8t. 217.- 1916. dc0 Vorwärts llkiwz. 16. Ztpit-dn. Gegenseitige Hilfe unö Genoffenfthasts- leben in öer Grganismenwelt. Es ist ein recht unaktuelles Thema, das mein beutiger Aufsatz behandelt, will ich doch über die gegenseitige Hilfe bei den Organismen sprechen au einer Zeit, da fast die ganze Menschheit im Kriege gegeneinander steht. Das Thema scheint vor der herrschenden Darwins chen Theorie vom Kampf ums Dasein, die sich auf dem Hobbesschen Ausspruch vom Kriege aller gegen alle auf- baut, nicht bestehen zu können. Nun ist es eine unbestreitbare Tat- fache, daß von allen Organismen mehr Nachkommen erzeugt werden, als erhalten werden können. Um nur ein Beispiel dafür anzuführen, so setzt ein Störweibtben jährlich zwei Millionen Eier ab. Unter der Voraussetzung, daß aus jedem Ei wieder ein er- wachsener Stör sich entwickelte und jeder von diesen die gleiche An- zahl von Nachkommen erzeugte, so würde die auf diese Weise entstandene Störmasse schon in der vierten Generation eine Kaviarmasse er- zeugen, die zu einer Kugel geformt, die Größe der Erde ganz wesentlich überträfe. Auch bei den Tieren mit verhältnismäßig ge- ringer Vermebrungsziffer würde die Nachkommenschaft in wenigen Jahrzehnten unter den gleichen Voraussetzungen so gewaltig an» schwellen, daß die Erde sie nicht mehr beherbergen könnte. Nun können wir aber nachweisen, daß unter gleichbleibenden äußeren Bedingungen im allgemeinen die Individuen einer gleichen Tier- art sich ungefähr aus gleicher Höhe hallen, das heißt mit anderen Worten ausgedrückt, daß durchschnittlich von den Nachkommen jedes Elternpaares immer nur zwei Kinder heranwachsen und sich fortpflanzen. Darwins geistvoller Gedanke war nun der, daß im Durch« schnitt immer die tüchtigsten und an die Lebensbedingungen am besten angepaßten Individuen überleben und ihre Vor- züge auf ihre Nachkommen übertragen, so daß allmählich eine Vervollkommung und Höherentwicklung der Tier- und Pflanzen- well das Resultat ist. Auf diese Weise sollen die ganzen zum Teil wunderbaren Anpassungserscheinungen, z. B. die Schutzlarbe der Polartiere, entstanden sein. Ich will mich nun heute durchaus nicht aus eine Diskussion über die Tragweite der Darwinschen Theorie einlassen. Es ist zweifellos, daß der«Kampf ums Dasein" einen gewissen negativen Züchtungswert besitzt, indem durch ihn die lebens- untauglichen Individuen vor erreichter Fortpflanzungsfähigkeit aus- gemerzt werden. Nie und nimmer aber reicht die«Kamps-ums- Dasein-Thcorie* aus, den gesamten Entwicklungsgang im Organis- menreich zu erklären, und es wäre durchaus verfehlt— wie es vielfach die Nachfolger Darwins taten— den Kampf als das wesenilicbe oder gar einzige Entwicklungsprinzip zu bezeichnen. Mit vollem Recht hat schon vor zirka fünfzig Jahren der russische Zoologe Keßler darauf hingewiesen, daß neben dem Kampf in der Natur auch eine weitgehende gegenseitige Hilfe unter den Orga- nismen besteht und daß solche Lebewesen, die diese gegenseitige Hilfe am stärksten ausgebildet haben, auch die meisten Aussichten besitzen, in dem Konkurrenzkampf obzusiegen. Dieser Gedanke ist in neuerer Zeit von Peter Kropotkin aufgegriffen und in seinem prachtvollen Buwe«Gegenseitige Hilse in der Tier- und Menschen- Welt" nicht