Nr. 218.- 1916. �0f�Ott0 Zonnabeud, 16. September. Gegenseitige Hilfe unö Genojjensihasts- leben in öer Grganismenwelt. (Schluß.) Das treffendste Beispiel, daß Einigkeit und gegenseiti ge Hilfe stark macht und den betreffenden Lebewesen einen fast völligen Schutz vor feindlichen Angriffen bietet, liefern die sozial lebenden Infekten, vor ollem die zu größeren staaten- artigen Gebilden zusammengeschlossenen Bienen, Ameisen und Termiten. Es ist geradezu erstaunlich, zu welch gewaltigen Arbeiten der Zusammenschluß diese kleinen und schwachen Geschöpfe befähigt. So führen z. B. manche Termitenartcn feste Erdbaulen von 4— S Meter Höhe auf mit so starken Wandungen, daß man nur mit Hilfe der Spitzhacke ins Innere dringen kann. Weiter werden gerade die Termiten durch ihren Zusammenschluß trotz der Schwäche der Einzeltiere zu einer schweren Gefahr selbst für den Menschen. Die Tiere haben näinlich eine Scheu vor dem Tageslicht und legen ihre Gänge immer unterirdisch an. Selbst das festeste Holz kann ihren scharfen Kiefern nicht widerstehen, und so dringen sie unter- irdisch in die Wohnungen ein und fressen das Holz aus dem Innern der Balken heraus, so daß nur eine dünne Schicht stehen bleibt, die unter dem Druck der Mauer zusammenbricht. So ist z. B. der in den neunziger Jahren erfolgte Zusammenbruch des Regierungs- gebäudes in Kalkulla auf die heimliche Unlerminierung durch Ter- milen zurückzuführen. Nach den Angaben Alexander v. Hum- b o l d l§ findet man in den Teilen Amerikas, in denen die Termiten zu Hause sind, keine Bücher, die über 40—50 Fahre alt find; denn mit besonderer Vorliebe brechen die Termiten in die Bibliotheken ein, bohren sich ihren Weg quer durch die Bücherreihen und schleppen den gelehrten Inhalt als geeigneten Baustoff in ihre Nester. Eine in vieler Hinsicht noch überraschendere Form der gegen- seitigen Hilfe wird gewöhnlich als„Symbiose"' oder„Genossen- schaftsleben" bezeichnet. Man kann die Symbiose kurz als das„Zusammen- oder Jneinandcrlcben" zweier verschiedener Organismenarten bezeichnen, wobei beiden Partnern aus dieser Vereinigung Nutzen erwächst. Eine der bekanntesten Symbiosen ist die zwischen Einsiedlerkrebs und Seerose. Ter Einsiedlerkrebs, ein naher Verwandter unseres Humnicrs, hat die seltsame Gewohnheit angenommen, seinen- Wohnsitz in leeren Schneckenhäusern aufzu- schlagen, nachdem er meistens den legitimen Besitzer kurzerhand aus- gespeist hat. Die Folge dieser Lebensweise ist, daß die Panzerung des Hinterleibes des Krebses, der ja durch das Schnecken- haus geschützt ist, rückgebildet wird, so daß der Hinterleib eine Art weichhäutigen Sackes darstellt. Auf den Schneckenschalcn findet man fast immer verschiedene Arten von Seerosen, die der Krebs geduldig mit sich herumschleppt. Ja, in vielen Fällen sind die Schalen mir zwei, drei und mehr Seerosen besetzt, so daß der Krebs Mühe hat, sein Haus fortzutragen; aber trotzdem wechselt er sein Gehäuse nicht. Wenn man nun in ein Becken, das mit solchen Einsiedler- krebsen besetzt ist, einen großen Tintenfisch(Octoxns vulgaris), einen der gefährlichsten Feinde des Krebses, setzt, so sieht man nach kurzer Frist, wie der Tintenfisch auf den Einsiedlerkrebs Jagd