschlossen hat, in die S n b- Mission shedingunge n die sogenannte Streikklausel nicht aufzunehmen. Ohne jede Debatte wird dieser mit 8 Millionen dotierte Etat festgesetzt. Der Etat der Straßenbelenchtnng hat keine Bc- anstandnng erfahren. Zum Etat der S t r a ß e n r e i n i g u n g und Bcsprengnng schlägt der Ausschuß vor. in einer Resolution den Magistrat zu ersuchen, die Lohnsätze für die aushilfsweise beschäftigten Arbeiter(jetzt 2.25 M.) angemessen zu erhöhen. Vom Referenten Stadtv. Wallach wird bei dieser Gelegenheit mitgeteilt, daß die Zahl der umgefahrenen Kandelaber und Laternen im Jahre 1897/98 297 bezw. 621, 1898/99 281 beztv. 662. 1899/1999 353 bezw. 695 betragen hat. Die Resolution des Etatsausschnsses wird angenommen, die beiden Etats gelangen ohne Debatte nach den Ausschnßanträgen zur Feststellung, nachdem Stadtv. M i ch e I e t darauf hingewiesen hat, daß die städtischen Straßenlaternen vielfach geradezu von Schnintz starren, und eine gründliche Abspülimg empfohlen hat. Am Specialctat„Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" sind vom Ausschuß eine Reihe von Abänderungen vorgcüoninie» worden. Zunächst soll der Magistrat ersucht werden, die Diäten des zweiten ivissenschaftlichen Hilfsarbeiters beim städtischen statistischen >lnrt von 2169 auf 2799 M. zu erhöhen. Die EtatSansätze für daS Statistische Amt, für das Märkische Proviiizialiniiscuin, für das Gc- werbcgericht, die VolkSbibliotbckcn und Lesehallen werden zur im- veränderten Genehmigung empfohlen. Bei der Eiimahmeposition„Ab- gäbe von der Großen Berliner Straßenbahn" ist allseitig lebhafte Klage über den Mangel an Entgegenkomincn seitens derselben gc- führt und der dringende Wunsch ausgesprochen worden, daß nian deHufs Aufhebung des Vertrags zur Klage schreiten möge.— Die vorjährige, vom Magistrat bisher unberücksichtigt gelassene R e s o l u t i o n. behufs Einstellung eines Betrages von 5999 M. zur Verfügung des Stadtvervrdnetcn-Vorstchers eine Vorlage zu machen. soll erneuert werden. Von den„Beiträgen und Geschenken an Vereine und Institute" hat der Ansschuß'g e st r i ch c n: 1999 M. Beitrag an den Berliner Hausfrancnverein(zur Prämiicrnng von Dienstboten), die geforderte Erhöhung des Zuschusses für die„Freiwillig- Sanitätskolonne Berlin" von 509 auf 1999 M. I 1299 M. Extra beihilfe für das Magdaleiicnftift zu Berlin; 1509 M. Beihilfe für den Verein für Kindcrvolksküchcn(iveil man nicht ein Jiislitnt unter stützen wolle, das geeignet sei. den Fainilicnznsmiiinenhaiig immer mehr zu zerreißen). Dagegen soll der Magistrat um Erhöhung der Beihilscn an die Hmnboldt-Akadcniie von 1590 auf 2999 M., an den Verein„Kinderhort" von 6999 auf 8999 M. ersucht werden. Stadtv. T i n s e spricht über die Thätigkeit des Gewerbe- gerichts insbesondere in seiner Eigenschaft als EinignngSaint. wie sie sich noch in den letzte» Tagen so ersprießlich bewährt habe, feine Anerkennung und den darin beschäftigten Beamten und den Vertretern der Arbeitgeber und Arbeiter seinen Dank aus. tBeifall.) Stadtv. B r u n s: Ich habe dem Dank nichts hinzuzufügen, muß aber doch darauf hinweisen, daß gerade meine Freunde es gewesen sind, welche jahrelang um diese Einrichtmig hier gekämpft haben, bevor die Reichsgcsetzgebnng dazu die Handhabe bot. Wir haben damals vorausgesetzt, daß sie segensreich fiir beide Teile wirken würde. (Beifall.) Stadtv. Sachs: Auf die Worte dieses Dankes haben wir uns alle vereinigt. Es war nicht notwendig, daß bei dieser Gelegenheit noch jemand für sich Privatgeschäfte machen tvollte. Ich möchte der Legendenbildlmg cntgegciilreten, daß wir lediglich der Socialdemo- lratie diese Cinrichtnng verdanken. Stadtv. Singer: Die Vermutung des Vorredners erinnert mich an das Sprichwort: Es sucht niemand einen andren hinter der Thür, hinter der er nicht selbst gesessen. iSchr gut I) Herr Sachs ist im Jrrtnnr. Es ist zuerst von nnirer Seite der Antrag gestellt worden, ein Ge- Werbegericht einzurichten. Dieser Antrag ist, wenn ich mich nicht sehr irre, einmal abgelehnt worden, dann ist er wiederholt und es sind Berhandlnngen eingeleitet ivorden; aber die Sache wurde so lange verzögert, bis das Reichsgesetz kam, und dann erst ist die Sache gemacht ivorden. Was die Thätigkeit der Herren am Gewcrbegcricht anlangt, so ist es zweifellos richtig, daß man diese teils freiwillige, teils amtliche sehr arbeitsreiche Thätigkeit anerkennen muß. Aber ans dem allgemeinen Tank darf nicht gc- schlössen werden, daß die Entscheidungen absolut und ohne jede Aus- nähme gebilligt werden können. Eine Reihe principieller Fragen ist gerade seitens des Berliner Gerichts in einem Sinne entschieden worden, mit dem andre Gerichte nicht übercinstiminen, und es sind das gerade priucipielle Fragen, wo einheitliche Entscheidungen besonders erwünscht gewesen wären. Auch ich wünsche, daß das Gewerbcgericht weiter� so arbeiten möge, daß an dieser Stätte unparteiisch die beiderseitigen Jnterrsscn wahrgenommen werden, und ich danke auch deni Vorsitzenden des Gerichts dafür, daß es ihm mit dieser Wahr- nchmung ernst ist. Das ist um so erfreulicher, als es heutzutage nur von sehr wenigen Seiten geschieht. Stadtv. B o r g m a n n: Es gicbt in der städtischen Verwaltung eine Reihe von Forderungen, welche wir niit Nachdruck jahrelang verfochten haben, ohne dabei auf Verständnis in der Bersanimlnng zu stoßen. Ich erinnere nur an die Sonntagsruhe, an die Ans- dehnung der Krankenversicherung aus die Hausindustrie(Sehr richtig!)— erst durch neue gesetzliche Bestimmungen muß sich die große Stadtgemcinde Berlin hierzu zwingen lassen.(Vorsteher Langerhans: Wir sind beim Gewerbcgericht!