nur für die Tierwelt, sondern auch in hervorragender Weise für die Entwicklung deS Menschengeschlechts durchgeführt worden. An einer Anzahl von besonders schlagenden Beispielen soll hier gezeigt werden, in welch weitgehendem Maße die gegenseitige Hilf- im Organismenreich ausgeübt wird. Zuerst sin ganz primitiver Fall, den man bei den niedersten einzelnen Organismen beobachten kann. In unseren stehenden süßen Gewässern leben zahlreiche einzellige Lebewesen, die man wegen ihrer strahlenförmig ausgehenden Scheinsüßchen.Sonnentierchen" nennt. Die Nahrung dieser Sonnen- lierchen besteht aus anderen mikroskopisch kleinen Infusorien. Man kann nun häufig beobachten, wie mehrere Sonnentierchen gemeinsam auf eine Beute Jagd machen: wenn eins der Sonnentierchen das Beulelier mit seinen Scheinsüßchen erreicht hat, so kommen die an« deren herbei und legen sich ebenfalls um die Beute herum. Das Protoplasma verschmilzt mit einander, und nachdem die Beute von dem gemeinsamen Protoplasma verdaut worden ist, trennen sich die Tierchen wieder und ein jedes geht seiner Wege. Wir haben hier die einfachste Form einer Jagdvercinigung, die es den Sonnentierchen ermöglicht, Beuteliere zu überwältigen, denen gegenüber das ein- zelne vollkommen machtlos wäre. Ganz entsprechend finden wir diese Jagdvereinigung bei Vögeln und Säugetieren. So kann man z. B. an den seenartig ver« breiteten Teilen der Wolga häufig beobachten, wie die dort in großen Scharen vorkommenden Pelikane gemeinschaftlich auf den Fischfang gehen. Eine Schar dieser Vögel begiebt sich in das seichte Wasser und bildet einen nach dem User offenen Halbkreis. Dann rückt die ganze Jagdgesellschaft mit Flügelschlagen und hefrigein Gekreisch nach dem Ufer vor und treibt so die gesamten eingeschlossenen Fische in das seichte Wasser, wo sie eine leichte Beute werden. In den Steppen Rußlands sieht man häufig einen großen Adler — Haliaetos Albioilla— hoch oben in der Luft seine einsamen Kreise ziehen. Stundenlang schwebt das Tier bald höher bald liefer über der Steppe, bis endlich sein scharfes Auge ein verendetes Wild oder sonst ein Aas erblickt. Anstatt nun aber sofort herunter zu stürzen und sein Mahl zu beginnen, kreist der Adler ruhig weiter »ud stößt von Zeit zu Zeit grelle Schreie aus, die von den Adlern gleicher Art beantwortet werden. Bald. haben sich eine größere Anzahl dieser Vögel versammelt, aber erst, wenn sämtliche zu der Jagdgesellschaft gehörige Tiere vereint sind, lassen sie sich zum Mahl auf dem Kadaver nieder. Doch auch jetzt beginnen nicht alle gemeinsam das Mahl, sondern einige setzen sich auf erhöhte Plätze der Umgebung nieder und halten Wacht, daß kein Feind sich naht. Nach einiger Zeit werden sie dann von den inzwischen gesättigten Kameraden ab- gelöst und beginnen ihrerseits das Mahl. Der Vorteil, der den Vögeln aus dieser Vereinigung erwächst, liegt klar auf der Hand. Während der einzelne Adler trotz seiner scharfen Augen doch nur eine verhältnismäßig kleine Strecke im Laufe des Tages durch- forschen kann, übersieht die Gesellschaft, auf verschiedene Gebiete verteilt, aus ihrer großen Höhe Strecken von' vielen Ouadratmeilen Ausdehnung. Die Chancen, eine Beute zu finden, wachsen demgemäß ums Vielfache, und da im allgemeinen