zu machen beginnt. Bald bat er ihn mit seinen mächtigen Fangarmen er- griffen und sich mit seinen Saugnöpsen an dem Krebs festgesogen. Alles Sträuben und verzweifelte Wehren hilft nichts, nicht lange mehr kann es währen, bis der Tivtenfifch ihn aus der Schale herausgerissen und verzehrt hat. In diesem Falle aber hat der Octopus die Rechnung ohne den Gast oder ohne den Reiter gemacht. Kaum bemerkt die Seerose die Gefahr, die ihrem Bundesgenossen droht, so läßt sie aus ihrem Mu&de lange avertze Fqden hervor- dringen, die sich um die Faugarme bcS Tintenfisches legen, der nun schnell seine Beute fabren läßt und mib-allen Zeichen des Schmerzes die Flucht ergreift. Diese weißen Fäden oder Acöntien sind nämlich bedeckt mit Nesselkapseln, deren Spitzen sich in die weiße Haut des Polypen bohren und ein scharfes Gift in die Wunde fließen lassen. Nach dem Gesagten ist es nun ohne weiteres klar, worin der Bor- teil des seltsamen Paares liegt: dem nicht sehr wehrhasten Krebs bieten die Nesselbatterien seiner Genossin einen großen Schutz. Aber auch die Aktinie zieht aus dem Bündnis Nutzen: das sehr schwer beweg- liche Tier durchstreift, von den Beinen des Krebses getragen, ein ziemlich großes Gebiet, wodurch ihre Aussichten, Nahrung zu finden, wachsen. Außerdem profitiert sie aber auch von den Abfällen aus der Nahrung deS Rrebseö. Wie klar sich der Krebs über die Vorteile ist, die ihm sein Reiter gewährt, zeigt folgendes Experiment. Man zog einen Einsiedlerkrebs aus seiner Schale und verstopfte diese mit Werg. Sofort versuchte der Krebs wieder in sein alles Hans hinein zuschlüpsen. Als es ihm trotz vieler Mühe nicht gelang, suchte er sich eine andere in der Nähe liegende Schale aus, und nachdem er zunächst das Jnilere mit seinen Scheren aus etwaigen Inhalt untersucht, brachte er seinen weichen Hinterleib 24] Jane Heimweh. Eine Geschichte aus dem Wärmland von Selma Lagerlöf. Niemand war bei der Rettungsarbeit eifriger gewesen als Jan in Skrolycka. Sein Verdienst war es allein, daß die Kuh geborgen worden war. Und denkt euch, es war eine Kuh, die mindestens zweihundert Reichstaler wert war! Das war ein ungeheuer großes Glück für Jan; denn es war ja ganz undenklich, daß die neuen Hosbesitzersleute auf Falla eine solche Tat nicht anerkennen würden. Zur Zeit des früheren Herrn hatte sich einmal etwas Aehnliches zugetragen. Damals hatte sich ein Pferd eine Zaunlatte in den Leib gerannt. Der Mann, der das Pferd entdeckt und für seine Verbringung nach dem Hofe gesorgt hatte, war von Erik in Falla mit zehn Reichstalern belohnt worden, und zwar trotzdem das Pferd gefährlich verletzt war und erschossen werden mußte. Aber diese Kuh hier lebte ja und hatte in keiner Weise Schaden genommen. Ja, sicherlich, am nächsten Tag schon würde Jan zum Küster oder zu einem anderen schreibkundigcn Mann gehen können, um ihn zu bitten, einen Brief an Klara Gulla zu schreiben, der sie nach Hause zurückberief. Als Jan in die große Stube auf Falla trat, reckte er sich unwillkürlich etwas in die Höhe. Die alte Mutter auf Falla ging herum und schenkte den Kaffee ein, und Jan der- wunderte sich gar nicht, daß sie selbst ihm seine Tasse reichte, und das überdies, ehe Lars