> Herr Vorsteher, beim Gewcrbegerickt war es ja seiner Zeit genau so(Heiterkeit); Stadtrat Hübner hat damals diese Forderung bekämpft. Heute müssen Sie diese Einrichtung in dieser glanzvollen Weise anerkenneu! (Beifall.) Stadtv. R o s e n o w spricht sein Erstaunen darüber aus, daß der Magistrat auf die Resolution betreffend die 5999 M. zur Verfügung des Vorstehers nicht einmal eine Antlvort übrig gehabt hat. Es sei doch notwendig, dem ersten Bürger von Berlin eine Summe zur freien Disposition zu stellen, zumal der Ober- bürgcrmcistcr über einen Fonds von 19 999 M. frei verfüge. Die Resolution tvird mit großer Mehrheit abermals beschlossen. Auch die übrigen Anträge des �''"ff es werden von der V-"'lo"'mlnng zum Beschluß erhoben. Nur bezüglich der Subvention des Kinder-VolksküchenvereiuS erhebt sich eine Debatte, da Stadtv. Karl G o l d s ch in i d t die Bewilligung der 1599 M. beantragt, indem er ausführt, daß durch die Speisung der betr. Kinder der Familienzusammenhang nicht erst zerrissen werde, da er in den Fällen längst durch die krasseste Not zerrissen sei. Stadiv. D i n s e empfiehlt auch den Antrag Goldschmidt und bittet, sich nicht etwa von Antipathie gegen die Persönlichkeit des Vorsitzenden des Vereins bestimmen zn lassen.(Znrnfe: Taktlos!) Nachdem noch Stadtv. H. Sachs für den Antrag eingetreten. bcschlicßr die Bersammlimg mit großer Mehrheit, den Autrag von 1599 M. zur Subvention des Vereins zu bewilligen. Stadtv. Bruns: Auf unsre Beschwerde über die Straßenbahn- Gesellschaft haben wir im Ausschuß keine Antwort erhalten und müssen deshalb jetzt darauf znrnckkounnen. Die Wartcränme für das Publikum an den Endpunkten der einzeliicii Linien sind noch immer nicht zu entdecken; die Heizung der Wagen ist nur imvollkoinincii durchgeführt. So wenig ivie in diesem Punkte wird der Vertrag mit der Stadt innegehalten im Punkte der Bc- schäftigungszcit der Angestellten, der Vcrbesscrimg der Fahrpläne zc. Der sogenannte variable Fahrplan, der jetzt eingeführt ist. ist that- sächlich eine Benachteiligung des Pnbliknnis. da die Gesellschaft jetzt ganz nach Belieben Wagen gehen oder ausfallen läßt. Nach Erfor- dermis sollen Arbcitcrfrühwagcii eingelegt tverden; die vorhandeneii tragen keineswegs auch nur dem dringendsten Bedürfnis Rechnung. Sehr häufig sind Arbeiter, die nickt mit dem Frühwagcn initkoinmcii konnten, gezwungen, den nächsten Wagen zu benutzen und dafür ihre lebten Groschen binzngebeii, die für das Mittagbrot bcstiinnil waren. (Ah! ah!) 6 Monate nach Abschluß des Vertrags sollte die PciifionS- fasse eingerichtet werden; sie ist noch heute nicht eingerichtet. Stadtv. I a c o b i: Sämtliche angeführten Punkte sind Gegen- stand der Beratung in der Vcrkehrs-Depntation gewesen, lleber die Zweckmäßigkeit von Wartcrcunneii im allgemeinen ist man sich noch nicht klar. Bei den Acenmulatoreiiwagen ist Heizen über- Haupt nicht möglich: die Motorwagen sind mit Heizanlagen versehen. Mit dem Zchiistnndeiitag beschäftigt sich die Deputation ununterbrochen; es läßt sich nicht jeden Tag mit der Minute ab- schneiden, lieber die PensionSkaffe sind wir auch einig bis ans zwei Punkte. Die Direktion ist der Mcinimg. daß mir sie darüber zu bestimmen hat. wer penfionsbcrechtigt ist.(Hört! hört!) Wir be- finden uns noch immer in der Betricbsnmwandlmig. Stadtv. R o s c ii o>v: Die VerkehrSdcpntation hat ihre Schuldig- kcit gcthan. die brauchte Herr Jacobi nicht damit zu verteidigen, daß er eine Lobrede auf die Straßenbahn-Gesellschast hielt. lStadtv. Jacobi: Das ist ja nicinc Sache!) Alle Klagen des Kollegen Bruns entsprechen genau den Thatsachen. Die Fahrpläne reicht die Gesellschaft uns erst ein, wenn nnsre Niickärißcrung zu spät koinmcn muß. Oberbürgermeister Kirschner: Infolge der Preßniitteilnngen über die Etats-Ansschußverhandlungen ist ein Mitglied der Direktion der Straßenbahn-Gesellschaft persönlich bei mir gewesen, um Gcgenvor- stellniigen zu machen. Es sind wesentlich dieselben Dinge vorgetragen worden, welche heute Herr Jacobi vorgetragen hat.'(Hört! hört!) DaS Ersuchen, die schriftlich aufgesetzten Gegenvorstellimgen auch der .Berfammlimg zn überreichen, habe ich abgelehnt. Die Bchauptmig, daß die Dircklion bloß einen Jngeniciir für den elektrischen Betrieb habe, wird mit der Erklärung widerlegt, daß 1 Oberingcniciir und 5 Ingenieure lediglich für diesen Betrieb angestellt sind. Soweit überhaupt die gegenwärtige Technik es möglich mache, sei alles geschehen, nm den Betrieb auch bei Wetterstörungen aufrecht zu erhalten: bei andren Betrieben, wie dem Charlottenburger, sei die Möglichkeit gegeben, die Accntmilatore» an den Endstationen voll- ständig zu füllen, während in Berlin die Acciunulatorcn nur von der Oberleitung aus während des Betriebs gefüllt werden können. Dieses System habe sich nicht bewährt. Außerdem ist auf das Ucber- gangs- und UmwaiidlNNgSstadium hingewicscn worden. Im wesent- iichcn soll schon im Laufe dcS Jahres 1992 der elektrische Betrieb durchgeführt sein, und dann werde man auch in Sachen der Wagen- folge sich entgegenkommender verhalten. Bei einem so großartigen Unternehmen werden ja auch solche Dinge unterlaufen, der Betrieb bleibt aber im allgemeinen doch wohl nicht hinter dein andrer Städte zurück.(Lebhafter Widerspruch.) Die Möglichkeit einer Kündigung des Vertrags ans diesen Anlässen kann wohl nicht ernsthaft diskutiert werden.