die einzelne Beule für einen Vogel doch nicht zu überwältigen wäre, so bietet die Teilung kaum Nachteile. Wie sich hier Tiere zu Jagdvereinigungen zusammenschließen, so sehen wir andere sich vereinigen, um in Sicherheit zu leben und vor allen Dingen ihrem Brutgeschäft in Ruhe nachzugehen. Einer der bekanntesten Fälle ist die Brulkolonie mrserer Krähen. So schwach die einzelne Krähe ist, würde doch selbst der stärkste Raubvogel, der kühnste Nesträuber es nicht wagen, eine solche Kolonie anzugreifen. Kommt ein Habicht oder ein anderer Raubvogel zufällig in die Nähe einer solchen Kolonie, so erbeben sich sofort eine ganze Anzahl der schwarzen Gesellen in die Luft und gehen unter lautem Gekrächz gegen den Räuber vor, der. von ihren scharfen Schnabelhieben getroffen, schleunigst das Weite sucht. Das gewaltigste Beispiel für solche Brutkolonien bilden die Vogelberge in den nördlichen Zonen, wo man Scharen von den ver- schiedensten Seevögeln gemeinsam ihrem Brutgeschäfl obliegen sieht. Diese Vogelberge führen uns schon über zu einer auf gegenseitige Hilfe gegründeten Vereinigung von Individuen verschiede- n e r Art. Um dasür auch ein Beispiel unter den Säugetieren zu finden, möchte ich erwähnen, daß man in den afrikanischen Steppen die Rudel von Antilopen fast regelmäßig untermischt findet mit Straußen, Büffeln, Gnus usw. Auch dieser Zusammenschluß ist äußerst vor- teilhast; denn die Strauße mit ihrem hochgestreckten Körper sehen herannahende Feinde viel eher als die verschiedenen Säugetiere, während die Säuger eine bessere Witterung für den herannahenden Feind besitzen. Sollte aber wirklich einmal ein Feind einen Angriff wagen, so würde ihm von den Büffeln ein übler Empfang bereitet werden. Ich erinnere ferner an die Wanderzüge der Vögel, an die Vereinigungen der verschiedensten Raubtiere und was der Beispiele mehr sind. (Schluß folgt.) kleines Zeuilleton. Heröftete Kartoffeln. In Frankfurt a. M. wurden im vergangenen Winter an den verkehrsreichsten Stellen der Stadt sowie an einigen Lokalbahnhöfen geröstete Kartoffeln im Straßenverkauf feilgeboten. Die dortige städtische Hausberatungsstelle hatte die Slraßenröstereien auf Kosten der Stadt eingerichtet. In diesem Herbst soll der Verkauf der ge- rösteten Kartoffeln auf der Straße wieder aufgenommen werden. Im vorigen Winter war der Zuspruch sehr groß und erfuhr eine tägliche Steigerung. Der Preis für eine geröstete Kartoffel betrug 2 Pf., für 2 Kartoffeln 3 Pf. usw. So mancher zog vergnügt mit einer ganzen Tüte voll heißer Kartoffeln ab. Man folgte in Frank- surt a. M. mit der Einrichtung des Straßenverkaufs der gerösteten Kartoffeln einem Brauch, der sich in Südeurooa schon längst ein- gebürgert hat. Ueberall werden dort, namentlich in den größeren österreichischen Städten und besonders in Wien, geröstete Kastanien und Kartoffeln im offenen Straßenverkauf feilgeboten. Die auf Kastaniendralöichen gerösteten Kartoffeln schmecken ganz vorzüg- lich; sie stellen ein überaus einfaches und billiges Mittel dar, um dem Bedürfnis des Magens nach einer warmen Spei'e ab- zuhelfen. Es wäre ftgcher sicherlich wünschenswert, daß das Frank« furter Beispiel auch in anderen deutschen Städten Nachahmung findet. In Wien nennt man die gerösteten