GunnarLson die seinige er- halten hatte. Während der Kaffee getrunken wurde, erzählten alle, wie mutig Jan gewesen war. Die einzigen, die nichts dazu sagten, waren die Hofbesitzersleute. Weder der neue Besitzer noch seine' Frau machten den Mund auf, um ein einziges Wort des Lobes zu sagen. Da aber Jan so ganz sicher wußte, daß die böse Zeit jetzt für ihn vorbei und das Glück auf dem Weg zu ihm war, wurde es ihm nicht schwer, Trostgründe für sich zu er- sinnen. Möglicherweise schwieg Lars nur, damit das, was er zu sagen hatte, recht großen Eindruck machen sollte. Es dauerte freilich sehr lange, bis er mit seinem Lob herausrückte. Die anderen verstummten schließlich-auch und sahen etwas verlegen drein. in diesem neuen Haus in Sicherheit. Dann kehrte er spornstreichs zu seiner alten Schale zurück und versuchte vorsichtig mit seinen Scheren die Seerose von ihrer Umerlage loszulösen und auf das neue HauS herüberzubringen. Nach einigen Stunden war dann auch das schwere Werk vollbracht. Auck andere Verwandte der Seerose leben in Symbiose mit anderen Tieren. So berichtet Weißmann von einer Seerosenart der tropischen Meere, zwischen deren sonst von allen Tieren ge- fürchteten Fangarmen ein kleiner wehrloser Fisch in völliger Sicher- beit herumschwimmt. Auch hier liegt der Vorteil für die Seerose wieder in erleichterter Nahrungszufuhr, denn wenn der Fisch der Seerose Beutetiere, die eigentlich aus ihn Jagd machen, zuführt, so stopft er sie einfach in die Mundöffnung der Seerose und zupft sich seine Bröckchen ab, während die Seerose den Rest verschlingt. Allgemein bekannt dürfte es sein, daß die Flechten, die unsere Steine und Bäume bedecken, eine Symbiose von Algen und Pilzen sind. Die Pilze nehmen in der Pflanzenwelt insofern eine besondere Stellung ein. als sie infolge ihrer saprophytischen Lebensweise das Blattgrün(CMoroxbyll) und damit die Fähigkeit verloren haben, Kohlensäure zu assimilieren, das heißt ihre Nahrung aus der Lust zu beziehen. Sie entnehmen also von den Algen einen Teil ihres Stärkebedarfs; die Algen wiederum finden, von den Pilzhyphen umsponnen, nicht nur Gelegenheit zur ungestörten Entwicklung, vor allen Dingen führen ihnen die Pilze, die in alle Ritzen und Spalten dringen, Wasser und in diesem gelöste mineralische Stoffe zu, und schützen sie vor Eintrocknung. Zum Schluß möchte ich noch als letztes Beispiel für die Be- deutung einer solchen Vereinigung die Symbiose zwischen Ameisen und Pflanzen anführen. In vielen Teilen des südlichen Amerika leben die Blattschneideameiien, die in Gebieten, in denen sie zahlreich auftreten, gefürchtete Feinde der Pflanzen sind. Sie überfallen auf ihren Wanderzügen weite Flächen, schneiden die Blätter mit ihren Kiefern in Stücke und tragen sie in ihre Nester. Welchen Umfang die Zerstörung annehmen kann, geht daraus her- vor, daß man in solchen Gebieten die Kulturländer mit breiten Waffergräben umgibt, um sie vor dem Einfall der Ameisen zu schützen. Es war nun den Forschern schon lange aufgefallen. daß die Blattschneideameisen bestimmte Pflanzen, vor allem eine Cecropiaart regelmäßig verschonten, und eine genauere Untersuchung zeigte auch bald den Grund. Die hohlen Stengel- glieder deS