(Beifall.) Stadtv. Singer: Die Vcrkehrsdcpntation kann der Versamm- lung mir dankbar dafür sein, daß diese Dinge hier zur Sprache gebracht werden. Herr Jacobi kann nicht als Ver- tretcr der Deputation aiigeschen werden; er hatte kein Mandat, Angriffe ans die Straßcnbahiigcscllschaft zurückzuweisen, weil gerade dort von vielen Seiten die entgegengesetzte Meinung kundgegeben worden ist. Daß der Oberbürgermeister in seiner Urbanen Weise calmieren will, begreife ich wohl; aber diese Taktik ist hier nicht ganz richtig, wo doch auch er wünscht, daß den Beschwerden abgeholfen werden soll. Wir haben es bei der Straßenbahn mit dem eingewurzelten Uebcl der Rücksichts- losigkeit gegen das Pnblikimi zu thnn; die Gesellschaft ist jahrzchntc- lang verwöhnt ivorden. Sie erfüllt jetzt thatsächlich nicht den Ver- trag, wie er erfüllt werden muß. Hätte man die Art, wie die Gesell- schaft ihn erfüllen würde, vorausgesehen, man hätte den Vertrag ganz anders abgefaßt. Die Verhandlungen über die PcnsionS- lasse schweben schon seit Jahren,' teils schriftlich, teils kommissarisch. ES sind nur noch zwei Differenzpmikte übrig- geblieben; hätte die Gesellschaft gewollt, sie wären längst beseitigt. Dasselbe gilt von der Dienstzeit für die Wagenführer.IIDie Jntcr- pretation, daß es sich bei dem Zchnftundcntag mir»m einen Durch- schnittssatz handelt, ist völlig willkürlich. Es ist auch nicht loyal, wenn die Gesellschaft in diesem bitterkalten Winter als Frühwagen die großen Deck- wagen schickte, wo die Arbeiter gezwungen waren, auch oben Platz zu nehmen, wenn sie überhaupt mitkommen wollten. Auch dem Polizeiprä- sidium gegenüber sind wir mit der Gesellschaft sehr unglücklich daran; wir haben kein Gcnchmigungsrecht für den Fahrplan. Wartehallen sind schon deshalb notwendig, damit die Leute der Gesellschaft ihr Mittag- essen in geschlossenem Raum einnehuren können, im Wagen zu essen ist ihnen ja verboten.(Hört! hört!) Die Gesellschaft verdient Millionen und müßte doch auch in dicscin Punkte für Abhilfe sorgen. Die Betriebsstör, ingeii dieses Winter« legen von einer mangcl- haften Organisation der Gesellschaft Zeugnis ab. Nicht bloß im Material, auch im Personal legt sich die Gesellschaft eine unbcgreif- liche Beschränkung auf. Angeblich hatte sie keine Leute bekommen zur Straßenreiniguug. Natürlich, fiir 2 Mark bei solchem Wetter kriegt man auch keine. /Sehr richtig!) Den Wagenführern ist' auch gar keine Zeit gelaffen worden. die Acciimulatoren wieder richtig zu laden. Die Straßenbahn- Verhältnisse in Hamburg sind viel besser als die hiesigen.(Zuruf; Oberleitung I) — Ja, ich ziehe auch die Oberleitung vor, aber die Gesellschaft hat sich doch verpflichtet, mit Acciimulatoren den Betrieb aufrecht zu erhalten. Daß der Oberbürgermeister abgelehnt hat, das Recht- fertigungSschrciben der Versammlung zugehen zu lassen, kann ich nur anerkennen. Stadtv. Schwalbe steht ans dem Standpunkt des Ober- Bürgermeisters und tadelt nur. daß in Sachen der Pensionskasse noch kein Abschluß erfolgt ist. Der gesamte Etat„Verschiedene Einnahmen und Ausgaben" wird genehmigt, deSgl. ohne Debatte der Etat der Kapital» und Schulden ver Ivaltung. Im Pcrsonal-Bcsolduugö-Etat, der an den Ausschuß zurück- veriviejcn war, soll die Gchnltsskala der Magistrats-Bnreau- Assistenten um zwei weitere Stufen, 3799 und 3999 M. nach 21 bez. 27 Jahren vermehrt werden; ferner hat der Magistrat be- antragt, den Fonds von 3999 M. zur„Belohnung für anßcrordent- liche Leistungen der BureauhilfSarbeiter" auf 19 999 M. zu erhöhen. Der Ausschuß hat diesen Vorschlägen zugestimmt. Zu dem letzteren Punkte befürwortet Stadtv. K u r t U l r ich (Antisemit) einen Antrag, statt„Belohnung" usw. zu sagen„Gratifi- kationcn". Redner bespricht die Lage der Hilfsarbeiter und erklärt das Verhalten des Magistrats ihnen gegenüber, ivie schon die vielen teuren Prozesse bewiesen, für einen der wundesten Punkte der Ver- waltnng.... Der Antrag wird vom O b e r b ü r g e r m e i st e r bekämpft und von der Versammlung abgelehnt. Die Aiivschnßaiiträge werden angenommen. Im Anschluß an das VertranenSvotuin für das Berliner Gcwerbegcricht regt Stadtv. Nathan auch ein solches für den Vorstand der Laiides-Bcrstchcrnngsairstalt Berlin an und fragt, ob es nicht inzwischen möglich geworden ist, den Herren eine unab- hängigcrc Stellung als bisher zu geben. Oberbürgermeister K i r s ch n e r hat eine Lösung dieser Frage noch nicht entdecken können. Stadtv. Nathan giebt anhcim, sie eventuell zu Stadträten zu machen.(Heiterkeit.)..... Beim Etat der Gasanstalten ist die Frage des Einheitspreises fiir Koch- und Leuchtgas im Ausschuß Gegcustaud ausführlicher Er- örtcruugen gewesen, die mit der Aunahmo einer Resolution (mit 8 gegen 7 Stiinmcn) geendet haben, wonach die Versammlung nm die Einführung des Einheitspreises v o n 1 2 P f. zum 1. April 1991 ersucht und die Hebers ch ii s s e der Gas- werke von 1899 und 1999 für den dadurch cvcutucll ciitstchendcn Einiiahmeansfall zu reservieren vorschlägt. Am Etat der Gas- werke selbst und dem der öffentliche» Pelroleimibeleuchtung ist nichts geändert. Die Resoliition wird ohne Diskussion mit großer Mehrheit von der Versammlung zum Beschluß erhoben, der Etat genehmigt. Zum Etat für den Straffen- und Briickrnban liegt eine R e- s o I n r i o ii des Ausschusses vor, den Magistrat zu ersuchen, ans die Vermehrung der Bedürfnisanstalten, namentlich für Frauen, Bedacht zu nehmen. Diese Resolution gelangt ahnc Debatte zur Annahme. Vom Stadtv. Mancg'old wird beantragt, die säintlicheu noch mit Wasserspülung versehenen Bedürfnisanstalten in solche mit Oel- Verschluß zu verwandeln und den Betrag von ca. 19 999 M. in den Etat einzustellen. Stadlrat Voigt hält die Tiirchsnhrung der Umwandlung von 399 Ständen in eine m Jahr für unmöglich; die Berwaltmig brauche 2 Jahr dazu. Der Antrag wird angenommen; der Ticfbauetat gelangt im übrigen»ach den Ausschnßanträgc» zur Fcststclliuig. Die ca. 19 999 M.. welche an dem Sladlhaushalts-Etat im ganzen abgestrichen sind, sollen bei der U m s a tz st e u e r abgesetzt tverden. Im übrigen hat der Ausschuß an