Kartoffeln„Bramburi" und ihren Verkäufer den« B r a m b u r i m a n n". In dieser Be- ziehung steckt der tschechische und südslawische Name der Kartoffel: brambon. Dieser slawische Name ist kulturgeschichtlich von höchstem Interesse; es liegt ihm nämlich nichts anderes, als der Name Brandenburg zugrunde. Im Obersorbischen(Wendischen) bezeichnet man heute noch mit dem Namen Brambor den Branden- burger oder Preußen. Wenn diese Bezeichnung in einer Reihe von slawischen Sprachen auf die Kartoffel übertragen worden ist, so würde man damit der wichtigen historischen Talsache gerecht, daß unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm die ersten Kar- toffeln in der Mark Brandenburg angebaut worden sind. Der jetzige Lustgarten, der nördlich vom König- lichen Schlosse in Berlin gelegen ist und auf dem sich gegenwärtig der Dom und das Reue Museum befindet, wies das erste Kartoffelbeet in der Mark Brandenburg auf. Dadurch, daß die Wenden, die Tschechen und andere slawische Völker der wichtigen Kulturpflanze den Namen brambor beigelegt haben, mit dem sie z. B. heute noch den Brandenburger oder Preußen bezeichnen, haben sie zum Ausdruck gebracht, daß der Karloffelbau zu ihnen aus Brandenburg-Prcußen gelangt ist. Im Bulgarischen begegnet man als Bezeichnung für die Kartoffel den Namenssormen baraboj, burboj. barabol, brunbale, brumbale und brumbare; eS läßt sich unschwer erkennen, daß diese Bezeichnungen aus dem Namen brambor hervorgegangen sind. Auch im Kleinrussischen finden sich dialektische Bezeichnungen, die aus der gleichen Quelle stammen. Im Großrussischen ist aber das deutsche Wort Kartoffel übernommen. Mehr ärztliche öelehrung unter öen Soldaten. Ein Feldunlerarzt schreibt der Kosmos-Korrespondcnz. daß er sehr oft schon Gelegenheit hatte, die höchst bedauerlichen Folll�n un- achtsamer Wundbehandlung durch unsere Feldsoldaren zu beobachten; er kommt dabei zu der Forderung, daß hier eine unablässig wirkende Ausklärung erfolgen sollte. Denn der Grund, daß die Leute ihre Verletzungen oft in ungeeigneter Weise behandeln, liegt offenbar nur in der Unkenntnis der Organisation und Funktion des menich- lichen Zellenstaates und der schweren Gefahren, die ihm von feiten der Keimzellen(Bakterien) drohen. Ist es an sich schon beklagenswert, wenn z. B. durch einen Granatsplitter oder eine Schrapnellkugel Uniformstücke oder Stücke des schmutzigen Waffenrockes in den Körper mit hineingerissen werden, so wird die Sache sofort noch viel gefährlicher, wenn die Leute dann mit lehmigen oder erdbeschmuyten Fingern in die Wunde hineingreifen, um das Geschoß oder den eingedrungenen Gegenstand herauszubekommen, oder oder wenn sie die Finger auf die Ein- oder Ausschußöffnung halten, um den Bluterguß zu stillen. Gerade mit lehmiger Ackererde wird der gefürchtele Wundstarrkrampfbazillus(Lavilhis tetanns) am leichtesten und häufigsten übertragen. Ein ähnlicher Fall liegt vor. wenn Leute mit Bauchschüssen anstatt möglichst regungslos am Platze liegen zu bleiben, bis sie von der Sanilätsmannschaft sorgsällig zurückgetragen werden können, selbst oft kilometerweit nach dem nächsten Lazarett lausen; daß dabei Darminhalt in die Bauchhöhle gelangt und der Tod durch Blutvergiftung innerhalb weniger Tage unvermeidlich eintritt, ist den Leuten eben nicht bekannt.