Jmbaubabaumes(Oeoropia adenopus) sind nämlich von einer anderen kloinen, aber sehr grausamen Amcisenart bewohnt, die bei einem Angriff der Blattschneide- ameisen sofort hervorbrechen und sie in die Flucht schlagen. Das merkwürdigste ist aber dabei, daß bei der Pflanze eine Reihe von Einrichtungen entstanden sind, die scheinbar nur dazu bestimmt sind, die Gastameise zum Aufschlagen ihres Wohnsitzes in dem Baum- stamme zu bewegen. Es finden sich nicht nur vorgebildete Oeff- nungen, die in das Innere der hohlen Stengel führen und so den Ameisen den Eintritt erleichtern, sondern an den Blattstielen haben sich eigentümliche nährstoffhaltige Polster ausgebildet, die scheinbar ohne jede Bedeutung für die Pflanze an sich sind, für die Ameise aber ein begehrtes Nahrungsmittel darstellen. Schon diese wenigen Beispiele zeigen, daß die gegenseitige Hilfe in der Organismenwelt einen Faktor darstellt, der an Bedeutung dem Kampfe ums Dasein mindestens gleich, ihm vielleicht sogar überlegen ist._ Dr. Th. kleines Feuilleton. Neue Iugenö. Im„Graphischen Kabinett" saßen am Mittwochabend etwa hundert Jünger und Jüngerinnen der neuesten literarischen Gnosis beieinander. Gläubige Kindlein, hampelnde Helden, tosende Re- bellen. Träumer, Romantiker, fabelhafte Verbrecher, liebesschwellende Pantheistcn, Seiltänzer, Farbenhörer, Musikzüngler, wörtergebärende, sätzedurcheinanderschlingende, seilenumundumbedichtende Pioniere des wahren Geistes. Es schien beinahe gewalttätig, war aber sehr nett, recht amüsant, toll bis zur Bitternis stöhnender Seelenqual. Man irre sich nicht: diese Jugend darf nicht verlacht werden. Was sie heute gibt, finde ich meist unzulänglich, krampfhaft, hysterisch, ich weiß auch nicht zu sagen, was aus diesem schunkelnden Chaos einmal sich entwickeln wird; aber, das läßt sich nicht leugnen: es blitzt in diesen Köpfen, es grollt, dampft, bebt, raset. Götter springen aus der freien Lust, um sich als Narren kannibalisch wohl zu fühlen. Die psychische Zote hüpft von den betenden Lippen verzweifelter Geisttiere. Alle scheinen bereit, für ihre Weltauffassung den Marter- tod zu erleiden; man fühlt aber, daß ihnen ein zahlungsfähiger Ver- leger doch lieber wäre. Sie stürzen Grammatik, Syntax, Logik und alle zehn Gebote. Sie wissen schrecklich viel von Psychoanalyse, Sexualpaihologie und Buddhismus. Sie mischen Extreme, tausend Als die alte Mutter in Falla zum zweitenmal Kaffee anbot, zierten sich mehrere, und unter ihnen auch Jan. Aber da sagte sie zu diesem: „Trinkt nur, Jan! Wenn Ihr heute nicht so flink ge- Wesen wäret, so hätten wir die Blässe eingebüßt, die ihre zweihundert Reichstaler wert ist." Nach diesen Worten herrschte Schweigen ringsum. Aller Augen richteten sich auf den Hausherrn, denn jetzt würde er doch sicher einige Worte des Dankes an Jan richten, das war nicht anders zu erwarten. Nun räusperte sich Lars ein paarmal, wie wenn das, was er sagen wollte, mit gehörigem Nachdruck herausgebracht werden sollte. „Mir kommt's vor, als ob diese Sache ein wenig sonder- bar wär," begann er.