den Etats der Steuer« vcrivaltimg. Gemeindegrnndstcncr, Gewerbesteuer, Betriebsstener, Gemeinde-Einkommensteuer, Hnndcstcuer, Bramnalzstener- Zuschlag imd Wandcrlngcrstencr nichts geändert. Die G e in e i n d e- G r n n d- steuer wird für 1990 5.8Proz. des Nutzerlrags der stencrpflichtigen Grimdstiicke, die Gewerbe st euer 159 Proz., die Gemeinde- Einkorn m e n st e u e r 100 Proz. des Normalsolls betragen. Die unterste Stcuerstnfc(420—660 M. Einkommc») bleibt mierhoben. Der Etat für 1999 balanciert mit 197 238193 M. Er >v i r d mit dieser S u m m e definitiv f e st g e st e l I t. Aus. Antrag Singer werden die übrigen Bcratnngsgegeilstände von der heutigen Sitzung abgesetzt, damit noch in geheimer Sitzung über die Bürgermeisterfrage verhandelt werden kann. Morgen außerordentliche Sitzung. Schluß nach 9 Uhr._ ToltÄiIe-s. Ein Veteran. Unser Parteigenosse Theodor Metz» er begeht heute, den 30. März, scincn siebzigsten Geburtstag. Ein solches Alter wird dem Proletarier im harten Kampf selten zu teil. Der 79. Geburtstag ist wenigstens in der Stadtbevölkerung mit geringen Ausnahmen auch ein öiescrvatrccht der Bourgeoisie; imd wenn Mctziicr diesen Tag doch erreicht hat, so ist es wahrlich nicht dem Maugel au Sorge und Mühe» zuzuschreiben. Metzner ist Berliner und ein rechtes ProlctarierkiuL; bou früher Jugend au lastete der Armut Bürde fchivcr auf ihm. Als Schüler der katholischen Volksschule hatte er den Unterricht mit der Arbeit in der Fabrik zu teilen, in die ihn die Not der Eltern schon im zwölften Lebensjahre hineinstieß. Dann erlernte Mctzncr fünf Jahr lang das Schnhmncher-Handivcrk, ging sechs ivcitcre Jahre auf die Wander- schaft und wurde dann in Berlin Altgeselle. Mitte der sechziger Jahre machte Metzner sich selbständig. Oder er versuchte es wenigstens. Demi kaum hatte er sein bescheidenes Geschäft eröffnet, als 1866 der deutsche Bruderkrieg ausbrach. Mit dem Traum, ein selbständiger Geschäftsinami zu werden, war es vorbei. Mctzucr mußte auf den Schlachtfeldern Böhmens kämpfen und ebenso 1879 in Frankreich. Jiizivischen hatte die von Lassalle angefachte Arbcitcrbclvcgnng ihre ersten lebhaften Feuerwellen auch über Berlin ausgebreitet. Mctzner schloß sich der Lassallcanischcn Partei an, trat aber 1369 zur Eisenachcr Partei über und leitete bis zn der im Jahre 1875 zu Gotha erfolgten Einigung der beiden Richtungen deren hiesige Mitgliedschaft als Bevollmächtigter, um dann weiter, wo eS nur anging, für die Befreiung des geeinten Prolc- tariatS zu wirke». Was er unter dem Socialistengcsetz und in den neunziger Jahren für die Socialdemokratie gcthan. ist zu bc- kannt, als daß es im einzelnen aufgeführt zu werden brauchte. Mehner war Mitglied der Stadtverordncten-Versammlnng, kandidierte u. a. im Wahlkreis Lelms mehrfach zum Reichstag und tvurde zuletzt noch vor einigen Monaten als Kandidat zur Berliner Stadt- verordnetenwahl aufgestellt. Auch übertrugen die Parteitage ihm mehrfach das Ehrenamt eines Controleiirs. Daß Mehner im aufopfermigsvollen Dienst der Partei Proletarier blieb, versteht sich am Rande. Die Sorge umS tägliche Brot war sein steter Begleiter, und mühselig kämpft er auch jetzt ums Dasein. wo das Alter ihn gezwungen hat, das Handwerk an den Nagel zu hängen und sich durch den Betrieb einer kleinen Gastwirtschaft zu ernähren. Nichtsdestoweniger steht Mehner im Kampfe auch heute scincn Mann wie in jüngeren Tagen, und wenn wir ihm hier im Namen der Berliner Parteigenosse» unsre» Glückwunsch darbringen, so thnn wir das in der Erwartung, daß er auch als Veteran noch eine statt- liche Reihe von Jahren zum Wohle der Partei kriegsbereit auf dem Posten bleibe. Seines Rates, seiner Erfahrung bedürfen wir noch lange! AnS der Stadtverordnetcn-Verfammluug. Bei der zweiten Beratung des StadthauShalts-EtatS für 1999, die in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten fort- gesetzt und nr flottem Tempo zu Ende geführt wurde, kam es zu einer interessante» Debatte über die Sünden der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft. Die Sache hmibc angeschnitten durch unsren Genossen Bruns, der ans die skandalösen R ü ck s i ch t o l o s i g k e i t e n der Gesellschaft gegen das Publikum wie gegen die An- gestellten hinwies und den Atagistrat aufforderte, die Slraffeiibahu-Geseltschasi zur besseren Erfüllung des zwischen ihr und der Sladtgemeinde geschlossenen Vertrags anzuhaltein Der Stadt- ticrordncie Jacobi gab sich den Anschein, als erblicke er in Bruns Ausführungen einen Bortvurf gegen die Verkchrsdcputation und wolle diese dagegen in Schutz nehmen. Die Verteidigungsrede, die er dabei für die Straffcnbahn-Gcsellschaft hielt, reiht sich würdig dem un, was dieser Herr in der Stadtvcrordnctcn-Vcrsammlung ivicdcrholt bei ähnlichen Gelegenheiten in der Verteidigung kapitalistischer I n t e r e s s e n geleistet hat. Bemerkenswert war die bom Ober- Frau A. Müller durch Explosion einer L a in p e ein Brand ans, der leicht uerhängniSvolle Folgen nach sich ziehen konnte. Die alte Dame ivar gerade im Begriff, den Laden zu schliefen, als die Erplosion erfolgte. Anstatt, nun Lärm zu schlagen, eilte sie topflos nach der angrenzenden Wohnstube, vergast aber die Vcrbindlingsthür zu schließen, so daß die Flammen, die sofort die Warenbestände ersaßt hatten, nach der Stube über- sprangen. In ihrer Angst lief die Frau»ach dein Hausflur, ohne aber auch hier die Thür zuzuwerfen. Ter dadurch entstandene Luft- ziig fachte nicht nur die Flammen heftig an, sondern binnen wenigen Minuten Ivar auch das Treppenhaus in dichten Qualm gehüllt. Die Bewohner der beiden oberen Stockwerke lagen __________..._________ schon im Schlafe, als sie jetzt aufgeschreckt wurden, und