— Derartige und noch viele ähnliche Fälle habe ich nicht nur ein. sondern Hunderte von Malen beobachten müssen. Der ohnehin recht erfreuliche Prozentsatz, der dank der eigenen Widerstandskraft und der Kunst der Aerzte rasch geheilten Ver- wundungen könnte bei sachgemäßerem Verhalten der Verletzten selber sicher noch beträchtlich erhöht werden, und manche schwere Operation bliebe dann vermieden._(z) 9lotiieM. — Theater und Arbeiters chast. Für die nächste Spielzeit des Mannheimer Nationaliheaters sind Volks- Vorstellungen zum Einheitspreise von 4t) Psennig vorgesehen. Zum Beiuch der Vorstellungen ist aus den Kreisen der Arbeiterschaft und niederen Angestellten berechtigt, wer ein Jahreseinkommen von nicht über 2(XK) Mark hat. — Aus der akademischen Welt. Prof. Ferdinand Tönnies, der bekannte Soziologe, hat seine Lehrtätigkeit an der Kieler Universität eingestellt, um sich eigenen Arbeiten zu widmen. — Albanische Schulen. Dem Wunsche der albanischen Bevölkerung entsprechend, wurden in Mitrowitza, am Amselfeld und in Vucitru albaniich-nationale Schulen eröffnet. Er blieb stehen und horchte, und bald ertönte das Gebrüll aufs neue. Aber als er es zum zweitenmal hörte, wußte Jan, daß es nicht, zum fürchten war, im Gegenteil, das war sicher- lich ein Hilferuf von jemand, der in Not war. Er warf seine Weiden und Latten weg und lief durch das Birkenwäldchen in den dunklen Tannenwald hinein. Dort brauchte er nicht besonders weit zu suchen, bis er sah, um was es sich handelte. Da droben lag ein großes gefährliches Moor, und alles verhielt sich genau so, wie es sich Jan ge- dacht hatte; eine von den Kühen des Hofes war in den Sumpf und da auf ein sogenanntes Bcbefeld geraten, eine Stelle, wo der Morast zwar trägt, aber wegen des darunterstehenden Wassers bei jedem Tritt auf- und niederschwankt. Die Kuh war die beste von allen im Stall auf Falla, das sah Jan gleich, gerade die, für die Lars Gunnarsson schon zweihundert Reichstaler geboten worden waren. Die Kuh saß gewiß im Schlamm fest und war so voller Angst, daß sie sich jetzt vollkommen ruhig verhielt und nur nach langen Pausen ab und zu noch ein schwaches Brüllen ausstieß. Aber Jan konnte sehen, wie verzweifelte Mühe sie sich gegeben hatte, um aus dem Morast herauszukommen. Sie war bis an die Hörner hinauf mit Schlamm überspritzt, und die grünen Mooshügel waren weit um sie her aufgerissen und zerstampft. Vor kurzem noch hatte sie überlaut gebrüllt, und Jan meinte, man müßte es eigentlich in ganz Askedalarna gehört haben. Aber außer ihm war niemand an das Moor ge- kommen. Sobald sich dann Jan darüber klar geworden war, wie sich die Sache verhielt, zögerte er keinen Augenblick, sondern lief eiligst auf den Hos hinunter, um Hilfe herbeizu- holen. Dann kam eine mühselige Arbeit. Bretter und Stangen wurden auf das Moor gelegt und Seile unter der Kuh durch- gezogen, an denen sie auf die Bretter gehoben wurde. Als die Leute bei dem Moor ankamen, war sie schon bis zum Rücken hineingcsunken und nur der Kopf sah noch über den Schlamm heraus. Als die Leute das Tier wieder auf dem festen Boden hatten und auch glücklich mit ihm auf dem Hofe angekommen waren, ließ die Hausfrau sagen, alle, die bei dem Rettungs- werk mitgeholfen hätten, sollten hineinkommen und Kaffee trinken. kForti folgt.) 