„Wir alle wissen, daß Jan zweihundert Reichstalcr schuldig ist, und ebenso wissen wir alle, daß mir im Frühling zweihundert Reichstaler für die Blässe geboten worden sind. Und nun soll die Blässe heute in das Moor hineingeraten sein, und Jan sollte gerade der sein, der sie gerettet hat, das stimmt alles miteinander fast zu gut zusammen." Lars schwieg und räusperte sich nech einmal. Jan stand auf und trat näher heran; aber weder er noch einer der andern hatte eine Entgegnung bereit. „Ich weiß nicht, warum sich's gerade so traf, daß Jan es war, der die Kuh droben am Moor brüllen hörte," fuhr Lars Gunnarsson fort.„Vielleicht war er, als das Unglück geschah, näher dabei, als er uns wissen lassen will. Viel- leicht hat er eine Möglichkeit gesehen, seiner Schulden lcdig zu werden, und vielleicht hat er die Kuh selbst in das Moor—" Hier fiel Jaus geballte Faust mit voller Gewalt auf den Tisch nieder, daß die Kaffeetassen auf den Tellern hoch aufhüpften. „Du beurteilst andere nach Dir selbst," sagte Jan.„So etwas kannst Du tun, ich aber nicht. Und das sollst Du wissen, ich erkenne deine Falschheit. ,Ja, denk' an den Tag im letzten Winter, wo du---" Aber gerade, als Jan im Begriff war, etwas zu sagen, das nur mit unversöhnlicher Feindschaft zwischen ihm und den Hofbesitzcrsleuten hätte enden können, zog ihn die alte Mutter in Falla am Rockärmcl und sagte: .Sieh einmal hinaus, Jan l" Dinge, die sich beißen und ausschließen. Sie hassen die Literatur und bleiben doch Aestheten; sie wollen die Tat und sprudeln halb- fertige Tiraden. Sie sind Pathctikcr, ohne ihre kalten Füße ver- qessen zu können; sie knien vor Altären und schielen dabei nach halbflüggen Perversitäten. Manche von ihnen sind intellektuell spitz, wie Albert Ehren- stein, andere predigende Derwische der Barrikade, wie Joh. R. Becker. George Grosz schwingt das Kriegsbeil der Sioux; eine erstklassige Zirkusnummer. Theodor Däubler thront wie eine chinesische Tempelglocke, tönendes Metall, ganz umsponnen� von Schnörkelzügen. Wieland Herzfclde setzt als Ueberschrift: Eli, Eli lamah asabthani— und grient verzückt, wenn er offenbaren kann: „es rollet der Planet im Kreis des Hosenbodens." Verrückt— vielleicht; Talent— ohne Zweifel; Charakter— die Zukunft wird Antwort geben.__ B. Br. Der Sanitätshunö. Die zweijährige Dauer des Weltkrieges ermöglicht es unS, trotz- dem die Kämpfe'weiter währen, auf verschiedenen Gebieten des Kriegswesens bereits ein abschließendes Urteil zu fällen. Zu den dankenswertesten Organisationen im Dienste unserer Truppen gehört zweifellos das Sanilätswesen. Unter den zahlreichen Einrichtungen, die unser Sanilätswesen zu der hohen Stufe gebracht haben, auf der es sich heute befindet, gehörte auch die Hilfe der Sanitätshunde, die zum allergrößten Teil der jahrelangen Arbeit des„Deutschen Vereins für Sanitätshunde" zu danken ist. Darum ist es ebenso gerecht wie aus- ichlußreich, nun endlich die bisher noch nicht genügend gewürdigte Geschichte des deutschen Sanitätshundwesens zusammenfassend zu betrachten. Wie die„Deutsche Medizinische Wochenschrift" in einer Dar- stellung dieser Enrwickelung ausführt, wurden schon- im Kriege 1870/71 sogen.