sich, biirgetmeister Llirschuer abgegebene Erklärung, das; die Direktion der fast unbekleidet, zur Flucht anschickten. Die Frau des im Gesellschaft ihm gegenüber die Beschlvcrdcu zu widerlegen versucht, ersten Stock wohnende» Eigentümers Paleit verfiel vor Schreck im übrigen aber Acuderung versprochen habe. Es ist zu in Ohnmacht, tonnte aber von ihren Angehörigen noch in Sicher- wünschen, daß sie dieses Versprechen auch wirklich hält. Die gestrige heit gebracht werden. Als der erste Löschzug anrückte, standen Erörterung der Angelegenheit wird sie in diesem Vorsätze, lvcnn er bei«idcn und Wohnung in hellen Flaimncn und laute Hilferufe ihr überhaupt ernsthaft bestehen sollte, vielleicht etwas bestärken. Sie drangen aus der Maiisardemvohmmg, wo eine Frau Pfeifer mit möge aus den Verhandlungen entnehmen, das; es ihr auch in Zu- zwei kleinen Kindern der Rettung harrte. Brandmeister Bliesencr kluift, so groß die Zahl ihrer� Freunde im Magistrat und in der liest mehrere Löschmannschaften über die verqualmten Treppen vor- dringen, um den Bedrohten Hilfe zu bringen. Ein Ober-Feuermanu imd ein Feuermann stürmten mit je einem Kinde die Treppe herab, während zwei andre die dem Uinsinken nahe Mutter ins Freie führten. Wenige Minuten später, und alle drei wären erstickt. Die vom Feuer ergriffenen Räume brannten total aus. Ter enlstandcue Schaden ist durch Versicherung gedeckt. Das P olizc i präsid i um teilt mit: Am 2l!. d. M., nachmittags Uhr, ist vor dem Hanse Gartcustr. ein nnbekanter Arbeits- kutsche r infolge eines Zusannncnstostes mit einem elektrischen Strastenbahmvagen von seinem Wagen geschleudert worden, wobei derselbe schwere Verletzungen davongetragen hat. Der Unbckaimte ist auf dem Wege nach dein Lazarus- Krankcnhause verstorben und konnten somit seine Personalien nicht festgestellt werden. Ter Un bekannte wird wie folgt beschrieben: 35—45 Jahre all, 1,70 Meter groß, Haare blond, blonder Schnurrbart. Bekleidung: dunkler lieber- zieher, dunkle Hosen. Trikothenid, graues Halstuch und Mütze. Rccoguosccnten können sich bei der Kriminalpolizei Zimmer 332 ll oder im Leichenschanhanse melden. Stadtverordneten-Vcrsamnillnig ist, dennoch nicht nngcrügt hingehen wird, wenn sie ihr finanzielles Interesse über das. Interesse der Bcr- liner Bevölkerung stellt und die notweiidige Rücksicht auf da» Wohl ihrer Angestellten der Rücksicht ans den Profit opfert. Die Lstcrfcrien sind für die Berliner Schulen in diesem Fahre sehr ungleich angeordnet ivordcn. Tie Gemeindeschulen schließen das Winterhalbjahr am 31. März. Sic beginnen die Osterfericn am 1. April. � unterbrechen sie jedoch nach einer knappen halben Woche und eröffnen am 4. April das Somuicrhalbjahr. Am 4. April schließen aber die höheren Lehranstalten erst das Winterhalbjahr, um am 5. April ihre Osterferien zu beginnen. Die Gcmeindcschulcn brechen sodann am 10. April den kaum begoiineuen Unterricht wieder ab und bekommen nun den zweiten Teil ihrer Osterferien. Der .schlust der Ferien und die Wiederaufnahme des Unterrichts erfolgen � dagegen für alle Schulen gleichmäßig am 19. April. Die Gemeinde- l schulen sind zu dieser Teilung ihrer Osterferien deshalb genötigt,>•' weil für sie nicht bloß das Osterfest in Betracht kommt, das'dicsnial ziemlich spät fällt, sondern ebenso auch der 1. April, der al eiu Hauptumzugstag und zugleich als Tag deS Eintritts der schulcntlasseucn Kinder in Lehre und Dienst Berücksichtigung fordert. Eine Berminderniig der Bevölkerungszahl Berlins ist im Monat März eingetreten. Fn der 10. März er. Dagegen pflegt der April mit seinem massenhaften Znznge eine nni so stärkere Vermehrung der BevöltenuigSzahl herbeizuführen Die Volks Kaffer- und Speisehallcn-Gcsellschaft veröffeiit-,.........„... licht soeben ihren Geschäftsbericht für 1899. wonach neben genügenden""d.oerwandtc wewerbc hm cn.en n-uu. ModAlicr-Kurms ,ur Lnnftichnncde. Abschreibungen an t!io �i. l ö°n»«r. Bildhauer. Gürtler, Effeleure, Graveure uiw.eronnet. Tie unentgeltliche Behandlung von Ohren-. Nasen- und.yals- kranken findet jetzt in der Ohren- Nasen- und Ha!S-Klinik, Berlin, Karl- straße 32, nicht nur wie bisher wochentäglich von 9—11 Uhr früh, sondern auch Sonntags von 11—12 Uhr statt. Die S. Berliner Tischlerschule- und der 6. Ciiidtische Gewervesaas, Reichcnbcrgersir. 131432, für den Süden und Südosten uusrer Stadt, de- ginnen a»i I. April das Soimner-Scmestcr. Beide Ansialtcu haben einen erfreulichen Forigang zu verzeichnen, da die Besucherzahl a»S ttcmeil Anfänge» heraus auf 599 gestiegen ist. In der Tischlerkchulc wird außer Fach-, Ornament- und Projektionszcichnen auch neuerdings im Jiitarsteiifchncideu unterrichtet. Ter Gewerbefaal für Mechaniker, Mafchincndauer, Schlöffe r»?v Viuulyen skiicheu zu o Pf., 1oJ.j 5— TVa Pf., 80 907 Ponioneu Mittagessen zu 30 Mittagessen zu 20 Pf.. 07 350 Portionci 277853 Portionen Abendessen zu 10—30 Pf. an die Anteilschein-Jnhaber die statutenniäßig höchst zulässige Dividende von 4 Prozent zur Verteilung gelangt. Der Ilmsatz war größer wie ff» Vorjahre und wurde» z. B. verkauft: 017 393 Tassen Kaffee mit Milch und Zucker zu 5 Pf., 222 244 Tassen Kakao zu 5 Pf.. 20 390 Tassen Milch zu 5 Pf.. 12 483 Gläser Butter- milch zu 5 Pf.. 19 402 Seidel Bier 0.4 Liter zu 10 Pf.. 192 834 Seidel Bier 0,2 Liter zu 5 Pf.. 940t Gläser Äpfekwei» zu 5 Ps., 120113 Schrippen zu 21 2 Pf., 232 202 gestrichene Schrippen und Stullen zu 5 Pf., 142 325 belegte Stullcu zu 10 Pf. 341 680 Stückchen Kuchen zu 5 Pf., 135 395 gekochte Eier zu 30 Pf., 325 302 Portionen Portionen Suppe zu S Pf., zu 10—30 Pf. Der RalhauSturm kann am 5. April ab wieder bestiegen werden. Die Besteigung ist täglich von 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes voii 20 Pf. fiir jede Person gestattet. Eintrittskarten, nur für den Tag der Lösung gültig, sind bei dem Pförtner am Nathansportal in der Kviügftraste zu haben. In eine„»angenehme Lage ist die Pakctfahrt Gesellschaft durch daS Eingehen der Privatpostabteikmig gerate». Die hiesigen Geschäftsleute haben noch die Gelegenheit des billigen Portos benutzt, um Preisverzeichnisse, Reklameanpreisungen usw. in großen Mengen zu verschicken. Infolgedessen habe» sich in den Bureaus der Pokclfahrt-Gesellschaft eine derartige Menge Sendungen angehäuft, daß die Beförderung derselben ins Stocken geraten ist. Die Lage für die Paketfahrt-Gesellschaft ist umso unangenehmer, als sie am 1. April die im März eingelieferten Sachen nicht mehr befördern darf. Unter diesen klmstäilden wurde bereits Mittwochnachmutag die Annahme von Geldanweisungen inhibiert, außerdem sind die Angestellten angewiesen wordc». Briefe in größeren Mengen nicht mehr anzunehmen. Die Bureaus der Gesellschaft haben schon gestern den Verkauf von Wertzeichen einstellen müssen. Tie näheren Bestimiunngen über die FrühjahrS-Koutroll- versammlnugcn im Bereich des Laudivehrbczirks 1 Berlin werden am 7. und 16. April an den Anschlagsäulen öffentlich bekannt ge- macht werden. Tie Bckaiuitniachnng für die FriihjahrS-5koiitrollvcrsam«- lnngcu beim Landwehr-Bezirkskommando 1 Berlin ivird an den Anschlagsäulen am 7. und 10. April erfolgen. Eine auch in Berlin bekannte Persönlichkeit, der Dresdener Apfellveiiifabrikant Karl Otto Petsch. genannt der„Acppcl- Petsch", hat sich, wie berichtet Ivird, im Dresdener städtischen Sicchcuhause das Leben genommen. Er hatte ein vielbcwcgtcs Leben hinter sich. tiillbildbaiier werden hier ernw im Anträgen unterrichtet.— Amncldungeu zu beide» Anstalten finden alttäglich abends 7l/z1Ihr und Sonntags von 9 Uhr vormittags an im Amtsziunncr der 151. Genieindcschnle durch den Rektor Schiineniann statt. Taubstinnmc Kinder unter sechs Fahren finden Aufnahme in einer besonders siir sie eingerichteten unterstell Klasse der städtischen Tanbstllmmcnschnle, Marlnsstr. 49. Die Kinder ivcrdcii hier in täglich 3 Slniiden durch Spiel:c. anregend beschäftigt und für den eigentlichen Klassenuntcrricht vorbereitet. In Verbindung mit Vor- Übungen fürs Sprechen werden noch vorhandene Hör- imd Sprachreste gepflegt und geübt. Anmeldungen sind zu machen bei Direktor Gutzmami, Markusstr. 49. Fcuerbcricht. Ein größerer Dachstuhlbrand alarmierte DonncrStagmittag mehrere Löschzüge nach Wrangelstraße 12. Zwei Rohre gaben längere Zeit Wasser, doch wurde ein erheblicher Teil des Dachstiihls eingeäschert. Kurz vprher cutstand S w i n c- in ü n d e r st r a ß e 97 iii einem Thcegcschäst ein kleines Sckiadcn- fener, das ohne Beihilfe der Wehr erstickt werden konnte. M ü n z- st r a ß e 20 hatte Verpackungsmaterial Feuer gefangen. Masken- garderobc» gingcil Kottbüser Damm 39 in Flammen ans. Außerdem entstand Lindenst raste 22 durch Explosion einer Petroleumlampe ein kleiner Zimmerbrand, der aber wesentlichen .chaden nicht verursachte. zehnten von Blondin in Madrid über ein Tnrinseil tragen lassen. Nnsre Mittcilinigeu über de» Betriebsunfall in der Blech- cmballagen-Fabrik von Hans Adolf M c i> e r veranlassen den haber der Firma zu einer tcitiveisen„Richtigstellung". Das vcr- unglücktc Diädchen sei nicht als Packerin, sondern als Arbeiterin an- gestellt worden, auch habe der Meister es zur Vorsicht ermahnt und eine Zeitlang nachgesehen, ob es seine Arbeit auch richtig mache. Ferner sei es falsch, das; die Arbeiterinnen sich weigerten, an der Stanzmaschine zu arbeiten. Das Verbandszeug sei beim Meister in Verwahrung gewesen, auch habe der Meister sich bei dem Unfall sehen lassen.— Ans diese und ähnliche„Nichtigftellnngen" hin tömicn wir nnr erklären, daß die bei dem traurigen Vorfall zunächst in Betracht konnnendeu Personen die gestrige Dar- Stellung des Falls als durchaus den Thatsachcn cutsprechend be- zeichnen. Auch ivir meincil, das; z. B. die Mitteilung, wonach der Meister der verunglückten Arbeiterin zu der gefährlichen Arbeit eine genügende Anleitung gegeben, und die älteren Arbeiterinnen keinerlei Mistbehagen an der Maschine empfinden, außerordentlich viel gegen sich hat. Im übrigen wird, wie wir denken, die von der Behörde doch wohl eingeleitete Untersuchung des Falles das iveitere ergeben. Kindesmord? Fn der bekannten Wirtschaft„Cafü New Jork" in der Miltelstrastc diente seit dem 3. Dezember v. I. die Wjähriac Anna Vinttctat, die aus Westprcnstcn nach Berlin gclomnicii ist. Das Mädchen erkrankte am Montag plötzlich und wurde»ach der Eharile gebracht. Dein Wirt kam die Krankheit verdächtig vor. Er liest gestern den Wäschekorb des Mädchens öffnen und durch- suchen und man fand darin die Leiche eines neugeborene» Kindes, die i» Papier eingewickelt war. Ob das Kind, dessen Leiche von der Revierpolizei beschlagnahmt wurde, gelebt hat und eines gewalt- samci» Todes gestorben ist, bedarf noch der Feststellung. Die'Mntter wird einstweilen als Polizeigefangene behandcll. Rettung auS Fcuersgcfahr. Mittwochabend 10' e Uhr kam Aus den Nachbnplirtc». Zchöucbcrg. In der Sitzung der Stadtverordneten- Vers a m m l u n g am Mittwoch wurde eine Vorlage des Magistrats betr.