23] Jane Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selms Lagerlöf. Nun lief Jan so weit auf den Landungssteg hinaus, wie er nur konnte, und dann beugte er sich übers Wasser hinaus mit dem Ausdruck im Gesicht, den er immer hatte, wenn Klara Gulla ihm entgegenkam, den er aber nie zeigen konnte, wenn er mit jemand anders sprach. Sein Mund öffnete sich, seine Lippen bebten, aber kein Laut drang an Kathrinens Ohr. Ein Lächeln ums andere flog über sein Gesicht, ganz genau so, wie wenn das Mädchen vor ihm stand und mit ihm scherzte. „Aber Jan. was hast Du denn?" fragte Katrine. Er gab keine Antwort, sondern machte nur mit der Hand ein Zeichen, das ihr Schweigen gebot. Gleich darauf richtete er sich ein wenig auf. und man sah. nun verfolgte sein Blick irgend etwas, das sich über die kleinen graugrünen Wogen hin entfernte. Es schien rasch zurückzuweichen, in derselben Richtung wie vorhin das Dampsboot. Bald stand Jan nicht mehr vor- gebeugt, sondern ganz aufrecht da und beschattete die Augen mit der Hand, um besser sehen zu können. So blieb er stehen, bis offenbar nichts mehr zu sehen war. Dann wendete er sich nach Katrine um, ja er ging über- dies ganz dicht zu ihr hin. „Du hast vielleicht nichts gesehen?" fragte er. „Was hätt' es denn außer dem See und den Wellen noch zu sehen gegeben?" gab sie zurück. „Das kleine Mädchen war's, das zurückgerudert kam," sagte er, aber so leise, daß er nur noch flüsterte.„Sie hatte sich vom Kapitän ein Boot geliehen. Es war mit demselben Namen versehen wie das Dampfschiff, das Hab' ich deutlich gesehen. Sie sagte, sie habe etwas vergessen, ehe sie abfuhr. Es sei was, worüber sie mit uns reden möchte." „Lieber Himmel, du weißt wohl nicht, was du sagst!" rief Katrine.„Wenn das Mädchen zurückgekommen wäre, hätt' ich sie doch wohl sehen müssen." „Schweig jetzt, dann sollst du hören, was sie von uns wollte," flüsterte er feierlich und geheimnisvoll wie vorher. „Ja, sie sagte, das Herz sei ihr schwer, wenn sie daran denke, wie es uns beiden nun miteinander gehen werde. Bis jetzt, sagte sie, sei sie zwischen uns umhergegangen, mit mir an der einen Hand und mit dir an der anderen, und auf diese Weise sei alles gut gegangen. Aber wenn sie nun nicht mehr da sei und uns nicht mehr zusammenhalte, dann wisse sie nicht, wie es werden solle. Jetzt werden Vater und Mutter vielleicht jedes nach einer anderen Seite gehen, sagte sie." „Ei der tausend, daß das Mädchen daran gedacht hat!" rief Katrine. Sie war tief ergriffen von diesen Worten, weil mit ihnen ganz ihre eigenen Gedanken ausgesprochen wurden, und so vergaß sie ganz, daß die Tochter unmöglich zum Landungs- steg hätte heranrudern und mit ihrem Mann sprechen können, ohne daß sie es gehört hätte. „Und nun bin ich zurückgekommen, um eure Hände in- einanderzulegen. sagte sie," fuhr Jan fort.„Und ihr dürft euch nicht wieder loslassen, sondern müßt euch um meinet- willen festhalten, bis ich wieder zurückkomme und euch beide wieder an den Händen fassen kann, gerade wie früher. Und gleich nachdem sie das gesagt hatte, ruderte sie wieder auf und davon," schloß Jan. Eine Weile blieb es ganz still auf der Landungsbrücke; dann ergriff Jan wieder das Wort. „Hier ist meine Hand," sagte er mit unsicherer Stimme. die schüchtern und ängstlich zugleich klang, und dann streckte er eine seiner Hände aus, die immer so merkwürdig weich blieben, wie grobe Arbeit er auch verrichten mußte.