„Kriegshunde" dazu verwandt, beim Aussuchen der verwundeten Soldaten behilflich zu sein. Doch waren damals scheinbar die Ergebnisse noch nicht besonders günstig, da nach Bc- endigung des Feldzuges die Frage der für Verwundetenfürsorge verwandten Kriegshunde kaum noch erörtert wurde. Erst im Jahre 1892 regte der Tiermaler Bungartz erneut das Interesse weitester Kreise für das Sanilätshundwesen an, und er wandte sich mit einigen Schriflen an die deutschen Bundesfürsten mit der Bitte, ihn bei diesen Bestrebungen zu unterstützen. Auf diese Weise wurde 1893 der„Deutsche Verein für Sanitätshunde" gegründet. In unermüdlicher Tätigkeit warb der Verein Freunde in stets zunehmender Zahl und gewann auch die Militärbehörden für sich. So wurden immer mehr Hunde und Führer bei den Manövern zu Krankenträgerübungen herangezogen, und 1902 erhielt der Verein offizielle Anerkennung. Die ersten wirklichen Kriegserfahrungcn mit deutschen SanitätS- Hunden brachte das Jahr 1904, da die von Deutschland der russischen Regierung zur Verfügung gestellten Hunde sich bei den Kämpfen in der Mandschurei hervorragend bewährten. Die militärische Brauch- barkeit der Sanitätshunde war erwiesen. Schließlich im Frühjahr 1914 entschloß sich der preußische Minister des Innern zu der An- ordnung, daß die bei staatlichen und städtischen Behörden vor- handelten Polizeibunde gleichzeitig zu Sanitätshunden auszubilden seien. So wurden für den Kriegsfall ohne besondere Mehr- ausgaben ungefähr 1000 Hunde mit dem erforderlichen Per- sonal sicher gestellt. Die eigentliche Feuerprobe legte das deutsche Sanitätshundwesen im Weltkriege ab. Nach den vor- liegenden Berichten wurden bisher mindestens 8000 Verwundete, die infolge schwierigen Geländes durch Menschen nicht aufgefunden werden konnten, auf der Nachsuche durch die Hunde von einem qual- vollen Tode errettet. Die hohe Bedeutung des bei uns besonders gut organisierten und ausgebildeten Sanitätshundwescns ist durch den Weltkrieg für alle Zeit einwandfrei festgelegt.(z) Notize«. — Eugen Heinrich Schmitt ist in Schmargendorf ge- storben. Er hat sich durch seine Preisscknift über die Hcgelsche Dialektik und durch die Propaganda für Tolstois Lehren bekannt gemacht. Als Mann von Ueberzeugung gab er— nach einem für feine Ankläger unrühnilich verlaufenen Prozeß— seine ungarische Staatsstellung auf und widmete sich in Berlin philosophisch-cthischen Bestrebungen. Eine von ihm eine zeitlang herausgegebene Zeit- schrift hieß charakleristischerweise„Ohne Staat". — P r o f. H e n r i k M o h n, der bekannte langjährige Leiter des meteorologischen Instituts in Kristiania ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Seine Forschungen über die klimatischen �und meteorologischen Verhältnisse Norwegens sind bahnbrechend. Sein Buch„Wind und Wetter" ist auch ins Deutsche übersetzt. Seine Annahme, daß eine Strömung von Sibirien bis über den Nordpol reiche, veranlaßte Nansen zu seiner Fahrt mit der„Fram", die diese Hypothese bestätigte. Jan tat es, und da sah er Katrins mit einem Brief in der Hand über den Hofplatz daherkommen. Ach, das war wohl der Brief von Klara Gulla, nach dem sich die Eltern seit ihrer Abreise gesehnt hatten! Katrins wußte, wie beglückt Jan darüber sein würde, und deshalb brachte sie ihn gleich her. Jan sah sich mit verwirrtem Blick im Kreise um. Viele böse Worte brannten ihm auf der Zunge, aber