„die A n stell n n g und B e r s o r g U n g der K o in in u n a I- bea inten und die Nach Weisung der Gehakter der ve- soldetcn G e m e i n d e b e a m t cn für 1900" cincr eingehenden Würdigung unterzogen. Ohne Acndcruug wurden die Borschristen über die R c i s e k o st c n uiid Tagegelder der Magistrats- Mitglieder, Stadtverordneten, Deplitatioiisniitglicdcr nach 8 G des Gesetzes vour 30. Juli 1899 angenommen. Auch ein OrtSstatut. ivelcbcs die Gehalts- und Pcnsionsverhältiiisse der Beamten»nd s o n st i g e n Bedienstete n regelt, erfuhr nur eine redaklionelle Acndcrung. Eine ctivas eigeutüiiltiche Be stiiiimuiig cuthält der 8 9 in folgender Fassung: Jeder städtische Beamte und sonstige Bcdicilstetc hat seine ganze Zeit und Kraft dem Dienst zu widmen uiid ti'"' WWW> auch über die jeivcilig festgesetzten Dicnsfftlinden gegen Bcrgütlliig thätig sein. Er hat insbejondere auch die Pflicht, fiir einen er- krankten, beiirlailbteii oder verstorbenen Beamten ohne Entgelt einzutreten." Jedenfalls um diese nickt zu verstehende Härte Stellung von dieser Beziehung ferner der Magistrat aufgefordert, die Pensioiisvcrhältnisse der städtischen Arbeiter sStraßcufeger:c.) in Betracht zu ziehen uiid eine ciitsprechende Vor läge zu liiachen. Großen Widerstand rief das Verlangen der Be fitzcrin deS HaufcS M a x st r a ß e 1 sEckc Hanptstraßc). hervor, die für ein Stuck abzistreteudes Vorgartenland von 500 Qnadraimcter nicht iveniger als 14 000 M. verlangte. Mit bleckt ivurde nnsres ErachtcnS hervorgehoben, daß jene Daiiie eine Pression, wie sie unter Hausbesitzern im Schwange ist, auf die Stadtgeiuciude ausübt. Ilm dieser Ilebervorteilimg zu begegnen, wurde die Angelegenheit an eilieil Ausschuß zurückverwiese». Es folgte die Wahl eines B ü r g e r d e p il t i c r t e n in der H o ch b a u- D e p u t a t i v u, in das Kuratvrium der städtifchen Sparkasse lind eines Bezirks- Vorstehers. Ter Rixdorfcr Stadtvcrordneten-BcrsauimluNg lag gestern eine iicuc Gebührenordnung für die städtischen Friedhöfe zur Be- schliistfassiing vor. Stadtv. Dr. Silberstcin erklärte namens der socio ldemokratischen Fraktion, daß diese nicht für die Ordnung stimme» köimc, lvcil sie principiell für die nneiitgeltliche kommrmale Begräbnispflcge fei. Außerdein fei man auch dagegen, daß die Menschen noch nach ihrem Tode in Klassen geteilt lvürdcn, ivie es die Vorlage thne. Die Magistratsvorlage ivurde gegen die Stimmen der Socialdemoiraten angenommen. Die Versammlung hatte ferner Stellung zu ilchmeii zum Erlas; eines Ortsstatuts, das die An- stellllnoSverhältinffe der Beamten regelt. ES handelt sich hierbei besonders nm eine Anwendung derjenige» Bestimmungen deS Gesetzes vom 30. Juli 1899, ivonach von dein Grundsätze der An- stcllnng auf Lebenszeit abgcivichen werden kann. So bestimmt der § 3 des vorgeschlagenen Ortsstatuts:„Auf unbeschränkte Zeit, jedoch auf Kündigung mit Pensioiisberechtigting iverdcn angestellt: 1. Die technischen Sekretäre und Assistcnteil der städtischen Baiiverivaltung und des Berinessungsamtes, sofern nicht der Magistrat mit Zu- stlmmung der Stadtverordneten-Versammlung die lebenslängliche An- stcllllng beschließt; 2. die städtischen Steuercrhcbcr uiid BollziehnngS- beamten; die im Schreibcrdicnslc oder überwiegend mit mechanischen Schönhauser Allee. 40a in dein PosameNtierladcn der schon bejahrten> Dienstverrichtungcn beschäftigten Personen, wie Boten, Heizer, Pförtner und Schullnencr, sofern ihre Ainiahme nicht lediglich durch Privatdicnstvertrag erfolgt. Die unter 3 angeführten Beamteu kpniicn nach vicrivöchigcr Mlfkündiginig, die andrcii kündbar aiigcftclltrii Be- aniten»ach dreimonatiger Alifküiidigiing entlasten werden."— Die stadtv. Abraham und Witschte traten für die lebenslängliche Au- stclluiig aller Beamten ciir, indem sie eine fünfjährige Probezeit be- fürivortetcii. Bürgermeister Voigt und die Stadivv. Beiß, Rahmig, Wach sSoc.) und Kohc einpfählen die Magistratsvorlage, die auch gegen vier Stiiiluien angenomuieu Ivurde.—— Tic Bildung von Stadtbezirken uiid die Besetzung der Bezirksämter Ivurde ciilc'r 15- glicdrigcn Konmiifsidn zur Vorberatung überwiesen. Rixdorf. Der hiesige Lehrervcrbaud hat dagegen Stellimg genommen, daß der Zeichenunterricht in den Unterklassen der Rixdorfcr Volksschulen durch Haudarbcits-Lehrcrinnen erteilt werden soll. Man ist der Meinung, daß für den Zeichenunterricht eine methodisch geschulte Lehrkraft erforderlich fei und daß Handarbeits- Lehrerinnen als Zeichenlehrerinneli keine Erfolge erzielen könnten. Ter Vorstand ivurde beauftragt, diese Bedenken an zuständiger Stelle geltend zu machen. Ferner erörterten die versammelten Lehrer lebhaft die II e b e r fü l l li n g mancher Schillklassen. Es ivurde hervor- gehoben, daß die übergroße Schülerzahl die Lehrthäligkeit ungemein erschwere. Die Gesundheit der Lehrkräfte ivürde erheblich geschädigt lind dies wirke wieder ungünstig auf den Schuluiiterricht ein. Man beschloß, eine Hcrabmiuderung der Klaffeufrequcnz herbeizuführen.— Rixdorf hat jetzt auch seiiieu g r ü n c u W a gen; die iöiiigliche Polizekdirektion hat ihn sich kürzlich zugelegt. Außer zum Transport von Gefangeiicn dient er zugleich als Alteinvageii. Z» der Blntlhat in Eichwalde. Eine Streife der Garde- schützen nach dem Mörder der Schifferfra« Grasnick hat vorgestern im G r u u e>v a l d stattgefnudcli. Ein redueicrt ailSfeheiider Mensch, auf lvclcheii die Beschreibung des mutmaßliche» Thäters paßt, war in ein Lokal der Herderstraße in Steglitz ge- treten imd hatte dort für 10 Pfennig Schnaps verlangt. Der Wirt, dem der Kuiide auffiel, sagte zu ihm:„Sic sind ivohl der Mörder der Grasnick?" Der also Angeredete verließ sofort das Lokal,»ahm seinen Weg durch einen Neubau, übcrklcltdrtc eine Ziemlich hohe Mauer und floh in der Aich- tiing nach Dahlein und dem Grunewald. Der Landrat des Kreises und die Slaatsainvaltschaft wurden hiervon in Kenntnis gefetzt; auf Anfilchen deS erstrrcn nahm das Gardc-Schützcnbataillo» die Verfolgung ans, ivie vorweg bemerkt sei, mit negativem Erfolg. Es wurde alsbald in der Kaserne Alarm geblasen; jede Compagnie gab 50 Mann und 4 Oberjäger z» der Expedition ab, die unter Kom- inando