„Ich tu's, weil's das Mädchen will," fügte er hinzu. „Nun und hier ist die meinige," sagte Katrine.„Jch»be- greise zwar nicht, was das gewesen sein kann,' was du ge- sehen haben willst, aber wenn ihr beide es wollt, daß wir zusammenhalten, dann will ich's auch." Danach legten die beiden Alten den ganzen Weg bis zu ihrer Hütte Hand in Hand zurück. Der Brief. Als Klara Gulla von Skrolycka ein paar Wochen fort war, befand sich ihr Vater eines Vormittags draußen auf den Weide- Plätzen am Hochwald und besserte einen Zaun aus. Er konnte von seinem Platz die Tannen rauschen hören, und er konnte eine Auerhenne sehen, die mit einer langen Reihe von Jungen hinter sich unter den Bäumen Futter aufpickte. Jan war beinahe fertig mit seiner Arbeit, als vom Berg her lautes Gebrüll an sein Ohr drang. Das klang so unheimlich, daß er fast Angst bekommen hätte. Dentschcs Theater. T'/j Uhr; Rose Bernd. Sonnabend: fanst I. Kamm erspiele. S'/, Uhr; Der Weibstcafel. Sonnabend 7'/. Uhr: Neueinstudiert: Ucdda bi ahler. Volksbühne. Theater a. Bfilowpl. 8'l, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend und Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater i. d. Königgräfzerstr. 8'/« Uhr: Kameraden. Komödienhaus 8'/, Uhr: Der 7. Tag. Berliner Thealer '/«8 Uhr: Auf Flügeln des Gesanges. fiessing-Theater. Direktion: Victor Barnowsky. T'/j Uhr: Peer Cynt. Musik von Griog Sonnabend. Sonntag; Wildente. fientseh.Bnstler'Tbeater. Allabendlich 81/. Uhr: Perlen. Lustspiel von Lothar Schmidt. URANIA Tanbenstr. 48/40. 8 Uhr: Aegypten, der Suezkanal und der Weitkrieg. Theater am Freitag Deutsches Opernhaus, Charloltenb. 7 uhr: Tannliäuser. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater S-/.U.- Das Dreimäderliiaus. Gebr. Herrnfeld-Theater. 81/, Uhr: Zum ersten Male: Villa Pschesina. Kleine« Theater s ehr. Jettehen Gebert. Komische Oper 8'/i Uhr: Die schöne Kubanerin. Sonnt. S1/, nachm.; Die sch.Kubanerin Lustspielhaus sv.c.: Der selige Balduin Metropol-Theater 8 uhr: Die Csardasfürstin, Sonnt. 3 U. nachm.: Die Kaiserin. , den 15. September. Neues Operettenhaus s uhr: Der Soldat der Marie, Resldcnz-Theatcr 8'/« u.: Frieden im Krieg. Schiller-Theater O s uhr: Die Frau vom Meere. Schlller-T. Charlottenb. 8 uhr. Kater Lampe. Thalia-Theater 8'/. u.: Biondinchen. Theater am Kollendorfpl. s'i, u.: Blaue Jungens. Theater de« Westen« 8 uhr: Die Fahr! ins Glück mit Guido Thielscher. Trlanon-Theater 8-,. u.: Der Bimmel auf Erden. Anfang 8Uhr. Sonnt. 3'l}u. 8 U. Gastspiel Radoll Schildkraut und das unübertreffliche September- Prograinni. Reiehshailen-Theater. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Nächsten Sonntag: Erste Nachmittagsvorstellung zu ermätz. Preis. Ansang 3'l4 Uhr. GroBartlg. Progr. Cireua JBlls Erofffnung I, den — Da Tom lack, Sonnabend, den 16. September, abends 8 Uhr Das große Programm: der Eiskönig. Ein seltsamer Mensch! Ein interessanter Künstler! WM" Fliegende Hnnde. Rückkehr vom Stlergelecht!