jetzt hatte er keine Zeit, sie auszusprechen. Was kümmerte er sich darum, tvie er sich an Lars Gunnarsson rächen sollte? Was kümmerte er sich darum, ob er sich verteidigte oder nicht? Der Brief zog ihn mit einer Macht, der er nicht widerstehen konnte, und so war Jan aus der Stube draußen und bei Katrine, ehe sich die Leute im'Hause von ihrer Angst, was für Anklagen er dem Hausherrn möglicherweise ins Gesicht schleudern würde, erholt hatten. August Dar Nol. Als Klara Gulla schon über einen Monat von Skrolycka fort war, kam eines Abends August Dar Nol von Prästerud nach Askedalarna. Er war viele Jahre hindurch mit Klara Gulla in Oestanb» in die Schule gegangen und hatte auch in demselben Sonimer wie sie den Konfirmationsunterricht besucht. Er war ein ernster rechtschaffener Junge, der einen guten Leumund hatte. Seine Eltern waren vermögliche Leute, und niemand konnte der Zukunft ruhiger und zuversichtlicher entgegensehen als er. Während des letzten halben Jahres war er von Hause abwesend gewesen, und so hatte er erst bei seiner Rückkehr gehört, daß Klara Gulla ausgezogen war, um zweihundert Reichstaler zu verdienen. Seine Mutter war es, die es ihm zufälligerweise er- zählte; aber che sie noch mit ihrem Bericht zu Ende ge- kommen war, griff August nach seiner Mütze und ging von Hause weg. Er hielt auch nicht an, bis er vor der Pforte stand, die zu dem kleinen grünen Hofplatz von Skrolycka führte. Aber als er so weit gekommen war, ging er nicht weiter, sondern blieb an der Pforte stehen und sah nach dem Haus hinüber. Katrine sah ihn von der Stube aus, und unter dem Vorwand, Wasser an der Quelle zu holen ging sie vors Haus hinaus. Aber er grüßte sie nicht und machte auch sonst kein Zeichen, daß er mit ihr reden möchte.(Forts, folgt.) Direktion Max Reinhardt: UcutMChes TUvater. VI, Uhr:»aast I Sonntag; Kose Bernd. Kamm erspiele. 7'/t Uhr: Neueinstudiert; Heddu Kablcr. Sonntag B'/jUhr; Der Weibsteulei. TolbsbUhne. Theater a. BOlowpl. B'/, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Sonntag; Ein Sommernachtslraum. Dir. Meinhard-Bernauer. Theater I. d. Königgrätzerstr. 8 Uhr: Ein Traiimsplcl. Komödienhaus S'l, Uhr: Der 7. Taif. berliner Theater s/lS UhJ: Auf FIDgeln des Gesanges. Sessing-Theater. Direktion; Victor Parnowsky. VI, Uhr: Die Wildente. Sonntag, Montag: Wildente. Deutsch. Künstler-Theater. AUabendlioh 8'/. Uhr: Perlen. Lustspiel von Lothar Schmidt. URANIA Tanbenstr. 48/49. 8 Uhr: Aegypten, der Suezhanal und der Weltkrieg. Theater am Sonnabend, 16. September. Neues Operettenhaus s uhr: Der Soldat der Marie. Deutsches Opernhaus, Cbarlottenb. 8 uhr: Die Fledermaus. Fricdrlch-Wilhelmstadf. Theater s'/.u,: Das Dreimäderlhaus. Gebr. Herrnteld-Theater. 81/« Uhr: Villa Pschcslna. Kleines Theater VI, Uhr: Zum ersten Mal«: Der Uoldschmiod (Das FrSulein von Scutferf). Komische Oper 8'/, Uhr: Die schdno Kubanerin. Sonntag 3'/, Uhr: Das Glückskind. Lustspielhaus 8>/.u.;Qer selige Balduin 3'/.: Schülcrv.: Minna von Barnhelm. Metropol-Theater s uhr: Die CsardasfOrstin. Sonnt. 3 U. nachm.: DI« Kaiserin. Bcsldense-Thcntcr sv.ti.: Frieden Im Krieg. Schiller- Tb cater O 8 uhr: Kater Lampe. Schlllcr-T. Churlottenb. I.Y.M:ai«: Das grobe Hemd. Thalla-Thcatcr sv.