des Oberlientenmits v. Bentivcgni nach dem Grunewald abrückte. Die 200 Mann schwärmten in Schiltzenliiiicn aus und suchten den Wald auf weite Strecken ab. Bon einer Schießübung zurück- kehrende Teile des Bataillons schlössen sich ihren Kameraden an. doch waren alle Bemühungen vergebens. Nach sechsstündigem, anstreu- gcudem Marsche kehrten die Mannschaften am späten Abend in die Kaserne zurück. Weitere Recherchen sollen durch die Gendarmerie vorgenommen ivcrdcii. Ob der Verdächtige loirklich der Thäter ist, oder ob er nicht vielleicht etwas andres auf dem Kerbholz• hat, so daß er sich der Ailscinaiidersetziliig mit der Polizei entziehen Ivollte, muß dahingestellt bleiben. Der Schlächter Gensicke und der Tischler Günther, die zivischen Erkner und Woltcrsdorfcr Schleuse feftgenvinmcn ivnrdcn. sind in lliitersiichnngshäft gesetzt worden, aber ivohl weniger wcgtir des Mordes in Eichwalde, als andrer Straflhawn wegen, deren sie verdächtig erscheinen. Die Behauptung des„Lokal- Anzeigers". dost sie noch gesucht würden, trifft nicht zu. Gefahndet ivird vielsttchr besonders auf zwei andre Personen. Die eine ist ein Man» von etwa 10 Fahren, mittelgroß, untersetzt, mifsallend breit- schultrig und träftig. mit rötlichem, vollem, rundem Gesicht, eiiiem starken,' von den Backen in gerader Richtung weitabstehenden Schnurr- bart, einem hellgrauen,'aiischeinciid englischledcrnen Anzug(die Hose etwas dimklcr) imd Schiffermütze. Der zweite Mann ist etwa 35 Fahre alt und einen Kopf größer als der andre. Er ist schlank, hat eine stramme Körperhaltung und trägt einen dimtlcn Rock und ebenfalls eine«chiffcr- mutze. Diese Männer sind gegen 11 Uhr von Schmöckwitz nach der Mordstclle zugehend gesehen worden, von da an aber niemand mehr begegnet und haben sich ivahrscheinlich in die Büsche geschlagen und dort Frau Grasnick getroffen. Die beiden Möbcllvagenkutscher. die von Köuigswusterhausen kamen, nicht nmgekchrt. nne gestern mitgeteilt wurde, haben sich noch nicht gemeldet. Die Leicheiiöffnung findet beute/ Freitag, nachmittag durch den KrciSphhsikus Sanitätsrat Dr. Elten statt. Der Regierungspräsident in Potsdam hat in der Mordsache der Schifferfrau Bertha Grasnick auS Gosen für denjenigen. durch dessen Angaben die llebersühning des Mörders gelingt, eine Belohnung von„Fünfhundert Mark" ausgesetzt. Wcißcnsce. Tic Sitzung der Gemeiiidevertretuiig beschäftigte ffch am Mitttvoch mit der Wahl nnsres Parteigenossen T a n iun a n n zur Gemeiiidevertretuiig. Aach dem Berichte des Gemeinde- Vorstehers entspricht T. nicht den Bedingungeu der 8§ 41 und 45 der Laiidgemeiiido- Ordnung, nach ivclchcr der zu Wählende au- gesessen sein muß: die Wahl sei deshalb für ungültig zu er- klären. Ter Hinweis ans§8 46 und 50 der Landgeiueindc-Ordinuig chas Recht der Stcllvcrtrclung ausivärts Wohnender bei Stiinin« abgäbe und das Recht der Wählbarkeit) tönne nach den sonstige» gesetzlichen Vestiiuiiiuiigc» nicht in Betracht kommen. Von unsren Gcuosscu ivurde die Gillligieits-Ertläriiiig der Wahl beantragt. K a r o w»ud G e r st e u b e r g e r wiesen darauf hin, daß die c»d« gültige Rcgeluug dieser strittigen Frage an andrer Stelle zu crfolgeie haben ivcrde; die Bedenken der Mehrheit der Vertretung zu zer- streuen, scheiterte an deren Boreingcnommeiihcit. Zweifellos iväre die Wahl fiir ungültig erklärt ivordcn, wenn nicht Genosse G. dem Vorsteher überhaupt das Recht besiritteii hätte. von T. den Nachweis, Aiigescffener zu sein, zu verlangen, da nach dem 8 49 der Landgcu>einde-Ordmllig auch Gemeindevorsteher und Schöffen zur Gemeindevertretnug gehöre», somit die Zahl der zu wähleudeii Uliaiigesessencn für Aeii-Weißensee 8 beträgt, wovon aus die dritte Wahltlassc 3, statt 2 Unangesessciie enlfaUcn. Diese Bcstinimung der Landgemeindeordnung luar der Mehrzahl der Ler- lretcr völlig iien. Die vom Genossen S chi lling beantragte sofortige Abstimmung ivurde nicht vorgenonrmen, dagegen beschlösse», die An- gclegenhcit bis zur nächsten Sitznng zu vorlagen imd dein Vorsteher ailfz'ngcbcn, bis dahin über den von G. crhobencn Einwand bei der vorgesetzten Behörde Erklindiginigen einzuziehen. Tic Skandalgeschichtc in der Kreisstadt Raue»» woselbst bekanmlich der Schnldiener einer Gemeutdeschnle in einem Klassen- zimmer Zusammcnlünfte von Gesellen, Bicrkntschern und andren Männern mit jungen Mädchen vcraiiftaltelc, die dann in � die schlimmsten Orgien ausarteten, nimmt einen ungeahnt großen Umsang an. Zu den Cirkrln wurden auch kaum der Schule entwachsene Mädchen hinzugezogen. Der Schuldicncr NamenS K 2 h n e und dessen Ehefrau, die das Treiben gleichfalls begünstigt hat, befinden sich in Moabit in llntersuchungshäft.' Vvvmtschkes. Ein seltsamer UngliictSfaU ereignete sich in Mainz. Bei cincr Uebung der Fuhartillerie gingen gestern Trainpfcrde, welche durch Gcwehrfeuer schen wurden, durch, ivobei mehrere.Soldaten, ivelche die Tiere anshalteit wollten, nmgcriffcn und geschleift wurden. Zivei dieser Soldaten sind t ö d l i ch v e r l c tz l. Tie Pest, lieber das Vordringen der Pest wird ans Kon- st a Ii t i ii o p e l, 28. März, gemeldet: Die Sanitätsbehörde von Snlcinlanijc im Vilnjet Bagdad teilt m it, daß im Gebiete Dschevanrn in Persien in der Nähe des Distrikts Gulambar die Bcnleiipcst aus- gebrochen ist. das; mehrere Dörfer voit der Seuche ergriffen und bereits mehrere Todesfälle vorgekommen sind.— Die Zahl der in Kalkutta an der Pest Gestorbenen beträgt� 217. Am Dienstag kamen 157 Ncncrkranlungcu vor; an diesem Tage betrug die Ec- samtzohl der an der Seiiche Erkraniten 301._ Lerimtwortllcher Nedaeteur: Paul John in Berlin. Für den Jnserateuteil verantwortlich: Tb. Glocke tu Berlin. Druck nud Verlag von Max Babing in Berlin.