_ 7 mr humoristische Slsbären und ZßM-« Tlgerdoggcn L ren"WW y | Mia Astoria" Schulreiterin. Zoe, rn« Liultlee. Urian»>" Attenphn�oph. Mairs holländischer Reitakt Peters, der singende Clown, Pilz, der Zwergaugust und die übrigen Spaßmacher Mfinne, Marzellf, Framini, Pompa mit ihren neuen Ein- n. Ausfällen. Nono Freiheit« nCUC Dressnren 1 • I u. A.: Aal znr Habertnsjagd! n■ PleFensterplerde- Familie Gnstlg. Sonntag: Große Vorstellungen: nachm. 3'/, u. abends 8 Uhr. Nachmittags 3'/, Uhr: Die lustige Pantomime Hannes Piepenbrink'« Abentener. Nachmittags I ange- Viriri auf allen fppj I Weitere Kinder ied. Erwachs. 1 höriges IslllU Sitzplätzen" v» i halbe Preise. Preise 60,«9, Utf, 149, 199 W. und höher, excl. Steuer. I Vorverkauf ohne Aufschlag tägl. ab 10 U. a. d. Clrcuskassen. i- ' Außerdem an sämtl. Theaterkaas. v. A. Werthelm u. Invalidendank| Jkr Jfias" i im Zirkus Sehumann. ggp Wegen starken Zudranges um 14 Tage verlängert. SP Letzte Aufführung 30. September. JU Berliner Konzertbaus. Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute EröHnung Großem Konzert der Berliner Iiledertafel, Chormeister: HansAilbout Orchester Pr». v. Blon. Anfang 8 Uhr, Eintritt 1 Mark. Anfang 8 Uhr. Alle Vergünstigungen aufgehoben. Ab morgen, den 16. d. int«, wochentäglich nachm. Großes Xachmittag«-Konzert bei Irelem Eintritt Hafioöal-TleaterX�tcS.M 5 Minuten von Jannowitz■ Brücke, — Untergrundbahn insolsfraße.— Täglich'/«ß Uhr: Freireligiöse Gemeinde •fii»eii«lweihe Ausstattungsposse in 3 Akten. ©in unbeschreiblicher Erfolg. RosesTheater. Gastspiel Alwin Neust. 8'/, uhr: Sturmfalke« Waibglis-Tkester. e u�: Seemannsliebeheu. Operette von Leo Fall und Ar. Warnte. r Possen-Tiieater n Unlenstraße a. d. FncdrichstraBe. Täglich 8'/, Uhr: Qebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. der Kinder von Mitgliedern der Freireligiäsen Gemeinde _ am Sonntag, den 17. und Ä4. September, vormittags 11 Uhr, im„Berliner Stadthaus, Eingang nur Jüdenstraße(an der Stralauer Straße). Am 17. Sept. Pestrede von Horm Ernst Däumig:„Die Botschaft einer neuen Zeit-. Am 24. Sept. Eestrede von Herrn Dr. B. Wille:„Bedeutung der religiösen Weltanschauung-. Harmonium— Violine— Cello— Kinderchor. Da zv den Jugendweihen Eintrittskarten im Berliner Stadthaus nicht verkauft werden dürfen, ersuchen wir die Mitglieder, sich vorher mit Karten zu versehen.— Karten sind bei A. K ä d e r, Däneustr. 9; H. Kühn, O, Langestr. 75: Rud. N i t z k e, Neukölln, Erlanger Str. 19, in der Geschäftsstelle und in allen sonstigen Veranstaltungen zu haben. Erwachsene 90 Pf., Kinder 10 Pf. In der Schulanla Kleine Ppankinrtcr Str. 6(am Alesanderplatz): Jeden Sonntag und I. Festtag: Vortrag, vormittags pünktlich 1 1 Uhr. 1. Harmonium. Herr Dr. Brnno Wille; Der Verräter Judas eine Sage. Herr Dr. M. H. B a e g e: Wissenschaft und leben. Herr Wilhelm Boelsohe: Neuere Fortschritte unserer Kenntnisse von der Abstsmmung des Menschen. Herr Ernst Rott er: Zukunftsaufgabcn der Philosophie. Herr Ernst Däumig: Englisches Sektenwesen. Frau Maria Kriscbe: Erziehung zur Ehe. 53/8 Okt. Nov. Harmonium. Harmonium, Harmonium. Harmonium. Harmonium. Casino-Theater. Lothringer Str. 37. Täglich 81/, Uhr. 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