ü.: Blondinclien. Theater am Nollendorfpl, 3V,U.: Minna von Barn heim, 81/. Uhr! Blano Jungen«. Tbcatcr des Westen« 8 uhr: Die Fahrt ins Glück mit Guido Thielsoher. S1/. Uhr: Der Meineidbauer, Trlanon-Thoatcr o.- Der Hininiel aul ErdeD. Circus Bus Eröffnung Sonnabend, den 10. September, abends 8 Uhr! Das große Programm:—————— Ein seltsamer Mensch I Ein interessanter Künstler 1 Tom Jack, der Eiskönig:. Fliegende Hmide Kückteehr vom Stlergetccht t 7 MF humoristische Sisbären"WE f und AM- 9 Tigerdoggen!S"TBS | Mla Astorla, schulrelterln. Z06,»t« Unittee. i J 1* 1 fl, Tl SL�r 5' e n P � ,,0 sopb. Malrs holländischer Reitakt Peter«, der singende Clown, Pll«, der Zwergaugust und die übrigen Spaßmaoher Münne, Marzelli, Franzinl, Pompa mitihren neuen Ein-u. Ausfällen. Unnn Urclhelta- I u. A.: Anf znr HnbcrtUMjagd! KCUC Drcsawrcn* Die Kensterpfcrde• Familie Unstig! Sonntag: Große Vorstellungen: nachm. 3'/, a. abends 8 Uhr. Nachmittags 3'/, Uhr: Die lustige Pantomime Hanne« Piepenbrink« Abenteuer. Weitere Kinder > Nachmittags I ange- Vintl auf allen fpol 1 Weiter | jed. Erwachs.' höriges MUU Sitzplätzen II Cl« halbe Preise. 1 P r e I» e 60, 89, 119, 149, IM Pf. und höher, excl. Steuer. ■ Vorverkauf ohne Aufschlag tftgl. ab 10 U. a. d. Circuskasssn. i 1 Aufierdem ansämtl.Theaterkass. V. A. Wertheim a.lnvalideiidank] jgfft Berliner Konzerthaus. rnMfV Mauerstr. 82. Zimmerstr. 90/91. Heute i Großes Eröffnungs-Konzert Berliner Konzcrtbana-Orchestcr Leiter: Komponist Frz. v. Blon. Anfang 8 Uhr. Eintritt 30 Pf. Anfang 8 Uhr. Wochentäglioh nachmittags: Gr. NachmittagssKonzert b01Efntrittm Batioial-Tbealer��tc�rÄ 6 Minuten von lannowltz- Brücke, — Untergrundbahn InselstraBe.— Täglich>/,9 Uhr: ...! Ausstattungsposse in 3 Akten. (f-in«nbefchrribliche» Erfolg. Reiehshallen-Thealer. Stettiner Sänger. Schippers Heimkehr Ansang 8 Uhr. Morgen: Erste Nachmittagsvorstellung zu ermäg. Preis. Ansang 3'/, Uhr. GroBartlg. Prcgr. Rose-Theater. 8 V Male: Renaissance. Sonnlag 3 Uhr: Sturmfatke. Walhalla-Theater. 8U5r:SeemannsliebeIien. Sonnt. 3 11.: Wenn die Siegesgi, läuten. - Possen-Theafer-i Linienstraßo a. d. FnedrichstraBe. Täglich 8'/, Uhr: Gebr. Hirsch. Fängste schon wieder an. Casino-Theater. Lothringer 8fr. 37. Täglich 8's. Uhr. Einzig in seiner Art in Wrog-Beriin. Berliner Humor in ernster Zeit. Meine gute Otte. Orlginai-Posse in 3 Auszügen. Vorher erstklassiger hunter Teil. Sonntag 4 Uhr: Die Miiehsehuizen. Anfang 8 Uhr. Sonnt, 3l/,u. SU. Gastspiel Rudolf Schlldkraut und das unübertreffliche September- Programm. üb Oberbaumbrücke Falekenstemstr. i Morgen Sonntag letzte Fahrt 21/. Uhr nach Wottersdorfer Schleuse hin a. zurück 1,18 M., einfach 5g u. 9'/, u. 2'/f Uhr nach Neu-Heringsdorf, 0,80„„ 40 Pf. Reederei Kieck, Falckensteinstr. 48. TeL: MPI. 8197. Kinder halbe Preise. V olgt-Theater. Badstr. 58. Badstr. 58. Beginn der Winterspielzeit ab Montag, den 18. September täglich Hoplenraths Erben. Sonntag, 17. Sept., bei ichönem Wetter LGart. 4 U. nachm. Das Mädel ebne Geld Abonnements für den Winter k 0,55. Admlralspalast. Das herrlich« Eisballett ran �antasie. 9 Uhr.», 8, 4 M. 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